Bricht Kanada auseinander?

zerschnittene Flagge Kanadas
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Im kommenden Oktober stimmt die Bevölkerung Albertas darüber ab, ob die Provinz weiterhin im kanadischen Staatsverband bleiben soll. Und bei den Provinzwahlen in Québec, die noch in diesem Jahr stattfinden müssen, zeichnet sich ein Sieg des separatistischen „Parti Québécois“ ab.

Viele Jahrzehnte lang galt Kanada als Musterbeispiel einer liberalen, föderalistischen und – trotz ethnischer Spannungen zwischen der anglophonen Mehrheits- und der frankophonen Minderheitsbevölkerung – recht stabilen Demokratie. Doch die Zukunft der Föderation ist heute ungewisser denn je. Zentrifugale Kräfte aller Art zerren die Landesteile auseinander, und die unverhohlenen Annexionsgelüste des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump stellen eine neue, bisher ungekannte Bedrohung dar. Zwar sitzt der derzeit amtierende, (links-)liberale Premierminister Mark Carney momentan ziemlich fest im Sattel (1), aber das könnte sich sehr schnell ändern. Gefahr droht der Bundesregierung in Ottawa in erster Linie von zwei Seiten (auch geographisch gesehen): den separatistischen Bestrebungen im westkanadischen Alberta – und denen in Québec im Osten, 1995 scheiterte dort ein Referendum über eine angestrebte Unabhängigkeit der Provinz nur denkbar knapp.

Kanada ist eine „Willensnation“ – ähnlich wie die Schweiz: Zusammengehalten wird die Föderation durch eine gemeinsame Geschichte, nicht durch eine gemeinsame Sprache und Kultur. Der frankophone Landesteil wurde im Siebenjährigen Krieg, der auch auf diesem Kontinent ausgetragen wurde, von den Engländern erobert: 1759 fiel Québec (heute Québec City, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz), es war das Ende der französischen Vorherrschaft in Nordamerika. Im Unterschied zur Entwicklung in den 1776 gründeten USA wurde die frankophone Bevölkerung in Kanada keineswegs vollständig assimiliert und konnte sich ihre distinkte Kultur weitgehend bewahren; in denjenigen frankophonen Regionen, die später an die US-Amerikaner fielen – etwa das heutige Louisiana, das heutige Mississippi und das heutige Illinois – ist diese Kultur in der Gegenwart nur noch rudimentär vorhanden. Québec versteht sich heute als eine separate Nation im gesamtkanadischen Staatsverband – und ist als eine solche auch seit 2006 offiziell von der Bundesregierung in Ottawa anerkannt.

Um die Frankokanadier in der Föderation zu halten, machte die Bundesregierung in den letzten Jahrzehnten erhebliche Zugeständnisse: Das gesamte Land ist offiziell zweisprachig, selbst in den Regionen, die zu 99% oder gar 100% anglophon sind. Durchgesetzt wurde dies Anfang der 1970er Jahre durch den (frankophonen) kanadischen Premierminister Pierre Elliott Trudeau, den Vater des von 2015-2025 amtierenden Premiers Justin Trudeau. Von Beginn an stieß das auf großen Unmut insbesondere in den Westprovinzen (British Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba), traditionsgemäß fühlt sich die große Mehrheit der Bevölkerung dort soziokulturell eher den US-Amerikanern verbunden als den Québécois. Fast der gesamte kanadische Westen ist eine Hochburg der Konservativen Partei, in Québec hingegen war sie das letzte Mal 1988 (!) die stimmenstärkste Partei bei bundesweiten Wahlen, bei denen von 2025 landete sie hier lediglich auf Platz 3, hinter den in Ottawa regierenden Liberalen und dem separatistischen Bloc Québécois, der Schwesterpartei des Parti Québécois auf Bundesebene.

Enormen Drive erhielten die Aversionen der anglophonen Bewohner der Westprovinzen, speziell Albertas, gegen den frankophonen Einfluss im Gesamtstaat in den letzten Jahren durch die Rohstoff- und Energiepolitik der Bundesregierung. Justin Trudeau, nicht zufällig auf internationaler Ebene jahrelang eine Art Poster-Boy der „woken“ Linken, setzte in seiner Regierungszeit eine Klimaschutz-Politik durch, die auf eine drastische CO2-Bepreisung und tendenziell auf einen Ausstieg aus Kohle und Gas setzte. (2) Diese beiden Rohstoffe sind jedoch das Rückgrat der Ökonomie Albertas und die Basis für den Wohlstand der dortigen Bevölkerung. In krassem Gegensatz dazu steht die Energiesituation Québecs: Rund 90% des Strombedarfs hier wird durch Wasserkraft gedeckt, die Provinz exportiert sogar Strom in benachbarte Gliedstaaten der USA, etwa nach New York. Sämtliche Provinzkabinette Québecs in den letzten Jahrzehnten – egal ob solche der Liberalen Partei, des Parti Québécois oder der momentan regierenden rechtspopulistischen Coalition Avenir Québec – konnten es sich nicht verkneifen, ihren Landesteil im gesamtkanadischen Kontext als „grünes“ Powerhouse zu präsentieren; dass dies im Westen nicht besonders gut ankam, ist da durchaus verständlich. Inspiriert durch Donald Trumps Parole „Drill, drill, drill!“ im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf gelang es den Konservativen Albertas in den letzten Jahren, eine Art „fossilistisches“ Selbstverständnis (und auch Selbstbewusstsein) innerhalb der Bevölkerung ihrer Region zu wecken, das in schroffem Gegensatz zur klimafreundlichen Politik der Bundesregierung und der Mentalität der Québécois steht.

Die Unabhängigkeitsbewegung in Alberta

Alberta, das „Texas des Nordens“, verfügt über die drittgrößten Ölvorkommen weltweit – ein Ausstieg aus der „fossilistischen“ Energiegewinnung ist deshalb eine direkte, fundamentale Bedrohung der dortigen Ökonomie – erst recht nach dem Beginn des Irankriegs 2026 und der damit verbundenen Sperrung der Straße von Hormus, die global den Rohölpreis auf Rekordwerte ansteigen ließ. Separatistische, gegen den Zentralstaat in Ottawa gerichtete Tendenzen gibt es schon seit Jahrzehnten, angefeuert nicht zuletzt auch durch den „Länderfinanzausgleich“, den es ähnlich wie in der Bundesrepublik Deutschland auch in Kanada gibt: Alberta zahlt in diesen sehr viel mehr ein, als es zurückerhält; Nutznießer dieser bewussten Wohlstandsnivellierung zwischen den einzelnen Landesteilen sind hauptsächlich die ostkanadischen Atlantikprovinzen, etwa New Brunswick und Nova Scotia. (3) Doch so stark wie jetzt war die Unabhängigkeitsbewegung in Alberta bisher noch nie. Zwei – inhaltlich gegensätzliche – Volksinitiativen befassten sich kürzlich mit der Frage eines Ausstiegs aus oder eines Verbleibs Albertas in der Föderation; beide haben inzwischen genügend Unterschriften gesammelt, um ein Referendum zu erzwingen. Die auf einen „Albexit“ abzielende Motion wurde allerdings von einem Gericht als verfassungswidrig verworfen, auf Ersuchen mehrerer indigener Stämme, die beklagten, nicht im Vorfeld konsultiert worden zu sein, und auf ihre vor über hundert Jahren abgeschlossenen Verträge (vor allem über Landrechte) mit der britischen Krone pochten. (4)

Die (erzkonservative) Provinzregierung von Alberta unter der Premierministerin Danielle Smith trat in dieser Situation die Flucht nach vorne an und setzte ein Referendum (zusammen mit einem Bündel weiterer Volksabstimmungen über andere Fragen) für Oktober 2026 an, mit der Fragestellung: „Sollte Alberta eine Provinz von Kanada bleiben oder sollte die Regierung von Alberta das juristische Prozedere einleiten, das unter den Bestimmungen der kanadischen Verfassung notwendig ist, um ein bindendes Referendum darüber abzuhalten, ob Alberta sich von der kanadischen Föderation trennen sollte?“ (5) Danielle Smith und die große Mehrheit ihrer Truppe sind zwar für einen Verbleib der Provinz in Kanada, aber eine lautstarke Minderheit in der so genannten „United Conservative Party“ (6) ist gegenteiliger Meinung. Demoskopische Erhebungen suggerieren derzeit zwar, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung Albertas eher gegen einen „Albexit“ ist – aber Meinungen ändern sich unter Umständen schnell: David Cameron, der glücklose britische Premierminister, der 2016 sein Volk an die Urnen rief, um über einen „Brexit“ abzustimmen, kann hiervon ein Lied singen.

Und in der Tat erinnert momentan in Alberta vieles an das Drehbuch, nach dem vor zehn Jahren der Super-GAU für die Befürworter eines Verbleibs Großbritanniens in der EU ablief. Camerons Flucht nach vorn (er persönlich war ja gegen einen Austritt) ging seinerzeit komplett in die Hose; die Meinungsumfragen, die lange Zeit eine stabile Mehrheit für die „Remainers“ prognostiziert hatten, kippten im Verlauf des Abstimmungskampfes, am Ende siegten die „Brexiteers“. Obwohl die Volksabstimmung im Oktober noch nicht über eine Unabhängigkeit Albertas entscheidet (ein solcher Beschluss bedürfte dann noch der Bestätigung durch ein zweites provinzweites Referendum), ist deshalb in den kommenden Monaten ein erbittertes politisches Hauen und Stechen zu erwarten. Ein schweres Handicap für die Gegner der Zentralregierung in Ottawa ist hierbei ihre Uneinigkeit über das angestrebte Ziel eines „Albexits“: Etliche von ihnen wünschen sich eine unabhängige „Republik Alberta“, andere plädieren hingegen für eine kollektiven Austritt aller Westprovinzen (British Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba) aus dem kanadischen Bundesstaat und die Gründung einer separaten westkanadischen Föderation (einen so genanten „Wexit“) und manche sprechen sich sogar – ganz im Sinne von US-Präsident Trump – für einen Anschluss an die USA aus. (7)

Letztere werden, logischerweise, massiv von diversen Gesinnungsgenossen jenseits der kanadisch-amerikanischen Grenze unterstützt – etwa aus der Republikanischen Partei oder der „MAGA“-Bewegung. Unverhoffte Schützenhilfe erhalten die Alberta-Separatisten aber auch durch manche prominente Befürworter einer Unabhängigkeit Québecs – eine etwas bizarre Liaison, denn wirtschafts- und sozialpolitisch liegen zwischen den Sympathisanten eines unabhängigen Albertas und dem Parti Québécois (PQ) Welten: Erstere sind in der Regel beinharte Neo-Konservative und Neo-Liberale, die von einem „schlanken Staat“ und einer möglichst „freien“ Marktwirtschaft träumen – ihre neu gewonnenen frankophonen Bündnispartner hingegen wollen das exakte Gegenteil: einen voll ausgebauten Wohlfahrtsstaat nach nordisch-europäischem Vorbild. Nichtsdestotrotz traf sich vor einiger Zeit PQ-Parteichef Paul St-Pierre Plamondon mit den Führern der Alberta-Separatisten und sicherte ihnen strategische Beratung für den Abstimmungskampf im Herbst und weitere Unterstützung zu.

Denn selbst ein Sieg für das „Albexit“-Lager bei diesem Kräftemessen wäre noch lange kein Garant für eine sich sofort danach anschließende Unabhängigkeit der Provinz. Vor über 25 Jahren verabschiedete nämlich die (liberale) kanadische Bundesregierung unter Premierminister Jean Chrétien den so genannten „Clarity Act“, der eine Reihe von Bedingungen für den Austritt eines Landesteils aus dem kanadischen Bund festlegte und unter anderem eine „klare“ Fragestellung und eine „klare“ Mehrheit für eine Abspaltung fordert. (8) Und die Befugnis, festzustellen, ob diese Bedingungen erfüllt sind, liegt beim gesamtkanadischen Bundesparlament. Ein Sieg der „Albexiteers“ auch bei einem zweiten Referendum hätte deshalb wohl extrem langwierige, zähe Verhandlungen zwischen Provinz- und Bundesregierung zur Folge, nicht unähnlich den Irrungen und Wirrungen, die 2018/2019 den Austritt Großbritanniens aus der EU begleiteten. Aber immerhin gibt es im kanadischen Verfassungsgefüge das Recht auf Austritt aus der Föderation – in den USA beispielsweise nicht, und die US-Südstaaten, die 1861 eine Abspaltung versuchten, wurden bekanntlich mit brutaler Gewalt wieder heim ins Reich geholt.

Steht demnächst auch ein „Québexit“ auf der Tagesordnung?

Wenn sich im Herbst 1995 nur 0,59% der Wahlbevölkerung Québecs anders entschieden hätten, wäre Kanada schon vor über 30 Jahren auseinandergebrochen – 49,42% stimmten damals bei einem Referendum für die Unabhängigkeit der Provinz. In den darauffolgenden Jahrzehnten verlor die separatistische Bewegung jedoch signifikant an Drive und Momentum – nicht zuletzt wegen der Austerity-Politik der vom Parti Québécois (eigentlich eine wirtschafts- und sozialpolitisch eher sozialdemokratisch gepolte Partei) (9) gestellten Provinzregierung in den Jahren 1996-2003. Die föderalistisch orientierten Liberalen regierten anschließend – abgesehen von einer kurzen Unterbrechung 2012-14 (10) – bis 2018, und die Unabhängigkeitsfrage geriet immer stärker in den Hintergrund. Der Wahlsieg der rechtspopulistischen Coalition Avenir Québec (CAQ) im Herbst 2018 wurde dann allgemein als langfristige Absage an alle separatistischen Bestrebungen aufgefasst – die Partei sprach und spricht sich gegen ein neues Abspaltungsreferendum, dafür aber für eine größere regionale Autonomie der Provinz aus. Der Triumph der CAQ hatte aber, bei Licht betrachtet, weniger mit dieser Frage zu tun, sondern in erster Linie mit der Migrationspolitik sowohl der liberalen Bundes- als auch der (seinerzeit ebenfalls liberalen) Provinzregierung. Im Sommer 2017 gab es in Québec eine Flüchtlingskrise, die von der (relativen) Größenordnung her durchaus mit derjenigen in Deutschland zwei Jahre zuvor verglichen werden kann. Täglich strömten Hunderte von Migranten aus Haiti, denen die US-Regierung unter Präsident Trump eine Verlängerung ihres provisorischen Aufenthaltsstatus verweigert hatte, über die Grenze zwischen dem US-Gliedstaat New York und Québec – die Behörden in Montréal beispielsweise wussten sich nicht anders zu helfen als die Menschen in notdürftig installierte Unterkünfte zu verfrachten, etwa in Schulen und in Sporthallen und selbst in die Umkleideräume des riesigen, 1976 erbauten Olympiastadions. Die CAQ, bis anhin auf Platz 3 bei Wahlen und demoskopischen Erhebungen abonniert (hinter dem Parti Libéral und dem Parti Québécois), stieg in den Wochen und Monaten danach kometenhaft in den Umfragen auf. Im Herbst 2017 lag sie dann plötzlich auf Platz 1 und gab diesen anschließend nicht mehr ab – bis zu den Provinzwahlen ein Jahr später, bei denen sie eine absolute Mandatsmehrheit in der Assemblée Nationale gewann und die Regierung übernahm. (11)

Der rechtspopulistische Tsunami dezimierte nicht nur die frankokanadischen Liberalen, sondern vor allem auch den Parti Québécois, der auf wenige Mandate reduziert wurde und bei den darauffolgenden Provinzwahlen 2022 (bei denen die CAQ ihre Mehrheit noch ausbauen konnte), auf den Platz der nur noch viertstärksten Partei (!) herabgestuft wurde – hinter der CAQ, den Liberalen und der linkspopulistischen Partei Québec Solidaire (die in etwa mit der deutschen Linkspartei vergleichbar ist). Doch in mehreren Nachwahlen seitdem gelang es dem PQ, etliche Parlamentsmandate hinzuzugewinnen; unter ihrem neuen, alerten Parteichef Paul St-Pierre Plamondon erlebte die Partei einen spektakulären Wiederaufschwung. In allen Umfragen für die nächsten Provinzwahlen, die noch im Jahr 2026 stattfinden müssen, liegt sie jetzt wieder in Führung – entweder knapp über oder knapp unterhalb der Marke der absoluten Sitzmehrheit. (12)

Uns so steht die Frage einer Unabhängigkeit Québecs urplötzlich wieder im Zentrum der politischen Debatte. Und dieses Mal gebärden sich die Separatisten sogar noch deutlich radikaler als vor dem letzten Referendum 1995. Eine neue Volksabstimmung würde in der ersten Legislaturperiode einer erneuten PQ-Regierung anberaumt, kündigte St-Pierre Plamondon an, und ein unabhängiger Staat Québec würde auch eine eigene Währung einführen (1995 hatte der PQ noch dafür plädiert, im Fall eines Abstimmungssiegs und einer darauffolgenden Loslösung von der Föderation den kanadischen Dollar beizubehalten). Alarmierend für alle kanadischen Föderalisten ist ferner der Umstand, dass diese neue, recycelte Unabhängigkeitsbewegung insbesondere bei den jungen Frankokanadiern immer mehr Anklang findet. „Vive le Québec libre!“ wird immer mehr zu einem populären Schlachtruf speziell bei Erstwählern, und die Anhänger einer Beibehaltung des kanadischen Bundesstaates geraten immer stärker, von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, ins Hintertreffen. (13)

Mark Carney, der Chef der derzeitigen kanadischen Bundesregierung, kennt das alles ja eigentlich schon. 2016, im Jahr der Brexit-Abstimmung im Vereinigten Königreich, lebte er schließlich in Großbritannien und war damals Chef der britischen Nationalbank (!). Ob und inwieweit es ihm gelingen wird, die zentrifugalen Kräfte, die momentan den Bundesstaat auseinanderzerren, im Zaum zu halten, bleibt abzuwarten. Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass das vermeintlich anachronistische Konzept eines (kleineren) Nationalstaates, im Gegensatz zu dem der riesigen supranationalen politischen Gebilde – wie der kanadischen Föderation oder auch der EU – immer stärker an Popularität unter großen Teilen der jeweils betroffenden Bevölkerung gewinnt, sowohl in Nordamerika als auch in Europa.

 

Fußnoten

1) Bei den gesamtkanadischen Wahlen im April 2025 gewann Carneys Liberale Partei 169 von 343 Sitzen, im Parlament wird sie gewöhnlich von der (sozialdemokratischen) New Democratic Party (7 Sitze) unterstützt.

2) „Climate Policy Under Justin Trudeau: A Brief Review“, McGill Energy Journal, 17. März 2025

3) „Alberta Equalization: $ 4.167 Per Person Leaves the Province“ auf: https://drained.ca

4) „Alberta judge tosses out petition for province to separate from Canada“, BBC, 13. Mai 2026

5) „Alberta to hold referendum on whether to remain in Canada“, BBC, 22. Mai 2026

6) Die „United Conservative Party“ von Alberta entstand 2017 aus einem Zusammenschluss der „Progressive Conservative Association of Alberta“ mit der (noch deutlich konservativeren) „Wildrose Party“. Die Spaltung des Mitte/Rechts-Lagers hatte 2015 den Überraschungssieg der New Democratic Party bei den Provinzwahlen begünstigt: „Alberta Election: NDP’s surprise win over conservatives“, BBC, 6. Mai 2015

7) „Alberta separatism“ auf: https://en.wikipedia.org

8) „Canadian Parliament Passes the Clarity Act“ auf: www.ebsco.com

9) In den 1980er Jahren stellte der Parti Québécois sogar einmal den Antrag, Mitgliedspartei der Sozialistischen Internationale zu werden; dies scheiterte jedoch am Veto der kanadischen NDP: Nelson Wiseman, „In Search of Canadian Political Culture“, UBC Press, 18. August 2012

10) Im Herbst 2012 wurde die (rechts-)liberale Provinzregierung von Québec bei vorgezogenen Provinzwahlen krachend abgewählt, im Zuge massiver, von den wichtigsten Gewerkschaften und großen Teilen der Bevölkerung unterstützten Studentenproteste gegen eine drastische Erhöhung der Studiengebühren an den Universitäten – der historisch einmalige Fall einer Studentenbewegung, der es gelang, eine formal demokratisch gewählte Regierung zu stürzen. Die neu gewählte (Minderheits-)Regierung des Parti Québécois machte diese Erhöhung zwar wieder rückgängig, verlor dann aber bei den nächsten Provinzwahlen wieder die Macht: Jake Hamburger, „Speaking out in Québec“, Columbia Political Review, 24. März 2013

11) „Québec warns of ‚humanitarian crisis‘ amid surge in asylum requests“, France 24 (YouTube); „Québec election: CAQ victory proves separatism is no longer a major issue“, Guardian, 2. Oktober 2018

12) „Québec projections“ auf: https://338canada.com

13) Amy Luft, „Majority of young Quebecers back independence“, CTV News, 8. August 2025

Norbert Faulhaber

Norbert Faulhaber fing nach einem Studium der Politikwissenschaften, Rechtswissenschaften und Soziologie 1991 bei der Konstanzer Tageszeitung „Südkurier“ an: als freier Mitarbeiter für TV- und Filmkritik, Konzertberichte und CD-Besprechungen. Ab 1998 arbeitete er auch als Vertretung des TV-Redakteurs, von 2004 bis 2006 als Verantwortlicher für die tägliche TV-Programmseite. Von 2006 bis März 2023 arbeitete er als Redakteur am NewsDesk See-West in Konstanz.
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10 Kommentare

  1. Wie kann ein Staat auseinderbrechen, wenn dieser Staat eine französische und englische Besatzung ist.
    Wie kann ein E 3 Format plötzlich in Moskau erscheinen, um zu fabulieren?
    Wie kann es sein, das E 3 so agiert, obwohl jeder der 3 andere Aussichten inhält?
    Das GB, ist kein EU Mitglied mehr, aber GB wird seit Jahren hofiert über D, die Franzosen oder das fränkische Reich, agiert selbst zuhends nervös. Die deutsche Angst lässt alle wieder erwachen, die Bewohner sind überall dumm, das Kapital fließt unaufhörlich weiter nach oben ….
    Also die Kanadier als dortige Menschen werden rein gar nichts richten, sondern die ewigen ‚Stadthalter‘, die immer alles richten.
    Eines dürfte jedoch gewiss, asymetrische Effekte werden die Massen beschäftigen, aber nicht dieses 1%.

    1. Wie kann man in einer Demokratie eine 3E Allianz bewerten?
      Da existieren Geister, die wie nichts aus dem Phönix entstanden, um ein E 3 entstehen zu lassen.
      Der Demo guckt zu und nickte…
      Hier wird die Dummheit persönlich vorgestellt, von wegen Demo gegenüber der Kratie.

    2. Neulich sah ich eine Talkshow, in der sich Armin Laschet ganz überrascht zeigte, das plötzlich ein „E3-Format“ existiert, das mit Moskau verhandeln möchte.

      Manch einer wunderte sich schon während „Corona“, dass plötzlich eine „Ministerpräsidentenkonferenz“ das Sagen in Deutschland hatte.

      Der Laie staunt und der Experte wundert sich.

  2. Da entstünde dann erstmals ein regelrechter Fossilstaat. Denn darum geht es. Das kanadische Öl wird fast ausschließlich aus Ölsanden gewonnen. Dir drillen da nicht, die kochen eher. Das Bitumen muss per Dampf aus dem Sand gewonnen werden und das ist nun mal die absolut dreckigste Art, um Öl zu gewinnen. Die Zentralregierung versucht, das irgendwie zu begrenzen. Aber der Separatismus würde noch mehr von dieser Riesensauerei bedeuten.

    Ich habe Grok nach den Umweltauswirkungen gefragt. Das will überhaupt nicht enden, deshalb nur ein paar Auszüge:

    „Bei der Extraktion entstehen riesige Mengen giftiger Schlämme (Wasser + Ton + Bitumen-Reste + Chemikalien wie Naphthensäuren, Schwermetalle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe/PAK).
    Es gibt über 30 große Tailings-Ponds mit über 1,4 Billionen Litern toxischem Abwasser (Stand ca. 2024/25), die eine Fläche von mehreren hundert km² bedecken. […]
    Schadstoffe (PAK, Quecksilber, Arsen etc.) gelangen in Flüsse und Seen – Studien zeigen erhöhte Konzentrationen downstream, mit potenziellen Auswirkungen auf Fische und indigene Gemeinschaften (z. B. höhere Krebsraten in manchen Studien diskutiert)“

  3. Kanada: anglophone Mehrheitsbevölke-rung und frankophone Minderheitsbevöl-
    kerung ….. Gab es da nicht auch mal „In-
    dianer“? Eingeborene ? Indigene ? ? ? ?

    Ausgerottet ? Nicht der Rede wert ? ? ?

  4. „Alberta, das „Texas des Nordens“, verfügt über die drittgrößten Ölvorkommen weltweit – ein Ausstieg aus der „fossilistischen“ Energiegewinnung ist deshalb eine direkte, fundamentale Bedrohung der dortigen Ökonomie.“
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Kanada zerfällt. Denn das wäre das erste mal, dass CO² und Klimaschwindel einen Staat sprengen. Dass „grüne“ Provinzen eine „fossile“ Provinz abkassieren und ihr gleichzeitig die ökonomische Grundlage entziehen wollen, das geht doch gar nicht.

    1. „Dass „grüne“ Provinzen eine „fossile“ Provinz abkassieren und ihr gleichzeitig die ökonomische Grundlage entziehen wollen, das geht doch gar nicht.“

      Diese von dir diagnostizierte Ausbeutung, ist einer deiner typischen Kurzschlüsse. So auch der, das alles, was beim völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran seitens der USA schief gelaufen ist, von Trump geplant war.

    2. @Torwächter: „Klimaschwindel“, wow, ich bin beeindruckt, da wird mir regelrecht schwindelig!
      Und jetzt sind die 100 Zeichen voll.

  5. Alberta hat außer Öl, Gas und Weizen nicht viel Wirtschaft. Aber es muss massiv Steuern nach Ottawa überweisen. Ohne viel darf zu bekommen. Und jetzt soll es auf Öl und Gas verzichten, weil das ferne Ottawa es fordert. Ohne Ersatz dafür zu bekommen. Klar, die Bewohner von Alberta wollen nicht verarmen, damit sich die „Woken“ in Toronto, Ottawa,… gut fühlen.

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