Befinden wir uns in einer Zeitenwende?

Wüste
© Vyacheslav Argenberg / http://www.vascoplanet.com/, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Zwei Intellektuelle unserer Gegenwart – Moshe Zuckermann, Historiker und Zeitdiagnostiker, und Florian Rötzer, Journalist und Philosoph – sprechen in ihrem Buch »In der Wüste der Gegenwart« über das, was unsere Zeit erschüttert.

Es ist ein Experiment des freien Denkens über Grenzen hinweg: zwischen Israel und Deutschland, zwischen verschiedenen Lebensgeschichten, Prägungen und kulturellen Perspektiven. Gemeinsam werfen sie einen hellsichtigen Blick auf die Zeitenwende: den Stand der demokratischen Kultur, das Verstummen kritischer Diskurse, das Erstarken rechter Bewegungen und die Transformation der Öffentlichkeit durch Medien und Algorithmen. Sie konstatieren, dass Wissenschaft und Kultur zunehmend als Bedrohung gelten und dass die intellektuelle Auseinandersetzung in einer Welt des kulturindustriellen Lärms kaum noch Gehör findet. Doch gerade jetzt fordern sie eine neue Rolle für den Intellektuellen: als unbequemer Außenseiter, der sich nicht vereinnahmen lässt – ähnlich den Philosophen der Antike. Hier ein Auszug, ein Text von Florian Rötzer vom 15. Februar 2025.

Es ist vielleicht vermessen zu behaupten, dass wir an einem Wendepunkt der Geschichte stehen könnten. Jede Generation wird sich schließlich vorstellen wollen, zu einer entscheidenden Zeit zu leben, um die eigene Bedeutung zu steigern – auch wenn es darum geht, vor einem vermeintlichen Untergang zu stehen. Lange haben etwa die Christen auf die Apokalypse gewartet, die dann aber nie eingetreten ist. Es gibt immer Ereignisse, die einen Wendepunkt – oder mit dem Jargon des prämodernen Trauerspiels gesprochen: eine Peripetie – hin zum Katastrophalen markieren sollen.
In jüngster Zeit waren solche Wendepunkte beispielsweise der Fall der Mauer und die Auflösung der Sowjetunion, der Siegeszug der Digitalisierung und des Internets, der völkerrechtswidrige NATO-Krieg gegen Serbien kurz vor der Jahrtausendwende, der zur Abtrennung des Kosovo führte, die 9/11-Anschläge und die Kriege gegen Afghanistan, Irak und den Terrorismus kurz darauf, die globale Finanzkrise und schließlich der zum Krieg ausgewachsene NATO-Russland-Konflikt um die Ukraine.

Zwei Kriege, die in sehr unterschiedlicher Weise behandelt werden

Unter großem Beifall hatte Bundeskanzler Olaf Scholz am 27. Februar 2022, kurz nach Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine, eine »Zeitenwende in der Geschichte unseres Kontinents« ausgerufen. »Die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor«, sagte er, um in den Kampf gegen das Böse im Glauben einzutreten, »auf der richtigen Seite der Geschichte« zu stehen. Es dauerte nicht lange, bis nach der Zeitenwende von Scholz für Israel und den Nahen Osten der 7. Oktober 2023 kam, der einem Blitzkrieg gleichende brutale Überfall von Hamas und anderen Palästinensern aus dem Gazastreifen auf Israel und die vernichtende Antwort der israelischen Regierung unter Netanjahu, die seitdem mit einer mörderischen und mitleidslosen Konsequenz den Gazastreifen in Schutt und Asche legen, um letztlich die Palästinenser zu vertreiben und den Landstrich zu besiedeln.

Zwei Kriege, die in sehr unterschiedlicher Weise behandelt werden und die Welt spalten. Und dann traten zwei disruptive Kräfte auf, die auch die genuin philosophische Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit verstärkt haben, weil sie Unsicherheit und Angst und die damit verbundene Härte überhandnehmen lassen. Ich meine das Eindringen der Künstlichen Intelligenz in Form der generativen Modelle in den Alltag, was das Leben der Menschen von der Arbeit bis zur Sexualität und darüber hinaus auf unabsehbare Weise verändern wird. Und den historisch gesehen fast gleichzeitigen zweiten Wahlsieg von Donald Trump, der sich an die Spitze von rechten, libertären und neoliberalen Bewegungen auf der ganzen Welt stellt und zumindest die Ordnungen, Regeln und Lebensweisen der westlichen Welt, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, zu zerstören droht. Trump, der zentral auch einer »maskulinistischen Konterrevolution« (Ivan Jablonka) den Weg bereitet, erscheint als der Vollender der Wendezeit, als Sinnbild und Werkzeug des Destruktiven. Dass seine sprachlichen Äußerungen der »leichten Sprache« für Menschen mit Lese- und Verständnisschwäche gleichen, andere sprechen von »Basic Talk«, und er ganz im Sinne der Banalität des Bösen jedes Reflektieren zu vermeiden scheint oder dazu nicht fähig ist, macht ihn gleichzeitig zu einem Unterhalter und einem Akteur, der mit der Kettensäge oder dem Bagger alles für ihn und seine Interessen Hinderliche wegräumt, als ob es damit gelöst sei. Das findet zwar (noch) nicht mit einer Guillotine statt, erinnert aber an Hegels Diktum aus der Phänomenologie des Geistes über die absolute Freiheit und den Schrecken. Trump ließe sich in seinem ungetrübten Narzissmus so verstehen, dass der allgemeine Wille sich nur in einem »Selbst, das Eines ist«, verkörpert, das alle anderen Einzelnen ausschließt: »Kein positives Werk noch Tat kann die allgemeine Freiheit hervorbringen, es bleibt ihr nur das negative Tun; sie ist nur die Furie des Verschwindens.«

Allmähliches Zerbröckeln

Nun weiß man bei Hegel, dass für ihn wie für Hölderlin der Wendepunkt eigentlich eine Öffnung für Neues ist: »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.« Hegel hat seine Zeit in der Phänomenologie des Geistes als eine »Zeit der Geburt und des Übergangs«, als Beginn einer neuen Epoche und des revolutionären Fortschritts sehen wollen und dazu eine bekannte Beschreibung gegeben, die mich an die Gegenwart erinnert: »Der sich bildende Geist (reift) langsam und stille der neuen Gestalt entgegen, löst ein Teilchen des Baues seiner vorhergehenden Welt nach dem anderen auf, ihr Wanken wird nur durch einzelne Symptome angedeutet; der Leichtsinn wie die Langeweile, die im Bestehenden einreißen, die unbestimmte Ahnung eines Unbekannten sind Vorboten, dass etwas anderes im Anzuge ist. Dies allmähliche Zerbröckeln, das die Physiognomie des Ganzen nicht veränderte, wird durch den Aufgang unterbrochen, der, ein Blitz, in einem Male das Gebilde der neuen Welt hinstellt.«

Wenn der Zeitgeist heute ebenso durch eine meist als Angst erlebte Ahnung des Unbekannten im allmählichen Zerbröckeln beschrieben werden könnte – vielleicht ist die Massenmigration in die reichen Länder des Westens oder die drohende Klimakatastrophe das derzeitige Bild des befürchteten Untergangs der Kultur und der Staatlichkeit –, lässt sich aber meines Erachtens noch keine Kontur des »Rettenden« erkennen. Die alten Rezepte des Liberalismus und des Marxismus, von der Religion jeder Art ganz zu schweigen, haben sich offensichtlich erschöpft, der Blick in die Zukunft ist versperrt, die Hoffnung richtet sich einmal mehr auf die Erhaltung oder Wiederherstellung der als »gut« angesehenen Gegenwart, was im Slogan, dies oder jenes wieder groß zu machen – mit der Betonung auf »wieder« –, durchscheint. Gleichzeitig dominiert das Gefühl, dass, wenn es so weitergeht, die Katastrophe eintritt.

Wer sich nicht blind der illusionären Wiederherstellung verschreibt, sieht sich der Situation ausgesetzt, im allmählichen Zerbröckeln leben zu müssen, also nur notdürftig das Schlimmste reparieren zu können, während nebenan das nächste Teil herabfällt. Der jüdische Philosoph Vilém Flusser, der vor den Nazis geflohen ist und seine Identität schließlich als Migrant fand, hat von der Erfahrung der Bodenlosigkeit gesprochen. In Bezug auf die Wissenschaftstheorie formulierte Otto Neurath eine eindrucksvolle Metapher, die auch für unsere Situation zuzutreffen scheint: »Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können.« Und wir scheinen – ohne das Ziel, das wir aus den Augen verloren haben – auch nicht mehr navigieren zu können, sondern müssen durch die die Aussicht versperrenden Wogen um das Überleben surfen.

Wir scheinen, wie in anderen Wendezeiten, keine überzeugenden Mittel und Wege des Denkens zu haben, uns in einer auseinanderfallenden Welt zurechtzufinden, ohne panisch zu werden und um uns zu schlagen, nur egoistisch im Hier und Jetzt zu leben – nach mir die Sintflut! – oder sich in einer der schon bröckelnden Denkburgen zu verbarrikadieren. Aber vielleicht sehe ich in der Situationsbeschreibung der Gegenwart auch vieles falsch.

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Florian Rötzer

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher. In diesen Tagen erschien sein Buch In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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14 Kommentare

  1. „Befinden wir uns in einer Zeitenwende?“ Ja, ich will dies anhand einer E-Mail verdeutlichen.

    An: ‚karin.prien@cdu-sh.de‘; ‚poststelle@bmbfsfj.bund.de‘
    Cc: ‚fraktion@cducsu.de‘; ‚friedrich.merz@bundestag.de‘; ‚carsten.linnemann@bundestag.de‘; ‚jens.spahn@bundestag.de‘; ‚markus.soeder@soeder.de‘; ‚bundespraesidialamt@bpra.bund.de‘; ‚bundesrat@bundesrat.de‘; ‚alexander.dobrindt@bundestag.de‘

    Anhang 1: Jan Ruckenbiel: Soziale Kontrolle im NS-Regime
    Anhang 2: Dr. Reiner Zilkenat, November 2004: Die SA – Bürgerkriegsarmee und Massenorganisation
    des deutschen Faschismus

    Betr.: „Ihr Interview im Hass-und-Hetze-Medium taz ( 23.01.2026 ) — „Zersetzung“ u. a.

    https://taz.de/Karin-Prien-ueber-Angriffe-von-rechts/!6144384&s=Prien/

    Guten Tag Frau Bundesministerin,
    ganz allgemein:

    1) Sie wissen schon, dass im Nachkriegsdeutschland u. a. Ihre Partei ( maßgeblich Konrad Adenauer ) NAZIS zu Spitzenkarrieren u. a. in Bundesministerien und Landesministerien verhalf bzw. selbige förderte? Braunes Gedankengut wurde u. a. auf diese Weise in staatlichen Institutionen zementiert. – Nämliches gilt für die Wirtschaft. Dies ist e i n Grund, weshalb ich u. a. Ihre Partei kategorisch ablehne. Die CDU kann man auf diesem Hintergrund durchaus NAZI-Partei nennen. Mit anderen Worten: Erst das Feuer legen und dann die Zerstörungen beklagen.

    [ Vgl. hierzu Werner Rügemer: Adenauers gekaufte Demokratie, NachDenkSeiten, https://www.nachdenkseiten.de/?p=42169&pdf=42169 . Ders.: Der christliche Lügner, NachdenkSeiten, https://www.nachdenkseiten.de/?p=144278 . Ders.: „Im Herbst 2026 erscheint die ausführliche Adenauer-Biografie im Kölner Papyrossa-Verlag, mit zahlreichen, auch neuen Quellenangaben, viele aus den USA.“]

    2) Wer den Staat und seine Institutionen samt deren Tun und Nichttun kritisiert aus verschiedensten Gründen, ist nicht Rechts, rechts, zersetzend oder was auch immer. Auch Sie insinuieren das. Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: hat noch niemals in der Menschheitsgeschichte funktioniert. – Sie wissen schon, dass die AfD 2013 gegründet wurde?

    3) Sprache: Im Interview sprechen Sie immer von „Jungs“. Es heißt „Jungen“. Dass Sie Begriffe wie „Zersetzung“ verwenden, lässt auf einen Hang zu Totalitärem schließen.

    4) Deutschland steckt in einer tiefen Krise in allen Bereichen. Sie wissen schon, dass CDU / CSU seit NAZI-Adenauer-Nachkriegsdeutschland ( „Keine Experimente!“, K. Adenauer ) in Deutschland im Grunde durchregieren? Was lehrt uns das? Es war noch niemals glaub- und vertrauenswürdig, wenn diejenigen, welche, wie in diesem Falle, ein Land in den Abgrund manövrierten ohne Not, vorgeben, es aus diesem Graben wieder erfolgreich heraus zu ziehen.

    Ferner verstört, mit welch primitiven Nicht-Argumenten Sie und ihre Partei versuchen, genau von diesem Sachverhalt abzulenken. Dies zeigt, welch gestörtes Verhältnis sie alle in der politischen Klasse dem Souverän gegenüber haben.

    Ich erläuterte dies in folgendem Leserbrief:
    ***************
    Betr.: „FRIEDRICH MERZ ( CDU ): Leserbrief zur Arbeitsmoral der Deutschen: Merz diffamiert Menschen, die den Staat finanzieren und tragen

    Sehr geehrte Frau […],

    ich stimme Ihnen ohne Einschränkung zu. Die Anfeindungen im Stile eines Monarchen des auf Zeit gewählten Herrn Bundeskanzlers – und vieler anderer – gegen den Souverän, der auch ihn alimentiert, trotz Wortbrüchen / Minderleistungen zwangsalimentieren muss, sind schlicht unerträglich.

    Mir ist in meinem bisherigen Berufsleben ( seit 1980 ) aufgefallen, dass die üblichen Parteienvertreter immer und immer primär auf jene gnadenlos einschlagen, welche das ganze System ‚am Laufen halten‘, nämlich auf den Otto Normal Arbeitnehmer:

    1) Sooo schlecht und so wenig kann der deutsche Otto Normal Arbeitnehmer gar nicht arbeiten, wenn ich mir die Entwicklung des DAXes einerseits sowie die Entwicklungen der Unternehmensrenditen samt Entwicklungen der Top-Manager- / Führungskräftegehälter andererseits im Verlaufe der letzten 25 Jahre anschaue.

    Thema Krankenstände: Wie hoch ist der Krankenstand bei Beamten bzw. Angestellten im Öffentlichen Dienst? Und wer muss auch diese ebenfalls alimentieren?

    Wer zahlt überhaupt nichts in Sozialsysteme ein?

    2) Die sog. „Agenda 2010“ sollte Herrn Merz doch mehr als zufrieden gestellt haben, lieferte diese doch Otto Normal Arbeitnehmer der Wirtschaft ans Messer; entrechtete die „Agenda 2010“ doch Otto Normal Arbeitnehmer nach dem zweiten Weltkrieg in nie gekanntem Ausmaß.

    3) Stichwort BDA: Mir ist z. B. kein Arbeitgeberverband einer anderen Industrienation bekannt, welcher das eigene Land so schlecht redete und redet wie der BDA. Mir ist kein Arbeitgeberverband einer anderen Industrienation bekannt, welcher so unpatriotisch agierte und agiert wie der BDA.

    Und nebenbei bemerkt: Mir ist keine andere Industrienation bekannt, in welcher derart zynisch mit Otto Normal Arbeitnehmer umgesprungen wurde – und dann auch noch seitens einer sog. ‚Arbeiterpartei‘ wie der SPD – wie in Deutschland. Ich sage nur S. Gabriel / Susanne Neumann / „Gerechtigkeitskonferenz“.

    4) Stichwort Output / Produktivität / Leistung: Der gesamte Staatsapparat gehört auf den Prüfstand. Beispiel „Bundesagentur für Arbeit“: Relation zwischen Vermittelnden und Verwaltenden. – Beispiel Steuermittelverschwendung. – Beispiel Think-Tank-Paralleluniversen um Umfeld des Deutschen Bundestages. Wozu haben wir eigentlich Universitäten?

    5) Wer regiert seit 1949 die BRD unterm Strich? CDU / CSU.

    6) Wo sind denn die tollen Arbeitsplätze – nicht irgendwelche Müll-Jobs -, welch im Zuge der sog. „Agenda 2010“ in Deutschland geschaffen wurden?

    7) Wer hat denn aus einer an Idiotie grenzenden Gier nach Renditen Produktionsstätten ins Ausland verlagert in den 80er / 90er Jahren? Die Folgen dieses desaströsen Technologieausverkaufes zum Nulltarif sehen wir heute. U. a. China ist genau dadurch groß geworden.

    Und angesichts dieser, von CDU / CSU verschuldeten, Lage fordert Merz, dass Otto Normal Arbeitnehmer die Zeche zahlen soll? Und angesichts dieser, von CDU / CSU vorbereiteten, Fehlentscheidungen fordert Ankündigungsbruchkanzler Merz nun, dass Otto Normal Arbeitnehmer mehr und länger arbeiten soll?

    8) Wer redet davon, dass Beamte bzw. Angestellte im Öffentlichen Dienst erheblichst länger arbeiten, dass z. B. die Regierungs- / Verwaltungsinstitutionen in Bund / Ländern / Gemeinden drastisch verschlankt werden müssen?

    Wieso gibt es in jedem Bundesland eine eigene Rentenversicherungsanstalt?

    Wer redet davon, dass die Steuermittelverschwendungen qua Geldtransfers ins Ausland ( Fahrradwege in Peru ), qua Subventionierung unzähliger NGOs usw., qua Alimentierung von Menschen aus aller Herren Länder, welche noch niemals in deutsche Sozialsysteme eingezahlt haben usw., sofort eingestellt werden?

    9) Wer redet davon, dass Rentenniveau drastisch anzuheben? Wer redet davon, allen Obdachlosen in Deutschland kostenfreien Wohnraum anzubieten? Für Menschen aus aller Herren Länder ging das; für die eigene Bevölkerung nicht?

    10) Aktuell wird übrigens beim WEF in Davos ausschließlich Politik für sehr Wenige ins Werk gesetzt.

    Noch vieles wäre zu nennen. Allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann ich daher nur zurufen: Macht kaputt, was Euch kaputt machen will. Ihr seid der Souverän, sonst niemand! […]“

    [ Soweit der Leserbrief.]
    ****************

    5) Thema Rechts / Rechte usw.: Wer treibt – letztlich – die Massen schon wieder in die Arme der Falschen – wie weiland in der Weimarer Republik ( Ich weiß, derlei Vergleiche sind problematischst. Aber Politik bemüht diese ständig, relativiert damit NS- / SED-Diktatur, Genozid(e), die Wannsee-Konferenz usw. )? Die Antwort liegt auf der Hand. – Was sind u. a. die Ursachen ( denn das Sein bestimmt das Bewusstsein )? Hybris, Ignoranz, Vetternwirtschaft der üblichen politischen Parteien ohne Maß und Ende, totale Bürgerferne in Bullshit Berlin / Brüssel … der Regierenden.

    6) Seit dem 24.02.2022 sind allein die Lebenshaltungskosten ( ‚Brot und Seife und Bett‘ ) / Steuern / Abgaben all in all in Deutschland im deutlich zweistelligen Bereich gestiegen. In welchem Maße gab es Lohn- und Gehaltserhöhungen im deutlich zweistelligen Bereich?

    7) Neue Medien / Soziale Medien / NiUS usw.: „Getroffene Hunde bellen“, sagt der Volksmund und „Der Fisch stinkt immer vom Kopf“. In der Tat, genau so ist es in verstärktem Maße seit zig Jahren. Denn sonst würden Sie, andere und der unmögliche MP Günther nicht derart irre reagieren – und auch offenkundig den Souverän an der Nase herumführen wollen. Mit all dem liefern sie alle Steilstvorlagen der Welt … und wundern sich wohlfeil. Und ja, wie dumm ist es, richtige Argumente abzulehnen, weil sie aus der falschen politischen Ecke kommen oder Diskussionen unterdrücken zu wollen, weil sie ‚den Falschen in die Hände spielen‘ könnten? Dümmer geht eben immer ( Stichwort Brandmauer ). Und genau hier beginnen Gesinnungsterror, Bevormundungsrhetorik, Obrigkeitsstaat usw. à la SED und NSDAP. Natürlich alles unterhalb der Strafbarkeitsgrenze, gell?

    8) Die sog. ‚demokratischen Institutionen“ in Deutschland sind qua Parteien-Vetternwirtschaft derart handlungsunfähig im Sinne neutralen / ‚objektiven‘ Agierens, die Diskussions- / Debatten- / Diskurskultur ist ( vor allem a u c h bei den ÖRR ) derart einseitigst und schon lange nicht mehr nicht-ergebnis-offen, dass eine umfassende Reformierung dieses Staates – der übrigens schon lange nicht mehr ‚meine Demokratie‘ ist – aus sich selbst heraus nicht mehr möglich ist.

    Mehr noch: Deutschland entwickelt sich in Riesenschritten hin zu einem Bevormundungs-Obrigkeits-Gesinnungsterrorstaat: Zensur heißt heute Regulierung, Ausgrenzung heißt heute Cancel Culture, Klimakriminelle heißen Klimaaktivisten usw., usw., usw. Viele weitere Euphemismen ließen sich nennen.

    War alles schon einmal da: Mit gesofteten SA-Schlägertrupp-Methoden 2.0 ( die NGOs lassen freundlichst Grüßen ) soll der Souverän verfassungswidrig eingeschüchtert werden, will eine Minderheit jenseits des staatlichen Gewaltmonopols usw. eine Mehrheit drangsalieren. Die Staatsmedien – euphemistisch ÖRR – machen fleißig mit, sind verlängerte Werkbänke der Ministerial-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit-Abteilungen, führen also die relevanten Aussagen des Grundgesetzes ad absurdum. Kann man machen: Auch derlei erinnert mich an das NSDAP- und SED-Regime. Aber Duckmäusertum und Maulkorb waren schon immer dem deutschen Staatswesen inhärente Elemente. Zivilcourage gehört eher nicht dazu. Das ist bitter!

    9) Nebenaspekt WEF in Davos, ein Paralleluniversum jenseits der UNO ohne jede demokratische Legitimation: Wer jetzt alles diesem Donald Duck, sorry, Trump huldigt … Gut, er kann 11 Flugzeugträger nach Belieben auf den Weltmeeren schippern lassen …

    Ach ja, eine Gemeinsamkeit haben wir: Wenn der Fall eintritt, verlasse auch ich dieses vermaledeite Land.
    „Die schnellstmögliche Herbeiführung eines größtmöglichen Allgemein- / Weltwohles muss das oberste Ziel allen Denkens und Handelns in ziviler Bürgergesellschaft, Politik, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft sein.“ ( RW )

    Mit unerquicklichen Grüßen
    Roland Weinert […]
    *************************************************************
    P. S.
    „BUNDESTAGSWAHL am 24.IX.2017
    Denkschablonen von vor-vor-vorgestern sollten out sein!
    Was wetten wir: Die sogenannten ‚etablierten Parteien‘ wursteln genau so „jämmerlich“ … ( s.u. mein Statement ) weiter wie bisher. Ganz im Sinne von Carl von Ossietzky ( s.u. ). Man geht schnellstmöglich zur kalkül-machtpolitischen Tagesordnung über.

    Geistige Besinnung? Ergebnisoffen? Mal deutlich und nachhaltig inne halten jenseits der Machtgeilheit? Reflektieren? Nachdenken darüber, was für das Gemeinwohl, den Föderalismus in Deutschland, die Demokratie das Beste ist? Überkommene, scheinbar sich bewährt habende politische Denkkategorien hinterfragen, ernsthaft hinterfragen? Ergebnisoffen sein?

    Nachdenken darüber, wo und wie unsere Kinder und Kindeskinder leben …künftige Generationen? Oder wie es mit dem Planeten nachhaltig und für das gesamte Leben auf ihm bestmöglich weitergehen kann?
    Mal eine Taskforce ( eine Art ‚Nationaler Föderalismus- und / oder Demokratierat‘ ), bestehend aus wirklich u n a b h ä n g i g e n Politikwissenschaftlern, Medienrepräsentanten, Soziologen, Theologen, Ökonomen, Juristen, Menschen verschiedener Bürgerbewegungen …, einberufen …? — Das wäre übrigens einmal eine Aufgabe für einen „Bundespräsidenten“, der sein Amt versteht. Aber der gegenwärtige, Herr F.-W. Steinmeier ( SPD ), Mitvater der „Agenda 2010“, Ziehsohn Herrn Gerhard Schröders und dessen ehemaliger Kanzleramtsminister, bestens mit Waffenexportpolitik vertraut, ausgekungelt ins Präsidentenamt gelangt: Was will man von einer solchen Person erwarten?

    Kommen entsprechende Impulse von Gewerkschaften oder Kirchen oder den Medien?
    FEHLANZEIGE: Das wird alles genau nicht geschehen! Denn das würde ‚unsere Gesellschaft‘ massivst infrage stellen ( müssen ); u.a. das Parteiensystem, das nicht ergebnisoffene Besetzen öffentlicher Ämter u.a.m., das fast absolutistische Agieren der Parteien, die Desinformationspolitik der Medien rügen, Klientelpolitik anprangern müssen, Rüstungs- / Waffenexportpolitik thematisieren müssen, das Agieren von Konzernen wie auch der EU, rechtliche Ungleichheiten, Lobbypolitik, … müssen … müssen.

    Ich will nicht sagen, dass ich jetzt „kotzen muss“ wie weiland Max Liebermann in seinem Atelier am Brandenburger Tor – aber ich bin mental bereits über diesen Schritt hinaus und physisch kurz davor.

    P.S.
    Wir haben in Deutschland hunderte von Universitätsinstituten mit profiliertesten, unabhängigen Wissenschaftlern, welche seltsamerweise nie in den Medien erscheinen … Wieso nutzt man diese nicht? Wieso betreibt Politik wissenschaftliche und juristische sowie sonstige Kompetenz-Parallelwelten jenseits der Universitäten und Ministerien? – Der Grund: Wissen, unabhängiges Wissen ( nicht in Hinterzimmern ausgekungelte Argumentationen ), das dem Politik- und Wirtschafts-Konzernestablishment nicht passt, wird ‚non-faktisch‘ wegignoriert. Transparenz und Ergebnisoffenheit existieren nicht mehr. Die Volkssouveränität wird untergraben, das Grundgesetz wie das Rechtssystem insgesamt werden ausgehöhlt.

    Ein redlicher Diskurs sehr kritischer Natur wird durch systematische Diffamierungen und Diskreditierungen seit Jahrzehnten bewusst verhindert, weil Politik dem Primat einer Konsensgesellschaft huldigt. Das ist fürs Durchregieren besser. Das passt in eine Diktatur. Hat aber mit Demokratie faktisch gar nichts zu tun …
    Parteien-Wirtschafts-Konzern-Oligarchie: Hier sind wir angekommen!

    Übrigens: Der Herr Bundespräsident plant eine Ausstellung mit der ‚Regierungs-Bertelsmann-Stiftung‘ zum Thema Demokratie.
    Usw., usw., usw.

    NICHT IN MEINEM NAMEN!“

  2. Seit dem Ende (der achtziger Jahre) der Sowjetunion und des Warschauer Vertrages hat der Wertewesten seine Friedensdividende komplett verspielt. Währenddessen will er lieber mit Krediten seine Spieltheorie Bestätigen, statt ein Blick auf die Realitäten in Russland oder China zuwerfen.

    1. https://www.nachdenkseiten.de/?p=145157

      „Amerikaner spielen Poker, Russen spielen Schach und Chinesen sind Meister im Go, einem Brettspiel, bei dem gute Spieler 30 Züge oder mehr im Voraus denken. Und die Deutschen? Die sind anscheinend ganz gut in „Mensch, ärgere Dich nicht“. Mit Schach oder Go brauchen wir erst gar nicht anzufangen, aber was beim Poker ein „Bluff“ ist, sollten unsere Entscheider eigentlich schon verstehen.“

  3. In der Wüste der Gegenwart –
    ja, man bekommt mittlerweile einen guten Eindruck davon, wie sich das Leben in Kriegszeiten darstellt und anfühlt.

    1. „man bekommt einen guten Eindruck davon wie sich das Leben in Kriegszeiten darstellt und anfühlt.“

      Ja wie denn? Bekommen Sie nichts zu fressen? Giibt’s keinen Alkohol mehr? Werden Sie täglich nachts bombardiert wie in UA? Frieren Sie im Dunkeln wie in UA?

  4. Ja, wir befinden uns in einer Zeitenwende. Gobalisierung und NATO gehen zu Ende und die EU möglicherweise auch. Der Zionismus erleidet eine Niederlage. Die Erde wird von USA, Russland und China beherrscht, die mächtiger als die Konzerne sind.

    1. Ich denke, alles bewegt sich auf eine Auseinandersetzung zu zwischen der privaten Konzernmacht der USA und der kommunistischen Macht Chinas, zwischen liberalem Kapitalismus und gelenkter Marktwirtschaft.

  5. Das westliche Imperium ist am Ende und kracht zusammen. Das mag für die westliche liberalistische Weltsicht ein Desaster sein, aber zum Glück gibt es ja noch andere Weltsichten. Nach meiner Weltsicht ist es ein längst überfälliges Geschehen mit dem Potential zur Erneuerung.

  6. Die Zeitenwende bestand für mich vorrangig in der Erkenntnis, dass wir einer Illusion von einem humanen Europa nachgejagt sind. Die Verabschiedung der Kriegskredite mit Zustimmung fast aller Parteien, vor Amtsübernahme der neuen Regierung, aber mit Mehrheiten des abgewählten Bundestages, düften jeden denkenden Menschen die Augen geöfnet haben. Wahlen sind nur Beschäftigungstherapie für den Michel, genauso sämtliche Politsendungen im Fernsehen. Wir sind nur Mittel zum Zweck, Stimmvieh. Und wenn das Ergebnis nicht passt, wird es angepasst oder angefochten wie in Rumänien, oder Einwände in die Auszählung werden höchstrichterlich abgeschmettert. Soweit, so ungut.
    Was aber bei dieser ganzen teuren Maschinerie wohl nicht bedacht wird, ist, wie soll ein solch moralisch und wirtschaftlich abgesacktes Europa gegen den Rest der Welt bestehen? Die neue Welt der Autokratien (die für das eigene Volk eventuell mehr vollbringen als unsere korrupte Scheindemokratie) braucht Europa vermutlich nicht mehr lange. Derzeit ist es noch Absatzmarkt und in kleinerem Umfang Teil der Lieferketten für den Rest der Welt. Der globale Süden wird uns als Absatzmarkt ablösen, Rohstoffe und Knowhow haben die BRICS selbst, die USA kämpfen mit unlauteren Mitteln um ihr Überleben. Und was macht Europa? Seiner Bevölkerung Sand in die Augen streuen und sich selbst in Trance begeben, damit Kritik nicht mehr gehört werden braucht. Ich sehe vor Kompettabsturz und kompletten Neubeginn keine Lösung.

    1. Ja ohne Komplett-Absturz wird es vermutlich nicht gehen. Wir müssen ja den transatlantischen Geist loswerden und uns aus dem Vasallentum befreien, dann können wir uns vielleicht einreihen in eine neue Weltgemeinschaft ohne westliche Überheblichkeit. Realistischerweise dürften wir dann (nach dem Komplett-Absturz) an Wohlstand verloren haben.

      Unsere geistige Elite steuert konsequent auf den Abgrund zu. Soll sie darin verschwinden! Diesen neoliberalen Geist müssen wir loswerden, dann kann sich der große Rest neu ordnen.

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