
Trump wird vorübergehen, dessen vermeintlicher Faschismus wird abwählbar bleiben – schauen wir lieber mal auf Europa, wo kaum mehr was abwählbar scheint.
Wieder mal ein Unfall der Geschichte. Etwas, das passiert ist und nicht absehbar war. Dergleichen kommt immer wieder vor – immer dann nämlich, wenn jemand die Regierungsgeschäfte übernimmt, der – völlig wertfrei gesprochen – mit dem Alten bricht. Oder bei dem es so aussieht, als breche er mit dem Ancien Regime. Aktuell hat man dem amtierenden US-Präsidenten dieses Label angehängt. Und plötzlich saß er im Weißen Haus – und dann, nachdem er sich wegen einer Abwahl von seinem Platz erheben musste, nahm er abermals dort Platz. Wiedergewählt. Der Unfall der Geschichte, wir wissen es, weil man es quasi dauernd wiederholt, ereignete sich sogar zweimal – wobei schon dieser Umstand, dass der vermeintliche Unfall, inkarniert in der Person dieses Donald Trump, sich wieder abwählen ließ, jene zum Nachdenken anregen sollte, die vom Schlimmsten ausgehen.
Vom F-Wort nämlich – der Kategorie, mit der man links seit mindestens 1949 täglich hausieren geht, wenn innerhalb der freimütig-demagogische Grundordnung etwas so läuft, wie man es selbst nicht haben will. Nun wendet man jenes Wort auch für die Vereinigten Staaten an. Der Unfallverursacher nämlich, er habe den Faschismus amerikanisiert. Erstaunlich, dass man dabei vergisst, dass er ein Wiedergewählter ist – und nebenher, so großartig überraschend ist es nicht, dass in Amerika immer mal wieder Leute zu Ruhm und Ehren kommen, die man auf den ersten Blick nicht dort wähnen würde. Denn das »politische Fachpersonal«, es hat völlig versagt und ein Reservoir für größtmögliche Unzufriedenheit geschaffen. So entstehen Unfälle – so knallt es. Nichts kommt aus dem Nichts. Nie und nimmer.
Faschismus, immer wieder Faschismus …
Nun muss ich ehrlich zugegeben, dass ich diese Faschismus-Rufe – das F-Wort, von dem ich eben sprach – schon seit geraumer Zeit nicht sonderlich leiden kann. Hin und wieder fühle ich mich auch ertappt, wenn ich etwa über EU-Sanktionen gegen Journalisten und gegen die Meinungsfreiheit schreibe und den Impuls hege, dies alles als faschistische Maßnahmen zu kennzeichnen. Ist das nötig? So frage ich mich dann ertappt. Und überhaupt: Gibt es Ungerechtigkeit und Autokratie nicht außerhalb eines Systems, das Faschismus sein soll? Mir ist so, als sei die Welt, ehe der Faschismus in sie trat, auch schon ein Jammertal und ein Höllenritt gewesen – im Dreißigjährigen Krieg, lange vor dem 20. Jahrhundert ausgetragen, geschahen Grausamkeiten und wurden despotische Maßnahmen exekutiert, ohne dass man vom F-Wort und der F-Praxis etwas wusste. Magdeburg wurde 1631 zerstört, mindestens 20.000 Menschen fanden den Tod. War dieses »Magdeburgisieren«, wie man den Vorgang danach nannte, etwa faschistisch? Sie sehen schon, wie albern das ist.
All diese Berichte aus den zeitgenössischen Vereinigten Staaten, aus Trump-Amerika, die mit dem Vorwurf eines dräuenden, ja gar schon eines etablierten Faschismus‘ wuchern, sind kaum mehr erträglich. Geht es eine Spur weniger marktschreierisch? Was in jenem Land über dem Atlantik geschieht, muss man ja nun tatsächlich nicht für lobenswert erachten, aber dass dort drüben nun ein 1933 ausgebrochen sei, weil sich wieder mal ein Unfall der Geschichte ereignete, ist hanebüchen und freilich auch propagandistisch. Ich komme nochmals zu dieser Frage zurück: Braucht man denn den Faschismus, um Gewalt auszuüben? Eine artverwandte Frage, die auf demselben Feld gestellt wird, ist diese hier: Ist es wirklich so, dass die Verwerfungen und Ungerechtigkeiten, die es weltweit gibt, sich lediglich immer als eine Folge des Kapitalismus erweisen müssen? Gab es solche Missstände nicht auch schon in Zeiten, in denen man vom kapitalistischen Wirtschaftssystem noch gar nichts wusste?
Beide Fragen sind substanziell, denn wir wissen ja, weil es gerne wiederholt wird, mittlerweile sogar vom Mainstream: Der Faschismus sei der über die Stränge schlagende Kapitalismus. Faschismus als »terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals«? Schöne Grüße von Georgi Dimitroff … All das klingt freilich markig, unglaublich systemkritisch und gescheit. Das stimmt aber ungefähr so sehr, wie das mit dem Unfall der Geschichte, der aus dem Nichts über das Land kam. Mussolini »erfand« das faschistische System – es sollte eine Art dritter Weg zwischen Kapital und sozialistische Bestrebungen sein, zwischen Stadt und Land und – in Italien – zwischen dem agrarischen Mezzogiorno und dem industriell prosperierenden Settentrione. Der Staat, ein mächtiger, ein über die Maßen starker Staat, ein zweckorientierter Leviathan, der sich selbst als unantastbare Gottheit zu begreifen hatte – und dessen Führer diese ungeheuerliche Potenz als menschliche Kreatur abbilden sollte –, verstand sich als Mittler zwischen gegensätzlichen Entitäten. Er sollte zwischen den Lagern stehen, die Interessen in sich bündeln. Zurückzuführen ist der Begriff »Faschismus« auf das Liktorenbündel der alten Römer, den Fasces, dem Logo der Schwarzhemden – gebündelt werden sollten aber nun eben auch alle Kräfte, linke wie rechte Bestrebungen, um ein leistungsfähiges Gemeinwesen zu schaffen.
Vor der eigenen Haustür
Ich bin mir nicht mehr sicher, welcher Historiker einst darauf verwies, dass der italienische Faschismus nicht sympathisch war, aber eben operettenhaft genug, um nicht die ganz großen Verbrechen zu begehen – denen widmeten sich dann die Deutschen, die den Import des Faschismus in der Erscheinung des Nationalsozialismus pervertierten. Möglicherweise wies Sebastian Haffner darauf hin? Oder war es Joachim Fest? Denn die Juden verfolgten die Faschisten jenseits des Brenners nicht – erst später, als die Nazis ihren italienischen Vorlagengeber fest im Griff hatten, gerieten sie auf völlige Abwege. Bevor ich mich verfranze: Wo bitte ist im vermeintlich amerikanischen Neo-Faschismus, der sich angeblich unter Donald Trump etabliert, die Vorstellung eines Staates zu spüren, der die Partikularinteressen bündelt, um jedem – in der Theorie wenigstens – gerecht zu werden? Von Trump vernimmt man viel, er sonnt sich sicherlich auch nicht ungerne in seinem Personenkult – aber ist er derjenige, der Kapital und sozialistische Umverteilung zusammenführen will? Soll die reiche West- und Ostküste den armen Rusty Belt auffangen? Davon wurde bis dato noch nichts berichtet.
Übrigens, jetzt werde ich nihilistisch: Wenn nationale Souveränität überhaupt etwas bedeutet, dann doch wohl, dass andere Völker auch einen wie auch immer gearteten rigiden Staat verwirklichen dürfen. Erstaunlich folglich ebenfalls, dass nun etliche Leute hierzulande voller Sorge über den Atlantik blicken, die sonst ihren Groll gegen die Amerikaner nicht verbergen konnten. Warum sorgen sie sich denn nun plötzlich derart um die Zukunft der Amerikaner? Nicht wenige von denen, die nun brennender Sorge sind, unterlassen es jedoch, vor der eigenen Haustür zu begutachten. Deutschland und Europa – oder andersherum? – entwickeln sich zu einem System, das eines wohl besser kann, als dieser Donald Trump: Sich vor einer Abwahl schützen. Sie legen ihren rigiden Staat – ihren Faschismus? – so an, dass er strukturell ist. Egal was man dereinst anstellen will, es wird nicht mehr abzuwenden sein.
Wie steht es denn um das faschistische Potenzial auf unserem Kontinent? Gemessen an der klassischen Idee des Faschismus, kann man in unseren Gefilden etwas feststellen, was für die zeitgenössischen Vereinigten Staaten nicht zutrifft: Eine gewisse Allmachtfixierung – vorsichtig ausgedrückt – unter dem Banner eines starken Staates oder eines übermächtigen Staatsbündnisses, lässt sich attestieren. In Washington ist das nicht der größte Antrieb – auch wenn unter Trump natürlich Zuständigkeiten mit und gegen die einzelnen Bundesstaaten diskutiert werden. Nur ist das nicht neu, sondern steckt seit Anbeginn in der Matrix jener Union in Übersee. Ständig rangen Bundesstaaten mit den Feds, konkret mit dem Präsidenten, um Kompetenzen und Rechte. Das ist weder »typisch Trump«, noch steckt darin derselbe Impuls, wie im europäischen Pendant. Denn auf diesem unseren Kontinent träumt man vom überwachten Bürger, von Meldestellen und Redaktionsdurchsuchungen ohne richterliche Genehmigung. Steht all das dem Faschismus nicht etwa näher als das, was sich dort drüben abspielt?
Die Amerikaner sind widerstandsfähiger als die Europäer
Mich erfüllen die letzten Zeilen und Absätze mit etwas Unzufriedenheit. Denn eigentlich wollte ich nicht zu sehr in die F-Falle tappen. Ob nun hier oder dort mehr Faschismus drinsteckt: Ist das von Belang? Wem hilft das? Im Kern zeigt sich doch, dass das F-Wort für die Einordnung politischer Phänomene von heute ungefähr so geeignet ist, wie die Richtungsangaben »links« oder »rechts« – da letzteres irrtümlicherweise als Synonym für den Faschismus herangezogen wird, entgegen dem, was beispielsweise Götz Aly aktuell, Eberhard Jäckel oder Sebastian Haffner einst, dazu anmerkten, macht das Dilemma erst perfekt. Die Linken hatten die Nationalsozialsten – wenn wir die mal als deutsche Spielart der Faschisten durchgehen lassen – schnell in der Tasche. Die Wähler der Kommunisten fielen schnell um und wählten recht bald jene Partei, die soziale Versprechungen machte – und sie auch einhielt. Wenn auch freilich lediglich für Volksgenossen. War dieses Soziale nur Kalkül? So erklärt man das häufig. Vielleicht trifft es zu – vielleicht auch nicht. Aber anders gefragt: Ist der Sozialstaat an sich nicht immer Kalkül, eine Wette auf den sozialen Frieden, der die Villen der Reichen besser schützt, als hohe Mauern?
Ich kann mir die oben gestellte Frage abermals nicht verkneifen, auch wenn ich weg wollte von diesen Faschismus-Vergleichen: Hat man im neuen Faschismus unter Trump denn etwas von sozialen Reformen gelesen? Macht das sein System jetzt eher faschistisch oder eher nicht? Merken Sie, man bekommt einfach keine Ordnung in die Sache. Dieses historische Wortungetüm scheint aus der Zeit gefallen, weil es sich auf heutige Systeme nur schwerlich übertragen lässt.
Lassen wir also zum Ende hin dieses leidige Wort weg. Sprechen wir nüchtern von dem, was hier und dem was dort ist. Ohne es mit Begrifflichkeiten aus der Geschichte zu schmücken, die ohnehin keinen Wert und keinen Bezug mehr haben können. Worauf ich eigentlich hinaus will, das ist die Arroganz des alten Europas, das nun nach drüben schaut und so tut, als habe es genau verstanden, was sich in den States abspielt. So als ob wir auf diesem Kontinent geläutert genug sind, um das zu begreifen. Schließlich haben wir das schon durch. Haben wir? Eines muss man dem überheblichen Europäer mal sagen: Trump wird vorübergehen – er wird nicht mehr gewählt werden können. Vielleicht wird sein heutiger Vize Nachfolger, vielleicht aber auch nicht. In den Staaten wird das System, wie es war – ungerecht, kurzsichtig, aber dennoch halbwegs stabil – weiterhin existieren. Trumps Administration wird, völlig wertfrei ausgedrückt, nichts derart Nachhaltiges hinterlassen, sodass Amerika nach seiner Regierung ein völlig anderes Land sein könnte. Es wird mehr schlecht als recht, also so wie es immer schon war, weiterlaufen. Und Europa? Hier setzt man strukturell an, hier manifestiert man ein Regime, das sich tief in die nationalen Gesetzgebungen verschraubt – Europa ist nachhaltig in diesem Punkt. Und bald werden die Amerikaner auf Europa blicken und festhalten, dass das nun mal das Wesen der Europäer sei, in den Faschismus zu schlittern. Ob sich jenes historische Wort dann eignen wird, um dem Wesen des neuen feudalen Europas gerecht zu werden, entscheiden wir vielleicht besser, wenn es so weit ist.
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Europäische Arroganz? Europa ist doch selbst integraler Bestandteil des aktuellen Faschismus. Und das nicht erst seit gestern. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Wesen des europäischen Faschismus von einer sehr offenen Ausprägung zu einer eher subtilen Vorgehensweise. Und jetzt, wird er halt wieder offen zelebriert. Und wie im Faschismus üblich steht die Presse, die Intellektuellen und das Volk stramm hinter dem Führer. Nur ist der Führer nicht dieser Kanzlerdarsteller Merz, sondern das Großkapital in Form von Musk und Konsorten.
Ein gelungener Essay, wie ich finde. Er regt zum Nachdenken an. Respekt.
Nicht nur an dieser Stelle ist dem Autor zu widersprechen: die Wähler Hitlers kamen vor allem von den Beamten und aus dem Kleinbürgertum; die Arbeiterschaft hingegen erwies sich als ideologisch gut geschult und lief ihm keineswegs hinterher! Das hing stark zusammen mit dem hohen Einfluss damaliger Gewerkschaften auf ihre Klientel, die heute so nicht mehr gegeben ist.
Sehr geehrter Herr De Lapuente, hier sollten Sie sich besser kundig machen!
Hhm, wo ist denn die Mio. Rotfrontkämpfer nach 33 geblieben, waren das auch keine Arbeiter, die auch in der SA eine neue Heimat fanden?
Wir dürfen nicht aus der objektiven sozialen Bestimmung der Arbeiterklasse im kapitalistischen Reproduktionsprozeß als revolutionäres Element eine schematische Ableitung auf das individuelle und kollektive Handeln der Arbeiterschaft vollziehen. Auch diese war massenhaft (!) an den Verbrechen an den Osteuropäern und Juden beteiligt. Woraus m M nach, die Unfähigkeit der Arbeiterklasse, iher „historischen Mission“ nach 45 folgen zu können, entstand.
Ich bin aus einer Familie der traditionellen Arbeiterbewegung und konnte von Kindheit an diesen tragischen Prozeß verfolgen und auch erleben.
@OberstMeyer
Ich stelle nicht in Abrede, dass es da natürlich auch Ausnahmen gab – nur war das eben nicht die Regel.
Hinsichtlich meiner Argumentation bitte ich Sie, den Zweig mit @Häretiker zu verfolgen (hier im selben Thread).
Richtig. Bei der letzten, keineswegs freien Wahl im Nazireich stimmten die Wähler der KPD mehrheitlich für ihre Partei, obwohl vor jedem Wahllokal SA-Leute standen und nicht selten bekannte Kommunisten und Anhänger zusammenschlugen und in die wilden KZs schleppten. Roberto verbreitet Fake News.
Von den Arbeiterorganisationen kapitulierten die sozialdemokratischen am schnellsten: Am 1. Mai reihten sich die ADGB-Gewerkschaften hinter der Nazi-Deutschen Arbeitsfront ein, was ihre Auflösung nicht verhinderte.
Richtig ist, dass der Arbeiterwiderstand begrenzt blieb, immerhin stammte die grosse Mehrzahl der bis 1939 in Konzentrationslagern und „Schutzhaft“ Eingesperrten aus den Reihen der Arbeiterparteien, vor allem der KPD und linkssozialistischer Organisationen, in geringerem Masse auch der SPD.
Das soll nicht überdecken, dass spätestens seit 1935, nach dem „Röhm-Putsch“ und der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Konsolidierung, das NS-Regime die grosse Mehrheit der Deutschen hinter sich oder mindestens nicht gegen sich brachte. Dabei haben die Westmächte mit ihren Zugeständnissen und ihrer offenen NS-Kollaboration bis 1939 erheblich beigetragen und die nationalistischen Stimmungen befeuert.
@ aquadraht
Der VP kritisiert den Autor, wegen dessen Einschätzung zum Wahlverhalten im Deutschen Reich vor 1933. Ob die soziale Zusammensetzung der Wähler der KPD in den 30er Jahren zuverlässig anzugeben ist, erscheint mir zweifelhaft.
Sie beschreiben hingegen Verhältnisse, da gab es keine Wahlen mehr, es herrschte Staatsterrorismus.
Richtig, im NS gab es keine Wahlen mehr, die den Namen verdienten.
Aber Roberto hatte geschrieben:
Das ist Geschichtsklitterung, zum mindesten. Richtig ist, dass im NS Staatsterror herrschte, und keiner „jene Partei, die soziale Versprechungen machte – und sie auch einhielt“, also die Nazipartei, „wählen“ konnte.
Und ich sehe nicht, dass Alex nur die Zeit vor 1933 im Sinn hatte.
Zum Wahlverhalten bis 1933 gibt es die Arbeit von Falter et alii „Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten, 1919–1933″ München 1986. Daraus kann man auch die Verteilung auf Wahlkreise eruieren, was mehrfach getan wurde. Das stützt nicht, dass die“Wähler der Kommunisten“ vor 1933 „schnell umfielen“ und die NSDAP wählten. Und nach 1933 gab es nicht viel zu wählen.
Roberto hat da Stuss geschrieben, worauf auch Alex hinwies. Sicher mag er „gemeint“ haben, dass die Anhänger der Kommunisten nach den ersten Erfolgen der Nazis wie der Rest der Deutschen mehrheitlich Anhänger der Nazis wurden. So etwas in der Richtung schrieb auch Haffner (mit durchaus gehässigem Unterton – er war auch nicht frei von Antikommunismus – und daran mag Roberto gedacht haben. Das macht aber seine Behauptung nicht minder falsch,
Es ist auch so, dass Widerstand gegen das NS-Regime während der gesamten Zeit mehrheitlich aus den Kreisen von Kommunisten und ihren Sympathisanten kam. Andere, wie kirchliche und bürgerliche Kreise, stiessen grosssenteils erst hinzu, als es ihnen an den Kragen ging.
@aquadraht
Einen Punkt muss ich ggü. Herrn de Lapuente wohl doch einräumen: zwar waren die Parteimitglieder der KPD resilient, doch hatten sie durchaus ein Problem mit einem vergleichsweise hohen Anteil an (verzweifelnden?) Wechselwählern, von denen nicht wenige -weil ideologisch eben nicht geschulte- arbeitslose Arbeiter tatsächlich zur NSDAP überliefen.
Dennoch bleibt im Kern bestehen, dass die Arbeiterschaft sich als vergleichsweise resilient erwies: ihr Anteil in der Partei war nie auch nur annähernd so hoch wie ihr Bevölkerungsanteil.
@ Alex_R
„…. Wähler Hitlers kamen vor allem von den Beamten und aus dem Kleinbürgertum …“
Wenn Sie den Autor belehren, dann wäre es eine Geste der Höflichkeit und Fairness, die Quellen, die Sie zum kundigen Kritiker machten, zu nennen. 11,7 Mio Beamte und Kleinbürger (ein eh indifferenter Begriff) bei einer Bevölkerung von ca. 65 Mio (1932)?
Können Sie benennen, wo die Ergebnisse der Reichsagswahlen zwischen 1928 und 1933 derart diffenrenziert nach sozialen Gruppen analysiert wurden? Und glauben Sie, dass die statistische Auswertung von Wahlergebnissen in den 30er Jahren des 20 Jhd. derart entwickelt war, dass solche Aussagen möglich waren? Vor allem unter Berücksichtigung, dass eine solche Auswertung für die Machthaber ab 1933 eh gegensandslos war.
@Häretiker
Sie haben nicht unrecht; die Angaben sind aus dem Gedächtnis zitiert, nach Quellen müsste ich recherchieren.
Nein, Wahlumfragen gab es tatsächlich nicht. Die entsprechenden Quellen sind eher in den Mitgliedslisten der NSDAP zu finden, die gewisse Rückschlüsse erlauben (Anteil einer sozialen Gruppe in der Partei, verglichen mit Anteil in der Bevölkerung).
Möglicherweise liefere ich hier noch nach.
Dennoch: ich bin mir sicher, dass Sie die Anzahl der Kleinbürger ganz erheblich unterschätzen.
@ Alex_R
Danke für die sachliche Reaktion. Interessant wäre es , wenn Sie fündig würden.
Ja, Kleinbürger, das ist eben ein denhbarer Begriff. Zählte der Industriemeister dazu oder schon zum Proletariat? Waren Handwerksmeister Kleinbürger, auch wenn Sie über längere Zeiten weniger Einkünfte erzielten als Industriearbeiter?
Der Begriff ist schwammig, weil er von „Funktionären der Revolution“ abwertend für eine Gesinnung stand und weniger als sozialökon. Abgrenzung.
Sehr gern!
Das Ergebnis meiner Recherche finden sie einen Zweig weiter unten!
@Häretiker
Hier nun eine Quelle:
„(…) Am stärksten sei die NSDAP von Angehörigen des alten und des neuen Mittelstandes — also von Handwerkern, kleinen Geschäftsleuten, mittelständischen Bauern sowie von Angestellten, Beamten und Freiberuflern — gewählt worden. (…)
Dazu dieser Link zur „Bundeszentrale für politische Bildung“:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/531298/wer-verhalf-der-nsdap-zum-sieg-neuere-forschungsergebnisse-zum-parteipolitischen-und-sozialen-hintergrund-der-nsdap-waehler-1924-1933/
Die gehobene Schicht blieb ebenso wie die Oberschicht der DNVP (deutsch-national) verhaftet,
die Katholiken blieben dem Zentrum verbunden,
die Arbeiter, die Arbeit hatten, blieben SPD & KPD verbunden,
wildern konnten die Nazis höchstens unter den arbeitslosen Arbeitern (vermutlich aus einer gewissen Verzweiflung heraus), wobei sich hier die Anhängerschaft der SPD als die stabilere erwies (weil die demokratische Republik bejahend);
Wechselwähler waren eher ein Problem der KPD.
Hinsichtlich der parteilichen Institutionen war es dann genau umgekehrt, hier waren die Kommunisten resistenter als die Sozialdemokraten (siehe dazu auch die Angaben von @aquadraht).
Ich habe oben nur auf Mitgliedslisten der NSDAP hingewiesen, dabei gibt es (siehe @aquadraht) noch ganz andere Untersuchungsmöglichkeiten.
Betrachte die Zusammensetzung eines Wahlbezirks, sowie das dortige Ergebnis im Vergleich mit dem reichsweiten Gesamtergebnis, und untersuche folgende Aussagen, die sich alle als korrekt erweisen:
– je mehr Katholiken, desto weniger Stimmen für die NSDAP
– je mehr Arbeiter, desto weniger Stimmen für die NSDAP
– je mehr Arbeitslose, desto mehr Stimmen für die NSDAP
– je ländlicher der Bezirk, desto mehr Stimmen für die NSDAP
Der gewerkschaftlich organisierte Facharbeiter war resilient;
der unorganisierte Tagelöhner war es nicht.
@ Alex_R
Das leuchtet ein.
Deutet aber auch darauf, dass die ökonomischen Umstände zu radikalen Ansichten führten und weniger die Zugehörigkeit zu einer Klasse, die ein spezifisches Bewusstsein hervorbringt, welches konsistentes Veralten bewirkt.
Marxistisch philosophieren lässt sich natürlich besser mit halbwegs vollem Bauch, das ist sicher richtig.
„Zuerst kommt das Hemd, dann kommt die Jacke.“
Sind die Grundbedürfnisse nicht gedeckt, folgt man jedem, der einem einen Teller Suppe verspricht.
Ich wies bereits auf das Buch von Falter, Lindenberger und Schumann hin. Zur Sozialstruktur in der Weimarer Republik gibt es eine ganze Reihe von Publikationen, die sich ziemlich einig sind über die überwiegende Herkunft der NSDAP-Anhängerschaft aus kleinbürgerlichen Schichten, Akademiker eingeschlossen.
Die Weimarer Republik war kein Dritteweltland. Die Auswertung von Wahlergebnissen und Sozialstruktur ist kein Hexenwerk.
@ aquadraht
„Die Auswertung von Wahlergebnissen und Sozialstruktur ist kein Hexenwerk.“
Natürlich nicht. Die Frage ist, ob es auch in den heute üblichen Intentionen erfolgte. Die Sozialstruktur wurde damals sicher anders bestimmt als heute. Selbst zwischen den beiden deutschen Staaten gab es keine deckungsgleiche Begrifflichkeiten.
Die von Ihnen und @ Alex_R genanten Quellen sind eben auch nicht Zeitdokumente, sondern Interpretationen von uns unbekanntem Material. Das ist keine Abqualifizierung, aber die Einschätzung historischer Ereignisse wird zwangsläufig durch das „Prisma der Zeit“ gebrochen.
Ihre Quellenangaben nehme ich dankend entgegen und bin mir sicher, da für mich erschöpfende Angaben zu finden.
Der Sammelbegriff „Faschismus“ mag als Beschreibung für Entwicklungen vor 1922 ungeeignet sein; dennoch umfasst er Elemente (Rassismus, Nationalismus, Anti-Parlamentarismus, Sozialdarwinismus, …), die einzeln für sich (oder deren Vorläufer: Tribalismus statt Nationalismus/Rassismus) auch in anderen Zeiten zu beobachten waren.
Dann nennt der eine sie halt unpräzise „faschistisch“, während die präzisere Aussage besser lauten müsste: „Elemente, die auch dem Faschismus zu eigen sind“.
Ja, meine Güte!
Kann man sich drüber echauffieren, muss man aber nicht.
Wir leben in einer Zeit in der sich Meinungsartikel wie dieser binnen Stunden überholen. Noch vorgestern hätte ich Roberto zugestimmt, aber heute wirkt sein Artikel wie aus der Zeit gefallen.
Die Welt ist im Aufruhr, wir leben im Zeitalter der Monster. Was gestern noch richtig war, ist heute schon falsch.
Die USA und Israel haben den obersten religiösen Führer des Iran ermordet. Das hat Putin nicht getan. Der Schurke Selensky und der noch nicht verurteilte Völkermörder Netanjahu darf leben. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?
Wie ich immer befürchtete ist in Middle East ein globaler Konflikt ausgebrochen, der uns schon morgen selbst betreffen wird, wenn wir uns über die steigenden Preise für Öl und Gold die Augen reiben. Der Iran hat seine Ankündigungen wahr gemacht und greift alle amerikanischen Stützpunkte in der Golfregion an. Wer sich von den arabischen Ölmonarchen der Kollaboration mit den „amerikanischen Teufel“ schuldig gemacht hat, muß nun die Rechnung bezahlen. Wer sich in Europa und den USA der Unterstützung des zionistischen, kolonialrassistischen Regimes schuldig gemacht hat, dem wird jetzt die Rechnung präsentiert.
Insofern sehe ich keinen Unterschied in der Schlechtigkeit zwischen den USA und Europa! Die Europäer sind nur noch dümmer als die Amis, die glauben stark zu sein.
Der feige Mord an iranischen religiösen Führer Ali Chamenei hat die schiitische Welt in Rage versetzt. Im Irak und in Pakistan greifen schiitische Muslime bereits amerikanische Botschaften an. Das wird sich verstärken wenn die Todesnachricht überall in der schiitischen Welt durchgedrungen ist. Terroranschläge hierzulande kann man leider nicht ausschließen.
Nein rational ist das alles nicht, denn der Mensch ist ein emotionales Tier. Wirklich rational können nur wenige Menschen Denken. Vielleicht die zukünftige KI, die die Menschheit früher oder später ablösen wird?
@Naomi
„Die USA und Israel haben den obersten religiösen Führer des Iran ermordet. Das hat Putin nicht getan. Der Schurke Selensky und der noch nicht verurteilte Völkermörder Netanjahu darf leben. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“
Das hätte Putin mal besser getan! Bei aller Ideologisierung oder Kritik: Ein nichttaugliches Staatsoberhaupt wie z. B. Selensky in die ewigen Jagdgründe zu schicken, wäre um ein Vielfaches humaner gewesen, als ein um den Vorwand des Brudervolkes ‚zartes‘ Vorgehen zum Preis von Hunderttausenden von Toten; auf beiden Seiten!
@ Naomi: Die Angriffe des Iran auf Saudi-Arabiens und die US-Stützpunkte in Katar
ec. waren rein strategisch. Sie haben den Weg der iranischen Raketen in Richtung
Israel freier gemacht. Die Ermordung des obersten Religiösen Führers Chamenei wird
jetzt die ganze Welt erschüttern. Alle US Einrichtungen und alle Jüdischen werden
jetzt zu Zielen, nicht nur von Iranern, d.h. von Schiiten, sondern die ges. islamische Welt
wird sich erheben. Netanjahu wird etwas schwieriger zu erwischen sein als Trump. In
Israel wird man Netanjahu nicht eleminieren können, aber er wird irgendwann in die USA
reisen. Trump wird es sicherlich vorher erwischen. Zu den US Einrichtungen die jetzt Ziel
der Gläubigen in aller Welt werden, gehören wahrscheinlich auch Fillialen von MC Donald und
anderen US Unternehmen. Der Faschismus wird in den kommenden Monaten unser geringstes
Problem sein!
Ich bin nicht religiös!
Aber aus Gründen der Menschlichkeit muß man Religionen achten. Die Sowjetunion hat gezeigt, das Verbot von Religionen, das Verbot des Kopftuches in Buchara nach den Sieg der Bolschewiki, bewirkte das Gegenteil. Dasselbe gilt für die modernen Kriege zur Bekämpfung des Terrorismus. Weder in Afganistan, Irak, Libyen und Syrien führte Moral bombing for democracy zum gewünschten Ergebnis. So wird es auch im Iran sein.
Israel und die USA haben in Middle East die Büchse der Pandora geöffnet.
Die gesamte westliche Welt hat sich der kolonialrassitischen Unterdrückung schuldig gemacht. Dafür muß jetzt der Preis entrichtet werden. Dieser sieht aber anders aus als im Lehrbuch für Marxismus vorgesehen.
Uns steht eine schwierige, chaotische Zeit bevor, ganz unabhängig ob wir die Verbrechen des Regimes bekämpft oder unterstützt haben.
Rette sich wer kann!
Roberto kriegt es hin gleichzeitig sich darüber zu mokieren wie unangemessen und dämlich es eigentlich ist, das Wort „Faschismus“ für heutige politische Phänomene ständig noch zu verwenden und verwendet es im selben Atemzug dann trotzdem. Und dabei verplempert er die Hälfte seines Textes genau damit sich darum zu winden.
Das ist irgendwie so wischi-waschi überhaupt nicht überzeugend.
In der anderen Hälfte will er sagen, dass das was in den USA unter Trump geschieht doch eigentlich weniger schlimm ist als das was in Europa unter EU-Herrschaft geschieht. Eben weil man Trump und seine Truppe noch mal abwählen könnte.
Zunächst einmal: Natürlich ist es verblödeter Unsinn wie die MSM versuchen Europa moralisch über die USA zu erheben. Darüber muss man nicht diskutieren.
Aber wir werden sehen inwieweit Trumps Truppe noch mal abgewählt wird. Wenn die noch eine Legislatur dran bleiben, könnten die auch das amerikanische System ’nachhaltig‘ ändern. Auf der anderen Seite aber weiß doch jeder, dass die Demokraten, würden sie gewählt werden, ja auch nicht das tolle Gegenmodell sind, halt nur anders übel.
So wirklich was abwählen kann man nämlich weder in Europa noch in USA!
Und am Ende, egal wie viele totalitäre Verhaltensweisen man aktuellen europäischen Regierungen unterstellen möchte: Ich lebe doch noch sehr viel lieber in Europa als im den trumpschen USA und fühle mich auch wesentlich freier hier.
Die USA sind nämlich doch in vielen Dingen deutlich schlechter als Europa, wenn auch nicht auf die Art, die die MSM hier so in ihren märchenhaften, moralintriefenden Erzählungen propagieren wollen.
Viel Spaß beim Versuch, Frau von der Leyen abzuwählen! Oder versuchen Sie es mal mit „impeachment“?
Schrieb ich nicht?:
Zum Personenkult um Trump möchte ich was sagen. Er beruht einerseits auf seinem Verhalten beim Attentat, ein unerschrockener Mann, und andererseits auf Karikaturen. Trump, wie er eine MAGA-Anhängerin fickt, was für ein Kerl, und wie er als König beschimpft wird, eine Herrscherpersönlichkeit, die sich bei seinen Gegnern nicht anbiedert, sondern auf sie scheißt (Video), das sind die mehr oder weniger unbewussten Assoziationen. Was man dem Mann negatives anhängen will, es wirkt irgendwie positiv, selbst wenn eine Nutte behauptet, der Verkehr mit ihm waren die schrecklichsten zehn Minuten in ihrem Leben, also immerhin nicht drei Minuten.
Und Trump verändert Amerika auch. Er beendet die Globalisierung. (Die, die nicht kapieren, was das ist, werden sagen, dass Handel gut ist.) Und er reduziert die Bedeutung der Nato und unterstützt die größenwahn- und schwachsinnigen europäischen Politiker nicht, und was er unternimmt, so abenteuerlich es auch ist, es scheint zu klappen
„Sie sehen schon, wie albern das ist“.
Das Problem ist, dass Normal-Null in Europa und im Westen – wenn wir mal nicht das F-Wort benutzen wollen – „problematisch“ ist. Normal-Null bedeutet: der Westen zündet irgendwelche Länder an, ermordet Millionen Menschen, erpresst Länder, stiehlt ihnen die Rohstoffe und hindert sie daran sich zu entwickeln, fördert Warlords und andere Kriminelle, um Staaten unregierbar, klein und fernab der Möglichkeit zu halten eines Tages als Konkurrent auf den Plan treten zu können (vll. wollen die Staaten das ja auch gar nicht, wie China z.B.*), man benimmt sich wie das größte Schwein auf Erden und im Westen verschwindet all das hinter Lady Gaga und Konsum, kurz hinter der Popkultur. Das heißt: ich spreche einem Standard-Westler ab sich überhaupt ein Bild darüber machen zu können, was Faschismus überhaupt bedeutet. Ein Standard-Westler sieht nämlich nur dann das Problem, wenn die eigene Komfortzone angegriffen werden, in New York 3 Wolkenkratzer einstürzen, die von zwei Flugzeugen getroffen wurden. Das, was die ganze Zeit läuft, da kriegt er nichts von mit, will er auch nichts von mitkriegen.
Ich hab ein bißchen das Gefühl, dass dieses F-Wort mehr für Unbehagen sorgt, weil es einen vielleicht an die eigene Verantwortung erinnert, anstatt, dass man es wirklich als überzogen bezeichnen könnte. Das gilt natürlich nicht pauschal. Manchmal ist es vielleicht wirklich nicht angebracht.
Ich möchte mal ein Beispiel nennen, was ich bereits historisch als Faschismus einstufe: woher kommt der Begriff „dezimieren“. Jeder weiß, was dieser Begriff heute für eine Bedeutung hat. Es besagt kaum mehr als „reduzieren“. Er hat aber eine bitter-böse Herkunft. Dezi kommt von „zehn“, lateinisch „decem“ bzw. Dezimeter, Dezember (alter Kalender, 10. Monat), Deziliter etc. etc. etc. Die Römer haben einst, nachdem sich Soldaten geweigert haben einen Befehl auszuführen die betreffende Armee „dezimiert“. D.h. sie haben pauschal jeden 10. abgemurkst. Und soweit ich weiß mussten die anderen diesen Befehl ausführen, also ihre eigenen Mitstreiter umbringen. MW ging es dabei um 6000 Mann.
Nun dennoch kann man darüber streiten wie sinnvoll dieser Begriff ist oder nicht. Ich persönlich möchte mit diesem drastischen Begriff zum Ausdruck bringen: nicht weil, wir es geschafft haben die westliche Gewalt hinter Popkultur und Co verschwinden zu lassen, ist sie nicht mehr da. Was ich damit also sagen will, ist: DAS – andere Länder überfallen und Millionen Menschen zu ermorden (oder in der Ukraine zum Krieg zu zwingen, zu versklaven) – ist nichts Anderes als das, was Hitler gemacht hat. Die breite Öffentlichkeit schaut da wie immer weg und will nicht mit dieser unangenehmen Wahrheit konfrontiert werden. Dass die deutsche sog. „Justiz“ ausrastet, wenn man diesen Umstand herausstellt und ua mit einem feigen Trick versucht solche Vergleiche unter Strafe zu stellen, nämlich dass ein Verbrechen exakt genauso aussehen muss, wie das was Hitler bis zu seinem Ableben (wehret den Anfängen beginnt ja früher, bezieht sich also auf seine Anfänge, wo er diese Verbrechen noch NICHT begangen hat) gemacht hat – also man müsste schon KZs bauen und eben alles wiederholen, ehe man vermutlich (vll. auch dann nicht) die Erlaubnis von der sog. „Justiz“ erhält solche Vergleiche überhaupt in Betracht ziehen zu dürfen – sagt eine ganze Menge aus. Defacto will die sog. „Justiz“ unterm Teppich halten, was wirklich abläuft. Sie will, dass das Bild aufrecht erhalten wird, welches man sich so schön zusammengebastelt hat, worauf ja auch unser (rassistisches) Überlegenheitsdenken fußt. Im Letzten will sie nicht, dass die Verbrechen des Westens mit den (angeblichen) Verbrechen der Gegenseite auf eine Stufe gestellt oder gar der Wertigkeit entsprechend beurteilt werden. So sieht sie es als „Solidarisieren mit Terroristen“ an, wenn man „from the river to the sea“ skandiert. Wenn die israelische Führung den gleichen Satz verwendet, ist das freilich etwas komplett Anderes. Dass in Gaza ein Völkermord geschieht, der den 7. Oktober, von dem man nicht weiß wieviel davon durch die israelische Führung erst verursacht wurde, ins Unermeßliche gehend in den Schatten stellt, davon hat die deutsche Justiz scheinbar noch nie etwas mitbekommen. Ich sage auch das ist Faschismus: wenn Du die eigene Gewalt so leugnest, Dich hinter einer Fassade versteckst, die mit der Realität nicht vereinbar ist und auch noch behauptest, dass das Recht sei.
Dieser drastische Begriff dient vor allem auch dazu in drastischen Worten die Bubble gewisser Leute zum Einsturz zu bringen, die sich überheblich für etwas Besseres halten und die Realität nicht anerkennen wollen. Das weisen diese Leute natürlich brüsk zurück. Das lässt sie zusammenzucken, weil sie ihre eigene Verantwortung nicht anerkennen wollen. Sie wollen weiterhin in ihrer schönen reinen heilen Welt leben, wo sie das Gute sind, das Böse außerhalb liegt.
Mein Vorwurf: ich glaube nicht, dass man in vielen Fällen (nicht immer) den Begriff Faschismus inhaltlich in Frage stellen kann, sondern dass es da mehr um Befindlichkeiten geht.
Wegen Nazivergleichen wurde von der deutschen Justiz noch keiner belangt, wenn der Vergleich in Prpopagandarichtung der Regierung liegt.
Es geht der Justiz auch gar nicht um die Verharmlosung der Nazis (man bedenke, dass bei Adenauerschen Kommunistenhatz KZ-Aufenthalte der Angeklagten als strafverschärfende einschlägige Vorstrafen gewertet wurden), sondern darum, dass es das Gesindel in Uniform und Robe es auf den Tod nicht ausstehen kann, den Spiegel vorgehalten zu bekommen.
„Es geht der Justiz auch gar nicht um die Verharmlosung der Nazis, sondern darum, dass es das Gesindel in Uniform und Robe es auf den Tod nicht ausstehen kann, den Spiegel vorgehalten zu bekommen.“
Exakt. Gut formuliert. Genau das prangere ich an. Es geht ihnen nicht um Recht, sondern um Ideologie, bis heute. Ist so eine Art religiöser Feldzug…
Aber nein, aber nein…..das wurde mir gestern noch ganz anders erzählt.
Ich bin in meinem Landkreis in der Heimatforschung aktiv und gestern fand hier ein großes Treffen von Heimatforschern (Laien sowie professionellen Historikern) aus drei Regierungsbezirken statt.
Anschließend an die – sehr interessanten – Vorträge, gab es eine Podiumsdiskussion, die – nicht ganz überraschend – auch das Politische streifte.
Da macht doch einer der anwesenden Amtsträger die Aussage – wörtliches Zitat:
„WIR in Europa sind immer noch die liberale Hochburg der Welt! Und WIR in Deutschland sind die liberale Hochburg Europas!!“
Im Sinne von: Wir müssen die Fahne des Guten hochhalten und der Welt erklären wie man zu leben hat.
Ich seh echt schwarz für dieses Land….
@ The GreatMute: Die beiden zitierten Aussagen haben mich tatsächlich über den
ganzen Körper schütteln lassen. Meine Hoffnung, dass es eine Partei schafft Deutschland
wieder einiger Maßen lebenswert zu gestalten schwinden von Tag zu Tag. Eigentlich kann
man sich nur noch in einer kleinen Blase einigeln und sein eigenes Ding durchziehen.
Wenn man das hört, „Abwählen“…
Nein Leute, man kann gar nichts wählen weil alle Kandidaten gleich korrupt sind. Die „Wahlen von Volksvertretern“ und deren Zeremonien im „Parlamant“ sind nur noch Akklamationen des Totalitarismus.
Dass ausgerechnet die Europäer über den angeblichen US-Faschismus unter Trump sinnieren ist in der Tat bizarr. Es dient nur der Ablenkung vom eigenen – Achtung, ich verwende das Wort jetzt – faschistischen Verhalten (siehe z.B. Hüseyin Dogru, Jacques Baud).
Für den Iran wäre übrigens folgende Option am zweckdienlichsten: Generalmobilmachung und direkter Landmarsch über den Irak und Jordanien nach Israel. Keine regionale Armee würde dem etwas entgegensetzen (können). Es bleibt abzuwarten, ob es dazu kommt.
@ xblob: Im Moment warte ich nur auf die Meldung, dass der US Super- Flugzeug- Dampfer
von den Iranern auf den Meeresgrund geschickt wurde. Das Scheißhausdilemmer auf dem
Pott wäre dann schlagartig gelöst.
@ xblob
Glauben Sie, dass der Iran zu solch einer logistischen Militäroperation in der Lage ist?
Sowohl die USA, wie auch Israel haben Atomwaffen und keine Skrupel. Ob der Iran welche hat (evtl. von Pakistan) wissen wir nicht. Wenn die Iraner einen Funken Verstand haben, dann werden sie es bei einzelnen Schlägen belassen und versuchen, die Kosten für USrael möglichst hochzutreiben (viele Nadelstiche, um z.B. den teuren Raketenschild in Israel beschäftigt zu halten), denn das zermürbt am effektivsten. Ein Einmarsch in Israel, bei dem dieses einen Genozid befürchten müsste, wäre hingegen die maximal denkbare Eskalation und würde wahrscheinlich in Irans atomarer Totalvernichtung gipfeln, falls die selbst auch A-Bomben haben, wäre danach der ganze nahe Osten eine Strahlungswüste….
Ein kluger und gelungener Artikel!
—
Mitunter kommt es mir so vor, als ob jene Leute und Milieus, die beständig von „Faschismus“ quatschen (und das teils sogar schon seit 60 Jahren tun), in einer Art von mythischem Denken befangen sind.
Das F-Wort steht dabei in vager Form für das Böse schlechthin und erspart einem das genaue und intelligente Hinsehen und Analysieren der Unterschiede. Man sollte doch nicht annehmen, dass das mythische und irrationale Denken heute überwunden wäre, bloß weil wir Computer haben und Raketen im Weltall unterwegs sind!!
Im Gegenteil!
Wahrscheinlich ist mythisches Denken heute sogar verbreiteter als in den sehr rationalen Zeiten um 1900 oder um 1960.
Wer sich heute ernsthaft und anspruchsvoll mit den wechselnden Formen von politischer Herrschaft beschäftigt, macht sich doch in Wirklichkeit bloß noch lächerlich und unseriös, wenn er von Faschismus quatscht.
—
Selbstverständlich gibt es auch heute unangenehme und problematische Formen politischer Herrschaft, doch sollte man dafür geeignetere Bezeichnungen verwenden.
Als gelernter Braunstreicher und Fachmann für den Kronjuristen des Dritten Reiches muß man das wissen:
Wolfgang Wirth
27.02.2025 11:29 Uhr
@ Heiko
27. Februar 2025 um 11:16 Uhr
Sie schreiben:
„Für die westeuropäische Bevölkerung öffnet sich gerade ein Fenster für eine eigenständige europäische Politik. Nur fehlt an am entsprechenden politischen Personal, da dieses komplett transatlantisch gepolt ist.“
Sehe ich auch so.
Nun rächt sich insbesondere für Deutschland, dass es seit Jahrzehnten überhaupt kein politisches Denken in alternativen Szenarien gibt.
Frankreich und Großbritannien, ja sogar Polen dürften in dieser Hinsicht vor geringeren Problemen stehen als Deutschland.
Es gibt in Deutschland in gewisser Weise überhaupt kein politisches Denken mehr, das eigene Interessen in den Vordergrund stellt; geschweige denn ein politisches Denken, das es wagt, in Anlehnung an jene Kategorien des Politischen von Carl Schmitt gewisse unumgängliche Fragen überhaupt zu denken.
Hinzu kommt eine Geschichtsunkenntnis und eine Geschichtsvergessenheit, die insbesondere in den letzten Jahren geradezu sprachlos machende Dimensionen erreicht hat.
https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/zerstoerte-gewissheiten/#comment-214464
Wann läuten eigentlich die Hochzeitsglocken? Bei so vielen Offerten schmilzt er bestimmt bald dahin. Schon schräg wie euch das F Wort stört. Naja eigentlich störts ja Chefe und nicht die Stifte. Die schreiben ja nur.
Kriege sind ja auch keine Kriege sondern Polizeiaktionen oder Sonderoperationen. So ist das eben im neu normalen Reich.
Da hast du völlig Recht.
Ich hab hier auf Overton schon zigmal auf C.G. Jung hingewiesen und für wie relevant ich seine Psychologie für die politischen Entwicklungen halte.
Er sagte 1935 bei den Tavistock Lectures:
„Before the Great War all intelligent people said: “We shall not have any more war, we are far too reasonable to let it happen, and our commerce and finance are so interlaced internationally that war is absolutely out of the question.” And then we produced the most gorgeous war ever seen. And now they begin to talk that foolish kind of talk about reason and peace plans and such things; they blindfold themselves by clinging to a childish optimism — and now look at reality! Sure enough, the archetypal images decide the fate of man. Man’s unconscious psychology decides, and not what we think and talk in the brain-chamber up in the attic.“
Auch ein schönes Zitat aus dem Vorwort zur englischen Übersetzung von Richard Wilhelms „The Secret the Golden Flower:
“We think we can congratulate ourselves on having already reached such a pinnacle of clarity, imagining that we have left all these phantasmal gods far behind. But what we have left behind are only verbal spectres, not the psychic facts that were responsible for the birth of the gods. We are still as much possessed by autonomous psychic contents as if they were Olympians. Today they are called phobias, obsessions, and so forth; in a word, neurotic symptoms. The gods have become diseases; Zeus no longer rules Olympus but rather the solar plexus, and produces curious specimens for the doctor’s consulting room, or disorders of the brains of politicians and journalists who unwillingly let loose psychic epidemics on the world„
Ja klar, Jung? Was sonst? Eigentlich doch eher Reichs „Massenpsychologie des Faschismus:“
Donnerstag, 16. Januar 2020, 15:00 Uhr
~21 Minuten Lesezeit
Anatomie des Wahns
Wilhelm Reichs Klassiker „Massenpsychologie des Faschismus“ provoziert Vergleiche zwischen 1933 und heute.
von Andreas Peglau
Im Januar 2020 erscheint Wilhelm Reichs „Massenpsychologie des Faschismus“ nach 87 Jahren erstmals im redigierten Originaltext. Es ist nicht nur eines der wichtigsten psychoanalytischen Bücher, die je veröffentlicht wurden. Innerhalb dessen, was heute Rechtsextremismusforschung genannt wird, war es die erste Publikation zu psychosozialen Hintergründen des Nazi-Staates. Eine Einordnung und Auszüge aus dem Text von 1933.
Ein eigenständiges Werk
Wilhelm Reich (1897 bis 1957), „linker“ Psychoanalytiker und kritischer Mitstreiter Sigmund Freuds, hatte 1933 das erklärte Ziel, Elemente aus Psychoanalyse und Marxismus zu etwas Neuem zu verschmelzen, das er „Sexualökonomie“ nannte. Da er seit 1930 in Berlin lebte, war er unmittelbar konfrontiert mit dem damaligen politischen „Rechtsruck“, als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und Sexualreformer zugleich in dessen Abwehr involviert. Was er dabei erfuhr und begriff, hielt er fest für die Massenpsychologie.
(…)
Warum leisten die Unterdrückten so wenig Widerstand?
Wir haben bisher gesehen, dass die wirtschaftliche und ideologische Situation der Massen sich nicht decken müssen und sogar beträchtlich auseinanderfallen können. Wir müssen nun weiter feststellen, dass die ökonomische Lage sich nicht unmittelbar und direkt in politisches Bewusstsein umsetzt. Wäre das der Fall, die soziale Revolution wäre längst da.
Entsprechend diesem Auseinanderfallen von ökonomischer Lage und Ideologie oder politischem Bewusstsein muss die Untersuchung der Wirklichkeit eine doppelte sein: Ungeachtet der Tatsache, dass sich die Ideologie grob gefasst aus dem wirtschaftlichen Dasein ableitet, muss die wirtschaftliche Situation mit anderer Fragestellung erfasst werden als die ideologische Struktur: jene sozialökonomisch, diese psychologisch.
Wir wollen das Gesagte an einem einfachen Beispiel darstellen: Wenn Arbeiter, die infolge Lohndrucks hungern, streiken, so ergibt sich ihr Handeln direkt aus ihrer wirtschaftlichen Lage. Das gleiche gilt für den Hungernden, der stiehlt. Zur Erklärung des Diebstahls aus Hunger oder des Streiks aus der Ausbeutung bedarf es keiner weiteren psychologischen Erklärung. In diesem Falle entsprechen Ideologie und Handeln dem wirtschaftlichen Druck. Ökonomische Lage und Ideologie decken sich. Die bürgerliche Psychologie pflegt in diesem Falle psychologisch erklären zu wollen, aus welchen angeblich irrationalen Motiven gestohlen oder gestreikt wird, was immer zu reaktionären Erklärungen führt. Für die dialektisch-materialistische Psychologie steht die Frage gerade umgekehrt: nicht, dass der Hungernde stiehlt oder dass der Ausgebeutete streikt, ist zu erklären, sondern warum die Mehrheit der Hungernden nicht stiehlt und die Mehrheit der Ausgebeuteten nicht streikt.
Die Sozialökonomie erklärt also einen gesellschaftlichen Tatbestand restlos dann, wenn das Handeln und Denken rational-zweckmässig ist, das heisst der Bedürfnisbefriedigung dient und die ökonomische Situation unmittelbar wiedergibt und fortsetzt. Sie versagt, wenn das Denken und Handeln der Menschen der ökonomischen Situation widerspricht, also irrational ist.
Die Fragestellung der marxistischen Massenpsychologie setzt also gerade dort an, wo die unmittelbare sozialökonomische Erklärung versagt. Der Ökonomismus hat bisher übersehen, dass die wesentlichste Frage nicht die ist, dass und wie Klassenbewusstsein beim Werktätigen vorhanden ist (das ist selbstverständlich!), sondern was die Entwicklung des Klassenbewusstseins hemmt.
Die Ablehnung der psychologischen Beobachtung und Praxis in der proletarischen Politik ergab bisher in den Diskussionen eine unproduktive politische Fragestellung. Die Kommunisten erklärten z. B. die Machtergreifung durch den Faschismus aus der illusionären, irreführenden Politik der Sozialdemokratie. Diese Erklärung führt im Grunde in eine Sackgasse, denn es ist ja eben die Funktion der Sozialdemokratie, als objektive Stütze des Kapitalismus, Illusionen zu verbreiten. Das wird sie immer tun, solange sie besteht.
Diese Erklärung ergibt keine neue Praxis. Ebenso unproduktiv ist die Erklärung, die politische Reaktion hätte in Gestalt des Faschismus die Massen „vernebelt“, „verführt“ und „hypnotisiert“. Das ist und bleibt die Funktion des Faschismus, solange er existiert. Es ist unproduktiv, weil es keinen Ausweg zeigt, die Politik nur auf die objektive Funktion einer kapitalistischen Partei, nämlich Stütze der kapitalistischen Herrschaft zu sein, zu begründen.
„Liegt nicht nahe zu fragen, was in den Massen vorgeht?“
Man muss natürlich die objektive Funktion der Sozialdemokratie und des Faschismus enthüllen. Die Erfahrung lehrt aber, dass die tausendfältige Enthüllung dieser Rolle die Massen nicht überzeugte, dass also die sozialökonomische Fragestellung allein nicht genügt. Liegt nicht nahe zu fragen, was in den Massen vorgeht, dass sie diese Rolle nicht erkennen konnten und wollten? Mit der typischen Auskunft „Die Arbeiter müssen nun erkennen …“ oder „Wir haben es nicht verstanden …“ ist nicht gedient. Warum erkennen die Arbeiter nicht und warum haben wir nicht verstanden?
Der Wirklichkeit hätte entsprochen festzustellen, dass der durchschnittliche Arbeiter einen Widerspruch, gleichzeitig die Gegensätze von revolutionärer Einstellung und bürgerlicher Hemmung in sich trägt, dass er also weder eindeutig revolutionär, noch eindeutig bürgerlich ist, sondern in einem Konflikt steht: Seine psychische Struktur leitet sich einerseits aus seiner Klassenlage ab, die revolutionäre Einstellungen anbahnt, andererseits aus der Gesamtatmosphäre der bürgerlichen Gesellschaft, was einander widerspricht.
Es ist nicht nur entscheidend, einen solchen Widerspruch zu sehen, sondern auch zu erfahren, worin sich konkret das Bürgerliche und das Klassenmässige im Arbeiter darstellt. Die gleiche Fragestellung gilt natürlich auch für den Mittelständler. Dass er in der Krise gegen das „System“ rebelliert, verstehen wir unmittelbar. Dass er aber, obwohl bereits ökonomisch proletarisiert, trotzdem das Absinken ins Proletariat fürchtet und extrem reaktionär wird, ist nicht unmittelbar sozialökonomisch zu verstehen. Auch er hat also einen Widerspruch in sich zwischen rebellierendem Fühlen und reaktionären Zielen und Inhalten.
(…)
Kein Krieg und kein Faschismus ohne Massenbasis
Es handelt sich offenbar um die grosse Frage, dass jede Gesellschaftsordnung sich in den Massen ihrer Mitglieder diejenigen Strukturen erzeugt, die sie für ihre Hauptziele braucht. Ohne diese massenpsychologisch zu erforschenden Strukturen wäre der Krieg nicht möglich gewesen. Es muss eine wichtige Korrelation bestehen zwischen der ökonomischen Struktur einer Gesellschaft und der massenpsychologischen Struktur ihrer Mitglieder; nicht nur in dem Sinne, dass die herrschenden Ideologien die Ideologien der herrschenden Klasse sind, sondern, was für die Lösung von praktischen Fragen der Politik bedeutsamer ist: Auch die Widersprüche der ökonomischen Struktur einer Gesellschaft müssen in den massenpsychologischen Strukturen der Unterdrückten repräsentiert sein. Anders wäre nicht denkbar, dass die ökonomischen Gesetze einer Gesellschaft nur durch die „Aktion“, das heisst die psychischen Strukturen der ihnen unterworfenen Massen zur konkreten Auswirkung gelangen können.
Die proletarische Bewegung wusste zwar von der Wichtigkeit des sogenannten „subjektiven Faktors der Geschichte“; woran es mangelte, war die Erfassung des irrationalen, unzweckmässigen Handelns, anders ausgedrückt, des Auseinanderfallens von Ökonomie und Ideologie. Wenn der Werktätige weder eindeutig bürgerlich noch eindeutig revolutionär ist, sondern in einem Widerspruch zwischen reaktionären und revolutionären Strebungen steht, so muss sich, wenn wir diesen Widerspruch entdecken, zwangsläufig eine Praxis ergeben, die den konservativen psychischen Kräften die revolutionären entgegensetzt.
https://web.archive.org/web/20200929180501/https://www.rubikon.news/artikel/anatomie-des-wahns
Also, mit diesem Artikel habe ich große Probleme!
Zunächst mal damit, den italienischen Faschismus als operettenhaft abzutun.
Das war der nämlich nicht. Der Nationalsozialismus war faschistisch UND hat die Juden vernichtet!
Kennzeichen einer faschistischen Gesellschaft sind für mich ganz sicher, Besetzung des öffentlichen Raums um Meinungsfreiheit zu verhindern durch staatlich gelenkte Meinungsmache, also Propaganda, Kontrolle der Bevölkerung, sprich Überwachung, Etablierung eines Spitzelsystems, Bedienung der Interessen des Kapitals, also v.a. Aufrüstung, die große Gelddruckmaschine, sowie Verfolgung und Sanktionierung Andersdenkender, die Reichweite und damit Zugang zum öffentlichen Raum haben. Die Liste ist natürlich nicht vollständig, aber das aufgeführte haben wir hier mittlerweile ohne jeden Zweifel, auch wenn ein komplettes faschistisches System noch nicht etabliert ist, wird doch daran gearbeitet, wie z.b. die beginnende Übernahme der Judikative, dies mittlerweile völlig unverblümt!
Zurück zu Mussolini! Oben beschriebene Tendenzen waren dort etabliert, die Italiener setzten im Abessienienkrieg Giftgas gegen die Bevölkerung ein, überfielen völlig unprovoziert Griechenland, unterstützten militärisch Hitler Angriff auf die Sowjetunion, zuerst mit einem Korps von drei Divisionen, 1942 mit einer kompletten Armee.
Politische Gegner wurden eingesperrt und ermordet (Mateotti als prominentes Beispiel), die Italiener unterstützten Franco militärisch massiv und halfen aktiv, der Falange zum Sieg zu verhelfen.
Die italienische Unterstützung übertraf die deutsche bei weitem!
Also, ich kann da nichts operettenhaftes dran finden!
Die Unterschiede zum deutschen Faschismus liegen in erster Linie darin, das Mussolini kein Staatsoberhaupt war.
Daher konnte der König 1943 seine Herrschaft ja auch beenden. Die Gründung der Republik von Salo geschah von deutschen Gnaden und benötigte deutsche Unterstützung.
Das Kriege, Gewalt, Unterdrückung in vormodernen Zeiten stattfanden, ist unbestritten. Aber die Staaatsstruktur war eine völlig andere, ein feudalistisches, dynastisches Europa konnte natürlich keinen Faschismus entwickeln, dieser ist ein Kind der Moderne. Zumal in Zeiten, in denen die schnellste Art der Fortbewegung das Pferd war, also schnelle Reaktionen der Herrschenden nicht möglich waren, Nachrichten ewig unterwegs waren, der Frühkapitalismus keinen Militärisch-Industriellen Komplex herausbilden konnte.
Der Autor vergleicht hier Äpfel mit Birnen.
Für mich einer der schlechteren Artikel des Herrn d.l. Puente!
Hobbyhistoriker Lapuente in seinem Element.
Ob die Opfer des italienischen Faschismus diesen auch als „operettenhaft“ bezeichnet hätten?
Vielleicht findet Herr Lapuente ja mal Zeit, sich das Monumentalwerk „1900“ des italienischen Regisseurs Bernardo Bertolucci anzusehen. Da könnte er noch etwas lernen über den italienischen Faschismus:
https://de.wikipedia.org/wiki/1900_(Film)
Wieder einmal ein vortrefflicher Kommentar von Roberto De Lapuente.
Übrigens als durchaus geschichtsinteressierter Mensch nervt mich an der Debattenkultur in Deutschland schon lange das Mensch beim Thema Faschismus sofort immer wieder einseitig auf den Nationalsozialismus gestoßen wird, dabei ist der Faschismus schon seit dessen Anfängen ein internationales Problem, das zudem nicht 1945 in Berlin begraben wurde.
Nein, es dauerte bis dato fort, aber das ist ein sehr weites Feld was ich hier nicht weiter vertiefen will 😁☺️
Zumal wir dann sofort wieder beim typisch deutschen Bauchnabel Thema Nationalsozialismus landen dürften, so als wäre unsere Heimat die Mitte der Welt, und nicht irgend eine unbedeutende Provinz am Rande des US-Imperiums unseres Planeten.☺️😁
Ironische Grüße
Bernie😁☺️
Ergänzung:
Um nur um ein Beispiel eines überaus beliebten deutschen Urlaubs-; Auswanderer- und Rentnerparadieses zu nennen:
Spanien.
Dort lebte unter Francisco Franco der Faschismus, auch der massenmörderische Francos, bis lange nach 1945 weiter.
Erst seit einigen Jahren werden die Massengräber exhumiert wo Franco seine Gegner im Spanischen Bürgerkrieg, und danach, „verschwinden ließ“. Die Angehörigen wußten oft nicht wo ihre Lieben lagen, die von Francos Regierung ermordet wurden.
Das tut aber nichts dem Abbruch, dass in Spanien Ex-Francisten, und eine neue rechtsextreme Partei namens Vox, wohl bald die Möglichkeit hat die Regierung zu stellen, aber egal Spanien ist ja ein anderes Land.
Nur das mit dem deutschen Urlaubs-; Rentner- und Auswandererparadies dürfte sich bei einer Erneuerung der Franco-Diktatur in Spanien dann wohl für einige Zeit wieder erledigt haben 😉
Sarkastische Grüße
Bernie
War heute in de lokalen Kirsch und hörte mir die Predigt über Judas an…
Danach stöberte ich online über die Herkunft Judas…
https://christianpure.com/de/learn/judas-iscariot-bible-study/
Was mit seit längerem auffällt, wie die Bibel real heute zu Tage gebracht wird. Eine unendlich lange Geschichte des Leidens und das für ein „paar schekel“…
Die mediale Vorbereitung in der heutigen Zeit ist phänomenal, lässt aber die eine Tatsache nicht verleugnen, alles Simulation.
@PRO1
Apropo „Judas“ – wieso haben die Evangelisten eigentlich diesen Namen für den Verräter an der – eventuell mystischen – Figur Jesus Christus gewählt? Hätte es ein anderer Name nicht auch getan? Ein weniger an „Jude“ anklingender Name wie „Judas“?
Interessant ist übrigens auch wie die christliche Kirche vom eigenen Antisemitismus ablenken will – man nennt den eben neuerdings „christlicher Judenhass“. Wie wenn es da einen Unterschied gäbe?
Im angelsächsichen Raum hat der große Philosoph, und Religionskritiker, aus Wales, Betrand Russell, einst von „christlichem Antisemitismus“ gesprochen – zu seinen Lebzeiten früher.
Ja, lange her, ich weis.
Heute heißt es eben absolut das Christentum schützend und verharmlosend „christlicher Judenhass“….m.E. nichts anderes wie Antisemitismus, aber egal, ich will diese Heuchelei des Christentums nicht weiter vertiefen…..
Denn ansonsten müßte Mensch die christliche Religion nämlich wegen Antisemitismus, der schon in der Bibel (AT; NT; andere Teile der Bibel) von vorneherein angelegt ist, ablehnen.
Aber wer legt sich schon real mit den Pfaffen an, wenn wir eine Christliche Partei (CDU/CSU) haben die m.E. voll zu ihren christlichen Werten steht, wenn man die im negativen Sinne des Christentums (z.B. Kreuzzüge, Verfolgung Andersdenkender, Folter, Mord, Hexenverbrennung etc. usf.) auslegt.
Zynische Grüße
Bernie
„Ich komme nochmals zu dieser Frage zurück: Braucht man denn den Faschismus, um Gewalt auszuüben? Eine artverwandte Frage, die auf demselben Feld gestellt wird, ist diese hier: Ist es wirklich so, dass die Verwerfungen und Ungerechtigkeiten, die es weltweit gibt, sich lediglich immer als eine Folge des Kapitalismus erweisen müssen? Gab es solche Missstände nicht auch schon in Zeiten, in denen man vom kapitalistischen Wirtschaftssystem noch gar nichts wusste?“
Punktgenaue Fragen, die auf folgendes hinweisen:
DIE GESELLSCHAFT IST DAS PROBLEM
https://www.youtube.com/watch?v=ptW2LyyZUZ8
Markus Frohnmaier, AFD zerlegt Grüne
https://youtube.com/shorts/6-Sm4B-SVek?si=TN-hjR8I18_McLBf
NUR DIE AfD FÜHLT SICH DEM DEUTSCHEN VOLK VERPFLICHTET UND NICHT DER NAZI-UKRAINE !!
Brutale Schlächter in Uniform: Die triefende Blutspur des Asow-Bataillons in der Ukraine
https://www.anonymousnews.org/international/asow-bataillon-brutale-schlaechter-in-uniform/
Das Asow-Bataillon ist trotz aller Bemühungen westlicher Medien, es als heldenhaften Verteidiger der Freiheit darzustellen, die abscheulichste Gruppe, die seit dem Jahr 2014 in der Ukraine operiert hat.
Viele bestialische Verbrechen der Asow-Kämpfer sind gut dokumentiert
Westliche Medien unternehmen semantische Kapriolen, um zu erklären, dass Menschen mit tätowierten Nazi-Symbolen eigentlich keine Neonazis sind.
Es sollte sich jedoch herausstellen, dass das Tragen von Symbolen, die im Zusammenhang mit Adolf Hitlers abscheulichem Dritten Reich stehen, nicht einmal annähernd das Schlimmste aller vom Bataillon Asow begangenen Verbrechen ist.
Kurz gesagt, Asow ist trotz aller westlichen und ukrainischen Bemühungen, seine Kämpfer als heldenhafte Verteidiger der Freiheit darzustellen, die abscheulichste Gruppe, die seit 2014 im Land operiert hat. ALLES LESEN !!
Transkript-Auszug zum Video: ab 13.13 – Nutt-Los- „Die Gesellschaft ist das Problem“
https://www.youtube.com/watch?v=ptW2LyyZUZ8
„…. Menschen können uns nicht an alles anpassen und z.B. können wir uns nicht an Macht und
Gesellschaft anpassen. Und Macht entsteht mit Gesellschaften automatisch mit und darauf können wir Menschen nie
klarkommen. Und Politik und Demokratie sind Hilfsmittel, künstliche Hilfsmittel. um das Thema Macht zu
verräumen, durch konsequente Machtzirkulation, durch konsequente Gleichmacht verteilen, die Verteilung,
die künstlich, hochkünstlich, hoartifiziell, hochtechnisch, hochkulturell stattfindet. Deswegen ist
Demokratie auch Hochkultur. Absolute Hochkultur wird nicht verstanden. Die
Neuzeit versteht das nicht. Ja, das ist eine irre Leistung, eine Demokratie hervorzubringen, eine
Wahnsinnsleistung, die aber auch nötig ist, weil die Alternative ist, dass Mensch und Gesellschaft so wie wir das
die ganze Zeit erleben hundertprozentig clasht. Das ist das, worin wir leben. Und in diesem Clash ist nicht der Mensch
das Stärkere, sondern die gesellschaftliche Dynamik, die wir gemeinsam freisetzen. Also hat gesagt, der Mensch ist Opfer seiner selbst, aber nicht Opfer seiner selbst in individueller Hinsicht oder Opfer seiner selbst in einer Face to Face Hinsicht,
gemeinsam setzen Dynamiken frei, denen wir nicht gewachsen sind. Und deswegen gibt es überhaupt sowas wie Gesetze.
Deswegen gibt es sowas wie ein Staat. Deswegen gibt es sowas wie Politik. Deswegen gibt es sowas wie Demokratie, weil es fucking nötig ist. Wenn du es nicht machst, clash es einfach. Und dann entsteht eine Eigendynamik, von der du Opfer wirst selber, wo du dir aber selber wunderst, woher das kommt. Und wenn es dich erwischt, sagst du: „Oh, das waren böse Menschen, die mir das angetan haben.“ Du sagst nicht: „Oh, das
ist eine scheißgesellschaftliche Dynamik.“ Alle klügeren Menschen in unserer eigenen fucking abendländischen
Tradition, in der fucking abendländischen Denkgeschichte, im europäischen Denken über diese Probleme
haben das aber nicht gesagt. Was sie gesagt haben, ist oh, wir haben eine scheiß Dynamik am Start.
Ja, sie haben nicht gesagt, oh, das sind böse Menschen, die haben uns schlimme Dinge angetan. Sie haben gesagt, oh, wir haben eine scheiß Dynamik an Start.
Diese Dynamik ist die Gesellschaft selbst. Das ist das, was alle klügere Menschen gesagt haben in der eigenen europäischen Denktradition.die aber es nie ins allgemeine Bewusstsein geschafft hat. Sonst würden wir wären wir heute nicht da, wo wir stehen mit völlig fehl konstruiertenVerfassungen, mit völlig irre konstruierten Staaten, mit völlig idiotischen Arten Gesellschaften zu bilden. Die Neuzeit ist auf einem richtig,
richtig schlechten Trip von Anfang an.“
Die Teufel der westlichen Politik, haben es tatsächlich fertiggebracht, einen Feind aufzubauen, der gar nicht unser Feind ist !
Das zeigt, wie verblödet ein Volk ist!!
In diesen Fall viele Völker, nämlich der EU, mit Ausnahme Ungarns und der Slowakei !
Die EU und die Nato ist das größte Intrigengebilde, dass sich ein Mensch vorstellen kann, sie wollte Russland als Feind unbedingt haben und der dumme Bürger hat es sich, ohne jeglichen Grund aufschwatzen lassen.
Der Ukrainekrieg war noch vor den Beginn von der Nato geplant, um den Russen als Feind darstellen zu können!!
Ohne Feind ist die Nato sinnlos wie ein Kropf !
Auch Trump hat mich in diesen Fall schwer enttäuscht, er hatte vor seinen Amtsantritt sogar die Nato-Mitgliedschaft in Frage gestellt, stand heute, macht er bei dieser Sauerei gegen Russland mit!
«Trump und Putin wollen Frieden, Selenskyj und Europa wollen Krieg»: Oskar Lafontaine über vier Jahre Ukraine-Einmarsch
https://weltwoche.ch/daily/trump-und-putin-wollen-frieden-selenskyj-und-europe-wollen-krieg-oskar-lafontaine-ueber-vier-jahre-ukraine-einmarsch/?
Hauptaussage: Die EU wird von zwei unfähigen Frauen geführt und die ganze Spitze der EU ist verrottet !!
Es ist schon sehr merkwürdig wie der Angriff der USA/Israel auf den Iran als nicht völkerrechtswidrig dargestellt wird.
Noch merhwürdiger ist, dass man Russland seinen Angriff auf die Ukraine als völkerechtswidrig bezeichnet.
1) Russland & Ukraine hatten schon in Istanbul einen fertigen Friedensvertrag, der von Boris Johnson sabotiert wurde!!
2) Russland mußte den seit 2014 in der Ostukraine bedrohten und getöteten Russen endlich zur Hilfe kommen.
3) Der Westen leugnet bis heute, daß die Ukraine praktisch von NAZIS geleitet wird und hilft diesen auch noch weiter Russen zu töten!!
4) Markus Frohnmaier, AFD sagt alles ganz richtig
https://youtube.com/shorts/6-Sm4B-SVek?si=TN-hjR8I18_McLBf
NUR DIE AfD FÜHLT SICH DEM DEUTSCHEN VOLK VERPFLICHTET UND NICHT DER NAZI-UKRAINE !!