Ein Huthi-Team aus Taiz besucht Mokka, „um die Stabilität und die öffentlichen Dienstleistungen wiederherzustellen“. Bild: Saba.ye
Ein weiterer Rückschlag für Trumps Nahostpolitik.
1. Ein strategischer Erfolg
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat nach tagelangen Kämpfen mit regierungstreuen Kräften die Hafenstadt Mokka an der jemenitischen Westküste eingenommen, ihre Kontrolle entlang des Roten Meeres und in der Nähe der Schifffahrtsroute Bab Al Mandeb ausgeweitet und ca. 1000 Quadratkilometer besetzt.
Die Einnahme von Mokka durch die Huthi am 10. September 2026 ist mehr als nur ein weiterer Rückschlag für die international anerkannte Regierung des Jemens. Der historische Hafen am Roten Meer bietet der Miliz eine strategisch wichtige Position, etwa 75 km von der Meerenge Bab Al Mandeb entfernt.
Die Huthi-Miliz eroberte Mokka erstmals im November 2014 während einer Offensive im Süden, Monate nachdem sie die Hauptstadt Sanaa eingenommen hat. Sie nutzte den Hafen, um Waffen in Richtung ihrer nördlichen Hochburgen zu transportieren, bis sie im Januar 2017 von einer saudisch geführten Militärkoalition vertrieben wurde.
Jahrhundertelang war Mokka eines der bekanntesten Kaffeehandelszentren der Welt und exportierte jemenitische Kaffeebohnen in Märkte vom Nahen Osten bis nach Europa. Sein Name wurde zum Synonym für Kaffee.
Heute ist Mokka jedoch ein bedeutender Logistikknotenpunkt an der Küste, dessen Lage wichtiger ist als die Kapazität seines Hafens. Dort werden Stückgüter umgeschlagen, allerdings bei weitem nicht so viele Güter wie im wichtigsten jemenitischen Hafen am Roten Meer, Hodeidah.
Bab al-Mandab heißt das „Tor der Tränen“ und ist nach seinen gefährlichen Schifffahrtsbedingungen benannt. Es ist der südliche Ausgang des Roten Meeres und trennt Jemen von Dschibuti und Eritrea – eine wichtige Route für Rohöl und Treibstoffe aus dem Persischen Golf, die durch den Suezkanal oder die Sumed-Pipeline ins Mittelmeer transportiert werden.
Die Meerenge steht zwar nicht unter der direkten Kontrolle der Huthi, die Einnahme von Mokka stärkt aber die Position der Huthi-Rebellen und schwächt eine wichtige Logistik- und Operationsbasis ihrer Gegner im Süden. Ca. 12 Prozent des Welthandels wird durch diese schmale Wasserstraße abgewickelt.
Die unmittelbare Sorge gilt Dhubab, einem Gebiet weiter südlich und viel näher an Bab Al Mandeb. Berichten zufolge rückte die Huthi-Miliz am 10. September auch dorthin vor.
Das verleiht Mokka vor dem Hintergrund des Irankrieges eine zusätzliche Bedeutung. Da die Straße von Hormus bereits stark eingeschränkt ist, hat Bab al-Mandab für den Handel und den Energiefluss zwischen dem Persischen Golf, dem Indischen Ozean, dem Roten Meer und dem Suezkanal drastisch an Bedeutung gewonnen.
Mokka verschafft der Huthi-Miliz keine Kontrolle über die internationale Schifffahrt und sein Hafen ist nicht groß genug, um ihre maritimen Kapazitäten allein zu verändern. Seine Bedeutung liegt aber vor allem in seiner geografischen Lage.
Sollte die Eroberung Bestand haben, wäre dies wohl der bedeutendste konkrete Gebietsgewinn für Irans Stellvertreter seit Kriegsbeginn am 28. Februar und einer der größten strategischen Erfolge der Huthi-Rebellen seit dem Waffenstillstand 2022.
Die zentrale Frage ist nun, ob Mokka ein isolierter Sieg oder der Beginn eines Vormarsches der Huthi-Miliz in Richtung Dhubab und Bab al-Mandab ist. Im letzteren Fall könnte die Eroberung weit über die Kämpfe im Jemen hinausreichende Folgen haben und eine weitere Bedrohung für die ohnehin schon beeinträchtigte globale Schifffahrtsroute darstellen.
Die Folgen dieser Eroberung war bereits an den Finanz- und Rohölmärkten zu spüren. Der Schiffsverkehr über die Meerenge Bab Al Mandeb brach am 10. September ein, auch die Zahl der Schiffe in der Straße von Hormus blieb nach erneuten Angriffen niedrig. Die Miliz hat zuvor ein „Seeembargo“ gegen Saudi-Arabien verhängt und greift Schiffe an, die Rohöl aus OPEC-Ländern transportieren.
Nach einer Reihe von Angriffen der Huthi-Rebellen leiten die Saudis inzwischen ihre Tanker über das Mittelmeer um.
Vor diesem Hintergrund schnellte der Preis für Brent-Öl auf 105 Dollar pro Barrel hoch, da die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten die Sorgen um die globale Versorgungslage verstärkten.
Zahlreiche Soldaten, dide für Saudi-Arabien gekämpft haben, sollen sich in den Regionen Hays, Mokka, Khawkhah, Taizé und Jawf. ergeben haben. Screenshot aus Video von Ypagency.net
2. Die Bloßstellung der US-Hegemonie
Pakistan forderte inzwischen den Iran auf, die Huthi-Rebellen einzudämmen, nachdem diese ihre Angriffe auf das Königreich Saudi-Arabien verstärkt haben, berichtete Reuters unter Berufung auf saudische, pakistanische und iranische Quellen. Die vom Iran unterstützte Miliz griff am 8. September einen Luftwaffenstützpunkt und Ölanlagen in Saudi-Arabien an und verletzten dabei mindestens 73 Menschen. Saudi-Arabien reagierte mit 54 Luftangriffen im Jemen, wie die Huthi mitteilten.
Ein iranischer Beamter bestätigte Pakistans Aufforderung, sagte aber: „Der Iran hat keine Kontrolle über die Huthi.“ Zwei iranische Quellen gaben allerdings an, Teheran habe die Huthi letzte Woche angewiesen, Saudi-Arabien anzugreifen, und ihnen zusätzliche Finanzmittel und Waffen versprochen.
Wie dem auch sei, eine Miliz aus einem wirtschaftlich schwachen Land macht Weltgeschichte. Sie hat es geschafft, die Weltmacht der USA und deren Satelliten herauszufordern und die maritime Sicherheit neu zu definieren. Die Situation im Roten Meer hat die Grenzen der US-Macht und ihrer Verbündeten aufgezeigt.
Trotz massiver Luftangriffe der von den USA geführten Koalition und hartem Sanktionsdruck ist es nicht gelungen, das militärische Potenzial der Huthi zu zerstören. Der Einsatz billiger Drohnen und ballistischer Anti-Schiff-Raketen gegen die extrem teuren US-Luftverteidigungssysteme hat die tiefgreifende Asymmetrie der modernen Kriegsführung offengelegt.
Ein nichtstaatlicher Akteur hat bewiesen, dass er in der Lage ist, technologische Kriegsführung auf Augenhöhe mit regulären Armeen zu betreiben. Die Huthi haben sich von einem regionalen Stellvertreterakteur zu einem Machtfaktor entwickelt, der in der Lage ist, Bedingungen zu diktieren.
Als Teil der sog. „Achse des Widerstands“ verstärken die Huthi Teheran Einfluss auf die US-amerikanische und israelische Kriegsführungsstrategie, wohingegen der Iran formal am Rande bleibt und behauptet, dass „die Huthi ihre eigenen Entscheidungen treffen“.
„Eine Bewegung, die lange Zeit als ein bloßer iranischer Stellvertreter abgetan wurde, hat sich zu einem zunehmend autonomen Partner Teherans entwickelt, der sein Engagement im regionalen Aktivismus kalibriert und seine innenpolitische Machtbasis festigt“, schrieb Jonathan Fenton Harvey bereits am 13. Juli 2026 in seinem Artikel „Die Huthi bestimmen zunehmend ihre eigene Agenda“ für Responsible Statecraft.
Wie Danny Citrinowicz (ein prominenter Iran-Analyst am Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Israel) argumentiert hat, könnte die Aussicht auf eine gemeinsame Blockade von Hormus und Bab al-Mandeb den strategischen Wert der Huthi aus Teherans Sicht erhöhen. Entscheidend ist aber, dass sie auch den Einfluss der Bewegung innerhalb dieser Partnerschaft stärken könnte, da die Huthi nachweislich in der Lage sind, selbst zu entscheiden, wann und wie sie diese Drohung einsetzen.
Der geopolitische Einfluss der Huthi reicht mittlerweile weit über die Arabische Halbinsel hinaus. Die Miliz begann Allianzen am Horn von Afrika zu schmieden (insbesondere durch die Koordinierung ihrer Aktionen mit der al-Shabaab-Bewegung in Somalia).
Dadurch entsteht die Gefahr einer „maritimen Einengung“ auf beiden Seiten der Bab al-Mandeb-Straße, was die USA zwingt, ihre Afrikastrategie zu überdenken und u. a. nach neuen Stützpunkten in Somali zu suchen.
Billige Drohnen und Raketen zwingen die hochentwickelten Militärs zu extrem teuren Abwehrmaßnahmen, was zu einer materiellen und psychologischen Zermürbung führt.
Die Huthi haben bewiesen, dass selbst eine kleine, aber hochmotivierte Miliz im 21. Jahrhundert die moderne asymmetrische Kriegsführung beherrscht, die der Weltwirtschaft Bedingungen diktiert, globale Handelsströme umlenkt und das mächtige Militärbündnis erfolgreich herausfordern kann.
Weder die von den USA geführte Operation Prosperity Guardian noch die Angriffe der Koalition konnten den Huthi ihre Offensivkapazitäten berauben. Dies hat den Status der USA als Hauptgarant der globalen Schifffahrtssicherheit untergraben und die US-Hegemonie bloßgestellt.
Michael Silnizki (20. Juni 1957) immigrierter 1976 nach Israel aus der Sowjetunion, wo ich 6 Jahre verbrachte. Im Januar 1982 wanderte ich nach Deutschland ein. An der Uni. zu Köln absolvierte ich geisteswissenschaftliche Studien (Philosophie, gr. Philologie, kath. Theologie). 1987 und in den 1990er-Jahren arbeitete für Forschungsinstitute: BIOst (Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien) und Max-Planck-Institut f. Europäische Rechtsgeschichte. Ab Anfang des Jahrhunderts bin ich sozusagen ein Privatgelehrter und habe mehrere Bücher und zuletzt ca. 250 Studien geschrieben, die auf meiner Webseite: www.ontopraxiologie.de zu finden sind. Mehr Beiträge von Michael Silnizki →
Guter Artikel! Man sollte noch hinzufügen, das saudisch unterstützte Milizen und Milizen, die von den Emiraten/ Israelis unterstützt werden, aneinander geraten sind. Kurz vor Beginn des Iran- Krieges hat Saudi- Arabien die regulären Truppen der Emiratis aus dem Jemen vertrieben…
Es scheint sich die Wiedervereinigung des Jemen anzubahnen.
Jemens Huthis (Ansar Allah) haben die Perim-Insel, auch bekannt als Mayyun, erobert, die zu einer der strategisch wichtigsten Positionen in der Bab el-Mandeb-Straße vorrückt, während die Gruppe entlang der Küste des Roten Meeres im Jemen nach Süden drängt, so Berichte von AFP und anderen Nachrichtenagenturen vom 11. September.
Die gemeldete Einnahme der Insel kommt einen Tag, nachdem die Huthis die Hafenstadt Mokha erobert haben und inmitten eines schnellen Vormarsches in Richtung Dhubab.
Reuters berichtete sogar am 11. September, dass die Streitkräfte der Gruppe bereits Dhubab erreicht haben, das direkt gegenüber von Perim liegt.
Ein nettes, wenn auch etwas bescheidenes Witzchen (wobei Sie ja vielleicht wissen, dass die besagte Stadt wirklich – Stichwort zeitweises Kaffeehandelmonopol vor geraumer Zeit – da namensgebend war :-)).
Und ganz allgemein: Die, äh, „international anerkannte Regierung“ … ja, da gab es (laut Wikip.) 2014 die letzten Präsidentschaftswahlen, die für das Parlament liegen sogar schon 23 Jahre zurück. Die Verfassung erlaubt das offenbar, ja, o.k., so isch‘s no halt au wieder…
Guter Artikel! Man sollte noch hinzufügen, das saudisch unterstützte Milizen und Milizen, die von den Emiraten/ Israelis unterstützt werden, aneinander geraten sind. Kurz vor Beginn des Iran- Krieges hat Saudi- Arabien die regulären Truppen der Emiratis aus dem Jemen vertrieben…
Es scheint sich die Wiedervereinigung des Jemen anzubahnen.
Heute sind sie schon einen Schritt weiter.
Übersetzt, aus https://southfront.press/houthis-seize-island-at-bab-el-mandebs-narrowest-point/
Inzwischen wird gemeldet, das die Houthis die gesamte jemenitische Küste und alle Inseln des Roten Meeres kontrollieren.
Als nächstes sind die Städte Cappuccino und Latte macchiato dran. Teetrinker können sich auch weiterhin beruhigt zurücklehnen.
Ein nettes, wenn auch etwas bescheidenes Witzchen (wobei Sie ja vielleicht wissen, dass die besagte Stadt wirklich – Stichwort zeitweises Kaffeehandelmonopol vor geraumer Zeit – da namensgebend war :-)).
Und ganz allgemein: Die, äh, „international anerkannte Regierung“ … ja, da gab es (laut Wikip.) 2014 die letzten Präsidentschaftswahlen, die für das Parlament liegen sogar schon 23 Jahre zurück. Die Verfassung erlaubt das offenbar, ja, o.k., so isch‘s no halt au wieder…
Oh, hehe, ich sehe gerade, dass meine Allgemeinbildungs-Belehrung da etwas naseweis-unnötig war, steht ja auch im Artikel, ne…