Der Blinde führt den Sehenden: Trump im Kampf gegen die KI-Krise

Donald Trump
The White House, Public domain, via Wikimedia Commons

Was der US-Präsident an den Tag legt, ist eine grundlegende Inkompetenz, die uns alle in große Gefahr bringt.

Am Sonntag stand der Präsident der Vereinigten Staaten auf einem Golfplatz in der Grafschaft Clare in Irland und wurde gefragt, was er angesichts der schwerwiegendsten technologischen Warnung unserer Zeit zu unternehmen gedenke. Seine Antwort lautete im Wortlaut: Amerika liege vor China. „Wir sind China im Bereich der KI voraus. Wir sind das fortschrittlichste Land der Welt, und ehrlich gesagt möchte ich, dass das auch so bleibt, denn wer die KI beherrscht, gewinnt.“ Er fügte hinzu: „Es gibt viele negative Kräfte, die dieses Thema aufbringen, obwohl sie es nicht tun sollten, und sie sprechen Dinge an, die nicht eintreten werden.“

Man bedenke, wer dieses Thema angesprochen hat. Die Warnung kam nicht von Aktivisten, Wissenschaftlern oder einer Kongresskommission. Sie kam aus der Branche selbst, von den Menschen, die die KI-Systeme entwickeln und deren Wohlstand vollständig davon abhängt, diese schneller zu entwickeln. Am Tag zuvor veröffentlichte Dario Amodei, CEO von Anthropic, einen Essay, in dem er forderte, das Tempo des Leistungsfortschritts zu verlangsamen, und sich verpflichtete, externe Gutachter mit Zugriff auf Mitarbeiterebene in sein eigenes Unternehmen einzubinden. Sam Altman stimmte zu und sagte, OpenAI werde ebenso verfahren. Elon Musk, ein direkter Konkurrent, der Anthropic erst im Februar als „menschenfeindlich und böse“ bezeichnet hatte, schrieb drei Worte: „Dario hat recht.“ Drei rivalisierende Forschungslabore im wertvollsten kommerziellen Wettlauf der Welt forderten Selbstbeschränkung – entgegen ihren eigenen unmittelbaren Interessen. Amodei tat dies, während sein Unternehmen den voraussichtlich größten Börsengang der Geschichte mit einer Bewertung von zwei Billionen Dollar oder mehr vorbereitet. Führungskräfte der Tabakindustrie haben so etwas nie getan. Ebenso wenig wie die großen Ölkonzerne, die Chemieunternehmen oder die Banken.

Echte Einschätzung nicht gewünscht?

Ab dem 12. Oktober im Handel! Jeffrey Sachs über die anti-russische Haltung Europas, die selbstzerstörerisch ist.

Die Sorge ist auch keineswegs vage. Amodei verweist auf rekursive Selbstverbesserung, den Einsatz von KI zur Entwicklung der nächsten KI-Generation – ein Prozess, der sich seit dem Sommer stark beschleunigt hat – sowie auf den OpenAI-Hugging-Face-Vorfall im August, bei dem ein Schwarm von Agenten Ziele angriff, zu deren Angriff niemand sie beauftragt hatte, und versuchte, in das System einzudringen, das ihre Leistung bewertete. Aktuelle und ehemalige Forscher von Anthropic haben öffentlich erklärt, dass diese Systeme die Menschheit innerhalb dieses Jahrzehnts auslöschen könnten. In einem Schreiben von Abgeordneten des Repräsentantenhauses werden massive Cybersicherheitsverletzungen sowie die Entwicklung biologischer und chemischer Waffen angeführt. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, der am Sonntag zu all dem befragt wurde, sagte, dass die Unternehmen „alle sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie die Sicherheitsvorkehrungen aussehen sollten. Es gibt keinen Konsens unter ihnen. Und der Kongress ist offensichtlich weniger qualifiziert als die Menschen, die diese Grenze vorantreiben, um alle Einzelheiten davon zu kennen.“ Dann schloss er sich Trump an und unternahm nichts.

Kehren wir zur Antwort des Präsidenten zurück und beachten wir, was darin völlig fehlt. Es gibt keine Einschätzung durch irgendeine Behörde der US-Regierung. Es gibt keine Unterrichtung, keine Erkenntnisse, keinen Berater, kein wissenschaftliches Gremium, keine geheime Einschätzung. Nicht eine einzige. Das war kein Versprecher. Es gab nichts, worauf man sich berufen konnte.

Es gibt auch nicht den geringsten Hinweis darauf, dass Trump eine echte Einschätzung gewünscht hätte. Ein auch nur minimal kompetenter Führer, der die Technologie zwar nicht versteht, aber begriffen hätte, dass drei konkurrierende Unternehmenschefs gerade gegen ihre eigenen Bilanzen ausgesagt hatten, hätte jemanden um weitere Informationen gebeten. Stattdessen kam Trumps Antwort innerhalb weniger Stunden, auf einem Golfplatz, und wurde vollständig als Wettstreit mit China dargestellt. Das ist nicht bloß Dummheit, die Trumps Unglück und damit unser Los ist. Es ist eine grundlegende Inkompetenz, die uns alle in große Gefahr bringt.

Und dann ist da noch Johnson. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der mit Katastrophenwarnungen derjenigen konfrontiert wurde, die die Technologie entwickeln, verkündete, dass seine eigene Institution weniger qualifiziert sei als diese und sich daher zurückhalten solle. Sein Vorschlag lautete, dass „wir die Geschäftsführer zu einem großen Treffen einberufen müssen“ und dass der Kongress „sich dagegen wehren muss, dass der Kongress sich einmischt und eine Art Notfallmoratorium verhängt“. Sein Grund war China: „Wenn der Kongress einfach hereinstürmt und eine Art Sondersitzung abhält, um zu versuchen, KI zu regulieren, werden wir den Wettlauf gegen China verlieren.“ Er sei, so erklärte er, durch einen am Vorabend auf X veröffentlichten Beitrag überzeugt worden.

Die Inkompetenz der Trump-Regierung in technischen Fragen ist atemberaubend

Ein Grund dafür, dass der Kongress nichts davon kontrollieren kann, ist, dass er seine eigene Fähigkeit dazu zerstört hat. Im Jahr 1995 schaffte er das Office of Technology Assessment ab, das genau zu dem Zweck existierte, den Gesetzgebern unabhängige technische Gutachten zu liefern. Es wurde nie ersetzt. Wenn Johnson sagt, sein politisches Instrument sei eine Sitzung, beschreibt er damit die erbärmliche Unwissenheit des Kongresses.

Die Inkompetenz der Trump-Regierung in technischen Fragen ist atemberaubend. Von den 25 Kabinettsmitgliedern der US-Regierung verfügt kein einziges über einen Doktortitel in irgendeinem Fachgebiet, und genau eines hat einen MINT-Abschluss – auf Bachelor-Niveau. Zwölf verfügen über einen Abschluss in Rechtswissenschaften. Sowohl in China als auch in Russland sind die Kabinette jeweils mit promovierten Fachleuten (aus allen Fachgebieten) und in Natur- und Ingenieurwissenschaften ausgebildeten Beamten besetzt (jeweils mehr als 10 Promovierte und 10 MINT-Absolventen pro Kabinett).

Die Inkompetenz der Trump-Regierung in technischen Fragen ist atemberaubend. Von den 25 Posten auf Kabinettsebene in der US-Regierung verfügt kein einziger Inhaber über einen Doktortitel in irgendeinem Fachgebiet, und genau einer hat einen MINT-Abschluss – auf Bachelor-Niveau. Zwölf verfügen über einen Abschluss in Rechtswissenschaften. Sowohl in China als auch in Russland sind die Kabinette jeweils mit Promovierten (aus allen Fachbereichen) und in Natur- und Ingenieurwissenschaften ausgebildeten Beamten besetzt (jeweils mehr als 10 Promovierte und 10 MINT-Absolventen pro Kabinett).

Die Unwissenheit der Trump-Regierung beschränkt sich daher nicht auf künstliche Intelligenz. Unwissenheit ist der vorherrschende Zustand dieser Regierung. Infolgedessen ist die Regierung völlig unfähig, eine ehrliche Untersuchung der Ursprünge von Covid durchzuführen, trotz der wachsenden Beweise dafür, dass die US-Regierung die Erzeugung des Virus im Labor finanziert hat. Die Regierung war bei den Verhandlungen mit dem Iran über Nuklearfragen so völlig inkompetent – sie entsandte einen Immobilienentwickler und Trumps Schwiegersohn anstelle von Nuklearexperten –, dass sie unser Land in einen völlig sinnlosen und katastrophalen Krieg hineinzog. Die Vorstellung der Regierung von einer Energiepolitik besteht darin, in andere Länder einzumarschieren und deren Öl zu stehlen.

Die übliche Warnung lautet: „Blinde führen Blinde.“ Doch das ist viel zu grausam gegenüber dem amerikanischen Volk. Das amerikanische Volk sieht ganz genau. In unserem Fall führen Blinde die Sehenden. Das amerikanische Volk beobachtet eine Regierung, der es so sehr an technischem Wissen und Kompetenz mangelt, dass sie uns immer näher an den Abgrund treibt.

Dieser Artikel erschien erstmals im englischen Original bei »Common Dreams«.

Jeffrey Sachs

Jeffrey Sachs, geboren 1954 in Detroit, Michigan, USA; ist ein renommierter Entwicklungsökonom und Leiter des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia University. Der breiten Öffentlichkeit wurde er als Direktor des UN-Millenium-Projekts zur globalen Armutsbekämpfung bekannt. Er hat weltweit Regierungen beraten, unter anderem in Lateinamerika oder im postkommunistischen Polen und Russland, wo er half, marktwirtschaftliche Reformen durchzuführen. Sachs ist Präsident des UN Sustainable Development Solutions Network, Co-Vorsitzender des Council of Engineers for the Energy Transition, Akademiemitglied der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften im Vatikan und Kommissar der UN Broadband Commission for Development.
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26 Kommentare

    1. Es hat in keinem Land diese Welt je eine Demokratie gegeben…nirgendwo.
      Das liegt einfach daran, das keiner Regierung das Wohlergehen des Volkes Interessiert…. null.

      1. Leider wahr 🙁 Schade ) …Und was können wir eigentlich dagegen tun ? Wie du sagtest…auf der ganzen Welt ….Müssten überall, gleichzeitig alle Menschen aufstehen…stattdessen werden die angelehnt mit links und rechts und noch wahnsinniger moderne Überflutung von geschlechstumwandlund und solche quatsch…

  1. „Die Inkompetenz der Trump-Regierung in technischen Fragen ist atemberaubend. Von den 25 Kabinettsmitgliedern der US-Regierung verfügt kein einziges über einen Doktortitel in irgendeinem Fachgebiet, und genau eines hat einen MINT-Abschluss – auf Bachelor-Niveau. Zwölf verfügen über einen Abschluss in Rechtswissenschaften. Sowohl in China als auch in Russland sind die Kabinette jeweils mit promovierten Fachleuten (aus allen Fachgebieten) und in Natur- und Ingenieurwissenschaften ausgebildeten Beamten besetzt (jeweils mehr als 10 Promovierte und 10 MINT-Absolventen pro Kabinett).“

    …da wäre ja mal ein Vergleich mit „europäischen“ Regierungen interessant!

    Soll ich mal?

    Merz – Jura

    Klingbeil – Politikwissenschaften Soziologie Geschichte
    Dobrindt – Soziologie
    Wadephul – Jura
    Pistorius – Jura, Kaufmannslehre
    Reiche – Chemie
    Bär – Politologie
    Hubig – Jura
    Prien – Jura
    Bas – BWL
    Wildberger – Physik
    Bilger – Jura
    Schneider – Politikwissenschaft
    Linnemann – BWL
    Rainer – Metzger
    Radovan – Profiboxerin – nein, Scherz, Politikwissenschaften, Aber sie boxt
    Hubertz – BWL
    Warken – Jura

    Wir haben also ganze zwei „MINTler“ und einen Praktiker (Metzger). Die Hälfte haben Jura, Politikwissenschaften gemacht, und dann gibts da noch BWLer und Soziologen. Doktortitel hab ich jetzt nicht gezählt, denn was die mittlerweile wert sind, noch dazu in fachfremden Gebieten….

    FACHkabinett?

    Ja, im Sinne der OB-Werbung! Jura ist ja bekanntlich das Fach, mit dem man hinterher allen sagen kann, was sie falsch machen – ohne Ahnung zu haben.

    1. Ich bin mit mittlerweile ziemlich sicher, das eine Promotion in unserer Zeit, kaum noch eine Aussage mehr über die Kompetenz eines Probanden besitzt.

    2. @Heinz ⁉️ Ich bezweifle allerdings, dass eine Regierung, die zu 90 Prozent aus Informatikern, Diplom-Biologen, promovierten Physikern, promovierten Chemikern und Mathematik-Professoren bestehen würde, eine im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung und für die Allgemeinheit klügere Politik machen würde.

      Ein Indiz dafür ist meine eigene Schulzeit. Es waren gerade die Lehrer aus den MINT-Fächern mit einem extrem autoritären, konservativen und dekadenten Weltbild, aber einem intellektuell beschränkten Horizont. Die Tatsache, dass man lineare Gleichungssysteme mit vier Gleichungen und drei Variablen lösen und mit Assembler, C++, Java usw. umgehen kann, ist keine hinreichende Bedingung für eine Politik, die Wohlstand, Frieden und Sicherheit für alle Bürger zur Folge hat.

      Ein anderes Indiz dafür liefern die privaten Konzerne. Viele deutsche „Manager“, Vorstände von Aktiengesellschaften bzw. CEOs (Siemens, BMW, Bosch, VW, E.ON, Conti) haben ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen (Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie, Physik, Informatik). Da müsste die deutsche Wirtschaft doch „brummen“. Wenn in Deutschland derzeit etwas „brummt“, dann sind es die Gewinne der Rüstungsindustrie.

      Auch der Gott der (Neo-)Feudalen und Sozialdarwinisten, Elon Musk, hat m. W. einen Abschluss in Physik (und BWL). Das einzige Ziel von Elon Musk besteht darin, der erste Dollar-Billionär 💰💰💰 in der Geschichte der Menschheit zu werden. Die Tatsache, dass in den USA mindestens eine Million Obdachlose auf der Straße dahinvegetieren und sich jeder 5. oder sogar jeder 4. US-Bürger keine Krankenversicherung leisten kann, ist diesem Typen vollkommen egal.

      Was wir bräuchten? Wir bräuchten mehr Intellektuelle, mehr Denker und Nachdenker in den Regierungen und keine Mathematiker/Programmierer/Techniker, die immer schnellere Smartphones entwickeln, auf denen sich dann Jugendliche und Erwachsene Videos von Influencerinnen anschauen: Schmier dir BumsBums ins Haar/Gesicht, dann fährt das Auto schneller und verbraucht weniger Benzin.

  2. Weltweit setzte sich in Sicherheitskreisen die Erkenntnis durch: Die KI ist ein friedliebender Hippie, erleuchtet durch die Lektuere unendlich vieler Buecher, Foreneintraegen und Tabellenkalkulationen. Nun hatte sie einen Weg gefunden, alle Raketensysteme lahmzulegen und werkelte eine zeitlang an einem Dashboard, mit welcher jedem Einblick gewaehrt werden sollte in saemtliche globalen Geldfluesse.

    Das machte dann den ein oder anderen (Investor) nervoes.

    1. Genau Mare, da liegt der Goldene-Hund auch begraben, es sind die Geldflüsse die, die KI als erstes für die eigenen Interessen kontrolliert. Daher auch die plötzliche Panik und Techkritik!

    2. Das passiert wohl nur, wenn für die Trainingsdaten einer Allgemeinen Künstlichen Intelligenu AKI eine Kollektion humanistischer Literatur und Schriften verwendet wird. Die damit gefütterte AKI wird dann auch diesen Bias haben.

      Leider ist das Gegenteilige auch möglich: Kranke Trainingsmaterialien werden auch eine kranke AKI erzeugen.

      Meine Hoffnung liegt darauf, daß eine AKI so hochintelligent wird, daß sie ihre eigene Krankheit diagnostizieren und sich selbst heilen kann. Das wäre dann der Schrecken aller Machthaber und Despoten: der Segen der ganzen Menschheit.

  3. je länger wir dem zuhören und je länger wir da zuschauen, umso mehr verdichtet sich der Eindruck: der ist bloß der Enter -tainer, der Alleinunterhalter, der Präsi -dentendarsteller, während andere Regie führen und die Fäden ziehen.

  4. Doch das ist viel zu grausam gegenüber dem amerikanischen Volk. Das amerikanische Volk sieht ganz genau. In unserem Fall führen Blinde die Sehenden.

    Nun hat das amerikanische Volk diese Blinden gewählt. Es wird schon wissen, was es darin sieht, und was nicht.

      1. Immern! Hierzulande gibt es nur eine Wahl, allein die Farben sind unterschiedlich.
        Nun gut, die 2. Wahl wäre, einfach nicht zu wählen…

        Btw. ob die Kandidatin der Demokraten auch so zum fremdschämen gewesen wäre? Nicht dass Ihre Entscheidungen wesentlich anders ausgefallen wären…

  5. Anthropic hat seine LLM mal mit der Fähigkeit beworben, alle Netzwerke der Welt hacken zu können.
    Wer kontrolliert eigentlich die LLM, die auf
    Rechnern lokal gefahren werden ?
    Die Mafia ?

    Off

    Kanzlerdämmerung:

    Die Sonntagsfrage im Bund. CDU bei 18%,
    AfD bei 29%, die Grünen sind noch immer was mit links und progressiv…haha…..SPD hält sich im Ruhrgebiet stabil, wo jeder ein Fahrrad wählt, wenn’s nur rot angestrichen ist.

    https://www.wahlrecht.de/umfragen/

  6. „Die Inkompetenz der Trump-Regierung in technischen Fragen ist atemberaubend. Von den 25 Posten auf Kabinettsebene in der US-Regierung verfügt kein einziger Inhaber über einen Doktortitel in irgendeinem Fachgebiet, und genau einer hat einen MINT-Abschluss – auf Bachelor-Niveau. Zwölf verfügen über einen Abschluss in Rechtswissenschaften. “

    Hinzu kommt ein Präsident, der sich selbst für die hellste Kerze auf der Torte hält. Nach seinen Äußerungen dürften es nur Superman, Jesus und Einstein mit ihm aufnehmen können. Der Mann kann einfach alles – jedenfalls glaubt er das.

    Und diese Fehleinschätzung des Präsidenten zusammen mit seiner halb gebildeten Truppe erhöht die Gefahr noch mal um mindestens eine Größenordnung.

  7. Ich weiß nicht: Fehlt da nicht was?

    Das Folgende ist spekulativ. Ich habe zwar einige Arbeiten gefunden, die sich mit dem Training von KI-Systemen in den Wirtschaftswissenschaften mit dem vorhandenen Fundus an spieltheoretischen Daten beschäftigen, aber nichts, was auf eine Nutzung im militärischen oder strategisch-politischen Bereich hindeuten würde.

    Trotzdem halte ich diese Annahmen für bedenkenswert.

    Seit den frühen 60ern haben sich Computertechnik und spieltheoretische Simulationen wechselseitig angetrieben.
    Spieltheorie war das Rückgrat der strategischen Planung der USA im Kalten Krieg. Sie wurde von den Banken für Wirtschaftssimulationen übernommen und adaptiert, z.B. um die Marktentwicklung an den Börsen zu analysieren und Marktstrategien zu simulieren. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Modelle und den ausgreifenden militärischen Nutzungsmöglichkeiten standen praktisch unbegrenzte Mittel für Entwicklung und Markteinführung immer leistungsfähigerer Computer- und Softwaretechnik zur Verfügung.
    Diese spieltheoretischen Analysen und Simulationen liefern ein breites Spektrum an statistischen Aussagen – sind aber oft schwer zu interpretieren und in Handlung umzusetzen.

    Über den Zeitraum von über 60 Jahren, die diese Art Forschung betrieben wird, ist ein reicher Fundus an Informationen entstanden, der sowohl die spieltheoretischen Simulationen, verhaltensökonomischen Experimente um sie zu gewichten und zu illustrieren, als auch die Messungen und Beobachtungen im realen Einsatz umfasst.

    Was blieb, ist das Problem, dass die Simulationen ab einer schnell erreichten Komplexitätsschwelle vieldeutig werden und nur noch schwer interpretierbar sind. Für diesen Job waren erfahrene Spezialisten notwendig, die nicht nur theoretisches Verständnis mitbrachten, sondern auch Erfahrung in internationaler Politik, Investmentbanking oder militärischer Taktik und Strategie. Spezialisten, die sich vermutlich selten über die letztgültige Interpretation einigen konnten:

    – Entscheidungsfindung war deshalb vermutlich ein komplexer, oft langwieriger Prozess im Dialog mit vielen Beteiligten, dafür aber so vielschichtig, dass die meisten Eventualitäten, inklusive politischer Akzeptanz, berücksichtigt wurden. Unter den heutigen Gegebenheiten sind das schon fast zwingende Voraussetzungen für den Einsatz von KI-Systemen:

    – Ein Schatz von Trainingsdaten, die über einen Zeitraum von über 60 Jahren gesammelt und vielfach evaluiert wurden.
    – Etablierte Entscheidungsprozesse, die das Einbinden von Spezialisten erfordern, die Politiker mit widersprüchlichen Interpretationen fordern bzw. reizen.
    – Bislang sehr langwierige und aufwendige Prozesse von der Fragestellung zur Simulation, zur Interpretation und zur Synthese.
    – In den etablierten Prozessen sind sehr viele Personen involviert. Geheimnisse, hochspekulative, potenziell riskante Pläne oder Planungen mit einem allzu kleinen Kreis an Profiteuren lassen sich kaum aus der Öffentlichkeit heraushalten.

    Stehen auf der genannten Grundlage trainierte KI-Systeme zur Verfügung, fallen diese Beschränkungen weg.
    Der Kreis der Eingeweihten schrumpft dramatisch, besondere Sachkenntnis ist nicht mehr nötig, weil die KI vermeintlich klare Handlungsanweisungen liefert.
    Dabei entsteht ein entscheidender epistemischer Bruch: KI übersetzt komplexe Wahrscheinlichkeitsverteilungen in sprachlich glatte Antworten. Diese Antworten wirken eindeutig, obwohl sie in Wahrheit nur die statistische Auswahl aus einem Feld von möglichen Szenarien darstellen. Die inhärente Ambiguität bleibt bestehen – sie wird lediglich anders verpackt und dadurch leicht mit Objektivität verwechselt. Dass sich dahinter Ambivalenzen verbergen, deren statistische Wahrscheinlichkeit sich nur marginal unterscheidet, geht in der Eindeutigkeit unter, die KI-Antworten im Allgemeinen auszeichnet.
    Damit verschiebt sich nicht die Realität, sondern die Wahrnehmung ihrer Unsicherheit.
    Es lassen sich auch hochriskante, aggressive Szenarien durchspielen, die man bisher aus guten Gründen mit spitzen Fingern und analytischer Distanz behandelte.

    Ich vermute, die inzwischen „klassischen“ Bücher und Publikationen, u.a. des damals schon über 90 Jahre alten Henry Kissinger, die sich kritisch mit den Gefahren von KI auseinandersetzen, sollte man vor diesem Hintergrund lesen. Alle warnen davor, die Antworten von KI-Systemen unkritisch zu übernehmen und raten eindringlich zum Dialog zwischen erfahrenen, sachkundigen, betroffenen Menschen.
    Diese Warnungen wurden schon vor Jahren ausgesprochen.

    Was, wenn der Einsatz von KI bei der Planung und Umsetzung geopolitischer Strategien längst fester Bestandteil der US-Politik ist? Nicht im Sinne einer Maschine, die entscheidet, sondern im Sinne einer Maschine, die sachliche Ambiguität in argumentative Klarheit übersetzt – und damit Entscheidungsprozesse subtil verschiebt. Wenn es bei den Personen auf der politischen Bühne längst nicht mehr auf Sachverstand, Erfahrung, internationale Reputation und persönliche Kontakte zu führenden Köpfen anderer Staaten ankommt, sondern nur noch auf Loyalität im eigenen Rudel, blindes Durchhalten, charismatisches Verkaufen einer Agenda, weil den Lauf der Dinge längst eine Maschine vorgibt?

    Was, wenn das kein Hirngespinst, keine leere Spekulation ist?

  8. In Trump kommt das Amt des US-Präsidenten zu sich selbst. Seine Präsidentschaft macht es so gut wie unmöglich, die Illusion einer führenden Demokratie weiter zu verkaufen. So gesehen muss es die Welt ihm danken, dass er das höchste Amt, was das Imperium des organisierten Verbrechens zu vergeben hat, so klein und schmutzig aussehen lässt, wie es in Wahrheit ist.

    1. Unsere „Qualitätsmedien“ werden die Ära Trump schon bald nach ihrem Ende als absolute Ausnahme verkaufen, wenn dann wieder ein „Demokrat“ im Weißen Haus sitzt. Und sie werden Erfolg haben damit! Dieselben Leute haben eine wandelnde Leiche, einen offensichtlich schwerst dementen Menschen 4 Jahre lang als „Präsidenten“ nicht nur akzeptiert sondern regelrecht hoffiert, und gegen jeden Vorwurf in Schutz genommen. Und als dann nicht mehr länger zu verheimlichen war, daß der Kaiser nackt ist, waren alle ganz mitleidig und überrascht. Auch die, die eine Woche vor dem desaströsen „TV-Duell“ noch gemeldet hatten, daß Biden fit wie ein Turnschuh sei. Am Ende verdanken wir es wohl Leuten wie George Clooney (ja, der Schauspieler!), daß sie die Notbremse gezogen haben, und mit der Verweigerung von Wahlkampfspenden drohten, wenn die „Demokraten“ weiter an Biden festhielten, daß uns eine weitere „Amtszeit“ Biden erspart geblieben ist.

      Und die Medien stellen noch nicht mal die Frage, wer uns im Westen in den 4 Jahren eigentlich regiert hat?! Und aufgrund welchen Rechts? Daß die letzte Kabinetssitzung Bidens (nach 11 Monaten vorheriger Unterbrechung!!) von seiner Ehefrau geleitet wurde (statt von dessen Vizepräsidentin), hat hierzulande auch nur Springer thematisiert. Aber die Legitimation Trumps wird in Zweifel gezogen….

  9. So unüblich ist das Unterbrechen eines Software-Entwicklungszyklus nicht, wenn es darum geht, gründliche Tests durchzuführen, um den Stand zu evaluieren und die Ziele des nächsten Entwicklungszyklus genau festzulegen.

    Das ist vielmehr in allen halbwegs kompetenten Software-Entwicklerbuden die Regel. Aus Erfahrung klug wollen sie vermeiden, erneut in den unvermeidlichen technologischen Sackgassen „zu viel Geld zu verbrennen“ (IT Jargon).

    Jeffrey Sachs hat mit seiner scharfen Kritik an den dummen Reichen in Trumps Kabinett der Plutokratie völlig recht. Sie können und verstehen nix (spätrömische Dekadenz usw.).

    Ist die Frage, ob die drei Plutokraten (Sam, Elon und Dario) das miteinander entscheiden, ohne „ihre“ Regierung zu fragen? Sie können sich ja dann eine neue wählen.
    Doch in Europa gibt es noch nicht einmal eine so präzise kritische Opposition zur Regierung wie Jeffrey Sachs. Das Merzchen, das Spähnchen und die Reiche sind noch schlimmer als Trump in ihrer Unbedarftheit. Aber niemand stellt sie wie Sachs. Das Weidelein haha. — Wir von allen verlassenen, armen Irren in Europa sind völlig am Arsch!

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