
Was nützt der Krieg, außer den wenigen, für die der Krieg riesige Gewinne bedeutet?
„Zur Hölle mit dem Krieg!“ („War is a Racket“ im englischen Original aus dem Jahre 1935) von Smedley D. Butler ist eine scharfe Kritik an macht- und wirtschaftspolitischen Interessen hinter militärischen Konflikten. Der Autor war selbst General und Kriegsteilnehmer. Durch seine persönliche Erfahrung als Soldat entlarvt Butler das Geschäft mit dem Krieg als interessengeleitetes, von Profitstreben getriebenes System – auf Kosten menschlichen Leides.
In der Welt stehen heute 40 Millionen Männer unter Waffen – und unsere Staatsmänner und Diplomaten haben dennoch die Frechheit zu behaupten, dass sich kein Krieg anbahnt.
Werden diese 40 Millionen denn, verdammt nochmal, zu Tänzern ausgebildet? Sicher nicht in Italien. Mussolini weiß, wofür sie ausgebildet werden. Wenigstens ist er offen genug, um es auszusprechen. Erst neulich sagte der Duce in einer Veröffentlichung namens »International Conciliation« der Carnegie Endowment for International Peace [einer Stiftung des Millionärs Andrew Carnegie]:
»Und vor allem glaubt der Faschismus, je mehr er die Zukunft und die Entwicklung der Menschheit unabhängig von den politischen Erwägungen des Augenblickes betrachtet und beobachtet, weder an die Möglichkeit noch an die Nützlichkeit eines immerwährenden Friedens … Der Krieg allein bringt alle menschliche Energie zu ihrer höchsten Spannung und drückt den Völkern, die den Mut haben, sich ihm zu stellen, den Stempel des Adels auf.«
Zweifellos meint Mussolini genau das, was er sagt. Seine gut ausgebildete Armee, seine große Flugzeugflotte und sogar seine Marine sind auf den Krieg vorbereitet – und offenbar auch darauf erpicht. Das hat seine jüngste Position gezeigt, als er Ungarn in dessen Streit mit Jugoslawien zur Seite stand. Und die überstürzte Mobilisierung seiner Truppen an der österreichischen Grenze nach der Ermordung von Dollfuss hat das auch bewiesen. Es gibt auch andere in Europa, deren Säbelrasseln über kurz oder lang einen Krieg ankündigt. Das aufrüstende Deutschland unter Hitler und dessen ständigen Forderungen nach immer mehr Waffen stellt eine ebenso große, wenn nicht sogar noch größere Bedrohung für den Frieden dar.
Frankreich hat erst vor kurzem die Militärdienstzeit für seine Jugendlichen von einem Jahr auf 18 Monate erhöht. Ja, überall sitzen die Nationen auf ihren Waffen. Die tollwütigen Hunde Europas sind auf freiem Fuß.
Millionen und Milliarden Dollar für einige wenige
Im Orient ist das Manövrieren geschickter. Als sich Russland und Japan im Jahr 1904 bekämpften, warfen wir unsere alten Freunde, die Russen, raus und unterstützten Japan. Damals finanzierten unsere sehr großzügigen internationalen Banker Japan. Jetzt will man uns gegen die Japaner aufhetzen. Was bedeutet die Politik der »offenen Tür« in China für uns? Unser Handel mit China beläuft sich auf etwa 90 Millionen Dollar pro Jahr. Und was ist mit den philippinischen Inseln? Wir haben in 35 Jahren etwa 600 Millionen Dollar auf den Philippinen ausgegeben und wir (unsere Banker, Industriellen und Spekulanten) haben dort private Investitionen von knapp 200 Millionen Dollar.
Um den Chinahandel zu retten oder um diese privaten Investitionen auf den Philippinen zu schützen, würden wir zum Hass auf Japan aufgestachelt und in den Krieg ziehen – einen Krieg, der uns möglicherweise zehn Milliarden Dollar, Hunderttausende von Amerikanern das Leben und noch viel mehr Hunderttausende von körperlich verstümmelten und geistig zerrütteten Männern kosten würde.
Natürlich gäbe es für diesen Verlust einen ausgleichenden Gewinn – denn es würde ein Vermögen entstehen. Millionen und Milliarden Dollar würden sich herausbilden. Für einige wenige: Munitionshersteller, Schiffsbauer, Fabrikanten, Fleischpacker, Spekulanten. Ja, diese Berufsgruppen bereiten sich auf einen weiteren Krieg vor. Warum auch nicht? Ein weiterer Krieg würde schließlich hohe Dividenden erzielen. Nur was nützt es den Massen? Was nützt es den Menschen, die getötet werden? Was nützt es den jungen Männern, die verstümmelt werden? Was nützt es ihren Müttern und Schwestern, ihren Ehefrauen und ihren Geliebten? Und was nützt es ihren Kindern?
Was nützt es irgendjemandem, außer den wenigen, für die der Krieg riesige Gewinne bedeutet?
Und was hat die Nation davon? Nehmen wir unseren eigenen Fall als Beispiel. Bis 1898 besaßen wir kein einziges Territorium außerhalb des Festlandes von Nordamerika. Zu dieser Zeit betrug unsere Staatsverschuldung etwas mehr als eine Milliarde Dollar. Dann fingen wir an »international zu denken«. Wir vergaßen oder verdrängten den Rat des Vaters unseres Landes. Wir vergaßen George Washingtons Warnung vor »verstrickenden Bündnissen«. Und so zogen wir in den Krieg. Und erwarben fremdes Territorium. Am Ende des Weltkrieges war unsere Staatsverschuldung als unmittelbare Folge unserer Verstrickungen in internationale Beziehungen auf über 25 Milliarden Dollar angestiegen. Rein buchhalterisch gesehen lagen wir also Jahr für Jahr mehr im Rückstand. Der Außenhandel hätte uns auch ohne die Kriege gehören können.
Das wäre weitaus billiger (und nicht zuletzt sicherer) für den durchschnittlichen Amerikaner gewesen, sich aus ausländischen Verstrickungen herauszuhalten. Für einige wenige bringt dieses Geschäft, wie auch der Schmuggel und andere Unterweltgeschäfte, schöne Gewinne ein – aber die Kosten werden immer auf das Volk abgewälzt, das nicht davon profitiert.



