China wird die USA nicht als Welthegemon ablösen – China ist anders

Himmelstempels in Beijing
Himmelstempels in Beijing, Foto von Robert Fitzthum

Viele werfen in globalpolitischen Fragen China mit den USA und Russland in einen Topf. Aber für Beijing kommt eine neue unipolare hegemoniale Governance oder eine G2 mit den USA nicht in Frage. China hat nie die These akzeptiert, dass ausnahmslos jedes Land, sobald es stark genug ist, nach Hegemonie streben wird. Was strebt China stattdessen an?

„Die USA ist ein Papiertiger.“ – das hat sich schon weltweit herumgesprochen. Er hat noch scharfe Zähne, aber die werden ihm der Reihe nachgezogen werden.

Die reichen Länder des Westens verhalten sich trotz des Aufkommens starker multipolarer Strömungen nach wie vor wie bisher, nämlich den eigenen Vorteil zu suchen auf Kosten des Globalen Südens und der Schwellenländer. Die amerikanische Politik versucht überhaupt alle abzuzocken, ob Globaler Süden, ob die sogenannten Partner, besser Vasallen genannt, wie die EU und ihre Mitgliedsstaaten, Japan, usw. Die USA nehmen sich Anleihen bei Goethe, sowohl im Außenpolitischen als auch in inneren Skandalen: „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“

Die Welt braucht eine neue Global Governance, eine Steuerung, die definiert wie Macht ausgeübt und wie Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden, Probleme gelöst werden. Diese neue Global Governance muss die Interessen aller Länder berücksichtigen, gerecht sein, langfristig multipolar orientiert und vor allem auf die Interessen der einfachen Menschen ausgerichtet.

China ist anders – Kritik der realistischen geopolitischen Theorie des „es sind ohnehin alle Großmächte gleich“ machtgeil

Dass China sich anders verhält als Washington oder Russland wird im Westen geleugnet oder nicht verstanden. Sowohl der der großartige globalpolitische Theoretiker Prof. John Mearsheimer, ein Anhänger der realistischen Herangehensweise an internationale Politik – es ist ein Vergnügen, seine scharfen Analysen der Weltlage anzuhören – als auch der bekannte norwegische Prof. Glenn Diesen, der sich mit seinem interessanten Podcast große Verdienste um politische Aufklärung erwirbt, können China und die chinesische Außenpolitik nicht richtig einschätzen. Das deshalb, da sie die von Hans Morgenthau Anfang der 1940er Jahre entwickelte realistische globalpolitische Herangehensweise vertreten, dass die Politik zwischen Staaten von unterschiedlichen unveränderlichen Naturgesetzen geleitet wird.

Im Mittelpunkt von Morgenthaus Theorie stand nach der Definition der Encyclopaedia Britannica „das Konzept der Macht als dominierendes Ziel in der internationalen Politik und die Definition des nationalen Interesses in Begriffen der Macht.“ Das bedeutet: Außenpolitik bestimmt Innenpolitik.

Es gibt aber kein ehernes historisches oder Naturgesetz, das vorschreibt, dass eine aufstrebende Großmacht wie China unweigerlich Macht und Hegemonie anstreben wird. Diese Annahme repräsentiert lineare Extrapolationen aus den Erfahrungen der Vergangenheit und basiert auf Erfahrungen aus Kolonialismus und katastrophalen (Welt-) Kriegen zwischen hegemonialen imperialistischen Mächten. China ist eben anders.

Staaten haben Klassencharakter

Die bürgerlichen Wissenschafter verstehen nicht, dass die Politik eines Staates abhängig ist vom Charakter des Staates, der Staat ist ein Klassenstaat, der von den bestimmenden Mächten eines Landes geführt wird. Im Kapitalismus vertritt der Staat das Interesse des Großkapitals, Finanzkapitals, ein sozialistischer Staat wie China hingegen vertritt die Interessen der Gesamtheit des Volkes, basierend auf Arbeitern, Angestellten und Bauern. Das Interesse des Finanzkapitals, der Plutokraten, usw., ist es die internationale Macht des eigenen Staates zwecks Profitmaximierung und Erweiterung der Einflusssphären abzusichern. Das Interesse des Volkes hingegen ist eine Verbesserung der Lebensbedingungen und Frieden. Dementsprechend unterschiedlich schaut Außenpolitik aus.

Ein Verständnis des Klassencharakters eines Staates – gemäß der marxistischen historisch-materialistischen Analyse von Marx – und dem Verständnis, dass die Außenpolitik von den inneren Machtverhältnissen eines Staates abhängt, ist eine wichtige Voraussetzung, um die Entwicklungen zu verstehen.

Wie ist die chinesische Haltung in Bezug auf die Entwicklung einer neuen Global Governance zu verstehen, wird sich China mit den USA die Welt aufteilen?

China arbeitet in bestimmten Bereichen mit den USA zusammen. Es versteht die Erhaltung von kooperativen Beziehungen zwischen den Großmächten als ganz wesentlich um Frieden zu erhalten. Dabei geht es vor allem um China unmittelbar betreffende Fragen, also den Versuch amerikanische Export-Embargos für technische Produkte zu reduzieren, Spannungen im südchinesischen Meer und um Taiwan nicht eskalieren zu lassen – dafür gibt China bis jetzt den USA gewisse Seltene Erden, die die USA dringend benötigen, wobei die Vereinbarung am 10. November 2026 ausläuft.

Aber eine Zusammenarbeit mit den USA erfolgt nicht zu Lasten anderer Staaten, die um ihre Rechte und Sicherheit kämpfen, wie der Iran, Russland, Palästina u.a. China, der größte Handelspartner Irans, hat auch z.B. die US-Forderungen nach Zusammenarbeit bei neuen illegalen Sanktionen gegen den Iran sofort abgelehnt.

China hat oft und oft sein eindeutiges Engagement ausgedrückt, andere Länder in Entwicklung bei ihren Bemühungen zu unterstützen, die nationale Souveränität zu verteidigen, die nationale Wirtschaft zu entwickeln und Imperialismus, Kolonialismus und Hegemonismus zu bekämpfen.

Beijing strebt keine „G2“ an, die Trump vorgeschlagen hat, mit dem Ziel, dass die USA und China sich die Einflusssphären aufteilen. Damit würde sich China auf denselben hegemonialen Status wie die USA stellen und die USA hätte einen Hebel sich China gefügig zu machen.

Für China kommt auch keine Dreierbeziehung USA-Russland-China als Welt-Governance in Frage. Europa erwähne ich deshalb nicht, da es aufgrund seines Vasallenverhaltens gegenüber den USA und seines wirtschaftlichen und politischen Abstiegs keine eigenständige globalpolitische Bedeutung und Macht hat.

China hat sich an Deng Xiaopings Worte gehalten

Der große chinesische Staatsmann und Reformer Deng Xiaoping hat schon am 9. April 1974 in einer großen Rede vor der 6. Sondersitzung der UN-Generalversammlung die chinesische Position dargelegt: „China ist keine Supermacht, noch wird sie jemals versuchen, eine zu sein. Wenn China eines Tages seine Farbe ändern und sich in eine Supermacht verwandeln sollte, wenn auch China den Tyrannen der Welt spielen sollte und überall andere ihrem Mobbing, ihrer Aggression und ihrer Ausbeutung aussetzen sollte, dann sollten die Menschen auf der Welt China als Sozialimperialismus identifizieren, es  entlarven, sich ihm widersetzen und mit dem chinesischen Volk zusammenarbeiten, um es zu entmachten.“

Beijing versteht die Lektionen der Geschichte des Vereinigten Königreichs, der Sowjetunion und der USA – dass die Hegemonie das Vorspiel zum Abstieg ist.

„Höre was er sagt und beobachte, was er tut“ ist ein chinesisches Sprichwort, das man auf den Unterschied zwischen Worten und Taten anwenden kann. Und natürlich muss man auch China daran messen. Aber China hat sich an Deng Xiaopings Worte gehalten. China hat sich seitdem als ein nicht aggressives, friedliches Land entwickelt, es hat seit Jahrzehnten keine Kriege geführt. Es sieht sich als Teil und Beschleuniger einer multipolaren, demokratischen Weltstruktur, unter besonderer Berücksichtigung des Globalen Südens.

Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten!

Obwohl es in den Vereinten Nationen viele Probleme gibt, ist Beijing der Meinung, dass man aus den Blockaden, Querschüssen und der Negierung des Völkerrechts einer Handvoll Outlaw-Staaten nicht den Schluss ziehen darf, die Organisation als solche aufzulösen. Man muss die internationalen Organisationen nutzen, um Druck auf die Blockierer und Kriegstreiber auszuüben. Die Vereinten Nationen haben heute 193 Mitglieder. Basierend auf der Kaufkraftparität macht der Globale Süden jetzt über 60 Prozent der Weltwirtschaft aus und trägt 80 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum bei, mit mehreren Entwicklungszentren in verschiedenen Regionen. Das ist eine große und einflussreiche Gruppe.

Die UN sind die umfassendste, repräsentativste und maßgeblichste internationale Organisation, und das UN-zentrierte internationale System spielt eine unersetzliche Rolle in der Globalen Governance.

Wie kommen die Willigen zu einer neuen Global Governance?

China ist nicht für eine völlige Zerstörung und Neuentwicklung eines Global Governance Systems, sondern, wie es im kürzlich erschienenen White Paper der Regierung „Gerechtere und ausgewogenere Global Governance: Chinas Prinzipien, Vorschläge und Maßnahmen“ heißt:  „Stattdessen, als Internationale Gemeinschaft, müssen wir uns auf die Reform und Verbesserung der bestehenden Systeme konzentrieren um sie kompatibler und auf die Realitäten der Welt ausgerichtet zu machen, Governance-Defizite aus einer Entwicklungsperspektive ansprechen und auf den Ruf der Zeit mit einer Vision für Fortschritt antworten.“ Vor allem der Globale Süden muss gehört und Demokratie in den internationalen Beziehungen ausgebaut werden.

Die Global Governance Initiative

Im Jahr 2025, anlässlich des 80. Jahrestags des Sieges im Globalen Krieg gegen den Faschismus und die Gründung der UNO, schlug Präsident Xi Jinping eine neue Initiative vor, die Global Governance Initiative (GGI). Die GGI soll einen chinesischen Vorschlag für die Lösung für die beiden drängenden Fragen bieten: Welche Art von globalem Governance-System sollte eingerichtet werden und wie die globale Governance reformiert und verbessert werden kann.

Die GGI basiert auf folgenden Prinzipien und Zielen;

  1. Verpflichtet bleiben der Gleichheit der souveränen Staaten
  2. Verpflichtet bleiben der Rechtsstaatlichkeit auf internationaler Ebene
  3. Verpflichtet bleiben dem Multilateralismus
  4. Verpflichtet bleiben einem menschenzentrierten Vorgehen
  5. Verpflichtet bleiben, dass es reale Ergebnisse gibt

Nach seiner Einführung erhielt sie rasch Unterstützung von fast 160 Ländern und internationalen Organisationen, wobei über 60 Länder der „Gruppe der Freunde der globalen Governance“ beitraten.

Die Erwartungshaltung, dass sich alles sofort und radikal ändern wird, kann nur Verzweiflung auslösen. Die alten westlichen Hegemonialmächte sind noch genug stark, um neue Ansätze zu blockieren und es benötigt Zeit und stetige beharrliche Arbeit, die Situation zu ändern.

Was ist machbar, um Veränderungen herbeizuführen:

  1. Aufbau eines breiten internationalen Konsenses zur Verbesserung der globalen Governance, Aufzeigen einer globalen Vision und Schaffung eines Verantwortungsbewusstseins dafür einzutreten
  2. Echten Multilateralismus praktizieren, Partnerschaften aufbauen, in denen die Länder auf Augenhöhe miteinander umgehen, umfassende Konsultationen führen und das gegenseitige Verständnis fördern
  3. Ein Sicherheitsumfeld schaffen, das von Fairness, Gerechtigkeit, gemeinsamen Anstrengungen und gemeinsamen Interessen geprägt ist
  4. Eine offene, innovative und inklusive Entwicklung fördern, die allen zugutekommt
  5. Den Austausch zwischen den Zivilisationen verstärken, um Harmonie, Inklusivität und Respekt vor Unterschieden zu fördern
  6. Ein Ökosystem aufbauen, in dem Natur und grüne Entwicklung an erster Stelle stehen.

Welche Initiativen im Interesse des Globalen Südens gibt es?

China hat schon länger verschiedene internationale Initiativen gegründet, die Seidenstraßen-Initiative, die Globale Entwicklungsinitiative, die Globale Sicherheitsinitiative, die Globale Zivilisationsinitiative, BRICS+, New Development Bank, regionale Initiativen, u.a.

  • In letzter Zeit wurde von China mit 28 Ländern unter Beisein des UN-Generalsekretärs die „World Artificial Intelligence Cooperation Organization WAICO“ gegründet, die gemäß der Vereinbarung unter Beachtung einer menschenzentrierten Herangehensweise sowohl eine sichere Entwicklung der Künstlichen Intelligenz aber vor allem einen ungehinderten und unterstützten Zugang für alle Länder, die es wünschen, ermöglichen soll. KI darf kein Tool von US-Techno-Plutokraten und ein weiteres US- Erpressungsinstrument werden
  • Die im Rahmen der UN abgehaltenen Konferenzen zu Global Climate Governance finden trotz des Widerstands der USA statt und sollen die Lösung der großen Klimaprobleme steuern
  • Im International Forum on Global Human Rights Governance konnten Länder des Globalen Südens ihre Vorstellungen der Zusammenhänge und Schwerpunkte von politischen und sozialen/wirtschaftlichen Menschenrechten darstellen und daraus werden länderübergreifende Kooperationen entstehen
  • Am 30. Mai 2025 fand in Hongkong die Unterzeichnungszeremonie des Übereinkommens über die Gründung der „International Organization for Mediation (IOMed)“ statt, wobei 33 Länder das Übereinkommen unterzeichneten und Gründungsmitglieder wurden. So kann der starke westliche Einfluss auf das Thema Mediation verringert werden

Man sieht an den obigen Beispielen, dass sich Veränderungen durch themenzentrierte internationale Aktivitäten von Ländern des Globalen Südens, bei denen es nicht nur um Diskussion, sondern um gegenseitige Unterstützung und Entwicklung von Projekten geht, als friedliche zielführende Aktionen zur Entstehung einer Gegenöffentlichkeit und gegenseitigem Lernen bewähren. Steter Tropfen wird den Stein höhlen.

Robert Fitzthum

Robert Fitzthum, Jahrgang 1951, studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien und arbeitete als IT-Manager in österreichischen Banken sowie als selbstständiger Unternehmensberater. Er lebt seit 2013 als Schriftsteller in China. Er schrieb „China verstehen” (Promedia-Verlag, 2018) und „Erfolgreiches China” (Goldegg- Verlag, 2021). „Chinas ‚Neue Reise‘: Sozialistische Modernisierung und die Bedeutung der Volksdemokratie” erscheint 2026.
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11 Kommentare

  1. Vor allem der Globale Süden muss gehört und Demokratie in den internationalen Beziehungen ausgebaut werden.

    Das wird seit Jahrzehnten von Linksliberalen und anderen Spezialdemokraten gefordert. Sehr chinesisch hört sich das nicht an. Aber wahrscheinlich ist ja hier das Verhältnis der Staaten zueinander gemeint und nicht die liberale Demokratie innerhalb eines Staates.

    Hier dazu die Sicht eines Chinesen (mit westlicher Ausbildung, aber anti-imperialistisch):
    https://huabinoliver.substack.com/p/how-china-wins-wars-that-the-us-launches

  2. Ins Auge springend ist im Unterschied, dass China riesige Invests tätigt auf der ganzen Welt, ohne die mit einem einzigen Soldaten abzusichern. Ganz anders die USA, die mit 800 Militärstandorten überall präsent sind. Fairerweise muss man sagen, dass da auch immer Rebellen waren, die das US-Equipment zerdeppern wollten. Passiert den Chinresen nicht. Mal überlegen, warum. Fehlt das Militär, dann entsteht der Eindruck der Freiwilligkeit. Die Chinesen kann man überall wieder hinauswerfen. Was aber nicht einmal der extrem libertäre Xavier Milei macht, denn das wäre äußerst nachteilig.

    Xi Jinping sagte (wohl in Richtung Baerbock), China brauche keine Werte, die Regeln der UNO für den Umgang der Völker miteinander sei ausreichend. Was man als Zusammenfassung dieses GGI sehen kann.
    Dass nun ein Staat dem anderen die Auslöschung androht und hierzu Waffen und Terroristen bereitstellt, ist ein Skandal und natürlich ein ganz klarer Verstoß gegen GGI. Der Iran nämlich. Asso, ist ja Israel. Na dann. Die Sofortabschaltung von 1,9 Hirnhälften funktioniert auch in China, sobald die Sprache auf Israel kommt.

    1. Der letzte, der (nicht nur einem fremden Staat, sondern) einer ganzen Zivilisation mit Auslöschung gedroht hat, war kein Iraner, sondern dieser Rotschopf im Weißen Haus… Und er hat es auch nicht in einer fragwürdig übersetzten Sonntagsrede getan, sondern als direkte Drohung, unterlegt mit Bombardements. Womit ich übrigens trotzdem nicht sagen möchte, dass mir das iranische Herrschaftssystem unbedingt sympathisch ist.

      Die eigentlich interessante Frage ist folgende: Kann Artur TROTZ seines Israel- und Iran-Komplexes in anderen Fragen halbwegs gerade denken? Oder kann er das WEGEN dieses monströsen blinden Flecks (den er selbst freilich bei all denen verortet, die der israelisch-amerikanischen Iran-/Syrien-/Libanon-/…-Politik nicht vorbehaltlos folgen)? Ist eine völlig ernst gemeinte Frage, die abstrakter so formuliert werden könnte: Brauchen wir einen Fixpunkt irrationaler Gewissheit, um in anderen Fragen klar denken zu können? Und können wir selber bestimmen, wo dieser Fixpunkt bei uns liegen soll?

      1. Was Kollege Artur jedenfalls nicht kann, ist einen Kommentar zu irgendeinem außenpolitischen Thema ablassen ohne seine Israel-Vergötterung und Iran-Verteufelung dort einfließen zu lassen.

      2. Wieder keinerlei Antwort auf meine Argumentation. Ich bin sehr leicht zu verstehen: ich bin gegen Nazis, die in Kiew und die in Teheran.
        Gibt es daran irgendwelchen Zweifel, nach dem Januarmassaker? Und der will ja nicht nur eine Zivilisation ausrotten, sondern das Volk insgesamt. Da im Libanon stand genug für einen vielfachen Overkill. Und warum? Knallharter Natirassismus. Hör doch auf, das zu beschönigen.

    2. Chinesische Auslands-Investitionen wurden in der Vergangenheit von Terroraktionen bedroht, zum Beispiel in Pakistan und in Myanmar. Auch Inlandsinvestitionen waren bedroht.

      https://felixabt.substack.com/p/revelation-story-how-germany-and
      The Miracle on Rails — and the Hidden Sabotage Attempt

      Siehe dazu THE NEW ATLAS – Brian Berletic auf https://www.youtube.com/watch?v=BBu858sTt1M mit diesen Verweisen:

      France 24 – Tödlicher Autobombenanschlag in Pakistan trifft Hotel mit chinesischem Botschafter (2021):
      https://www.france24.com/en/asia-pacific/20210421-deadly-car-bombing-in-pakistan-targets-hotel-hosting-chinese-ambassador

      Irrawaddy – Myanmars Junta gibt chinesische Pipeline inmitten von Widerstandsangriffen auf (Mai 2025):
      https://www.irrawaddy.com/news/war-against-the-junta/myanmar-junta-abandons-chinese-pipeline-amid-resistance-attacks.html

      Das hat bisher nicht zu einer chinesischen Militärpräsenz in beiden Ländern geführt, dafür ist Pakistan ein lukrativer Kunde chinesischer Militärtechnik.

    3. „dass da auch immer Rebellen waren, die das US-Equipment zerdeppern wollten. Passiert den Chinresen nicht. Mal überlegen, warum.“

      Vielleicht weil die USA (GB, IL) mit heimtükischen Mitteln arbeiten, oft genug die „Rebellen“ von den USA (…) selbst gesteuert werden – und Chinesen eben nicht hinterfotzig agieren?

      Aber wem das zu Verschwörungstheoretisch ist ein andere Erklärung:

      Weil die USA (GB, IL) Länder übervorteilen wollen – während Chinesen lieber eine Win-win-Situation anstreben. Weil sie wissen, dass das stabiler und zukunftsträchtiger ist als Heimtücke und Überwältigung.

      Armes Arturmit großZeh

  3. Die Global Governance Initiative (GGI) hat ein kleines Problem, welches unlösbar scheint:

    Es ist doch hinlänglich bekannt, dass die USA nichts anderes sind als eine aggressive globale Hegemonialmacht mit einem System, das auf dem ständigen Streben nach mehr Macht und Profit in einer endlichen Welt beruht.

    Die USA kontrollieren nicht nur die gesamte westliche Welt (Europa, Australien und Neuseeland), sondern auch Stellvertreter in Südamerika, Afrika und in ganz Asien von Ost nach West. Sie streben danach, ihre Vorherrschaft durch militärische und wirtschaftliche Macht sowie durch politische Subversion, Infiltration und Vereinnahmung und durch Informationsvorherrschaft nicht nur weiter aufrechtzuerhalten, nein, es gilt die Vorherrschaft sogar weiterhin auszubauen.

    Michael Hudson erklärte in einem Kommentar, dass es das Ziel ist, den US-Strategen die Möglichkeit zu geben, die Stromversorgung, Elektrizität, Gas, Dünger, Beleuchtung und Heizung von Ländern ein- oder auszuschalten, die sich der US-Politik widersetzen, indem sie die Kontrolle über einen Engpass beim Zugang zu Energie übernehmen.

    Wie Hudson schon meint, dass das Vorgehen der USA als abenteuerlich anzusehen ist, so darf man nicht darüber hinwegsehen, dass die USA drei der ölreichsten Länder der Welt angegriffen haben: Venezuela, Iran und Russland mit der Ukraine als Rammbock.

    Das parasitäre Leben auf Kosten anderer Völker ist für die USA nach wie vor das Non plus Ultra.

    Das Problem für die USA ist Chinas Aufstieg in Bezug auf die Wirtschafts-, Industrie- und Militärmacht. China hat nach fast allen Maßstäben das Niveau der US-Macht erreicht oder übertrifft es mittlerweile sogar. Dies lässt sich anhand realer Kennzahlen ablesen. Und die Achse Peking-Moskau-Teheran ist mittlerweile ein verdammt harter Brocken für den Räuber-Staat.

    Sie erreichen mehr mit einer Kanone und ein paar netten Worten als mit ein paar netten Worten allein! (Donald Rumsfeld, ehem. US-Verteidigungsminister)

    1. > Das parasitäre Leben auf Kosten anderer Völker ist für die USA nach wie vor das Non plus Ultra.

      Wobei seit der US-Dollar Reserve-Währung Nummer 1 ist, die anderen Ländern freiwillig den USA die Anleihen für deren überhöhten Lebensstandard geben. Bei den westlich orientierten Ölstaaten am Golf, gehören die Investments in den USA zum festen Vertragswerk. US-Schutz gegen Investments in den USA. Nachdem der Iran die Welt darauf hingewiesen hat, dass der Kaiser nackt ist, könnte sich da die nächsten Jahre aber durchaus was ändern.

      @Artikel: „Dass China sich anders verhält als Washington oder Russland wird im Westen geleugnet oder nicht verstanden. Sowohl der der großartige globalpolitische Theoretiker Prof. John Mearsheimer, ein Anhänger der realistischen Herangehensweise an internationale Politik – es ist ein Vergnügen, seine scharfen Analysen der Weltlage anzuhören – als auch der bekannte norwegische Prof. Glenn Diesen, der sich mit seinem interessanten Podcast große Verdienste um politische Aufklärung erwirbt, können China und die chinesische Außenpolitik nicht richtig einschätzen.“

      Da würde ich aber schon einen Unterschied zwischen den beiden machen. Mearsheimer ist unschlagbar, wenn es darum geht, die amerikanische Regierungssicht und auch die des Militärs auf die Welt zu erklären. Er kann wunderbar erklären, was die USA eigentlich will und wo sie sich hoffnungslos verheddert, weil sie sich selbst zu viel zugetraut hat oder/und aus Angst vor Gesichtsverlust die Kurve nicht kriegt. Wer US-Moves verstehen will, muss Mearsheimer hören, der selber ein wenig Karriere beim Militär hinter sich hat.

      Glenn Diesen lädt sich viele asiatischen Kommentatoren und hat meiner Meinung nach eine große Bereitschaft, ihnen offen zuzuhören. Wenn er Vergleiche zu den USA zieht, dann nicht gleichmacherisch, sondern die Unterschiede hervorhebend. Ich denke, er schaut mit Hoffnung auf China.

      Ebenfalls zu empfehlen, wenn es um die Möglichkeiten des US-Militärs geht, ist Macgregor. Besonders wer von Aussagen von US-Generälen irritiert ist, wird dankbar sein, wenn Macgregor sie erdet. Einiges was er zu Europa sagt, hat Hand und Fuß, wie die Einschätzung von etlichen EU- und Regierungspolitikern. Was die Möglichkeiten der AfD oder anderer rechter Parteien in Europa angeht und die Sicht ihrer Wähler angeht…naja, da geht ihm der US-Pony durch, das er häufig bei seinen Interviews im Hintergrund stehen hat.

  4. Danke für den sehr aufschlussreichen Artikel. Ich hoffe sehr, dass China diesen positiven Weg gehen kann.

    „China hat nie die These akzeptiert, dass ausnahmslos jedes Land, sobald es stark genug ist, nach Hegemonie streben wird.“

    Präsident Xi Jinping formulierte es gekonnt, beim Besuch von Donald Trump im Mai 2026 in China: „Können China und die USA die ‚Thukydides-Falle‘ überwinden und ein neues Paradigma für die Beziehungen zwischen Großmächten schaffen?“ … „Dies sind Fragen der Geschichte, Fragen der Welt und Fragen der Menschen.“ … Damit sagt er elegant, dass China die aufsteigende Weltmacht ist und dass es einen neuen Weg suchen will, der nicht von der Übernahme der Rolle der Hegemonie geprägt ist.
    Schon 2015 sagte Xi bei einem Besuch in den USA: „Es gibt von Natur aus keine ‚Thukydides-Falle‘ in der Welt, aber wenn es zwischen Großmächten immer wieder zu strategischen Fehleinschätzungen kommt, kann dies dazu führen, dass sie sich selbst eine ‚Thukydides-Falle‘ schaffen.“

    „Prof. Glenn Diesen – ein Anhänger der realistischen Herangehensweise an internationale Politik.“

    Ich denke Glenn Diesen erkennt hier die Lage um einiges besser als Mearsheimer. Aber richtig ist, ein marxistisches Denken, das den Zusammenhang mit den ökonomischen Gesetzen des Kapitalismus und mit der Frage des Klassencharakters des Staates versteht, liegt beiden nicht auf der Zunge, wobei einzelne der Interview-Partner Denken in diese Richtung durchaus zeigen! Aber insgesamt ist es noch immer so, dass viele Denker, so aufschlussreich ihre Erkenntnisse sind, glauben alles im Bereich des Überbaus verstehen zu können, während sie auf die materiellen Interessen und deren widersprüchliche, dialektische Entwicklung „vergessen“.

    „Das Interesse des Finanzkapitals, der Plutokraten, usw., ist es die internationale Macht des eigenen Staates zwecks Profitmaximierung und Erweiterung der Einflusssphären abzusichern. Das Interesse des Volkes hingegen ist eine Verbesserung der Lebensbedingungen und Frieden. Dementsprechend unterschiedlich schaut Außenpolitik aus.“

    Hier ein Zitat aus einem alten Lied des Widerstandes: „Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne.“ Bauern und Arbeiterlied 1870 erstmals von Max Kegel notiert:
    „Ihr Brüder all, ob Deutsche, ob Franzosen
    Ob Ungarn, Dänen, ob vom Niederland
    Ob grün, ob rot, ob blau, ob weiß die Hosen
    Gebt euch statt Blei zum Gruß die Bruderhand!
    Auf, lasst zur Heimat uns zurück marschieren
    Von den Tyrannen unser Volk befrei’n
    Denn nur Tyrannen müssen Kriege führen
    Soldat der Freiheit will ich gerne sein“

    „Es (China) versteht die Erhaltung von kooperativen Beziehungen zwischen den Großmächten als ganz wesentlich um Frieden zu erhalten.“

    Ja, obwohl die Situation vor dem 1. Weltkrieg vor allem durch die Aufteilung der Welt unter imperialistischen Interessen als Hauptgrund genannt werden kann, spielt das Denken doch auch eine entscheidende Rolle. Das Schmieden von Bündnisblöcken hat unter diesem Aspekt eine gefährliche Abgleitfläche. Insofern erscheint es mir als gut, dass z.B. nicht automatisch China, Russland und Iran einen offenen Bündnispakt gegen die USA und Europa bilden. Da wurden aus historischen Lehren die richtigen Schlussfolgerungen gezogen, würde ich interpretieren, obwohl die Lage äußerst schwierig ist.

    „China ist keine Supermacht, noch wird sie jemals versuchen, eine zu sein. Wenn China eines Tages seine Farbe ändern und sich in eine Supermacht verwandeln sollte, wenn auch China den Tyrannen der Welt spielen sollte und überall andere ihrem Mobbing, ihrer Aggression und ihrer Ausbeutung aussetzen sollte, dann sollten die Menschen auf der Welt China als Sozialimperialismus identifizieren, es entlarven, sich ihm widersetzen und mit dem chinesischen Volk zusammenarbeiten, um es zu entmachten.“

    Da lehnte sich Deng Xiaping durchaus an Mao Zedong an. Mao hat gewiss schwere Fehler begangen. Aber er hat mit großer strategischer Klarsicht vieles erkannt, wie eben, dass die USA ein Papiertiger sind. Alexander Krainer zitiert Mao Zedong hier (https://www.youtube.com/watch?v=xaAJakvwI3Q) mit den Worten: „„Unser Ziel ist es, zu den Vereinigten Staaten aufzuschließen und sie zu überholen.“ Was die Frage betrifft, wie viele Jahrzehnte dies dauern wird: Je nach den Anstrengungen aller wird es mindestens 50 Jahre dauern, vielleicht 75, was 15 Fünfjahresplänen entspricht. Erst wenn wir zu den Vereinigten Staaten aufgeschlossen und sie überholt haben, können wir endlich aufatmen.“

    „Im Jahr 2025, anlässlich des 80. Jahrestags des Sieges im Globalen Krieg gegen den Faschismus und die Gründung der UNO, schlug Präsident Xi Jinping eine neue Initiative vor, die Global Governance Initiative (GGI).“

    Die Angst vieler Kritiker vor einer „Weltregierung“ ist vielleicht nicht unberechtigt, man muss stets die Mächtigen kontrollieren. Aber die Vorstellung, dass die Fragen der Welt ohne global Governance gelöst werden sollten ist weltfremd.

    „Aufzeigen einer globalen Vision und Schaffung eines Verantwortungsbewusstseins“

    Das ist mein Punkt: Wir müssen die Rolle des Staates noch viel mehr vom Einfluss des großen Eigentums befreien. Das gilt substantiell für den Westen und wird dort große Revolutionen auslösen. Es gilt aber auch für ein bewusstes Handeln im Süden und Osten. Es geht aber nicht nur um den Einfluss von privatem Reichtum. Es können sich auch ideologische Strukturen so entwickeln, dass alle Macht bei Menschen liegt, die vergessen sich um die Interessen der Menschen zu kümmern. Diese historischen Schlussfolgerungen aus dem Versuch, den Kapitalismus zu beenden, müssen genauso gezogen werden, wie die Erkenntnis, dass es mit dem Hyper-Kapitalismus auf jeden Fall zu einem Ende kommen muss.

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