
Nach dem WM-Aus des DFB wurde viel darüber gesprochen, wie kaputt das Land ist. Was aber wirklich zutrifft: Das deutsche Fußballgeschäft ist von der Weltklasse im Discounter gelandet.
Und dann war Deutschland raus. Niederlage gegen Paraguay. Das dritte Mal in Folge ein vorzeitiges Ende bei einer Weltmeisterschaft. Dem Anspruch des Verbandes entspricht das nicht. Der DFB sieht seine Auswahl nach wie vor in der Weltspitze. Die Tradition und die Geschichte nähren diese Erwartungshaltung. Deutschland war seit 1954 immer in der Elite des Fußballsports zugegen. Es gab zwischendrin zwar Rückschläge, aber man rappelte sich auf und schaffte es dann doch unter die letzten Mannschaften bei Turnieren.
Dabei zeigte die Mannschaft oft keinen ästhetischen Fußball. Die deutschen Tugenden bestanden aus Kampf und Einsatzfreude. Bis zum Ende verausgabte man sich. Auch das sind Qualitäten. Die Auswahl des DFB hat bei den letzten Turnieren schlecht ausgesehen. Gleichzeitig hat man erklärt, dass man gewisse Ansprüche hat, die man auch erfüllen möchte. Die deutsche Öffentlichkeit geht weiterhin davon aus, dass der deutsche Fußball Weltklasse ist. Die Wahrheit ist aber brutal, die Deutschen müssen sie erfassen, wie früher die Ungarn, die Österreicher, die Engländer und auch aktuell die Brasilianer: Sie alle waren zu ihrer Zeit der Konkurrenz voraus und dominierten den Fußball, bis sie es nicht mehr taten.
Eine der langweiligsten Ligen der Welt
Der deutsche Fußball steckt in einer Krise. Und das nicht wegen dem Scheitern bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Das ist nur ein Symptom. Man hätte es vorher schon kapieren können, dass der deutsche Fußball eine gewisse Unfähigkeit entwickelt hat, Spiele an sich zu reißen, wie es der landesüblichen Tradition der Spielkultur entsprach. Die Deutschen starren auf ihre Bundesliga und erstarren in Ehrfurcht. Denn die Stadien sind gut besucht, es kommen mehr Zuschauer zu den Spielen der Bundesliga als zu denen der Serie A oder der spanischen Primera Division. Die Begeisterung scheint groß zu sein, die Liga boomt, die Bundesliga erfreut sich hoher Beliebtheitswerte. Den Klubs geht es finanziell gut, sie sind kaum oder gar nicht verschuldet und gelten als gesunde Wirtschaftsunternehmen.
Die teilweise hoch verschuldeten Vereine der Primera Division sind allerdings international erfolgreicher. Sie haben in den letzten 25 Jahren 21-mal einen Europapokal nach Hause geholt. Deutschen Vereinen gelang das in diesem Zeitraum nur dreimal. Die spanische Liga kennt anders als die Bundesliga noch einen spannenden Wettbewerb. Seit dem Jahr 2012 haben drei Vereine in relativer Ausgewogenheit die Liga gewonnen. In Deutschland waren es zwei Vereine, wobei die Bayern 12-mal Meister wurden, Bayer Leverkusen nur einmal. Der Meisterschaftskampf in Deutschland erschöpft sich an der Frage, wann es den Münchner gelingt, den Titel unter Dach und Fach zu bekommen. Sechs, vier oder drei Tage vor Ende der Serie?
Dahinter haben sich Borussia Dortmund und RB Leipzig festgebissen. Sie buhlen jedes Jahr um die Folgeränge, ohne eine Chance auf die Meisterschaft zu haben. Es sind Spitzenmannschaften ohne Spitzenchancen. Auch in der englischen Premier League gibt es Abwechslung und einen Wettbewerb, den es in Deutschland nicht mehr gibt: Seit 2012 gab es fünf Teams, die die Meisterschaft erringen konnten. Darunter vor zehn Jahren: Leicester City, ein absolutes Überraschungsteam. In der Bundesliga wäre die Vorstellung, der FC Augsburg könnte auch nur um den Titel mitspielen, völlig illusorisch. Das liegt unter anderem auch an der ungleichen Verteilung der TV-Gelder in der Bundesliga. Die Premier League verteilt die Erlöse gerechter unter den Erstligisten auf. Das fördert die Wettbewerbsfähigkeit.
Weiter so!
Die französischen Verhältnisse gleichen den deutschen. Paris Saint-Germain ist Dauermeister. Der Verein wird vom Staat Katar finanziert, er gilt mittlerweile als der beliebteste Klub aus Europa in der muslimischen Welt. Bis vor einigen Jahren lagen die TV-Rechte der Ligue 1 beim französischen Bezahlsender Canal Plus. Der verteilte die Gelder nach dem englischen Modell in relativer Fairness auf. So hoch wie in Spanien, England oder Deutschland waren sie allerdings nicht. Die Liga ließ sich vom spanischen Sender Mediapro ködern. Der versprach 1,15 Milliarden Euro pro Saison. Canal Plus zahlte vorher 700 Millionen Euro pro Jahr. Mediapro konnte die Summe aber nicht aufbringen, womit die Rechte an DAZN und beIN gingen. Für nur jährlich 500 Millionen Euro. Die beiden Verwerter nutzten die Notlage der Vereine, die mit viel mehr gerechnet hatten, schamlos aus. Nur Paris Saint-Germain ist davon befreit, denn das Engagement Katars sorgt dafür, dass TV-Gelder nicht relevant sind für den Hauptstadtverein. Auf diese Weise ist das Gefälle zwischen der Liga und den Parisern gewachsen.
Anders als die Deutschen, rekrutieren die Franzosen ihre Nationalspieler aber schon seit vielen Jahrzehnten aus europäischen Auslandsvereinen. Die meisten deutschen Kicker spielen aber in der Bundesliga. Sie stammen aus dem Jugendbetrieb der Liga, aus Nachwuchsleistungszentren, die den kickenden Nachwuchs als Ersatzteillager für taktische Planspiele betrachten. Diese Zentren systematisierten die Nachwuchsarbeit nach der Krise der 90er-Jahre und halfen dabei, dass der deutsche Fußball wieder anschlussfähig wurde. Allerdings hat man sich seither auf den Lorbeeren ausgeruht. Das Ende der Geschichte schien erreicht, der DFB glaubte, die Krise für alle Zeit gestemmt zu haben. In derselben Zeit hat er die Verwaltung der Liga der DFL übertragen. Die Bundesliga wurde im Verlauf dieser Jahre zunehmend einseitig und unattraktiv.
Das Credo der Merkel-Jahre setzte sich auch in der deutschen Fußball-Industrie durch: Weiter so. Der deutsche Fußball verlor dabei den Anschluss, der WM-Titel von 2014 verschleierte die Problematiken, die sich schon ankündigten. Deutschlands Vereine und der Verband wurden selbstzufrieden. Sie lullten das Publikum damit ein, dass die Liga die beste der Welt sei. Aber die Tatsachen sprachen schon damals dagegen. Es hat sich mit den Bayern ein Hegemon entwickelt, der nicht mehr von der Spitze zu verdrängen ist. Die Verantwortlichen nehmen das hin wie ein unabänderliches Naturgesetz. Der Bayern-Block in der Nationalmannschaft kennt im Ligabetrieb gar keine Wettbewerbssituation mehr. Die Partien der Bayern in der Liga kann man als erweiterte Freundschaftsspiele sehen. In der vergangenen Saison gelang den Bayern ein neuer Tor-Rekord der Bundesliga. Seit 1972 lag er bei 101 Toren. Man hat ihn um ganze 21 Tore überboten. Dieser Superlativ verrät einiges über die Qualität der anderen Vereine in der Liga.
Ideologen opfern Wettbewerbsfähigkeit
Es ist der deutschen Liga gelungen, den Wettbewerb auszuschalten. Damit erfüllt sich der Wunschtraum jedes Topklubs. Denn alle diese Vereine fürchten den Einbruch, man benötigt dauerhaft TV-Gelder und Prämien, um die teuren Mannschaften weiterhin finanzieren zu können. Bereits ein Jahr nicht in der Champions League spielen zu können, ruiniert das Gefüge. Die UEFA ging voran in Sachen Planungssicherheit und hat die Europapokalwettbewerbe ausgeweitet. Heute spielen die Viertplatzierten der großen Ligabetriebe auch in der Champions League. Früher war es der Wettbewerb nur für die Landesmeister. Gleichzeitig sorgt das dafür, dass sich die besten Vereine des Landes von der Ligakonkurrenz absetzen. In Deutschland wirkt das besonders stark, weil auch die nationalen TV-Gelder ungleich verteilt werden. Das hat eine Situation geschaffen, in der sich nur ein Verein von der Konkurrenz absetzen konnte.
2025 erhielten die Bayern fast 100 Millionen Euro an TV-Geldern. Heidenheim hingegen nur 38 Millionen. Liverpool erhielt in dieser Zeit um die 174 Millionen Pfund, während Southampton etwa 110 Millionen Pfund einstrich. Das macht den englischen Ligafußball attraktiver. Und nebenher auch die aktuelle Nationalmannschaft der Engländer. Denn die haben im Laufe vieler Jahrzehnte begriffen, dass sie keine Fußballmacht mehr waren. Das Mutterland des Fußballs verlor Anfang der 1960er-Jahre den Anschluss an die Weltspitze, auch wenn in diese Zeit der einzige WM-Titel des Landes fiel. Der täuschte darüber hinweg, dass England nicht mehr Schritt halten konnte mit den taktischen Innovationen anderer Teams. Der Ligabetrieb war längst eingerostet, seit den 1890er-Jahren gab es die damalige erste Liga. In den 1990ern zog man den Ligabetrieb neu auf, modernisierte Stadien und Vereine. Der Erfolg stellte sich wieder ein, die Nationalmannschaft profitiert von einer Liga, in der Wettbewerb möglich ist.
Die Amerikaner haben schon vor vielen Jahrzehnten verstanden, dass Ligabetriebe einen Hang zum Ausbau sportlicher Hegemonialkräfte aufweisen. Will man der Liga Spannung garantieren, muss die Ligaverwaltung entgegensteuern. Das hält den Sport attraktiv. Auf diese Weise hat man Systeme wie den Salary Cap und den Draft eingeführt. Sie erlauben es, dass die League abwechslungsreich bleibt. Die FIA reguliert die Formel Eins auf ähnliche Weise, sie möchte nicht, dass ein Team das Rennen dominiert und so Langeweile entstehen lässt. Für deutsche Fußball-Verhältnisse gilt, dass diese Langeweile auch Spieler erzeugt, die den wöchentlichen Wettbewerb nicht mehr kennen. In Deutschland gelten solche Eingriffe wie in den USA oder von der FIA als Angriff auf die wirtschaftliche Gesundheit deutscher Spitzenvereine, die immer eine schwarze Null schreiben wollen. Die Bundesliga und ihre Verantwortlichen sind Ideologen, die den Sport abwürgen. Und die indirekt dafür gesorgt haben, dass Deutschland den Anschluss an den internationalen Fußball verloren hat und nur noch Discounter-Fußball spielt.
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Was gibt es einem bereits kaputten schlafwandelden Land noch kaputt zu machen?
– die Menschen desolat und kaputt
– die wirtschaft desolat und kaputt
– die Infrastruktur desloat und kaputt
– die Bahn deslat und kaputt
– die Post desolat und kaputt
Warum soll da der Fußball nicht auch desolat und kaputt sein.
Nur noch Kaputniks in Deutschland von der Regierung bis zum untersten Glied in der Kette
Soll man sich deshalb über die kaputte Bundesliga auch noch aufregen?
Ist doch eh schnurzpiepenhagen
Hinzu kommt, dass Spitzenpositionen in deutschen Klubs mit Ausländern besetzt werden, und so deutsche Talente kaum in die Lage kommen, in solche Positionen hineinzuwachsen. Denen bleibt dann nur die Flucht ins Ausland, wo die Chancen für sie aber geringer sind Denn hier wie da stehen Talente aus kleinen Staaten ohne große Ligen dort „im Weg“. Staaten, die dann bei Weltmeisterschaften groß auftrumpfen, weil ihre Spieler alle in europäischen Topclubs spielen. Man muß sich nur mal anschauen, was bei dieser WM von Kap Verde, Elfenbeinküste und anderen „Fußballzwergen“ geleistet wurde.