
Die für den Sonntag angesetzten Parlamentswahlen sind mehr als eine innere Angelegenheit Armeniens. Die Groß- und Mittelmächte USA, Russland, EU und Aserbaidschan verknüpfen mit ihnen jeweils eigene Interessen im Südkaukasus.
Die Würfel in Jerewan scheinen gefallen. Die Meinungsforscher sagen dem seit dem Jahr 2018 amtierenden Premier Nikol Paschinjan und seiner liberalen Partei Zivilvertrag einen klaren Wahlsieg bei den Wahlen zur armenischen Nationalversammlung voraus. Unter den als chancenlos angesehenen Oppositionsparteien wird der kremlnahen Partei Starkes Armenien des Milliardärs Samvel Karapetyan noch das beste Wahlergebnis zugetraut. Abgesehen von der Stimmenverteilung ist die Wahl mit Unwägbarkeiten verbunden, die große Bedeutung haben für die künftige Entwicklung des Landes, das sich gerade erst aus jahrzehntelanger Isolation zu befreien sucht.
„Ich freue mich, bekannt geben zu können, dass die Achalkalaki-Kars-Eisenbahn und die aserbaidschanische Eisenbahn nun für Exporte aus und Importe nach Armenien geöffnet sind“, teilte Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan am 24. Mai 2026 via Facebook mit. Es sei dies ein „großartige Ereignis für das Wirtschaftsleben unseres Landes“, für das „ich den türkischen und georgischen Partnern danke“.
Im Jahr 1993 hat die Türkei aus Solidarität mit Aserbaidschan im ersten Bergkarabach-Krieg ihre Grenzen zu Armenien geschlossen und den Transit armenischer Waren über ihr Territorium untersagt. Seitdem standen Armeniens Außenhandel auf dem Landweg lediglich Grenzübergänge nach Georgien und zum Iran offen.
Nach Aserbaidschans Rückeroberung von Bergkarabach im September 2023 unterzeichneten der armenische Regierungschef Paschinjan und der aserbaidschanische Staatspräsident Ilham Aliyev am 8. August 2025 eine „Vereinbarung zur Etablierung von Frieden und bilateraler Beziehungen“.
In sie aber hat Aserbaidschans Präsident Aliyev dem armenischen Regierungschef eine schwerwiegende Vorbedingung für den Abschluss eines vollgültigen Friedensabkommens reindiktiert. Ihr zufolge soll Armenien den Passus der Präambel der Verfassung streichen, der auf die Unabhängigkeitserklärung Armeniens von 1990 verweist, in der die „Wiedervereinigung der Armenischen SSR und der Region Bergkarabach“ gefordert wird. interpretiert ihn als verklausulierten Gebietsanspruch und ein Hindernis für dauerhaften Frieden. Um eine solche Verfassungsänderung durchführen zu können, benötigt Paschinjans Partei in der armenischen Nationalversammlung aber eine Zweidrittelmehrheit.
Immerhin verfügt Armenien jetzt nach über drei Jahrzehnten über die Möglichkeit, Güterzüge über die im Jahr 2017 in Betrieb genommene Bahnstrecke zwischen Baku, Tiflis und dem türkischen Kars zu schicken. In westlicher Richtung öffnet sich ihm damit der Schienenweg zu den europäischen Märkten, ostwärts über Aserbaidschan und Zentralasien die freie Fahrt nach China.
Für die „nahe Zukunft“, verspricht Premier Paschinjan zudem die Wiederherstellung der brachliegenden direkten Eisenbahnverbindungen von Gyumri nach Kars und des rund vierzig Kilometer langen Sangesur-Korridors, der die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan über Armeniens südöstliche Region Sjunik mit dem aserbaidschanischen Kernland verbindet.
Insbesondere die Pläne zum Ausbau des Sangesur-Korridors haben heikle geopolitische Implikationen. Russland, das seit dem Jahr 2008 über eine dreißigjährige Konzession zum Betrieb der armenischen Südkaukasus-Eisenbahn verfügt, beäugt das Engagement der Vereinigten Staaten zu seiner Revitalisierung mit Argwohn.
Die USA titulieren den Sangesur-Korridor als „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP). Zu seiner Entwicklung sind sie mit den Armeniern das Joint Venture der TRIPP Development Company (TDC) eingegangen, an dem sie knapp drei Viertel der Anteile halten. Über eine Laufzeit von zunächst neunundvierzig Jahren soll TDC Infrastrukturprojekte wie Schienenstrecken, Straßen und Pipelines entwickeln, errichten und verwalten.
Mehr noch als vom Engagement der USA für die armenische Infrastrukturentwicklung fürchtet Russland von Armeniens fortschreitender Annäherung an die EU eine Beschneidung seines Einflusses im Südkaukasus. Im März 2025 verabschiedete die armenische Nationalversammlung mit großer Mehrheit ein „Gesetz zur Einleitung des Prozesses zum EU-Beitritt“.
Anfang Mai 2026 lud Premier Paschinjan die Staats- und Regierungschefs der EU und der EU-Beitrittskandidaten zu einem Gipfeltreffen der European Political Community (EPC) nach Jerewan. Auf dem erweiterten EU-Armenien-Gipfel sagte Brüssel dem Land eine Finanzhilfe von 270 Mio € zu und unterzeichnete mehrere Abkommen, darunter eine Konnektivitätspartnerschaft in den Bereichen Verkehr, Energie und Digitales.
Dem Treffen der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) Ende Mai in der kasachischen Hauptstadt Astana blieb Paschinjan dagegen fern. Auf ihm veröffentlichten die EAWU-Mitglieder Russland, Belarus, Kasachstan und Kirgisistan eine gemeinsame Erklärung, in der sie Armenien aufforderten, „so bald wie möglich“ seine Bürger und Bürgerinnen in einem Referendum über den EU-Beitritt zu befragen, da eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der EU und der EAWU unmöglich sei. Kreml-Chef Wladimir Putin warnte Armenien gar vor einem „ukrainischen Szenario“, das seinen Ausgang schließlich in Folge von Kiews EU-Bestrebungen genommen habe.
Doch Paschinjan lehnt ein Referendum ab und versichert, seine Regierung werde weiterhin innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) arbeiten, bis eine Entscheidung zwischen den beiden Blöcken „unvermeidlich“ sei. Eine solche Frage in einem Referendum zu entscheiden, sei „weder sinnvoll noch gerechtfertigt“, so Paschinjan.
Inzwischen hat Russland aber nicht nur seinen Botschafter aus Jerewan für Konsultationen nach Moskau zurückbeordert, sondern auch wirtschaftliche Sanktionen erlassen.
So beschied die russische Agraraufsichtsbehörde Anfang Juni, die Einfuhr von Meeresfrüchten aus Armenien würde aufgrund von Qualitätsmängeln auf zwei Jahre ausgesetzt. Zuvor erließ sie Einfuhrverbote für bestimmte Lebensmittel und Getränke wegen „Verstößen gegen Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen“. Zudem droht Russland mit der Aufkündigung des bilateralen Abkommens von 2013, das Armenien zollfreies Erdgas und Erdöl garantiert.
Riskantes Spiel
Armeniens Kurs hin zu einem EU-Beitritt wirft nach Ansicht der übrigen EAWU-Mitglieder die Frage auf, ob es seine gegenüber dem gemeinsamen Wirtschaftsraum gegebenen Verpflichtungen einhalten kann. Ist die EU-Mitgliedschaft für Armenien eine potenziell in Jahrzehnten zu bemessende Perspektive, so könnte der Ausschluss aus der EAWU kurzfristig ein herber Schlag werden für seine nationale Volkswirtschaft.
Armeniens Handel mit den Ländern des eurasischen Raums übersteigt den mit der EU um ein Vielfaches. Russland ist der bei weitem wichtigste Absatzmarkt für armenische Agrar- und Industrieprodukte. Moskau generiert über die Hälfte von Jerewans Außenhandelsumsatz und liefert ihm rund vier Fünftel seines benötigten Gases.
So prophezeit die russisch-staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti Armenien gar den Untergang als Folge seiner Abwendung von Russland. „Das westliche Interesse an Armenien (auch als Spielball im Machtkampf mit Russland) wird schwinden“, zitiert sie die Kyiv Post. Russland aber werde bestehen bleiben. „Nicht nur als Nachbar, sondern als Schicksalsträger und einzige Chance, die armenische Staatlichkeit zu bewahren. … Wird die EU Armenien als Mitglied zulassen? Das ist ein schlechter Witz, denn das wird niemals geschehen. Werden die USA das Land vor Aserbaidschan oder der Türkei schützen? Noch absurder. Wenn Armenien Russland den Rücken kehrt, verliert es nicht nur einen Markt und einen Wirtschaftspartner – es verliert seine Zukunft. Genauer gesagt: Es tauscht sie gegen die Rolle einer Provinz eines neuen türkischen Reiches ein“, warnt Ria Novosti.
In der Enttäuschung der Armenier über die ausgebliebene Unterstützung der Russen während Aserbaidschans Militäroffensive im September 2023 liegt eine Ursache für die Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Armenien und seinem traditionellen Verbündeten Russland. In ihrer Folge hat Jerewan eine beanspruchte Provinz verloren, dafür aber zumindest vorläufig einen Frieden gewonnen, der Armenien erweiterte Bewegungsfreiheit verspricht.
Ob und, wenn ja, wie sich das Kaukasusland nach den Wirren der Vergangenheit künftig souverän entwickeln kann, ist angesichts der mit ihm verwobenen Interessenslagen diverser Groß- und Mittelmächte unsicher. Die Europäische Union würde wohl gut daran tun, die Entwicklung Armeniens mit etwas mehr Zurückhaltung zu verfolgen, als sie dies zuvor in anderen Fällen getan hat.




Ganz demokratisch wurde die Opposition vor den Wahlen in Armenien verboten. Und warum sollte Russland Armenien weiterhin mit billigen Öl und Gas subventionieren, wenn das Land sich von der EU kaufen lassen will? Und was die „Meeresfrüchte“ aus dem Binnenland(!)Armenien betrifft…
Die Führung Armeniens will von der EU finanziert und ausgenutzt werden. Das will Rusdland nicht subventionieren. Zu Recht, wie ich finde.
„Ganz demokratisch wurde die Opposition vor den Wahlen in Armenien verboten. “
Die pro-russische Opossitionspartei „Starkes Armenien“ des Oligarchen Karapetyan ist nach meiner Kenntnis nicht verboten und nimmt an den Wahlen teil.
„Und warum sollte Russland Armenien weiterhin mit billigen Öl und Gas subventionieren, wenn das Land sich von der EU kaufen lassen will?“
Das Modell der russisch-armenischen Partnerschaft basierte auf einem Deal: Armeinen bekommt von Moskau Fossiles und Sicherheit, liefert dafür an Moskau -wie Lukaschenko- Loyalität und Unterwerfung. Moskau versucht aber nicht einmal, Armenien von irgendwelchen Vorteilen einer solchen Partnerschaft zu überzeugen, denn Sicherheit kann Moskau nicht mehr garantieren, stattdessen droht Moskau mit dem „ukrainischen Szenario“.
„… stattdessen droht Moskau mit dem ‚ukrainischen Szenario‘.“
Das ukrainische Szenario ist die NATO-Osterweiterung und der Stellvertreterkrieg. – Wer droht damit wem?
die EU verlangt noch viel mehr Unterwerfung.
Sieht man grade an Ungarn.
Um das Geld freizubekommen, muss Magyar sich immer mehr unterwerfen.
Was in Armenien geschieht, landet sogar im Flaggschiff der deutschen Wahrheitsfindung.
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/armenien-oppositionskandidaten-festgenommen-100.html
Im Übrigen muss man lediglich einmal einen Blick auf Maps riskieren um zu verstehen, dass die EU an Armenien lediglich das Interesse hat, einen weiteren Pfeil auf Russland abzuschießen. Am Land selbst, geschweige an seiner Bevölkerung haben die EU-Vertreter ganz sicher kein Interesse. Diese, sicher niemals eintretende EU-Mitgliedschaft, ist lediglich Mittel zum Zweck. Ist die Wirtschaft des Landes endgültig ruiniert und somit ein weiterer Unruheherd im Kaukasus geschaffen, wird die EU das Land fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Zudem kann man auf diesem Wege auch das unbotmäßige Nachbarland Georgien drangsalieren.
Das mit den Meeresfrüchten fiel mir auch auf. Ist das ein Fehler der Übersetzung oder verarbeitet man in Armenien importierte Meeresfrüchte? Gibt es im Sewansee so was? Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet.
Moskau schickt unverhohlene Drohungen an Armenien, bzw. setzt bereits Handel aus.
Und was fordert der Autor? Zurückhaltung der EU.
Ach ja, es sind die gleichen Drohungen wie sie Rußland gegen den Westen ausstoßen soll, die aber nirgends zu finden sind.
Den Hinweis Russlands, dass die Gleichzeitigkeit der Mitgliedschaft in beiden Wirtschaftsverbänden nicht funktioniert ist dem Hinweis entsprechend, dass, wenn der Westen keine russischen Öle und Gase mehr bestellt, keine geliefert werden können.
Das sind aber sehr klare Drohungen, wenn man im Kaffeesatz liest.
Kann man schon Drohung nennen. Wenn ihr in die EU geht, seid ihr bei uns raus. Nur, und das frage ich nicht polemisch, ist das nicht die logische Konsequenz? Wenn Armenien eine klare Beitrittsperspektive hätte, die die EU, selbst wenn führende Länder das wünschten, nicht geben kann, kann das Land ja seine Entscheidung treffen. Dass diese Entscheidung aber getroffen werden muss, wie auch immer die aussehen wird, ist mir verständlich. Wenn Russland vorträgt, wie es sich verhalten wird, wenn die Entscheidung für die EU getroffen wird, mag man das Drohung nennen, ist doch aber sehr plausibel. Ich denke, allen Beteiligten ist das vollkommen klar, auch ohne den Text aus Moskau.
Könnte für Armenien eine schwere Entscheidung sein und dass die Bonzen kein Referendum wollen, verwundert da nicht. Man wird auch uns als europäische Bürger nicht fragen, ob wir die Aufnahme eines weiteren Landes wünschen, das der Gemeinschaft keinen Vorteil bringt, um die politischen gegen Russland gerichteten Ambitionen unserer eigenen Bonzen zu befördern.
Wäre die EU ein Friedensprojekt, würde sie sich von allein zurückhalten.
Allerdings ist diese Idee ja Selbstbetrug, dies zeigte sich schon im Vorfeld des Maidan-Putsches in der Ukraine 2014. Entweder die Ukraine akzeptiert die vorliegenden EU-Verträge oder wirtschaftet mit Russland. Beides geht nicht.
Und nachdem der ukrainische Präsident die EU-Verträge auf Eis legen wollte, wurde er hinweg geputscht.
Diese Art von Machtpolitik ist bei uns best practice.
Die Armenier sind enttäuscht von Russland und nicht von Paschinjan? Schließlich war es letzterer, der mehrfach in offiziellen Reden Bergkarabach als Teil Armeniens anerkannt hat. Das haben meiner Erinnerung nach die Russen auch bei der Begründung ihrer Nicht-Einmischung explizit angeführt. Dadurch wurde die besagte Militäroffensive 2023 nämlich de facto zu einem inner-aserbeidschanischen Konflikt und es fehlte die Rechtsgrundlage für ein Eingreifen. Wenn die Armenier das nun Russland ankreiden anstatt Paschinjan, dann lassen die sich m.E. aber ganz schön nasführen.
Korrektur: Paschinjan hat natürlich Bergkarabach als Teil ASERBAIDSCHANS anerkannt.
Btw: was ist eigentlich aus der 15-Minuten-Korrektur geworden die es hier mal gab? Dan müsste ich für so einen Lapsus nicht noch einen Beitrag schreiben 😉
Berg-Karabach war voelkerrechtlich gesehen immer noch ein Teil Aserbaidschans. Was ware das fuer ein Geheule gewesen, haette Russland ‚voelkerrechtswidrig) eingegriffen (was ja nicht einmal Armenien selbst getan hat).
„Berg-Karabach war völkerrechtlich gesehen immer noch Teil Aserbaidschans“ ist genau die Verkürzung, um die es hier geht.
Ab welchem Zeitpunkt soll dieses „immer noch“ denn gelten? Im Mittelalter? Während persischer Oberhoheit? Im Karabach-Khanat? Im Russischen Imperium? In der Sowjetunion? Oder erst ab 1991/1992 mit dem modernen postsowjetischen Staat Aserbaidschan?
Genau diese Ebenen kann man nicht einfach zusammenwerfen.
Ein Khanat war kein moderner Nationalstaat. Fremdherrschaft ist keine nationale Identität. Persische, türkische, russische oder sowjetische Oberhoheit sagt nicht automatisch, wie eine Region innen aufgebaut war, welche Bevölkerung dort den Kern stellte und welche kulturelle Kontinuität bestand.
Artsakh, also Bergkarabach, war keine bloße territoriale Frage. Es war eine armenische Region mit eigener Identität, eigenem Dialekt, eigenen Traditionen, eigener Geschichte und einer sehr alten armenischen Präsenz. Die Menschen dort verschwinden nicht, nur weil man das Gebiet auf einer Karte Aserbaidschan oder Armenien zuschreibt.
Während der Sowjetunion war Bergkarabach eben nicht einfach eine normale Verwaltungseinheit Aserbaidschans, sondern eine autonome Oblast. Autonom heißt: Sonderstatus. Genau dieser Sonderstatus zeigt, dass es eine eigene Statusfrage gab.
1991 zerfiel dann die Sowjetunion. Aserbaidschan hob die Autonomie Bergkarabachs auf. Bergkarabach beanspruchte einen eigenen Status. Man kann diesen Anspruch ablehnen, aber man kann nicht so tun, als hätte es ihn nie gegeben und als sei die Sache völkerrechtlich immer völlig selbstverständlich gewesen.
Der Fehler liegt darin, territoriale Integrität so zu behandeln, als würde sie automatisch über dem Selbstbestimmungsrecht der dortigen Bevölkerung stehen. Genau so einfach war die Frage aber nicht. Territorialer Anspruch, Autonomiestatus, Selbstbestimmung und die konkrete armenische Bevölkerung in Bergkarabach sind verschiedene Ebenen.
Auch Russland ist in dieser Frage nicht einfach ein beliebiger externer Akteur. Karabach war Teil des Russischen Imperiums, später Teil der sowjetischen Ordnung, und nach 2020 waren russische Friedenstruppen Teil der Sicherheitsordnung vor Ort. Ob Russland genug getan hat, ist eine andere Frage. Aber die Darstellung, Russland hätte einfach nur „völkerrechtswidrig“ eingreifen können, ist ebenfalls zu glatt.
Der eigentliche Punkt ist: Aus einer komplexen historischen, ethnischen, kulturellen und politischen Frage wird hier eine einfache Eigentumsformel gemacht. „War halt Aserbaidschan“ erklärt gar nichts. Es überspringt die Geschichte der Region, den Autonomiestatus, das Selbstbestimmungsrecht und vor allem die Artsakh-Armenier selbst.
Genau diese Menschen sind aber der Kern der Frage.
Der Artikel über Armenien vor der Wahl stellt die Sache falsch herum dar. Er tut so, als ginge es hauptsächlich um Wirtschaft, EU, EAWU, Russland, Gas, Handel und Märkte. Genau diese Wirtschaft ist aber nicht einfach irgendein neutrales Thema. Sie ist das Instrument, mit dem Armenien gerade gespalten wird.
Natürlich wollen Menschen wirtschaftlich besser leben. Natürlich wollen sie Zugang zu Märkten, bessere Einkommen, mehr Sicherheit und bessere Perspektiven. Aber dann muss man die eigentliche Frage stellen: Warum war das vorher nicht möglich? Warum kommen diese Angebote, Gespräche und Öffnungen erst dann, wenn in Jerewan ein westlich genehmer Politiker sitzt? Warum wird Armenien ausgerechnet jetzt wirtschaftliche Verbesserung versprochen, während Artsakh politisch entsorgt wird, während die Diaspora verdächtigt wird, während russlandnahe Armenier zum Problem erklärt werden und während die Opposition vor der Wahl unter Druck steht?
Das ist kein harmloses Wirtschaftsangebot. Das ist ein vergiftetes Geschenk. Den Armeniern wird wirtschaftlicher Erfolg angeboten, aber der Preis ist die innere Zerlegung: Armenien gegen Artsakh, Jerewan gegen andere Armenier, Bürger im Inland gegen Bürger im Ausland, Diaspora gegen Staat, europäische Armenier gegen russische Armenier, westlich orientierte Armenier gegen postsowjetische Armenier. Das ist Teilen und Herrschen.
Auch die Darstellung Russlands ist in diesem Zusammenhang viel zu einseitig. Russland sagt im Kern nichts Mystisches. Russland sagt: Ihr könnt nicht gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile aus der EAWU, aus russischem Gas, russischen Märkten und russischen Verbindungen ziehen und diese Vorteile dann politisch gegen Russland einsetzen. Man kann nicht erwarten, dass Russland Armenien wirtschaftlich stützt, während Armenien diese Spielräume nutzt, um sich strategisch gegen Russland zu positionieren. Das kann man mögen oder ablehnen, aber es ist keine schwer verständliche Logik.
Armenien ist kein großes, isoliertes Land, das sich seine Abhängigkeiten einfach aussuchen kann. Armenien hängt an Energie, Handel, Nachbarn, Sicherheitsfragen, Geschichte und den weltweiten armenischen Netzwerken. In Armenien leben etwa 3 Millionen Menschen. Weltweit sprechen wir von ungefähr 12 Millionen Armeniern. Das heißt: Rund 9 Millionen Armenier leben außerhalb Armeniens. Wer so tut, als könne der Staat in Jerewan allein die armenische Welt definieren, hat nicht verstanden, wie Armenier historisch überhaupt überlebt haben.
Armenier haben nie nur aus dem Staatsgebiet Armeniens gelebt. Armenische Stärke kam immer aus Netzwerken: Gemeinden, Kirchen, Familien, Handel, Druckereien, Kulturzentren, politischer Lobbyarbeit, Erinnerungspolitik und internationaler Präsenz. Der moderne Begriff Diaspora ist dafür fast zu eng. Diese weltweiten armenischen Netzwerke waren nie Nebensache. Sie waren immer Teil armenischer Existenz.
Genau diese Netzwerke werden jetzt aber als Problem behandelt, sobald sie politisch nicht passen. Besonders deutlich sieht man das bei den Armeniern im Ausland. Wer einen gültigen armenischen Pass hat und armenischer Staatsbürger ist, gehört zum armenischen Wahlkörper. Punkt. Der Wohnort ändert daran nichts. Trotzdem müssen diese Menschen überhaupt erst nach Armenien reisen, um wählen zu können. Wahlen in Botschaften oder Konsulaten werden ihnen nicht ermöglicht. Damit werden unzählige armenische Staatsbürger im Ausland schon vor der Wahl faktisch ausgeschlossen.
Und wer trotzdem einreist, wird offenbar zusätzlich eingeschüchtert. Es geht um bis zu 100.000 Armenier aus Russland, die zur Wahl nach Armenien kommen könnten. Wenn genau diese Menschen bei der Einreise kontrolliert, beobachtet oder mit 25 Tagen Militärdienst beziehungsweise Reserveausbildung konfrontiert werden, dann ist das kein normaler Wahlvorgang. Das ist ein Signal: Komm lieber nicht. Wir sehen dich. Wir wissen, wer du bist.
Das betrifft nicht nur ein paar einzelne Menschen. Es geht um eine ganze Wählergruppe, die Pashinyan offenbar nicht genehm ist. Unter vielen Diaspora-Armeniern, besonders unter Armeniern in Russland und im früheren Sowjetraum, ist er extrem unbeliebt. Deshalb ist es politisch bequem, wenn diese Menschen gar nicht erst wählen können. Die, die keinen armenischen Pass haben, sind ohnehin ausgeschlossen. Die, die einen Pass haben, müssen reisen. Und die, die reisen, werden abgeschreckt. Das ist kein Zufall, das ist ein System.
Dazu kommt Artsakh. Über 100.000 Artsakh-Armenier wurden vertrieben. Viele leben heute in Armenien, aber ihr Status ist politisch nicht sauber gelöst. Wenn Pashinyan sagt, Bergkarabach sei nie Armenien gewesen, dann muss man ihn fragen: Was sind dann die Artsakh-Armenier? Sind sie vollwertige Armenier? Sind sie Bürger? Sind sie Flüchtlinge? Sind sie politisch geduldet? Gehören sie zur armenischen Gemeinschaft oder nicht? Wenn viele von ihnen keinen klaren Status und kein vollständiges Wahlrecht haben, ist das keine Verwaltungsfrage. Das ist politische Entrechtung.
Pashinyan versucht, die Geschichte von Artsakh umzuschreiben. Als sei Bergkarabach die private Idee irgendeiner Minderheit gewesen. Als hätte nicht ganz Armenien und die weltweite armenische Gemeinschaft jahrzehntelang dazu gestanden. Als sei Artsakh nicht Teil der armenischen Frage, der armenischen Verantwortung und der armenischen Geschichte gewesen. Jetzt soll plötzlich sein persönliches Narrativ gelten, damit er sich von den Folgen freisprechen kann.
Dabei war seine Linie gegen Bergkarabach nicht neu. Er hat diese Haltung jahrelang vorbereitet. Als er Macht brauchte, konnte er sagen, er stehe zu Artsakh. Als es ernst wurde, ließ er die Menschen fallen. Tausende junge Männer sind gestorben. Familien wurden zerstört. Artsakh wurde verloren. Und danach werden die Menschen aus Artsakh auch noch behandelt, als seien sie das Problem. Wer Menschen sinngemäß fragt, warum sie nicht in ihren Schützengräben gestorben sind, zeigt keine Staatsführung. Er zeigt Verachtung.
Es ist auch zu billig, alles auf Russland zu schieben. Ja, Russland hat Artsakh nicht so unterstützt, wie viele Armenier es erwartet haben. Aber die ausbleibende Unterstützung Pashinyans ist mindestens genauso zentral. Er war der Regierungschef Armeniens. Er hätte handeln, beantragen, organisieren, internationalisieren und Verantwortung übernehmen müssen. Stattdessen wartete er darauf, dass andere kommen und das Problem lösen. Danach konnte er sagen, die anderen seien schuld.
Jetzt kommt die Wahl. Pashinyan ist nicht Armenien. Er ist eine politische Figur unter vielen. Seine Partei liegt bei ungefähr 24 bis 32 Prozent. Selbst wenn er damit stärkste Kraft wird, ist das kein Mandat für alle Armenier. Nicht für 12 Millionen Armenier weltweit. Nicht für 9 Millionen Armenier außerhalb Armeniens. Nicht für Artsakh. Nicht für die Diaspora. Nicht für russische Armenier. Nicht für europäische Armenier. Nicht für amerikanische Armenier. Nicht für die historischen armenischen Netzwerke.
Die russlandorientierte Mehrheit ist nicht verschwunden. Sie ist gespalten. Viele Armenier betrachten Russland immer noch als Schutzmacht oder zumindest als notwendigen Partner. Nur weil diese Stimmen auf verschiedene Parteien, Regionen und Gruppen verteilt sind, bedeutet das nicht, dass Pashinyan plötzlich die armenische Gesamtheit verkörpert. Er profitiert von der Zersplitterung seiner Gegner und spaltet diese Zersplitterung weiter.
Gleichzeitig wird auch der Teil der Bevölkerung in Armenien unter Druck gesetzt, der ihm nicht genehm ist. Es gibt Berichte über gesperrte oppositionelle Medien, Druck auf Zeitungen, Festnahmen, Einschüchterung und den Einsatz staatlicher Ressourcen vor der Wahl. Wenn der Staat vor einer Wahl seine Machtmittel gegen bestimmte Gruppen hochfährt, dann ist das keine normale demokratische Auseinandersetzung mehr. Dann wird die Wahl selbst verzerrt.
Wir reden also nicht nur über Wirtschaft. Wir reden über zwei große Gruppen, die faktisch aus dem politischen Prozess gedrängt werden: Artsakh-Armenier mit ungeklärtem Status und armenische Staatsbürger im Ausland, die wählen dürften, aber praktisch an der Teilnahme gehindert oder abgeschreckt werden. Dazu kommt die Opposition im Land, die unter Druck steht. Das ist keine saubere Wahlumgebung.
Der Artikel verfehlt deshalb den Kern. Er spricht über wirtschaftliche Entwicklung, als wäre sie ein neutraler Fortschritt. Aber hier wird Wirtschaft als Köder benutzt. Wachstum, Märkte, EU-Nähe und westliche Anerkennung werden als Belohnung verkauft, während Armenien innerlich zerlegt wird. Artsakh wird aus der Geschichte geschrieben. Die Diaspora wird verdächtigt. Ausland-Armenier werden an der Wahl gehindert. Russlandnahe Armenier werden als Gefahr dargestellt. Oppositionelle werden unter Druck gesetzt.
Eine Wahl kann man mit 30 Prozent gewinnen. Eine Nation kann man damit nicht tragen. Wer Artsakh-Armenier politisch entwurzelt, Diaspora-Armenier ausschließt, im Ausland lebende Staatsbürger abschreckt, oppositionelle Medien unter Druck setzt und wirtschaftliche Versprechen benutzt, um Armenier gegeneinanderzustellen, betreibt keine Erneuerung Armeniens. Er beschädigt die armenische Welt von innen.
Die Wirtschaft kann wachsen. Die Zahlen können gut aussehen. Märkte können sich öffnen. Aber wenn der Preis dafür ist, dass Armenier gegeneinander ausgespielt werden, dass über 100.000 Artsakh-Armenier politisch in der Luft hängen, dass bis zu 100.000 mögliche Wähler aus Russland eingeschüchtert werden und dass ein Politiker mit vielleicht einem Drittel der Stimmen in Armenien über 12 Millionen Armenier hinwegregiert, dann ist das kein Erfolg. Dann ist es Selbstzerstörung mit Wirtschaftsstatistik.
Tolle Erweiterung des Artikels.
Insbesondere der Punkt mit den aus Bergkarabach Geflohenen/Vertriebenen zeigt, wie schlechte Politik gegenüber aktuellen Problemen, die gelöst werden könnten und sollten, aber liegen gelassen werden, dickere Probleme für die Zukunft vorbereiten.
Man kann wohl annehmen, dass die Attacke auf Bergkarabach 2023 erfolgte, weil anzusehen war, dass von den dort stationierten Russen kein Eingreifen zu erwarten war. Die Anerkennung der aserbaidschanischen Ansprüche durch die armenische Regierung kam, vermute ich, danach.
Interessant ist, dass der Konflikt auf ziemlich exakt die gleiche Problematik wie im Donbas zurück geht. Die Sowjetunion bildete Pi-mal-Daumen Sowjetrepubliken. Es sollten ja eh alle Brüder sein. Nach dem Zerfall der Sowjetunion klammerten sich die neuen Regierungen der Länder, die entsprechend der sowjetischen Verfassung die Souveränität erhielten an den in den 1920er erhaltenen Ländereien fest, gewährten den dort nach Souveränität strebenden diese aber nicht und gewannen die Herzen der dort leben Menschen auch nicht auf andere Weise.
Dass sich Aserbaidschan Bergkarabach holt, war für die EU, die sonst immer so auf Souveränität pocht, OK. Ebenso, dass die Ukraine der Krim die Souveränität verweigerte. Wenn die Ukraine die Menschen aus dem Donbas nicht mit Füßen getreten hätte, hätten die sich mit ihrer ukrainischen Existenz sogar arrangiert gehabt.
Ich glaube, genau hier liegt das Missverständnis.
Artsakh, also Bergkarabach, war nie nur eine territoriale Frage. Der Konflikt löst sich nicht dadurch, dass man sagt: Es gehört Armenien. Er löst sich aber genauso wenig dadurch, dass man sagt: Es gehört Aserbaidschan. In beiden Fällen bleibt dieselbe Frage offen: Was passiert mit den Menschen?
Die Artsakh-Armenier lösen sich nicht in Luft auf, nur weil man das Gebiet administrativ einem Staat zuschreibt. Nicht in Armenien, nicht in Aserbaidschan. Sie bleiben Menschen mit eigener Identität, eigenem Dialekt, eigenen Wörtern, eigenen Traditionen, eigener regionaler Geschichte und einer mehrere tausend Jahre alten armenischen Präsenz in dieser Region.
Darum geht es mir. Nicht um eine abstrakte Karte. Nicht um irgendeine Linie auf Papier. Artsakh war immer auch eine ethnische, kulturelle und politische Frage. Wer nur über Territorium spricht, übersieht genau den Kern.
Auch dieses „Pi mal Daumen“ bei den sowjetischen Grenzen passt hier nicht. Das war keine harmlose Ungenauigkeit. Das war Herrschaftslogik. Stalin und die sowjetische Nationalitätenpolitik haben solche Konfliktlinien nicht zufällig hinterlassen. Das Prinzip war Teilen und Herrschen: Volksgruppen, Regionen und Identitäten so anordnen, dass sie voneinander abhängig bleiben und Moskau als ordnende Macht gebraucht wird.
Beim Zerfall der Sowjetunion wurden diese Verwaltungsgrenzen dann weitgehend übernommen, als wären sie natürliche Staatsgrenzen. Die politische und ethnische Realität vor Ort wurde damit aber nicht gelöst. Genau das sieht man bis heute.
Auch die Rolle Russlands wird zu einfach dargestellt. Viele Artsakh-Armenier sahen und sehen Russland sehr wohl als Schutzmacht oder zumindest als Schutzfaktor. Die russischen Friedenstruppen waren nach 2020 vor Ort und blieben bis zur Flucht der Artsakh-Armenier Teil der Sicherheitsordnung. Sie haben nicht alles verhindert, aber sie waren nicht einfach bedeutungslos.
Zwischen 2020 und 2023 passierte nicht einfach nur: „Russland greift nicht ein.“ Es gab den Krieg 2020, den Waffenstillstand, die russische Präsenz, die Blockade des Lachin-Korridors, die schrittweise Isolation von Artsakh und dann 2023 die aserbaidschanische Offensive mit der Flucht von über 100.000 Armeniern. Das war kein isolierter Moment und kein rein russisches Thema.
Pashinyans Politik ist hier ein eigener zentraler Punkt. Er hat Artsakh politisch entwertet, die Geschichte nachträglich umgeschrieben und so getan, als sei Bergkarabach nie eine gesamtarmenische Frage gewesen. Das stimmt nicht. Armenien und die weltweiten Armenier standen jahrzehntelang hinter Artsakh.
Und die heutige Lage in Armenien zeigt genau, dass das Problem nicht gelöst ist. Pashinyan behandelt Artsakh-Armenier nicht wie Menschen, die Heimat, Angehörige, Sicherheit und Zukunft verloren haben. Er macht sich über ihren Dialekt und ihre Eigenheiten lustig, behandelt ihre regionale Identität herablassend und stellt sinngemäß die Frage, warum sie nicht alle in ihren Schützengräben gestorben seien, wenn ihnen das Land so wichtig war.
Das ist der Punkt. Wenn man Artsakh einfach Aserbaidschan zuschreibt, verschwinden die Artsakh-Armenier nicht. Wenn man sie einfach Armenien zuschreibt, ist das Problem ebenfalls nicht automatisch gelöst. Ihre Identität, ihre Sicherheit, ihr Status, ihr Wahlrecht und ihre politische Zugehörigkeit bleiben offene Fragen.
Deshalb greift der Vergleich mit Donbas, Krim oder allgemeinen postsowjetischen Grenzproblemen zu kurz, wenn er genau diese armenische Realität verdeckt. Mir geht es nicht um eine allgemeine Grenztheorie. Mir geht es um Artsakh-Armenier als konkrete Menschen und um Pashinyans heutige Politik gegenüber ihnen.
Wer Russland allein die Schuld gibt, blendet aus, wie Pashinyan selbst handelt: Er spaltet, entwertet, verspottet und schreibt Geschichte um. Das ist Teilen und Herrschen innerhalb der eigenen Nation.
Artsakh ist nicht nur Land. Artsakh sind Menschen. Und genau diese Menschen werden heute politisch zwischen Armenien, Aserbaidschan und Pashinyans persönlichem Narrativ zerrieben.
„Kreml-Chef Wladimir Putin warnte Armenien gar vor einem „ukrainischen Szenario“, das seinen Ausgang schließlich in Folge von Kiews EU-Bestrebungen genommen habe.“
Wenn man im Artikel den Link in diesem Satz aktiviert, kommt man auf eine Seite von Overton, die verkündet: „Fehler 404: Seite nicht gefunden – Unter dieser Adresse wurde nichts gefunden. Möglicherweise hilft eine Suche oder einer der Links unterhalb?“
Vielleicht weil es keinen ‚Kreml-Chef Putin‘ gibt? 😉 Ich hab mal gelesen, dass Vladimir mal als Taxifahrer gearbeitet haben soll, Koch hat der aber sicher nicht gelernt… 🙂
Der Link funktioniert. Er geht auf Meduza.io
Eine Seite die sich als Russische Opposition außerhalb Russlands bezeichnet.
Ich kann es vorwegnehmen, es hört sich im Titel schlimmer an, als es ist. Im drittletzten Absatz bekommt der Text endlich einen Bezug zur Überschrift:
>>Putin zog auch einen pointierten Vergleich mit der Ukraine und sagte, Kiews Versuch, der EU beizutreten, habe einst eine “Krise” in diesem Land ausgelöst. <<
Das ist alles dazu
Mal ein etwas anderer Bericht:https://globalbridge.ch/armenien-zwischen-korridor-und-front/
Ansonsten schreiben hier wieder die üblichen Verdächtigen…
Vielen Dank für den Link.
Trotzdem stimmt es nicht, was Du sagst:
Miri gehört nicht zu den üblichen Verdächtigen, sondern ist eine Stimme eines gespaltetenen Armeniens: lesenswert, um es zu verstehen!
Fest steht das Armenien fals ein EU betritt geschieht am äußeren Rand der EU liegt und Bedeutungslos im Wirtschaftlichen Bereich ist. Millitärisch sieht es anders aus. Bollwerk zu Russland. Hier würde aber wieder ein Konflikt ala Ukraine entstehen da die Mehrheit der Bevölkerung Russische Armenier sind. Armenien kann nur mit Russland und Asien seine Wirtschaft und Lebensqualität verbessern aber nicht mit der EU. Man sieht doch das die EU selbst in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Österreich sowie der Niederlande versagt und Wirtschaftsbereiche ruiniert. Der EU in Brüssel muss die politische Macht entzogen werden.
Ich verstehe nur Bahnhof. Liegt Armenien in Europa? Genauso wie Israels Teilnahme am europäischen Song Contest.Liegt Israel in Europa? Die EU pfuscht überall rum und will Länder die nichts mit Europa zu tun haben in ihren Einflussbereich ziehen. Wehe die Russen oder Chinesen machen das gleiche.
heute wählt auch das Kosovo, das 3.Mal in 16 Monaten.
Tja, liebe EU schlecht gelaufen, die USA waren nur an dem Territorium interessiert, der Rest wurde euch überlassen.
Und Armenien soll (so wollen es USA und EU/Nato) NUR aus dem Einflussbereich Russlands herausgelöst werden, alles andere wird dann den Armeniern überlassen, bisschen Schmiergeld aus Brüssel hilft die grössten Nöten der „Eliten“ zu lindern, das
Volk ist egal und gegen Referenden ist man sowohl in Eriwan wie auch in Bruessel.
Wie war das mit Bergkarabach? Laut russischer Darstellung hat Paschinjan einen Vertrag unterzeichnet, wonach dieses zu Aserbeidschan gehört. Das ließ sich der dort regierende Alijew nicht zweimal sagen und marschierte ein. Worauf die Mehrheit der Bevölkerung flüchtete. Sie werden ihre Gründe haben.
Was P. nicht daran hinderte, laut über das russische Nichteingreifen zu jammern. Erfolgreich. Dass die Russen bei dieser Vertragslage überhaupt nicht eingreifen konnten, verschweigt er. Es war der Preis für die Eisenbahn, die man als Erdogans Erpressung sehen kann.
Die EU verlangt bei einer Mitgliedschaft den Austritt aus anderen Wirtschaftsverbänden, beispielsweise der EAWU. Vermutlich schon im Kandidatenstatus. Da hat er die Ukraine als warnendes Beispiel. Sie hat 2014, nach den MH17-Sanktionen, alle Witrtschaftsbeziehungen zu Russland abgebrochen. Worauf das BIP um 50(!) Prozent fiel und sich nie mehr erholte. Das ist eine effektive Warnung.
Wie hat denn die EU Armenien geholfen, als Aserbaidschan vor ein paar Jahren in Bergkarabach einmarschierte ?
Nichts ! Nada ! Null!
Nicht einmal diplomatische Versuche.
Uschi hatte kurz zuvor ja umfangreiche Gaslieferverträge mit Aliev unterschrieben. Das wollte man sich nicht verscherzen.
Sonneborn hat damals in einer Rede im Europaparlament diese Verlogenheit sehr scharfzüngig kritisiert.
Ist sicher eine Prima Idee von Armenien, es sich mit Russland zu verscherzen und auf die weit weg liegende EU zu setzen.
Auf sonar21 war vor einem Jahr ein interessanter Artikel von David Davidian, Professor an der Uni Erewan.
Paschinjan betreibt schon seit 2017 die Loslösung von Russland.
Die EU will ne sichere pipeline nach Aserbeidschan. Der Rest ist schitegal.
Ich frag mich nur, ob Aliev sich da nicht allmählich etwas übernimmt, wem der alles Gas liefern möcht…