
In vielerlei Hinsicht ist die Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2025 ein fundamental anderes Gemeinwesen als das des Jahres, sagen wir mal: 1975. Und ursächlich für den nicht zu übersehenden ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Niedergang ist, unter anderem, die ideologische Verblendung und die schier unglaubliche Geschichtsvergessenheit der deutschen politischen und ökonomischen Elite.
Wenn sich dereinst Historiker über die Geschichte Deutschlands im frühen 21. Jahrhundert unterhalten werden (mal vorausgesetzt, die Menschheit bläst sich nicht irgendwann einmal via Atomkrieg selbst in die Luft), dürfte wohl die Frage im Vordergrund stehen, wie es möglich war, dass eine aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs entstandene Gesellschaft mit einem – unter kapitalistischen Bedingungen natürlich ziemlich unvollkommenen – Wohlfahrtsstaat, einer halbwegs funktionierenden bürgerlichen Demokratie und einer prosperierenden Wirtschaft innerhalb von wenigen Jahrzehnten derart auf eine abschüssige Bahn geraten konnte. Am Ende des Jahres 2025 ist die soziale Ungleichheit in dem 1990 wiedervereinigten Land so hoch wie noch nie, gebärdet sich der Staat immer repressiver und schmiert die Wirtschaft auf dramatische Weise ab. Inzwischen ist auch die politische Stabilität perdu, um die Deutschland jahrzehntelang von vielen seiner Nachbarstaaten beneidet wurde, und das Misstrauen der Regierten gegenüber den Regierenden erreicht Dimensionen, die noch vor kurzem unvorstellbar schienen. Rund die Hälfte der Deutschen hat Angst, sich nachts im öffentlichen Raum zu bewegen (vor allem viele Frauen trauen sich überhaupt nicht mehr, abends bestimmte Stadtteile zu besuchen oder öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen), und eine beispiellose militärische Aufrüstung nach dem 24. Februar 2022, verbunden mit einem zutiefst verantwortungslosen Kriegsgeschrei von Seiten der (Mainstream-)Politik und der (Mainstream-)Medien, belastet die öffentlichen Kassen und treibt die Gewinne der Rüstungsaktienbesitzer in ungeahnte, schwindelerregende Höhen.
Das soll nicht heißen, dass die Bundesrepublik des Jahres – sagen wir mal: 1975 – ein Paradies auf Erden war. Aber nach der Zerstörungsorgie des Zweiten Weltkrieges gab es in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung eine Art Grundkonsens, der folgendermaßen zusammengefasst werden kann: „Nie wieder Krieg!“, „Nie wieder Faschismus!“, „Nie wieder Massenarbeitslosigkeit“. Alle drei Prämissen konnten Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre als einigermaßen erfüllt angesehen werden: Die Ostpolitik der Regierung von Bundeskanzler Willy Brandt sorgte für eine deutliche Abmilderung der Blockkonfrontation im Kalten Krieg; der Regierungswechsel 1969 demonstrierte, dass es möglich war, auf friedliche, demokratische Weise einen Machtwechsel im Staat herbeizuführen; und die Vollbeschäftigungspolitik à la John Maynard Keynes veränderte (vorübergehend) signifikant das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit.(1) In den frühen 1970er Jahren kam es nicht selten vor, dass die Personalchefs namhafter Unternehmen die Abiturklassen der westdeutschen Gymnasien besuchten – und die designierten Schulabgänger dazu ermunterten, nach ihrem Abschluss gleich bei ihnen anzuheuern und auf die Aufnahme eines Studiums zu verzichten.
Dass dieser Grundkonsens in der Bevölkerung majoritär war, demonstrierten die Bundestagswahlen vom November 1972: Die damalige sozialliberale Koalition errang einen überzeugenden Wahlsieg, trotz einer infamen Kampagne der konservativen CDU/CSU-Opposition, die die Politik der Aussöhnung mit dem ehemaligen Feind im Osten als Landesverrat angeprangert hatte und die Vollbeschäftigungspolitik der Regierung (der damalige Wirtschafts- und Finanzminister Helmut Schmidt: „Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit“) als direkten Weg in den Staatsbankrott.
Ausgebauter Sozialstaat, eingeschränkte Demokratie
Und das, obwohl sich im Staats- und Verwaltungsapparat des westdeutschen Teilstaates nach 1949 massenhaft Ex- und Noch-Nazis tummelten. Noch in den 1960er Jahren soll der Deutsche Bundestag zu einem Drittel mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern besetzt gewesen sein, von 1966 bis 1969 amtierte ein Bundeskanzler (Kurt Georg Kiesinger, auch er ein Ex-NSDAP-Mitglied), der vor 1945 hochrangiger Beamter im Nazi-Außenministerium gewesen war. Die 1955 etablierte Bundeswehr wurde von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren mit Ostfeldzugs-Erfahrungen aufgebaut, und noch in den 1970er Jahren errang ein Ex-Nazi-Richter (Hans Filbinger), damals Ministerpräsident von Baden-Württemberg, einen fulminanten Sieg (56,7 % der Stimmen!) bei den dortigen Landtagswahlen.(2)
Mit der den Deutschen nach Kriegsende durch die Alliierten verordneten Demokratie haperte es allerdings anfangs ein wenig: 1956 wurde die Kommunistische Partei Deutschland (KPD) verboten (immerhin die Schwesterpartei der im anderen deutschen Teilstaat, der DDR, regierenden SED) – eine deutliche Einschränkung des Parteienpluralismus; von 1949 bis 1953 hatte die Partei sogar im deutschen Bundestag gesessen. Satte 20 Jahre lang stellte die CDU den Bundeskanzler, während in den meisten anderen westlichen Demokratien regelmäßig die Regierungen wechselten; eine vergleichbare Dauerherrschaft einer Partei gab es in diesem Zeitraum nur in Japan und Italien (beides bekanntlich die faschistischen Weltkrieg-II-Alliierten der deutschen Nazis – Zufall?). Erst 1969 eroberte die SPD das Amt des Kanzlers, und dieser Wechsel war insbesondere mit Blick auf die Biographien der beiden beteiligten Politiker sowohl signifikant wie hochsymbolisch: Ein antifaschistischer Journalist (Willy Brandt), der vor den Nazis ins Ausland geflohen war, löste einen ehemaligen Nazi-Spitzenbeamten (Kurt Georg Kiesinger) als Regierungschef ab. Auch eine kommunistische Partei (die DKP) wurde wieder zugelassen, aber nur unter bestimmten – man ist versucht zu sagen: typisch deutschen – Bedingungen: In ihrem Parteiprogramm musste sie auf das Postulat der „Diktatur des Proletariats“ verzichten, sonst wäre sie nämlich auch sofort verboten worden, als Nachfolgeorganisation der nach wie vor illegalen KPD.
Im Kontrast zu der anfänglichen (vor allem auch personellen) Kontinuität zwischen Nazi-Staat und Nachkriegsrepublik baute jedoch die von 1949 bis 1963 von Kanzler Konrad Adenauer (CDU) geführte Regierung den Sozialstaat aus: vor allem mit der Rentengesetzgebung der 1950er Jahre (deren Grundzüge heute noch in Kraft sind). Hintergrund für diese (auch im internationalen Vergleich) beachtlichen sozialen Zugeständnisse an die weniger privilegierten Schichten der deutschen Gesellschaft war zum einen die christliche Soziallehre, die in den Gründungsjahren der CDU noch starke Resonanz an der Parteibasis fand – und natürlich die Wirtschafts- und Sozialgesetzgebung der ebenfalls 1949 gegründeten DDR, die grundsätzlich mit dem kapitalistischen System brach und eine „klassenlose Gesellschaft“ anstrebte. Um die „kommunistische Bedrohung“ in Schach zu halten, setzte das Regime Adenauers auf eine zweigleisige Strategie: einerseits (wie oben beschrieben) auf das Verbot der KPD, andererseits auf soziale Konzessionen, um die Millionen Arbeiterwähler, die es damals gab, bei der Stange zu halten – Letzteres ein Konzept, das in diesem Zeitraum in einer ganzen Reihe von westlich-kapitalistischen Gesellschaften Realisierung fand: „Ein zentraler Faktor (für die Etablierung des Wohlfahrtsstaates, N.F.) war die Existenz eines konkurrierenden ökonomischen Systems in der Sowjetunion und in Osteuropa. (…) Dies war eine wichtige Bedingung, um die kapitalistische Klasse im Westen dazu zu bringen, den Ansprüchen der Arbeiterbewegung entgegenzukommen.“(3)
Der alternative Nachkriegs-Traum: die DDR
Im Vergleich hierzu brach die Regierung des ebenfalls 1949 gegründeten ostdeutschen Teilstaates entschieden mit den Nazi-Traditionen im Staats- und Verwaltungsapparat, und synchron zu der Installierung einer Partei, die vorwiegend die Aufgabe hatte, ehemalige NSDAP-Mitglieder sozusagen zu „resozialisieren“ und zu „entnazifizieren“ (die „National-Demokratische Partei Deutschlands“, abgekürzt NDPD), wurde der Anti-Faschismus wichtiger Bestandteil der Gründungs-DNA der „Deutschen Demokratischen Republik“. Etliche führende Politiker der DDR waren ehemalige KZ-Häftlinge, und obwohl der Zusammenschluss von Ost-SPD und Ost-KPD zur SED sicherlich auch unter dem Druck der sowjetischen Besatzungsmacht zu Stande kam, gab es doch an der Basis beider Parteien vielerorts den echten Wunsch, die Spaltung der Arbeiterbewegung, die ganz offensichtlich die Machtübernahme der Nazis 1933 begünstigt hatte, zu überwinden. Bei den – auch nach dem Urteil etlicher westlicher Historiker – einigermaßen freien und demokratischen Landtagswahlen 1946 siegte die SED mit Stimmenergebnissen zwischen 45 und 50 %; Ost-CDU, Liberaldemokraten (de facto die Ost-FDP) und Wahlvorschläge diverser gesellschaftlicher Gruppen teilten sich den Rest.(4) Diese proportionale Verteilung der Kräfteverhältnisse zwischen den einzelnen Parteien wurde anschließend sozusagen „eingefroren“; ergänzt durch Vertreter von NDPD und „Demokratischer Bauernpartei“ kandidierte in der Folgezeit stets nur noch eine gemeinsame Liste der „Nationalen Front“, konkurrierende Listen wurden nicht mehr zugelassen. Bis zu den ersten kompetitiven Wahlen im Frühjahr 1990, nach dem Fall der „Berliner Mauer“, wurde der Verteilungsschlüssel auf dieser Einheitsliste nur minimal geändert, alle legalen Parteien bekannten sich zu dem von der SED vorgegebenen sozialistischen Gesellschaftsaufbau und partizipierten an der Regierungsführung.
Zweifellos war die DDR ein autoritärer Staat – aber dennoch sahen, vor allem in den ersten Jahrzehnten ihrer Existenz, etliche linke Intellektuelle in Ost und West (und wohl auch ein beträchtlicher Teil der DDR-Bürgerinnen und -Bürger) in ihr „das bessere Deutschland“.(5) Die Sozialgesetzgebung der ostdeutschen Teilrepublik kontrastierte von Anfang an auf positive Art und Weise mit der der westdeutschen BRD, und dass die Bildungspolitik in mancherlei Hinsicht vorbildlich war, geben heute auch westliche Autoren ohne Umschweife zu.(6) Natürlich gab es in den DDR-Schulen ein sehr beträchtliches Maß an ideologischer Indoktrination – aber der von „Totalitarismus“-Theoretikern jeglicher Couleur böswilligerweise gezogene Vergleich mit der Bildungspolitik der Nazis ist schlicht und einfach abwegig: Oder macht es etwa keinen Unterschied, ob ein Kind Völkerverständigung und Friedensliebe als Werte vermittelt bekommt – auf welche Art Weise auch immer – oder Rassenhass und Großmacht-Wahn? Die erstaunliche Immunität großer Teile der heutigen ostdeutschen Bevölkerung gegenüber dem allgegenwärtigen aktuellen Russland-Bashing erklärt sich wohl zu einem guten Teil aus den Ergebnissen von immerhin 40 Jahren marxistisch-leninistischer Erziehung – und vermutlich auch durch die Präsenz von über 300 000 sowjetischen Soldaten auf dem DDR-Territorium in jener Zeit. Auch wenn die Durchschnitts-DDR-Bürger in aller Regel wenig Kontakt zu ihnen hatten – die schlichte Erfahrung, dass diese Russen im Grunde genommen Menschen wie Du und Ich waren, wurde allem Anschein nach von vielen gemacht und mental positiv verarbeitet.
Die Gründe für den Zusammenbruch des DDR-Sozialismus 1989/90 wären eine eigene, umfangreiche Analyse wert, hier nur so viel: Das starre, hierarchische Planungssystem war nur sehr begrenzt in der Lage, die Konsumbedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen, das verkrustete politische System unterdrückte eine offene Diskussion über wirtschaftspolitische Alternativen (etwa die Einführung von Marktmechanismen), das allgegenwärtige (fast überall empfangbare) BRD-Fernsehen gaukelte den DDR-Bürgern ein westliches Paradies vor, das niemals auch nur im Ansatz der Realität entsprach. „Alles, was sie (die SED-Führer) uns über den Sozialismus sagten, war gelogen“, bilanzierte einmal ein kluger Ossi Jahre nach der „Wende“, „und alles, was sie uns über den Kapitalismus erzählten, war die reine Wahrheit“. Dass es im angeblich „goldenen“ Westen schlicht traurige gesellschaftliche Realität war und ist, dass Armutsrentner und -rentnerinnen in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen müssen, begriffen viele Ostdeutsche erst, als es zu spät war – als der Versuch, eine Alternative zum kapitalistischen Westen aufzubauen, im Mülleimer der Geschichte verschwunden war, gezielt entsorgt durch die politische und die ökonomische Elite des westdeutschen Rivalen.
Das Ende des Vollbeschäftigungskapitalismus
Und das, obwohl es, beispielsweise, in der DDR so gut wie keine Arbeitslosigkeit gab. Die wiederum begann in Westdeutschland ab der ersten „Ölkrise“ von 1973/74 ihr hässliches Haupt zu erheben, konnte aber bis 1980/81 durch staatliche Interventionen halbwegs unter Kontrolle gehalten werden. Nach dem zweiten „Ölschock“ im Zuge der politischen Verwerfungen im Iran und im gesamten Nahen Osten brachen dann jedoch sämtliche Dämme: Die Zahl der Arbeitslosen in der Bundesrepublik überstieg im Winter 1982/83 zum ersten Mal die Zwei-Millionen-Grenze – und sank bis zur „Wende“ 1989/90 nie wieder darunter.(7) Was auch immer man von Bundeskanzler Helmut Schmidt halten mag: Immerhin weigerte er sich damals, die rabiat neo-liberal inspirierten „Reform“-Vorschläge seines FDP-Koalitionspartners in die Tat umzusetzen (sie wären auf einen umfassenden sozialen Kahlschlag hinausgelaufen) und ließ im Sommer 1982 die sozialliberale Koalition über diese Frage platzen. Und auch wenn der neue Koalitionspartner der FDP, die CDU von Schmidts Nachfolger Helmut Kohl, ebenso wenig gewillt war, die Axt an die Fundamente des westdeutschen Wohlfahrtsstaates zu legen (nicht zuletzt auf Druck der so genannten CDU-Sozialausschüsse), sah doch die neue Regierung dem Anstieg der Arbeitslosenzahlen mehr oder weniger untätig zu und verschärfte die Lage auch noch durch eine Privatisierungspolitik, die tendenziell auf einen allgemeinen Rückzug des Staates aus der Wirtschaft abzielte. Im Winter 1984/85 überstieg die Zahl der Erwerbslosen die Zweieinhalb-Millionen-Grenze. Eine ganze Generation Jugendlicher war unter diesen Umständen dazu verdammt, sich in einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf um die vergleichsweise wenigen offenen Stellen zu stürzen – und sich oftmals damit zu begnügen, sich von einem Gelegenheitsjob zum nächsten zu hangeln. „Die Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden“ nannte das damals der Schriftsteller Georg Heinzen in einem Buch – und landete damit einen Bestseller.(8)
Dass – entgegen den Prognosen von Marx, Engels und Lenin – es durchaus möglich ist, auch unter kapitalistischen Bedingungen derartige ökonomischen Krisen weitgehend zu vermeiden, demonstrierte nach dem II. Weltkrieg die in der westlichen Welt fast flächendeckende Anwendung der wirtschaftspolitischen Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes (1883-1946): Im Gegensatz zu der kompromisslosen Sparpolitik, die nach der großen Depression von 1929/30 in den meisten kapitalistischen Metropolen praktiziert worden war, steuerte der Staat nun mittels Steuer- und Ausgabenpolitik die gesamtgesellschaftliche Nachfrage und sorgte dadurch für eine dauerhafte Beibehaltung der Vollbeschäftigung. „Wir sind nun alle Keynesianer“ titelte 1965 das amerikanische Time Magazine und hob damit auf den beispiellosen Erfolg dieser Politik in jener Zeit ab: Fast überall im hochentwickelten kapitalistischen Westen (Nordamerika, Westeuropa, Japan, Australien) boomte die Wirtschaft, stieg stetig der allgemeine Wohlstand, kannte man kaum noch Arbeitslosigkeit.(9)
Der Time-Journalist, dem dieser Titel eingefallen war, hätte allerdings nicht nur Keynes’ Schriften, sondern auch die von Michal Kalecki studieren sollen. Der polnische Ökonom Kalecki (1899-1970) war – zeitgleich und unabhängig von Keynes – zu ganz ähnlichen Schlüssen gekommen, die staatliche Steuerung einer kapitalistischen Wirtschaft betreffend. Als erklärter Marxist ging er jedoch davon aus, dass politische Entscheidungen in einer kapitalistischen Gesellschaft nie „neutral“ und „unabhängig“ gefällt werden, sondern stets Klasseninteressen und gesellschaftliche Kräfteverhältnisse widerspiegeln. Grundsätzlich, so Kalecki, sei es zwar möglich, mittels staatlicher Maßnahmen Krisen in einer kapitalistischen Ökonomie weitgehend zu vermeiden – und eine Zeitlang sei dies auch eine Art „Win-Win“-Situation für die sich ansonsten antagonistisch gegenüberstehenden sozialen Klassen: Wirtschaftswachstum und eine hohe Konsumnachfrage sorgen für sprudelnde Gewinne für die Unternehmer, eine stabile Job-Situation für einen steigenden Wohlstand bei Arbeitern und Angestellten. Auf längere Sicht hin, so Kalecki, verändere dies jedoch das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit, zu Ungunsten der Kapitalisten: Ein leergefegter Arbeitsmarkt führe zu exorbitanten Lohnsteigerungen (und damit auch zu einem hartnäckigen Inflationsdruck) – und zu einem allgemeinen Rückgang der Arbeitsdisziplin. Mit anderen Worten: Der Plebs wird in zunehmendem Maße nicht nur wohlhabend, sondern auch noch faul und aufsässig – und so etwas geht in den Augen der Unternehmer natürlich unter gar keinen Umständen. Kalecki: „Unter den Bedingungen einer lange andauernden Vollbeschäftigung verliert das disziplinierende Element der Entlassung eines Arbeitnehmers seine Wirksamkeit. Die Machtposition des Bosses wird unterminiert und das Selbstbewusstsein und das Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse werden gestärkt. Streiks für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen bringen Instabilität. (…) Der Klasseninstinkt der Unternehmer suggeriert ihnen, dass eine andauernde Vollbeschäftigung für sie unvorteilhaft ist.“(10)
Eine wirtschaftswissenschaftliche „Zeitenwende“
Und so kam es in den 1970er Jahren zu einer Art „Zeitenwende“ in den Wirtschaftswissenschaften: Von einer „natürlichen Rate der Arbeitslosigkeit“ (etwa 4 bis 5 %) wurde ab jetzt gefaselt und davon, dass eine gewisse Erwerbslosigkeit in einer Marktwirtschaft ja geradezu segensreiche Auswirkungen habe – sie halte den Lohndruck im Zaum und damit auch die Hauptursache für die Inflation, die in jenen Jahren die Ökonomien der meisten westlichen Industriegesellschaften plagte. Überhaupt wurde allerorten nun der Rückzug des Staates aus der Wirtschaft gefordert, der „freie Markt“ richte es schließlich viel besser als jegliche Intervention einer Regierung.(11) Die FDP in Deutschland, seit jeher eine entschiedene Verfechterin einer möglichst unregulierten Ökonomie, radikalisierte sich wirtschaftspolitisch und wechselte schließlich (1982) den Koalitionspartner; zusammen mit CDU und CSU regierte sie bis 1998.
Flankiert wurde diese Generalattacke auf den Vollbeschäftigungskapitalismus in zunehmendem Maße von der infamen These, Arbeitslose seien ja im Grunde genommen an ihrem Schicksal selbst schuld – in Gesetzesform gegossen wurde sie ausgerechnet von der angeblich eher „linken“ Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Vizekanzler Joschka Fischer (Grüne), die 1998 die CDU/CSU/FDP-Koalition ablöste. Die bisherige Arbeitslosenhilfe wurde abgeschafft und durch eine neue Grundsicherung lediglich in Höhe der bisherigen Sozialhilfe ersetzt, hinzu kamen „Zumutbarkeitsregeln“, die jeden Erwerbslosen dazu zwangen, de facto jede ihm angebotene Arbeit anzunehmen (so genannte „Hartz 4“-Reform). Es war der Anfang vom Ende des deutschen Wohlfahrtsstaates – und der Sozialdemokratie als Volkspartei. Die dadurch begünstigte (und politisch gewollte!) Entstehung des größten Niedriglohnsektors in Europa(12) ließ in den 2000er Jahren die deutsche Exportwirtschaft boomen und senkte dadurch die Arbeitslosigkeit, jedoch nur um den Preis einer zunehmenden Verarmung immer breiterer Schichten der Bevölkerung.
Das Arbeitslosen-Bashing der neoliberalen Ökonomen und der von ihnen mit Argumenten versorgten Mainstream-Parteien erreicht aktuell, unter der Regierung Merz/Klingbeil, eine neue Stufe der Intensität: Die geplante Reform der Grundsicherung für Erwerbslose wird, nach allem, was bisher bekannt ist, noch wesentlich repressiver ausfallen als Schröders ursprüngliche „Hartz 4-Reform“. Unter den Rahmenbedingungen einer abschmierenden Ökonomie werden die Ergebnisse einer derartigen Politik dann wohl noch desaströser sein als in den letzten 20 Jahren: eine sich rasant ausweitende soziale Kluft und eine dramatische Verarmung – auch von großen Teilen der bisherigen unteren Mittelklasse. All diejenigen, die in Zukunft ihren Job verlieren, finden sich nach einer kurzen Schonfrist im sozialen Bodensatz wieder. Und eine Erholung der Wirtschaft, die, zumindest der Theorie nach, neue Arbeitsplätze schaffen könnte, ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Exorbitante Energiepreise in Deutschland (aufgrund der so genannten „Energiewende“ und dem politisch gewollten Verzicht auf billige russische Energie) rauben den deutschen Exportfirmen die Wettbewerbsfähigkeit, und der heimische Markt ist aufgrund der (ebenfalls gewollten) Absenkung der Binnennachfrage nicht in der Lage, dies auszugleichen. Die Zahl der Firmen-Insolvenzen explodiert derweil, und immer mehr Unternehmen kündigen für das Jahr 2026 Massenentlassungen an. Die versprochenen Investitionen in die staatliche Infrastruktur, finanziert durch eine gigantische Neuverschuldung, lassen unterdessen auf sich warten; die freiwerdenden Mittel werden stattdessen zu einem beträchtlichen Teil dafür genutzt, Haushaltslöcher zu stopfen(13) und die Ukraine-Hilfen aufzustocken.
Der repressive Staat
Aber es war nicht nur der Nachkriegs-Traum vom allgemeinen Wohlstand, der sich in den letzten Jahrzehnten in nichts auflöste. Zwar war, wie oben beschrieben, die Bundesrepublik Deutschland nie die großartige liberale Demokratie, als die sie sich selber verstand – aber der Mief der ultrakonservativen Adenauer-Jahre verflüchtigte sich doch deutlich im Zuge der Jugendrevolte ab 1967/68 und der damit einhergehenden Kulturrevolution. Für eine bestimmte (relativ kurze, aber intensive) Zeitspanne stand der Zeitgeist eindeutig „links“: Die aufbegehrenden Studenten entdeckten die marxistischen Klassiker neu, „proletarische“ Parteien gründeten sich zuhauf und der Schlachtruf „Mehr Demokratie wagen!“ war in aller Munde. Doch die kurze Liberalisierungsphase fand schon 1972 ihr jähes Ende.
Der so genannte „Radikalenerlass“, verabschiedet von einer Ministerpräsidentenkonferenz unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt, verengte den Spielraum dessen, was gesagt und getan werden durfte, signifikant: Jeder Bewerber für den Öffentlichen Dienst musste künftig „die Gewähr dafür bieten, sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzusetzen“, sprich: durfte nicht Mitglied oder Aktivist einer „extremistischen“ Partei sein. Die Verfassungsschutzämter des Bundes und der Länder waren dazu aufgerufen, „Erkenntnisse“ hierfür zu sammeln, zu denen sich der Kandidat für den Staatsjob zu äußern hatte; gelang es ihm nicht, Zweifel an seiner „Verfassungstreue“ auszuräumen, wurde er nicht eingestellt.
De facto war dies ein Berufsverbot für angebliche „Extremisten“, und als solches wurde es auch ein Schlagwort, unter dem sich eine breite gesellschaftliche Protestbewegung gegen diese Gesinnungsschnüffelei sammelte. Das mühsam konstruierte Bild eines neuen, liberalen Deutschlands im Ausland bekam erste Risse. Dass Bundeskanzler Brandt seine Zustimmung zu diesem Regelwerk Jahre später als „Fehler“ bezeichnete, machte die gezielte Zerstörung der Zukunftsaussichten für Hunderte von Betroffenen nicht rückgängig. Theoretisch richtete sich der „Radikalenerlass“ gegen „Extremisten“ von links und rechts, faktisch waren allerdings ausschließlich Mitglieder und Sympathisanten von linken Gruppierungen, allen voran der DKP, betroffen.
Noch viel dramatischer waren die Auswirkungen der „Anti-Terror-Gesetze“, die zur Verstärkung des staatlichen Kampfes gegen die Stadtguerilla der „Roten Armee Fraktion“ eingesetzt wurden, auf das allgemeine politische Klima. Ursprünglich entstanden als der äußerste linke Flügel der Protestbewegung gegen den Einsatz der US Army in Vietnam, erklärte die RAF der Bundesregierung ab 1970 förmlich den Krieg und nahm Militäreinrichtungen der USA und in zunehmendem Maße auch Repräsentanten der politischen und ökonomischen Elite der BRD ins Visier. Ohne diese Aktionen (die sich schon nach wenigen Jahren in Banküberfällen zwecks Geldbeschaffung und in immer brutaleren politischen Morden erschöpften) relativieren oder gar verharmlosen zu wollen: In einer ganzen Reihe von anderen Staaten waren in jener Zeit linksorientierte Stadtguerilla-Gruppierungen entstanden, die den bewaffneten Kampf gegen ihre jeweilige Regierung propagierten (etwa die Roten Brigaden in Italien, der „Front de Libération de Québec“ in Kanada, der „Weather Underground“ in den USA) – aber nirgendwo reagierte der Staat auf diese militante Herausforderung so gnadenlos repressiv wie im damaligen Westdeutschland. Elementare rechtsstaatliche Prinzipien (wie etwa das Recht, jederzeit Zugang zu einem Rechtsbeistand zu haben) wurden für inhaftierte Aktivisten der RAF aufgehoben, die Gerichtsverhandlung gegen die RAF-Führer Andreas Baader und Ulrike Meinhof ähnelte auf beunruhigende Art und Weise einem öffentlichen Schauprozess, an den Universitäten begann eine erbarmungslose Hatz auf „Sympathisanten“, und die Umstände des Todes von Baader und zwei Mithäftlingen im Hochsicherheitsgefängnis in Stuttgart-Stammheim im Herbst 1977 sind bis heute nicht restlos aufgeklärt.(14) Der Privatkrieg der RAF gegen den Staat (Heinrich Böll: „der Krieg der sechs gegen die 60 Millionen“) und dessen Antwort darauf veränderten das Land – und wahrlich nicht zum Guten.
Repression im Deutschland des 21. Jahrhunderts
Auch wenn die RAF ihren bewaffneten Kampf erst 1999 endgültig einstellte – in den 1990er Jahren öffnete sich das Meinungsspektrum in dem (nun wiedervereinigten) Deutschland wiederum ein Stück weit. Zum ersten Mal seit 1953 saß wieder eine (post-)kommunistische Partei im Deutschen Bundestag (die PDS), und lange Zeit war sie die einzige wirkliche Opposition in diesem Gremium. Gewichtige Verstärkung erhielt sie in den 2000er Jahren – durch dissidente Sozialdemokraten, die durch die Schröder’schen „Hartz-Gesetze“ das Erbe von Willy Brandt verraten sahen. In der Legislaturperiode 2013-2017 fungierte die deshalb in „Die Linke“ umbenannte PDS sogar als offizielle Opposition (als stärkste Nicht-Regierungspartei); in jeder Plenardebatte antwortete ihr jeweiliger Fraktionschef (bzw. Fraktionschefin) als erster Redner der Bundeskanzlerin Angela Merkel und profilierte sich damit als (man verzeihe die etwas polemische Etikettierung) „Her Majesty’s Loyal Opposition“.
Der Einzug der AfD in den Bundestag verschärfte die Polarisierung der politischen Auseinandersetzung dann über Nacht: Vor allem Sozialdemokraten, Grüne und Linke sahen nun „Nazis“ im deutschen Parlament, mit allerlei Tricks wurden die Rechte der neuen stärksten Oppositionspartei beschnitten (bis heute durfte sie beispielsweise noch nie einen Bundestags-Vizepräsidenten stellen). Der beispiellose Corona-Ausnahmezustand 2020-2022 schließlich weitete die öffentliche Ächtung politisch unkorrekter Positionen weit über die AfD hinaus auf noch breitere Schichten der Bevölkerung aus: Nunmehr war nicht nur jeder ein „Nazi“, der Zweifel am Segen einer Masseneinwanderung in das Territorium der Bundesrepublik äußerte, sondern auch jeder, der die (zeitlich unbefristete!) Aufhebung elementarer Grundrechte (Bewegungsfreiheit, Berufsfreiheit, Demonstrationsfreiheit) nicht so toll fand – oder nur einfach Angst vor den medizinischen Nebenwirkungen eines nur provisorisch getesteten Impfstoffes hatte. Nach der Scholz’schen „Zeitenwende“ 2022 gesellten sich dann auch noch die „Lumpenpazifisten“ zu den Aussätzigen – und wurden gar noch durch Kriminalisierung bedroht: Jede öffentliche Rechtfertigung der Invasion der russischen Armee in die Ukraine im Februar 2022 ist in Deutschland laut herrschender juristischer Meinung ein Straftatbestand (und die Repressionsschraube droht sich immer weiter zuzuziehen: Mit der Begründung, mit der vor ein paar Monaten dem Kandidaten der AfD die Bewerbung für den Oberbürgermeisterposten in Ludwigshafen untersagt wurde, kann in Zukunft jede Kandidatur einer „extremistischen“ – sprich: missliebigen – Partei in Deutschland de facto verboten werden).(15)
Kein „Volk der guten Nachbarn“ mehr
Begonnen hatte die Abkehr der bundesdeutschen Politik von der in den Anfangsjahrzehnten bewusst praktizierten militärischen Zurückhaltung bei internationalen Konflikten nicht erst mit Olaf Scholz und Boris Pistorius, sondern schon in den 1990er Jahren: mit dem Einsatz der Bundeswehr (die laut Grundgesetz ursprünglich eigentlich nur zur Landesverteidigung eingesetzt werden durfte) in multilateralen, von den Vereinten Nationen abgesegneten „Friedensaktionen“ in Krisengebieten. Alle Dämme brachen dann 1999 mit dem Kosovo-Krieg: Zum ersten Mal nach 1945 bombardierte die deutsche Luftwaffe eine Stadt im benachbarten Ausland (Belgrad). Und als sich die Bundeswehr gar an dem – von der UNO nicht genehmigten – Kampf gegen die Taliban in Afghanistan beteiligte, verstieg sich der damalige SPD-„Verteidigungs“-Minister Peter Struck zu einer Aussage, die glatt als der dümmste Spruch des gesamten Jahrzehnts durchgehen könnte: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“ 59 Bundeswehrangehörige kamen im Krieg gegen die Taliban ums Leben, es war die bisherige Höchstzahl von toten deutschen Soldaten seit dem Beginn der Bundeswehr-Auslandseinsätze 1992.(16)
Zwar verteidigt die Bundeswehr das Vaterland derzeit (noch?) nicht im Donbass, aber die militärische Hilfe für die Ukraine, die im Frühjahr 2022 ganz harmlos mit der Entsendung von Schutzhelmen für die dortige Armee begann, ist inzwischen bei der Diskussion über eine eventuelle Lieferung von hochmodernen, weit reichenden Taurus-Marschflugkörpern an Kiew angelangt. Welche absurden (und hochgefährlichen) Ausmaße die gigantische Hochrüstung inzwischen in Deutschland angenommen hat, ist ja mittlerweile schon oft dokumentiert worden und braucht deshalb hier nicht mehr aufgelistet werden. Unter dem neuen Bundeskanzler Friedrich Merz sabotiert die deutsche „Diplomatie“ die Bemühungen des US-Präsidenten Donald Trump, ein Ende des Ukraine-Krieges zu erreichen, wo sie nur kann; die Bevölkerung in Deutschland wird derweil auf „Kriegstüchtigkeit“ getrimmt; auf allen Mainstream-Medien-Kanälen tobt sich mittlerweile eine nur noch völlig irrational zu nennende Russophobie aus. Und Merz ist dabei noch nicht einmal der aggressivste aller warmongers: Um diesen Titel kämpfen seit fast vier Jahren Roderich Kiesewetter (CDU), Toni Hofreiter (Grüne), Boris Pistorius (SPD) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Ganz vorn im Rennen liegt derzeit der CDU-Mann: Unverhohlen ruft er zum Angriff auf Moskau mit deutschen Raketen auf. Was soll das sein? Rache für Stalingrad?
So gut wie nichts ist heute, im Jahr 2025, übriggeblieben von dem einstigen Nachkriegs-Traum der meisten Deutschen: in einem Land zu leben, das gekennzeichnet ist von allgemeinem Wohlstand, von friedlichen Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten und von einer freiheitlichen inneren Verfassung. Und die einzige Hoffnung ist inzwischen nur die, dass vielleicht doch noch das Allerschlimmste, der worst case, vermieden werden kann: ein Nuklearkrieg auf diesem über Jahrhunderte hinweg mit Blut getränkten Kontinent. Denn wir befinden uns, man mache sich da nichts vor, inzwischen in einer Art Vorkriegssituation – und die führenden Repräsentanten dieser unserer Republik werden nicht müde, uns das pausenlos in die Ohren zu hämmern. Doch da, wo immer von Krieg die Rede ist, bricht er letztendlich irgendwann einmal auch aus – das lehrt uns die historische Erfahrung, insbesondere die des Abgleitens in den Ersten Weltkrieg 1914. „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“, postulierte einst Bundeskanzler Willy Brandt in seiner ersten Regierungserklärung. Wie wahrscheinlich ist es, ein solches Statement jemals aus dem Mund eines Friedrich Merz oder eines Lars Klingbeil zu hören?
Fußnoten
1) Die auf den Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes resultierende Politik, mittels staatlicher Steuerung wirtschaftliche Krisen abzufedern, wurde in der BRD bereits vor dem Wechsel im Amt des Bundeskanzlers 1969 praktiziert: durch den sozialdemokratischen Wirtschaftsminister Karl Schiller in der Regierung der „Großen Koalition“ aus CDU/CSU und SPD (1966-69): „Karl Schillers ‚verspäteter‘ Keynesianismus“, www.linksnet.de
2) Maximilian Brose, „Wie Altnazis und Mitläufer den neuen Staat aufbauten“, Deutschlandfunk Kultur, 2. November 2022
3) Asbjörn Wahl, „Class Struggle and the Welfare State“, Jacobin, 6. Februar 2021
4) „Landtagswahlen in der SBZ 1946“, https://de.wikipedia.org
5) Ein spätes, dafür aber um so exemplarischeres Statement dieser Art ist der Vortrag von Matthias Krauß auf der Konferenz „Die DDR in der gesamtdeutschen Geschichte“ der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin am 26. Oktober 2021: Internationale Forschungsstelle DDR
6) Etwa Wiebke Ziegler und Andrea Oster, „Alltag in der DDR“, Planet Wissen
7) „Registrierte Arbeitslose und Arbeitslosenquote nach Gebietsstand“, Statistisches Bundesamt
8) Georg Heinzen/Uwe Koch, „Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden“, Rowohlt Verlag, 1985
9) Henrik Müller, „Müssen wir wieder Keynesianer werden?“, Manager Magazin, 30. Oktober 2008
10) Michal Kalecki, „Political Aspects of Full Employment“, Political Quarterly 14/4, 1943, S. 322 ff.
11) Didem Tüzemen, „A New Estimate of the Natural Rate of Unemployment“, Economic Bulletin, 29. November 2017. Der absolute Guru aller Anhänger des völlig freien Marktes ist natürlich Milton Friedman, etwa mit seinem Buch „Capitalism and Freedom“, Chicago University Press, 1962
12) „6,3 Millionen Menschen arbeiten für Niedriglohn“, Tagesspiegel, 6. Dezember 2025
13) „Bundeshaushalt 2026: Wie Schwarz-Rot mit dem Sondervermögen Haushaltslöcher stopft“, Institut der deutschen Wirtschaft, 13. September 2025
14) In seinem Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ (Hoffmann und Campe, Erstauflage 1985, später etliche Neuauflagen) vertritt der Journalist und Publizist Stefan Aust entschieden die (offizielle) Theorie, Baader und seine RAF-Mithäftlinge hätten in Stammheim Selbstmord begangen – interessanterweise sprechen allerdings viele Indizien, die er dafür anführt, eher für ein Fremdverschulden. Die These, Baader & Co. seien (von wem auch immer) ermordet worden, schließt beispielsweise Pieter Bakker Schut absolut nicht aus („Stammheim – Die notwendige Korrektur der herrschenden Meinung“, Neuer Malik Verlag, 1986), desgleichen Helge Lehmann, „Die Todesnacht in Stammheim“, Pahl-Rugenstein Verlag, 2011
15) Ulrich Stein, „Billigung der Ukraine-Invasion? Warum das ‚Z‘-Symbol jetzt strafbar ist“, LTO, 16. März 2022
16) „Todesfälle der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen“, https://de.wikipedia.org





Guter Text, der die ‚großen Linien‘ wirklich und akkurat nachzeichnet. So war das und so ist es – leider.
Dem möchte ich mich unbedingt anschließen: vielen Dank an den Autor für diese präzise Zusammenfassung!
Den Text habe ich mir abgespeichert. Auch von mir ein „Danke!“
Wirklich gut!
Ein wirklich hervorragender Text, der Pflichtlektüre sein sollte auch für angehende Politiker, die sich Vernunft und Gerechtigkeit auf die Fahne schreiben. Vielen Dank!
Nicht 1975, sondern 1933!
Was prallel zur Militarisierung und Kriegsgeilheit passiert ist wahrlich beängstigend!
https://www.nachdenkseiten.de/?p=144135
Du sollst Dich ja auch ängstigen ☝
Schon vergessen, die britische „Regierungs-Chats“ in 2020?
„….frighten them out their pants“
Lachen ist auch hier die beste Medizin 😉
„Um die „kommunistische Bedrohung“ in Schach zu halten….“…….ja ja Adenauers „Soffjets“….
„Die „christliche“ Adenauer-Regierung mit Schreibtischmörder Globke nahm bei ihrer Kommunistenjagd selbst auf jene keine Rücksicht, welche unter der Hitlerdiktatur bereits jahrelang in Zuchthäusern und KZs gelitten hatten.“
https://www.rotfuchs.net/rotfuchs-lesen/adenauers-jagd-auf-die-unter-hitler-gejagten.html
Allerdings ließ sich mit den alten Nazis auch ein „Sozialstaat“ aufbauen. Nach dem verlorenen Krieg sahen sie sich in einer Volks- und Schicksalsgemeinschaft, da sorgten sie sich um ihre Volksgenossen – was den EU-„Nazis“ von heute fremd ist. Die haben andere Sorgen.
Adenauer war ein Deutsch-Nationaler und „Neu-Transatlantiker“, klar paktierte er lieber mit den alten Nazis als mit Menschen, die unter dem Naziregime inhaftiert waren, „wir“ wissen es nicht ob der „Sozialstaat“ mit Sozialisten/Kommunisten nicht auch geklappt hätte. Die Aufarbeitung wäre in jedem Fall besser gewesen als die unter
den CDU/CSU, FDP, SPD.
Adenauer wollte keine Opposition, „seine“ Vorstellung der Neuausrichtung von (BRD) Deutschland sollte nicht gefährdet werden.
Und leider haben die „Soffjets“
es ihm leicht gemacht, das Verbot der KPD wäre nicht notwendig gewesen, siehe Spanien, Italien… .!
Ach nee, das Opfer ist schuld .. kennen wir, aber Antikommunismus kennt keine Schamschranken.
Tatsächlich war das KPD-Verbotsverfahren, mit vorausgegangenen Verbot der FDJ ein Putsch gegen das Grundgesetz, denn die KPD war Verfassungspartei. Von der etwas grossmäulige Parole vom „revolutionären Sturz des Adenauuerregimes“ war sie ohnehin abgerückt.
Das KPD-Verbot mit der damit einhergehenden Repressionswelle steht im Zusammenhang mit der Wiederbewaffnung und der Schaffung der Bundeswehr(macht).
In Spanien wurden zu jener Zeit Kommunisten von der faschistischen Francodiktatur ermordet, in Italien war die PCI schlicht zu gross und einflussreich.
Der Niedergang Deutschlands fing mit der SPD Regierung an. Brandt musst statt „mehr Demokratie wagen“ den Radikalenerlass durchsetzen, und nahm die Guillaume Intrige zum Anlass, zurückzutreten. Die Kanzlerschaft von Helmut Schmidt war eine Katastrophe, gekennzeichnet durch Demokratieabbau, Idiotenabitur zur Kaschierung der Arbeitslosigkeit, Schuldenpolitik, sinnlose Konjunkturprogramme, die nur China nützten, und das Kapern eines entführten Flugzeugs in Mogadischu, bei der er das Leben der Geiseln aufs Spiel setzte, was aber mit dem Glück des dümmsten Bauern gut ging. Dann begann die Globalisierung, die nichts mit Handel zu tun hat. Die Abschaffung von Zöllen. dient den Konzerne zur Verlagerung die Produktion in Niedriglohnländer und Import der Produkte. Das ist HANDEL MIT SICH SELBST. Macht natürlich Sinn, weil die Waren im Inland relativ günstig mit großem Profit verkauft werden konnten. Ruiniert auf Dauer die einheimische Wirtschaft, erzeugt Massenarbeitslosigkeit. Deutschland war daher auf Export angewiesen und musste die Einkommen senken, wozu „Lohndisziplin“ und Einwanderung aus Niedriglohnländern zur Errichtung eines Niedriglohnsektors und Einsparung von Ausbildungskosten dienten.
Das Ganze wurde festgeschrieben als die 4 Grundfreiheiten der EU, nämlich Freier Personenverkehr,
Freier Dienstleistungsverkehr, Freier Warenverkehr und Freier Kapitalverkehr.
Den anderen Eu Geberländern geht es auch nicht gut. Die Nehmerländer kaschieren ihre Arbeitslosigkeit durch Auswanderung, wobei die Auswanderer dann Geld nachhause schicken.
Unter diesen Bedingungen ging in der BRD jedes Arbeitsethos verloren! Außerdem dachte man in den Parteien anfangs, man müsse gut regieren, um wieder gewählt zu werden und zu bleiben. Später erkannte man erstens, dass viele Wähler immer dieselbe Partei wählen, egal wie schlecht sie regiert, und zweitens, dass man auch kommen kann, um zu gehen, es lohnt sich auf jeden Fall.
Natürlich….
Und wozu das ganze Theater?
Genau….
Man sieht es im Jetzt & Hier.
Mich beschäftigt mehr als alles andere die Frage, woher der neue hemmungslose Militarismus stammt, der seit einiger Zeit alles vergiftet. Ausnahmsweise kann ich daran einmal nicht Frau Merkel und ihren Kreaturen die Schuld geben, oder unterliege ich einem fundamentalen Irrtum? War er latent immer vorhanden und hat sich nur jetzt angesichts begünstigender Umstände (Ukraine) wieder ans Tageslicht gewagt?
Merkel war auch ein Rädchen im geostrategischen Militärisierungsprozess: Laut eigener Aussage hat sie mit den Minsker Vereinbarungen der Ukraine Zeit zur weiteren Aufrüstung verschafft – um gegen Russland in Stellung zu gehen.
Gut möglich, aber die „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands war offensichtlich nicht eines ihrer Ziele, falls sie solche überhaupt je hatte.
Die Kriegstüchtigkeit Deutschlands war aber eine zwangsläufige Folge nachdem die Ukraine als Rammbock gegen Russland in Stellung gebracht wurde. Die Eskalationsspirale ging eindeutig vom Westen aus – und sie geht weiter.
Aber wer war dabei die treibende Kraft? Die Merkelregierung anscheinend noch nicht.
Die treibende Kraft für „Freiheit und Demokratie“ in der Ukraine waren eindeutig die USA und unsere Transatlantiker. Laut Nuland hat der Staat USA bis 2014 fünf Milliarden US-Dollar für Propaganda in westliche Werte in der Ukraine ausgegeben, dazu kommen weitere Milliarden von westlichen Milliardären wie Soros. So wurde die Ukraine reif gemacht für eine Farbrevolution auf dem Maidan.
Ganz klar, Börsen… Finanzkapital ..
@ kilegefaan: woher der teutsche Mili -tarismus kommt? – lügt in den Genen der
teutschen Führer
Die jetzige Kriegslüsternheit ist aber nicht auf Deutschland beschränkt, sondern findet sich in zahlreichen europäischen Ländern.
Wer bei Militarismus mit Genen argumentiert, der argumentiert rassistisch.
@ garno: man könnte auch sagen, sie sind so. (= die politische und wirtschaflliche Elite) Vielleicht kommt diese irre Kriegstreiberei vom Rinderwahnssinn.
Nein, die Kriegstreiberei gründet im universalen Anspruch westlicher Werte. Wobei westliche Werte auch nur die Rechtfertigung für westliche Herrschaft mit ihren Ausbeutungsstrukturen von Mensch und Natur sind.
Kapitalismus führt zyklisch immer zum Krieg!
“
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.
Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!
Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
– und es ist sein Beruf etwas zu wollen –
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!
Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.
Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.
Selbst Geist und Güte gibt’s dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.
Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut – es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
“
Erich Kästner
„Dass – entgegen den Prognosen von Marx, Engels und Lenin – es durchaus möglich ist, auch unter kapitalistischen Bedingungen derartige ökonomischen Krisen weitgehend zu vermeiden,…“
Welch grandiose Illusion. Der ‚Neuanfang“ war nur möglich, weil vorher die Krise mit ihrem Krieg Platz für Investitionen schuf, also eine Bestätigung von Marx, Engels und Co. Die hier aufgestellten Thesen ähneln dem Kumpel im freien Fall: Bis hierher ging’s gut!
Für mich als Ossi war die Aufschwungphase der BRD nichts anderes als die Vorbereitung eines neuen Anlaufs gen Ost, auch Brandt und Co unternahmen in ihrer Zeit zum großen Teil bewusst ihre Rolle bei der Remilitarisierung des deutschen Aggressionspotenzials.
Nostalgie ist hier unangebracht.
Ossis, ihre Fähigkeiten in Sachen Dialektischen Denken… wirklich einmalig auf diesen Planeten o))
Mein Hinweis soll nicht suggerieren, dass Ossis die besseren Denker wären. Sie haben aber ein Rüstzeug bekommen, die Gesellschaft im dialektisch-materielistischen und historischen Zusammenhang zu erkennen. Allerdings haben relativ wenige das Angebot angenommen. Den „Erkennenden“ wiederum sind andere Grenzen gezogen, durch den „Marxismus -Leninismus“, der Marxens grundlegende Erkenntnis vom Wert ins Abseits stellte, weil die Zeit wohl noch nicht reif für eine Revolution der Produktionsweise war und der Leninismus auf eine „Sozialistische Warenproduktion“ hinleitete, Marx zuwider.
Dabei ist zu verzeichnen, dass fast ausschließlich Wessis in die Tiefen der Werttheorie von Marx zurück fanden, außer Rolf Hecker kein einziger Theoretiker aus dem „sozialistischen Lager“ sonst.
Anmerkung zur Bundeswehr: Wenn die Möchtegern-Wehrmacht die Grenzen Russlands/ Weißrusslands überschreitet, hört Deutschland auf zu existieren. Das sollte den rot/grün/braun/ gelb/schwarz/regenbogenfarbenen Idioten in deutschen Parteizentralen, Medien, Parlamenten permanent ins Hirn gehämmert werden. Und die traurigen Figuren der deutschen Generalität, die von der Siegesparade auf dem roten Platz in Moskau träumen, die gehören in die geschlossene Psychiatrie.
Und ja, die BRD heute schließt an das faschistische Deutschland vor dem 8.5.1945 an. Es sind ja auch die gleichen Kreise der Oberschicht, die heute das Sagen haben, die den 2.WK fast Schadlos überstanden haben. Der gleiche Geist, die gleichen Ziele…und der gleiche Rassismus…
Ein Problem ist für mich, das die Kriegsgeneration nicht mehr da ist!
Die wussten nun schon, was Krieg bedeutet, die derzeitige Politikergeneration offenbar nicht!
„Natürlich gab es in den DDR-Schulen ein sehr beträchtliches Maß an ideologischer Indoktrination “
Alles was damals gelehrt wurde ist heute eingetreten.
Eventuell hätte ein wenig davon dem Autor auch gut getan..o)))
Und was gar keine Erwähnung fand, die Entwicklung der Finanzindustrie, obwohl Sie doch die primäre Ursache war für die ganze Entwicklung, Untergang DDR und Bürgerkrieg in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion ..
Als man Mitte/Ende 70er die Bilanzierungspflicht für Kapitalanlagen einschränkte in einer USA, wurde diese ganze Entwicklung losgetreten, Spekulanten an die Macht o(
Kapital blähte sich förmlich auf eine Größe auf, die nicht mehr gedeckt werden konnte von den Fähigkeiten und Möglichkeiten realer Produktionen.
US Politik in Zeiten der Teilung Deutschlands war entscheidend für den Wohlstand einer BRD und den Problemen einer DDR.
CoCom Liste zb …
“ Bekannte Beispiele für Embargoverstöße durch BRD-Firmen lieferten etwa
Siemens
Hoesch
Horn & Görwitz
Diebold Deutschland
Leybold-Heräus
Mannesmann
Rohde & Schwarz. “
Und die ganze Wohlstands-Entwicklung alleine als Erfolge von Parteiarbeit uns verkaufen zu wollen (BRD) schon ein wenig mehr als Naiv..
Der Autor billigt Ihnen echte Macht zu, die aber niemals real war . Die wirkliche Macht hatten andere.
Und ob das eine gute Idee war , ehemaligen KZ Häftlinge reale Macht in Ihre Hände zu geben, (DDR) und das auch noch zeitlich unbegrenzt, solch Art Traumas (W2k) sind kaum heilbar, und so war es nur eine Frage der Zeit bis nachvollgende Generationen zunehmend dem alten Feindbild der Antifaschisten entsprachen. Auch mich erklärte man zum „Feind“ der Gesellschaft in einer DDR als ich 16 Jahre alt wurde in der U Haft…
Diese alten Staatsanwälte, ich sehe heute noch den Hass in Ihren Augen als Sie Ihre Anklageschrift zelebrierten vor Gericht, während ein alter Kommunist Uns 2 aufrecht verteidigte, den man Uns als „Pflichtverteidiger“ zur Seite stellte. Aber am Ende mussten Wir ins Gefängniss für eine bestimmte Zeit, mit allen Konsequenzen.
Und ich dachte vorher immer mit meinen 16 Jahren ,das Kommunisten und SEDler für das gleiche stehen, naiv wie Ich war..
Es liegt in den Genen der Deutschen , Ihre Angst vor echter Demokratie, gelebten Pluralismus. Immer schon wurde deren Ausgansbasis auf den Altar irgendwelcher “ Parlamentarischer Gebilde“ politischen Kompromissen zuliebe geopfert, die der Meinstream dann den Menschen als Wohltat echter Demokratie verkauft/e.
In der Summe aber , waren das alles noch Folgen eines fürchterlichen Krieges, ich könnte nicht einmal den Staatsanwälten von damals einen Vorwurf machen. Wer kann es ihnen verübeln, nachdem was Sie an Unmenschlichkeit ertragen mussten, das Sie Ihr restliches leben einem einzigen Ziel opferten, eine Wiederholung zu verhindern.
Einem Herr Merz aber zb , kann Ich Vorwürfe dieser Art aber machen, Er war nie betroffen von den Folgen eine W2K in irgendeiner Form , und daher stört Ihn das alles wohl weniger was Menschen erleben mussten im Kontext von Folgen eines fürchterlichen Krieges.
Wohlstand, Armut, Krieg, Frieden, all das wird von denen entschieden , die über das dazu notwendige Kapital verfügen. Und zu dieser Gruppe gehören Politiker traditionel weniger ..
Und aus dieser, man könnte fast schon schreiben “ reaktionären Ausgansbasis“ wurde eine EU erschaffen, um wie der Meinstream schreibt “ den Frieden in Europa zu sichern“ .. o(((
Danke für Ihre Geschichte!
Ich habe für das Verhalten der Behörden und Politiker damals wie heute die Erklärung eines überstarken Konformismus vor allem der Eliten, d.h. man will den geltenden Vorgaben unbedingt nachkommen, um dazuzugehören und damit der Privilegien des Dazugehörens teilhaftig zu werden.
Dieser Konformismus ist und war in D immer schon sehr ausgeprägt und nur während glücklicher Momente einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung (60-er bis Anfang 70-er Jahre) wenig bis nicht spürbar.
Mich haben schon immer die Fehler von Menschen eigentlich weniger Interessiert, dafür um so mehr die Motive dieser o))
Natürlich stimme Ich Dir zu in Sachen “ überstarken Konformismus“ , aber meinen Beobachtungen nach geht das tiefer, zb Beamtenrecht usw ..
Anfang 70er waren auch DDR cool, da waren zb noch echte Produkte (Importe) noch aus dem kapitalistischen Ausland in DDR Läden zu finden, gerade um diese Zeit Apfelsinen aus Spanien, und die waren lecker o))))
Das waren noch Folgen Ulbricht Politik, Erich führte aber diese Art Politik nicht fort , leider o(
Die neuen Leute an der Macht hatten einfach Angst etwas falsch zu machen, waren altdeutschen Untertanengeist gewohnt und wollten vielleicht den neuen Staat ihre Loyalität dadurch beweisen, das sie den harten Hund machten. Ähnliches Verhalten findest du auch in westlich-kapitalistischen Unternehmen. Hier müssen neue Chefs auch erst mal den starken Maxe nach oben zeigen indem sie ein paar Leute rausschmeisen. In deinen Fall waren die Konsequenten dieser deutschen Duckmäuserei leider sehr viel schlimmer, weil die Staatsanwälte natürlich mehr Macht hatten. Macht korrumpiert immer, wenn du sie nicht streng kontrollierst.
Zur Ehrenrettung der DDR muß man allerdings sagen die stalinistischen Prozesse mit ihren grausamen Exzessen wie in der UdSSR gab es so in der DDR nicht.
Menschen wie der aufrichtige Kommunist als Pflichtverteidiger, Menschen mit aufrechten Gang, sind ganz selten, in allen Systemen, aber es gibt sie.
deckt sich mit meinen Ansichten …
„Menschen wie der aufrichtige Kommunist als Pflichtverteidiger, Menschen mit aufrechten Gang, sind ganz selten, in allen Systemen, aber es gibt sie.“
Ich hatte totale Achtung vor diesem Mensch, hat mich fasziniert ….
Die Staatanwälte, das war alles alte Garde die den krieg miterlebt haben, und das Leid das Er über die Menschen brachte.
Von der Schule die kamen erst zur Wende rum . Michael Benjamin hat das gut auf den Punkt gebracht, letzte DDR Justizminister, “ Gewaltfrei Strafen“ war seine Vision von Judikative . Auch so ein Mensch, den ich bewunderte , weil herausragenden Intellekt und aufrichtig , der aber leider viel zu früh starb .Solche Wir Er standen für eine lebenswerte Zukunft ..
Die Geschichte ist unvollständig und unverständlich, wenn Sie der Leserschaft den Grund der Verurteilung vorenthalten.
wollte damals nach Kanada unter dem Motto , Jugend forscht o)))
§213 mit 16?! Erstaunlich.
Frohe Weihnacht.
Damit ist das Rübermachen „Republikflucht“ gemeint, §213 StGB der DDR („Ungesetzlicher Grenzübertritt“)
Seit 1975 war die Bedingungslose Kapitulation erst dreißig Jahren vergangenen, zwei deutsche Staaten standen sich in zwei Systemen bis an die Zähne bewaffnet gegenüber,
eine Abrüstung und die Wiedervereinigung war ein ferner Traum.
Und 2025 scheiß auf den Frieden und Wohlstand, die Eliten könnten auch so in ihre Atombunker’s (Nuclear Vault) gehen, und dort für den Rest ihres Lebens bleiben für eine Unterhaltung mit der neusten KI wird gesorgt.
Ein Atombunker ist meine Vorstellung der Hölle (vielleicht ist das ja auch die biblische Hölle – die Qualen dort stelle ich mir entsetzlich vor). Draußen atomar verseuchtes Chaos und innen eingesperrt, keine Freiheit, keine frische Luft, keine Natur, immer nur die gleichen Pappnasen zu sehen und das bis zum Tod. Nein, danke. Diese Leute sind derart phantasielos, dass sie gar nicht verstehen, in welches furchtbare Gefängnis sie sich begeben würden. Die halten das selbst jetzt für luxuriös, aber es würde die absolute Hölle werden. Ehrlich, da ziehe ich es vor, in Sekundenbruchteilen im Atompilz zu verglühen.
„und dort für den Rest ihres Lebens bleiben “
Frage mal ehmalige Gefängniss Insassen wie diese über solch Art „Bunker-Leben“ denken o)))))
Ein leben ohne jeglichen Sinn, welchen Wert hat ein Leben dann noch ?
Mythen in Tüten: In der DDR haben sich die Nazis einfach in Luft aufgelöst.
Wer Menschen Ihre lernfähigkeit abspricht, ist wohl einem Nazi-Dasein näher als Er sich je eingestehen könnte o))))
EIner DDR ging es weniger um „Nazis“ dafür mehr um “ Kriegsverbrecher“ …
Und wer zwischen beiden keine Unterschiede ausmachen kann, für den wäre das Drücken einer Schulbank angebracht..
Da hat keiner behauptet. Diese Aussage entspringt ausschließlich ihrer Fanatasiewelt.
„Mythen in Tüten:“
https://www.youtube.com/watch?v=7kcLjYR4nAc&list=RD7kcLjYR4nAc&start_radio=1
Wie das passieren konnte? Wenn Wahlkämpfe nicht um „Wohlstand für alle“, sondern um Transformationen, Energiewenden, Zeitenwenden, „strategische Automomie“ und Kampf gegen Rechts geführt werden, brauch man sich über die Erosion des Wohlstands für alle nicht zu wundern.
Der Autor gefällt mir und ich möchte ihn, was ich sehr selten tue (dumme Lobhudelei) für seine Beitrag ausdrücklich loben. Er ist mir schon durch seinen Artikel zu Sri Lanka positiv aufgefallen.
Zum Inhalt später mehr!
Ich halte den Artikel als eher müden Bericht eines Musikjournalisten der auch nur den Zustand beschreibt, den wir alle seit spätestens im Frühjahr 2020 kennen sollten.
Wer die Ärzte und Fanta 4 gut findet ist sowieso gut raus.
Ich hatte immer schon gegen die geschrieben, kann ich alles nachweisen.
Also ist der Autor auch nicht sonderlich integer…Musikjournalist halt…hab nichts aufrührerisches gefunden von ihm.
@Motonomer
Und jedes Jahr auf’s Neue entdeckt ein junger Mensch mehr sein Interesse für Politik, Geschichte und alternative Medien. Und er kommt hier vorbei, liest diesen Text, und erkennt viele Dinge, die er so vorher noch nicht wusste.
Und jetzt her mit dem Fisch, ich hab Hunger!
In ein paar Tagen ist dieser Themenbaum eh Geschichte.
Bei der inflationären Menge dieser immer wiederkehrenden Themen findet man sowieso nichts mehr.
Ich bin hier wohl einer der ganz Wenigen, der ab und zu noch ein paar Themenbäume pflegt, respektive ergänzt, wie bspw. um den Themenbaum, wo es um Fefe geht.
„Ich bin hier wohl einer der ganz Wenigen, der ab und zu noch ein paar Themenbäume pflegt…“
Wär ich mir nicht so sicher:
erst neulich konnte man eine Grundsatzdiskussion über theoretische Physik verfolgen, bei der @ratzefatz, @Qana und @El-G sich gefühlt zwei Wochen lang nichts geschenkt haben.
Hab immer mal mitgelesen.
Läuft die fefe-Diskuusion noch?
Antwort gerne mit Link.
Hier der Link zu Fefe:https://overton-magazin.de/kommentar/kultur-kommentar/was-ist-los-mit-felix-von-leitner/
Ja, den habe ich auch mitverfolgt, aber das ist auch wohl der Einzige, bei dem es so der Fall war.
THX!
Ein sehr guter Artikel.
Den Ansprüchen der Arbeiterbewegung sehr weit entgegenzukommen, würde ich präzisieren.
Aber die Kernaussage, die übrigens nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch alle anderen gesellschaftlichen Bereiche wie beispielsweise die Friedensbewegung umfasst, trifft haargenau zu. Spätestens seit der Schröder/Fischer-Ära 1999/2000 ist die Wende deutlich zu sehen (Hartz4, Natokrieg gegen Jugoslawien).
/
Deutschland wurde als Schaufenster des Westens grandios herausgeputzt, um den Ostblockländern – insbesondere der DDR – zu zeigen, wo der vergoldete Hammer hängt.
Nach dem Fall der Ostblockländer zeigt sich der nunmehr zunehmend verblüfften Altbevölkerung des grandiosesten Deutschlands aller Zeiten, dass man einen Goldüberzug sukzessive, allerdings unter teils schmerzhaften und sichtbaren hässlichen Spuren, auch wieder ‘runterkratzen kann; – übrig bleibt der metallene (Sozial-, Human-, Friedens-) kalte Hammer.
Vor allem gab’s nach 1945 noch eine Arbeiterbewegung – im westeuropäischen Ausland.
Schauen wir auf die Wahlergebnisse der kommunistischen Parteien als einen Indikator:
– Frankreich, KP mit 28% stärkste Partei bei den Wahlen 1946; daraufhin an der Regierung beteiligt
– Italien 19% bei den Wahlen 1946; eine Koalitionsregierung mit den Sozialisten scheiterte knapp
– Belgien 13% (1946); Minderheitsregierung gemeinsam mit den Sozialisten
– Niederlande 10,5% (1946)
So sehe ich das auch. Nach dem Fall der Mauer hat man den Kapitalismus quasi „von der Leine gelassen“. Seitdem zeigt er (Abermals! Man denke an das späte 19./ frühe 20. Jahrhundert) sein wahres Antlitz!
Guter Beitrag!
Danke
Anmerkung auch für @Besdomny
Der Kampf gegen den Kommunismus, gegen die Ideen des Kommunismus und der Sozialdemokratie wurde auf verschiedene Weise geführt. Zum Beispiel Gladio in Italien, Putsch in Griechenland usw.
Tja das war Zbigniew Brzeziński Strategie ,,,, Polen geboren o)))
Er war es der den Ostblock zu Fall brachte. Nachdem der Ostblock gefallen war, brachte man Ihn zu Fall o(
@Dan
Du bist auf der richtigen Spur: Der Untergang der DDR (und des Ostblocks) hatte keine ideologischen Ursachen, sondern ganz simple materielle. Die Wirtschaftssysteme in Ost und West befanden sich im Wettkampf. Und da stand das Ost-System von Anfang an auf verlorenem Platz, da die Startbedingungen sehr zu Ungunsten des Ostens waren: Dem Mangel an Kapital, das für wirtschaftliche Entwicklung entscheidend ist. Die DDR musste sich im Westen verschulden und geriet so in die Schuldenfalle, aus der sie nicht mehr herauskam, ganz ähnlich wie das heute den Ländern des globalen Südens ergeht, aber immerhin haben die heute eine Alternative zum Westen als Kapital-Quelle, nämlich China.
Das war lesenswert.
Jetzt ein paar inhaltliche Bemerkungen.
Für einen Westdeutschen zeigt der Autor viel Verständnis für mein verstorbenes Land, über dessen Untergang noch viel zu diskutieren wäre. Aber auch westdeutsche Gewerkschaften erkannten, bei den Verhandlungen saß unsichtbar die DDR mit am Tisch. Was der DDR fehlte war ein Deng Xiiping. China hatte natürlich nie das Grenzproblem. Der Mauerbau ging ja, wie sich jetzt herausstellte, auf eine Absprache von USA und UdSSR zurück.
Was mir fehlte ist das der Autor mit keinen Wort auf die „besonderen Beziehung“ zwischen den westdeutschen Teilstaat und Israel einging. Adenauer unterzeichnete 1953 das sog. Wiedergutmachungsabkommen mit Israel um den deutschen Ruf in der Welt zu verbessern. Bis 1967 war die BRD der wichtigste Waffenlieferant von Israel und trug mit Frankreich dazu bei, das Israel in den Besitz von Atomwaffen kam. Das der Autor dies überging führe ich auf seine westdeutsche Sozialisation zurück und empfehle in seinen Landsmann, der allerdings in Hongkong lehrt und dort hinzugelernt hat, Daniel Marwecki „Absolution“ zu lesen
https://www.wallstein-verlag.de/9783835355910-absolution.html
Wenn er den Marwecki „Die Welt nach den Westen“ in seine Sichtweise aufnimmt, dann ist der Autor für mich „perfekt“ Smile
Das ist ein eigenes Thema, für die ideologische Ausrichtung der BRD und der USA bedeutend, die ab Mitte der 50er Jahre erkannten, dass man auf dem Ticket Israel als Humanist fahren und eigene Verbrechen gegen die Menschheit verstecken kann.
Allerdings: Auch für die DDR war das Verhältnis zum Antisemitismus in Deutschland und zu Israel schwierig. Viele Juden erhielten ihr „arisiertes“ Eigentum nicht zurück. Viele jüdischen Opfer wurden unter dem Begriff Antifaschisten dem tatsächlichen historischen Verständnis entzogen. Später unterschied man zwischen Opfern und Kämpfern, ohne die Juden als besondere Opfergruppe zu erwähnen. Und ungefähr zur gleichen Zeit fanden in der UDSSR die Ärzteprozesse und in der CSSR die Slanskyprozesse statt – mit Todesurteilen gegen die jüdischen Angeklagten. Es war der jüdische Kosmopolitismus, der aus früheren Verbündeten Klassenfeinde machte
Herr Faulhaber hat sich hier eine wichtige, ja verdienstvolle, aber auch wahrlich sehr große Aufgabe gestellt, nämlich fast
80 Jahre deutscher Geschichte – dazu auch noch zeitweise auf zwei Staaten verteilt – Revue passieren zu lassen, um auf diese Weise herauszuarbeiten, wie sehr sich die heutigen Verhältnisse in negativer Weise von den Verhältnissen vor 50 Jahren unterscheiden.
Es liegt in der Natur der Sache, dass dieses Vorhaben auf zehn zehn oder zwölf Seiten schwerlich vollständig zu bewerkstelligen ist, aber ich will jetzt nicht groß bekritteln, was womöglich da und dort fehlt. Man spürt jedenfalls, dass es dem Autor darum gegangen ist, einen einseitigen Blick zu vermeiden. Dies verdient Anerkennung, da es insbesondere heute selten versucht wird. Dass ihm die Ausgewogenheit hier und da für meine Begriffe doch nicht ganz so gelungen ist, schmälert den Wert des Ganzen nur teilweise und soll hier auch nicht problematisiert werden.
—
Entscheidend ist der vernünftige und richtige Grundgedanke, auf die negative Veränderung, ja den längst unübersehbaren geradezu dramatischen Niedergang der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse hinzuweisen und die heutigen Verhältnisse mit jenen besseren aus den 1970er und 1980er Jahren zu vergleichen.
Das Traurige ist bekanntlich, dass man heute im Grunde schon mindestens 50 Jahre alt sein muss, damit man noch deutlich andere Verhältnisse kennen gelernt haben kann und die Tristesse der Gegenwart als das begreifen kann, was sie ist.
Wer heute erst 25 oder 35 Jahre alt ist, dem fehlt – von Ausnahmen abgesehen – schlichtweg der Vergleichsmaßstab der eigenen Erfahrung.
Man könnte dies etwas pointiert und polemisch auch als den heutigen Makel der Jugend bezeichnen.
Es ist offensichtlich, dass diese Mühe eines erheblichen Teils der erwachsenen Bürger, die Gegenwart mittels eines Vergleichs richtig einordnen zu können, selbst ein erhebliches Problem darstellt und es den Mächtigen erleichtert, ihre Narrative mittels der Medien dem Volk einzutrichtern.
Diese Träume waren doch schon Ende der 80er begraben. Wir erinnern uns mal daran, da dieses Jahrzent bis heute mit und von dem aktuellen Dudelfunk verklärt wird. Denn je schwieriger die Zeiten sind, desto schleimiger, kitschiger und pathetischer ist die populäre Musik. Traditionelle Liedermacher überlebten oft nur aufgrund staatlicher Kulturförderprogramme, trotz „Neuer Deutscher Welle,“ einer Musikmarktbereinigung, die keiner so hätte kommen sehen, da die Trends dort fest von den transatlantischen Monopolen vorgegeben wurden.
Die durchschnittliche Ausrüstung des Gymnasiasten bestand aus Markenklamotten von Vanilla, Diesel, Pash, Levis oder halt auch Doc Martens sowie Totschläger und Butterfly, wobei Letzteres sich eher an Crocodile Dundee zu orientieren hatte, als an der Gesetzeslage. In anderen Schulformen kamen noch Schlagringe und Wummen dazu.
Bei den Kinderdiscos im Jugendclub wurde indes mehr Pfefferspray ausgetestet.
Der Walkman wurde zum neuen Alltagsbegleiter. Neben dem Kopfsalat aus der Glotze kam also noch Bandsalat dazu.
Das jüngere Volk splittete sich meist anhand von Musik auf, jedoch auch nach politischen Kontexten. So gab es nicht nur an jeder Schule Punks, Heavies, Goths, Skins, Sharp Skins, Psychos, Teds (Rockabillies), Popper (Hip Hopper zählten damals dort rein) Graue Wölfe und Hools, wobei die Majorität eindeutig die Heavies stellten. Alle diese lustigen Gruppierungen waren sich nicht gerade friedlich gegenüber gesinnt. War man zur passenden Zeit am falschen Ort, gab es ordentlich eins auf die Mütze,
Flankiert wurde das explosive Gemisch von bleiernen Jahren des Dicken, der analog zu seinem Ziehmädchen regierte.
Auf dem Land machten Wehrsportgruppen mobil, die FDP propagierte eine freie Marktwirtschaft nach US-Vorbild, während Gewerkschaften eher für den Erhalt der Betriebsräte kämpften, als für die Mitarbeiter und die Arbeitskämpfe in den quer subventionierten Industrien verloren gingen, weil Staat und Eliten mal wieder auf die falschen Pferde gesetzt hatten. Erste Kommunen waren durch den Zuzug von fliehenden Afrikanern überfordert. Hier erzielten dann Parteien wie REP und DVU erste Erfolge.
Die Medien kopierten immer noch lustig alte Amiformate, weil die Bevölkerung wirklich dachte, da würde etwas für sie gesendet. Der Unterschied zwischen dem ÖR und den Privaten betrug 20 Jahre. Im ÖR dudelten die Abklatsche des Amifunks der 50er und 60er und bei den Privaten die der 70er und 80er.
Der WDR sinnierte über die Endlösung des Ruhrpotts und flankierte das mit Dokus über abgeschobene Entwickler in die USA. Führerschein mit 16, 7er BMW mit ultrararer Sonderausstattung in Leder und 2 x im Monat mit der Concorde rüber ins heißgelobte Amiland. So konnte das also aussehen, wenn sich eine Firma wirklich für einen interessierte, Die kamen nicht mehr wieder.
Gleichzeitig blies man schon damals in Horn der teuren Sozialausgaben, allerdings wohl wissend, dass man noch die Konkurrenz vor der Tür hatte. Der Spruch: „Dann geh doch nach drüben!“ war keine Seltenheit.
Der DAX feierte Rekorde, indem er mal wieder nicht die 4000 Punkte knackte.
Das Land befand sich wirtschaftlich in der selbst verschuldeten Stagnation und Perspektivlosigkeit.
Viele Firmen leisteten sich noch Lagerhaltung, aber den Güterverkehr auf die Schiene wollten sie dann doch nicht favorisieren, obwohl die DB damals tatsächlich oft pünktlich war. Es kam allerdings auch etwas auf das Gut an. Das verstrahlte Molkepulver von Tschernobyl wurde mit Zügen immer noch quer durch die Bundesrepublik geschippert. Wahrscheinlich fahren diese Züge auch noch heute. Butter hat man auf diese Art nach Brüssel gekarrt, damit man sie nicht verschenken oder vernichten musste. Dort gab es sonst nix, aber Butterberge konnten die.
Medial gesehen, waren die 80er eine Vollkatastrophe. Hätte es nicht den Scheibenwischer oder einige Comedyformate des WDR gegeben und sehr spät in den 80n dann noch das Format ZAK, man müsste Loblieder auf das Testbild singen.
Gut waren ansonsten nur 50 Prozent der Musikformate.
Die halbe Republik suchte Professor Brinkmann im Schwarzwald, während der Rest Lindenstraße feierte,
Da kann dann auch ein Schimanski nix mehr reißen.
Dampfplauderer kannte man nur als Sportkommentatoren. Die hat man mit der Gasfanfare einfach niedergehupt.
Der Klassenfeind von drüben rettete uns mal kurz vor ersten Klimakatastrophe, indem er FCKW-freie Geräte erfand. Ganz ohne Amikitsch.
Dann kam die Wende.
Die entscheidenden Fehler passierten in den 80ern. Die gut (aus)gebildeten Leute hat es tatsächlich auch gegeben. Sie wurden aber nie zum tragenden Motiv für den Staat oder das Unternehmertum.
@juri nello
Sie winden sich um die eigentliche Frage herum:
War das Leben in Westdeutschland in den 1980ern besser oder schlechter als heute?
—
Dass die Zeiten nie ideal und perfekt sind, das ist sowieso klar.
Ja.
Was die DDR wirklich leistete war gut an den graugesichtigen, mangelernährten, bedrückten Gestalten zu sehen, die 89 hier aus den Bahnhöfen strömten um sich das Begrüßungsgeld, die erste Banane und einen Blick auf Überfluss und Dekadenz abzuholen.
Eine miese Unterdrückungs und Belehrungsdiktatur, die an meiner dortigen Verwandschaft heute noch sichtbare Spuren hinterlassen hat.
Ein Zwangsstaat erster Klasse – sonst nichts.
„graugesichtigen, mangelernährten, bedrückten Gestalten“
Du hast echt einen an der Klatsche.
Der hat da bestimmt was verwechselt…. 🙂
@Ja…
Musst du hier auf „Overton“ wirklich mitteilen, dass du völlig bescheuert bist? Kannste deinen nicht vorhandenen Intellekt nicht für dich behalten.
„Nein“!
Hier dein 🐟
Du lügst doch.
Der gemeine Ossi im obligaten Nikki konnte doch gar keine Banane von einer Gurke unterscheiden:
https://shop.titanic-magazin.de/meine-erste-banane.html
.
ok könnte man so sehen als ich die ganzen Übergewichtigen in den alten Bundesländern das erste mal zu Gesicht bekommen habe o))
@Ja: „Eine miese Unterdrückungs und Belehrungsdiktatur“
Beschreibst du damit die aktuelle Situation im liberalen Westen?
Ein sehr guter Artikel. Aus meiner Sicht der Dinge begann, wie bereits erwähnt, der Wahnsinn der industrielle Eliten und ihrer politischen Vertreter damit das jede Vorstellung was Krieg bedeutet mit dem verschwinden der Generation die den Krieg kannte.
Kohl und Lafontaine hatten die Auswirkungen des Krieges noch erlebt.
Merz Hofreiter und die anderen kennen den Krieg aus den Erzählungen der Opas die klangen wie die Landser Hefte.
Es ist ein Drama aber es gibt keine Antikriegsbewegung die den Namen verdienen würde, die paar übriggeblieben aus der DKP, aus der SPD und aus diversen anderen Gruppen haben nicht mehr die Kraft. Jede Form der Opposition gegen den Krieg ist aus den Massenmedien verschwunden. Das BSW war eine Hoffnung die nach Thüringen, Brandenburg und den Positionen im Wahlprogramm für Baden-Württemberg nicht mehr existiert. Hans Joachim Wunderlich hat ja hier darüber geschrieben. Leider versagen auch die Gewerkschaften wie IGM und teilweise auch die Führung der Verdi.
Wobei bei VER.DI zumindest in einzelnen Bezirken Arbeitsgruppen für Frieden existieren etwa in München und Stuttgart ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt ja noch.
Aber auch ein Alptraum Merz der letzte Kanzler bevor es Deutschland nicht mehr gibt das Land hätte was besseres verdient.
Der Artikel, in dem sich das Wichtigste wiederfindet (einzig die Verurteilung antifaschistischer Widerstandskämpfer der KPD zu Gefängnisstrafen durch Richter, die ehemalige NSdAP Mitglieder waren, hätte noch eine Erwähnung verdient), bedürfte nach meiner Meinung eines erweiterten Bezugsrahmens.
Etwa so:
Die BRD, durch die USA als ihr Hauptvasall gegen die Sowjetunion aufgebaut und weitgehend gelenkt, kontrolliert, verlor ihre Funktion nach deren Untergang. Jetzt hieß die Devise: Auflösung der Nationalstaaten weltweit und Installation geopolitischer Steuerungsinstrumente (ideologisch und militärisch), um die endgültige Herrschaft einer im Weltmaßstab operierenden Oligarchenclique zu verwirklichen. Mit der Auflösung der Nationalstaaten werden aber auch die letzten Reste demokratischer Selbstbestimmung und die bürgerlichen Freiheitsrechte abgeschafft – in diesem Prozess befinden wir uns derzeit. Es handelt sich um eine Art Refeudalisierung unter Bedingungen technologisch vervollkommneter Produktion und Gedankenkontrolle.
Schland ist krank: Galloppierende Demenz, gepaart mit einer freiwillig gewählten Dr. Seltsam-Regierung.
Bevor es allerdings in die Anstalt kommt, muss diese noch gebaut werden. Schau´ mer mal…
Wir kommen nicht in die Anstalt, wir werden in die Tonne getreten.
Gegenüber feinunzigem, reinem Gold ist der gemeine Diamant bisher noch relativ wertlos, weil er sich unter Zuhilfenahme von normalen Reaktoren auf bis zu 18000 Karat recht einfach und lupenrein künstlich komprimieren lässt, wobei es sich dabei nur um ordinären Kohlenstoff handelt. Atomares Gold zu gewinnen, ohne die natürlichen Vorräte desbezüglich vollends auszubeuten, erscheint deutlich schwieriger. Hoffentlich gelingt es alsbald, so viel Gold künstlich herzustellen, dass sich dessen kapitalmarktbedingte Anhäufung nicht mehr lohnt.
Gold war Kriegszeiten und danach immer gutes Zahlungsmittel für Tabak o))))
Stimmt! Die meisten Nikotinabhängigen geben ihr Gold immer sofort für Tabak oder Nikotinpflaster aus.