Unkabarettistische Anstalten

Die Anstalt erklärt die Anstalt.
Leonhard Lenz, CC BY 4.0, via Wikimedia CommonsAnstalt

Die Anstalt mit Uthoff und von Wagner ist in aller Munde – sie inszeniert sich gerade als letzter Tummelplatz »unserer Demokratie«. Sie hat längst die Pfade des Kabaretts verlassen und macht Politaktivismus. Ein persönlicher Rückblick.

Die Macher der Anstalt gegen das ZDF: Weil der Sender verbot, dass ein Musikus mit problematischen Lyrics in dem sogenannten Kabarett-Format auftreten dürfe, zeigen die Verantwortlichen der Sendung Gesichtchen. Sie simulieren eine Meinungsvielfalt, die im ZDF offenbar noch immer ausgelebt werden dürfe – gemessen werden könne das jetzt an den Widerworten Uthoffs und von Wagners. Freilich basierend auf Gratismut, denn die heißen Themen würde die Anstalt nicht anfassen. Tut sie es doch, so liefert sie stets Themenverfehlung. Das war nicht immer so – darauf kommen wir gleich zurück.

Man könnte die Causa auch so lesen: Der Sender hat den Auftritt des Barden namens Danger Dan – endlich Berühmtheit für ihn! – auch deshalb nicht genehmigt, weil dessen Text den Satirikern den letzten Rest versetzen könnte. Die Anstalt war mal eine Sendung von Reputation – längst hat sie sich, haben sich die Macher, verloren in ideologischen Gräben. Das Zuschauerinteresse schwindet seit Jahren, sicher auch, weil die Verantwortlichen längst staatsverträgliches »Kabarett« machen – und weil sie längst mehr Politaktivismus betreiben, denn Kleinkunst. Unterstreichen lässt sich diese Entwicklung anhand der Quoten. Die Affäre um jenen Dan hat der Sendung letzte Woche einen »Quotenrekord für dieses Jahr« beschwert: 1,79 Millionen Menschen schalteten ein – zum Vergleich: in den Jahren vor der Pandemie lag man so gut wie immer bei weit über zwei Millionen Zuschauern. Die Anstalt hat sich in den letzten Jahren verloren – sollten die Programmverantwortlichen dabei zusehen, wie der Auftritt von Danger Dan die Sendung noch mehr ins Abseits drängt?

Gratismut und Vorbereitung der Willkommenskultur

Der Comedian Christoph Sieber wusste nach dieser Geschichte gleich festzuhalten, dass die AfD gar nicht wirklich regieren müsse, denn sie tue es indirekt längst. Er interpretierte das Auftrittsverbot seitens des Senders als Kotau vor dieser Partei. Woher er dieses Hintergrundwissen hat, blieb freilich – gedeckt von der Kleinkunstfreiheit – im Vagen. Unter Umständen war es ja auch völlig anders. Vielleicht hat man sich im Sender gefragt, ob dieser Auftritt dem angeschlagenen Image dieses »Kabarett«-Formats diene oder ob es Danger Dan eher noch mehr ramponiere. Muss man sich als Sendung, die im Grunde die Politik mit Humor aufspießen soll, zum Sprachrohr einer freudlosen Antifascho-Lyrik machen, die überhaupt keinen kabarettistisch-aufklärerischen Wert darstellt?

Über Jahre hat die Anstalt einen Weg beschritten, vor dem die Altvorderen des Metiers sich noch aus gutem Grunde gescheut hätten. Ob von Hildebrandt bis zu Polt: Natürlich hatten – und haben, den Polt weilt zum Glück noch unter uns – diese Kabarettisten eine Haltung. Man konnte sie greifen, wenn man deren Programme kannte, sie sich quasi verinnerlichte. Sie banden dem Publikum aber ihre Haltung nie plump auf die Nase. Ja, sie wären auch nicht auf die Idee gekommen, ihren Zuschauern irgendwelche drittklassigen Haltungsvokalisten vorzusetzen, damit die die lästige Aufgabe der Haltungsvermittlung übernehmen – das wäre unter deren kabarettistischer Würde gewesen. Oder treffender: Hätte das Kabarettistische hinter sich gelassen, wäre als eine Spielart der Agitation verstanden worden. Bei Gerhard Polt geht es so weit, dass er Fragen zur Stoßrichtung seiner Programme, oder zu seinem Antrieb, nie konkret beantwortet, manchmal bleibt er sogar in der Rolle der von ihn gespielten Charaktere und antwortet unverbindlich. Denn ein Kabarettist, der sich erklärt, verliert seine Magie – wenn man nun Uthoff und Kollegen dabei zuschaut, wie sie im Studio sitzen und den Streit mit ihrem Sender thematisieren, dann darf man sich eines getrost klarmachen: Kabarettistisch greifen solche, die sich selbst banalisieren, ganz sicher nicht mehr – aber gut, das haben die Nämlichen vorher schon nicht mehr.

Die Anstalt startete im Frühjahr 2014 fulminant. Die Krim-Krise beleuchtete das Format mit großer Könnerschaft. Heute glaube ich – und die folgenden Sätze sind persönlich eingefärbt –, dass das ein Zufallstreffer war. Damals konnte man noch, anders als heute, kritisch mit der Ukrainepolitik des Westens umgehen. Auch andere taten das seinerzeit. Es erforderte also letztlich keinen großen Mut, eine Sendung zu konzipieren, die die Thematik sachlich beleuchtet – hätte es allerdings Mut erfordert, so hätten die Verantwortlichen der Anstalt eine solche Sendung nicht gemacht. Einschieben muss ich noch, dass die Anstalt damals einen wunderbaren Rechercheur hatte, einen Mann namens Ekkehard Sieker, der der Sendung schon seit einigen Jahren ganz grundlegend fehlt. Die Corona-Zeit und ihre Maßnahmen-Ekstase belegen das: Prompt servierten die Macher Ausgaben der Sendung, die nicht die Regierenden kritisch beleuchteten, sondern ganz im Gegenteil, die ihnen Mut zusprachen. Wolfgang Wodard, Kritiker der Corona-Politik der Bundesregierung der ersten Stunde, wurde dort wegen seiner Frisur vorgeführt und zu einem Verschwörungstheoretiker umdefiniert. Damals war ich schon längst kein Zuschauer mehr – ich hatte mich im Laufe des Jahres 2015 verabschiedet. Denn eine Sendung aus dem Herbst 2014 hing mir nach. Die Anstalt bereitete kulturell die später so unterkomplex stattfindende Willkommenskultur mit vor.

Manipulation statt Kabarett

Am 18. November 2014 befasste sich die Sendung mit der deutschen Flüchtlingspolitik. Sie tat das durchaus angemessen – wenn man auch aus heutiger Perspektive nicht mehr überall mitgehen möchte. Dass sich Deutschland im Zuge des Dublin-Verfahrens einen schlanken Fuß machte, die europäischen Anrainerstaaten mehr oder weniger alleine ließ mit der Problematik wachsender Flüchtlingsströme und nebenher auch noch eine internationale Politik stützte, die Fluchtursachen schürte, gilt aber bis heute als zutreffend. Am Ende holte man einen Chor syrischer Flüchtlinge ins Studio. Diese spezielle Sendung bekam im Folgejahr den Grimme-Preis zugesprochen. Die Syrer sangen andächtig, die Stimmung im Studio schwenkte zur Ergriffenheit über, ja sie war geradezu pathetisch – und ich gebe zu, auch ich am TV-Gerät hatte Tränen in den Augen.

In den Wochen nach dieser Sendung fühlte ich mich jedoch seltsam manipuliert. Überstieg das nicht das, was Kabarett leisten sollte? Müssen mich Spaßmacher, denen es im Kern sicherlich ernst ist mit dem, was sie auf der Bühne zeigen, wirklich zur Rührung bringen? Im ersten Moment mag es sicherlich Absicht gewesen sein, dem Publikum ein Gesicht der Menschlichkeit in die Wohnzimmer zu senden. Mit etwas zeitlichem Abstand fühlte es sich allerdings wie ein Holzhammer an, den man direkt auf den Hinterkopf bekam. In jenem Herbst 2014, ein Jahr bevor die Dämme brachen, war das Thema zwar virulent, aber im Wesentlichen doch größtenteils theoretischer Natur. Ab dem September 2015 ging es in die Praxis über, änderte sich dieses Land auf frappierende Weise – 500.000 Menschen oder mehr kamen ins Land. Teils ohne Papiere. Viele Bürger sorgten sich, hegten Ängste. Sie fühlten sich von der Politik überrumpelt, ebenso wie die Regierungen anderer europäischer Länder, die von dem deutschen Alleingang brüskiert wurden. In jener Zeit begann etwas um sich zu greifen, was heute in einer Meisterschaft kultiviert ist, die man eigentlich nicht für möglich halten kann: jede Kritik an Regierungspolitik wird sofort in eine rechte Ecke gestellt und direkt mit der deutschen Vergangenheit verwoben. Wer damals also fürchtete, dass seine Kommune die Flüchtlingsströme nicht stemmen würde, wer fehlende Integrationsforderungen monierte oder wer die Gefahr des Islamismus aufs Tapet brachte, der galt schnell als potenzieller Neonazi, dem man möglichst schnell das Wort abdrehen müsse.

In diesem Klima ist mir der syrische Chor, der ein Jahr zuvor bei der Anstalt auftrat, immer wieder in den Sinn gekommen. Ich gebe zu, als ich jetzt nach dieser damaligen Sendung recherchierte, überraschte es mich, dass sie schon vor 2015 ausgestrahlt wurde. In meiner Erinnerung fand sie nach jenem wegweisenden September statt. Das ändert aber nichts daran, dass ich mich in jener Zeit auf eine Art und Weise manipuliert glaubte, die einem Kabarett von Güte nicht entspreche. In den ersten Monaten verteidigte ich sogar noch die Aufnahme von Hunderttausenden in Deutschland, Geld spielte dabei keine Rolle, der Mensch sollte alleine zählen. Es wäre unfair, diese meine Haltung von damals nur der Anstalt zuzuschreiben, die mit ihrer Sendung großen Einfluss auf die Zuschauerschaft ausübte. Doch bis heute fühle ich mich unwohl beim Betrachten der damaligen Sendung. Sicher, der Chor macht seine Sache ganz gut – und warum sollte er diese Chance nicht ergreifen und im deutschen Fernsehen auftreten? Aber musste es in der Anstalt sein, musste das Kabarett seine Stellung emotional so missbrauchen? Schon Anfang 2015 hielt ich mich wegen dieser Geschichte von der Sendung fern, bis dahin hatte ich keine Folge verpasst.

Kabarett muss nicht mehr witzig sein

Das klassische Kabarett geht davon aus, dass das anwesende Publikum – auch das vor dem Fernseher – aus intelligenten Individuen bestehen könnte. Man attestiert also denen, die einem zuschauen, dass sie die Nuancen der Kritik verstehen, die Verwinkelungen des Vorgetragenen begreifen, die Doppeldeutigkeiten erkennen. Es ist daher nicht nötig, sein Publikum hauruckartig zu manipulieren oder zu beeinflussen. Aus dem mehr oder weniger kunstvoll präsentierten Kleinkunstbeitrag ergibt sich im besten Falle eine Gemengelange, die der Zuschauer »mit nach Hause nimmt«. Dort setzt er sich mit der Unterhaltung, die das Kabarett ja auch sein will, auseinander und versteht – mit etwas Glück – die Komplexität gewisser politischer Vorgänge. Diesen »klassischen kabarettistischen Weg« hat die Anstalt durchaus noch in den ersten Monaten ihrer Existenz vertreten. Wenn vielleicht nur aus Zufall oder aus Gründen des Glücks. Mit dem Auftritt des Chores verließ man die Pfade des Kabaretts, man übte sich in Agitation, setzte auf spaßbefreite Emotionen statt auf humoristische Argumente. Ich will es nochmals ganz offen sagen: Als Zuschauer fühlte ich mich missbraucht – die Debatte um die Flüchtlingspolitik wollte ich nüchtern verfolgen, nicht indem ich emotionalisiert werde.

Ich habe das der Anstalt nie verziehen. Um menschlich zu denken, brauche ich ohnehin auch keine Bajazzos, dafür gibt es ganz andere Instanzen. Was glaubten denn diese Leute, wer sie seien, dass sie ihrem Publikum ein »Kabarett« vorsetzen dürfen, das sich in der Agitation verliert? Im Laufe der Jahre wurde dann – ich sah es nur noch aus der Ferne, Wodargs Frisur-Kritik wurde mir damals lediglich zugetragen – auch noch sehr Staatshöriges als eine Form des Widerständigen präsentiert. Stichwort: Gratismut. Es braucht doch keinen Mut, einen wie Danger Dan singen zu lassen. Das Publikum, das der Anstalt blieb, kennt diese Anbiederung doch längst. Mutig ist es eher, einen solchen Auftritt zu unterbinden. Ich lasse allerdings an dieser Stelle offen, ob ein solches Verbot richtig oder falsch ist. Aber ich bin geneigt zu glauben, dass die Öffentlichkeit womöglich nicht alles weiß, was diese Causa betrifft. Schöner Nebeneffekt für die öffentlich-rechtliche Kamarilla ist hierbei, dass man Meinungsvielfalt simulieren und Streitkultur suggerieren kann.

Rückblickend ist es kein Verlust, dieser Sendung schon lange die Treue aufgekündigt zu haben. Eine Weile schaute ich mir – so ehrlich muss ich dann doch noch sein – Ausschnitte an, später aber nicht mal mehr das. Das Oberlehrerhafte Uthoffs wiederholte sich zu oft, sein Timing schien zudem ständig verzögert, sein stimmlicher Pathos ödet schnell an – die unterkomplexe Mimik seines Partners hat man indes so oft gesehen, es ist kaum mehr zu ertragen. Hinter den Mienen der vermeintlichen Spaßmacher stecken dann Herrschaften mit starkem Sendungsbewusstsein – ihr Programm bei der Anstalt hat daher immer auch einen viertklassigen Anstrich, denn ihr künstlerisches Repertoire ist nicht nur stark limitiert, auch ihre Themenschwerpunkte verlieren sich im Klein-Klein der Tagespolitik. Anders die großen Könner, von denen ich vorhin sprach: Polts Stücke sind Meisterwerke – sie sind voller Witz und voller Wahrheiten, er schaut den Menschen aufs Maul, kommt aber am Ende nie mit »der Moral von der Geschichte«, denn er begriff sich nie als Volkserzieher. Schramm war hingegen als Rentner Dombrowski ein Poet des Zornes, der immer nur in seiner Rolle erzieherisch sein wollte, ohne dabei den Humor auf der Strecke zu lassen. Die heutigen Zuständigen der Anstalt lassen den Humor aber lieber mal beiseite, um mit den herrschenden Ideologien Schritt halten zu können. Wie etwa Uthoff, der in einem Soloprogramm über die finanziellen Einbußen menstruierender Frauen kündete und weshalb Tampons kostenfrei sein sollten – bezahlt vom Steuerzahler und auch von Steuerzahlerinnen, so viel zur ökonomischen Kenntnis der Kulturschaffenden. Dabei wirkt Uthoff auch noch viel weniger witzig als verbiestert. Alles in allem sind das recht unkabarettistische Anstalten, die da gemacht werden.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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5 Kommentare

  1. Mal wieder nach langer Zeit ’nen De Lapuente gelesen.

    Reife Leistung – über die „Flüchtlingskrise“ und die „Willkommenskultur“ schwadronieren, ohne die endlosen West/US-Kriege in der Region zu erwähnen. Nebenbei: die „Flüchtlinge“ arbeiten überwiegend in den Billiglohn-Branchen. Die bringen mir Pakete und räumen die Regale im Supermarkt ein.

    Anstalt und Heute-Show gucke ich schon lange nicht mehr; nicht mal Ausschnitte auf Youtube. Für mich hat der gesamte Artikel Null Neuigkeitswert, auch wenn ich Robertos Verriss der Anstalt weitgehend teile..

  2. Ich bin immer ein großer Freund des Kabaretts gewesen.
    Als Kind lernte ich bei meinen Eltern die „Lach- und Schießgesellschaft“ kennen, v.a. Dieter Hildebrand, den ich immer sehr bewunderte, auch später, er war das Maß für mich, an dem ich anderes Kabarett gemessen habe.
    Da saß dann auch mal ein amtierender Bundeskanzler, Willi Brandt, in den Zuschauerreihen und hat herzlich mit gelacht, wenn er selber durch den Kakao gezogen wurde, absolut unverstellbar heut zu Tage, unsere Politmimosen kommen doch sofort mit dem Staatsanwalt.
    Auch die Anstalt habe ich früher gerne gesehen, wo Georg Schramm dabei war und Urban Priol, der noch nicht vom Sender kastriert war.
    Der Bayer mit dem Hut, der Name will mir nicht einfallen, hat doch da mal die legendäre Goldmann-Sachs-Tafel aufgebaut und deren Vernetzung dargelegt, das war Klasse!
    Auch Volker Pispers war wirklich gutes Kabarett, aber mittlerweile?
    Im ÖRR ist das, was da an „Kabarett“ gesendet wird, den Namen nicht mehr wert.
    Außer Lisa Fitz fällt mir kaum jemand ein.
    Was der Autor über die „Anstalt“ schreibt kann ich ansonsten unterschreiben.
    Das politische Kabarett in Deutschland ist tot, ich empfinde das als Kulturverlust!

  3. Ist der RDL eigentlich jetzt AfD-Wähler? Ich erinnere mich an seinen Text, sein Viertel ist herunter gekommen. Nur finde ich das trotzdem traurig, wenn man selbst mit teils Migrationshintergrund es nicht schafft eine (marxistische) Kritik zu formulieren. Danger-Dan schafft das übrigens auch nicht. Vergleiche mit Olle Schneemond:

    https://www.youtube.com/watch?v=Lc747loZZao

    Mich hat allerdings nicht die Anstalt aufgeregt, sondern der Grüne, der Ole und Simon stalkt. Darüber habe ich mich so sehr aufgeregt, sogar vorhin noch beim Joggen, dass ich über einen Stein gestolpert bin und es mich gelegt hat. Zum Glück nix groß passiert. Was mich bei dem Grünen so aufgeregt hat? Dass er wie Agent Smith aus der Matrix daherkommt, die Banalität des Bösen. Oh das darf man ja so nicht sagen!

    Bei den Anstalt-Typen ist doch so, dass sie übernommen haben. Der Eine hat ein „von“ im Namen – immer ein Warnzeichen. Eigentlich war von Anfang an erkennbar, dass die das nicht konnten. Am Anfang hatten sie aber wohl noch gute Texter, Rechercheure? Natürlich gibt es im ÖR die geistig-moralische Zeitenwende. Was sollen sie auch sonst tun, damit sie weiter ihr Geld bekommen? Im höheren Management ist viel politisch besetzt. Ich frage mich ja dann immer nur: Die sind ja auch alt – wie lange soll das Siechtum noch dauern? Wie lang noch bis zur Rente? Können die Frührente machen? Haben die schon ein Häuschen in der Toskana neben Harpe Kerkeling und unserer Kanzerlin der Herzen? Mich überrascht dabei immer, dass es bestimmte Leute immer noch gibt, wenn ich mal nach einigen Jahren von ihnen höre und mich erinnere wie furchtbar die auch damals waren. Aber TV ist ja auch so ein typischer Job für obere Mittelschicht, bisschen rumlabern vor Publikum oder im Studio, schöne vom Staat finanzierte Abenteuerreisen nach Bolivien….

  4. Kabarett braucht das Subversive, diesen Schlag gegen Gewissheiten. Im zeitgenössischen Kabarett verfolgt das eigentlich nur Lisa Eckart ( ihre Einlagen unter der Gürtellinie geschenkt) Andreas Rebers z.T. . Was die Anstalt macht ist reine Akklamation, so wie es im DDR Kabarett verstanden wurde, die gute Sache Sozialismus durch „Aufdecken von Missständen“ noch besser zu machen.

  5. Hildebrandt war ein wahrer Meister der unvollendeten Sätze. Statt brachial SEINE Botschaft zu präsentieren, riß er den Satz an, und ließ ihn sein Publikum im Kopf vollenden. Als er zur ersten Folge symbolisch „den Staffelstab“ an die Macher der Anstalt übergab (damals noch Schramm und Priol), war das aber schon ein deutlicher Verweis auf den Verfall des Fernsehkabaretts. Denn die Erben des Scheibenwischers Riechling und Jonas hatten das Format schon runtergewirtschaftet So sehr, dass Hildebrandt von seinem Markenrecht Gebrauch machte, und ihnen den traditionsreichen Namen entzog. So entstand der „Satiregipfel“, der irgendwann zur Ein-Mann-Show Dieter Nuhrs verkam. Einem extrem unlustigen Agitator von der „unlinken“ Seite.

    Aber auch andere Kabarettisten haben längst den Schwanz eingezogen. So auch der erwähnte Christoph Sieber, der spätestens mit der Coronazeit ins „Verteidigungsministerium“ gewechselt ist. Auch sein einstiger TV-Partner Tobias Mann wurde irgendwann zwangseingenordet. Bis dahin war das durchaus sehenswert…

    Mich würde interessieren, wo Pispers heute stünde. Hätte er standgehalten oder wäre auch er eingeknickt? Die eine oder andere Äußerung zur Coronazeit war ja schon merkwürdig…

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