
Die digitale Revolution hat den Zugang zu Informationen demokratisiert. Zugleich könnte sie eine Voraussetzung politischer Öffentlichkeit beschädigen, die lange für selbstverständlich gehalten wurde: dass eine Gesellschaft bei allem Streit wenigstens noch darüber übereinkommt, was geschehen ist.
Der amerikanische National Intelligence Council warnt seit Jahren vor dieser Entwicklung.
Vom Streit über die Wirklichkeit zum Streit um die Wirklichkeit
Eine Gesellschaft muss sich nicht darüber einig sein, ob eine Regierung gute Politik macht, ein Krieg gerechtfertigt ist oder eine wirtschaftspolitische Entscheidung richtig war. Solcher Streit gehört zur Politik. Er setzt jedoch etwas voraus, das leicht übersehen wird: Die Streitenden müssen wenigstens eine hinreichend große gemeinsame Tatsachenbasis besitzen. Sie können dasselbe Ereignis unterschiedlich bewerten. Schwieriger wird es, wenn sie sich schon darüber nicht mehr verständigen können, ob dieses Ereignis überhaupt stattgefunden hat, wer daran beteiligt war oder ob die Bilder davon echt sind.
Genau diese Verschiebung beschäftigte bereits 2017 den National Intelligence Council (NIC), das strategische Analyseorgan der amerikanischen Intelligence Community. In seinem Bericht Global Trends: Paradox of Progress findet sich eine bemerkenswerte Diagnose. Die Informationsumwelt fragmentiere die Öffentlichkeit in „countless perceived realities“ – zahllose wahrgenommene Wirklichkeiten. Dadurch gingen gemeinsame Vorstellungen von Weltereignissen verloren, die zuvor politische und internationale Verständigung erleichtert hätten. Der Bericht stellte diesen Vorgang schon damals in den Zusammenhang einer „post-truth“ oder „post-factual politics“.
Das Problem besteht nicht einfach darin, dass im Internet Unwahrheiten verbreitet werden. Lügen, Propaganda und Gerüchte sind so alt wie die Politik. Neu ist die Struktur, in der Informationen erzeugt, ausgewählt und verbreitet werden.
Die klassische massenmediale Öffentlichkeit hatte erhebliche Schwächen. Wenige Zeitungen, Rundfunkanstalten und Fernsehsender besaßen große Macht darüber, was überhaupt zum öffentlichen Thema wurde. Dennoch entstand dadurch etwas, dessen Bedeutung erst jetzt richtig sichtbar wird: Millionen Menschen sahen dieselben Bilder und kannten dieselben Nachrichten. Sie mochten vollkommen verschiedener Meinung darüber sein, was daraus folgte. Aber ihr Streit bezog sich häufig auf denselben Gegenstand.
Die digitale Öffentlichkeit beseitigt diese Knappheit. Jeder kann publizieren, jeder kann kommentieren, jede politische Gruppe kann ihre eigene Gegenöffentlichkeit schaffen. Das ist zunächst ein Gewinn an Freiheit. Es bedeutet aber zugleich, dass die gemeinsame Informationsgrundlage schmaler werden kann.
Der NIC hat diesen Gedanken in Global Trends 2040: A More Contested World von 2021 weitergeführt. Das entsprechende Kapitel trägt die Überschrift „Information Environment: Connecting, Confusing, and Dividing“. Soziale Medien erleichterten es Menschen, sich mit Gleichgesinnten zusammenzufinden. In solchen Räumen zirkulierten bevorzugt Informationen, die vorhandene Weltbilder bestätigten. Andere Perspektiven würden weniger wahrgenommen. Als Folge erwartet der NIC eine Verfestigung konkurrierender Sichtweisen und geringere Möglichkeiten zum gesellschaftlichen Kompromiss.
Entscheidend ist, dass dabei nicht nur verschiedene Meinungen entstehen. Allmählich können verschiedene Informationsbestände entstehen.
Zwei Menschen verfolgen dasselbe politische Ereignis. Der eine bekommt bestimmte Ausschnitte, Zeugenaussagen und Kommentare zu sehen. Der andere sieht andere Bilder, hört andere Experten und erfährt von Vorgängen, von denen der Erste niemals etwas hört. Nach einigen Monaten oder Jahren besitzen beide Hunderte vermeintlicher Belege für ihre jeweilige Sicht der Welt. Der Andersdenkende erscheint dann nicht mehr als jemand, der dieselben Tatsachen anders bewertet. Er muss entweder schlecht informiert, verblendet oder böswillig sein.
Aus politischem Dissens wird epistemischer Dissens.
Die neue Macht liegt in der Auswahl
Damit verändert sich auch die Frage nach der Macht über Öffentlichkeit. Im vergangenen Jahrhundert lautete sie vor allem: Wer darf veröffentlichen? Wer besitzt Zeitung, Sender oder Verlag?
Heute kommt eine andere Frage hinzu: Wer entscheidet, was gesehen wird?
Der NIC misst dieser Veränderung große Bedeutung bei. Algorithmen müssen aus einer praktisch unbegrenzten Menge von Informationen auswählen. Damit gewinnen nicht nur diejenigen Macht, die Inhalte produzieren, sondern auch diejenigen, die darüber bestimmen, wem diese Inhalte angezeigt werden. Der Bericht von 2021 formuliert es ausgesprochen deutlich: Macht werde zunehmend sowohl von den Erzeugern von Inhalten als auch von den Instanzen ausgeübt, die entscheiden, wer sie zu sehen bekommt.
Das ist eine andere Form von Informationsmacht als die klassische Zensur. Ein Beitrag muss nicht verboten werden, um wirkungslos zu bleiben. Es kann genügen, dass er kaum verbreitet wird. Umgekehrt kann ein Inhalt, der früher ein Randphänomen geblieben wäre, durch algorithmische Verstärkung innerhalb weniger Stunden Millionen Menschen erreichen.
Die Freiheit, etwas sagen zu dürfen, beantwortet deshalb noch nicht die Frage, welche Rolle eine Aussage in der digitalen Öffentlichkeit spielt.
Wahrheit wird zur Gruppenfrage
Hinzu kommt ein psychologischer Mechanismus. Menschen suchen in einer unübersichtlichen Welt Orientierung bei Personen und Gruppen, denen sie vertrauen. Das ist zunächst selbstverständlich. Doch politische, kulturelle oder religiöse Zugehörigkeit kann damit zum Filter für die Beurteilung von Tatsachen werden.
Global Trends 2040 spricht von einem „siloed information environment“, einer in abgeschlossene Bereiche aufgeteilten Informationsumwelt. Sie treffe auf eine wachsende Bedeutung von Gruppenidentitäten. Beides zusammen könne gesellschaftliche Bruchlinien vertiefen und die politische Instabilität erhöhen. Der NIC beschreibt eine „cacophony of competing visions, goals, and beliefs“.
Dann bedeutet „Ich halte X für wahr“ irgendwann auch: Menschen wie wir halten X für wahr.
Eine Korrektur wird unter solchen Bedingungen schwieriger. Wer eine Überzeugung aufgibt, ändert möglicherweise nicht nur seine Meinung, sondern entfernt sich von seiner Gruppe. Der Bericht von 2017 verwies bereits auf Untersuchungen, nach denen Informationen, die bestehenden Überzeugungen widersprechen, keineswegs zwangsläufig zur Korrektur führen. Sie können vielmehr die Auffassung verstärken, die Quelle selbst sei parteiisch oder feindlich.
Hier liegt ein Grund dafür, weshalb die schlichte Forderung nach mehr Information das Problem nicht löst.
Wir verfügen heute über mehr Informationen als jede Generation vor uns. Aber mehr Information bedeutet nicht mehr gemeinsame Information.
Künstliche Intelligenz verschärft das Problem
Seit den NIC-Berichten von 2017 und 2021 ist eine weitere Entwicklung hinzugekommen. Generative KI senkt die Kosten für die Herstellung überzeugender Texte, Stimmen, Bilder und Videos dramatisch. Der Bericht von 2021 sah bereits voraus, dass Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen das öffentliche Vertrauen weiter schwächen könnten, weil es schwieriger werde, zwischen Realität, Gerücht und Manipulation zu unterscheiden.
Inzwischen zeigt sich eine zusätzliche Gefahr. Wenn täuschend echte Fälschungen möglich sind, wächst nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen Falsches für wahr halten. Auch Wahres kann leichter als Fälschung zurückgewiesen werden.
Das verändert die Beweislast öffentlicher Kommunikation. Ein kompromittierender Mitschnitt, ein Foto oder eine Tonaufnahme besaßen früher einen erheblichen Evidenzwert. In einer Welt synthetischer Medien kann der Betroffene erklären, das Material sei künstlich erzeugt worden. Selbst wenn dies nicht stimmt, ist Zweifel gesät.
Die Krise besteht dann nicht mehr darin, dass Menschen einer falschen Information glauben. Sie reicht tiefer: Es wird schwieriger, sich auf die Verfahren zu einigen, mit denen Wahrheit überhaupt festgestellt werden soll.
Wer entscheidet, was wahr ist?
Die scheinbar naheliegende Antwort erzeugt ein neues Problem. Wenn die Öffentlichkeit Wahrheit und Fälschung nicht mehr zuverlässig unterscheiden kann, könnten Institutionen diese Aufgabe übernehmen. Plattformen kennzeichnen Inhalte, Faktenchecker überprüfen Aussagen, Medien verifizieren Bilder, staatliche Stellen bekämpfen Desinformation.
Doch diese Lösung setzt voraus, dass den prüfenden Institutionen vertraut wird. Genau dieses Vertrauen sieht der NIC schwinden. Global Trends 2040 beschreibt große Bevölkerungsgruppen als unsicher hinsichtlich ihrer Zukunft und misstrauisch gegenüber Regierungen und Institutionen, die sie für ineffektiv oder interessengeleitet halten.
Damit entsteht ein schwer aufzulösender Kreislauf. Misstrauen begünstigt alternative Informationsräume. Dort verstärkt sich das Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen. Versuchen diese Institutionen anschließend, verbindlich zwischen wahr und falsch zu unterscheiden, kann gerade dieser Eingriff als weiterer Beweis ihrer Parteilichkeit verstanden werden.
Das Problem lässt sich deshalb nicht einfach durch eine zentrale Wahrheitsinstanz lösen. Der Bericht von 2017 warnt sogar vor der Versuchung, die entstehende Unordnung autoritär beherrschen zu wollen. Eine solche Durchsetzung von Ordnung würde im Inneren letztlich Demokratie durch Autoritarismus oder Instabilität ersetzen.
Hier liegt die politische Brisanz der Entwicklung. Demokratie braucht keine einheitliche Meinung. Sie braucht auch keine widerspruchsfreie Gesellschaft. Aber sie benötigt vermutlich etwas, das der digitalen Moderne abhandenzukommen droht: eine hinreichend große gemeinsame Welt, über die gestritten werden kann.
Wenn diese Grundlage verschwindet, verändert sich die Natur des politischen Konflikts. Dann streiten Bürger nicht mehr darüber, was aus einem Ereignis folgt. Sie streiten darüber, welches Ereignis stattgefunden hat. Aus unterschiedlichen Deutungen derselben Wirklichkeit werden konkurrierende Wirklichkeiten.
Der National Intelligence Council gab dem gesellschaftlichen Kapitel seines Berichts von 2021 eine bemerkenswert knappe Überschrift: „Disillusioned, Informed, and Divided“ – desillusioniert, informiert und gespalten.
Vielleicht liegt gerade darin das Paradox der digitalen Öffentlichkeit. Ihr Problem könnte am Ende nicht sein, dass wir zu wenig wissen. Sondern dass jeder etwas anderes weiß.
Quellen
National Intelligence Council (Hrsg.): Global Trends: Paradox of Progress. Washington, D. C., Januar 2017.
National Intelligence Council (Hrsg.): Global Trends 2040: A More Contested World. Washington, D. C., März 2021.
Office of the Director of National Intelligence / National Intelligence Council: Global Trends 2040, insbesondere „Emerging Dynamics – Societal Dynamics“.




Handelt es sich hier denn wirklich um Information und nicht eigentlich um Erzählungen? Wenn jemand auf x etwas von sich gibt, dann ist die einzige Information, dass er etwas gesagt hat, aber der Inhalt ist eine Erzählung, unabhängig vom Wahrheitsgehalt.
Das ist doch ein wesentlicher Unterschied, der im Artikel nicht berücksichtigt wird. Einer Information unterstelle ich einen Wahrheitsgehalt, einer Erzählung (oder neudeutsch Narrativ) keineswegs.
Information ist zunächst einfach eine Mitteilung. Deren Inhalt muss nicht wahr sein, um als Information zu gelten. Eine Erzählung ist auch eine Information.
Das kommt aber eben nicht wegen de Internets, sondern, weil wir seit dem 2.Weltkrieg konsequent immer nur angelogen wurden.
Die gesamte westliche Erzählung, auch hinsichtlich weiter zurückreichende geschichtliche Ereignisse wie Mutter Theresa, 9/11, Tonkin, Massenvernichtungswaffen von Hussein, Herrhausen, die Klimalüge, Corona, sind ja schon fast alle anzuzweifeln, und vieles davon hat mit dem Internet so gar nichts am Hut
Also wenn der amerikanische National Intelligence Council seit Jahren vor dieser Entwicklung warnt, kann diese nicht wirklich schlecht sein…
Am geilsten sind die Putinisten die uns verklickern wollen das Putin mit seinem Überfall auf die Ukraine in Wahrheit US-Interessen vertritt, also Putin in Wirklichkeit ein Agent der CIA ist.
Die tauchen hier auch immer wieder auf.
Ein Agent der CIA ist Putin nicht, aber ein Agent des neoliberalen Kapitalismus schon. Allerdings nicht in der US-amerikanischen Version, was ihn zum Feind der Transatlantiker macht.
War es nicht genau umgekehrt. War nicht Trump ein Agent der Russen, Putins asset? Russiagate – schon mal gehört?
Ja, das war aber eine „Information“ vom CIA – muss also nicht wahr sein. Informationen müssen keinen Wahrheitsgehalt haben, das ist einfach nur Geschwätz (oder auch Propaganda).
Aber dein Sermon ist natürlich die absolute Wahrheit.
Putin als „Neoliberalisten“ zu bezeichnen ist schon eine echte Leugnung der wahren Verhältnisse,
Schließlich sind die Russen, zusammen mit den Chinesen, mit die einzigen Länder, die tatsächlich etwas für ihr Volk tun, während sich der Lebensstandart so wie mittlerweile auch das Durchschnittsalter der westlicher Zivilisationen ständig am abnehmen ist.
Aber nur wenn jemand zu Besuch kommt:
https://video.twimg.com/amplify_video/2081810651089920000/vid/avc1/202×360/s-4XgVaB_kFeATDZ.mp4
Nenne mir EINEN!
Nur EINEN!
Hier steht kein weiterer Text.
Hier steht kein weiterer Text.
Hier steht kein weiterer Text.
Schon so früh am Tag schon intensivster Genuss von Alkohol? Das ist doch mächtig ungesund für Geist und Verstand.
Clemens Varro: „Vielleicht liegt gerade darin das Paradox der digitalen Öffentlichkeit. Ihr Problem könnte am Ende nicht sein, dass wir zu wenig wissen. Sondern dass jeder etwas anderes weiß.“
Dieses Problem dürfte sich entschärfen durch das leibhaftige Zusammenkommen von BürgerInnen in geloste Versammlungen um gemeinsam Politik im Sinne des Gemeinwohls zu machen. Das bedarf einer Verfassungsreform, die „allen politische Machtgleichheit“ ermöglicht und politische Parteien überflüssig werden läßt. Letzere sind mit verantwortlich für gesellschaftliche Spaltungen, die sie , systemisch bedingt, benötigen zum eigenen Machterhalt.
Schauen sie doch mal hier rein: https://losdemokratie.info/
Das ist auch nur eine Aristokratie. Die Aristokratie der Loser. Die Aristokratie der Erwählten- Die Aristokratie der Wahlmänner. Die Aristokratie der Parteien. Die Aristokratie des Zentralkomitees. Eine Gruppe Auserwählte bestimmt. Der Modus der Auswahl spielt keine Rolle. Gemeinwohl und Auserwählte sind ein Gegensatz.
Was alle angeht, muss von allen entscheiden werden. Das ist die res publica.
Der NIC macht sich Sorgen: „Sie können dasselbe Ereignis unterschiedlich bewerten. Schwieriger wird es, wenn sie sich schon darüber nicht mehr verständigen können, ob dieses Ereignis überhaupt stattgefunden hat, wer daran beteiligt war oder ob die Bilder davon echt sind.“
Ja aber dies genau wurde uns doch als die eigentliche Macht der US-Amerikaner und ihrer Geheimdienste dargestellt. Sie schaffen doch eine (künstliche) Wirklichkeit und während wir uns noch mit dieser zuerst geschaffenen Wirklichkeit herumplagen, schaffen sie bereits eine neue Wirklichkeit. Was soll die gespielte Verzweiflung?
Es ist schon ein Drama. Man muss nicht mehr alles glauben, was heimische Zeitungen, Radio und Fernsehen einem Vorsetzen. Man kann tatsächlich auch die Verlautbarungen „gegnerischer“ Regierungen und kritischer Medien zu Rate ziehen. Und Medien von RT bis Presstv-ir verbieten bringt auch nichts.
Sehr unangenehm sowas. Immerhin, die Mehrheit ist noch nicht soweit…
„Vielleicht liegt gerade darin das Paradox der digitalen Öffentlichkeit. Ihr Problem könnte am Ende nicht sein, dass wir zu wenig wissen. Sondern dass jeder etwas anderes weiß.“
ist doch sowieso schon so: bild-zeitungsleser.innen wissen (und meinen) etwas anderes als die leser.innen der faz, taz und waz. und im tv so ähnlich: weltsicht entspricht dem lieblingsprogramm. böhmi vs report, sport vs kultur, krimi vs doku, usw. die sicht auf die realität und das daraus resultierende weltbild ist eine frage des inputs. objektivität ist illusion. und nicht nur in der digitalen öffentlichkeit. sondern ganz konkret auch im supermarkt und bei der interaktion mit anderen teilnehmern an öffentlichkeit. nein, solipsismus meint etwas anderes. oder doch nicht?
Diese Situation wurde schon vor einem halben Jahrhundert vorhergesagt.
Natürlich spitzt sie sich zu.
Ich denke nicht, dass das ein neues Problem ist. Menschen haben schon immer in ihren eigenen Wirklichkeiten gelebt und diese innerhalb der Gruppe, in der sie leben, untereinander abgeglichen.
In einer Zeit, in der es keine Fotografien, Videos oder TV gab….war wahr, was man mit den eigenen Augen gesehen hat. Den Rest konnte man glauben, oder nicht.
Das ist heute wieder so, da man den Bildmedien nicht trauen kann.
Bleibt also nur der Glaube, daran, dass die Informationsquellen, die man nutzt, seriös sind.
Da der größte Teil unserer Weltbilder auf Lügen beruht, ist der denkende Mensch ohnehin die meiste Zeit damit beschäftigt, herauszufinden, also wissenschaftlich zu eruieren, was an dem Rahmen, in dem man denken darf, richtig ist …
Im Internetzeitalter von einer Demokratisierung der Information zu sprechen, diskreditiert denjenigen, der so etwas behauptet …
es bleibt das Fazit, dass auch dieser Artikel nur verunsichern möchte …
da hätte er auch gleich Uschi zitieren können: „Vertrauen Sie nur den offiziellen Stellen … blablabla.“
„In einer Zeit, in der es keine Fotografien, Videos oder TV gab….war wahr, was man mit den eigenen Augen gesehen hat. Den Rest konnte man glauben, oder nicht.“
In diesen Zeiten wurden Hexen verbrannt.
nein – der Rahmen des Denkens ist familiär-gesellschaftlich abgesteckt,
der auch alle notwendgen Illusionen enthält um sich zu verstecken.
Den Rahmen zu verlassen ist möglich wenn man sich in die Wüste
zu leben gewöhnt hat. Da ist man nämlich allein.
Eine „gemeinsame Wirklichkeit“ gab es m.E. zu keiner Zeit
zwischen den verschiedenen politischen Lagern.
Neu ist, dass mit dem Internet und den zahlreichen politischen Blogs und Magazinen, über
die Ereignisse sehr viel vielschichtiger, kleinteiliger und aus verschiedenen Richtungen berichtet wird.
Davor war es einfacher möglich, ein unerwünschtes Ereignis „unter Verschluß“ zu halten, so
daß das dann gar nicht an die Öffentlichkeit kam.
Als Ausweg blieb danach nur, alle Informationen, die nicht dem staatlichern Narrativ entsprachen, als „Verschwörungstheorien“ abzustempeln, ohne daß dabei irgendetwas widerlegt werden musste.
Man erlebt es dennoch immer noch, dass manches rundweg bestritten wird.
Z.B. sagen viele, in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine habe es gar keine Referenden gegeben.
Das trotz der Tatsache, dass bundesdeutsche Journalisten, die zu der Zeit dort hingefahren waren, von unserer Justitz vorgehalten bekamen, sie hätten dort als Beobachter der Referenden fungiert und so den „russischen Angriffskrieg“ unterstützt.
Jedes Lager sucht sich aus den Wirklichkeits-Ereignissen einfach diejenigen aus, die den eigenen Standpunkt stützen. Alles andere wird abgestritten Konfrontiert man die Leute mit dem Teil der Wirklichkeit, den sie leugnen, dann kommen keine Gegenargumente, dann kommen Angriffe „ad personam“. Als ich einem Kollegen gegenüber einfach nur die Ereignisse auflistete, die in der Ukraine zum Krieg führten, angefangen mit der westlichen Unterstützung des Maidan-Putsches und der militärsichen Angriffe der Nach-Putsch Regieungen in Kiew gegen die Putsch-Gegner im Donbass, bis zur westlichen Sabotage der Friedensverhandlungen in Istanbul im Frühjahr 2022, dann wurde darauf in keiner Weise eingegange, stattdessen kam der Vporwurf: „Es ist für mich schwer auszuhalten, dass Du auf der Seite des Agressors stehst“.
Die richtige Moral hierzulande scheint es zu verlangen, dass man es untestützt, Hunderttausende ukrainische Soldaten zum Sterben in die Schützengräben zu schicken. Frieden durch Gebietsabtretungen zur Rettung von Menschenlebenscheint vollkommen unmoralisch zu sein.
Der angepaßte clevere Bürger wusste früher, wie heute in Zeiten des Internets, dass es die sicherste und bequemste Art ist, sich nur von Regieungsseite und aus regierungstreuen Medien zu informieren UND SICH DEREN INTERPRETATIONEN UND MEINUNGEN ZU EIGEN ZU MACHEN. Und die öffentlichen Medien trichtern den Leuten tagtäglich ein, was die richtigen, die „erlaubten“ Meinungen sind. Damit eckt man nirgends an. Und wenn das System dann eines Tages zusammenbricht, dann kann man immer noch behaupten, man sei ja sooo entsetzlich getäuscht worden.
Nichts gelernt aus der Geschichte, aber auch gar nichts.
Die Regierung lügt nicht immer. Das wäre übertrieben. Wenn ihr die Wahrheit nützt, dann sagt sie sie auch.
Die Wirklichkeit des subalternen Dienstvolkes ist und bleibt stets dieselbe. Es ist die Wirklichkeit in Schulen, Fabriken, Gewerbebetrieben, Werkstätten, Sweatshops, Arbeitskolonnen, Büros, Supermärkten, Märkten, auf den Straßen, in Bahnen und Bussen.
Das ist allerdings nur teilweise die Wirklichkeit der höheren Stände und der Funktionseliten und um die ist es dem NIC zu tun!
https://archive.dni.gov/files/documents/nic/GT-Full-Report.pdf
Wie es dem NIC darum zu tun ist – und mit welchen Zielen und Zwecken – darüber weiß „Clemens Varro“ mit Gewißheit weit mehr und anderes, als er in diesem arg naiv erscheinenden Text thematisieren will, aber ich bin umgekehrt nicht so dummdreist, von ihm zu verlangen, mehr davon erkennen zu lassen und damit seine Repro zu riskieren.
Will aber meinen thematischen Kommentar unter dem Titel Es gibt kein „falsches Bewußtsein“! bewerben, mit dem ich ziemlich zufrieden bin, damit der nicht augenblicklich untergeht. Zumal der einfacher zu begreifen ist – denke ich – als der NIC-Report.
Ein guter Untertan schaut abends die Tagesschau. Dann weiss er, was er ab heute zu glauben hat. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben. Denn wir haben schliesslich schon immer Krieg gegen Ozeanien geführt. Das muss man ab heute wissen.
Um sich dem im Artikel beschriebenen Problem zu nähern, bzw. es zu lösen, muss sich vorab einer Annahme entledigt werden: Es wird nie leichter, valide Informationen, ungefilterte Wirklichkeiten oder Orientierung zu finden, zu verteidigen oder zu vermitteln. Alles und jeder, der, die oder das verspricht, etwas würde substantiell leichter oder funktioniere schneller, unterliegt einem Irrtum oder schlimmerem.
Früher lagen nahezu alle Informationen in Bibliotheken und Archiven, es gab und gibt eigentlich wenig Geheimwissen oder Herrschaftswissen, über fast alles wurde in Büchern geschrieben. Um brauchbare Informationen zu finden und einzuordnen, und anschließend etwas kondensieren, das vertrauenswürdig weiter gegeben werden konnte, war handwerkliches Denken und Geduld notwendig. Die wenigsten wurden mit dieser Kulturtechnik ausgestattet und werden es weiterhin nicht.
Natürlich widerspricht das dem infantilen Bedürfnis des instant fulfillment, welches das Internet vorheuchelt, bei dem sich niemand mehr auch nur physisch bewegen muss. Es ist eine Illusion, Erkenntnis ohne diese Techniken gewinnen zu können: Aber sie steht ja da, sie liegt doch auf meiner Hand.
Das ist dann der nächste Fehler. Bei der Vermittlung der Techniken zu Recherche und Analyse ist folgendes eine Grundregel: „Vertraue nichts und niemandem, nicht den Lexika oder dir selbst, überprüfe alles, von den Quellen bis zum eigenen Verständnis der Begriffe“. Wenn im Artikel mangelndes Vertrauen genannt wird, ist das eigentlich nichts neues, „Vertrauen“ wird hier irgendwie mit „Naivität“ gleichgesetzt. Aber Vertrauen ist etwas, das erarbeitet werden muss, immer wieder, auch Vertrauen in das eigene Denken, und das ist nicht „leicht und schnell“ zu haben.
Nein. Das ist der gleiche Irrtum wie vor dem Internet. Es kann und darf nicht Ziel sein, einen vorausgesetzten oder abschließenden Konsens zu finden, denn genau das verhindert, die notwendige Systemfrage, die Herrschaft selbst infrage zu stellen. Stattdessen wird, wie der Artikel richtig sagt, das fabriziert:
Wir starren uns unüberzeugbar an, statt auf jene zu schauen, für die diese Unvereinbarkeit ein gewünschter Konsens ist. Fehlendes Vertrauen ist noch kein Misstrauen. Und das ist das eigentlich neue, dass inzwischen mehr Energie in wachsendes Misstrauen investiert wird (bspw. durch Derailing, Whataboutism) als in den Versuch, jemanden zu überzeugen.