
Wie Appeasement und Dahiya-Doktrin Israel und den gesamten Westen aushöhlen.
Erster Teil.
Nach den Verlusten seiner Regierungskoalition bei den Parlamentswahlen in Israel steht Benjamin Netanyahu nach drei Jahren des Vollversagens im Gaza-Krieg sehr wahrscheinlich vor seiner Ablösung als Premierminister, auch wenn sein Likud infolge unverdienter Medien-Unterstützung die stärkste Partei geblieben ist.
In den USA hatte eine unmittelbar nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 durchgeführte Meinungsumfrage noch gut fünfmal so viele Israel-Sympathisanten wie Palästinenser-Sympathisanten ergeben. Seitdem hat ein dramatischer Stimmungswandel stattgefunden: Die Unterstützung für Israel ist eingebrochen und wird nun von derjenigen für die Palästinenser übertroffen, besonders unter jungen Menschen.
Für diesen Erdrutsch ist ein tiefgreifendes, systemisches Versagen im gesamten Westen ursächlich. Politik und Medien haben sich auf einem doppelten Selbstmordkurs festgefahren: Vor allem im linken Lager wird gegenüber dem politischen Islam ein inflationär fortschreitendes, naives Appeasement betrieben, im konservativen Lager dagegen ein blindwütiger Militarismus. Diesen letzteren hat die israelische Führung im Gaza-Krieg und im Süd-Libanon mit der kaum bekannten Dahiya-Doktrin auf die Spitze getrieben. Nach dieser höchst kontraproduktiven Militärstrategie werden nach Angriffen auf Israel zur vermeintlichen Abschreckung harte Schläge gegen zivile Infrastruktur und Wohnhäuser geführt.
Die Doppelstrategie der Islamisten
Der Einbruch der weltweiten Sympathien für Israel zeigt den Bumerang-Effekt dieser blinden Zerstörung. Die Strategie hat sich auch militärisch als kontraproduktiv erwiesen; die humanitär gemeinten Ankündigungen der Angriffe, die eine Evakuierung von Zivilisten ermöglichen sollen, erlauben den Hamas- bzw. Hisbollah-Kämpfern noch eher ein rechtzeitiges Ausweichen als den weniger gut informierten Zivilpersonen.
Zu den dramatischen Resultaten der Politik der maximalen Selbstbeschädigung unter Netanyahu gehört auch der weltweit aufgeflammte Antisemitismus. Dieser gefährdet den gerade jetzt überlebenswichtigen solidarischen Zusammenhalt innerhalb der westlichen Zivilisation.
Denn die im Schutz unkritischer Medien seit Jahrzehnten beharrlich betriebene „westliche“ Politik bedient im Effekt die Ziele einer freiheitsfeindlichen Ideologie – die der 1928 gegründeten Moslembruderschaft. Die Einzelziele summieren sich zur schrittweisen Eroberung der westlichen Zivilisation durch einen doktrinär verhärteten, reformresistenten Islam. Während der militärisch-terroristische Arm der Islamisten im Nahen Osten spektakuläre Militäraktionen provoziert, begleiten politische Kader die Ansiedlung von Muslimen im Westen. Das Kalkül stützt sich u. a. auf drei Hebel: Migration, demografisches Wachstum sowie die Ausnutzung westlicher Toleranz, Freiheitsspielräume und Sozialleistungen.
Kriege und Bürgerkriege wie im Libanon oder in Syrien haben sich als hoch effiziente Exportmechanismen für die Ausbreitung des Islamismus erwiesen, während die Abwanderungsverluste in den Heimatregionen durch hohe Geburtenraten demografisch ausgeglichen werden.
Die Fortschritte auf diesem Weg der Moslembrüder bestätigte der türkische Präsident Erdoğan im November 2024 auf einer islamischen Konferenz:
„As Western civilization collapses with a great clamor, our human-centered and divinely inspired civilization will rise again, stronger than ever.“ – Während die westliche Zivilisation mit großem Geschrei zusammenbricht, wird unsere göttlich inspirierte Zivilisation erneut aufsteigen, stärker als je zuvor.
Strategisch schweben Erdogan dieselben Mittel wie den Moslembrüdern vor, nämlich Migration, demographische Expansion und Integrationsvermeidung durch emotionale Abkapselung von der einheimischen Bevölkerung. Dies bewies er 2017 auf einer Wahlkampfveranstaltung in Eskisehir (TR), die sich an türkische Gastarbeiter-Nachkommen in Europa richtete:
„Macht nicht drei, sondern fünf Kinder! Denn ihr seid die Zukunft Europas. Das wird die beste Antwort auf die Unverschämtheiten, die Feindseligkeit und die Ungerechtigkeiten sein, die man euch antut.“
Die historische Linie des Appeasements: Von Herbert Samuel bis zur UNRWA
Dieser bedrohlichen Entwicklung Einhalt zu gebieten wäre durch konsequente Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze leicht möglich. Doch stattdessen hat westliche Politik die ideologische Auseinandersetzung gescheut und den solidarischen Schulterschluss gegenüber dem konkurrierenden muslimischen Kulturraum vernachlässigt.
Diese Antipolitik zeigte erstmals im Krimkrieg (1853–1856) ihr volles selbstzerstörerisches Potenzial, als Großbritannien und Frankreich in einen Konflikt zwischen Russland und dem Osmanischen Reich auf Seiten der Moslems eingriffen.
Die Selbstbeschädigungspolitik setzte sich im 20. Jahrhundert in der zögerlichen, Respekt vernichtenden britischen Mandatspolitik in Palästina fort: Eine Hauptwurzel des bis heute andauernden arabischen Revanchismus liegt in der Behinderung der zügigen, im Mandatsvertrag von 1922 vorgesehenen jüdischen Einwanderung in das damals spärlich besiedelte Land. Zwei verheerende Personalentscheidungen traten hinzu. Die erste installierte den rückgratlos nachgiebigen Herbert Samuel als Hochkommissar, die zweite den notorischen Aufwiegler Amin al-Husseini als Großmufti. Dieser entwickelte sich vorhersehbarer Weise zum Pionier des arabischen Terrorismus.
Ein weiteres Beispiel zukunftsblinden Appeasements bot zwischen 1922 und 1946 die Entlassung arabischer Staaten wie Ägypten, Libanon, Syrien und Transjordanien in die Unabhängigkeit. Bei diesen Anlässen versäumten es die britische und französische Regierung, die friedliche Koexistenz mit der jüdischen Heimat als Bedingung zu setzen.
Der Krieg von sechs arabischen Staaten gegen das neu gegründete Israel im Jahr 1948 führte dazu, dass rund 700.000 Palästinenser ihre Wohnorte verließen oder verloren. Doch statt den arabischen Aggressor-Staaten die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge zu überlassen, gestattete es die UNO, dass sich diese vor der selbstverständlichen Verantwortung drücken konnten. Sie baute rund 50 Dauerlager für die Flüchtlinge knapp außerhalb Israels und gründete eigens für deren Betreuung die UNRWA. Die Arabische Liga beantwortete die westliche Großzügigkeit 1952 mit dem dreisten Beschluss, dass keines ihrer Mitglieder Palästinenser als Staatsbürger integrieren würde.
Dieser bisher weltweit größte Eingriff der UNO hat den arabischen Ländern (mit Ausnahme (Trans)Jordaniens) ermöglicht, die Integration der Flüchtlinge in ihre Gesellschaften zu verweigern, bisher inflationsbereinigt etwa 50 Milliarden Dollar gekostet und sehr weitreichende Kollateralschäden verursacht. Zu diesen gehört die dauerhafte Destabilisierung des Libanon (Bürgerkrieg 1975-1990), das dortige Fußfassen der Hisbollah und die Verwandlung von einem prosperierenden, überwiegend christlichen in ein destabilisiertes, islamisch dominiertes Land.
Gegen die resultierenden Konflikte mit Israel intervenierte die UNO erneut und setzte die UNIFIL-Schutztruppe mit inzwischen 10.500 Soldaten und jährlichen Ausgaben von über 700 Millionen Dollar ein.
Die Entlastung der arabischen Aggressor-Staaten von ihrer kollektiven Verantwortung für die Flüchtlinge seit 1948 zieht seit dem libanesischen Bürgerkrieg den gesamten Westen in Mitleidenschaft, namentlich durch die Auslösung von Flüchtlingsströmen.
Das Leben in den UNRWA-Lagern bot zudem ein „perfektes“ Ambiente für eine steile demographische Entwicklung, nämlich eine Verachtfachung der betreuten Palästina-Flüchtlinge auf heute etwa 5,9 Millionen, obwohl weitere Millionen in alle Welt ausgewandert sind.
Auch bildungspolitisch hat das UNO-Engagement von einer Lösung des Nahostkonflikts weggeführt. Über Jahrzehnte hinweg hat an den UNRWA-Lagerschulen systematische Hetze gegen Juden und Israel stattgefunden. Die spärlichen Proteste westlicher Politiker waren zu unkoordiniert, um eine Einstellung der empörenden Praktiken durchzusetzen. Selbst der vom UN-Generalsekretär beauftragte Colonna-Bericht von 2024 führte in der appeasementtypischen Weichspül-Manier nur zu neuen Richtlinien für die Lehrer, nicht aber zum Ersatz der verwendeten inakzeptablen Schulbücher.
Das Versagen der Aufklärung, Tikkun Olam und die Dahiya-Falle
Die Fehler liegen bei westlichen Regierungen und Medien. Eine angemessene Reaktion auf den Überfall vom 7. Oktober hätte eine sofortige Aufklärung der eigenen Sicherheitsdefizite einschließen müssen: Wie konnte eine der bestgesicherten Grenzen der Welt stundenlang frei passiert werden? Netanyahu hat eine unabhängige Untersuchung bis zuletzt blockiert, obwohl unerkannte Schwachstellen im eigenen System gefährlicher sind als der offene Feind.
Anstatt auf präzise Trennung zwischen gegnerischen Kämpfern und Zivilisten hinzuarbeiten, die konsequente Trockenlegung der internationalen Finanzquellen des Terrors zu betreiben und das restlose Säubern der UNRWA-Lehrpläne und -Schulbücher durchzusetzen, folgte Netanyahu der Dahiya-Doktrin. Diese Strategie der massiven Zerstörung ziviler Bausubstanz zur vermeintlichen Abschreckung geriet im Gazastreifen vorhersehbarer Weise zum ethischen und strategischen Bumerang.
Die tragische Ironie der Dahiya-Doktrin liegt in ihrer psychologischen Blindheit: Sie unterstellt Abschreckung durch Zerstörung. In Wahrheit liefert die flächendeckende Trümmerlandschaft den Strategen des politischen Islam genau den Treibstoff, den sie brauchen – Bilder für den Opferdiskurs im Westen und Fluchtwellen zur demografischen Verschiebung. Die harte Hand erweist sich somit als das effektivste Rekrutierungswerkzeug des Gegners. Sie bedient nicht israelische Ziele, sondern die der Islamistenführer, die das Leid der eigenen Bevölkerung zynisch als operative PR-Ressource einplanen. Sie ruiniert Israels moralisches Ansehen und die Rückendeckung im Westen, isoliert den jüdischen Staat international und erzeugt zugleich jenen Migrationsdruck, der die westlichen Aufnahmeländer weiter destabilisiert und deren Freiheit gefährdet.
Wahrnehmungskorruption und das Haaretz-Paradoxon
Schon kurz nach dem 7. Oktober 2023 hat sich der Fokus der westlichen Medien von den terrorisierten israelischen Opfern hin zur kollektiven Not im Gazastreifen verlagert. Wie weit sich der Diskurs dabei von der (hinter Militärzensur und Hamas-Propaganda versteckten) Realität entfernt hat, illustriert der Umgang der linken Zeitung Haaretz mit dem rechten Kandidaten Gadi Eizenkot. Obwohl das Blatt militärische Härte in der Theorie verurteilt, schreibt es diesen Ex-General und Architekten der Dahiya-Doktrin aus reinem Anti-Netanjahu-Pragmatismus salonfähig.
Wenn ein traditionell auf Appeasement geschaltetes Publikationsorgan den Urheber kollektiver Infrastrukturzerstörung aus sekundären Erwägungen stützt, ist das symptomatisch für die verbreitete Prinzipienlosigkeit im medialen Mainstream. Konsistent harmonische Lösungswege findet der Bürger dort kaum.





„Idź domu!“ Das ist polnisch und heisst Geht nach Hause! Mehr braucht man zu den Wahlen in dem was man Israel nennt nicht sagen. Der Völkermord wird immer noch begangen.
„„Idź domu!“ Das ist polnisch und heisst Geht nach Hause!“
Möchte man auch dem Autor Christian Hamann sagen.
Anmerkung – die heute auch als Nakba bezeichnete Vertreibung bzw. Vernichtung der Palästinenser begann vor dem Krieg 1948 – unter anderem diente sie für die arab.Staaten als Anlaß/Begründung für den Krieg gegen Israel. Der Author bringt hier aus mit unerfindlichen Gründen die timeline durcheinander. Aber vllt. will er auch nur von der israel. Schuld ablenken. Ohnehin kommt mir beim Lesen dieses Artikels der Verdacht, das hier jemand den einst kolonialiserten Gebieten nachtrauert und der festen Überzeugung ist, wir Weiße stehen naturgemäß über den andreren ….
Falls Netanjahu sein Amt verliert, wird es wohl Eisenkot werden. Und der gilt als der Erfinder besagter Dahiya-Doktrin. Was Haaretz über ihn geschrieben hat, ist leider nicht verlinkt. Aber er gilt wohl als jemand, der nicht ganz so verlogen und selbstgerecht ist, was aus israelischer Sicht vielleicht schon als echter Fortschritt gesehen werden kann. Ob sich an der Politik deshalb grundsätzlich etwas ändern würde, darf man aber bezweifeln, was zum einen daran liegt, dass er sicher kein Friedensaktivist ist, aber auch an den möglichen Koalitionen.
ps: Im Artikel sind mindestens drei Quellenangaben mit „https://www.google.com/search?q=https://“ verlinkt. Soll man selber suchen?
Falls Netanjahu sein Amt verliert, wird es wohl Eisenkot werden. Und der gilt als der Erfinder besagter Dahiya-Doktrin. Was Haaretz über ihn geschrieben hat, ist leider nicht verlinkt. Aber er gilt wohl als jemand, der nicht ganz so verlogen und selbstgerecht ist, was aus israelischer Sicht vielleicht schon als echter Fortschritt gesehen werden kann. Ob sich an der Politik deshalb grundsätzlich etwas ändern würde, darf man aber bezweifeln, was zum einen daran liegt, dass er sicher kein Friedensaktivist ist, aber auch an den möglichen Koalitionen.
ps: Im Artikel sind mindestens drei Quellenangaben mit „https://www.google.com/search?q=https://“ verlinkt. Soll man selber suchen?