Brandmauern: Die Architektur eines Schutzversprechens

Mauer, Ziegel, Symbolbild: Brandmauer
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Brandmauern sind teuer, schränken ein, engen ein, machen Umbauten schwierig und suggerieren eine trügerische Sicherheit.

Eine Brandmauer – im Duktus der Architekten bevorzugt »Brandwand« genannt – erzeugt zwar etwas, wenngleich keine absolute Sicherheit, ist jedoch auch immer mit Einschränkungen der Lebensqualität in Gebäudekomplexen verbunden. Feuer zu löschen vermag sie nicht – den Brand bei seiner Ausbreitung zu behindern: diese Funktion erfüllt sie. Früher oder später kann sie jedoch so angegriffen werden, dass ihre Funktion aufgehoben ist.

Tatsächlich muss sich der Bautüchtige mit fünf Nachteilen auseinandersetzen, so er eine Brandwand ziehen will – wobei sich konkrete staatliche Vorgaben finden, wann eine solche Baubegrenzung unablässig ist. Erstens: Sie ist kostenintensiv. Zweitens: Sie kann unter Umständen die Lebensqualität beschränken. Drittens: Sie nimmt viel Platz ein. Viertens: Bei Umbauten wird sie zum Hindernis. Fünftens: Sie suggeriert Sicherheit, die es nur bedingt gibt.

Brandschutz: ein architektonischer Einschnitt

Erhöhte Kosten sind in der Regel unumgänglich, wenn man eine Brandmauer errichten möchte. Sie stellt einen höheren Bauaufwand dar und wird aus feuerfestem und daher teurem Material errichtet. Außerdem führen die zusätzlichen baurechtlichen Anforderungen zu einem Kostensprung. Türen und Fenster sind jedoch nicht vorgesehen, was bedeutet, dass Brandmauern die Licht- und Lebensverhältnisse beschränken können, wenn man sie zwischen zwei Gebäudeteile zieht. Außerdem nimmt sie damit Einfluss auf die Raumgestaltung als solche.

Zusätzlich schmälert sie den nutzbaren Wohnraum, da Brandmauern häufig dicker sind als normale Wände. Bei Umbauten können Brandmauern nicht einfach entfernt werden. Eine neue Raumaufteilung muss so immer Rücksicht nehmen auf dieses Bauwerk. Selbstverständlich schützt sie nicht hundertprozentig vor einem Brand, denn im Regelfall sind andere Gebäudeteile aus leichter brennbaren Material erbaut – der Brandmauer bleibt einzig, den Brand eine Weile aufzuhalten. Ersticken kann sie die Flammen jedoch nicht.

Eine solche Brandwand ist immer ein struktureller Einschnitt in die Architektur. Sie verändert die Gestalt des Gebäudes und zwingt Planer dazu, Räume »um die Ecke« zu denken. Durchgänge müssen umgeleitet und Wege neu konzipiert werden. Die Brandmauer verändert den Grundriss des Grundgebäudes. Sie nimmt Einfluss auf die Grundstruktur und kann die Funktionsweise des Gebäudes deutlich verändern. Die Brandmauer ist also nicht ein einfaches Bauteil, sondern ist im gewissen Sinne prägend für das finale Bauwerk. Die Werte, die ein Architekt planerisch in ein Gebäude legt, bekommen einen ganz anderen Dreh, wenn sie auf die Zwangsläufigkeit der Brandmauer treffen.

Ein bisschen Sicherheit, ziemlich viele Einschränkungen

Die Brandmauer ist die bauliche Entsprechung für einen Umstand, den man nicht völlig ausschließen kann – ein Prinzip, das auch jenseits der Baukunst immer wieder bemüht wird. Sie mag einen Augenblick lang Zeit gewinnen lassen, aber die Branddynamik vollkommen einhegen, dazu ist sie nicht in der Lage. Brandherde vereiteln kann sie nicht. Kettenreaktionen eines Brandes kann sie für gewissen Zeit unterbinden, indem sie beispielsweise als Barriere für Frischluftzufuhr wirkt.

Für Menschen, die in Behausungen leben, in denen es solche Mauern gibt, bedeutet sie eine gewisse Distanz zu den ursprünglichen Wohnvorstellungen. Der Mangel an Tageslicht schränkt ein – für diese Leute kann die Brandmauer mitunter wie eine Farce wirken, denn sie soll eine Sicherheit garantieren, wirkt sich aber immens auf die Lebensqualität und ein »natürliches Wohnen« aus. Eine Brandmauer verändert also immer das einst beabsichtigte Konstrukt und kann sich negativ auf das ganze System des Gebäudes auswirken – nur um im Brandfall dann das Abbrennen doch nicht verhindern zu können.

Sicherer ist es daher immer, Brandursachen zu bekämpfen, um etwaige Brandherde gar nicht erst entstehen zu lassen. Brandmauern können lange halten. Der Bewohner vermag sich mit ihnen vielleicht aber nicht immer zu arrangieren, denn häufig stellt sie eine schroffe Grenze zu anderen Gebäudeteilen dar. Die Brandmauer ist Brandschutz, allerdings lediglich ein Brandschutz durch Verzögerung. Dass der Begriff der Brandmauer inzwischen auch politisch verwendet wird, ist daher kein Zufall. Parteien versuchen damit, bestimmte Kräfte durch eine harte Trennlinie auszugrenzen. Doch wie im Bauwesen gilt auch hier: Eine Brandmauer kann ein Feuer nicht löschen – sie verschiebt nur den Moment, in dem es sich dennoch ausbreitet.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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21 Kommentare

  1. In Zeiten, wo Architekten eh nur „in Beton denken können“, sind Brandmauern kein Problem….

    😉

    Ps: In so einer „Schöner Wohnen“-Sendung sah ich neulich, daß es mittlerweile sogar schon Tapeten in „Sichtbeton-Optik“ gibt…

    1. Laut Google ist der Quadratmeter Mauerwerk um 30 Euro günstiger als Beton. Es gibt auch Gipskarton in Feuerschutzklassen.
      https://www.baywa-baustoffe.de/b2b/de/i/produktwelten/trockenbau/feuerwiderstandsklasse-f90/

      Wie EU-Weber gerade demonstriert, können sich die Architekten von Mauern alles Mögliche zum Feuerschutz überlegen, es wird immer Politiker geben, die Mauerdurchbrüche für ihre persönlichen Interessen schaffen.

      Das Bild mit dem Feuerschutz gefällt mir nicht besonders gut, weil Feuer im Mittelalter, wo es wirklich viele verheerende Brände gab, von unachtsamen Menschen in beengten Lebenssituationen unabsichtlich verursacht wurde.
      Heute sind es Elektrizität, menschliches Fehlverhalten, Überhitzung, Brandstiftung, Feuergefährliche Arbeiten.

      Mit dem Bild der Brandmauer werden heute Oppositionspolitiker bekämpft, denen man politisch scheints nichts mehr entgegensetzen kann, denen man den Verfassungsschutz auf den Hals hetzt, der dann Gutachten schreibt, die medial zur Bekämpfung benutzt werden, die gleichzeitig aber geheim sind und letztendlich vor Gericht nicht standhalten.

      Die Opposition und ihre Wähler werden mit dem Bild entmenschlicht und zum gesellschaftlichen Abschuss freigegeben.

      Der Ausspruch „Nie wieder“ sollte eigentlich genau diese Art von entmenschlichendem Feuer unterdrücken helfen.

      Aber wir leben im Neoliberalismus, da werden Begriffe entleert, neu aufgefüllt, um 180 Grad gedreht, vom Diskurs ausgesperrt – egal was. Immer, wie es gerade passt.

  2. An dem Punkt sind wir angekommen!
    Die AfD kann gut in der nächsten Regierung sitzen, da bin ich mir ziemlich sicher.
    Die „Brandmauer“ der Parteienoligarchie sehe ich aber nicht als Schutz gegen rechts, denn m.E. werden wir längst von Rechten regiert, sondern als Versuch, die eigenen Pfründe zu schützen.
    Kampf gegen Rechts klingt aber besser!

    1. Sehe ich auch so. Die AfD kann gut in der nächsten Regierung sitzen, – man würde wohl kaum einen Unterschied bemerken. Ziemlich blöd für die, die von der AfD eine Verbesserung erwarten.

      1. @Jinpa: Man wird mit Sicherheit Unterschiede zu den Regierungen der letzeten 40 Jahre
        bemerken, wenn die AFD in der Regierung sitzt. Das EU Parlament wird das als erstes
        merken. Gleichzeitig auch der ÖRR und die Murdock Medien.

  3. Es ist heutzutage durchaus möglich eine Brandwand so zu gestalten, dass sie Türen und Fenster erhält. Das kostet, ist es aber im Sinne der Gebäudenutzung wert. Darauf zu verzichten, würde das Gebäude in seiner Nutzung einschränken.

    1. Na ja…. die meisten Brandmauern sind eh die Seitenwände zu anderen Gebäuden, die also ein Übergreifen eines Feuers auf ein Nachbargebäude verhindern/bremsen sollen.
      Davon ab wird vor allem auf feuersichere Fluchtwege Wert gelegt. Also bspw. Treppenhäuser mit Rauchabzug, in denen nichts brennen kann.

      Aber ja, es gibt Konstruktionen von Brandmauern/wänden, die durchlässig sind. Theater sind so aufgebaut. Da gibt es feuerfeste Türen zwischen den Abteilungen und auch die Vestibüle dienen nicht nur dem Flanieren. Die berühmte Semperoper in Dresden, ein Bau aus dem 19. Jahrhundert, ist das Ergebnis eines verheerenden Brandes ihres Vorgängerbaues. Die riesigen Vestibüle dienen da dem Zweck, das gesamte Publikum schnell aus der Gefahrenzone Zuschauerraum zu evakuieren, und dann langsam abfließen zu lassen. Deshalb ist dort der Platz für all die Leute und es wurden ausschließlich nichtbrennbare Materialien wie Naturstein und Stuckgips verwendet. Nur die Böden sind mit Parkett belegt.

  4. All das ist absolut korrekt, allerdings ein wenig bedeutungslos, denn eine Brandmauer funktioniert überhaupt nur dann, wenn es hinter der Mauer brennt. In der deutschen Politik fackelt es bereits lichterloh DAVOR!

  5. Eine nette allegorische Betrachtung. Allein: Die Analogie der Brandmauer ist zweifelhaft. Denn in der Demokratie schließt sie keine elementare Gewalt, sondern (um in die Analogie zu zurückzukehren und die Allegorie stimmig zu machen) die Bewohner der Nachbarwohnungen aus der Mitbestimmung für das Gemeinschaftseigentum aus und macht sie zu Parias, weil unter ihnen einige sind , die unangenehm riechen.
    Die Erfahrung unter Wohneigentümern lehrt: Man muss mit allen auskommen, auch wenn sie unappetitlich sind. Einmauern ist keine Lösung! Vielmehr sucht man bei der Eigentümerversammlung Gemeinsamkeiten, Kompromisse und Mehrheiten, um das Haus als Ganzes instandzuhalten.
    Sollten diese Mitbewohner tatsächlich zündeln, und drohen, das Haus in Brand zu stecken, – und nur dann – müssen die anderen Bewohner zu robusteren Maßnahmen greifen.

  6. Kein Schwein ist gezwungen Faschos zu wählen.

    Aber Hauptsache jemand anders als die Bürger sind schuld, das ist genauso erbärmlich wie damals nach 1945!

    1. Niemand behauptet, dass irgendwer gezwungen wäre, irgendwen zu wählen. Aber man kann mit Sicherheit sagen, dass es Gründe gibt, warum einer so oder anders wählt. Diese Gründe kann man zu erforschen versuchen. Das scheint mir sinnvoller als selbstgerechte Schimpferei vom hohen Ross herab.

        1. Wo haben denn jemals Anhänger der Links-Grün-Woken Ideologie etwas gerissen. Habeck et. al. haben höchstens verrissen. Und an welcher Stelle ist denn die AfD faschistisch? Gib uns doch mal eine Definition des Faschismus in zwei Sätzen. Und daran kann man dann spiegeln, ob die AfD diesen Kriterien genügt.

  7. „..Brand bei seiner Ausbreitung zu behindern: diese Funktion erfüllt sie.“
    Damit ist das Kernkriterium, Leben zu schützen bzw. rettbar zu machen, erfüllt.

    „Türen und Fenster sind jedoch nicht vorgesehen, was bedeutet, dass Brandmauern die Licht- und Lebensverhältnisse beschränken können, wenn man sie zwischen zwei Gebäudeteile zieht. [..]
    Der Mangel an Tageslicht schränkt ein..“
    Der Gemeine Mieter in Mehrfamilienhäusern verfügt m.W. weder über einen Panoramablick noch über Fenster und Türen zur Nachbarwohnung – welch‘ Mangel an Tageslicht und Übermaß an Einschränkungen.

    „Bei Umbauten können Brandmauern nicht einfach entfernt werden.“
    Tja – macht auch wenig Sinn; es sei denn, dass selbst tragende Wände im Sinne „individueller oder architektonischer Kreativität“ als störend empfunden werden.

    „Eine solche Brandwand ist immer ein struktureller Einschnitt in die Architektur.“
    Ja vermutlich. Daher sind seit Jahrzehnten Neubauten uniform und sehen wie genormte Kisten, Lego-Bauten und Verunstaltungen aus.

    „Brandherde vereiteln kann sie nicht.
    Sicherer ist es daher immer, Brandursachen zu bekämpfen, um etwaige Brandherde gar nicht erst entstehen zu lassen.“
    Bedeutet entweder, sich die Elemente untertan zu machen, oder Menschen den Umgang mit Feuersteinen zu verbieten, die ursächlich für Brände verantwortlich sind.

    Aber dennoch sehr achtbar, wenn man, um irgendwann und -wie auf einen speziellen und angepeilten Punkt kommen zu wollen, diesen zuvor platzfüllend mit schwerst hinkenden Apfel-Birnen-Vergleichen umschreibt.

  8. „[…]Geld für die Welt — Maurice Höfgen

    Wieso so viele Arbeiter AfD wählen und was sich ändern muss!

    Analyse zur Landtagswahl: Warum gewinnt die AfD so viele Arbeiter?

    Wieso fällt den anderen Parteien nichts dagegen ein?

    Und wieso ist die SPD so schwach?

    Artikel | 25 Prozent für alle: AfD plant radikale Steuerreform
    https://open.substack.com/pub/maurice…[…]“

    Quelle und kompletter Text:

    https://www.youtube.com/watch?v=HfRUzf_bkRA

    Ohne weiteren Kommentar von mir dazu 😉

    Gruß
    Bernie

    1. Ergänzungen:

      Auch die passenden 2 Karikaturen sind sehr aufschlußreich, die Maurice Höfgen im von mir verlinkten YouTube-Kanal zeigt.

      Man sollte es sich wirklich ansehen, auch wenn es etwas länger ist, bevor man das wirklich sehenswerte YouTube-Video des Ökonomen, Sachbuchautors sowie Bloggers kommentiert 😉

      Es geht darum, dass jeder Normalarbeitnehmer/in; Arbeitslose oder Niedrig-/Niedrigstlöhner der die AfD wählt letztendlich den berühmten Kakao wählt durch den die AfD diese Wähler letztendlich als neoliberal-rechtsextreme-marktreligiöse Partei zieht.

      Sollte mehr Leuten bewußt sein, dass die AfD allein schon aus den Gründen des Neoliberalismus, sowie der Markttaliban-mäßigkeit, unwählbar für die „Unter- und Mittelschichten“ ist.

      Gruß
      Bernie

  9. Trump meinte auf die Frage, was seine Macht eingrenze, eigentlich nur sein Wissen und sein Gewissen. Ansonsten könne er tun und lassen, was er wolle. Diese Aussage war eine klare Absage an Regeln, Gesetze, Demokratie und Gewaltenteilung und ihr folgte eine deutliche Verurteilung durch die Medien.

    Wer diese Auffassung Trumps allerdings verurteilt, kann eigentlich nicht für Brandmauern, Parteiverbote und eine „wehrhafte“ Demokratie kämpfen. Denn wer dafür ist, Brandmauern zu errichten und Parteien zu verbieten, der stimmt Trump im Prinzip zu, denn durch die Gewaltenteilung sollte jede Demokratie bereits ausreichend vor ihrem Mißbrauch geschützt sein. Der Brandschutz ist ja bereits durch die Gewaltenteilung in der Demokratie eingebaut!

    Wer also später künstliche Brandmauern fordert, gibt zu, dass es eine echte Demokratie mit Gewaltenteilung in Deutschland gar nicht gibt. Unsere Eliten scheinen zu wissen, dass sie sich genau wie Trump über Regeln und Gesetze hinwegsetzen können, ohne dass der Rechtsstaat sie später zur Rechenschaft ziehen wird. Brandmauern und Parteiverbote wären also aus genau diesem Grund wichtig. Sonst kommt die Gegenseite an die Macht – und die könnte auch machen, was sie will.

    Wenn die politischen Eliten davon reden, „unsere Demokratie“ sei in Gefahr, dann ist es genau ihre Demokratie, die auf der Kippe steht – nicht meine. Und auch nicht die von immer mehr Wählern, die sie nicht mehr wählen. Wenn sie wirklich „unsere Demokratie“ verteidigen wollten, würden sie darum die Eigenständigkeit der Justiz stärken, anstatt von Brandmauern und Parteiverboten zu träumen. Aber irgendwie wollen sie an den Wählern vorbei auch bei einer Wahlniederlage an der Macht bleiben. Das ist ihr feuchter Traum.

    In Amerika ist das übrigens ein wenig anders. Da sind die Richter unabhängig und es ist nicht vereinbart, dass Mr. Trump seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nicht vor Gericht wird verteidigen müssen.

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