Die europäische Arroganz im Angesicht des Faschismus

ICE, USA
U.S. Immigration and Customs Enforcement, Public domain, via Wikimedia Commons

Trump wird vorübergehen, dessen vermeintlicher Faschismus wird abwählbar bleiben – schauen wir lieber mal auf Europa, wo kaum mehr was abwählbar scheint.

Wieder mal ein Unfall der Geschichte. Etwas, das passiert ist und nicht absehbar war. Dergleichen kommt immer wieder vor – immer dann nämlich, wenn jemand die Regierungsgeschäfte übernimmt, der – völlig wertfrei gesprochen – mit dem Alten bricht. Oder bei dem es so aussieht, als breche er mit dem Ancien Regime. Aktuell hat man dem amtierenden US-Präsidenten dieses Label angehängt. Und plötzlich saß er im Weißen Haus – und dann, nachdem er sich wegen einer Abwahl von seinem Platz erheben musste, nahm er abermals dort Platz. Wiedergewählt. Der Unfall der Geschichte, wir wissen es, weil man es quasi dauernd wiederholt, ereignete sich sogar zweimal – wobei schon dieser Umstand, dass der vermeintliche Unfall, inkarniert in der Person dieses Donald Trump, sich wieder abwählen ließ, jene zum Nachdenken anregen sollte, die vom Schlimmsten ausgehen.

Vom F-Wort nämlich – der Kategorie, mit der man links seit mindestens 1949 täglich hausieren geht, wenn innerhalb der freimütig-demagogische Grundordnung etwas so läuft, wie man es selbst nicht haben will. Nun wendet man jenes Wort auch für die Vereinigten Staaten an. Der Unfallverursacher nämlich, er habe den Faschismus amerikanisiert. Erstaunlich, dass man dabei vergisst, dass er ein Wiedergewählter ist – und nebenher, so großartig überraschend ist es nicht, dass in Amerika immer mal wieder Leute zu Ruhm und Ehren kommen, die man auf den ersten Blick nicht dort wähnen würde. Denn das »politische Fachpersonal«, es hat völlig versagt und ein Reservoir für größtmögliche Unzufriedenheit geschaffen. So entstehen Unfälle – so knallt es. Nichts kommt aus dem Nichts. Nie und nimmer.

Faschismus, immer wieder Faschismus …

Nun muss ich ehrlich zugegeben, dass ich diese Faschismus-Rufe – das F-Wort, von dem ich eben sprach – schon seit geraumer Zeit nicht sonderlich leiden kann. Hin und wieder fühle ich mich auch ertappt, wenn ich etwa über EU-Sanktionen gegen Journalisten und gegen die Meinungsfreiheit schreibe und den Impuls hege, dies alles als faschistische Maßnahmen zu kennzeichnen. Ist das nötig? So frage ich mich dann ertappt. Und überhaupt: Gibt es Ungerechtigkeit und Autokratie nicht außerhalb eines Systems, das Faschismus sein soll? Mir ist so, als sei die Welt, ehe der Faschismus in sie trat, auch schon ein Jammertal und ein Höllenritt gewesen – im Dreißigjährigen Krieg, lange vor dem 20. Jahrhundert ausgetragen, geschahen Grausamkeiten und wurden despotische Maßnahmen exekutiert, ohne dass man vom F-Wort und der F-Praxis etwas wusste. Magdeburg wurde 1631 zerstört, mindestens 20.000 Menschen fanden den Tod. War dieses »Magdeburgisieren«, wie man den Vorgang danach nannte, etwa faschistisch? Sie sehen schon, wie albern das ist.

All diese Berichte aus den zeitgenössischen Vereinigten Staaten, aus Trump-Amerika, die mit dem Vorwurf eines dräuenden, ja gar schon eines etablierten Faschismus‘ wuchern, sind kaum mehr erträglich. Geht es eine Spur weniger marktschreierisch? Was in jenem Land über dem Atlantik geschieht, muss man ja nun tatsächlich nicht für lobenswert erachten, aber dass dort drüben nun ein 1933 ausgebrochen sei, weil sich wieder mal ein Unfall der Geschichte ereignete, ist hanebüchen und freilich auch propagandistisch. Ich komme nochmals zu dieser Frage zurück: Braucht man denn den Faschismus, um Gewalt auszuüben? Eine artverwandte Frage, die auf demselben Feld gestellt wird, ist diese hier: Ist es wirklich so, dass die Verwerfungen und Ungerechtigkeiten, die es weltweit gibt, sich lediglich immer als eine Folge des Kapitalismus erweisen müssen? Gab es solche Missstände nicht auch schon in Zeiten, in denen man vom kapitalistischen Wirtschaftssystem noch gar nichts wusste?

Beide Fragen sind substanziell, denn wir wissen ja, weil es gerne wiederholt wird, mittlerweile sogar vom Mainstream: Der Faschismus sei der über die Stränge schlagende Kapitalismus. Faschismus als »terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals«? Schöne Grüße von Georgi Dimitroff … All das klingt freilich markig, unglaublich systemkritisch und gescheit. Das stimmt aber ungefähr so sehr, wie das mit dem Unfall der Geschichte, der aus dem Nichts über das Land kam. Mussolini »erfand« das faschistische System – es sollte eine Art dritter Weg zwischen Kapital und sozialistische Bestrebungen sein, zwischen Stadt und Land und – in Italien – zwischen dem agrarischen Mezzogiorno und dem industriell prosperierenden Settentrione. Der Staat, ein mächtiger, ein über die Maßen starker Staat, ein zweckorientierter Leviathan, der sich selbst als unantastbare Gottheit zu begreifen hatte – und dessen Führer diese ungeheuerliche Potenz als menschliche Kreatur abbilden sollte –, verstand sich als Mittler zwischen gegensätzlichen Entitäten. Er sollte zwischen den Lagern stehen, die Interessen in sich bündeln. Zurückzuführen ist der Begriff »Faschismus« auf das Liktorenbündel der alten Römer, den Fasces, dem Logo der Schwarzhemden – gebündelt werden sollten aber nun eben auch alle Kräfte, linke wie rechte Bestrebungen, um ein leistungsfähiges Gemeinwesen zu schaffen.

Vor der eigenen Haustür

Ich bin mir nicht mehr sicher, welcher Historiker einst darauf verwies, dass der italienische Faschismus nicht sympathisch war, aber eben operettenhaft genug, um nicht die ganz großen Verbrechen zu begehen – denen widmeten sich dann die Deutschen, die den Import des Faschismus in der Erscheinung des Nationalsozialismus pervertierten. Möglicherweise wies Sebastian Haffner darauf hin? Oder war es Joachim Fest? Denn die Juden verfolgten die Faschisten jenseits des Brenners nicht – erst später, als die Nazis ihren italienischen Vorlagengeber fest im Griff hatten, gerieten sie auf völlige Abwege. Bevor ich mich verfranze: Wo bitte ist im vermeintlich amerikanischen Neo-Faschismus, der sich angeblich unter Donald Trump etabliert, die Vorstellung eines Staates zu spüren, der die Partikularinteressen bündelt, um jedem – in der Theorie wenigstens – gerecht zu werden? Von Trump vernimmt man viel, er sonnt sich sicherlich auch nicht ungerne in seinem Personenkult – aber ist er derjenige, der Kapital und sozialistische Umverteilung zusammenführen will? Soll die reiche West- und Ostküste den armen Rusty Belt auffangen? Davon wurde bis dato noch nichts berichtet.

Übrigens, jetzt werde ich nihilistisch: Wenn nationale Souveränität überhaupt etwas bedeutet, dann doch wohl, dass andere Völker auch einen wie auch immer gearteten rigiden Staat verwirklichen dürfen. Erstaunlich folglich ebenfalls, dass nun etliche Leute hierzulande voller Sorge über den Atlantik blicken, die sonst ihren Groll gegen die Amerikaner nicht verbergen konnten. Warum sorgen sie sich denn nun plötzlich derart um die Zukunft der Amerikaner? Nicht wenige von denen, die nun brennender Sorge sind, unterlassen es jedoch, vor der eigenen Haustür zu begutachten. Deutschland und Europa – oder andersherum? – entwickeln sich zu einem System, das eines wohl besser kann, als dieser Donald Trump: Sich vor einer Abwahl schützen. Sie legen ihren rigiden Staat – ihren Faschismus? – so an, dass er strukturell ist. Egal was man dereinst anstellen will, es wird nicht mehr abzuwenden sein.

Wie steht es denn um das faschistische Potenzial auf unserem Kontinent? Gemessen an der klassischen Idee des Faschismus, kann man in unseren Gefilden etwas feststellen, was für die zeitgenössischen Vereinigten Staaten nicht zutrifft: Eine gewisse Allmachtfixierung – vorsichtig ausgedrückt – unter dem Banner eines starken Staates oder eines übermächtigen Staatsbündnisses, lässt sich attestieren. In Washington ist das nicht der größte Antrieb – auch wenn unter Trump natürlich Zuständigkeiten mit und gegen die einzelnen Bundesstaaten diskutiert werden. Nur ist das nicht neu, sondern steckt seit Anbeginn in der Matrix jener Union in Übersee. Ständig rangen Bundesstaaten mit den Feds, konkret mit dem Präsidenten, um Kompetenzen und Rechte. Das ist weder »typisch Trump«, noch steckt darin derselbe Impuls, wie im europäischen Pendant. Denn auf diesem unseren Kontinent träumt man vom überwachten Bürger, von Meldestellen und Redaktionsdurchsuchungen ohne richterliche Genehmigung. Steht all das dem Faschismus nicht etwa näher als das, was sich dort drüben abspielt?

Die Amerikaner sind widerstandsfähiger als die Europäer

Mich erfüllen die letzten Zeilen und Absätze mit etwas Unzufriedenheit. Denn eigentlich wollte ich nicht zu sehr in die F-Falle tappen. Ob nun hier oder dort mehr Faschismus drinsteckt: Ist das von Belang? Wem hilft das? Im Kern zeigt sich doch, dass das F-Wort für die Einordnung politischer Phänomene von heute ungefähr so geeignet ist, wie die Richtungsangaben »links« oder »rechts« – da letzteres irrtümlicherweise als Synonym für den Faschismus herangezogen wird, entgegen dem, was beispielsweise Götz Aly aktuell, Eberhard Jäckel oder Sebastian Haffner einst, dazu anmerkten, macht das Dilemma erst perfekt. Die Linken hatten die Nationalsozialsten – wenn wir die mal als deutsche Spielart der Faschisten durchgehen lassen – schnell in der Tasche. Die Wähler der Kommunisten fielen schnell um und wählten recht bald jene Partei, die soziale Versprechungen machte – und sie auch einhielt. Wenn auch freilich lediglich für Volksgenossen. War dieses Soziale nur Kalkül? So erklärt man das häufig. Vielleicht trifft es zu – vielleicht auch nicht. Aber anders gefragt: Ist der Sozialstaat an sich nicht immer Kalkül, eine Wette auf den sozialen Frieden, der die Villen der Reichen besser schützt, als hohe Mauern?

Ich kann mir die oben gestellte Frage abermals nicht verkneifen, auch wenn ich weg wollte von diesen Faschismus-Vergleichen: Hat man im neuen Faschismus unter Trump denn etwas von sozialen Reformen gelesen? Macht das sein System jetzt eher faschistisch oder eher nicht? Merken Sie, man bekommt einfach keine Ordnung in die Sache. Dieses historische Wortungetüm scheint aus der Zeit gefallen, weil es sich auf heutige Systeme nur schwerlich übertragen lässt.

Lassen wir also zum Ende hin dieses leidige Wort weg. Sprechen wir nüchtern von dem, was hier und dem was dort ist. Ohne es mit Begrifflichkeiten aus der Geschichte zu schmücken, die ohnehin keinen Wert und keinen Bezug mehr haben können. Worauf ich eigentlich hinaus will, das ist die Arroganz des alten Europas, das nun nach drüben schaut und so tut, als habe es genau verstanden, was sich in den States abspielt. So als ob wir auf diesem Kontinent geläutert genug sind, um das zu begreifen. Schließlich haben wir das schon durch. Haben wir? Eines muss man dem überheblichen Europäer mal sagen: Trump wird vorübergehen – er wird nicht mehr gewählt werden können. Vielleicht wird sein heutiger Vize Nachfolger, vielleicht aber auch nicht. In den Staaten wird das System, wie es war – ungerecht, kurzsichtig, aber dennoch halbwegs stabil – weiterhin existieren. Trumps Administration wird, völlig wertfrei ausgedrückt, nichts derart Nachhaltiges hinterlassen, sodass Amerika nach seiner Regierung ein völlig anderes Land sein könnte. Es wird mehr schlecht als recht, also so wie es immer schon war, weiterlaufen. Und Europa? Hier setzt man strukturell an, hier manifestiert man ein Regime, das sich tief in die nationalen Gesetzgebungen verschraubt – Europa ist nachhaltig in diesem Punkt. Und bald werden die Amerikaner auf Europa blicken und festhalten, dass das nun mal das Wesen der Europäer sei, in den Faschismus zu schlittern. Ob sich jenes historische Wort dann eignen wird, um dem Wesen des neuen feudalen Europas gerecht zu werden, entscheiden wir vielleicht besser, wenn es so weit ist.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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12 Kommentare

  1. Europäische Arroganz? Europa ist doch selbst integraler Bestandteil des aktuellen Faschismus. Und das nicht erst seit gestern. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Wesen des europäischen Faschismus von einer sehr offenen Ausprägung zu einer eher subtilen Vorgehensweise. Und jetzt, wird er halt wieder offen zelebriert. Und wie im Faschismus üblich steht die Presse, die Intellektuellen und das Volk stramm hinter dem Führer. Nur ist der Führer nicht dieser Kanzlerdarsteller Merz, sondern das Großkapital in Form von Musk und Konsorten.

  2. Die Wähler der Kommunisten fielen schnell um und wählten recht bald jene Partei, die soziale Versprechungen machte – und sie auch einhielt.

    Nicht nur an dieser Stelle ist dem Autor zu widersprechen: die Wähler Hitlers kamen vor allem von den Beamten und aus dem Kleinbürgertum; die Arbeiterschaft hingegen erwies sich als ideologisch gut geschult und lief ihm keineswegs hinterher! Das hing stark zusammen mit dem hohen Einfluss damaliger Gewerkschaften auf ihre Klientel, die heute so nicht mehr gegeben ist.

    Sehr geehrter Herr De Lapuente, hier sollten Sie sich besser kundig machen!

  3. Der Sammelbegriff „Faschismus“ mag als Beschreibung für Entwicklungen vor 1922 ungeeignet sein; dennoch umfasst er Elemente (Rassismus, Nationalismus, Anti-Parlamentarismus, Sozialdarwinismus, …), die einzeln für sich (oder deren Vorläufer: Tribalismus statt Nationalismus/Rassismus) auch in anderen Zeiten zu beobachten waren.
    Dann nennt der eine sie halt unpräzise „faschistisch“, während die präzisere Aussage besser lauten müsste: „Elemente, die auch dem Faschismus zu eigen sind“.
    Ja, meine Güte!
    Kann man sich drüber echauffieren, muss man aber nicht.

  4. Wir leben in einer Zeit in der sich Meinungsartikel wie dieser binnen Stunden überholen. Noch vorgestern hätte ich Roberto zugestimmt, aber heute wirkt sein Artikel wie aus der Zeit gefallen.

    Die Welt ist im Aufruhr, wir leben im Zeitalter der Monster. Was gestern noch richtig war, ist heute schon falsch.

    Die USA und Israel haben den obersten religiösen Führer des Iran ermordet. Das hat Putin nicht getan. Der Schurke Selensky und der noch nicht verurteilte Völkermörder Netanjahu darf leben. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

    Wie ich immer befürchtete ist in Middle East ein globaler Konflikt ausgebrochen, der uns schon morgen selbst betreffen wird, wenn wir uns über die steigenden Preise für Öl und Gold die Augen reiben. Der Iran hat seine Ankündigungen wahr gemacht und greift alle amerikanischen Stützpunkte in der Golfregion an. Wer sich von den arabischen Ölmonarchen der Kollaboration mit den „amerikanischen Teufel“ schuldig gemacht hat, muß nun die Rechnung bezahlen. Wer sich in Europa und den USA der Unterstützung des zionistischen, kolonialrassistischen Regimes schuldig gemacht hat, dem wird jetzt die Rechnung präsentiert.

    Insofern sehe ich keinen Unterschied in der Schlechtigkeit zwischen den USA und Europa! Die Europäer sind nur noch dümmer als die Amis, die glauben stark zu sein.

    Der feige Mord an iranischen religiösen Führer Ali Chamenei hat die schiitische Welt in Rage versetzt. Im Irak und in Pakistan greifen schiitische Muslime bereits amerikanische Botschaften an. Das wird sich verstärken wenn die Todesnachricht überall in der schiitischen Welt durchgedrungen ist. Terroranschläge hierzulande kann man leider nicht ausschließen.

    Nein rational ist das alles nicht, denn der Mensch ist ein emotionales Tier. Wirklich rational können nur wenige Menschen Denken. Vielleicht die zukünftige KI, die die Menschheit früher oder später ablösen wird?

    1. @Naomi
      „Die USA und Israel haben den obersten religiösen Führer des Iran ermordet. Das hat Putin nicht getan. Der Schurke Selensky und der noch nicht verurteilte Völkermörder Netanjahu darf leben. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“

      Das hätte Putin mal besser getan! Bei aller Ideologisierung oder Kritik: Ein nichttaugliches Staatsoberhaupt wie z. B. Selensky in die ewigen Jagdgründe zu schicken, wäre um ein Vielfaches humaner gewesen, als ein um den Vorwand des Brudervolkes ‚zartes‘ Vorgehen zum Preis von Hunderttausenden von Toten; auf beiden Seiten!

  5. Roberto kriegt es hin gleichzeitig sich darüber zu mokieren wie unangemessen und dämlich es eigentlich ist, das Wort „Faschismus“ für heutige politische Phänomene ständig noch zu verwenden und verwendet es im selben Atemzug dann trotzdem. Und dabei verplempert er die Hälfte seines Textes genau damit sich darum zu winden.
    Das ist irgendwie so wischi-waschi überhaupt nicht überzeugend.

    In der anderen Hälfte will er sagen, dass das was in den USA unter Trump geschieht doch eigentlich weniger schlimm ist als das was in Europa unter EU-Herrschaft geschieht. Eben weil man Trump und seine Truppe noch mal abwählen könnte.

    Zunächst einmal: Natürlich ist es verblödeter Unsinn wie die MSM versuchen Europa moralisch über die USA zu erheben. Darüber muss man nicht diskutieren.
    Aber wir werden sehen inwieweit Trumps Truppe noch mal abgewählt wird. Wenn die noch eine Legislatur dran bleiben, könnten die auch das amerikanische System ’nachhaltig‘ ändern. Auf der anderen Seite aber weiß doch jeder, dass die Demokraten, würden sie gewählt werden, ja auch nicht das tolle Gegenmodell sind, halt nur anders übel.
    So wirklich was abwählen kann man nämlich weder in Europa noch in USA!

    Und am Ende, egal wie viele totalitäre Verhaltensweisen man aktuellen europäischen Regierungen unterstellen möchte: Ich lebe doch noch sehr viel lieber in Europa als im den trumpschen USA und fühle mich auch wesentlich freier hier.
    Die USA sind nämlich doch in vielen Dingen deutlich schlechter als Europa, wenn auch nicht auf die Art, die die MSM hier so in ihren märchenhaften, moralintriefenden Erzählungen propagieren wollen.

  6. Zum Personenkult um Trump möchte ich was sagen. Er beruht einerseits auf seinem Verhalten beim Attentat, ein unerschrockener Mann, und andererseits auf Karikaturen. Trump, wie er eine MAGA-Anhängerin fickt, was für ein Kerl, und wie er als König beschimpft wird, eine Herrscherpersönlichkeit, die sich bei seinen Gegnern nicht anbiedert, sondern auf sie scheißt (Video), das sind die mehr oder weniger unbewussten Assoziationen. Was man dem Mann negatives anhängen will, es wirkt irgendwie positiv, selbst wenn eine Nutte behauptet, der Verkehr mit ihm waren die schrecklichsten zehn Minuten in ihrem Leben, also immerhin nicht drei Minuten.
    Und Trump verändert Amerika auch. Er beendet die Globalisierung. (Die, die nicht kapieren, was das ist, werden sagen, dass Handel gut ist.) Und er reduziert die Bedeutung der Nato und unterstützt die größenwahn- und schwachsinnigen europäischen Politiker nicht, und was er unternimmt, so abenteuerlich es auch ist, es scheint zu klappen

  7. „Sie sehen schon, wie albern das ist“.

    Das Problem ist, dass Normal-Null in Europa und im Westen – wenn wir mal nicht das F-Wort benutzen wollen – „problematisch“ ist. Normal-Null bedeutet: der Westen zündet irgendwelche Länder an, ermordet Millionen Menschen, erpresst Länder, stiehlt ihnen die Rohstoffe und hindert sie daran sich zu entwickeln, fördert Warlords und andere Kriminelle, um Staaten unregierbar, klein und fernab der Möglichkeit zu halten eines Tages als Konkurrent auf den Plan treten zu können (vll. wollen die Staaten das ja auch gar nicht, wie China z.B.*), man benimmt sich wie das größte Schwein auf Erden und im Westen verschwindet all das hinter Lady Gaga und Konsum, kurz hinter der Popkultur. Das heißt: ich spreche einem Standard-Westler ab sich überhaupt ein Bild darüber machen zu können, was Faschismus überhaupt bedeutet. Ein Standard-Westler sieht nämlich nur dann das Problem, wenn die eigene Komfortzone angegriffen werden, in New York 3 Wolkenkratzer einstürzen, die von zwei Flugzeugen getroffen wurden. Das, was die ganze Zeit läuft, da kriegt er nichts von mit, will er auch nichts von mitkriegen.

    Ich hab ein bißchen das Gefühl, dass dieses F-Wort mehr für Unbehagen sorgt, weil es einen vielleicht an die eigene Verantwortung erinnert, anstatt, dass man es wirklich als überzogen bezeichnen könnte. Das gilt natürlich nicht pauschal. Manchmal ist es vielleicht wirklich nicht angebracht.

    Ich möchte mal ein Beispiel nennen, was ich bereits historisch als Faschismus einstufe: woher kommt der Begriff „dezimieren“. Jeder weiß, was dieser Begriff heute für eine Bedeutung hat. Es besagt kaum mehr als „reduzieren“. Er hat aber eine bitter-böse Herkunft. Dezi kommt von „zehn“, lateinisch „decem“ bzw. Dezimeter, Dezember (alter Kalender, 10. Monat), Deziliter etc. etc. etc. Die Römer haben einst, nachdem sich Soldaten geweigert haben einen Befehl auszuführen die betreffende Armee „dezimiert“. D.h. sie haben pauschal jeden 10. abgemurkst. Und soweit ich weiß mussten die anderen diesen Befehl ausführen, also ihre eigenen Mitstreiter umbringen. MW ging es dabei um 6000 Mann.

    Nun dennoch kann man darüber streiten wie sinnvoll dieser Begriff ist oder nicht. Ich persönlich möchte mit diesem drastischen Begriff zum Ausdruck bringen: nicht weil, wir es geschafft haben die westliche Gewalt hinter Popkultur und Co verschwinden zu lassen, ist sie nicht mehr da. Was ich damit also sagen will, ist: DAS – andere Länder überfallen und Millionen Menschen zu ermorden (oder in der Ukraine zum Krieg zu zwingen, zu versklaven) – ist nichts Anderes als das, was Hitler gemacht hat. Die breite Öffentlichkeit schaut da wie immer weg und will nicht mit dieser unangenehmen Wahrheit konfrontiert werden. Dass die deutsche sog. „Justiz“ ausrastet, wenn man diesen Umstand herausstellt und ua mit einem feigen Trick versucht solche Vergleiche unter Strafe zu stellen, nämlich dass ein Verbrechen exakt genauso aussehen muss, wie das was Hitler bis zu seinem Ableben (wehret den Anfängen beginnt ja früher, bezieht sich also auf seine Anfänge, wo er diese Verbrechen noch NICHT begangen hat) gemacht hat – also man müsste schon KZs bauen und eben alles wiederholen, ehe man vermutlich (vll. auch dann nicht) die Erlaubnis von der sog. „Justiz“ erhält solche Vergleiche überhaupt in Betracht ziehen zu dürfen – sagt eine ganze Menge aus. Defacto will die sog. „Justiz“ unterm Teppich halten, was wirklich abläuft. Sie will, dass das Bild aufrecht erhalten wird, welches man sich so schön zusammengebastelt hat, worauf ja auch unser (rassistisches) Überlegenheitsdenken fußt. Im Letzten will sie nicht, dass die Verbrechen des Westens mit den (angeblichen) Verbrechen der Gegenseite auf eine Stufe gestellt oder gar der Wertigkeit entsprechend beurteilt werden. So sieht sie es als „Solidarisieren mit Terroristen“ an, wenn man „from the river to the sea“ skandiert. Wenn die israelische Führung den gleichen Satz verwendet, ist das freilich etwas komplett Anderes. Dass in Gaza ein Völkermord geschieht, der den 7. Oktober, von dem man nicht weiß wieviel davon durch die israelische Führung erst verursacht wurde, ins Unermeßliche gehend in den Schatten stellt, davon hat die deutsche Justiz scheinbar noch nie etwas mitbekommen. Ich sage auch das ist Faschismus: wenn Du die eigene Gewalt so leugnest, Dich hinter einer Fassade versteckst, die mit der Realität nicht vereinbar ist und auch noch behauptest, dass das Recht sei.

    Dieser drastische Begriff dient vor allem auch dazu in drastischen Worten die Bubble gewisser Leute zum Einsturz zu bringen, die sich überheblich für etwas Besseres halten und die Realität nicht anerkennen wollen. Das weisen diese Leute natürlich brüsk zurück. Das lässt sie zusammenzucken, weil sie ihre eigene Verantwortung nicht anerkennen wollen. Sie wollen weiterhin in ihrer schönen reinen heilen Welt leben, wo sie das Gute sind, das Böse außerhalb liegt.

    Mein Vorwurf: ich glaube nicht, dass man in vielen Fällen (nicht immer) den Begriff Faschismus inhaltlich in Frage stellen kann, sondern dass es da mehr um Befindlichkeiten geht.

  8. Aber nein, aber nein…..das wurde mir gestern noch ganz anders erzählt.
    Ich bin in meinem Landkreis in der Heimatforschung aktiv und gestern fand hier ein großes Treffen von Heimatforschern (Laien sowie professionellen Historikern) aus drei Regierungsbezirken statt.
    Anschließend an die – sehr interessanten – Vorträge, gab es eine Podiumsdiskussion, die – nicht ganz überraschend – auch das Politische streifte.
    Da macht doch einer der anwesenden Amtsträger die Aussage – wörtliches Zitat:

    „WIR in Europa sind immer noch die liberale Hochburg der Welt! Und WIR in Deutschland sind die liberale Hochburg Europas!!“

    Im Sinne von: Wir müssen die Fahne des Guten hochhalten und der Welt erklären wie man zu leben hat.

    Ich seh echt schwarz für dieses Land….

  9. Wenn man das hört, „Abwählen“…

    Nein Leute, man kann gar nichts wählen weil alle Kandidaten gleich korrupt sind. Die „Wahlen von Volksvertretern“ und deren Zeremonien im „Parlamant“ sind nur noch Akklamationen des Totalitarismus.

  10. Dass ausgerechnet die Europäer über den angeblichen US-Faschismus unter Trump sinnieren ist in der Tat bizarr. Es dient nur der Ablenkung vom eigenen – Achtung, ich verwende das Wort jetzt – faschistischen Verhalten (siehe z.B. Hüseyin Dogru, Jacques Baud).

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