
Brauchen Deutschland und Europa eigene nukleare Abschreckung, weil auf den „Nuklearschirm“ der USA kein Verlass mehr ist?
Wenn es stimmt, dass derzeit auf deutscher Regierungsebene Gespräche über nukleare Optionen geführt werden, dürfte das zunehmende Rauschen und Raunen der Think Tanks und Sofastrategen in diesen Fragen tatsächlich wohl eine Art Begleitmusik des noch jungen Jahres 2026 sein.
Der Ukraine-Krieg wäre ohne Atomwaffen wohl anders verlaufen

Die Zeiten haben sich geändert und Vieles, was gestern noch nicht vorstellbar war ist heute schon Realität. Die Vision einer nuklearwaffenfreien Welt, die einflussreiche Nichtregierungsorganisationen wie die „Global Zero-Initiative“ seit Langem fordern, schien manchen zeitweise durchaus realistisch. Auch die Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags (in Kraft seit 1970 und von 191 Staaten unterzeichnet) und des Atomwaffenverbotsvertrags (in Kraft seit 2021 und derzeit von 94 Staaten unterzeichnet) hat Hoffnung gemacht. Inzwischen hat sich der Trend zur nuklearen Abrüstung jedoch wieder umgekehrt. Die etablierten Nuklearmächte modernisieren ihre Arsenale, andere Staaten wie etwa China schaffen neue Fähigkeiten auf diesem Gebiet, und die Rüstungskontrollvereinbarungen verlieren an Wirksamkeit – was im Ergebnis mehr nukleare Akteure und weniger Stabilität bedeutet. So ist Anfang Februar 2026 der New-START-Vertrag, der 2011 zwischen den Vereinigten Staaten und der russischen Föderation in Kraft trat, endgültig ausgelaufen. Dies ist eine historische Zäsur, denn nach 50 Jahren erfolgreichen Beschränkungsbemühungen, Abrüstungsverpflichtungen und Verifikationsregulierungen gibt es zwischen beiden nuklearen Großmächten keinerlei beschränkende Rüstungskontrollabkommen mehr. Vielmehr denken weitere Staaten über nukleare Bewaffnung nach.
Nuklearwaffen haben ein Schadenspotenzial, welches das Überleben der gesamten Menschheit unter hohes Risiko stellt. Ein tatsächlicher Einsatz wäre für alle Seiten katastrophal. Es gibt aber keine Garantie, dass diese Erkenntnis dazu führt, dass Nuklearwaffen nicht eingesetzt werden. Ganz im Gegenteil: Je mehr nukleare Akteure mitspielen, je ausgereifter die technischen Entwicklungen werden und je komplexer sich damit das strategische Entscheidungsfeld um nukleare Einsätze und Einsatzdrohungen gestaltet, desto höher wird das Risiko einer mangelnden internationalen Beherrschbarkeit nuklearer Waffen. Durch Künstliche Intelligenz wird dieses Risiko auf eine neue Stufe gehoben.
Zugleich haben die nuklearen Drohungen Russlands dazu geführt, dass auch in Europa zunehmend über eigene Nuklearwaffen diskutiert wird. Und es stimmt ja: Der Ukraine-Krieg wäre ohne Atomwaffen wohl anders verlaufen. Wäre Russland keine Atommacht, hätte es vermutlich eine intensivere Debatte um ein direktes westliches Eingreifen gegeben. Wer nicht selbst für seine Sicherheit sorgen könne, habe sein Schicksal nicht in der Hand, tönt es zunehmend.
Rationale Sicherheitspolitik erfordert gezielte Investitionen in eine defensive Ausstattung der Streitkräfte
Souverän könnten Deutschland und Europa nur sein, wenn sie militärisch sowohl konventionell als auch nuklear auf eigenen Beinen stehen. Dass nun einige Experten empfehlen, Europa müsse sich nuklear bewaffnen, gehört zu den abenteuerlichsten Forderungen in der aktuellen sicherheitspolitischen Debatte. Die insgesamt etwa 500 britischen und französischen Nuklearwaffen seien nicht ausreichend, und die nukleare Teilhabe an den US-Atomwaffen böte angesichts eines wankelmütigen Amerikas keinen ausreichenden Schutz mehr. Daher müsse über eine europäische Bombe nachgedacht werden, so etwa der ehemalige Außenminister Joschka Fischer. „Wir brauchen einen gemeinsamen Koffer mit rotem Knopf, der zwischen großen EU-Ländern wandert“, fordert auch der Großstratege Herfried Münkler.
Man fragt sich, wie die „nuklearen Brandstifter“ sich dies vorstellen. Jedenfalls werden weder Frankreich noch Großbritannien dazu bereit sein noch gibt es in der EU einen Konsens über eine nukleare Bewaffnung. Denn zurecht werden die Risiken einer solchen Option als deutlich zu hoch bewertet, sei es mit Blick auf das Risiko, dass dann andere Staaten nach Atomwaffen streben, sei es, was die politischen und finanziellen Kosten dafür angeht. Zugleich sind die tatsächlichen Optionen (von wie auch immer gearteter europäischen Variante, über Vergemeinschaftung französischer oder gar britischer Nukes bis hin zu eigenständiger deutscher nuklearer Bewaffnung) allesamt unrealistisch und nicht machbar und daher spricht vieles dafür, dass dies ein Sturm im Wasserglas ist.
Es zeigt aber, wie fundamental sich die sicherheitspolitische Lage und damit auch die diesbezüglichen Debatten verändert haben. Dabei ist es keine gute Idee, im politischen Diskurs um Krieg und Frieden von einem Extrem ins andere zu verfallen. Zusammen mit dem Geschwätz von „Kriegstüchtigkeit“ bewegt sich die sicherheitspolitische Debatte in eine gefährlich falsche Richtung. Verteidigungsfähige Streitkräfte und eine handlungsfähige europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik sind angesichts der Rückkehr des Themas Landes- und Bündnisverteidigung notwendig und kosten auch Geld. Dabei darf es jedoch weder zu alarmistischer Dramatisierung von Bedrohungen noch zu sicherheitspolitischer Naivität kommen.
Rationale Sicherheitspolitik erfordert gezielte Investitionen in eine defensive Ausstattung der Streitkräfte – mit abschreckender Wirkung, aber ohne das Sicherheitsdilemma weiter zu verschärfen. Die Debatte um europäische Nuklearwaffen trägt nichts dazu bei.
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Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. 😉
Mal im Ernst.
Es verhält sich wie in der USA bei den Schusswaffen.
Um so mehr im Umlauf sind, desto eher werden sie auch eingesetzt.
Nach Jahren der eingeflüssterten narrative, frage ich mich, mit welchem Geld, Personal oder Gesselschaft…, kann man einen Feind besiegen, dem man gerade in der Ukraine verloren hat?
Die nukleare Doktrin ist seit Jahrzehnten aus dem ‚deutschen Denkhaus‘ heraus, sie wollen ja grün aufgestellt sein und haben zeitgleich ihre Denker zum aussiedeln genötigt.
Wie will Deutschland einen militärsischen Komplex errichten, wenn die Energie zu teuer ist, der Sozialstaat zu teuer ist und man keine Intelligenz zu diesem abgefrackten Haus zu bringen?
Idiotie fängt dort an, wo man seine eigene verursachte Idiotie nicht erkennt.
Dass manchen konservativen deutschen Politikern spätestens seit dem Beitritt Deutschlands in die Nato, der Mund nach dem Erwerb von Atomwaffen wässert, davon konnte bereits Franz Josef Strauß, der sich darüber beklagte dass die Deutschen »atomare Habenichtse« seien, ein Lied singen.
Leider geht es dilettantischen Staatsmännern wie Joschka Fischer nicht in den Schädel, dass der Besitz von Atomwaffen eher eine Bedrohung Deutschlands als eine Abschreckung Russlands bedeutet.
Sollte es tatsächlich zu einem heißen Krieg der Nato gegen Russland kommen, dann wäre der Einsatz von Atomwaffen das Ende der Nato und insbesondere das Ende Deutschlands und Russlands.
Ob die deutschen Falken ein Ende Deutschlands in Kauf nehmen würden, bloß um der Befriedigung Willen, dass auch Russland dabei drauf geht?
@henio
Ich widerspreche: im Fall des Einsatzes von Atomwaffen würde Mittel- und Osteuropa atomar verwüstet, inklusive Belarus. Das Mutterland sowohl der USA, als auch Russlands würde aber ausgespart, quasi als allerletzte zu beachtende rote Linie.
In Mitleidenschaft gezogen würde natürlich trotzdem der gesamte Planet.
Putin’s net approval rating in Europe 2026
Top haters
– Ukraine -98
– Sweden -94
– Denmark -94
https://x.com/Tendar/status/2020832993640935761/photo/1
Was soll das beweisen? Das die NATO-Propaganda wirkt? Das die westeuropäischen Gesellschaften Seit jeher russophob sind?
Das ändert nichts an der Niederlage ihrer Gesinnungskampagne in der „Ukraine“!
Oder wollen sie uns zeigen, mit welchen Vorlagen sie masturbieren?
Dass GBU-57 und Seinesgleichen Bemühungen,
in der EU Hass zu schüren, erfolgreich waren!
Und wann wird Deutschland dann von den USA und Russland wegen des bruchs des Atomwaffen Sperrvertrages militärisch besetzt?
Im Falle des Iran reichte ja schon die bloße Vermutung für einen Überfall durch US/Israel.
O-BM
Overton-Bundeswehrmagazin
Tägliche Ausgabe garantiert.
Bundeswehr. Nur echt bei Overton.
Heute schon jedient?
Mit Genderwissenschaftlern wird das aber nichts. Und mit Naturwissenschaften haben die woken es ja nicht so… Die Franzosen werden auch nicht helfen…eigentlich will niemand in Europa ein atomar bewaffnetes Grossdeutschland. Und in dem Tempo, wie die Deindustriealisierung voran getrieben wird, wird die notwendige industrielle Basis für so ein Programm verschwunden sein, bevor auch nur mit der Ausbildung von Kernphysikern begonnen werden kann.
Für das zünden einer Atombombe gibt es
fünf Jahre Gefängnis, gibt es bei drei Stück
Rabatt ? Selbstverständlich sollte sich
Deutschland mit eigenen Atombomben
ausrüsten, so könnten wir ständig unsere
Nachbarn erpressen. Siemens würde keine
3 Monate brauchen um einige davon zu
produzieren, man sollte auch den
wirtschaftlichen Aspekt nicht unterschätzen.