
Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird die französische Linke (im weiten Sinn des Begriffs) in einem Dreivierteljahr zutiefst gespalten in den ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl gehen. Und so, wie es derzeit aussieht, wird es möglicherweise kein einziger Linkskandidat in die Stichwahl schaffen – zum dritten Mal hintereinander.
Die Präsidentschaftswahl in Frankreich im nächsten Frühjahr dürfte wohl die wichtigste Wahlentscheidung in Europa in den kommenden Jahren werden. Schafft es Marine Le Pen in das höchste Amt des Staates, zeichnet sich eine Achse Washington-Paris (eventuell mit Verlängerung nach Rom) ab, die das westliche „Wertebündnis“ endgültig sprengen könnte. Und die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario wächst von Monat zu Monat, von Woche zu Woche. Eine aktuelle Umfrage für den zweiten Wahlgang suggeriert, dass die kampferprobte Kandidatin des rechtspopulistischen „Rassemblement National“ (RN) momentan praktisch jeden hypothetischen Konkurrenten schlagen würde, egal aus welcher politischen Ecke: den ehemaligen Premierminister Édouard Philippe von der bürgerlich-gemäßigten Horizons-Partei mit 52 zu 48%; den Vorsitzenden der Macron-Partei Renaissance, Gabriel Attal, mit 54 zu 46%; den Chef der Sarkozy-Partei Les Republicains, Bruno Retailleau, mit 56 zu 44%; den ewigen Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon mit 67,5 zu 32,5%; den „Shooting Star“ der gemäßigten Linken, Raphael Glucksmann von der mit den Sozialisten verbündeten Mini-Partei Place publique, mit 58,5 zu 41,5% (1) Schon letztes Jahr um diese Zeit lag nur ein einziger der hier Genannten, Édouard Philippe, in den Umfragen vor Le Pen; in den letzten Monaten bekannt gewordene Unsauberkeiten in seinem Finanzgebaren als Bürgermeister von Le Havre, seinem derzeitigen politischen Amt, haben ihm offenbar schwer geschadet.
Und auf der linken Seite des politischen Spektrums multiplizieren sich inzwischen die Präsidentschaftskandidaturen. Selbst Francois Hollande, der wohl miserabelste Staatschef der gesamten Fünften Republik (von 2012 bis 2017), wittert neuerdings wieder Morgenluft und hat seinen Hut in den Ring geworfen. Die gesetzliche Bestimmung, dass nur kandidieren darf, wer die schriftliche Unterstützung von 500 Mandatsträgern (Abgeordneten, Senatoren, Bürgermeistern usw.) vorweisen kann, wird in den kommenden Monaten das dicht gepackte Feld zweifellos lichten – aber so, wie es momentan aussieht, wird dennoch ein halbes Dutzend Linksbewerber übrigbleiben. Und die werden sich dann fleißig gegenseitig die Stimmen wegnehmen – und möglicherweise allesamt den ersten Wahlgang nicht überstehen: so wie schon 2002, wie 2017 und 2022.
Die „nicht-mélenchonistische Linke“ (Sozialisten, Grüne und diverse kleinere Linksparteien) hatte sich im letzten November auf die Abhaltung einer Vorwahl („Primaire de la Gauche unitaire“) geeinigt, anvisierter Termin war der 11. Oktober dieses Jahres. Mélenchon wiederum, der dreimalige Präsidentschaftskandidat, der vor vier Jahren nur äußerst knapp den Einzug in den zweiten Wahlgang verpasst hatte, hatte schon im Vorfeld abgewunken: Er werde sich ganz bestimmt keiner Vorwahl stellen, im Mai 2026 verkündete er dann folgerichtig seine erneute separate Bewerbung um das höchste Staatsamt. (2) Im Juli zogen sich dann aber auch die Sozialisten zurück: Sie beschlossen, eine eigene Vorwahl zu organisieren, an der nur ihre eigenen Parteimitglieder und die von „benachbarten“ Parteien teilnehmen können (gemeint ist mit letzterer Formulierung Glucksmanns Splittergruppe „Place publique“). Marine Tondelier, Chefin der Grünen, die ursprünglich auch an der Primaire de la Gauche unitaire teilnehmen wollte, bezweifelte daraufhin den Sinn derselben: Chaos allerorten. Höchstwahrscheinlich wird diese „Vorwahl der einheitlichen Linken“ nun überhaupt nicht mehr stattfinden; Tondelier wird in diesem Fall dann ebenfalls ihre separate Kandidatur verkünden – Meinungsumfragen geben ihr aber nur maximal 4% der Stimmen. (3)
Die französische Linke zerlegt sich also mal wieder – eine Disziplin, in der sie fraglos Weltspitze ist. Im Frühjahr nächsten Jahres wird es deshalb vermutlich mindestens sechs Linkskandidaten geben: Nathalie Arthaud von der trotzkistischen Mini-Partei Lutte Ouvrière, Jean-Luc Mélenchon, Fabien Roussel vom Parti communiste francais, Marine Tondelier, Francois Ruffin (Parlamentsabgeordneter der Kleinpartei Debout!, der ursprünglich ebenfalls an der „Vorwahl der einheitlichen Linken“ teilnehmen wollte, aber im April verkündete, auf jeden Fall kandidieren zu wollen) und der bisher noch nicht gekürte Sieger bei der Vorwahl des Parti socialiste (PS). Um das Chaos perfekt zu machen, weigert sich bisher Raphael Glucksmann, Liebling der linksliberalen französischen Mainstream-Medien, an Letzterer teilzunehmen, offiziell hat er seine Präsidentschaftskandidatur auch noch gar nicht erklärt. Zweifellos höchst unterhaltsam wäre es ferner, wenn sich Francois Hollande und Ségolène Royal (erfolglose sozialistische Präsidentschaftskandidatin von 2007; auch sie hat öffentlich ihre Ambitionen offenbart, noch einmal antreten zu wollen) bei der PS-Vorwahl duellieren würden – etliche Jahre lang waren sie mal ein Liebespaar.
Riesengroße Egos
Fazit: Riesengroße Egos, wohin man auch sieht. Die nach allen Umfragen populärsten bisher erklärten und potenziellen linken Bewerber sind derzeit Mélenchon und Glucksmann, Ersterer liegt bei 14,5 bis 16%, Letzterer bei 10,5 bis 11%, für einen Einzug in die Stichwahl dürfte beides nicht reichen. Marine Le Pen bewegt sich momentan bei 34 bis 35,5%, Édouard Philippe bei 16,5 bis 19%. Der Gründer und Chef von „Horizons“ ist aber keineswegs der unumstrittene Kandidat des gesamten Macron-Lagers. Auch Gabriel Attal, Premierminister unter Macron von Januar bis September 2024, hat bereits im April seine Ambitionen auf das Präsidentenamt erklärt; er wäre im Fall seiner Wahl mit 38 Jahren der bisher jüngste Präsident der Fünften Republik – und auch der erste offen schwule Amtsinhaber; sein Lebensgefährte ist der derzeitige französische EU-Kommissar und ehemalige Außenminister Stéphane Séjourné. Würde das zentristische Lager ihn statt Philippe zum Einheitsbewerber der „Macronie“ küren, würde er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Mélenchon für den Einzug in den zweiten Wahlgang liefern, kandidierte er gegen Philippe, hätte er wohl große Probleme, über 10% zu kommen (4) – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er in der Endphase des Wahlkampfes zugunsten von Philippe verzichtet.
Zweifellos wäre dies eine strategisch sinnvolle Entscheidung – zu der sich die diversen Kampfhähne auf der linken Seite des politischen Spektrums hingegen offenbar partout nicht durchzuringen vermögen. Für viele Sozialisten ist Jean-Luc Mélenchon inzwischen so gut wie unwählbar geworden – viel zu links, der Mann, viel zu radikal. Umgekehrt ist für viele Mélenchonisten Raphael Glucksmann ein rotes (eigentlich eher: ein rosa) Tuch: viel zu ukrainefreundlich und viel zu antirussisch, viel zu (rechts-)sozialdemokratisch. Keiner der beiden Politiker dürfte es deshalb schaffen, das gesamte Linkswähler-Potenzial in einem potenziellen zweiten Wahlgang hinter sich zu vereinen. Eine Vorwahl, organisiert von allen Mitgliedsparteien des (mittlerweile klinisch toten) Nouveau Front Populaire (NFP), der 2024 die Parlamentswahlen bestritt (und mit relativer Mehrheit gewann), wäre unter diesen Umständen natürlich die rationalste Verfahrensweise gewesen – aber dieser Zug ist wohl endgültig abgefahren.
Die einzige verbleibende Alternative wäre deshalb eine Einigung der Führungen der zerstrittenen Linksformationen auf einen gemeinsamen Bewerber bereits für den ersten Wahlgang – und sei es in allerletzter Minute. Und es ist ja nicht so, dass es hierfür keine Namen gäbe: Huguette Bello etwa fällt einem da spontan ein, die derzeitige Präsidentin der Überseeregion La Réunion – vor zwei Jahren wurde sie von den Kommunisten, den Grünen und der Mélenchon-Partei La France Insoumise (LFI) für das Amt einer Premierministerin der NFP vorgeschlagen (aber von der PS-Führung abgelehnt, weil sie im Parlament nicht für die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe gestimmt hatte). Sie ist bis weit in das bürgerliche Lager hinein hoch angesehen – und sie wäre die geradezu idealtypische Gegenkandidatin zu Marine Le Pen: eine Farbige, zeitlebens fest im linken Spektrum verankert (sie war viele Jahre lang Parlamentsabgeordnete des Parti communiste réunionnais, gründete dann aber vor ein paar Jahren eine eigene regionale Linkspartei). Ihr wäre es zuzutrauen, eine Aufbruchstimmung (nicht zuletzt unter jugendlichen Wählerinnen und Wählern) zu entfesseln, die der rechtspopulistischen Offensive Paroli bieten könnte. Allerdings ist sie schon 75 Jahre alt – und als 2024 die sozialistische Parteiführung ihr Veto gegen sie einlegte, erklärte sie sofort, nur dann zur Verfügung zu stehen, wenn die gesamte Linke hinter ihr stünde.
Und dann wäre ja auch noch Francois Ruffin. Der in ganz Frankreich sehr bekannte ehemalige Journalist und Dokumentarfilmer (ein Film von ihm gewann sogar einmal den César, den französischen Oscar; weithin gilt er als „der französische Michael Moore“) ist seit 2017 Parlamentsabgeordneter, im April dieses Jahres erklärte er seine Bereitschaft zur Präsidentschaftskandidatur. Vor rund zwei Jahren, als seine Ambitionen auf dieses Amt schon erkennbar waren, gab es einmal eine demoskopische Untersuchung, die seine Popularität als hypothetischer Einheitsbewerber des gesamten linken Lagers abfragte, mit ziemlich sensationellen Ergebnissen: Im ersten Wahlgang hätte er mit 29% alle Kandidaten des Macron-Lagers auf die Plätze verwiesen, im zweiten sich mit Marine Le Pen ein Kopf-an-Kopf-Duell (50 zu 50%) geliefert. (5) Vergleichbare Umfragen gab es seitdem nicht mehr; in denen, die alle offiziellen und potenziellen Linkskandidaten auflisten, liegt er derzeit bei nur rund 6% – weit hinter Mélenchon und Glucksmann. Er ist Chef einer nur sehr kleinen Partei (Debout!) und hat deshalb keinen landesweit verankerten Apparat hinter sich – aber das galt im Vorfeld der Wahl 2017 auch für Emmanuel Macron… Große Teile der Mainstream-Medien beäugen ihn allerdings ziemlich misstrauisch – unter anderem auch deshalb, weil er mitunter Positionen vertritt, die nicht in das Koordinatensystem der zeitgenössischen „woken“ Linken passen.
Migrationskritik von links
So erklärte Francois Ruffin etwa erst kürzlich in einem TV-Interview, er sei gegen eine „Arbeitsmigration“ nach Frankreich, gegen den „Import“ von ausländischen Arbeitskräften, da dies eine Konkurrenzsituation mit einheimischen Arbeitern (sowohl genuin französischen als auch solchen mit Migrationshintergrund) schaffe, die unweigerlich eine drastische Absenkung des Lohnniveaus zur Folge habe. Von allen Seiten hagelte es sofort massive Kritik, insbesondere von Politikern der Grünen und der LFI – dabei sprach er nur das aus, was in der Vergangenheit schon immer viele Sozialisten (und Kommunisten!) in Frankreich betont haben: dass die Schaffung einer riesigen, ethnisch zerklüfteten industriellen Reservearmee einzig und allein im Interesse der Unternehmer sei, dass die Zugewanderten nach Strich und Faden ausgebeutet würden und dass die massive personelle Ausblutung der Länder der Dritten Welt diesen nur noch mehr ökonomische Probleme aufbürden würde, als sie ohnehin schon haben. Und natürlich, so der Vorwurf seiner Kritiker, würde Ruffin mit seiner Positionierung Le Pen und dem Rassemblement National in die Hände arbeiten, deren Parolen sozusagen salonfähig machen. (6)
Die Heftigkeit der Auseinandersetzung ist unschwer nachvollziehbar. Zwischen einer „Open Borders“-Pro-Migrations-Haltung („Wenn Du die Themen von Le Pen aufgreifst, ebnest Du ihr den Weg zur Macht!“) und einer migrationskritischen Position von links („Wenn Du ignorierst, dass Massenzuwanderung ein Problem ist, ebnest Du Le Pen den Weg zur Macht!“) ist in der Tat nur sehr schwer irgendein Kompromiss vorstellbar. Es wird ihn aber geben müssen, denn um den – den aktuellen Umfragen zufolge – mittlerweile majoritären politischen Block um die Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National wieder aufbrechen zu können, ist es ganz offensichtlich notwendig, massenhaft Wähler und Wählerinnen Le Pens zurückzugewinnen, sie davon zu überzeugen, dass eine Linksregierung all die Probleme, die mit einer unkontrollierten Zuwanderung verbunden sind (Konkurrenz um geringqualifizierte Arbeitsplätze, um bezahlbaren Wohnraum, um staatliche Transferleistungen), sehen und versuchen würde, sie zu lösen – ohne in rassistische und fremdenfeindliche Rhetorik und Verhaltensmuster zu verfallen.
All diese Wähler von vornherein abzuschreiben („Das sind doch eh alles Faschisten“), bedeutet – aller Wahrscheinlichkeit nach – nichts weniger, als Marine Le Pen und ihrer Truppe den Wahlsieg sozusagen auf dem Silbertablett zu servieren. Der wirklich bizarre Umstand, dass es im Norden Frankreichs, etwa im Département Pas-de-Calais, und in der Normandie Dutzende von (kleineren) Städten und Gemeinden gibt, in denen die Wähler bei Kommunalwahlen (so wie seit Jahrzehnten) unverdrossen kommunistische Bürgermeister wählen, bei Präsidentschaftswahlen aber paradoxerweise mehrheitlich für Le Pen stimmen – etwa in Le Tréport, in Gonfreville-l’Orcher, in Avion, in Thrith-Saint-Léger – zeigt doch einigermaßen klar, dass viele von ihnen in ihrer Verzweiflung über den dramatischen ökonomischen und sozialen Verfall ihrer Lebenswelt irgendeinen politischen Ausweg aus der Misere suchen, dass sie „nicht wissen, wohin mit ihrer Wut“ (7) und deshalb, zumindest teilweise, den schlichten Parolen des Rassemblement National (bzw. dessen Vorläufer Front National) auf den Leim gehen.
Das massenhafte Überlaufen der Reste des einst so stolzen französischen Proletariats von den Kommunisten hin zu den Rechtspopulisten bedeute nämlich nicht automatisch die Entstehung einer neuen, fest im rechten oder gar rechtsextremen Gedankengut verankerten politischen Identität, bilanziert der Soziologe Didier Eribon in seinem Bestseller „Rückkehr nach Reims“: „Die Stimmabgabe für den Front national“, schreibt er, „stellt für einen Großteil seiner Wähler keineswegs eine Identitätspositionierung analog zu der früheren Wahl der Kommunistischen Partei dar: Sie ist vielmehr vorübergehend, weniger festgefügt, und das Vertrauen in einen Repräsentanten, die Delegierung des politischen Willens an diejenigen, die ihn dann auf der politischen Ebene zu exekutieren haben, ist nicht so solide und hat nicht dieselbe Intensität.“ (8) Wenn diese These stimmt, ist es absolut nicht sinnlos, zu versuchen, zumindest Teile dieser Wählerschichten für eine linke Politik zurückzugewinnen – insbesondere auch durch eine Demaskierung des Sozialgesäusels, das Le Pen und ihr Clan so gerne von sich geben (etwa durch den Hinweis auf das Abstimmungsverhalten der RN-Fraktion in der Nationalversammlung, das sich in sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen nur wenig von dem der „bürgerlichen“ Rechten unterscheidet).
Unberechenbares Frankreich
Noch ist alles offen, noch ist nicht völlig ausgeschlossen, dass sich die von Atomisierung bedrohte französische Linke wider Erwarten doch noch auf eine Einheitskandidatur einigt – oder vielleicht ein Phönix aus der Asche auftaucht, den bisher noch niemand auf der Rechnung hatte. Denn Präsidentschaftswahlen in diesem Land sind zumindest eines: meist ziemlich unberechenbar. Wer hätte im Jahre 2002 erwartet, dass Jean-Marie Len Pen (Marines Vater) es bis in die Stichwahl schaffen würde? Oder dass 2012 Francois Hollande, der begnadete Langweiler mit dem Charisma eines Bankangestellten im mittleren Management, den „Bling-bling“-Präsidenten Nicolas Sarkozy besiegt? Dieses Land, das seit fast einem Vierteljahrtausend schon des öfteren als eine Art politisches Experimental-Labor für den Rest der Welt fungierte, ist schließlich immer für eine Überraschung gut – sowohl für eine positive als auch für eine negative.
Fußnoten
1) „Liste de sondages sur l’election présidentielle francais de 2027“ auf https://fr.wikipedia.org
2) Olivier Pérou, „Jean-Luc Mélenchon annonce être candidat à l’élection présidentielle pour la quatrième fois, sur une ligne toujours plus ‚antisystème‘“, Le Monde, 3. Mai 2026
3) Claire Flochel, „Présidentielle: le Parti socialiste choisit une primaire fermeé avec Place publique, un revers pour Olivier Faure“, Radio France, 10. Juli 2026; Gael de Santis, „Présidentielle 2027: Les Écologistes ouvrent la voie à une candidature de Marine Tondelier“, L’Humanité, 6. Juli 2026
4) Siehe Fußnote 1)
5) Stefan Brändle, „Francois Ruffin: Hat Frankreichs Linke einen neuen Hoffnungsträger gegen Le Pen gefunden?“, Frankfurter Rundschau, 24. April 2024
6) Linke Migrationskritik hat in Frankreich eine lange Tradition – von Jean Jaurès, dem großen alten Mann der dortigen Sozialdemokratie über den langjährigen KP-Chef Georges Marchais bis hin zu Jean-Pierre Chevènement, dem Innenminister unter Premier Lionel Jospin von 1997 bis 2000 und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten. Marchais etwa verkündete im Präsidentschaftswahlkampf 1981: „Es ist an der Zeit, die Einwanderung zu stoppen – sowohl die legale als auch die illegale“ – und brachte es mit dieser Forderung immerhin auf über 15% der Stimmen. Die rhetorisch schärfste Kritik an der Positionierung Ruffins in dieser Frage formulierte die trotzkistische Splittersekte Révolution permanente: Gregorio Oneto, „Francois Ruffin, le travail sans la classe“ auf www.revolutionpermanente.fr (9. Mai 2026)
7) So Alban Bruneau, damals stellvertretender Bürgermeister von Gonfreville l’Orcher, einem Vorort von Le Havre, nachdem Le Pen 2017 im zweiten Wahlgang gegen Macron in seiner Gemeinde 57,0% der Stimmen erhielt: Aurélia Morvan, „Gonfreville l’Orcher, cette ville de Normandie passeé de Mélenchon à Le Pen“ auf https://actu.fr (7. Mai 2017). 2022 erhielt Marine Le Pen im zweiten Wahlgang 63,6% der Stimmen in Gonfreville l’Orcher. Alban Bruneau, Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, ist heute Bürgermeister des Ortes; bei den Kommunalwahlen im März dieses Jahres wurde er mit 100,0% (!) der Stimmen ein zweites Mal gewählt (er hatte keinen Gegenkandidaten).
8) Didier Eribon, „Retour à Reims“, Librairie Arthème Fayard, 2009, S. 139





Das ist aber ein harter Wettbewerb, bei dem ich nicht entscheiden möchte, wer die Auszeichnung gewinnt.
Leider ist der Artikel ist ein Gewimmel von uns allen praktisch unbekannten Personen und Parteien, aber was die wollen, wird kaum angesprochen. Dabei wäre das doch recht einfach zumindest mal grob zu sortieren. Sind sie pro- oder anti-Genozid? Die, die Pro-Genozid sind, sind so „Linke“ wie Artur_C oder Danger Dan – kann man also gleich aussortieren. Dazu kämen noch andere nicht-verhandelbare Positionen und dann sieht man das wirkliche Potenzial. Wenn das nicht besonders groß ist, dann ist das eben so. Da braucht man doch nicht versuchen zu diskutieren, ob Hollande ein Linker wäre. Ist denn der Autor ein Linker? Scheint mir eher nicht so. Argumente hat er jedenfalls keine vorgebracht.
Was wird denn so schrecklich, wenn Le Pen regieren würde im Vergleich zu Hollande? Auch das wird nicht erwähnt. Mal abgesehen davon, dass das so wäre wie bei Parteiprogrammen: Es macht doch keinen Sinn sich darüber auszulassen, wenn es keine Konsequenzen hat, sie nicht umzusetzen. Es kann also nur um Programme der Vergangenheit gehen und was davon umgesetzt wurde. Oder man lässt das gleich ganz mit dem Pferderennen-Journalismus und der Parteiendemokratie.
Wenn Le Pen Präsidentin und Höcke Kanzler wird, dann doch nicht, weil die sogenannten linken Berufs-Politiker das verhindern hätten können mit besseren Angeboten, sondern weil die NATO es so will. Die sind dann eben approved regimes, so wie unsere schönen Waffen tested on Palestinian kids sind. Die haben einfach das attraktivste Angebot gemacht an den Hegemon. Wer da was dagegen hat, wird gemobbt oder einfach abgeschaltet. Wer es herausfordert, wird niedergeknüppelt vom Polizeistaat und mit Klagen überzogen.
ich halte es für eine deutsche Krankheit alles links zu bezeichnen, was nicht ausgesprochen rechts ist. Sorry, aber die Grünen sind als die Kriegstreiber in Ruropa neben Friedrich Merz alles andere als links. Und dann noch irgendeine linke Einheit beschwören zu wollen – gegen rechts natürlich – ist genau die zeitgeistige Dummheit der nicht-marxistischen Links-sein-Woller. Die Linke – egal ob Melenchon, Arthaud oder PCF – muss zeigen, dass sie die französische Gesellschaft besser führen kann als die Rechten oder die bürgeröichen Liberalen. das bedeutet Themenführerschaft zu Löhnen, Preisen, Pension, Gesundheit, Bildung, Umwelt, Nato, Ukraine, Naher Osten, Venezuela und Kuba. dazu bedarf es kein Einheits-Geseire sondern klare Aussagen. Mit dieser Dynamik kann die Rechte nicht mithalten, denn sie bewegt sich immer im kapitalistischen System. Wir brauchen weniger Kampf gegen rechts sondern mehr Kampf für eine neue Planwirtschaft, für Arbeiterdemokratie, für Vielfalt in jeder Hinsicht in einer sozialistischrn Gesellschaft..
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„Schafft es Marine Le Pen in das höchste Amt des Staates, zeichnet sich eine Achse Washington-Paris (eventuell mit Verlängerung nach Rom) ab, die das westliche „Wertebündnis“ endgültig sprengen könnte“
Die Wahl einer Vereinigten Linken soll und will also die endgültige Sprengung des „westlichen Wertebündnisses“ verhindern.
Gibt kaum vernünftige Gründe überhaupt mal wählen zu gehen, aber das wäre wirklich der beknackteste Grund.
Sehr gut erkannt! Ja, liebe „Linke“ – rettet die Wertebasiertheit (keine Angst, selbst für den sehr unwahrscheinlichen Fall des Erfolges eines solchen, schon beneidenswert dämlichen Vorhabens: Es wird euch auch diese x-ten Anbiederung niemand danken, also mehr von der falschen Medizin, 6.5.25 forever!)
„Huguette Bello etwa fällt einem da spontan ein, die derzeitige Präsidentin der Überseeregion La Réunion“
Das ist halt eine französische Kolonie in der Nähe von Madagaskar. „Überseeregion“ ist der Euphemismus dafür. Die USA hat auch keine Kolonien, aber „territories“ oder andere beschönigende Worte.
Laut KI scheint die Dame recht based zu sein. Nur hat mir die KI vorhin schon totalen Mist halluziniert. Ich habe noch die KI gefragt, wie oft sie nach Paris reist und wie viel das ungefähr kostet? So 4-5k pro Reise sicherlich, wahrscheinlich weit mehr. Sie wird schon business class fliegen, nicht economy (früher nannte man das „billige Plätze“). Das ist auch ein cooler Job. Kannste immer zwischen der Kolonie im indischen Ozean und Paris, der Metropole, wo 1/3 aller Franzosen lebt, Zentralstaat, hin- und herjetten und der Staat zahlt das alles.
Die Linke in Europa hat mittlerweile jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Der Zustrom an Schafen zum rechten Rand ist eine Folge der Wut bei den Menschen gegenüber den etablierten Parteien, die sich zunehmend als Handlanger und Laufburschen der Unternehmen und des Kaptals zeigen.
Eine (Pseudo)Linke ohne Profil, Gesicht und Vision ist abschreckender als das rechte Establishment und deren verlogenen Versprechen.
Mit anderen Worten. Wir haben keine Linken Kräfte mehr in Europa. Was da unter dem Deckmantel „Links“ auftaucht, sind nichts anderes als Sterbebegleiter der Demokratie
ich stimme dir notabene voll zu. Hinter dem Erfolgslauf der Rechtsextremen und Rechtskonservativen steht das Versagen der verbliebenen Linken gute, überzeugende Antworten auf die tiefe Krise unserer Gesellschaft zu finden. Das gilt nicht nur für Europa sondern auch für Süd -und Nordamerika. Schmetterlinge zählen und die Umwelt vor der Umwelt also vor sich selbst zu schützen, gehört nicht zu den erfolgversprechenden Antworten.
Wann wir staatsbürgerlich schreiten Seit´ an Seit´…
Der durchstudierte Faulhaber (Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Soziologie) begeht einen – keineswegs überraschenden – Kardinaldenkfehler.
Weil er eine „gespaltene“ (französische) Linke per se für schlecht hält. Deshalb betet er für ein Pattex-Wunder. Das ist kein Spaltungsirresein, sondern hundsgewöhnlicher staatsbürgerlich-konditionierter Hausverstand.
Einheit vor Klarheit als ideologisches Patentrezept fordert die von der Wiege bis zur Bahre systemsozialisierte Staatsbürgernatur, nicht nur für (französische) Linke, sondern weltweit für alle Themen und Lebenslagen von Demos, Populus und res publica.
Kanzler und Hartzer
Boss und (Lohn-)Sklav´´
sind nicht Wasser mehr und Feuer
Um die Leiber legt ein neuer
Frieden sich, wir blicken freier
Kanzler und Hartzer, uns fürder an
Boss und Lohnsklav´, uns fürder an
Auch wenn die so beschaffene Staatsbürgernatur hier zufällig sich Faulhaber nennt, sind Namen Schall und Rauch und könnten auch z. B. Lapolente, Bob Genius, Krethi und Plethi lauten.
Einheit vor Klarheit („Wir lassen uns nicht spalten!“) in Polit-Kardinal Faulhabers Sinne meint, von vornherein jede inhaltliche Prüfung zu verbieten, ob
a) die jeweiligen Positionen von Links 1, Links 2, Links 3 usw. überhaupt kompatibel sind (Prüfung für Pateisoldaten)
und
b) die jeweiligen Positionen von Links 1, Links 2, Links 3 usw. sowie die per faulhaberschem Stoßgebet zu erzwingende gemeinsame Einheizposition Links-Pattex den Lebenslagen und Interessen des Stimmviehs, das sich später mit Links™, Rechts™ und/oder ab durch die Mitte™ beherrschen lässt, überhaupt zuträglich ist (Prüfung insb. für Stimmvieh)
Nach Faulhaber hat insofern das Stimmvieh aprio auch die individuelle Prüfung zu unterlassen, ob ein wie auch immer sich nennender Wahlverein, den ein kapitalistisches Gemeinwesen zur Parteienkonkurrenz zugelassen hat, überhaupt die (Klassen-)Interessen des Stimmviehs vertreten kann bzw. ob alle diese Wahlvereine zwingend automatisch von vornherein ausschließlich die Interessen des Gegenseite vertreten können, egal was diese Wahlvereine selbst darüber denken oder öffentlich kommunizieren.
Bei so viel Einheizwahn vor Klarheitswunsch kann nur noch ein Wunder helfen.
Exakt, denn wenn man sich mit den Spezialdemokraten in ein Boot setzt, wie im Bündnis zuvor, dann ist man wie üblich verraten. Wer hat denn Macron letztlich einen Haushalt verpasst? Das völlig weichgespülte „Links“ führt dann nur dazu, dass die Leute ganz weit rechts Populisten wählen, die sich als Verteidiger der einfachen Leute aufspielen. Bürgerlicher Unsinn, warum man den Stuss auf Overton lesen muss, verstehe ich nicht. Zumal der Titel, die deutsche Linke (praktisch inexistent) ist doch noch viel viel dümmer.
Wählen ist verkehrt.
Auch die „richtigen“ wählen ist verkehrt.
Auch die „hartgespülten“ Linken wählen ist verkehrt.
Jede Partei, die beim Wahlzirkus mitmacht, ist verkehrt.
Und jede Linke, die beim Wahlzirkus mitmacht, sowieso.
„die deutsche Linke (praktisch inexistent) ist doch noch viel viel dümmer“
Die teutsche Linke ist leider sehr existent, hocheffizient und war der
entscheidende Steigbügelhalter für den aktuellen Machthaber Merz.
Ein praktisches Vorbild für die Vereinigte Linke in Frankreich., als linker Retter
des westlichen Wertebündnisses…in the last past possible moment…
Ich würde sagen, die dümmste Linke ist mit Abstand die deutsche, vor allem in der Partei, die sich so nennt. Das sind nämlich keine, sondern verteidigen sogar einen Völkermord… Dagegen ist Frankreich sogar fast ein Paradies.
Bedauerlicherweise hat diese (Nicht-mehr-)Linkspartei immer noch relativ große Zustimmung. Mehr als sie sich bisher erträumt hatte. Der Vater des Leipziger (Nicht-mehr-)Linken Pellmann würde im Grab rotieren, wenn er wüßte, welch opportunistisches Früchtchen sein Sohn geworden ist.
Das Volk nimmt die aktuelle woke und neoliberale Politik als links-grün wahr, die Massenmedien haben ja die Meinungshoheit. Warum sollte das Volk nun also einen Linken wählen, wenn sie die aktuelle links-grüne Politik weg haben will?
Dann kann man ja nur darauf hoffen, dass es denn auch wirklich so geschieht. Aber ist der Westen denn nicht längst in Populisten und Demokraten gespalten? Oder ist das nur Fassade, eine Täuschung von vorgegaukelter Demokratie?
Wichtig wäre in der Tat erst einmal die nationale Souveränität zu stärken um aus der transatlantischen Abhängigkeit herauszukommen. Denn die wird vom transnationalen Kapital diktiert, mit Hauptwohnsitz USA. Das wäre aus meiner Sicht die historische Mission der Populisten und National-Konservativen in der aktuellen Situation – bevor dann irgendwann in zugespitzter Lage eine echte Linke zum Zuge kommen kann.
Ich verstehe nicht, wie man es geschafft hat, das Denken der „Linken“ um 180 Grad zu drehen.
Früher hätte man es doch als linker/progressiver Mensch *ungerecht* empfunden, wenn sich Spanner auf der Damentoilette herumtreiben oder Fremde über offene Grenzen kommen und die Sozialkassen plündern.
Heute denken die Leute, das wäre *gerecht*.
Das Denken der „Linken“ (über Gerechtigkeit) musste lediglich von der materiellen Ebene auf die ideologische Ebene verschoben werden, also von den materiellen Werten (wie Geld und Wohlstand) zu den ideellen Werten (wie individuelle Freiheit und Demokratie). Ein relativ leichtes Unterfangen, wenn es über Jahre und Jahrzehnte betrieben wird.
Treffen sich zwei Linke und gründen drei Parteien. So ähnlich lautete ein Spruch in den End-60er, Anfang 70er in der linken Bewegung der BRD.
Das entspricht meinen Erfahrungen mit Lateinamerikanern, die ich als Student bei dem Erlernen der deutschen Sprache half. Vereinbarten wir eine Uhrzeit, kamen sie mindestens eine halbe Stunde zu spät.
Daraus leitete ich (mit Ausnahme Kubas und Nikaraguas) ab, daß es in Lateinamerika nie zu einer wirklich linken Revolution kommen kann.
Denn wenn es heißt: Morgen 15 Uhr beginnt die Revolution, kommen die lateinamerikanischen Linken mindestens eine halbe Stunde zu spät. Doch bis dahin hat sich die Konterrevolution formiert und bleibt der Sieger auf dem Platz.
Dümmer als (marxistisch) „Links“ ist nur noch „Grün-Links“. Und das gilt auch noch, wenn man das drei oder vier mal widerholen muss
Wann kommt bei den »Linken« endlich das Bewusstsein an, dass man sich mit dieser Benennung mit all denen gemein macht, die dieses Bennenung nur benutzen um sinsitre Ziele zu verfolgen?
Was nützt es denn, sich gegen die »anderen Linken« irgendwie abzugrenzen? Sei es als eine Art Untergruppe, die »freie Linke«, sei es in irgendwelchen Textvolten wie etwa von ein Diether Dehm:
»Ehrliche Linkskräfte (nicht die Etikettenschwindler ähnlichen Namens) …«
Was soll das? Die Etikettenschwindler sind da, und es müssen doch wohl viele sein. Aber das Etikett wird trotzdem weiter benutzt? Ist das ehrlich? Jeder, der von »Linken« redet und »linke Politik« unterstützt, unterstützt damit auch die Etikettenschwindler. Ist das denn wirklich zu kompliziert für ein »linkes« Gehirn?
Ist der Nostalgiefaktor bei den »ehrlichen Linken« oder »freien Linken« so hoch, dass sie sich von dieser Bezeichnung nicht trennen können, obwohl sie dadurch ihr eigenes politisches Grab schaufeln?
Ich verstehe Euch nicht. (außer, vielleicht gibt es so etwas wie »ehrliche Linke« gar nicht mehr, ist das ein reiner Mythos, ein Popanz, eine Verarschung …)
Referenz: h#ttps://www.nachdenkseiten.de/?p=154236
»Quo vadis, AfD? – Chrupalla-Buch, Friedensbewegung und Mittelschichten« von Diether Dehm
Nix, gar nix wird eine Achse Washington [ Trump] – Paris [ Le Pen ] – Rom [ Meloni] sprengen, nichts. Schon gar nicht das Westwertebündnis