
Wie der Sicherheitsapparat zur Gefahr für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit wurde.
Als einzige Spezies ohne ernsthafte natürliche Konkurrenten sind Menschen untereinander ihre einzigen verbliebenen Rivalen. Während bei fast allen Tierarten eine Hemmung der gegenseitigen Tötung programmiert ist, die sie vor dem Aussterben schützt, kann sich der Mensch solche Verluste leisten. Kriege wie der in Vietnam (1955-1975) haben die Effizienz eines demografischen Puffers eindrucksvoll demonstriert, als dort die hohen Kriegsverluste durch eine noch viel höhere Geburtenrate mehr als ausgeglichen wurden; die Bevölkerung wuchs in dieser Zeit um 70%. Unter hochzivilisierten Bedingungen mit niedrigen Geburtenraten existiert jedoch keinerlei demographischer Puffer. Die westliche Zivilisation und ihr Kernprinzip der individuellen Freiheit sind im heutigen Ambiente asymmetrischer Kriege existentiell gefährdet, denn in diesen wird Demographie zunehmend als Waffe eingesetzt.
Seit dem Aufkommen der Zivilisation und höherer Bevölkerungsdichten hat sich die Härte der Auseinandersetzungen insbesondere um Territorien erheblich verschärft. Dazu hat die skrupellose Bereitschaft autokratischer Herrscher, einfache Gesellschaftsmitglieder in Kriegen für ihre persönlichen Machtinteressen zu opfern, erheblich beigetragen. Indem unkontrollierte Macht so lange wächst, bis ihr Grenzen gesetzt werden, unterliegen auch die Mittel und Werkzeuge der Macht einer ständigen Weiterentwicklung.
Dieser gefährliche Trend hat sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt. Im Jahr 1965, mitten im Vietnamkrieg, präsentierte die RAND Corporation eine umfassende wissenschaftliche Studie, aus der hervorging, dass die meisten der gegnerischen Vietcong-Rebellen gar nicht aus Gründen einer kommunistischen Gesinnung gegen die Amerikaner kämpften, sondern weil sie die versprochene Befreiung ihrer Heimat als brutale feindliche Eroberung erlebten – als Patrioten.
Unkontrollierte Macht wächst
Der Bericht machte klar, dass die Strategie der Flächenbombardements, der Folterverhöre, des Versprühens toxischer Entlaubungsmittel und des Einsatzes von Napalm die leidenden Menschen erst recht in die Arme der Rebellen trieben und der Krieg so nicht zu gewinnen war. Doch General Westmoreland, Verteidigungsminister McNamara und Präsident Johnson zeigten sich einsichtsresistent. Während sie dafür sorgten, dass der Bericht unter höchste Geheimhaltung gestellt wurde, suggerierte das Trio der Öffentlichkeit in den folgenden Jahren, den Krieg durch Steigerung der militärischen Anstrengungen siegreich beenden zu können.
Die Flächenbombardierungen wurden ausgeweitet, die Nachbarländer Laos und Kambodscha einbezogen, und der Einsatz von Napalm und Agent Orange fortgesetzt. Von den etwa 2,5 Millionen Toten dieses Krieges war der Großteil erst nach dem RAND-Bericht von 1965 zu beklagen und damit der Verantwortungslosigkeit hoher Militärs und Politiker zuzuschreiben, die sich einer klar vorgelegten besseren Einsicht verschlossen. Der haushohe Gewinner dieses verschleppten Krieges war der Militärisch-industrielle Komplex (MIC); doch die Medien versagten darin, die Öffentlichkeit über diese expandierende Gefahr zu informieren, obwohl Präsident Eisenhower im Januar 1961 eindringlich vor ihr gewarnt hatte.
Unkontrollierte Macht wächst. Diese Regel bestätigte die CIA, als sie 1967 – ebenfalls nach dem verheimlichten RAND-Bericht – ein Netzwerk von Verhörzentren unter dem Namen Phoenix-Programm in Vietnam errichtete, in welchem Folter systematisiert wurde. Auf öffentlichen Druck ruderte die CIA zwar später zurück, doch die antihumanitären Verhörmethoden wurden lediglich geographisch verlagert und dem amerikanischen Rechtssystem entzogen. Diesem Zweck dienten weltweit eingerichtete Geheimgefängnisse (Black Sites) in kooperationsbereiten Ländern wie Litauen, Rumänien und Thailand.
Mit der beharrlichen Fortsetzung der ebenso grausamen wie ineffektiven und den Ruf des demokratischen Westens zerstörenden Praktiken haben sich die Geheimdienste aus ihrer Position als demokratisch integrierte Elemente der rechtsstaatlichen Republik USA ‚befreit‘. Eigene geheime Finanzen (ganz offiziell nicht deklarationspflichtige Schwarze Kassen, in denen sich Staatsgelder und private Zuflüsse mischen) machen den Sicherheitsapparat zu einem unabhängigen Staat im Staat. Wenn ihm dazu noch das Machtmittel der operativen Geheimhaltung zugestanden wird, ist ein Missbrauch zur systematischen Rechenschaftsverweigerung vorgezeichnet. Auf finanziellem Gebiet ermöglicht die Abschirmung eine expansive Billionen-Dollar-Verflechtung des Sicherheitsapparats mit Rüstungskonzernen und mit der Finanzwelt. Auch zur Politik des demokratischen Rechtsstaats bestehen u. a. über Drehtüreffekte Verbindungen, die jedoch nicht etwa der dringend erforderlichen demokratischen Kontrolle, sondern kommerziellen Interessen mit Krieg als Profitquelle Zutritt zu verschaffen.A
Anachronistische Sondergesetze
Diese wirtschaftliche Verflechtung bei gleichzeitiger Abschirmung gegen Sanktionen und individuelle Strafverfolgung ließ spätestens seit dem Vietnamkrieg und parallelen Eingriffen in Lateinamerika katastrophale menschliche oder psychologische Fehlleistungen zu, wie u. a. Noam Chomsky in zahlreichen Schriften recherchiert hat.
Der Ressourcen verschlingende, Sicherheit aber nur versprechende autokratischen Staat im Staate stabilisiert sich durch seine inneren Auslesemechanismen. Die straffe Hierarchie erzwingt auf den unteren Positionen bereits in der Rekrutenausbildung ein unterwürfiges und angepasstes Verhalten.
Es sind Personen auf der Führungsebene, deren Charakterprofil die Arbeitsweise des gesamten Apparates prägen. Auf diesen Positionen hat sich jedoch ein egozentrischer, abgehobener und oft rücksichtsloser Klüngel durchgesetzt – das Gegenteil von Persönlichkeiten, die eine freie Gesellschaft authentisch vertreten könnten. Dieses Profilbild ist kein Zufallsergebnis, sondern ein historischer Regelfall – eine Wiederholung dessen, was fehlende demokratische Kontrolle bereits seit Jahrtausenden in Fürstentümern und Königreichen hervorgebracht haben.
Ein freiheitliches Gemeinwesen stabilisiert sich demgegenüber durch die Tätigkeit solidarischer Idealisten, die für ihren Aufstieg faire Chancen nach tatsächlicher Leistung benötigen und in übergeordneter Position ebensolche gewähren; in der autokratischen Binnenstruktur des aktuellen Sicherheitsapparates sind sie chancenlos. Die etablierte charakterliche Auslese spült solche Individuen nach oben, die die Dreistigkeit besitzen, Lügen vor dem Senat zu verteidigen, Folter zu rechtfertigen, und das illegale Eindringen in die internen Computer des US-Senats anzuordnen, um Beweise zu vernichten.
Dieser autokratische Apparat schirmt sein verfassungswidriges Verhalten mittels anachronistischer Sondergesetze ab, die in Ausnahmesituationen geboren wurden, namentlich dem Espionage Act aus dem Kriegsjahr 1917. Nach ihm wurden Whistleblower wie Julian Assange, Chelsea Manning und Edward Snowden wie Staatsfeinde behandelt, weil sie Verbrechen aufdecken und die Nation warnen wollten. Allein schon, auf eine juristische Anklage gegen diese Freiheitshelden hinzuwirken spricht für ein unterentwickeltes Demokratieverständnis, das Zweifel an der Amtstauglichkeit der betreffenden Führungspersonen aufkommen lässt. Indem die Nation der legitime Souverän ist, kommt ihrem Recht auf wahrheitsgemäße Information ein zweifelsfreier Vorrang zu, selbstverständlich auch über ehemals geheime, aber inzwischen abgeschlossene Militäraktionen. Schon viel zu lange Zeit dienen angebliche Erfordernisse der „nationalen Sicherheit“ als Standardvorwand, wenn es darum geht, sich per hartnäckig verschleppter Geheimhaltung der Verantwortung für Versäumnisse zu entziehen.
Vom Irak zur Ukraine
In Wahrheit ist der Sicherheitsapparat den Whistleblowern Dank schuldig, wenn diese ihnen mit der Aufdeckung von Prinzipienbrüchen das Werkzeug für die unverzichtbare interne Selbstreinigung liefern. Auch die Bürger und ihre Politiker schulden ihnen Dank für wichtige Informationen, welche die Medien und der Geheimdienst ihnen vorenthalten.
Zum Glück haben das viele Menschen gespürt, so dass sie mit ihrem öffentlichen Einsatz für diese Freiheitshelden bereits die Befreiung Mannings und Assanges durchsetzen konnten. Doch muss diese Auseinandersetzung in eine systemische Kritik mit dem Ziel einmünden, den Sicherheitsapparat zu einem wieder zuverlässigen Organ zu reformieren, das humanitäre Prinzipien und die Souveränität der demokratischen Nation respektiert.
Im Effekt bedeutet das viel mehr als eine formale Korrektur – nämlich die Abwendung einer existenziellen Gefahr: Der zunehmend unabhängige Staat im Staate wird auch zunehmend von Interessen geleitet, die denen der Staatsnation widersprechen. Wie unter anderem der Ukrainekrieg zeigt, kann Unabhängigkeit in erbitterte Feindschaft einmünden, wenn empathiefreie, polarisierende Charaktere dominierenden Einfluss gewinnen.
Die Gefahr wird durch eine hypokritische Einsichtsresistenz der Verantwortlichen im Sicherheitsapparat und in der Politik weiter verstärkt: Das jahrzehntelange, von den Medien aber stets schöngefärbte Versagen von Vietnam bis Afghanistan tritt jetzt bei einer rasch wachsenden Zahl von Bürgern und Politikern ins Bewusstsein. Doch wie der brutale Umgang mit – gesellschaftlich unersetzbar wertvollen – Whistleblowern zeigt, ist der Militaristenklüngel nicht dazu befähigt oder bereit, das Grundprinzip der Freiheit dort zu identifizieren, wo es am wichtigsten ist. Gelegentlich gestatten Politiker einen direkten Einblick in die unaufrichtige Psychologie hinter ihrer hartnäckigen, narzisstischen Einsichtsresistenz. lässt sich gelegentlich an Politikern beobachten. Dafür lieferte George W. Bush ein klassisches Beispiel, als er 2022 versuchte, die russische Invasion in der Ukraine zu verurteilen, versehentlich aber erklärte: „Die Entscheidung eines einzelnen Mannes, eine völlig unberechtigte und brutale Invasion im Irak zu starten… ich meine, in der Ukraine.“ Bevor er unter dem Lachen des Publikums leise hinzufügte: „Irak auch.“
Immense Gefahren im Inneren
Die Folgen der institutionellen Unehrlichkeit sind verheerend. Anstatt aus der Kontraproduktivität von Folter und brutalem Umgang mit ‚befreiten‘ Zivilisten zu lernen, engagierte die CIA die Psychologen James Mitchell und Bruce Jessen für 81 Millionen Dollar, um Techniken der „erweiterten Vernehmung“ (Enhanced Interrogation) zu entwickeln. Dies war in Wahrheit ein pseudowissenschaftlicher Deckmantel für altbekannte Foltermethoden wie Waterboarding, Schlafentzug und Elektroschocks. Als der Kongress diese Praktiken nach einem vernichtenden Bericht des Senats im Jahr 2014 verbot, lagerte die CIA die Arbeit einfach an bezahlte Milizen in Afghanistan aus (wie die New York Times 2018 berichtete), was an ältere Praktiken in Lateinamerika und im Irak anknüpfte.
Heute treten die aufgelaufenen Defizite an aufrichtigen Informationen in asymmetrischen Konflikten zutage. Die Supermacht USA mit einem Militärbudget, das 129-mal so hoch ist wie das des Iran, ist nicht in der Lage, sich gegen das Teheraner Regime durchzusetzen. Während die jungen Vereinigten Staaten unter Thomas Jefferson die Berber-Piraterie dauerhaft beendeten (1801–1805, 1815), blockieren vom Iran unterstützte Huthi nun ungestraft den Zugang zum Roten Meer.
Die von der NSA und der CIA aufgebauten Überwachungssysteme bergen zudem immense Gefahren im Inneren. Unter Krisenbedingungen drohen Notstandsgesetze wie der Insurrection Act zusammen mit (über 13.000!) angesammelten Dekreten vergangener Präsidenten (Executive Orders) die Machtfülle der Geheimdienste in gefährliche Dimensionen zu steigern. Da diese zugleich reihenweise Zivilrechte außer Kraft setzen, wäre die Bevölkerung der Willkür eines unzuverlässigen Apparates ausgesetzt.
Die Wiederherstellung der demokratischen Autorität über die Sicherheitsarchitektur erfordert erstens eine umgehende Auslichtung der Notstandsgesetze. Ziel muss die bestmögliche Aufrechterhaltung der demokratischen Rechtsstaatlichkeit und damit des Vertrauens besonders auch in Notzeiten sein, nicht die Installation gefühlstoter Befehlsketten.
Zweitens ist der Sicherheitsapparat gegen den Zutritt materieller Interessiertheit am Krieg und dessen Verschleppung abzuschirmen. Positiv gestaltet bedeutet eine solche Reform die Installation eines Beförderungssystems, das die jahrtausendealte, Narzissmus und Rücksichtslosigkeit belohnende autokratische Selektion durchbricht und eine an Leistung und Integrität orientierte Beförderung in allen Rangstufen garantiert. Dies ist der Weg, auf dem die Demokratie die Kontrolle über ihren Sicherheitsapparat zurückgewinnen und die Freiheit sichern kann.





Wir schützen die Demokratie indem wir sie abschaffen. Wir lassen uns weissmachen Russland, China, und die LINKE seien Feinde der Demokratie. Gleichzeitig wird die Demokratie von der EU und der jetzigen Regierung abgeschafft.
Ab 2027 sollen auch Arzt- und Psychotherapiepraxen abgehört werden, inkl. Zugriff auf die Patientenakten.
Wer ausser der Pharmaindustrie, der Arbeitgeber, etc., soll daran ein Interesse haben?
Berliner Ärzte warnen
https://m.youtube.com/watch?v=48DaKxk88FM&pp=ygUycmJiIGthbm4gZGVyIEdlaGVpbWRpZW5zdCBiYWxkIGFyenRwcmF4ZW4gYWJow7ZyZW4%3D
@Otto0815
Was heute als »die LINKE« gilt darf man sehr wohl als »Feinde der Demokratie« bezeichnen, oder meinst du, dass man die Grünen oder die SPD immer noch als LINKE bezeichnen kann?
Die SPD unter Willy Brandt konnte man noch zurecht als LINKE bezeichnen, aber die SPD hat sich von ihrer linken Politik unter Schröder verabschiedet und die Grünen stellten sich als Schwindler heraus, die linke Politik nur vorgetäuscht haben um gegen Russland zu hetzen und Milliarden in die Rüstung zu verschwenden.
Brandt war die Antwort auf die 68er Unruhen. Er sollte die Reformfähigkeit des Kapitalismus beweisen. Bereits mit „wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“-Schmidt wurden Brandts Reförmchen wieder zurückgedreht.
»Die westliche Zivilisation und ihr Kernprinzip der individuellen Freiheit …«
Welche Freiheit meint der Autor? Meint er die Freiheit der Bürgergeld-Empfänger, die sich ständig im Job-Center rechtfertigen müssen, wieso sie das Bürgergeld beanspruchen? Meint er damit die Freiheit einem Familienrichter zu zwei Jahren Gefängnis zu verurteilen und ihm damit den Beamtenstatus und alle Pensionsansprüche abzusprechen zu dürfen? Meint er damit die Freiheit Professoren von der Universität ausschließen zu dürfen, weil sie eine von der Regierung abweichende Meinung vertreten?
Und welche Meinung hat der Autor zu den Sanktionen in westlichen Zivilisationen, die gegen EU-Bürger verhängt wurden, ohne von Richtern angeordnet zu sein, aufgrund derer ihr Zugriff auf ihr Bankkonto gesperrt wurde, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wie sie so über die Runden kommen können?
Sie machen korrekt auf Erscheinungen aufmerksam, die einen fortschreitenden Abbau demokratischer Werte und eine Unterminierung demokratischer Prinzipien anzeigen. Sanktionen gegen eigene Staatsbürger ohne richterliche Entscheidung sind grob rechtsstaatswidrig.
Wenn wir authentische Demokratie und Freiheit für uns und unsere Nachkommen wiederherstellen wollen, müssen wir allerdings bei den URSACHEN ansetzen, nachdem westliche Politik jahrzehntelang Probleme verwaltet hat, statt sie zu lösen.
Es existieren vor allem drei Problemfelder, die Medien, die uns Jahrzehnte lang gefilterte und einseitig Partei ergreifende Teilinformationen geliefert haben, das Bankensystem, das die Basis einer faktischen Geldherrschaft darstellt, eine Wirtschaft, die von einer Verdrängung der fairen Marktwirtschaft durch eine Herrschaft der Konzernoligopole geprägt ist und den Sicherheitsapparat, dessen bedenkliche Entwicklung im vorliegenden Artikel behandelt wird..
Zu dem Ganzen passt dieser Zappa-Song ganz wunderbar:
https://www.youtube.com/watch?v=A3Faa5hHxBU
das hört man sich an und denkt: wie vorausschauend er doch war,
geradezu prophetisch begabt.
Die Leute strömen zu Konzerten, wenn mal eine Coverband all diese Songs bringt,
zuletzt hier im Osten, in eine Kulturbahnhof in der Lausitz.
Danke für den Zappa, schon länger nicht mehr gehört. Der Text passt!
Helmut Qualtinger liest Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit
Vom Sound her zwar nicht so gut wie Zappa
https://www.youtube.com/watch?v=4i_0Y9pGaGY
Ihr werdet es wohl nie verstehen, das der Staat selbst das Problem ist?
Wir brauchen keinen Apparat.
> Heute treten die aufgelaufenen Defizite an aufrichtigen Informationen in asymmetrischen Konflikten zutage. Die Supermacht USA mit einem Militärbudget, das 129-mal so hoch ist wie das des Iran, ist nicht in der Lage, sich gegen das Teheraner Regime durchzusetzen. Während die jungen Vereinigten Staaten unter Thomas Jefferson die Berber-Piraterie dauerhaft beendeten (1801–1805, 1815), blockieren vom Iran unterstützte Huthi nun ungestraft den Zugang zum Roten Meer.
Der Absatz kommt mir wie ein Fremdkörper im Artikel vor. Frage: Was hat Information mit asymmetrischen Konflikten zu tun? Iran und Huthis können sich wehren, weil auch sie zugriff auf moderne Technik haben, die heute nicht mehr ein Alleinstellungsmerkmal der Weltbeherrscher ist, sondern vom kommunistischen China auf Anfrage geradezu zu Spotpreisen in die Welt verschickt wird.
Das was früher den Aufklärern und Klassenkämpfern das Wort als Schwert war, ist heute die Ali-Express-Bestellung. Die USA und die EU werden nicht immer ekeliger gegen ihre eigene Bevölkerung, weil sie das Gefühl haben, dass sie die Herrscher der Welt sind, sondern weil sie sehen, wie ihre physische Macht immer bedeutungsloser wird und die Aufstockung der Budgets angesichts der Möglichkeiten der asymmetrischen Kriegsführung von klugen Kontrahenten die schiere brutale Macht der etablierten Militärs entwertet. Trotzdem-Versuche werden zu Milliarden-Gräbern, wenn der über Jahrzehnte gepflegte Anschein von hyper-überlegener Macht in Form von viele Millionen teuren Raketen dann eingesetzt wird, um bestens vorbereitet und tief eingegrabene Gegner zu attackieren und Milliarden-teure Radaranlagen bei Gegenangriffen von Drohnenschwärmen überwältigt werden.
Alles, was dann noch bleibt, ist der Rückgriff auf alttestamentarische Taktiken wie die „totale“ Auslöschung, die von Trump bereits mehrfach angesprochen wurde.
Trotz der durchgesickerten Horror-Gewalt à la Abu Graib, Camp Bucca, Camp Cropper, Camp Whitehorse, Bagram, The Salt Pit und Guantánamo Bay für Irak- und Afghanistan-Bedarf, versagte die brutale Gewalt, weil sich die Eliten am Ende doch gerne mit weißem Kragen präsentieren, als zivilisiert angesehen werden möchte und bisher noch keine Gewaltherrschaft in moderner Zeit sehr lange gehalten hat, wenn nicht massiver Druck von außen ausgeübt wurde, wie in Nordkorea. Auch dort wirkt der Viet-Kong-Effekt, dass bei Angriffen von außen das Land nach innen härtet.
Ähnlich muss man das Geschäft der NSA und CIA auch sehen, nur dass sich die Bevölkerung nicht angegriffen fühlt, sondern die an den Schalthebeln der Macht. Im Grunde wie in der DDR, wo man bei jedem Vorfall, der die Schwächen der eigenen Ideologie sichtbar werden ließ, man in Kampfhaltung ging und weil der Feind von außen nicht wirklich den Fuß über die Grenze setzte, wo man ihn hätte erschießen können, sondern der Feind in Form von Konsumnachteilen im eigenen Land spross, wendeten sich die Abwehrmaßnahmen auch nach innen. Gegen Nachrichten (Fake-News) und Ideen.
Die Härte nach innen spricht für die Kompetenzschwäche der Eliten. Ihre Härte zusammen mit ihrer Schwäche münden in Erschöpfung und Niedergang.
Hallo Prilblume, Sie fragen, was Information mit asymmetrischen Kriegen zu tun hat.
Der Sicherheitsapparat aus Militär und Geheimdiensten hat die westlichen Bürger schon sehr reichlich mit Lügengeschichten und der Unterschlagung wichtiger Informationen fehlorientiert und dadurch gigantische Schäden angerichtet. Die Mainstream-Medien sind an dieser Manipulation der Wahrnehmung erheblich beteiligt.
Beispielsweise haben die US- und europäischen Bürger so gut wie gar nicht erfahren, dass der – höchst asymmetrische – ‚Krieg gegen den Terror‘ in Afghanistan schon nach 2 Monaten, nämlich im Dezember 2001 hätte abgeschlossen werden können. Die Taliban hatten ein Angebot zur Kapitulation und Niederlegung der Waffen vorgelegt, aber George W. Bush lehnte ab. Der Krieg dauerte noch 20 Jahre weiter und endete mit dem Fiasko des Truppenabzugs vom August 2021.
Auch über die Militärstrategie der israelischen Streitkräfte, die sog. Dahiya-Doktrin, hat in den 3 Jahren seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 KEINE der großen Nachrichtenagenturen etwas verlauten lassen, obwohl die Resultate dieser für Israels Reputation selbstzerstörerischen Antistrategie jeden Tag die Bildschirme gefüllt haben.
Nach der Dahiya-Doktrin wird als Reaktion auf einen Beschuss Israels die gegnerische zivile Infrastruktur und Wohnbebauung im Bereich der Terroristen-Feuerstellungen gezielt und in ASYMMETRISCH großem Umfang zerstört. Absurder Weise bedient die israelische Armee damit ganz direkt die Strategie ihrer Feinde. Denn die Hamas und Hisbollah legen es mit ihren Provokationen exakt und nachweislich darauf an, solche harten Gegenschläge auszulösen. Das Leiden ihrer Zivilisten trägt den islamistischen Führern den erwünschten MIGRATIONSMOTOR ein, der muslimische Flüchtlingsströme Richtung Europa und Nordamerika am Laufen hält.
Im Falle Gazas steht der Vorgang noch bevor. Denn nachdem etwa 95 % der Wohnungen zerstört sind, 80 % der Betroffenen emigrieren wollen und sich die arabischen Länder einmal mehr vor der Aufnahme von Palästinensern drücken, werden es voraussichtlich westliche Länder sein, die auch diese 2 Mio. Menschen aufnehmen. Dabei sorgen die medial verstärkte Mitleidswelle und die entsprechenden Demonstrationen im palästinensischen Flaggenmeer für breite Akzeptanz dieser insgesamt surrealen Vorgänge. – Dafür ist der Begriff asymmetrische Kriegsführung sehr neutral gewählt, denn die Grenzen psychisch gesunden Verhaltens werden mit dieser Instrumentalisierung des Leidens klar überschritten.
Zitat: „Während bei fast allen Tierarten eine Hemmung der gegenseitigen Tötung programmiert ist, die sie vor dem Aussterben schützt“
Der Autor scheint doch ein arger Naturromantiker zu sein – die innerspezifische Tötungshemmung ist eine Fiktion aus einer Zeit, in der man here romantische Gefühle für die Natur entwickelte, jedoch nicht genug Kenntnis über die wahre Natur der Natur hatte.
Nich eine ominöse programmierte Tötungshemmung ist der Grund, weshalb sich Tiere einer Art nicht gegenseitig töten, sondern das Fehlen der geeigneten Waffen. Sind die Waffen vorhanden wie z.B. bei Raubtieren, werden sie ohne Hemmung einesetzt, um einen Koinkurrenten zu töten. Und oft werden auch noch die Kinder des besiegten Rivalen mitgetötet – einebei Löwen übliche Praxis, und nicht nur bei Löwen. Bären fressen ihren besiegten Bären-Gegner auch gerne mal auf, oder auch Jungtiere der eigenen Art, wenn sie ihrer habhaft werden. Bärenmütter meiden nicht ohne Grund die Begegnung mit männlichen Artgenossen.
Auch Pflenzenfresser töten sich gegenseitig, wenn sie mit den entsprechenden Waffen ausgestattet sind, z.B. Flusspferdbullen mit ihren mächtigen Eckzähnen.
Und dann gibt es noch die Kriege, die die mit uns am nächsten verwandten Spezies, die Schimpansen führen – die die gezielte Ausrottung unterlegener Schmimpanssengruppen zur folge hatte.,
https://de.wikipedia.org/wiki/Schimpansenkrieg_von_Gombe
https://de.wikipedia.org/wiki/Schimpansenkrieg_von_Ngogo
Wir Menschen haben einfach nur unser natürliches Erbe, nämlich das Töten von Konkurrenten der eigenen Art perfektioniert – mit Waffen, die frühgeschichtlichen Generationen (und anderen Arten) nicht zur Verfügung standen.
Die Zivilisation ist nur eine hachdünne Patina – wird sie weggekratzt, kommt darunter der mordgierige Raubaffe zum Vorschein.
Das ist ebenso wie dein einleitendes Zitat unterkomplex und wird der Sache nicht gerecht.
Nur als Einstieg, stimmt auch nicht ganz, weist aber schonmal in die richtige Richtung (Sozialverhalten):
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/toetungshemmung/67066
Das sprengt aber den Rahmen hier
https://de.wikipedia.org/wiki/Anatomie_der_menschlichen_Destruktivit%C3%A4t
Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz sind Erscheinungen wie Tötungshemmung innerhalb von Tierarten auf den Grund gegangen. Es ist durchaus nicht das Fehlen geeigneter Waffen. Beispielsweise könnten sich manche Antilopen mit ihrem Gehörn problemlos gegenseitig massakrieren.
In der Tat bilden Löwen (ähnlich wie Menschen in einer ökologischen Situation mit wenig Konkurrenzdruck) eine Ausnahme, ihre innerartliche Tötungshemmung ist reduziert, indem die Männchen mitunter die Jungen eines besiegten Rivalen töten. Doch die Tötung eines Rivalen selbst ist auch bei ihnen die seltene Ausnahme.
Interessant ist, dass sich die Tötungshemmung durch Züchtung abbauen lässt, wie Kampfhund-Rassen zeigen. Genau das ist der Kurs, auf den die Menschheit, insbesondere seit Beginn der Zivilisation, eingeschwenkt ist. So viel Zeit bleibt nicht, sich darüber einig zu werden, was dagegen zu tun ist.
Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz sind Erscheinungen wie Tötungshemmung innerhalb von Tierarten auf den Grund gegangen. Es ist durchaus nicht das Fehlen geeigneter Waffen. Beispielsweise könnten sich manche Antilopen mit ihrem Gehörn problemlos gegenseitig massakrieren.
In der Tat bilden Löwen (ähnlich wie Menschen in einer ökologischen Situation mit wenig Konkurrenzdruck) eine Ausnahme, ihre innerartliche Tötungshemmung ist reduziert, indem die Männchen mitunter die Jungen eines besiegten Rivalen töten. Doch die Tötung eines Rivalen selbst ist auch bei ihnen die seltene Ausnahme.
Interessant ist, dass sich die Tötungshemmung durch Züchtung abbauen lässt, wie Kampfhund-Rassen zeigen. Genau das ist der Kurs, auf den die Menschheit, insbesondere seit Beginn der Zivilisation, eingeschwenkt ist. So viel Zeit bleibt nicht, sich darüber einig zu werden, was dagegen zu tun ist.
Sie reden hier einem „Naturzustand Krieg“ das Wort. Das ist übelster Defätismus. Wenn Ihnen Sie und der Rest der Menschheit so ein Gräuel ist, warum tun Sie nicht dagege etwas? Oder tun Sie schon etwas? Welche Konsequenzen ziehen Sie aus Ihrer unsäglichen Welt- bzw- Menschensicht? Oder ziehen Sie aus diesem Weltbild eine Legitimierung für eigene, schon begangene Taten?
Tatsache ist: wenn Lebewesen ein auskömmliches Leben nebeneinander fristen können, tun sie es auch, und zwar friedlich und gemeinsam. Raubtiere haben wie jeder weiß, ihre Funktion im Geflecht des Lebens. Ihre Opfer sind meist sterbende und schwache Tiere. Wenn der Bestand ihrer Beute bedroht ist, sind die Raubtiere in ihrem Bestand selbst bedroht. Das regelt sich also ein.
Dass jedes Tier – und natürlich auch ein Mensch – in höchster Not zur Selbstverteidigung greift besagt nur eines: das ein Selbsterhaltungstrieb existiert. Auch daraus ergibt sich, dass all Ihre Beispiele Ausnahmezustände darstellen die NICHTS allgemeines beschreiben.
Mit Leuten mit solchen Einstellungen wie dem hier kann nie ein friedliches Zusammenleben organisiert werden. Denn solche Leute sehen überall NUR Bedrohung und Gefahr.
https://de.wikipedia.org/wiki/Def%C3%A4tismus
Der Begriff Defätismus (französisch défaitisme, von défaite, „Niederlage“; schweizerisch auch Defaitismus) kann als Zustand der Mutlosigkeit oder Schwarzseherei beschrieben werden. Ursprünglich bezeichnete er die Überzeugung, dass keine Aussicht (mehr) auf den Sieg besteht, und eine daraus resultierende starke Neigung zum Aufgeben.[1]
Der Ausdruck entstand während des Ersten Weltkrieges in Frankreich und bezeichnete den Vorwurf des systematischen Nährens von Mutlosigkeit, Resignation und Zweifel am militärischen Sieg in den eigenen Reihen. Als Mittel der gegnerischen psychologischen Kriegsführung verdächtigt, wurde solches Verhalten von Militärtribunalen sanktioniert.[2]
Als „moralischer Defätismus“ wird ein Defätismus bezeichnet, der nicht daran glaubt, dass (eigenes/fremdes) gutes Handeln möglich ist.[3]
• Die Mitglieder der Weißen Rose wurden unter dem Vorwurf des Defätismus zum Tode verurteilt. Im Urteil heißt es: „Die Angeklagten haben im Kriege in Flugblättern zur Sabotage (…) aufgerufen, defaitistische Gedanken propagiert und den Führer aufs gemeinste beschimpft.“
• Wolfgang Borchert (1921–1947) wurde 1944 wegen Defätismus zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde vorzeitig zur Feindbewährung an die Front entlassen.
Die Realität ist oft sehr schmerzhaft – oft ist es hilfreich, sich die Realität wegzuträumen.
Im Übrigen: Es ging hier nicht um die Funktion von Raubtieren „im Geflecht des Lebens“, sondern um, die Frage, ob es eine irgendwie geartete Tötungshemmung innerhalb der Art gibt. Und die gibt es offensichtlich nicht, denn sonst würden die siegreichen Löwenmänner nicht die Kinder der unterlegenen Löwenmänner töten.
Raubtiere töten sich innerhalb der Art ohne Hemmungen gegenseitig, nicht nur Löwen, auch Bären, Tiger – überhaupt alle, die das können. Und es geht dabei fasst immer um „Eigentumskämpfe“, nämlich um Reviere und um den Zugang zu den weiblichen Tieren. Das ist nun leider der Regelfall, nicht die Ausnahme, denn Jagd-Reviere gibt es leider nicht ubbegrenzt, so wie Sie es sich gerne vorstellen.
Es ist die Zivilisation, die die barbarischen, destruktiven Impulse der Menschen einhegt – sehr abhängig von der Kultur, in der Menschen leben. Z.Zt. sind leider die barbarischen Elemente – vor allem hier im „westlichen Wertewesten“ auf dem Vormarsch.
Mit etwas Pause in den Reflexen könnte verstanden werden, dass der MIC, vor dem Eisenhower bei seiner Abgangsrede warnte, der Beginn einer neuen Herrschaftsstruktur war, in der die Nation nur noch dekorativen und sentimentalen Wert hat, in der momentanen Übergangsphase noch die Funktion der Ablenkung: Es ist der Korporatismus, der auch liebevoll verniedlichend und leicht vereinfachend „Die Globalisierung“ genannt wird. Deren schmeichelhafter Anfang allerdings liegt in der Gründung der nicht ganz so menschenfreundlichen V.O.C. oder E.I.C. vor gut 500 Jahren, da allerdings noch mit lokalisierten Stammsitzen.
Die wesentliche Neuerung im Korporatismus ist die Ortlosigkeit der Herrschaft und macht somit die territoriale Nation überflüssig. Mit ihren lokalen Gesetzen und sonstigen Eigenheiten ist sie sogar hinderlich. Jetzt könnte eines fordern, was vielerorts von meist dubiosen Personen auch getan wird, „die Nation zurück zu holen“, doch muss berücksichtigt werden, dass die Nation eine ähnliche Erfindung ist, wie „die Rasse“ oder „das Volk“ – oder irgendetwas anderes gruppenartiges, das angeblich homogen durch die Jahrhunderte wandeln soll. Durch die neue Herrschaftsstruktur, die sich noch im Werden befindet und nicht finalisiert ist, wird es einigen Menschen erheblich besser gehen, den meisten allerdings nicht und die werden auch gar nicht mehr gebraucht, schließlich ist die Industrialisierung vorbei.
Herr Haman beschreibt in seinem Artikel richtig einige Phänomene, die mit der Transformation einhergehen, wie die Annihilation von „arbiträren Werten“, (optionale) Menschenrechte und anderen Irritationen. Aber er beschreibt Vergangenes, das in keinerlei Hinsicht hilfreich ist, das Kommende zu verhindern. Es gibt keinen Weg, »auf dem die Demokratie die Kontrolle über ihren Sicherheitsapparat zurückgewinnen und die Freiheit sichern kann«. Das war immer eine selektive Halluzination, das hintergründig Geplante war nur nach einigen unangenehmen Einschnitten und erfahrungen (bspw. WKII) pausiert.
Nun ist das maßgebliche Personal mit persönlicher Kriegserfahrung ausgetauscht und das pending vorbei: Allen viel Glück!
Zitat 💬❗: „Es sind Personen auf der Führungsebene, deren Charakterprofil die Arbeitsweise des gesamten Apparates prägen. Auf diesen Positionen hat sich jedoch ein egozentrischer, abgehobener und oft rücksichtsloser Klüngel durchgesetzt – das Gegenteil von Persönlichkeiten, die eine freie Gesellschaft authentisch vertreten könnten.“
Bei diesen Sätzen fiel mir der Spielfilm „Nuremberg“ (dt. „Nürnberg“) von James Vanderbilt aus dem Jahr 2025 ein, den ich vor kurzem gesehen habe. Der Spielfim beruht auf dem Buch des US-amerikanischen Journalisten Jack El-Hai: “ The Nazi and the Psychiatrist“ von 2013 (deutscher Titel: „Der Nazi und der Psychiater“).
In dem Spielfilm geht es um die sogenannten Nürnberger Prozesse gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher (= „NS-Elite“: Martin Bormann, Wilhelm Frick, Rudolf Heß, Wilhelm Keitel, Julius Streicher, Albert Speer und vor allem Hermann Göring), die 1945/46 nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg stattfanden.
Im Mittelpunkt des Spielfilms steht Douglas M. Kelley, der von der US-Armee damals als Gerichtspsychiater eingesetzt wurde, um die Zurechnungsfähigkeit der oben genannten Angeklagten zu untersuchen.
Der Spielfilm blendet aus diesem Grund zwar viele andere Aspekte aus. Bemerkenswert aber ist: Douglas M. Kelley, der „Psychiater Hermann Görings“ kam 1946 zu dem Ergebnis, dass die Angeklagten keine Psychopathen oder Soziopathen waren. Es waren größtenteils äußerst intelligente Menschen, die aber folgende charakterliche Eigenschaften aufweisen: zügellosen Ehrgeiz, wenig Solidarität und Empathie für Mitmenschen, schwach ausgebildete Moralvorstellungen und exzessiven Nationalismus, der fast jede verbrecherische Tat „rechtfertigt“.
Kelleys Fazit damals war: „Solche Menschen gibt es überall auf der Welt. Sie haben keine geheimnisvollen Persönlichkeitsmuster. Aber sie haben starke Triebe, und sie wollen an die Macht. Es gibt selbst hier in den USA Leute, die über die Leichen der Hälfte der amerikanischen Bevölkerung gehen würden, um die andere Hälfte unter ihre Kontrolle zu bringen. Bisher reden diese Personen nur, aber sie setzen schon heute ihre demokratischen Rechte antidemokratisch ein.“ (zitiert nach H. Prantl: Görings Psychiater hat gewarnt. Vor 75 Jahren begannen die Nürnberger Prozesse)
Douglas M. Kelley wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Berkeley Professor für Psychiatrie und Kriminologie und versuchte diese Erkenntnisse auch den Bürgern in den USA zu vermitteln, machte sich damit aber in der „McCarthy-Ära“ keine Freunde und scheiterte auf tragische Weise. Douglas M. Kelley starb 1958 durch Suizid und geriet dann jahrezehntelang in Vergessenheit bis sein Sohn mehr als 50 Jahre später unveröffentlichte Aufzeichnungen und Dokumente fand und dieses Material dem amerikanischen Journalisten Jack El-Hai übergab, der 2013 ein bemerkenswertes Buch über Douglas M. Kelley veröffentlichte.
‼️ Ergänzen sollte man noch einen wichtigen Punkt ⚫: Autokraten herrschen nicht alleine. Sie brauchen mediale und wissenschaftliche Opportunisten, Stiefellecker, Handlanger, Erfüllungsgehilfen, die sie unterstützen. Das gilt auch für Richter/Gerichte, die in diesem „demokratischen“ Land im Namen des Volkes und vom Volk bezahlt „Recht sprechen“, aber nicht im Interesse des Volkes.
Die Herrschaft von Autokraten stützt sich nämlich nicht allein auf Zwang und direkte Gewalt, sondern auch auf Akteure, die bereit sind, diese Macht zu legitimieren, Informationen zu verzerren und/oder kritische Stimmen zu „canceln“. Medien können dazu beitragen, die politischen Narrative der Autokraten aka „Elite“ zu verbreiten und öffentliche Wahrnehmungen zu prägen, während die „Wissenschaft“ zur akademischen Rechtfertigung politischer Entscheidungen herangezogen wird.
Auf diese Weise entsteht ein Zusammenspiel verschiedener Akteure, durch das die autokratische Herrschaft institutionell und gesellschaftlich stabilisiert wird: Durch offene Zustimmung, aber auch durch die Bereitschaft, die eigenen professionellen journalistischen, wissenschaftlichen und rechtlichen Standards den Interessen der autokratischen Macht unterzuordnen.