
Die Geschichte Xizangs: von der feudalen Theokratie bis zur modernen Entwicklung – ergänzt durch persönliche Eindrücke aus Lhasa und Nyingchi.
Vor kurzem war ich auf einem Symposium zum 75. Jahrestag der Befreiung Tibets in Lhasa zu Gast, wo ich über die Menschenrechtslage im alten wie im neuen Tibet sprechen durfte. Aus diesem Anlass will ich hier einen Überblick über die hierzulande wenig bekannte Geschichte des alten Tibets, seine Verbindungen zum Nazi-Regime und die anschließende Befreiung bieten. Zudem werde ich anhand der Erfahrungen, die ich bei Unternehmensbesuchen, in der Universität und in Kulturbetrieben machen durfte, die Lage im heutigen Tibet darstellen.
Entgegen der weit verbreiteten Ansicht gehört Xizang, im Westen besser bekannt als Tibet, schon seit vielen Jahrhunderten zu China, war aber stets weitgehend autonom, und auch heute noch ist es ein autonomes Gebiet innerhalb der Volksrepublik China. Nachdem es bereits zuvor durch dynastische Heiratsverbindungen und kulturellen Austausch eine enge Verbindung Xizangs zum chinesischen Machtzentrum gegeben hatte, kam die Region 1247 unter die Herrschaft des Mongolenreichs. Als dieses kurz darauf in Teilstaaten zerfiel, verblieb Xizang unter der Herrschaft der Yuan-Dynastie (1271-1368), also des von der Dynastie der Nachkommen Dschinghis Khans beherrschten Chinas.[i] Nach wechselhafter Intensität der chinesischen Kontrolle und einer Invasion des mongolischen Dsungaren-Khanats, welchem es 1717 gelang, Lhasa einzunehmen, sandte der Kaiser Kangxi der Qing-Dynastie seine Armee nach Xizang, um die Dsungaren zu vertreiben, und inkorporierte die Region 1720 endgültig ins chinesische Kaiserreich.[ii]
Die blutige Herrschaft der Lamas
Während Xizang zwar ein Teil des chinesischen Kaiserreichs, bzw. dann der Republik Chinas war, und international auch einhellig als solcher anerkannt war, bestand nach innen hin eine Theokratie. Diese Staatsform verheißt selten Gutes, so auch im alten Tibet: Vor der Befreiung waren gut 95% der Tibeter Leibeigene, wobei es hier neun verschiedene Kasten gab, und viele faktisch Sklaven waren. Die Angehörigen der niedrigsten Kaste, der „Nangzan“, konnten gehandelt werden wie Vieh, während jeder Widerstand brutal unterdrückt wurde, wobei Strafen wie das Ausstechen der Augen oder Häuten üblich waren. Auch der Wert der Menschen war offiziell entsprechend der Kaste festgelegt: Während die Angehörigen der obersten Kaste ihr Körpergewicht in Gold wert waren, wurde den Angehörigen der untersten Kaste lediglich der Wert eines Strohseils zugemessen.[iii]
In der Region mit damals rund einer Million Einwohnern wurden 97,7% des kultivierten Landes von der Regierung, dem Klerus oder den 197 Adelsfamilien beherrscht. Das Weideland war Eigentum der Herdenbesitzer. Der 14. Dalai Lama, der heute im Westen als Freiheitsikone gefeiert wird, stammt aus einer der reichsten Adelsfamilien, welche 27 Güter, 30 Weiden und 6.000 Leibeigene besaß.
Die Leibeigenen, welche verkauft, verpfändet oder verschenkt werden konnten, waren absolut von ihren Herren abhängig. So konnten sie nicht einmal ohne deren Zustimmung heiraten. Wenn sie nach der Heirat außerhalb des Landes ihres Herrn tätig waren, mussten ihre Familien eine Entschädigungszahlung leisten. Überhaupt waren die Leibeigenen neben der unbezahlten Arbeit noch zu einer Vielzahl an Abgaben verpflichtet. Wer diesem System entfliehen wollte, musste bei Misslingen des Fluchtversuchs mit Auspeitschen oder Fußamputationen rechnen.[iv]
In dieses System mischte sich die chinesische Zentralregierung nicht ein, obwohl es zu Zeiten der Qing-Regierung einen Statthalter namens Amban gab, dessen Residenz heute ein Museum ist, das ich im Zuge des Symposiums besuchen durfte. Der Amban hatte umfangreiche Befugnisse, in die tibetische Politik einzugreifen, welche er insbesondere in Diplomatie und Personalentscheidungen ausübte. Er wirkte sogar bei der Findung eines neuen Dalai Lamas mit, welcher vom chinesischen Kaiser in einer Urkunde bestätigt werden musste, bzw. im Falle des derzeitigen Dalai Lamas vom damaligen Präsidenten Chiang Kai-shek.
Nazis in Lhasa
Zentral für die Geschichte Xizangs und für ihre Wahrnehmung im Westen sind die Nationalsozialisten. Aufgrund einer esoterischen Theorie, wonach die Ur-Arier nach dem Untergang von Atlantis ins tibetische Hochland geflohen seien, schickte Heinrich Himmler 1938 eine SS-Expedition nach Tibet. Angeführt wurde sie vom Biologen Ernst Schäfer und eine weitere zentrale Figur der Expedition war der Rassenforscher Bruno Beger, welcher dort Schädelvermessungen durchführte. Sowohl Schäfer als auch Beger wurden nach dem Krieg festgenommen, und Beger schließlich 1971 auf Grund seiner Rolle im KZ Auschwitz wegen Beihilfe zum Mord in 86 Fällen zu drei Jahren Haft verurteilt, was den Dalai Lama nicht davon abhielt, weiter mit ihm Kontakt zu halten.[v]
Auch jene Person, die man in Österreich am stärksten mit dem Dalai Lama in Verbindung bringt, nämlich Heinrich Harrer, war ein überzeugter Nationalsozialist. Der Autor des 1997 von Hollywood mit Brad Pitt als Hauptdarsteller verfilmten Buches „Sieben Jahre in Tibet“ und Lehrer des aktuellen Dalai Lamas war seit 1933 in Österreich als illegaler Nationalsozialist und SA-Mitglied aktiv. Nach dem Anschluss wurde er zudem NSDAP-Mitglied sowie SS-Oberscharführer, traf sich mit Hitler und lernte durch Vermittlung Heinrich Himmlers seine spätere Frau Lotte Wegener, die Tochter des Polarforschers Alfred Wegener, kennen.[vi]
Nach Kriegsausbruch wurden Harrer und sein Tiroler Gefährte Peter Aufschnaiter, welcher seit 1933 NSDAP-Mitglied war, von den Briten in Indien interniert, bis ihnen 1944 die Flucht nach Xizang gelang. Neben Harrer erhielt auch Aufschnaiter eine Anstellung beim theokratischen Regime. 1950 verließen dann aber beide Lhasa, denn die Befreiung Tibets zeichnete sich nach der Ausrufung der Volksrepublik bereits ab.[vii]
Bekanntlich hielt der Dalai Lama mit Harrer bis zu dessen Lebensende Kontakt. Doch nicht nur mit alten Nazis pflegte der ehemalige Gottkönig Kontakt, sondern auch mit modernen Rechtsextremen, wie dem japanischen Terroristen Shoko Asahara, welcher für die Sarin-Anschläge auf die Tokioter U-Bahn 1995 verantwortlich war, welche 13 Todesopfer und über 1.000 Verletzte forderten.[viii] Ein weiterer Freund des Dalai Lamas war der chilenische Diplomat und Hitler-Bewunderer Miguel Serrano, der ein wichtiger Ideologe der nationalsozialistischen Esoterik war, und Hypothesen über Nazi-Ufos sowie die Behauptung, Hitler verstecke sich im Inneren einer Hohlerde verstecken und würde irgendwann zurückkehren, aufstellte.[ix]
Die Befreiung Xizangs
Am 23. Mai 1951 wurde zwischen den Autoritäten Xizangs sowie der neu errichteten Volksrepublik China das 17-Punkte-Abkommen unterzeichnet. Damit wurde im Wesentlichen der Status Xizangs beibehalten und an die neuen staatlichen Gegebenheiten angepasst, wobei versucht wurde auf Reformen hinzuwirken. Erst als Teile der alten Elite, welche demokratischen Reformen entgegenwirken wollten, unter der Führung des Dalai Lamas und mit Unterstützung der USA am 10. März 1959 einen gewalttätigen Aufstand unternahmen, führte dies schließlich zur Flucht der Aufständischen nach Indien und zur Abschaffung der Leibeigenschaft am 28. März 1959.
Das Thema der Leibeigenschaft und des alten Tibets ist bis heute präsent. Im Tibet-Museum in Lhasa gibt es eine „Gedenkhalle zur Befreiung von mehr als einer Million Leibeigener“, in welcher man die Dokumente der Barbarei im alten Xizang sieht, wie zum Beispiel Bilder abgezogener Häute, welche öffentlich ausgestellt wurden, sowie Fotos von aus Menschenknochen hergestellten Ritualtrompeten. Gerade für die ältere Generation ist das alte Xizang noch immer Teil ihrer persönlichen Erinnerung, und nach der Befreiung hatte die rückständige Region einen langen Weg zu gehen, wobei die absolute Armut in vielen Teilen Xizangs erst kürzlich überwunden werden konnte.
Der lange Weg der Modernisierung
Auch nach der Befreiung durch das 17-Punkte-Abkommen 1951 und der Abschaffung der Leibeigenschaft 1959 hatte Xizang einen langen Weg der Modernisierung vor sich, der noch immer nicht ganz abgeschlossen ist. Die Lebenserwartung lag damals bei rund 35 Jahren, was vor allem daran lag, dass die Säuglingssterblichkeit bei 430 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten lag, während die Müttersterblichkeit 5% betrug.[x] Ein Bildungssystem war kaum vorhanden, Mädchen waren von allen Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Dass der Großteil der Bevölkerung in bitterster Armut lebte, ist in diesem Kontext selbstverständlich.
Während Xizang dieses Jahr den 75. Jahrestag der Befreiung feierte, begeht auch die Universität Tibet dieses Jahr ihr 75-jähriges Bestehen, wobei diese zunächst als tibetischsprachige Kaderschule gegründet wurde. Während vor der Befreiung nur die Elite Zugang zu Bildung hatte und Mädchen generell von Bildung ausgeschlossen waren, gibt es heute ein flächendeckendes, kostenloses Bildungssystem, wobei für Kinder aus abgelegenen Gegenden Internate errichtet wurden.
Das Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1965 nahezu vertausendfacht und wuchs 2025 mit 7,0 % deutlich schneller als der Landesdurchschnitt. Damit ging ein Ausbau der Infrastruktur einher, mit einem Straßennetz von 120.000 Kilometer und einer Anbindung ans Bahnnetz, welches weiter ausgebaut wird. Die absolute Armut konnte in den letzten Jahren beseitigt werden, was äußerster Anstrengungen bedurfte. Diese Anstrengungen werden im neuen Film „Puruo Gangri“ behandelt, den wir in Lhasa im Kino sehen durften. Der Film stellt anhand wahrer Geschichten die Aufopferung der Beamten in abgelegenen Gegenden dar, welche bei ihrer Arbeit teils sogar ihr Leben gaben. Außerdem behandelt er die Lebensbedingungen in den 2010er-Jahren, als in vielen Gegenden Xizangs noch bittere Armut herrschte. Für abgelegen lebende Menschen war damals im Notfall das nächste Krankenhaus oftmals zu weit entfernt, und der Schulbesuch der Kinder war, obwohl er gesetzlich vorgeschrieben war, noch nicht immer sichergestellt.
Dies hat sich zum Glück geändert, was ich auch im Dorf Liding nahe Nyingchi beobachten durfte. Während Liding noch 2016 als verarmt galt, wurde das Dorf unter Anleitung der Regionalregierung, aber auch mit Hilfe aus der Provinz Guangdong modernisiert, und das touristische Potenzial entfaltet, während Landwirtschaft weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Dieses Prinzip, dass man gezielt nach möglichen Potenzialen einer Gemeinde sucht, um sie anschließend planmäßig zu entwickeln, kann in ganz China bei der Armutsbekämpfung beobachtet werden.
In Nyingchi durfte ich zudem an drei Betriebsführungen teilnehmen, und zwar bei einem Lebensmittelproduzenten, einem Kosmetikhersteller sowie einem Hersteller traditionell-tibetischer Medizin. Den Unternehmen ist gemeinsam, dass sie einzigartige regionale Naturressourcen nutzen und diese auf modernste Weise verarbeiten. Im Falle der tibetischen Medizin spielt für das Unternehmen Tradition zwar eine wichtige Rolle, allerdings bemüht es sich auch um internationale wissenschaftliche Anerkennung seiner Produkte, wofür es in Forschung und Entwicklung investiert, um Tradition und Moderne zu verbinden.
Erhalt der tibetischen Sprache, Kultur und Natur
Entgegen der westlichen Propaganda ist die tibetische Kultur nicht nur nicht unterdrückt, sie wird sogar gefördert. Der einfachste Beweis hierfür ist ein Blick auf eine beliebige chinesische Banknote, wo man auf der Rückseite neben anderen Sprachen auch eine tibetische Beschriftung vorfindet. In Xizang selbst ist praktisch alles zumindest zweisprachig, also auf Tibetisch und Mandarin beschriftet, von Verkehrsschildern über Restaurants bis hin zu den Sicherheitshinweisen von Tibet Airlines. Kinder lernen in der Schule, unabhängig davon, ob sie ethnische Tibeter sind oder nicht, zunächst die tibetische Sprache und Schrift, bevor sie Mandarin als Zweitsprache lernen.
Auch abseits der Sprache ist die tibetische Kultur im Stadtbild Lhasas omnipräsent. Dies sieht man einerseits am religiösen Leben, das sich im Jokhang-Tempel, dem geistigen Zentrum des tibetischen Buddhismus konzentriert, sowie in der den Tempel umrundenden Barkhor-Straße, auf der besonders abends zahlreiche Pilger beten. Wenig bekannt ist, dass es neben den Anhängern des Buddhismus auch muslimische Tibeter gibt, weshalb es in Lhasa auch Moscheen gibt, welche sich architektonisch in das traditionell-tibetische Stadtbild einfügen, sich also deutlich von dem für westliche Besucher gewohnten arabischen Baustil unterscheiden. In den Neubaugebieten findet man moderne Wohnhäuser, welche wie überall in China von viel Grünraum umgeben sind, doch auch an diesen finden sich teils von der traditionellen tibetischen Kultur inspirierte Bauelemente.
Beim Besuch der Universität Tibet stellten sich mehrere Fakultäten vor. Wichtige Aspekte für die Universität sind der Erhalt der Kultur sowie der Natur Xizangs. Im Bereich der Spracherhaltung spielt dabei die IT eine bedeutende Rolle. So ist die Universität Tibet seit Anfang der 1990er auf diesem Gebiet aktiv, um die Grundlagen für die Nutzung der tibetischen Sprache auf technischen Geräten zu schaffen, wofür die Universität auch mit diversen chinesischen wie auch ausländischen Unternehmen zusammenarbeitet. Ein neues Arbeitsfeld im Bereich der IT ist die KI, wobei es darum geht, die KI für die Kommunikation auf Tibetisch sowie für die Übersetzung vom und ins Tibetische zu trainieren.
Ansonsten wird an der Universität auch traditionelle tibetische Malerei sowie Tanz und Musik gelehrt. Ein weiteres Forschungsfeld, das uns vorgestellt wurde, ist die Ökologie. Auch hierbei gibt es viele Faktoren, von der Wiederherstellung von Ökosystemen über die Frühwarnung vor Katastrophen und der öffentlichen Umweltaufklärung bis hin zum Abfallrecycling. Zudem beteiligt sich die Universität am Ausbau erneuerbarer Energie sowie der Begrünung der Region. Daneben wurden seit 2001 über 40 Millionen Samen von über 1.000 Pflanzenspezies gesammelt, um die regionale Pflanzenspezies zu dokumentieren und zu erhalten.
Fazit
Kurz gesagt ist Xizang oder Tibet genau das Gegenteil von dem Bild, das im Westen vermittelt wird. Der Region gelang es, sich von einer bitterarmen und geknechteten Gesellschaft zu einer modernen Region zu entwickeln, in welcher die traditionelle Kultur nicht nur gefördert wird, sondern auch mit großem Stolz hochgehalten und weiterentwickelt wird. Vor meinem Besuch in Xizang durfte ich mich mit Professoren der tibetologischen Fakultät der Sichuan-Universität austauschen, von denen die Hälfte selbst ethnische Tibeter waren. Diese berichteten davon, dass der Austausch mit westlichen Kollegen für sie wenig fruchtbar sei, da ihre Berichte über die Geschichte und Gegenwart Xizangs entweder ignoriert oder als Propaganda abgetan werden. In Bezug auf die vom westlichen Mainstream indoktrinierten China-Hasser wird es mir hier sicher nicht anders gehen. Jedoch hoffe ich, zumindest kritisch denkenden Menschen eine andere Sicht auf die Lage der Tibeter nähergebracht zu haben. Ansonsten steht jedem frei, entweder Xizang oder eines der tibetischen Minderheitengebiete in den angrenzenden Regionen zu besuchen, um selbst die Lebendigkeit der tibetischen Kultur zu erleben und sich mit den Tibetern vor Ort auszutauschen.
Fußnoten
[i] https://en.people.cn/n3/2024/0714/c90000-20193265.html
[ii] https://www.britannica.com/biography/Kangxi
[iii] https://news.cgtn.com/news/2025-03-13/The-dark-reality-of-old-Xizang-Serfdom-under-theocratic-rule-Part-I–1BHHBYY1rbO/index.html
[iv] https://news.cgtn.com/news/2025-03-13/The-dark-reality-of-old-Xizang-Serfdom-under-theocratic-rule-Part-I–1BHHBYY1rbO/index.html
[v] https://www.deutschlandfunk.de/ns-rassenwahn-expedition-nach-tibet-sollte-arier-mythos-100.html
[vi] https://www.furche.at/religion/gerald-lehner-ueber-bergsteiger-idol-heinrich-harrer-zwischen-hitler-und-himalaya-1249397
[vii] https://biographien.ac.at/oebl/oebl_A/Aufschnaiter_Peter_1899_1973.xml
[viii] http://german.beijingreview.com.cn/german2010/mt/2013-01/09/content_511572_2.htm
[ix] https://www.telepolis.de/article/Ufos-und-Goetter-fuer-den-Endsieg-3390097.html
[x] https://english.news.cn/20240413/99d8a5c9d6f7462d85d7385df2880c60/c.html




Die Begeisterung der Westler für Tibet läuft über die Religion. Der ursprüngliche Buddhismus wurde aus Indien nach Süden und nach Norden verdrängt. Im Süden, also in Sri Lanka, wirkt noch heute der Ur-Buddismus, dem man die Herkunft aus dem Hinduismus anmerkt. So gibt es alte Tempel, in denen auch der hinduistische Gott Hanuman verehrt wird. In Tibet wurde der Buddhismus mit mystischer Naturreligion, in denen es von Dämonen und geheimen Kräften nur so wimmelt, aufgeladen. Diese sehr esoterische Version des Buddhismus fasziniert die Sinnsucher aus dem Westen, und so wird er auch importiert. Der Dalai Lama versteht es ausgezeichnet, die Rolle eines sanften, spirituellen vergeistigten Guru zu spielen. Welch ein Kontrast zum „kommunistischen“ China. Tibet als Projektionsfläche funktioniert so ausgezeichnet.
Zuerst: vielen Dank für den Artikel!
Ihren letzte Absatz und darin den letzten Satz möchte ich hervorheben. Nur die eigene ausgiebige Vorortbetrachtung kann einem ein wirkliches Bild vermitteln und helfen, alle voarb aufgenommenen Berichte einzuordnen. Dies gilt für mich insbesondere für deutsche Berichterstattung, die, egal welcher politischen Weltsicht der Autor anhängt, stets dahin tendiert, alles zu werten und an den heimatlichen und als Ideal verinnerlichten Gegebenheiten wertend zu messen.
Ja, mglw. gibt es ja, nur so ein Verdacht, noch Organisationsmöglichkeiten ohne sich einer der feilgebotenen Kastraturen der Gewaltherren zu unterwerfen, seien es Gottkönige oder andere Despoten.
Nebenbei erwähnt, hier wird ja jeder dieser Herren bedient:
Tibets Zukunft – und die Menschenrechte heute
13. März 2025 Oliver Schulz
Für viele ist der Dalai Lama synonym mit Tibet. Im Laufe seines Lebens hat er das Land im Spannungsfeld von Wandel und Tradition stark geprägt. Am 6. Juli feiert er seinen 90. Geburtstag und es stellt sich allmählich die Frage, was kommt, wenn der Dalai Lama geht? Wie geht es weiter mit der tibetischen Kultur?
https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/tibets-zukunft-und-die-menschenrechte-heute/
Und mglw. steht beim derzeitigen Oberherren so wie Tibet … :
Tibet – politisch entzauberter Sehnsuchtsort
07. August 2024 Von: Beat Gerber
Tibet fasziniert mit buddhistischer Kultur und eindrücklichen Landschaften. Doch das Hochland im Himalaya ist kein Shangri-La mehr, kein paradiesischer Sehnsuchtsort, wie in James Hiltons Roman «Lost Horizon» (1933) beschrieben. Die chinesische Provinz durchlebt einen augenfälligen Wirtschaftsaufbruch, mit zielbewussten Interessen der autokratischen Volksrepublik. Die wichtigsten Treiber sind lukrativer Bergbau und militärische Dominanz. Aber auch der Tourismus wächst – auf staatlich verordneten Pfaden, wie eine Gruppenreise kürzlich zeigte.
https://globalbridge.ch/tibet-politisch-entzauberter-sehnsuchtsort/
… auch Marx feil. Also so wie man was auch immer gerade braucht:
2004 rief das Zentralkommitee der KP Chinas eine nationale Kampagne zum Studium und zur Weiterentwicklung der marxistischen Theorie ins Leben. Es ging einfach darum, die grundlegenden Lehrbücher zum Marxismus und zu sozialen und politischen Fragen entsprechend der aktuellen Politik umzuschreiben. Dazu wurden von verlässlichen Ideologen verschiedene Arbeitsgruppen zusammengestellt. Wie Xu Changfu, Professor an der Sun Yat-sen University Guangzhou schrieb: »Diese Textbücher entsprachen den politischen Anforderungen der Partei. Sie hatten keinerlei intellektuellen Wert.«
Jedes Jahr gibt es Ausschreibungen des »National Fund for Social Sciences« zur Erstellung von Texten zu rund 60 Themen aus Politik und Gesellschaft. Dazu kommen etliche weitere Projekte dieser Art von Akademien, Ministerien, Provinzen, usw. Das gesamte ideologische Terrain soll abgedeckt werden. Xu Fangchu sieht in den Jahren vor der Konsolidierung der Politik der »Reform und Öffnung« eine »De-Theoretisierung des Marxismus in China«, speziell seit 2000 jedoch eine »Re-Theoretisierung des Marxismus in China«. Man braucht halt mehr Ideologie, wenn die Zuwachsraten der Wirtschaft sinken. So beschäftigte man sich wieder mit Marx – aber so, wie Xi Jinping ihn braucht.
Marx-Interpretationen, die auf eine Kritik der chinesischen Politik herauslaufen würden, sind nicht auffindbar. Schließlich verdienen die meisten Intellektuellen ihren Lebensunterhalt an Unis, Akademien und anderen staatlichen Institutionen – die Medien unterstehen unmittelbar der Partei. Es geht wohl eher darum, Marx überhaupt wieder zu lesen.
(Anton Stengl, Chinas neuer Imperialismus, Ein ehemals sozialistisches Land rettet das kapitalistische Weltsystem,S. 164/165)
Danke für diesen Artikel. Das ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was man in der Westpresse liest. Aber Tibet wurde instrumentlisiert, um Stimmung gegen China zu machen. Warum denn? Die Chinesen haben die Sklaverei abgeschafft, das wird ihnen ja wohl niemand vorwerfen. Indes dürfen sie ihre Religion ungestört ausleben, jede Menge Klöster und Mönche. Reisende berichten von ausgesprochenem Reichtum in Tibet. Sehr richtig, dass hier auch mal die Person des Dalei Lama richtig beleuchtet wird. Vielleicht kapiert nun der eine oder andere Esoteriker, wem er da hinterher gelaufen ist.
Auch mit den Uighuren tut sich die Westpropaganda schwer. Alle Vorwürfe basierten auf den Schilderungen eines einzigen Journalisten, ein gewisser Adrian Zenz. Dieser hat nun dermaßen amateurhaft und offensichtlich desinformiert, dass er aus dem Verkehr gezogen werden musste. Auch nichts.
Und auch die Entschärfung des Taiwankonflikts taugt nicht zur Eskalation.
Vor diesem Hintergrund muss man das Auftreten von Annalena Baerbock in China sehen. Dort hielt sie eine nicht enden wollende Rede über „Menschenrechte“. Das ist weltweit zur Kenntnis genommen worden und zwar mit Missfallen. Jetzt leitet diese Tante die UNO-Versammlung (und nervt). Kann das sein, dass Deutschland deswegen nicht in den Sicherheitsrat gewählt wurde? Das ist ein Baustein zur Erklärung.
Vielen Dank für diesen Artikel!
Die zumindest für mich neuen Aspekte muss ich erst mal verdauen und in Bezug setzen zu all dem, was ich bislang über Tibet gehört und gelesen habe. Dannach muss ich eventuell/wahrscheinlich meine bisherige Meinung erheblich revidieren.
Einen längeren Besuch Tibets für eine persönliche Inaugenscheinnahme wird es für mich in diesem Leben nicht mehr geben, aber trotzdem ist es wichtig, sich eine fundierte Meinung zu bilden.
ein Artikel von Felix Abt Teil1 der sich mit Tibet befasdt
https://forumgeopolitica.com/article/tibet-from-empire-to-the-present-day-part-i
und ein Artikel über den Irrsinn des Westens, China zu zerschlagen, federführend hier GB und der MI6
https://tkp.at/2026/02/12/der-plan-zur-zerschlagung-chinas-xinjiang-separatismus-und-das-drei-staaten-szenario/