Die zwei Gesichter des Abed Hassan

Hamas-Anschlag auf Israel, 7. Oktober 2023
Spokesperson unit of ZAKA

Der 27-jährige Berliner Abed Hassan wird seit Beginn des Gaza-Krieges von TV-Sendern als „deutsche Stimme aus Gaza“ präsentiert. Kurz zuvor hatte er noch davor gewarnt, sich aus etablierten Medien über den Nahostkonflikt zu informieren.

„Die Leute hier brauchen kein Mitleid. Sie brauchen eine Stimme, welche ihre Botschaften in die Welt befördert. Beschäftigt euch mit der Lage und informiert euch unabhängig der gängigen Medienhäuser.“ Mit diesen Worten richtete sich der Deutsch-Palästinenser Abed Hassan Mitte Oktober dieses Jahres in einer Instagram-Story an seine Follower. Kurz darauf machten ihn „gängige“ Fernsehsender wie ARD, ZDF, Arte und RTL einem Millionenpublikum bekannt. In der Arte-Sendung Tracks East wurde er als „deutsche Stimme aus Gaza“ vorgestellt.

Das trifft es ganz gut. Mangels eigener Korrespondenten im Kriegsgebiet griffen deutsche TV-Sender gerne auf Hassans Videos und Augenzeugenberichte zurück. Als Berliner, der gemeinsam mit seiner Mutter wenige Tage vor den Hamas-Massakern am 7. Oktober zu einem Verwandtenbesuch nach Gaza gereist und nun unversehens den israelischen Angriffen ausgesetzt sei, wurde er den Zuschauern vorgestellt. Auch nach seiner Rückkehr nach Berlin am 13. November ist er ein begehrter Gesprächspartner für die Medien geblieben.

Bei Lanz: Ein friedliebender Mensch, der nichts mit Politik am Hut hat

Am 13. Dezember war Abed Hassan zu Gast beim Jahresrückblick von Markus Lanz, zusammen mit der Israelin Laura Kadar Blajman, die den Terrorangriff auf das Nova-Festival überlebte. Zwei friedliebende Menschen, Opfer der großen Politik, die dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen waren, so lautete das Narrativ. Hassan gab sich, wie schon bei seinen Fernsehauftritten zuvor, als vollkommen unpolitischer Mensch, der gar nicht fassen kann, was ihm, seinen Nachbarn, Freunden und Verwandten widerfährt. Als er nach einigen Tagen realisiert habe, „was passiert ist“, sei er „extrem schockiert gewesen und traurig“, sagte er, offenbar bezogen auf das Pogrom vom 7. Oktober, ohne es direkt beim Namen zu nennen.

Jeder getötete Mensch sei einer zu viel. Ein Onkel habe ihm gesagt, der Krieg werde nicht aufhören, „bevor fünfmal so viele Palästinenser getötet worden sind wie Israelis“. Gegen Ende seines Auftritts berichtete er über das schwere Los seiner Verwandten im Gazastreifen und plädierte für ein Ende der „Flächenbombardierung“. Im Übrigen sprach er sich für Frieden und Gerechtigkeit aus.

Friedliebend, emotional und politisch unbedarft gab sich Hassan auch bei seinen vorangegangenen TV-Auftritten. Ein 27-jähriger Berliner Uhrmacher, der in seiner Freizeit Radtouren unternimmt, und nun mit weit aufgerissenen Augen die von einem Raketeneinschlag verwüstete Wohnung seines Cousins durchschreitet. „Es geht mir nicht um den Ort an sich. Es geht mir gar nicht um ein Stück Land, das interessiert mich gar nicht. Ich mag keinen Nationalismus. Mir geht es um Gerechtigkeit, um Menschlichkeit und Gerechtigkeit“, sagt Hassan bei Tracks East in die Kamera. Er wolle nur auf das Leid der Menschen aufmerksam machen. Vor dem Hintergrund des mutmaßlich von einer Rakete zerstörten Nachbarhauses ruft er: „Ich hab grad selbst eine Frau rausgezogen, die hat geatmet, die hat geatmet. Das ist Gaza, Das ist Gaza. Verdammt! Was können wir für diese Scheiße, Mann?“

Bei all der zunächst verständlich erscheinenden Gefühligkeit mutet es doch ein wenig merkwürdig an, dass in Hassans Wortschatz die Begriffe „Israel“ und „Hamas“ nicht vorzukommen scheinen. Warum Hassan niemals die Hamas erwähnt, versucht die Stimme aus dem Off im ARD-Politmagazin Panorama wie folgt zu erklären: „Unter der Hamas gibt es keine Pressefreiheit. Abed ist kein Journalist, aber er filmt, solange die Hamas ihn nicht stoppt.“ In einem Interview nach seiner Rückkehr nach Berlin fragte Panorama ihn, wie er dazu stehe, was am 7. Oktober passiert sei, „dass auf der anderen Seite der Grenze ZivilistInnen entführt wurden und auch getötet wurden“ – man beachte die windelweiche Wortwahl. Hassans Antwort: „Jedes Vergehen an Zivilisten ist unakzeptabel, unakzeptabel. Und das ist eine rote Linie und die darf man nicht überschreiten.“ Und nach seiner Haltung zu den Gegenangriffen Israels gefragt: „Wenn mir jemand ein Unrecht tut, heißt das nicht, dass ich ihm auch Unrecht tun kann. Unrecht wird nicht mit Unrecht bekämpft.“

Auf Instagram: Ein glühender „I.r.e.l.“-Kritiker

Nun muss man dazu wissen, dass es in gewissen Kreisen üblich ist, alle Israelis als „Siedler“ zu bezeichnen, die das den Palästinensern gestohlene Land zur Not auch militärisch verteidigten und daher nicht als Zivilisten zu betrachten seien. Ob auch Hassan so denkt, wissen wir nicht. Seine Äußerungen bei Lanz scheinen dagegen zu sprechen. Was wir jedoch wissen, ist, dass Hassan alles andere als unpolitisch ist. Wenn er in seinen Instagram-Stories Israel erwähnt, dann meist als „I.r.e.l“ oder „A.artheid.taat“.

In einem Beitrag vom 13. Oktober 2021 setzt er Israel mit dem Satan gleich. Zunächst zitiert er eine Koransure, in der der Teufel zu Gott spricht: „Ich bin besser als er. Du hast mich aus Feuer erschaffen und ihn aus Lehm“. Dann fährt Hassan das ganze Arsenal des modernen Antisemitismus auf: „Apartheid und damit Hochmut ist das größte Verbrechen der Menschheit.“ Hochmut äußere sich in purer Menschenverachtung und resultiere in „unkontrollierten Massakern“. Wir seien Zeugen eines Systems, „welches eine Volksgruppe als Auserwählte sieht, während die anderen niedergeschmettert werden“. Das unaussprechliche Israel sei ein Staat, „der Palästinenser wie Tiere behandelt sie vertreibt, sie ermordet und sie gesetzlich diskriminiert. Ein Staat der wenn die Welt nicht zuschauen würde nicht zögern würde alle Palästinenser auf einen Blick auszurotten. Ein Staat der das Leiden der Juden in Europa dafür ausgenutzt hat seine Massaker gegenüber den Muslimen zu rechtfertigen.“

Nun könnte Hassan inzwischen seine Haltung zu Israel geändert haben. Es spricht allerdings wenig dafür. Im Juli 2022 behauptete Hassan auf seinem Instagram-Kanal, Gaza würde „vor Reichtum sprudeln“ und „alle Probleme hier wären gelöst“, wenn die Palästinenser nicht „durch die Belagerung künstlich klein gehalten“ würden. Es stehe schon in dem 1895 erschienenen Buch „Der Judenstaat“ von Theodor Herzl, „dass die Bevölkerung mittellos sein muss und ein Leben am Limit leben soll, sodass sie nur noch ans Überleben denken können und somit aufhören an ihr Rückkehrrecht und Palästina zu denken“. Selbstverständlich hat Herzl, der Begründer des Zionismus, so einen Unfug nie von sich gegeben. In einem Video vom 13. Dezember dieses Jahres wiederholt Hassan seine Behauptung, für die Armut im Gazastreifen sei Israel verantwortlich. Die Wirtschaft in Gaza werde „künstlich kleingehalten“.

Die Geiseln sollen erfahren, wie schwer es die Palästinenser erst haben

Hassans Berichte auf Instagram zum aktuellen Konflikt setzen am 13. Oktober ein. Einen Tag zuvor nahm die Redaktion von RTL Extra nach eigenen Angaben erstmals Kontakt mit ihm auf. Auf seinem Instagram-Kanal gibt er sich genauso überrascht über die israelischen Angriffe ab dem 7. Oktober wie in seinen TV-Interviews. Das von der Hamas verübte Pogrom erwähnt er an keiner Stelle, ebenso wenig die in den Gazastreifen verschleppten Geiseln. Nur an einer Stelle in einer sehr umfangreichen Instagram-Story ist, ohne Kommentar, ein Flugblatt zu sehen, auf dem die IDF Belohnungen für Hinweise auf den Verbleib der Geiseln in Aussicht stellt. Auch in seinen zahlreichen TV-Interviews ist von den Geiseln nie die Rede. Erst in einem, anlässlich seines Auftritts bei Lanz, in mehreren Tageszeitungen veröffentlichten Artikel kommt dieses Thema zur Sprache. „Er habe in Gaza auch an die israelischen Geiseln denken müssen“, heißt es darin. „Ich hätte mich am liebsten zu ihnen gesetzt und ihnen mein Beileid ausgesprochen. Und dann hätte ich ihnen erzählt, wie es uns geht. Dass wir genauso Menschen sind wie sie.“ Wie die Geiseln wohl darauf reagiert hätten?

Dass Hassan vornehmlich an die Palästinenser denkt, mag verständlich erscheinen. Dass er die Hamas nie erwähnt, wird erst verstehbar, wenn man seine Haltung zu Israel kennt. Aus eben diesem Grund erwähnt er wohl auch in sämtlichen TV-Beiträgen, an denen er mitgewirkt hat, niemals direkt Israel. Für die Medienkonsumenten, denen Hassans politische Haltung verborgen bleibt, entzieht sich deshalb aber nicht Israel der Wahrnehmung, sondern nur die Hamas. Wenn er etwa davon spricht, dass Menschen auf der Flucht in den Süden beschossen würden, dann erscheinen israelische Soldaten als die Täter, auch wenn sie nicht genannt werden.

Für Hassans Instagram-Fangemeinde ist ohnehin alles klar. So behauptet Hassan etwa in einem seiner Selfie-Videos, es habe ja niemand ahnen können, dass die „israelische Besatzung“ das Al-Schifa-Krankenhaus angreifen würde. „Das ist ein Krankenhaus …, nichts ist sicher in Gaza!“ Dabei weiß in Gaza jeder, dass die Hamas die Keller unter der Klinik seit langem als Hauptquartier und Folterkeller nutzt. Am 18. Oktober hatte Hassan bereits die Explosion auf dem Parkplatz des Al-Ahli-Krankenhauses tags zuvor genutzt, um Israel zu unterstellen, gezielt Zivilisten anzugreifen. Dass diese Explosion sehr wahrscheinlich durch eine fehlgezündete Rakete einer islamistischen Terrorgruppe ausgelöst wurde, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Bemerkenswert ist jedoch, dass er von mehr als 600 Todesopfern spricht, obwohl selbst die der Hamas unterstellte Gesundheitsbehörde nur von knapp 500 Toten sprach. Zwei Wochen später behauptete er bei ZDF heute, es seien mehr als 1.000 gewesen.

Wenn gemachte Authentizität die Wahrnehmung vernebelt

Solche Fehlinformationen und Übertreibungen finden sich in den Videoschnipseln aus Hassans Instagram-Fundus, die von deutschen TV-Sendern ausgestrahlt wurden, nur selten. Gerade deshalb vermitteln diese Berichte eine Authentizität und Unparteilichkeit, die mit dem wahren Hassan wenig gemein haben. Wenn bei Panorama von einem „Krieg, der Kinder und Unschuldige trifft“ gesprochen wird, tritt Hassan als Zeuge auf: „Ihr wollt nicht sehen, was ich grad sehe. … Komplette Zerstörung. Ein ganzer Wohnblock. Das, was in Berlin der Kudamm wäre oder in Düsseldorf die Kö. Die Hefte der Kinder, die hier gewohnt haben.“ Dass Hassan jene Kinder gelegentlich als „Märtyrer“ bezeichnet, erfahren die Zuschauer nicht. In derselben Instagram-Story berichtet Hassan auch über einen entfernten Verwandten, der von der IDF angerufen worden sei, da sein Haus bombardiert werden sollte. Bereits bei seinem Besuch in Gaza im Mai 2023 hatte er angemerkt, dass die IDF Wohnhäuser angreife, um darin befindliche Personen gezielt zu töten.

Doch warum hielten sich in der zweiten Oktoberhälfte überhaupt noch so viele Menschen in ihren Wohnungen im Norden des Gazastreifens auf, nachdem Israel wiederholt alle Bewohner von Gaza-Stadt aufgefordert hatte, sich in sichere Gebiete im Süden zu begeben? Und warum blieb Hassan bis zuletzt dort, zumal er sich, um ausreisen zu können, ohnehin zum Grenzübergang Rafah am Südrand des Gazastreifens begeben musste? Die Antwort liegt auf der Hand. Doch offen zuzugeben, dass er noch eine Mission zu erfüllen hatte, hätte sein Wehklagen über die angeblich unzureichende Unterstützung der Bundesregierung bei der Ausreise deutscher Staatsbürger aus Gaza unglaubwürdig gemacht.

Vor allem aber hätte es seinen öffentlichen Auftritten die vorgespiegelte Authentizität geraubt. Also sagte Hassan dem heute-journal am 2. November, er bleibe lieber an einem vertrauten Ort bei seiner Familie als in den Süden zu gehen, da auch dort viele „verstorben“ seien und „der Krieg in ganz Gaza stattfindet gleichermaßen“. Kurz zuvor hatte er auf Instagram einen seiner unzähligen „entfernten Cousins“ zitiert, der ihm gesagt habe, die israelischen Flugblätter wie auch die Anrufe dienten nur dazu, die Menschen einzuschüchtern. „Sollte die Armee es wirklich darauf anlegen, hätten sie Krankenhäuser und Schulen bombardiert, um den Leuten zu signalisieren, dass sie ihre Viertel verlassen sollen.“

Man muss das nicht verstehen. Verstehen sollte man aber, dass es unmöglich ist, das Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen neutral darzustellen, indem man den Kontext ausblendet. Wenn die Hamas aus dem Blickfeld verschwindet, spielt das der Terrororganisation in die Karten. Wenn das Pogrom vom 7. Oktober kleingeredet wird, wenn – bei aller berechtigten Kritik – ausgeblendet wird, worum es Israel bei seiner Militäroperation geht, wenn mit keinem Wort erwähnt wird, dass die Hamas von jeher Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht und es darauf anlegt, möglichst viele „Märtyrer“ zu produzieren, um den Hass auf Israel zu schüren, dann freut sich die Hamas und die Zuschauer werden nicht informiert, sondern eingelullt. Wer dem Leid der Menschen im Gazastreifen gerecht werden will, kommt nicht umhin, die Hamas zu erwähnen.

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31 Kommentare

  1. „Apartheid und damit Hochmut ist das größte Verbrechen der Menschheit.“ Was soll daran antisemitisch sein, Herr Rieveler? Ist es nicht so, dass das einer der Hauptgründe ist für alle Menschenverachtung, Krieg und Leid in Geschichte und Gegenwart? Oder ist es so, dass mit dem Diktum „größtes Verbrechen“ sich eine Gruppe inzwischen einen Absolutheitsanspruch anmasst, um eine andere Gruppe schlecht zu behandeln? Und das darf nicht erwähnt werden? Was steckt da für ein Menschenbild dahinter? Eines, das die Gleichheit der Menschen postuliert, jedenfalls nicht.

    1. Auch diese Sprachregelung „Das von der Hamas verübte Pogrom“, das keine Kampfhubschrauber kennt, ist ähnlich parteiisch wie der „Angriffskrieg Russland“, der keine Nato-Osterweiterung kennt.

      In Overton wurde ein Interview mit Jacques Baud* zu Gaza erwähnt. Für jeden, der die Artikel von Max Blumenthal auf The Grayzone zu Gaza kennt, keine großen Neuheiten, für alle anderen sollte das ein Aufrüttler sein.
      https://zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-19-vom-22-dezember-2023.html#article_1617

      _____
      https://www.buchkomplizen.de/jacques-baud.html

  2. Wenn ich die Unverhältnismäßigkeit der israelischen Gegenangriffe nicht mehr als das bezeichnen darf, was sie sind, wenn ich bei jeder Kritik an Israel erst einmal seitenweise erwähnen muss, dass die Hamas 100000 mal schlimmer sei und jeder getötete Israeli genauso viel mehr wert sein, wenn ich nicht mehr eindeutige Äußerungen von Israelis, Palästinenser seien alle Tiere, kritisieren darf, dann, nun, dann kann mir der gesamte Konflikt da eigentlich sowas von egal sein. Denn ich darf nichts mehr sagen, denken, tun. Es ist mir eigenständiges Handeln, Denken und sagen verboten. Die Hamas ist für mich eine Terrororganisation, Basta. All ihre Aktionen sind zu verurteilen. Allerdings ist alles im Gaza nicht im luftleeren Raum. Die IDF ist auch keine Organisation von Engeln. Und Netanjahu ist ebenfalls ein Terrorist, Basta. Aber all das darf ich nicht sagen oder schreiben, weil ich ja so ein pöser Antisemit bin. Ach, lmaA.

  3. Also was lernen wir von Herrn Rieveler, ausser einer erstaunlichen Verniedlichung von Genozid? Dass Herr Hassan „Kontext“ der „Terrororganisation Hamas“ ausblendet?

    Leugnet Herr Rieveler, dass Israel „gezielte Tötungen“, also extrajudizielle Morde, mittels Bomben auf Wohnhäuser durchführt? Leugnet er, dass die gewaltsame Vertreibung über einer Million Menschen in dann trotzdem bombardierte „sichere Gebiete“ im Sinne der UN-Konvention einen Genozid darstellt?

    Ich kenne diesen Herrn Hassan nicht und schaue auch kein Fernsehen. Dass, was ich aus anderen Quellen wie der UN, internationalen Journalistenvereinigungen und anderen über die Kriegsverbrechen der IDF erfahre, ist mir „Kontext“ genug. Ebenso die rassistischen und faschistischen Drohungen und Kraftmeiereien der israelischen Regierung.

    Herrn Rievelers „bedingungslose Solidarität“ ist abstossend. Er will, dass weiter gemordet wird.

    1. „Leugnet Herr Rieveler, dass Israel „gezielte Tötungen“, also extrajudizielle Morde, mittels Bomben auf Wohnhäuser durchführt?“

      Nein, Rievieler leugnet es nicht – viel schlimmer – er rechtfertigt es.

      Doch warum hielten sich in der zweiten Oktoberhälfte überhaupt noch so viele Menschen in ihren Wohnungen im Norden des Gazastreifens auf, nachdem Israel wiederholt alle Bewohner von Gaza-Stadt aufgefordert hatte, sich in sichere Gebiete im Süden zu begeben?

      Mit anderen Worten: Selber schuld, wenn die dämlichen Palästinenser in ihren Wohnungen bleiben, obwohl Israel die Bewohner „auffordert“ zu verschwinden. Wer ein Angebot, das man nicht ablehnen kann, ablehnt, dem geschieht es gerade recht, was mit ihm passiert. Oder kann man das auch anders verstehen? Rieveler gesteht Israel das Recht zu im Gazastreifen machen zu dürfen, was es will. Und wer sich dem widersetzt, einfach dadurch, dass er sein Haus, seine Wohnung nicht verlässt, der hat es nicht anders verdient. Wie soll man das nennen? – z.B. widerliche Parteilichkeit für den israelischen Imperialismus und dessen Schlächtereien.

  4. Fassen wir den Text mal zusammen: Ein Palästinenser mag Israel nicht … wow, und dafür so viele Zeilen geschrieben?
    Letztendlich bedient sich der „Protagonist“ dieses Artikels doch nur der Methoden, die sonst den Mainstream-Medien vorbehalten sind, wie subjektiv berichten, ausblenden, etc …

    1. Auch @ vorherige Kommentatoren (AeaP|Gunther|aquadraht):
      Ich war nach dem raschen Überfliegen des Artikels etwas ratlos, was dieser eigentlich bezweckte. War’s eine generelle Abrechnung mit den Gaza-Palästinensern, oder ganz konkret mit Abed Hassan? Wenn letzteres, müssen wir den unbedingt kennen? Darin unterschwellig verkleidet einige Behauptungen von israelischer Seite , die fix als bewiesen präsentiert werden (kann durchaus sein, dass dieses oder jenes zutrifft, aber bitte nicht auf diese läppische Weise unterjubeln).
      Bei der Antisemitismuskeule -Danke, AeaP- hat’s dann fast gereicht.

  5. Nun ist Overton auch in der Riege der Dreckschleuderjournalisten gelandet.

    Dreckschleuderjournalisten kann man daran erkennen, dass sie andere Journalisten mundtot schlagen wollen oder alle die angreifen, die die anderen Journalisten zu Wort kommen lassen.

    Sowas kann weg, auch wenn darin die verdienstvollen Beiträge von Florian Rötzer stehen. Der sollte woanders schreiben

    1. Herr Rieveler ist Teil des Meinungskorridors, und als solcher durchaus in Overton recht am Platz. Das bedeutet nicht, dass man ihm beipflichten muss oder sollte.

      1. Genau!
        Mich erstaunt auch nicht, dass das Overton-Magazin Rieveler hier veröffentlicht, sondern mittlerweile mehr, dass Rieveler noch hier veröffentlichen will. Aber eben gut, wenn ers trotzdem tut.

    2. Ich finde es weniger schlimm, dass der Bratwursthansel eine andere Meinung hat, sondern vielmehr, dass diese Logikfehler und Doppelmoral aufweist. Ich mag weder linke noch rechte Leute, sondern intelligente Leute. Und der Bratwursthansel ist dies leider nicht. Das ist der eigentliche Fehler von Overton, dass er Leuten eine Plattform bietet, die nicht rational denken und diese Gedanken erörtern können.

  6. Man kann auch über Gaza und Israel reden ohne ständig Werbung für die Hamas zu machen (die Erwähnung der Terrororganisation ist inzwischen so lästig wie „Informationen finden sie auf unser ***************-Seite und unserer Äbb). Das es auch ohne die explizite Erwähnung geht wurde gerade in Rom bewiesen. Und gar nicht mal schlecht. Zumindest traut sich der Franziskus noch Sachen zu sagen die die meisten Linken nicht mal mehr denken.
    Gorby@Orby
    https://www.voltairenet.org/article220217.html

    1. Das interessante ist, dass die Hamas in Europa gar nicht als Terrororganisation gelistet ist. Sonst würden nämlich ihre Unterstützer (Katar, Arabische Emirate, Saudi Arabien) mit Sanktionen belegt werden müssen. Und irgendwie scheint das der Westen als Problem zu sehen. Deswegen ist die Hamas zwar verboten, aber keine Terrororganisation. Und für die meisten Menschen auf der Welt (außerhalb des Westens) ist sie es eh nicht, sondern der legitime (und demokratisch gewählte) Vertreter der Interessen der Palästinenser.

      1. Das letztere ist praktisch eine Lüge. Die letzten Wahlen im Gazastreifen sind ewig her und seitdem regiert die Hamas ohne sich weiteren Wahlen gestellt zu haben. Demokratisch ist das nicht. Das war eine Machtergreifung durch die Hamas. Essieht auch nicht aus als hätte die Hamas die Absicht jemals wieder wählen zu lassen.

  7. Bratwurstjournalist passt schon. Den Massenmord der mit 20.000 Zivilisten, darunter die Hälfte Kinder, einer der schlimmsten der Neuzeit ist, blenden sie vollkommen aus. Hätte Russland so etwas gemacht, dann wäre hier die Hölle los und Hitlervergleiche wären bei Bratwurstjournalisten Gang und Gebe. Naja, der Deutsche mag halt Nationalfaschisten, egal ob sie aus Deutschland, der Ukraine oder Israel kommen. Deswegen sind ja Bratwurstjournalisten wie auch alle anderen Mainstreamjournalisten, Politiker und deutsche Intellektuelle immer auf Zeiten der Massenmörder so lange diese weit rechts sind.

  8. Interessanter Text.

    Nun weiß ich, auf was für eine „Quelle“ sich unsere öffentlich-rechtlichen Medien u.a. stützen. Das wirft übrigens weniger auf jenen Abed Hassan ein schlechtes Licht (denn seine Befangenheit und Parteilichkeit ist immerhin verständlich) als vielmehr auf jene Personen in den Sendeanstalten, die ihn ernst nehmen.

  9. Nichts dagegen, dass Overton Meinungen wie die von HDR veröffentlicht. Leider unterschreitet der Autor jedes argumentative Mindestniveau. Das sollte Overton sich und den Lesern nicht antun.

    1. Als durchnittlicher weisser, alter Mann (Jahrgang 58) und sogenannter Biodeutscher der Willy Brandt Wahlkampfhelfer war, dann Grünen-Mitgründer, Linke-, Die Partei- und zuletzt Tierschutzparteiwähler, würde ich als Palästinänser auch die Hamas unterstützen.
      wer Ursache und Wirkung nicht auseinander halten kann, sollte sich besser gar nicht zum Nahost-Konflikt äußern. Wie heißt es so schön: wenn man keine Ahnung hat, einfach die Fresse halten!

  10. Meinungskorridor ist ja gut und schön, liebe Overton Redaktion. Aber könnte es etwas gehobener sein? Von den Ansprüchen her? Was hier abgeliefert wird, hat nichts mit Meinungskorridor zu tun, ausser man betrachtet Propaganda und Verunglimpfung als Teil des Meinungskorridors.
    Es würde ja schon reichen, wenn man wenigstens auf die Einhaltung journalistischer Standards (die sonst überall abgeschafft sind) pochen würde. Denunziation über die Hintertür gehört vielleicht heute im Mainstream dazu, aber wenn das auch hier Standard wird, warum soll ich das hier dann noch lesen. Das lese ich ja schon im Mainstream.

    Oder hat euch der BND verpflichtet, Propaganda zu bringen, damit ihr weiter auf Sendung bleiben dürft?

  11. Der Artikel von Riveler wirft im Grunde völlig andere Fragen auf als die vom Autor thematisierten.
    1. Wieso verwendet der deutsche Mainstream, der im Normalfall weitgehend einheitliche Agenturmeldungen verbreitet, plötzlich einen Mr. Noname als „Stimme Gazas“?
    2. Wieso bekommt diese Person ungefiltert die Möglichkeit, in nahezu Lauterbachscher Präsenz Meinungen zu verbreiten?
    3. Wie erklärt sich das „zufällige“ Zusammentreffen seiner Reiseaktivitäten mit den Geschehnissen in Gaza?
    Es gäbe bei näherer Analyse der Angelegenheit sicher noch einer Reihe weiterer Fragen, denen nachzugehen lohnenswert wäre. Die hier gestellten dürften jedoch schon ausreichen, die Hintergründe dieses merkwürdigen Vorgehens des Mainstreams zu erahnen. Das Auftreten der „Stimme Gazas“ in der hier geschehenen Weise erlaubt es offensichtlich, auf völlig unpolitische Weise über einen der politischsten Vorgänge der Neuzeit (indirekt) zu berichten. nämlich über einen Konflikt, den zu lösen die Menschheit in 75 Jahren nicht in der Lage war. Und der dazu geführt hat, daß sich die ihm innewohnenden Widersprüche jetzt auf die schrecklichste nur denkbare Weise Bahn brechen. Bei einer solchen Betrachtungsweise wird auch schnell klar, daß diese Stimme wohl nur ein Werkzeug des Mainstreams sein kann.

  12. Für mich ist das heutige Dilemma, darin begründet, das die gesamte Geschichte unvollständig zur Situation in der Levante beschrieben ist.
    Vor allem werden Emotionen benutzt, um diverse politischen Richtungen auszunutzen.
    Was soll so ein Schmarrn?
    Wird der Suez Kanal nicht dazu benutzt, um Altkonglomeraten zu bändigen?
    Wird dieser Konflikt nicht bewusst voran getrieben, um andere Handelswege zu eröffnen?
    Ist dieser globale Hoax nicht dem Kapital geschuldet, um anderen ‚Konkurrenten‘ zu stärken, damit die eigene Situation sich anpassen muss?
    ist dieses Spektakel nicht am Ende inszeniert, weil Politik niemals über eine Legislative beschränkt ist?

  13. Man kann es nicht oft genug erklären, weil hier von allen politischen und medialen Seiten eine reine Weißwaschaktion für Israel und Juden stattfindet.

    Israel ist ein religiöser Gottes- und volkischer Staat. Ja, völkisch.

    Jude ist zunächst mal nur, wessen Mutter Jüdin ist. Ende. Dazu gibt es noch Konvertiten, die aber dort nicht so „richtige“ Juden sind. Dazu zählen dann auch die deutschen Eiferer, die sich als Konvertiten selbst als supermoralisch betrachten, in den meisten Fällen aber ausgegrenzte, besserwisserische Zivilversager waren. Und israelische Staatsbürger sind zunächst Juden… und alle Juden dieser Welt haben das Recht, nach Israel zu kommen und integriert zu werden. Kann man gern in den israelischen Grundgesetzen (je nach Lesart 1 -13 Gesetze) nachlesen. Eine richtige Verfassung hat Israel nach h.M. nicht.

    In dem Staatsbürgerschaftsgesetz, das zu diesen Grundgesetzen gehört, steht denn außerdem auch, dass der Staat Israel „Siedlungen“ fördert und die „Siedler“ nach Kräften zu unterstützen hat. Und dazu holt man sich auch gern Konvertiten aus aller Welt nach Israel „heim“, um die Siedlungen voranzutreiben. Wird im sog. Werte-Westen allgemein gern ausgeblendet.

    Und in den „Siedlungsgebieten“, die in Wirklichkeit gegen Völkerrecht und auch alle möglichen gegen Israel gerichteten UN-Resolutionen verstoßen und daher reine militärische Besatzungszonen sind, gilt natürlich mindestens zweierlei Recht. Mit sowas hat der bigotte Werte-Westen ja Erfahrung. Für „Siedler“ gilt israelisches Zivilrecht, für die Araber, denen die besetzten Gebiete zustehen, gilt ausschließlich Militärrecht. Damit haben auch hiesige Kamerateams schon Erfahrungen gemacht, weil die herbeigerufene Polizei gleich abgewinkt hatte und sich das Militär dann um die Korrespondenten und die hilfesuchenden Palästinenser „kümmerte“.

    Wer als Nichtjude in Israel heiraten möchte, egal ob einen jüdischen oder andersgläubigen Partner, hat ohnehin Pech. Das ist in Israel leider nicht vorgesehen und nicht zulässig. Dort können nur Juden untereinander heiraten.

    Aber statt zu informieren wird hier von Medien und Politik eine dauernde Weißwaschaktion betrieben.

    Damit erfüllt Israel aber die Definition eines Apartheidstaates. Die Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des humanitären Völkerrechts durch Israel stehen außer Frage und sind von zahlreichen NGOs, die im Westen gegen andere Staaten sofort zitiert und als Beleg genannt werden, sowie von verschiedenen UN-Gremien einschl. der Vollversammlung belegt und verurteilt. entsprechende Anzeigen sind bisher auch von mehreren Staaten beim ICC eingereicht worden.

    Das hier monstranzartig dahingebrabbelte Argument, Israel habe ein Selbstverteidigungsrecht, ist zwar generell richtig. Eine Besatzungsmacht kann aber darauf nicht zurückgreifen. Unabhängig von dieser Frage kann aber auch gesagt werden, dass selbst ein Selbstverteidigungsrecht nur in den Grenzen des humanitären Völkerrechts ausgeübt werden kann. Absperren der Infrastruktur zwecks Auslösen von Hungersnöten und Verdursten, Bombardierung bzw. massenhaftes Verrletzen und Töten der Zivilbevölkerung ist jedenfalls nicht zu billigen.

    Eigentlich müsste hesiger Generalbundesanwalt deswegen gegen die Verantwortlichen in Israel nach dem deutschen Völkerstrafgesetzbuch VStGB ermitteln. Gleichzeitig müsste aber insbesondere auch gegen alle deutschen Politiker sowie die Medien, insbesondere die sog. Öffentlich-Rechtlichen, wegen mindestens ausdrücklicher öffentlicher Billigung und Verharmlosung dieser Verletzungen des humanitäten Völkerrechts ermittelt werden.

    Kann jeder gern nachlesen und sich kundig machen. Wer hier mangels Argumenten nur auf den insoweit vüllig falschen Pauschalvorwurf „Antisemitismus“ zurückgreifen kann, billigt das Geschehen damit erst recht.

    1. Man kann sich gern exemplarisch auch mal Interviews und Schriften etwa des israelischen Historikers und Publizisten Prof. Dr. Moshe Zimmermann näher ansehen, der auch hier eine überaus dezidierte Meinung vertritt.

    2. Hallo Herr Haber, danke sehr für Ihre Ausführungen. Es muß nicht nur der Generalbundesanwalt ermitteln, eine Strafanzeige gegen Politiker tut es auch erst mal. Die wird sicherlich eingestellt, aber die Antworten sind manchmal etwas, womit man durchaus weiter arbeiten kann. Wollen wir uns mal zusammentun?

  14. Merkwürdig! Der gesamten Aufpasser-Riege der Mainstream-Medien soll der „wahre“ Charakter dieses so ziemlich einzigen Palästinensers, der im deutschen Fernsehen zu Wort kommen darf, verborgen geblieben sein?

    Welche Gründe führt der Autor an? Dass der Keller unter der Al-Schifa-Klinik für Drahtzieherei und Folter der Hamas genutzt worden sein soll, ist widerlegt. Die angeblichen Beweise der israelischen Armee IDF waren schwache Fake-Versuche und sind im Nichts versandet.

    Ich habe einige weitere Links geprüft, die der Autor als Belege seiner Polemik gelegt hat, und ebenso Nichts gefunden.
    Die Polemik ist haltlos. Der Autor mag Palästinenser nicht und hat ekligen Schaum vorm Mund.

  15. Und hier das Gesicht Israels und seines Siedlerpacks, Herr Rieveler.
    https://www.rosalux.org.il/artikel/wenn-ihr-nicht-verschwindet-bringen-wir-euch-um-im-umland-von-hebron-fliehen-hunderte-palaestinenser-innen-vor-israelischer-siedlergewalt/
    „Viele Palästinenser*innen gehen derzeit durch einen Alptraum der Gewalt und stehen vor der Entscheidung, ob sie ihr Land für Sicherheit aufgeben sollen. Imad Abu Awad aus Maqtal Msalam ist einer von ihnen. Zwar hatten Siedler*innen aus illegalen Außenposten wie Asa’el und Havat Yehuda sein Dorf bereits in der Vergangenheit gewaltsam angegriffen, doch waren dabei bislang keine Schusswaffen im Spiel. Doch mit dem 7. Oktober änderte sich alles.
    «Sie warfen mit Steinen nach mir und zwangen mich, meine Schuhe und meinen Mantel auszuziehen,» berichtet Abu Awad von seinen Erlebnissen während des letzten bewaffneten Siedlerangriffs. «Sie warnten mich, ‹Wenn ihr nicht aus der Gegend verschwindet, bringen wir euch um.› Dann zogen sie lachend ab und ließen mich dabei wissen, dass das ganze Land bald ihnen gehören werde.»“

  16. Ich habe Ihre Beiträge zuvor gerne gelesen und auch weiterempfohlen. Nach diesem Artikel war es das. Wer dieses Massaker nicht sieht und immer noch von Hamas etc. spricht, muss schauen auf welcher Seite er in den Geschichtsbüchern stehen möchte.

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