Leipziger Buchmesse: Linke Cancler und rechte Geldhahnabdreher

Leipziger Buchmesse, 2026
Je-str, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein linker Autor warnt vor zu viel Staat. Eine Feministin braucht Polizeischutz für ihre Thesen. Und plötzlich fühlen sich selbst Linke von Cancel Culture betroffen.

Auf der Leipziger Buchmesse, vor dem Kiosk der taz, drängeln sich Zuschauer, um Ronen Steinke zuzuhören. Der Jurist und Redakteur der Süddeutschen Zeitung stellt sein neues Buch vor; Meinungsfreiheit, gerade im Berlin-Verlag erschienen.

Steinke hat unbestreitbare linke Street Creds – er hat über Kriegsverbrechertribunale promoviert, über Fritz Bauer geschrieben, den Staatsanwalt, der Nazis verfolgt hat, auch über Klassenjustiz und den Verfassungsschutz. Nun warnt er davor, dass die Linke, im Bemühen darum „Hass und Hetze“ zu dämpfen, die Justiz und die Polizei instrumentalisiert, um die Meinungsfreiheit zu unterbinden.

Anzeichen einer Wende?

Vorgestellt wird er von taz-Redakteur Jan Feddersen, der ähnlich denkt. Und auch das Publikum spendete viel Beifall. Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung seien explodiert, sagt Steinke. Es gebe nun 2.000 Verfahren wegen „öffentlichen Billigung von Straftaten“, ein neu geschaffenes Delikt.

Der Autor erinnerte an den berühmten Fall eines Rentners, der Robert Habeck, den damaligen Minister der Grünen, auf seiner Webseite einen „Schwachkopf“ genannt hat. Dies meldeten die guten Linken von HessenGegenHetze, eine dem hessischen Innenministerium unterstellte Meldestelle, an das Bundeskriminalamt.

Daraufhin wurde der Mann in bester Stasi-Manier frühmorgens von der Polizei aus dem Bett geholt und wegen Volksverhetzung vor Gericht gestellt, auch auf Betreiben Habecks. (Verurteilt wurde er letztlich wegen einer – ironischen –Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen.)

Gerade mit diesen Meldestellen, die ungenehme Reden den Strafverfolgern meldeten, sei der Staat weit über das Ziel hinausgeschossen, meint Steinke. Die sollten abgeschafft werden. Ein bisschen Mea Culpa zeigt er auch; früher sei er selber für so etwas gewesen. Aber die Idee war ja, den Bürger vor Beleidigungen zu schützen und nicht hochrangige Politiker. Steinke findet es besonders bedenklich, dass nun auch viele Journalisten nicht mehr wüssten, was sie schreiben dürften und was nicht.

Sind das die ersten Anzeichen einer Wende? Denn es gibt nichts Wokeres als die deutsche Buchbranche, nicht einmal Hollywood kommt da mit. An keinem anderen – mainstreamigen – Ort der Welt als bei Buchmessen trifft man Menschen, die fließend mit Gender-Schluckauf parlieren können, solange wer zuhört.

Wer soll Preisgelder bezahlen, wenn Deutschland verreckt?

Am Abend des gleichen Tages spricht Alice Schwarzer auf einer Veranstaltung der Buchmesse, auf Einladung der Süddeutschen. Das ist hochsicherheitsmäßig organisiert: Man muss sich vorher anmelden, danach wird die Tür verrammelt. Anfang März hatten „Protestierende“, wie der Spiegel schrieb, versucht, eine Veranstaltung mit ihr in Hamburg zu sprengen. Das soll hier vermieden werden.

Alice Schwarzer glaubt nämlich, Pimmelträger sind keine Frauen – und: es ist falsch, Prostituierte auszubeuten und Gruppenvergewaltigungen sind auch dann nicht in Ordnung, wenn es sich bei den Tätern nicht um Biodeutsche handelt. Deshalb werde – so der Spiegel – Schwarzer ein transfeindlicher, rassistischer, ausgrenzender, biologistischer „Radikalfeminismus“ vorgeworfen. Sind das die gleichen Spiegel-Redakteure, die uns Trumps Kriege erklären? Wie können eigentlich Journalisten, die glauben, Frauen haben Penisse, zwischen Israelis und Iranern unterscheiden?

Am Vorabend der Leipziger Buchmesse herrschte noch ein anderer Ton. Vertreter von Messe und Börsenverein hatten dagegen protestiert, dass Wolfram Weimer, Kulturstaatsminister des Bundes, drei aus seiner Sicht allzu linke Buchhandlungen vom deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen hat, wegen „Erkenntnissen des Verfassungsschutzes“, die er nicht näher ausführte. Das sei „inakzeptabel“.

Unter den gecancelten ist der Laden „Rote Straße“ aus Göttingen, der laut taz von früheren Mitgliedern des Kommunistischen Bundes gegründet wurde und meistenteils anti-imperialistische Sachbücher verkauft, und der „Goldene Shop“ aus Bremen, an dessen Fassade „Deutschland, verrecke bitte“ prangt. Ja, wer soll denn Preisgelder an linke Buchläden zahlen, wenn Deutschland verreckt? Österreich? Namibia?

Diese vorsorgliche Inklusivität gilt allerdings nur für linke Buchhandlungen oder Verlage. Bei der Frankfurter Buchmesse vor ein paar Jahren haben Vertreter der Messeleitung zusammen mit den üblichen Verdächtigen gegen die bloße Anwesenheit rechter Verlage protestieren, die sie selber zugelassen haben.

So gut wie keine Empörung gegen Weimer

Zwar gibt es keinen Anspruch auf Staatsknete, keine Staatsknete zu kriegen ist keine Zensur, und es hat zudem eine gewisse Ironie, dass staatskritische Institutionen staatliche Alimentation fordern – aber einen Hauch von Cancel Culture hat Weimers Vorgehen schon. Und dass er eine rechte Socke ist, ist auch klar.

Eine noch größere Ironie ist es allerdings, wenn selbstidentifizierende Linke, die Meldestellen für Hate Speech gründen, gegen Feministinnen mobben, ungenehme Meinungen kriminalisieren und Kritiker der Grünen von der Polizei aus dem Bett holen lassen, super-empfindlich reagieren, wenn die selbstgeschaffenen Kontrolletti-Strukturen total überraschend andersherum agieren, weil sich der politische Wind gerade dreht. Wer hätte es bloß gedacht, dass es sich ein einmal geschaffener gesellschaftlicher Konsens über das Canceln gegen die Erfinder wenden könnte?

Was die Buchmesse angeht, am bemerkenswertesten fand ich, dass beim Fußvolk praktisch nichts von einer Empörung gegen Weimer zu spüren war. Immerhin; die von der Liste gestrichenen Buchläden haben nun ihren Umsatz mehr als verdoppelt. Die Markwirtschaft funktioniert also.

Auf der Rückfahrt von der Messe, in den knallvollen Zügen, drängeln sich noch ein paar Leute mit Fahrrad herein. Das ist eigentlich in vollen Zügen explizit verboten, aber Radfahrer gehören ja zu den Guten. Immerhin, diesmal bestreikt Verdi nicht den Leipziger Nahverkehr. Man muss die kleinen Erfolge sehen.

Eva C. Schweitzer

Eva C. Schweitzer pendelt zwischen Berlin und New York, wo sie eine Dissertation über den Times Square verfasst hat; sie arbeitet als Buchautorin und freie Journalistin über Medien, Entertainment und Politik. Ihr letztes Buch war „Links Blinken, rechts abbiegen“ beim Westend Verlag; derzeit schreibt sie ein Buch über die Tucholsky-Familie. Sie leitet auch den Verlag Berlinica Publishing, der Bücher aus Berlin nach New York bringt. Zuvor war sie Redakteurin beim Tagesspiegel in Berlin.
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117 Kommentare

  1. Artikel von Schweitzer braucht man nicht erst zu lesen, um zu konstatieren, dass sie hundsmiserabel sind.

    „Bomb, Bomb, Bomb, Evil Evi!“

    1. Lieber Ernst, wollen Sie uns demnächst mal einen Artikel zukommen lassen? Wir freuen uns immer, wenn auch Leser und Kommentatoren hin und wieder bei uns was einreichen.

      1. Gibt es auch ein Zeilenhonorar?

        Oder vielleicht Bezahlung nach Anzahl der Kommentare? Ich könnte die Boomer in der Regierung als Sozialisten bezeichnen und mir einen Sieg der Ukraine gegen die Palästinenser wünschen oder so.

      2. Lieber RDL,

        vielen Dank für das freundliche Angebot und die Absicht, OT qualitativ aufzuwerten.

        Eigentlich hatte ich mich mittlerweile darauf verlegt, schlechte Artikel niederzukommentieren (etwa Tieffliegerangriffe von Schweitzer und Bröckers).
        Soll durchaus effektiver sein als selbst Artikel zu schreiben, weil viele Foristen nach eigenem Bekunden bloß noch die Kommentare lesen, die Bezugsartikel aber meiden.

        (Deshalb an dieser Stelle meine clevere OT-Geschäftsidee: OT könnte eine Rubrik einrichten, wo der Artikelstandort eine Schneewüste bleibt, während der Kommentarbereich weiter existiert).

        Sollte es mein erdrückendes Lohnsklavendasein – viel Arbeit, wenig Geld – zulassen, könnte unter Umständen irgendwann aber mal ein thematisch geeigneter Text aufschlagen.

        In jedem Fall wären vorab noch zwei Aspekte mit Ihnen, lieber RDL, zu klären:

        A) prämiert OT publizierte Foristentexte mit einer Aufwandsentschädigung, die höher liegt als bei der jungen Welt? Oder muss man gar für Gotteslohn schreiben?

        B) ist es bei OT gestattet, unter Pseudonym zu schreiben, wobei die Brandmauer so hoch ist, dass nicht nur staatlich bestallte Schlapphüte, sondern auch RDL und Doktor Rötzer vom Klarnamen keinen blassen Schimmer haben (das ging doch z. B. beim Altlandrebell, aber ganz sicher bin ich da nicht).

        Denn bademanteln ist zwar not a crime, auf eine vorausgehene polizeiliche Türramme lege ich aber keinen gesteigerten Wert.

        1. Dieser Humor riecht ziemlich magensäuerlich.

          Wenn man denkt, dass man’s besser könnte, kann man es hier beweisen.
          Wenn man denkt, dass man üppige Honorare verdient hätte, kann man dort einreichen, wo’s die gibt.

          Wenn die eigenen Artikel-Ideen gar nicht in die Richtung „Bomb, Bomb, Bomb, Evil Evi!“ gehen, würde mich interessieren, wieso Pseudonyme so essentiell wichtig sein sollten. Wobei die möglich sind, wenn man schon veröffentlichte Artikel anschaut.

          1. Wusste gar nicht, dass OT so viel Gewinn abwirft, dass sich Dr. Rötzer und RDL einen eigenen Müslisprecher halten können.

            „Dieser Humor riecht ziemlich magensäuerlich.“

            Gegen Ihre Magengeschwüre hilft Müsli nicht. Vielleicht besser mal strenges Fasten mit Kamillentee versuchen. Oder eine Kurpackung Helicobacter-Ex.

            Ihr Mundgeruch ist leichter zu kurieren. Knoblauch. Altes Schweitzer Nationalrezept. Und gegen den Knoblauchgeruch dann 2 Knobinon-Kautabletten. Ist auch gut bei Schnapsfahne. So wird ein Schuh draus.

            Wenn Sie Humor riechen können, leben Sie vermutlich schon im Zeitalter von Huxleys Fühlfilmen.

            „Wenn die eigenen Artikel-Ideen gar nicht in die Richtung „Bomb, Bomb, Bomb, Evil Evi!“ gehen, würde mich interessieren, wieso Pseudonyme so essentiell wichtig sein sollten.“

            Genau deshalb, weil sie nicht in diese Richtung gehen. Sie scheinen nicht mal lechts und rinks velwechsern zu können.

            Aber mit Ihrem systemnützlichen Hinweis haben Sie genau so recht wie Schweitzer mit ihrer bombigen Staatsräson: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.

        2. vielen Dank für das freundliche Angebot und die Absicht, OT qualitativ aufzuwerten.

          Sie überschätzen sich („Dunning-Kruger-Effekt“ für die Mitlesenden).

          1. Ach, Bernd das Brot möchte auch ein wenig betüddelt werden.

            Dabei kann Ihr Dunning-Kruger-Namedropping nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ihr Aufstieg zum OT-Foristen dem Peter-Prinzip bereits überentsprochen hat. Ähnlich wie bei Evil Evi.

            Haben Sie denn wenigstens Ihren Mausfeld mittlerweile gelesen oder versurströmmen Sie noch immer entsprechende absolute Souveränität bei völliger Ahnungslosigkeit?

              1. Danke, liebe Apfelsinenartige (hoffentlich ohne Orangenhaut).

                Worse words don´t come easy.

                Der logorrhoische Surströmming weht allerdings aus Richtung von Bernd dem Brot.

                Wenn Bernd das Brot nämlich schreibt: „(„Dunning-Kruger-Effekt“ für die Mitlesenden)“, dann will er gar nicht nach Ernst treten.

                Sondern Bernd das Brot meint Sie! Bernd das Brot führt Sie und die anderen Foristen dadurch als dumm wie Brot vor, weil er Ihnen und ihnen von seinem geistigen Gipfelpunkt aus erst noch zusätzlich explizit beibiegen muss, womit er soeben nach Ernst getreten hat („Sie überschätzen sich“).

                Bernd das Brot ist also davon überzeugt, dass Sie und sie seine Tritte gegen Ernst ohne besondere Anleitung durch Bernd das Brot gar nicht kapieren.

                Gleichzeitig prahlt Bernd das Brot mithilfe von im alternativmedialen Schwange befindlichen Phrasen („Dunning-Kruger-Effekt“) und buhlt damit gendergerecht um Gefolgschaft jener Foristen („für die Mitlesenden“), die er für dumm wie Brot hält.

                Bernd das Brot hat also nach Ernst getreten („Sie überschätzen sich“) und sich dabei nur gnadenlos selbst entlarvt.

                So viel Dekonstruktion von Bernd dem Brot muss sein.

                Und jetzt halten Sie bitte die Nase nochmal in den Wind und sagen, wo die Blumen sind (und wo der Surströmming).

                1. Irgendwas habe ich wohl beim irren „Ernst“ getriggert.
                  Hätte nicht gedacht dass das so leicht geht.

                  Bitte machen Sie weiter Ernst, und sorgen Sie bitte weiterhin für abendfüllende Unterhaltung, Sie sind ein Naturtalent.

      3. Lieber RDL,

        nun bleiben Sie stumm wie ein Fisch.

        Sollte Ihre obige Intervention denn nur eine Ernste Maßregel der Besserung und Sicherung gewesen sein, eine verkappte Trotzreaktion im Sinne von: „Bäh, bäh, mach’s doch erst mal besser als unsre Evil Eva“ ?

      4. Lieber RDL,

        Sie sind ein mächtiger Bademantel.

        Brauchen nur einmal in freundlichsten Worten den Feind zu markieren und schon geht die Herde.

        Diese fleischgewordene Führerpersönlichkeit könnte bei den nächsten Wahlen an der Zweidrittelmarke kratzen.

  2. Zum Thema Gendern, Pimmelfrauen, Cancel Culture und den Berufsempörten hat der Travestiekünstler Kay Ray mal den schönen Satz geprägt:

    „Menschen, die glauben, dass Männer menstruieren können, machen sich Sorgen über Falschinformationen im Internet.“

  3. kein schlechter Artikel

    > So gut wie keine Empörung gegen Weimer

    der BR24 schreibt „Spaß dürfte der Kulturstaatsminister an der Leipziger Buchmesse keinen mehr haben: Wolfram Weimers Rede zum Auftakt wurde von Buhrufen und Protest begleitet. Seinen Rundgang über die Messe und die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises sagte Weimer gleich ganz ab. “

    Wobei ich mich frage was genau böses hat er getan, was nicht vom Rest der Regierung auch so gehandhabt wird. Stichpunkt Berlinale. Die gesamte Nahost Politik Deutschlands schreit doch zum Himmel.

  4. „Wie können eigentlich Journalisten, die glauben, Frauen haben Penisse, zwischen Israelis und Iranern unterscheiden?“

    Für mich der Satz des Tages.

  5. Ob die Texte der Autorin immer besser werden, kann ich nicht sagen. Mir jedenfalls gefallen sie immer besser und klar, ich bin nicht der Maßstab der Dinge.

    Ich bin nie auf einer Buchmesse gewesen. Bücher klauen brauchte ich nie, weil mein Geld immer reichte, sie mir zu kaufen und viele Menschen und Enge zu erdulden, um in ein Buch zu schauen, erschien mir nie wünschenswert. Daher weiß ich nicht, wie es auf solchen Messen in der alten Republik gewesen ist, die mir vor 89 sowieso verschlossen war. Hat man sich damals auch schon darum bekümmert, dass alle anderen Aussteller mit einem Verlagsprogramm antraten, dass den eigenen Ansprüchen genügt?
    Jedenfalls ist die Entwicklung, dass jede politische Überzeugung eine eigene Messe hat, zwingend. Halle / Saale hat schon mal angefangen. Wenn sich dann eine der Richtungen durchsetzte, kann sie die jeweils falsche Messe verbieten und den Sieg des wahrhaft Guten und Schönen feiern. Als DDR-Bürger habe ich eine Erinnerung daran, wie es ist, wenn Politik Literaturkritik betreibt. Da konnte man als Verleger, Autor oder Literaturwissenschafter durchaus eine Auszeit verordnet bekommen, um den hohen Ansprüchen der Rezensenten in Zukunft besser gerecht zu werden.
    Ralf Schröder zum Beispiel, dessen Dissertation über Gorki als Landesverrat mit zehn Jahren, von denen er sechs in Bautzen absaß, geahndet wurde. Klar, das Canceln und laute, gelegentlich auch schon mal raue Proteste sind keine Bücherverbrennung und kein Knast. Und die Betroffenen haben ja Zeit und Gelegenheit sich an zukünftige Entwicklungen anzupassen, um unnötig Härten zu vermeiden.

    1. Ralf Schröder zum Beispiel, dessen Dissertation über Gorki als Landesverrat mit zehn Jahren, von denen er sechs in Bautzen absaß, geahndet wurde.

      Der Leipziger Gruppe um Schröder, Loest, Lucht etc. wurde doch sicher nicht wegen Schröders Gorki-Dissertation der Prozess gemacht (die bereits 1955 geschrieben war), sondern vermutlich als „Ableger“ der Berliner Harich-Janka-Gruppe, die nach dem 20. Parteitag der KPdSU und (vor, nach?) den „Ereignissen“ in Ungarn erste Schritte eingeleitet hatte, um Ulricht zu stürzen.
      Harich erklärte in „Ahnenpass“ doch selbst, dass es Kontakte nach Leipzig gab (S. 285).

      1. Wie viele Möglichkeiten gab es denn, den Genossen Ulbricht abzulösen, ohne in den Knast zu kommen? Die Einzige, an die ich mich erinnere, war, nach Moskau zu fliegen und den dortigen Genossen Ersten zu bitten, den heimischen Generalsekretär erkranken zu lassen.

        1. Harich hat’s über den sowjetischen Botschafter versucht. Aber das ist gerade mal der Anfang der Geschichte. Lies es einfach im „Ahnenpass“ nach.

          Auf Diskussionen über Ulbrichts demokratische Legitimität wollte ich mich eigentlich nicht einlassen, sondern lediglich deine Behauptung bestreiten. Wenn man aber damit anfängt, so darf man m.E. nicht unerwähnt lassen, dass der Versuch, in der DDR einen Sozialismus aufzubauen, sich eben _nicht_ auf eine deutsche Revolution von unten, eine Massenbewegung für Demokratie und Sozialismus stützen konnte, deren Früchte sich die SED irgendwie angeeignet hätte. Vielmehr war die Möglichkeit dieses Versuchs eine Folge des Siegs der (stalinistischen) Roten Armee über ein selbst nach Hitlers Selbstmord noch verbissen kämpfendes Nazi-Deutschland und der anschließenden Abspaltung der Westsektoren.

          Brecht schrieb nach seiner Ankunft in Berlin 1948 in sein Arbeitsjournal (9.12.1948):
          „die mächtigen impulse werden von den russen gegeben, aber die deutschen tummeln sich mehr in dem Strudel, der dadurch entsteht, daß die andern besatzungsmächte sich der bewegung widersetzen, die deutschen rebellieren gegen den befehl, gegen den nazismus zu rebellieren; nur wenige stehen auf dem Standpunkt, daß ein befohlener Sozialismus besser ist als gar keiner,“
          Und
          „es ist dabei nicht nur so, daß die deutschen arbeiter im augenblick nicht erkennen, daß ihre eigene diktatur >drinnen ist<, sondern daß sie wirklich nicht bereit scheinen, sie zu übernehmen, die volksherrschaft in der form der diktatur (nach außen und innen) leuchtet ihnen nicht ein."

          Der Test, ob die DDR auch nicht-stalinistisch, also nicht als "befohlener Sozialismus" funktioniert, ist 1989/1990 durchgeführt worden und bekannlich fehlgeschlagen. Dabei waren alle Antistalinisten (zu denen auch ich gehörte) überzeugt davon, dass man lediglich den "befohlenen Sozialismus" abräumen müsse um den "richtigen", demokratischen, den mit "menschlichem Antlitz" zu bekommen. Denkste.

          Das ist kein Kommentar pro oder kontra Schröder, sondern eine Mutmaßung über die politische Situation, in der er verurteilt wurde.

          1. die volksherrschaft in der form der diktatur (nach außen und innen) leuchtet ihnen nicht ein

            Muhahahahhahahahahah!
            „Volksherrschaft in Form einer Diktatur“, der war gut, kannte ich noch nicht 🙂
            Danke.

            Der Test, ob die DDR auch nicht-stalinistisch, also nicht als „befohlener Sozialismus“ funktioniert, ist 1989/1990 durchgeführt worden und bekannlich fehlgeschlagen. Dabei waren alle Antistalinisten (zu denen auch ich gehörte) überzeugt davon, dass man lediglich den „befohlenen Sozialismus“ abräumen müsse um den „richtigen“, demokratischen, den mit „menschlichem Antlitz“ zu bekommen.

            Er ist nicht gescheitert, verglichen mit den meisten westlichen Ländern ist Deutschland mit seiner sozialen Marktwirtschaft eine Art „Sozialismus“ (ob er demokratisch ist, kann man streiten, demokratischer als die DDR auf jeden Fall), nur ohne den dysfunktionalen Planwirtschaftsquark (der musste 1990 scheitern, weil er nicht funktionierte, sonst wäre es ja gar nicht zur Wende gekommen).

            Ich weiß, Linke sehen das komplett anders, Neoliberalismus-Gesülze gehört ja zum guten Ton, auch bei einer Staatsquote von >50% und Rekordsteuern, aber was solls. Es ist auch nicht erstaunlich, dass die Deutschen (m.W. die Erfinder der Sozialversicherung), einen der besten Mittelwege gefunden haben. Leider wissen es die meisten Linken nicht ansatzweise zu schätzen und helfen mit ihrer Xenophilie intensiv dabei, den Sachzwang zu erzeugen, um ihn abzuschaffen…

  6. ich kann mich noch daran erinnern, als wir als freie taz-kolumnisten von tazlern wie u.a. eva (imma, plu, etc.) kritisiert wurden, weil wir als radikale linke die radikale linke- damals noch nicht halb so sektiererisch und identitätsfixiert- aufgrund aus unserer sicht idiotischer und nicht revolutionshilfreicher vorfälle/verlautbarungen/verhalten satirisch kritisiert haben und uns hauptsächlich unsolidarisches verhalten im eigenen vorgeworfen wurde.
    schon schräg, dass unsere damaligen kritiker mit weitaus anderen bandagen kämpfend uns anscheinend um längen überholt haben.

    @roberto: hast du ja einem „kritiker“ weiter oben schon angeboten und wenn das für alle gilt: artikel kann ich gern mal einreichen, ich weiß aber nicht, ob meine schreibe nicht zu radikal links für diese plattform ist…

    ps.: @eva und all die anderen (insbesondere terfs, die sich wenigstens rudimentär als emazipatorische linke begreifen) da draussen: bitte vergesst endlich die schwarzer. die ist absolut unten durch und sowas von pfui, bäh, seitdem sie zur „bildzeitungsnutte“ (zitat volker pispers) mutiert ist. nach so nem move ist einfach mal schluss und ich kann mich an keinen gang der werten alice nach canossa erinnern, nachdem man VIELLEICHT (mit beiden augen zukneifen) absolution für dieses „sleeping with the enemy“ hätte erteilen können. und als linke*r journalist*in mit dem erkärten antagonistenschmierfetzen „bild“ zu kooperieren- tiefer geht es wirklich nicht.

    1. @paul

      Schwarzer werde ich nie verzeihen, dass sie der emanzipatorischen Bewegung damals in den Rücken gefallen ist und den Feminismus zu einem Kreuzzug gegen Männer aber allem voran zu einem Geschäftsmodell gemacht hat.

      Allg. sollte man aber feststellen, dass der Feminismus tatsächlich nur zu einem weiteren -ismus mutiert ist und fanatische sowie ideologisch verblendete Züge angenommen hat (siehe den Umgang wegen der Meinungsäußerung von Lisa Fitz und Monika Gruber)

      Wer wie ich, für Emanzipation ist erkennt, dass der heutige Feminismus nur ein weiterer „Feind im eigenen Bett“ ist.
      Kein Partner oder auch nur Verbündeter!

    2. Dass die Schwarzer sich disqualifizierte, als sie mit BILD kuschelte, würde ich unterschreiben. Was sie sich bei Kachelmann leistete, war einfach nur unterirdisch. Ungeachtet dessen war sie sprachlich in der Lage, Texte zu Papier zu bringen, die lesbar waren, womit sie sich erheblich vom Durchschnitt der taz-Autoren der 90ger, als ich die taz las, abhob. Und nein, es ist nicht egal, ob Menschen, die für Geld Texte verfassen, sprachlich dazu in der Lage sind.

      Damals war das für uns Neubundesbürger alles sehr interessant und der frische und respektlose Ton des Blattes ungewohnt und durchaus nett.
      Aber schon sehr bald nervte mich der durchgehend gehässige, arrogante und besserwisserische Ton, mit dem ihr über den Osten und uns aus dem Osten geschrieben habt. Nun, es hat mir schon damals nicht das Herz gebrochen, von Studienabbrechern, Langzeitstudenten und anderen Halbgebildeten bemistet zu werden. Ich mochte das nur nicht mit meinem Abo finanzieren und soweit war dann alles in Ordnung. Ihr habt euer Ding gemacht, ich das meine und in meinem Umfeld haben das eigentlich alle so gehalten.
      An dezidiert linke Position in der taz dieser Jahre kann ich mich nicht mehr erinnern. Ist aber vielleicht einfach zu lange her. Ich glaube im Golfkrieg fand ich die Tendenz ok. Aber war das ,,links“?
      Einige der fähigeren Autoren fanden ja lukrative Anstellungen im Medienbetrieb. Durchaus bei Medien an denen links nur was ist, um sich im Raum zu orientieren. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die sich umstellen mussten.

      1. die taz-schreiber, die aufstiegen, waren letztendlich auch ab da nur noch mietmäuler und maulhuren des systems, wo ich vielleicht noch leute wie arno w. ausnehme. bestes beispiel ist die infame person brigitte fehrle, die mit dieser nummer ihr wahres gesicht zeigte:

        https://taz.de/Rechtsstreit-um-Oranienstrasse-169/!6156056/

        witzigerweise kein wort im taz-artikel davon, dass diese unperson ursprünglich aus dem eigenen stall stammt.

        wir sind aus der taz ausgestiegen, als auf einem nationalen plenum das kollektiv abgeschafft und eine chefredaktion eingeführt wurde. das war knapp vor mauerfall. das war dann auch der niedergang: die grünen kamen mit an die macht und prompt war man regierungspresse…

    1. Nun, es waren „Leute mit Fahrrad“ die laut der Autorin den vollen Zug beglückt haben.
      Ich sehe da keinen belegbaren Zusammenhang mit Radfahrern. Es ist doch offensichtlich, das eine Person (so sagt man heute gern) mit einem Fahrrad im Zug nicht Rad fährt. Also kann diese Person auch nicht radfahrend, männlich gelesen kein Radfahrer sein, oder?
      Stellen Sie sich mal vor, wenn „Leute mit Auto“ in den vollen Zug steigen würden. Wären das für Sie dann etwa Autofahrer?
      Mal abgesehen davon kann ich nicht erkennen, dass die Autorin dort Feinde ausgemacht hat. Ich lese eine frustrierte Genervtheit, die sich eben an „Leuten mit Fahrrad“ nach außen zeigt. Aber sicher täuscht mich mein Eindruck und die Autorin gehört zu einer militanten Leute-mit-Fahrrad-Gegner-Gruppe, die morgens um halb vier die Luft aus den Reifen lässt und die Ventile rausschraubt.

      1. daher besser fahrradschläuche mit antischweitzer autoventil verwenden. die sich nicht ohne werkzeug herausschrauben lassen. autozüge wurden leider abgeschafft und bisher nicht durch fahrradzüge ersetzt.

  7. Früher wussten Linke noch, dass man sich nicht dem bürgerlichen Staat ins Bett legt, weil man ansonsten mit allerhand Zecken, Flöhen und sexuell übertragbaren Krankheiten aufwacht.

    Insofern gönne ich den „Linken“ den aktuellen Juckreiz im Schritt.

  8. Wunderbar, der kleine Seitenhieb auf die Radfahrer, die ja die Guten sind. Merk ich jeden Tag, wenn etwas mich jeden Tag fast überfährt, weil alt und langsam, dann ist es nie ein Auto, sondern einer von diesen Guten, auf dem Fussweg, auf dem Fusswegübergang oder sonstwo, wo die Guten eigentlich nichts haben zu suchen.

    Lieber Gruss & Danke für die immer wieder erfrischend schmunzelnden Berichte aus dem Leben

    1. Ja – was laufen Sie denn auch auf Fußwegen und stellen ein lästiges Hindernis dar!?
      Merke: Regeln gelten letztlich doch nur eingeschränkt; und wer über dieses Wissen verfügt, ist klar im Vorteil.

      Würde ja vorschlagen, dass Sie auf die Straße ausweichen, aber da kann es ebenfalls riskant sein.
      Vor Kurzem hinter einem überaus „kreativen“ Radfahrer gefahren, der:
      sich eine ca. 1,10m breite Konstruktion aus Kunststoff links ans Radl bastelte.
      Mit diesem Teil fuhr er mittig + latentem Linksdrall auf der Fahrbahn, sodass jedem entgegenkommenden Fahrzeug dieses Gerät vor den Kühler knallte.
      Einen älteren, kleineren, schwachen etc. Menschen wird diese „Erfindung“ direkt von den Füßen reißen.

      Aber egal: die Straße – ach was, die Welt – ist einzig Radfahrern vorbehalten. Wobei es aber durchaus auch welche gibt, die sich als nur EINEN und nicht DEN EINZIGEN Teilnehmer am Straßenverkehr betrachten. Dumm nur, wenn man nicht das Glück hat, den letzteren zu begegnen.

      @allRadfahrer, die sich jetzt künstlich echouffieren wollen: alles nur Hören-Sagen; ihr seid einfach die Besten!

    2. Was soll ich dir sagen? Ein Idiot in einem Auto ist ein autofahrender Idiot, steigt er aus und nimmt sein Fahrrad, ist er ein radfahrender Idiot und geht er das letzte Stück zu Fuß, ist er ein laufender Idiot. Die Art der Fortbewegung ist nicht kausal für den Geisteszustand.
      Jetzt möchte ich dir deine Furcht vor radfahrenden Menschen nicht ausreden, gestatte mir aber darauf hinzuweisen, dass von den mehr als 2.000 Menschen, die jedes Jahr im Straßenverkehr zu Tode Kommen , so ziemlich alle durch Kraftfahrzeuge umkommen.
      Fußgänger und Radfahrer sterben durch Kollisionen mit KFZ. In Berlin gab es in den letzten -wenn ich mich recht erinnere- 28 Jahren einen Todesfall durch die Kollision eines Radfahrers und eines Fußgängers, wobei die Schuldfrage nicht geklärt werden konnte. Alle der 55 im Straßenverkehr des letzten Jahres in Berlin Getöteten, wurden durch Pkw abgeräumt. Wodurch den sonst?

      1. Es geht hier nicht um Todesfälle oder Verletzungen, sondern um die Gesinnung die dahinter steht.
        Es ist schon rein von der Ethik her sehr problematisch noch Rad zu fahren.

        1. Es ist schon rein von der Ethik her sehr problematisch noch Rad zu fahren.

          Ähem? Nun, tja, also:
          Ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha.
          I-ah-»Ehtik«, hi hi hi.
          »rein«? »rein«? Wirklich »rein«? „Ariel: Nicht nur sauber, sondern rein.“

          Es ist meistens erheiternd, sozialkonstruktivistische Reduktionen über Ehtik zu bekommen, vor allem von jemandem, der ohne Ölmessstab nicht mal auf’s WC geht.
          Aber immer schön am Handtuch abwischen, mache ich mit meiner 7S auch. Allerdings habe ich Handtücher zum Wechseln, auch für die Reise durch die Galaxis.

          1. Es geht darum, das vom Establishment propagierte Tun, aus rein ethischen Gründen nicht mit zumachen.
            Kein Smartphone, keine Scheckkarten, kein Google, kein Fußball, keine E-Bikes und E-Autos, kein Facebook keine, Masken, kein Test, und vor allem keine Spritzung…uvm.
            Eben „Haltung“ zeigen!
            Leben was man bewirbt, nicht nur darüber reden.

                  1. Nicht bei mir, ganz Oldschool, da mache ich wohl noch Unterschiede.
                    E- Bikes haben ja auch nicht unbedingt ein Nummernschild, sind also schon rein rechtlich unterschiedlich eingestuft.

                    1. E-bikes sind mofas (= motorisierte fahrräder). nur, weil ihre e-motoren noch stärker sind, eine tierische beschleunigung haben, als die von den harmlosen knatterbüchsen von früher und man sie als fußgänger daher auch nicht mal rechtzeitig hören kann, dürfen sie also „legal“ und ohne kennzeichen fußgänger auf dem gehweg niedermähen und fahrerflucht begehen? verstehe.

                    2. @Arthur Dent

                      Das fehlende Nummernschild ist schnurzpiepsegal. Motorisierte Fahrzeuge gehören nicht auf den Radweg. Die hundsmiserable Verkehrspolitik trägt dazu bei, Verkehrsteilnehmer gegeneinander auszuspielen. Das scheint dir entgangen zu sein. Deine „natürlichen Feinde“, die Radfahrer, existieren doch nur aus deiner Enduro-Perspektive. Das solltest du immer dazu schreiben. Und auch, dass du da den Spitzenplatz der Oberknallis einnimmst; auf Spitzenplatzierungen legst du doch sonst soviel wert.

                    3. Ich verstehe gar nicht eure Einwände.
                      Ich bin gegen Radfahrer und E-Bikes, weil ich immer nur Ärger mit denen hatte, gerade auch als Autofahrer.
                      Völlig unbenommen, ob sie auf Rad oder Gehwegen herumirren, noch interessieren mich sonderlich deren Unfallstatistiken.
                      Ihr habt weder meine Ethik, noch die von mir beschriebenen Unterschiede zwischen einem echten Mofa und diesen Elektrospielzeugen wahrgenommen.

                    4. @Arthur Dent

                      Ja, es gibt Verkehrsrowdys.
                      Das kriegst du mit deinem Endurospatzengehirn aber nicht mehr auf die Reihe.

                    5. Verkehrsrowdy bin ich auch, also was solls, aber das war eben nicht unbedingt das Anliegen meines obigen Eintrags.
                      Rowdytum ist keine spezifische Radfahrermentalität, wobei auch dieser Begriff mittlerweile beinahe schon inflationär verwendet wird.
                      Wobei ich auch gegen dies Radfahrer auf Gehwegen bin wie der Betonflüsterer immer wieder in seinen Texten bekundet.

            1. Nein, „Haltung“ zeigen ist eine Spezialität derer, die UNSEREDEMOKRATIE schützen. Schützenswert ist daran nicht die nur in Metaphern vorhandene Volksherrschaft sondern der Teil UNSERE. Das verinnerlicht der Haltungshalter.
              Der Schutz von UNSERE geschieht am besten durch stetiges Ignorieren der Wirklichkeit, konsequentes Verweigern Standpunkte aufzugeben, mindestens gleich starke Verweigerung Wissen(auch und insbesondere tiefergehendes) zu erlangen und durch geradezu orgastischen Konsumption eingeordneter Nachrichten der Marke UNSERHaltungsjournalismus und tiefer Inhalation primitivster, gern sich täglich widersprechender Verlautbarungen von UNSERE Obrigkeiten.
              Und natürlich zeigt man Haltung und schützt UNSEREDEMOKRATIE durch klare Definition von UNSEREM Feind. Haltungshalter zeigen, dass sie das Wir, das UNSERE im Auge haben.

              Ungeimpfte Sozialschädlinge und diese ganzen Aluhutträger handeln dagegen stets nur egoistisch, kennen keine Solidarität und sind gegen UNSERE. Damit kann man doch keine Haltung zeigen. Das sind Waschlappem. Wenn aber Waschlappen Haltung zeigen, sind diese aus Gründen, die man lieber nicht wissen will, versteift. Das mit dem Haltung zeigen der asozialen Elemente sollten Sie doch bitte korrigieren.

              Nur Menschen wie der Pseudonymträger Arthur sind wahre Haltungshalter. Die Kunst von Haltungshaltern besteht vor allem darin ihr Handtuch immer mal wieder hochzuhalten. Denn Haltung, also die richtige Haltung, orientiert sich stets danach, woher der Wind weht. Und der weht immer noch sehr kräftig mitunter in Böen stürmisch aus Wokistan. Das konnte man gestern beim Abendfilm „Eine bessere Welt“ und am Samstag beim demonstrierenden Kampf für Klarnamenpflicht im Web als Mittel gegen virtuelle sexuelle Ausbeutung von XX-Frauen sehen. Arthur, das mit dem Klarnamen gehört halt jetzt für Haltunghalter mit zum Haltungszeigeprogramm.

              1. Als linksgerichteter Anarchist darf man also keine Haltung zeigen.
                Als Märtyrer zu vorzeitig zu enden steht bei mir nicht auf dem Programm.
                Allein schon, weil ich immer schon mindestens mal in der Grauzone agiere, gebe ich mich bestimmt nicht zum Abschuss frei.
                Ich gehöre zu der Avantgarde der unangepassten aufrührerischen und kritischen Spezies, der ehemals linken Szene.
                Und was die richtige Haltung anbelangt, ist sie gerade das Gegenteil von ihrem propagiertem Opportunismus.

            2. @ Arthur Dent

              Es geht darum, das vom Establishment propagierte Tun, aus rein ethischen Gründen nicht mit zumachen.

              Also jetzt platz mir der A… Apfelbaum.

              „Öl ist schwarzes Gold.“
              Überall, worauf „Gold“ steht, ist folgendes drinnen oder auch eingepreist:
              Mord, Krieg, Ungleichheit, Klassendenken, Betrug, Korruption und Illusion (z.B. von Freiheit).
              Die Mobilitätsgesellschaft, gleichgültig ob PKW oder ÖPV, ist ein weiterer Zwang, der durch und für Herrschaft ausgeübt wird. Denn etwas wesentliches wird dadurch genommen: Zeit (wir erinnern »Momo«?), die im vereinzelten Unterwegssein das Individuum isoliert. Mal ganz abgesehen von den dafür notwendigen Ressourcen und den Platz für Wege & Parkplätze. Die Freiheit, mit einem GTI mal eben irgendwo schnell hinfahren zu können, ist eine seltenst genaschte Kirsche auf einem Aderlass namens Altölpfütze.
              Und Sie meinen, andere über die Tricks & Bosheit des »Establishment« zu belehren und nach Ihren Kategorien einteilen zu können? Anderen zu sagen, was »Haltung« ist? Was macht das noch einmal, wenn man als Testfahrer mit Höchstgeschwindigkeit durch die Gegen zischt? Einen Tunnelblick, oder? Und was macht ein Tunnelblick? Er lässt einen sicherlich nicht das ganze Bild sehen…
               
               
              Weil ich letztens etwas nostalgisch bin und weil es im Artikel um eine Buchmesse geht, hier ein alter Text (Ort: Vorplatz eines Hbf):
               
               
              Heute ist Freiteag, ein Freitagabend Anfang der 90’er, Ende des Jahrhunderts, Ende des Jahres und die Tage bleiben dunkel in der auslaufenden Tristesse der Vorweihnachtszeit und der erdrückenden Resignation eines entzückend uniformierten Alltages. Das Ende der Woche, Menschen auf der Flucht aus der urbanen Gräulichkeit. Nur weg von den neonsterilen Bürokäfigen, mit einer nahezu panischen Hast, als gelte es, das eigene kleinmütige Leben vor dem endgültigen Auflösen in Funktionalität zu retten. Und andere kommen an, stürzen sich noch gelangweilt, bald betrunken in die willkommen verlogene Glitzerwelt der nächtlichen City – heading against downtown – auf der unablässigen Suche nach einer banalen Portion Abenteuer im atemlosen Massen-Entertainment. Die Suche nach einem warmen Stück Fleisch, das vielleicht auch noch am nächsten Morgen neben einem liegt, ohne dass man diesen scheinbar grundlosen Ekel empfindet – und alles in der zurückhaltenden Erwartung, dass eventuell etwas besonderes erlebt wird. Etwas, von dem man eine kleine Weile zehren kann, etwas, das reichen könnte, einen verlegenen Tagtraum zu nähren.
              Ein gewöhnlicher Freitagabend in diesem seltsamen Land und wiedermal wurde eine Woche besiegt. Das Weltgeschehen draußen wird kaum wahrgenommen, Hintergrundrauschen am Rande des bedeutungslosen Universums, das jeder einzelne für sich bildet. Und auch ich weiß nicht, ob es mich wirklich mehr aufregt, wenn irgendwo eine Jahrhunderte alte Volksfehde zum Bürgerkrieg eskaliert oder wenn im Fernsehen eine Tampon-Werbung läuft, während ich gerade mein Abendessen mit Ketchup garniere. Es läßt einen hilflos und fassungslos grinsend zurück, vorausgesetzt, man bemerkt noch, dass man sich im Supermarkt Gedanken über die diesjährige Füllung der Weihnachtsgans macht, nachdem man doch gerade erst mit gesenktem Kopf an einer der unzähligen Spendenaktionen – gib uns Dein Geld, wir lügen Dir Absolution – vorbeigegangen ist.
              Allerorten ist dieses unwirkliche Gefühl, als würden ständig neue Katastrophen dafür sorgen, dass die Zustände von heute schon im selben Augenblick zu gewesener Geschichte erstarren. Allerdings ist es keine Geschichte, die eine Entwicklung erzählt, sondern nur eine zufällige Kette von Ereignissen und Statistiken. Und es ist nicht seltsam, dass so jeglicher Widerstand bereits im Ansatz erstickt wird. Die unüberschaubaren Scharen von Zeitschriften, Fernsehprogrammen, von Informationen, deren Unwichtigkeit nicht mal mehr zweifelhaft ist, machen es unmöglich, einen besonderen Punkt herauszunehmen und zu fixieren. Engagierte Journalisten klären uns leutselig über diese zweifelhafte Medienflut auf, tun aber auch nichts anderes, als ständig weitere Informationen zu erzeugen. Sie überschwemmen einen mit Erkenntnissen, die man vielleicht schon vorher hatte. Und irgendwann ist man sich nicht mehr sicher, ob der im Kopf erschienene Gedanke ein eigener ist oder nur eine Einflüsterung, die bisher geflissentlich überhört wurde.
              Dennoch bringen es einige ab und an fertig, den Finger auf offensichtliche Mißstände und teilweise vertuschte Ursachen zu legen, schaffen es vielleicht, alles in einen Zusammenhang zu bringen und versteckte Absichten aufzuzeigen. Solch fundamentale Kritik wird dann kurzerhand als Kunst bezeichnet und so kastriert spät abends dem kritischen Bürger in Nachrichtenmagazinen, Satiresendungen, Kabaretts oder was auch immer appetitlich vorgekaut. Skizzen vom Genozid in Afrika neben den persönlichen Tragödien einiger Kinder auf ihren täglich tödlichen Wegen zur Grundschule – »ist das die Vorbereitung auf das Leben?« Danach ein weiterer deftiger Witz, einmal gut gelacht und wieder vergessen.
              Da ist diese Alltags-Parkinson, die untrügliche Empfindung, dass der Hals vom anhaltenden Kopfschütteln erstarrt ist und man gar nicht anders kann, als ständig geradeaus zu starren, wobei wir uns einfältig einreden, unsere Augen seien einem Horizont entgegengerichtet. Scheuklappen sind nicht weiter notwendig, weil sowieso jeder zielstrebig wie ein abgefeuertes Projektil in die schwarze Kiste schießt und das Leben auf dem Weg dorthin nur noch im beiläufigem Zeitraffer wahrnimmt. Schulterzuckend wird alles hingenommen und das einzige, das von jedem wirklich beklagt wird, ist der kommende Verkehrskollaps, der schon längst eingetroffen ist, nur nicht in den Köpfen derer, die im morgendlichen Stau und Stoßverkehr stehen. Schuld ist schließlich immer der Vordere.
              Jeder ist hilflos, denn jeder fühlt, dass er diesem Leben allein gegenübersteht. Und es läßt mich unwillig grinsen, wenn sie in ihren Konfektionsanzügen predigen, es existiere keine Gemeinschaft mehr, die gegen irgend etwas vorgehen könne. Sie sagen, diese Gemeinschaft – jene romantisch verkitschte Erinnerung, sofern sie überhaupt jemals existierte, wahrscheinlich gab es einfach nur eine Zeit, in der Zusammenhalt nicht nur zwangsläufig, sondern auch notwendig war, und die hat sich wegevolutioniert – jedenfalls sei diese Gemeinschaft von der »postmodernen Individualismus-Ideologie« zersetzt worden: Jeder für sich – Jeder gegen jeden – Jeder ohne einen. Alle allein, einzeln, einsam, mit strengem Blick auf die anderen Individualisten, bereit den Kampf des Einzelkämpfers aufzunehmen. »Das ist meine Vergangenheit und dies sind meine Meinungen, vielleicht auch jene…« Der Mensch im Guerillakrieg mit der Masse der Individualisten, Hauptsache unten kommt möglichst viel Spaß heraus. Und ich kann niemanden sehen, dem diese Gemeinschaft tatsächlich fehlen würde. Durch die extrem zwingende Mobilität sei die Zusammengehörigkeit an der Wurzel zerstört worden. Heutzutage ist alles auswärts, vom Arbeitsplatz bis zu den engsten Verwandten, zu den Eltern oder Geschwistern. Man ist überall in der Fremde, selbst im eigenen Bett, schlafend neben der fremden Ehefrau oder dem fremden Ehemann oder umgekehrt. Lebend mit den fremden Kindern, ihnen Dinge erklärend, an die man selbst nicht glaubt. Morgens aufstehen und den fremden Hund füttern, dessen Namen ich nicht schreiben kann. Sich in der fremden Küche mit fremden Früchten füttern, deren Bezeichnung ich nicht kenne, geschweige denn deren Herkunft. Dann schnell zum fremden Büro, um Zeit zu sparen, die ich nicht brauche, wo ich eine Arbeit erledige, die ich nicht begreife, sondern abends gerade noch erkennen kann, wie sich die Zahlen und Diagramme auf einem Monitor verändert haben, doch nicht weiß wozu. Wir tragen seltsam modische Kleidung, haben unbequeme Gewohnheiten, schauen zufällig in einen Spiegel und haben wieder ganz schnell weggeschaut. So wie ich an dem Schaufenster eben.

              1. Dein Text ist schön authentisch, kann ich nachvollziehen, auch wenn es gar nicht meiner Lebenswelt entspricht.
                In meinem Beitrag stelle ich meine ganz persönliche Meinung zu Radfahrern dar…nichts weiter.
                Das nicht Radfahren ist nur eines meiner vielen Dinge, die ich aus meiner ethischen Haltung heraus beherzige und das seit über 50 Jahren.
                Wichtig ist Fazit: (Nach Robert Kurz) Die einzige Handlungsalternative sei „eine Kultur der
                Verweigerung“. Dies bedeute, „jede Mitverantwortung für ‚Marktwirtschaft
                und Demokratie‘ zu verweigern, nur noch ‚Dienst nach Vorschrift‘ zu
                machen und den kapitalistischen Betrieb zu sabotieren, wo immer das möglich ist“.
                Ich leite daraus ab, das alles was im Mainstream propagiert wird, zum Nachteil aller ist, also verweigere ich mich kategorisch vollends diesen Dingen, unbenommen meiner vielen persönlichen Nachteile, die mich dadurch immer wieder ereilen, auch Haltung genannt.
                Ich denke aber weniger, das die wissen wie das ist Highspeed an den Grenzen der Physik irgend ein Gefährt zu lenken.
                Ich steh drauf, weil ich das am besten kann, dank meiner großartigen Motorik und meiner Sehkraft von 140 zu 140, aber sowas versteht eh keiner, der es nicht auch selbst erlebt hat, oder gar geflogen ist…aber ich schweife ab….wie gesagt ich lebe meine Misanthropie und kann wegen meines verdammten Gerechtigkeitssinns eben auch nicht anders, sonst könnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen, den ich mich im Übrigen mit zunehmendem Alter auch so immer mehr verweigere.

                1. Bei »natürlicher Feind« bekomme ich eben immer Augenzucken. Da sind dann ganz schnell falsche Kategorien, die – wenn mal mal ehrlich zu sich ist – nichts anderes machen, als sich selbst aufzuwerten: „Die Radfahrer, die Autofahrer, die Juden, Amerikaner, Deutsche, Jasminteetrinkerinnen…“
                  Ist der dumme Mensch der natürliche Feind des intelligenten Menschen? Nein, er ist seine Notwendigkeit, das eine gibt es nicht ohne das andere. Und natürlich sehe auch ich täglich dämliche Radfahrer, bzw. Menschen, die sich mit dem Rad dämlich verhalten. Liegt das am Rad? Ist das schnelle Auto die Ursache für „hirnlose Raser“? Ist es nicht. Und willkürliche Gruppen zu verdammen, ist keine Haltung, sondern eine falsche und zu bequeme Perspektive.

                  Ich hatte es schon mal erwähnt, ich kenne und verstehe die Lust und die Lebendigkeit, die Highspeed erzeugt. So wie ich die Misanthropie verstehe, die mit dem Alter zunehmen kann, denn einerseits erkennt das alternde Hirn (also bevor es dicht macht) mehr Ursachen und Auswirkungen, und andererseits wird im Alter bewusst, dass die Möglichkeiten, etwas (oder jemanden) positiv zu beeinflussen, geringer werden, weil die bleibende Zeit (und Kraft) geringer wird. Letztendlich halte ich es mit Henry Chinasky: »Ich habe nichts gegen Menschen, aber ich fühle mich besser, wenn keine da sind.«

                  Btw. mag ich mein Spiegelbild auch immer seltener, auch wenn sich inzwischen ein leichter Weichzeichner in meine Optik schleicht (lustig, ich hatte bei Sehkraft auch mal 140). Dennoch habe ich am Spiegel schmeichelhafteres (also wärmeres) Licht angebracht. Hilft, kurzzeitig…

                  PS: Danke für das Kompliment zum Text.

                1. Ah, die Verbindung erkannt, das freut mich 🙂
                  Ist tatsächlich der direkte Anschluss.
                  Danke für’s Kompliment.

                  Und nein, OM ist der falsche Ort.
                  Ich würde das – wenn – lieber zuhause veröffentlichen.
                  Doch kann ich mich nicht durchringen, mein Archiv freizugeben.
                  Noch habe ich zuviel Gegenwart.

      2. @ 1211

        Die Art der Fortbewegung ist nicht kausal für den Geisteszustand.

        Danke für die notwendige Mitteilung dieser treffenden Beobachtung.

        Oder auch frei nach Anaïs Nin: „Ein Idiot ist ein Idiot ist ein Idiot.“

      3. „Alle der 55 im Straßenverkehr des letzten Jahres in Berlin (3.913.644 Einwohner) Getöteten, wurden durch Pkw abgeräumt.“

        Nun komme ich nicht aus Berlin, kann aber behaupten, nur allein ich ein Vielfaches theoretisch „abgeräumt“ haben zu müssen, wenn nicht bei Sichtung von Radfahrern (aus schlechter Erfahrung) prinzipiell der innere „Obacht-Alarm“ angesprungen wäre und vorausahnend Schlimmeres verhinderte.

        Da Sie sich aber mit Statistiken gut auszukennen scheinen, wäre eine fundierte Spezifizierung der zugrunde liegenden Unfallursachen mit Todesfolge sehr hilfreich.
        Soll heißen: auch wenn bei Führern eines PKWs (gefährliches Werkzeug) mindestens eine Teilschuld angenommen wird, gibt es doch durchaus noch das zu unterscheidende Verursacherprinzip.
        Vielleicht wissen Sie ja mehr über die Schuldigen bei Unfällen mit Toten.

        Statistisches Bundesamt/April 2025 „Radfahrende bei rund der Hälfte der Fahrradunfälle mit Personenschaden hauptschuldig
        Fahrradfahrerinnen und -fahrer, die in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, trugen insgesamt an rund der Hälfte der Unfälle die Schuld (50,7 %). Je nach Unfallgegnerin oder Unfallgegner zeigen sich allerdings Unterschiede: Bei Unfällen mit Fußgängerinnen und Fußgängern wurde der Person auf dem Fahrrad häufiger (57,0 %) die Hauptschuld angelastet. Kollisionen mit Krafträdern wurden in der Hälfte (50,2 %) der Fälle von den Radfahrerinnen und -fahrern verschuldet. Waren Autofahrerinnen oder -fahrer beteiligt, trugen die Radfahrenden nur in 24,7 % der Fälle die Hauptschuld. Bei Fahrradunfällen mit Güterkraftfahrzeugen lag der Anteil noch darunter: Nur zu 20,9 % wurde die Hauptschuld bei der Radlerin oder dem Radler gesehen.“

        1. In D-Land bin ich schon sehr lang nicht mehr, Anfang 2000 nach Spanien, mittlerweile schon lange in der Schweiz, daher weiss ich auch nicht, ob das in D-Land auch so krass ist wie hier. Die Personenunfälle, insbesondere mit Fussgängern durch E-Bikes oder E-Roller haben in der Schweiz massiv zugenommen die letzten Jahre.

          Und für einen alten Menschen mag es vielleicht nicht bedeuten, das er gleich stirbt, aber kaum Chancen hat, schwere Verletzungen dauerhaft zu überleben. Ich kämpfe seit 2 Wochen mit einer, früher harmlosen, Kratzwunde am Fuss gegen Sepsis mit lokalen Antibiotika. Selbst wenn man schwere Wunden überlebt, wird das weitere Leben extrem durch sowas eingeschränkt. Allein ein Stoss mit einer E-Bike-Lenkstange am Ellbogen auf dem Fussgängerweg, hat mich 2 Monate gekostet um davon wieder einigermassen zu genesen. Der Fahrer ist natürlich geflüchtet, wie die Guten das halt so machen, wenn es eng wird.

          Lieber Gruss

          1. @Michael Lindenau
            Da liegt eventuell ein Missverständnis vor*, denn meine Nachricht an Sie steht direkt unter Ihrem Kommentar.
            Bin in Ihren Ausführungen jedoch gänzlich bei Ihnen – und das betrifft nicht nur bestimmte Personengruppen, sondern das eher fragwürdige Selbstverständnis Einiger/Gruppen.

            Sie, andere und ich müssen uns jedoch damit abfinden, dass, gleich um was auch immer es im Miteinander (Banales, Grundlegendes, Soziales, Empathie, Rücksicht, Respekt, Wertschätzung etc.) geht, das ureigene Agieren, Denken und Priorisieren über dem anderer steht.

            Wünsche Ihnen baldige und gute Besserung, eine noch möglichst lange, robuste Gesundheit und viele Momente voller innerer Freude und Zufriedenheit.
            Achten Sie gut auf sich!

            *Worauf Sie sich beziehen, war eine Antwort für @1211.

        2. Nun sollte man die Radfahrer von E-Bike-fahrer trennen, ein Beispiel:

          „43,5 Prozent der Verkehrstoten auf dem Fahrrad waren mit E-Bikes unterwegs. Es kamen 192 Pedelec-Fahrer ums Leben. Dies ist fast fünfmal mehr als noch vor zehn Jahren. Vor allem Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, sind demnach einem besonders hohen Risiko ausgesetzt.“

          1. @Dan
            Da es mittlerweile sehr unübersichtlich wird, kann ich nur vermuten, dass die Antwort für mich war!?

            Die 55, von @1211 angeführten, Toten bezogen sich nach seiner Aussage auf Radfahrer. Daher mein außer Acht lassen der E-Biker.
            Ändert aber nichts an der Tatsache, dass dieses schon militante und einseitige Verteufeln von PKWs mit „Statistiken“ argumentativ unterirdisch ist und dabei das eigene Verhalten komplett ausblendet.

            Erinnert mich immer an das erst kürzliche: „an oder mit verstorben“. Wurscht, alles gleich; selbst der leicht verschnupfte Hochhausspringer war Opfer der Pest – Punkt, aus.

            Fahre selber Fahrrad (gut: hin und wieder) oder gehe auch zu Fuß – aber dieses ignorante, dümmliche und einseitige Delegitimieren anderer durch die Spezies „vegane Reiter“(Drahtesel), muss doch irgendwann mal ausgelutscht sein!

  9. Nun ist unsere Eva nicht auf der Höhe der Zeit. Overton hat festgestellt, dass sich diese Anzeigen wegen Beleidigung keineswegs nur gegen Rechte wendet. Die Ex-Abgeordnete Joana Cotar berichtet, dass sie Post mit fertig formulierten Anklagetexten bekommt, die sie nur unterschreiben muss. Von Anwaltskanzleien, die garantiert nicht ehrenamtlich arbeiten. Heißt, dass sie vom Beklagten Honorar verlangen können. Telepolis-Leser werden sich an die Abmahn-Anwälte erinnern. Das hat aufgehört, nachdem das Gesetz geändert wurde. Hier ist es umgekehrt, ein neu geschaffenes Gesetz ermöglicht dieses. Und es wird parteiübergreifend genutzt, links wie rechts. Wobei die AfD natürlich besonders ergiebig ist. Wer Nazi genannt wird, kann klagen.
    Etwas anderes: diese Ulmen-Fernandez Geschichte. Die ist laut rechten Stimmen dazu da, Gewalttaten und Belästigungen durch Migranten zu übertünchen. Ich sage es ungern: die Rechten haben recht. Aber der Knaller ist doch wohl, dass dieser Vorfall nun genutzt wird, um eine Klarnamenpflicht durchzusetzen.
    Was nun überhaupt keine Logik hat. Weil nun dieser Ulmen virtuelle Nacktbilder veröffentlicht hat, soll ich hier im Overton-Magazin mit Klarnamen schreiben? Als Einladung an die Achse des Widerstands, mir eine Abreibung zukommen zu lassen? Graue Wölfe und Deutsche Nazis ebenso. Last not least militante Nichtraucher. Und ob es bei der Abreibung bleibt, ist auch noch fraglich.
    Also diese Unverschämtheit dürfen wir den Herrschenden wirklich nicht erlauben.

    1. Die »Ulmen-Fernandez Geschichte« ist doch nun wirklich nur Boulevard: Irgendwas mit Prominente, Sex, Betrug & Verrat, da wird es doch ganz heimelig im öden Spießerherz (wobei es mir peinlich ist, dass ich die Story sogar bemerkt habe 🫣).

      Ansonsten: Wer Klarnamen verlangt, hat Angst vor klaren Gedanken. Und das soll nicht witzig gemeint sein.

      1. Die »Ulmen-Fernandez Geschichte« ist doch nun wirklich nur Boulevard: Irgendwas mit Prominente, Sex, Betrug & Verrat, da wird es doch ganz heimelig im öden Spießerherz (wobei es mir peinlich ist, dass ich die Story sogar bemerkt habe 🫣).

        Es ist eine inszenierte Kampagne (so wie MeToo damals), getragen mal wieder vom radikalfeministischen ÖRR, mit aktiver Unterstützung der Privatmedien, inklusive BILD (wenn ich nach den Überschriften urteile), man konnte dem gar nicht entgehen, außer man meidet alle Mainstreammedien wirklich konsequent (was selbst mir nicht gelingt).

        Was mich interessieren würde, ist, ob Ulmen tatsächlich getan hat, was ihm vorgeworfen wird oder ob er eine fette Entschädigung dafür bekommt, den Sündenbock zu spielen (es müsste schon für eine Finca auf Malle reichen, in Deutschland wird er langfristig sicher keine Ruhe mehr haben). Ihn dermaßen ins Rampenlicht zu zerren, hat selbst schon was von einer Vergewaltigung, m.W. wurde er ja noch nichtmal verurteilt.

        Jedenfalls gibt es wohl (Überraschung!) schon einen Gesetzentwurf (Fernandez hat m.W. auch Kontakte zu HateAid die ich für eine Soros/cia-Gründung halte, um Zensur durchzusetzen). Paradoxerweise wollen sie Klarnamen im Netz, obwohl Ulmen angeblich unter ihrem Namen agierte (sonst gäbe es das Problem ja gar nicht), logisches Denkvermögen ist halt nicht jedermanns (und -fraus) Sache.

        Im Endeffekt ist es egal, wenn sie Klarnamenzwang durchsetzen, beim aktuellen Level an Zensur und Hysterie, wird das sämtliche Diskussionen zwischen den verschiedenen Lagern endgültig unterbinden, was zwangsweise auf Gewalt der einen oder anderen Seite hinausläuft. Wer nicht miteinander redet, lebt sich nämlich immer weiter auseinander und wird dabei tendentiell immer radikaler…

  10. Die Rede von einer ‚Linken‘ ist zu einem unerträglichen Ärgernis geworden. Hauptsächlich aus Denk-Faulheit angewandt, um sich genauere Bestimmungen zu ersparen, ist das zu einer regelrechten Nebelwand geworden, die den Punkt, auf den es ankäme, erfolgreich verschleiert. Es gab ja mal Vorstellungen von einer begründeten Opposition gegen die Zumutungen von Kapital und Staatsgewalt, ein paar ganz wenige sehen auch gar keine Grund davon abzugehen, im Gegenteil: monströs anwachsende Anlässe dafür.
    Den Diskurs bestimmen tat aber eine Zeit lang eine Sozialdemokratie, die ihr ‚linkes Projekt‘ Regierungsübernahme damit verfolgte, die Interessen der Arbeiterschaft systematisch den Notwendigkeiten von Rendite und Konkurrenz der Nationen zu unterwerfen – zum Besten ihrer besitzlosen Klientel natürlich, das davon ja auf Gedeih und Verderb als das alleinige Mittel ihres Einkommens auf dem freien Markt angewiesen ist, wenn ‚wir‘ ‚realistisch‘ sein wollen bei einem reformorientierten Ansatz.
    Aber die Zeiten sind mittlerweile vorbei, die radikalisierte Marktwirtschaft braucht das nicht mehr: Linke, das kann man in Schweizers Beitrag immerhin noch erkennen, liest sich heute als eine verlogene Herde des akademischen Proletariats, das sich mit einem aufgeblasenen Moralismus selbst gefällt und heiligt. Für ein paar Brosamen aus den überquellenden Geldtöpfen westlicher Geheimdienste und staatlicher Kulturförderung bekämpft diese ‚Linke‘ ansonsten nur mehr eines: Kritik an den hiesigen Zuständen, und dafür beutet sie letzte Restbestände ‚linker‘ Idealismen aus: gegen Rechts, für Selbestimmungsrecht der Völker (sprich: der in der Ukraine herrschenden Clique), Menschenrechte, für Groß-Israel vor allem, und gegen Queer- und Frauen-Feindlichkeit in Staaten, die gerade oder demnächst von einer Wertegemeinschaft bombardiert werden. Wir sehen Claqueure und Graswurzel-Aktivisten von NATO und Co., die für sich in ihrer prekär-dürftigen Existenz nur eine Perspektive sehen: zunehmend aggressivere Parteilichkeit für die westliche Hegemonie…. Ein erbärmlicheres Modell von Kriegsgewinnlern hat die Welt wohl nie gesehen!

  11. Es ist gut, daß Overton mit solchen Artikeln auch immer wieder die niederen Instinkte anspricht, so können sich die Leute hier entsprechend abreagieren. Diese Autorin ist dafür sehr gut geeignet.
    Ich kann mich allerdings nicht über normale Radfahrer aufregen, sondern nur über E-Bike-Fahrer, denn die sind zu einer echten Bedrohung geworden durch ihre Raserei und Rücksichtslosigkeit.

    1. Sprechen Sie mit Ihrem letzten Satz abwertend pauschalierend, geradezu rassistisch niedere Instinkte an?

      Manche „Argumentation“ haut mich echt um.

      1. Oh, jetzt haben Sie mich aber wirklich erwischt.
        Ihr Scharfsinn beeindruckt mich zutiefst.
        Pflanzen Sie doch lieber noch ein paar Reimars, als hier rumzunerven.

  12. Von FAZ bis TAZ
    Corona-Querfront in den Medien
    Autor: Uli Gellermann
    Datum: 01.12.2020

    Vielen Medien-Konsumenten fällt es auf: Zum Thema Corona gibt es öffentlich fast nur eine Meinung. Den vielen Medien will das nicht auffallen. Klar: Selbstkritik ist schwer. Vor Corona konnte man sich noch auf gewisse politische Unterschiede bei der Erklärung der Welt verlassen: Die konservative Publizistik mochte Merkel, die linke mochte sie eher nicht. Diese relative Vielfalt, die aus den Unterschieden, dem Vergleich, eine gewisse Überprüfbarkeit der Nachrichten und Meinungen ermöglichte, ist vorbei. Mit der Planierung der Unterschiede geht auch ein Verfall journalistischer Qualität einher: Geschludert wird in Sprache und Recherche. Was zu beweisen ist. Am Beispiel der FAZ und der TAZ, einst Vertreter einer politischen Bandbreite im Journalismus, werden an jüngsten Artikeln über die Opposition gegen das Corona-Regime die Planierung und der Verfall exemplarisch deutlich.

    Die FAZ schien mal ein ziemlich seriöses Blatt zu sein

    Solange keine Rüstungsinteressen berührt waren, schien die FAZ ein ziemlich seriöses Blatt zu sein. Offene Manipulation galt als unfein, man löste die politische Färbung lieber durch Themenwahl und Verschweigen. Jetzt aber, wo es scheinbar gilt, den Staat vor demokratischer Empörung zu retten, jetzt wird das Florett lieber durch den Holzhammer ersetzt. Er „war einmal ein angesehener Professor“ wird über Sucharit Bhakdi in der aktuellen FAZ am Sonntag getextet. Das auflagenstarke Aufklärungsbuch von ihm und Professor Karina Reiss geschrieben, ist das wesentliche Werk der demokratischen Opposition. Da kann die ehemals feinsinnige FAZ sich kaum wissenschaftlich auseinandersetzen, sie wird lieber persönlich: Die Universitäten Mainz und Kiel hätten sich von dem Buch distanziert, schreibt das Blatt. Dieser, in der jüngeren Wissenschaftsgeschichte einmalige Vorgang, macht die FAZ nicht stutzig. Stattdessen schiebt der Autor noch hinterher, dass die schleswigholsteinische Bildungsministerin das Buch als „wissenschaftlich nicht haltbar“ gebrandmarkt habe. Die Frau ist Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht, ihre Ahnung ist zumindest im Medizin-Sektor begrenzt. Auch das kümmert die Zeitung nicht.
    (…)
    Eigentlich ist alles antisemitisch

    Weil aber nicht wenige Leser ein Vorurteil gegenüber der FAZ haben, sie gilt als regierungsnah, muss zur Komplettierung des Meinungsspektrums die vorgeblich oppositionelle „taz“ ran. Die lässt Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung gemeinsam mit dem Antisemitismusbeauftragten des Bundes, Felix Klein, auftreten. Die beiden warnen vor einem „grassierenden Antisemitismus in der Protestbewegung“, gemeint sind die Proteste gegen das Corona-Regime. Der Antisemitismus-Vorwurf ist beim Plattmachen von Meinungen kaum zu übertreffen. „Judenhass ist im Zuge der Corona-Pandemie weiter angestiegen. In vielen Kreisen ist er wieder gesellschaftsfähig geworden“, behauptet Felix Klein. Beweise? Braucht die „taz“ nicht. Denn auch Frau Kahane sagt ja auf derselben Pressekonferenz: „Verschwörungsideologien haben immer ein antisemitisches Betriebssystem. Weil der Antisemitismus selbst die älteste Verschwörungstheorie überhaupt ist. Die nämlich behauptet, dass die Juden irgendwelche bösen Absichten haben und immer hinter allem Bösen und Schlechten in der Welt stecken. Und deswegen sind Verschwörungstheorien immer antisemitisch, selbst wenn sie sich mit Bill Gates beschäftigen, sind sie in ihrer Form und Struktur antisemitisch.“ Das ist mal eine schöne geschlossene Theorie: Eigentlich ist alles antisemitisch, außer Frau Kahane und Herr Klein geben die jeweilige Meinungsäußerung zum Verzehr frei.

    Da schlagen die Redakteursherzen im Gleichtakt

    Dass diese Medien-Querfront ein Ziel hat, wird gegen Ende des „taz“-Artikels deutlich: „Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und andere hatten zuletzt auch gefordert, dass der Verfassungsschutz die Proteste (der GG-Verteidiger) genauer ins Visier nimmt.“ Das ist tapfer: Die „taz“ kämpft für den Verfassungsschutz. Der braucht, wie man spätestens seit der NSU-Mördergruppe weiß, dringend Spitzel-Hilfe. Denn die „Corona-Verharmloser“, wie die „taz“ die Verteidiger des Grundgesetzes etikettiert, stehen der neuen Impf-Kampagne im Weg. Und Gegner von Spahn-Merkel und der Pharma-Industrie kann die Medienfront nicht dulden. Da werden die Reihen geschlossen, da verschwinden die kleinen Unterschiede, da schlagen die Redakteursherzen im Gleichtakt.

    https://www.rationalgalerie.de/home/von-faz-bis-taz

  13. Die Frau geht also zur Buchmesse – und was macht sie dort? Rennt überall in der Gegend herum, wo sich sog. Promis, vornehmlich der Pseudolinken tummeln. Etwas anderes bemerkte sie nicht.
    Auch ich war auf der Buchmesse: 28 € Eintritt, 20 € spärlicher Verpflegung, Parken, An- und Abfahrt: 100 € sind weg.
    Interessiert haben mich kleinere Verlage, die mit viel Aufwand und Engagement ihre Bücher vorstellen. Auch der Westend Verlag war vertreten
    Nicht vertreten waren Verlage, die man schon im Vorfeld als unerwünscht bedroht oder ausgeladen hatte. Unübersehbar auffällig die Riesenstände von staatlich gesponserten Institutionen. Die Hälfte der Besucher: Verkleidete Manga Fans.
    Dass zur gleichen Zeit der geplante Neubau der Nationalbibliothek gestoppt wurde, weil man ja zukünftig alles digitalisiert, war auf der Messe kein Thema. Dafür die ach so übel misshandelten „linken“ Buchläden aus dem grün – pseudolinken Sumpf. Der rote Buchladen in Göttingen – die früheren KBler, also wie Trittin – genau so links?
    Mein Bericht wäre anders ausgefallen.

    1. Mein Bericht wäre anders ausgefallen.

      Gesagt, getan, danke dafür 😉

      Nunja, Buchmesse ist hauptsächlich Arbeit & Kontakte knüpfen oder erneuern, deswegen war die Autorin wohl dort. Das Publikum ist doch eher Dekor.

      Sie sprechen »Verkleidete Manga Fans« an. Ich weiß nicht so recht, was ich von diesem inflationären Cosplay halten soll: Karneval, Fasching und Halloween ist wohl noch nicht genug?
      Ist das Flucht vor einer – zugegeben – beschissenen Welt oder doch nur naive Ironie einer aufgezwungen adoleszenten Identitätsbildung?

      1. Die Zukunft (also das Heute) ist schlimmer (geworden) als in jeglicher Dystopie, für sich allein genommen, befürchtet. Denn irgendwie sind sie alle, in einer Melange, eingetreten. Da hat wohl jemand mitgelesen.

        Durch alle Altersgruppen, nicht nur in der sich entwickelnden Jugend, gibt es eine Realitätsflucht und einen Rückzug ins Private. Verstärkt in den letzten Jahren natürlich durch die enorme umgebende Düsternis ohne Aussicht auf positive Veränderung.

        Diese Entwicklung setzte aber bereits früher ein. Wenn ich es an mir festmachen müßte, späte achtziger bis zweitausend. Neil Postmans Buch dazu erschien in deutsch 1994, Wir amüsieren uns zu Tode – Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie.

        „Was heißt es, wenn in Medien und Politik die Logik des Entertainment Einzug hält? Wenn unser Bild von der Welt davon bestimmt wird, welche Bilder uns die Medien zeigen? Und wenn das Zerstreuungsgeschäft an die Stelle von Erkenntnisstreben und Wahrnehmungsanstrengungen tritt? In einer Welt, die Orwells »1984« immer ähnlicher wird, ist Neil Postmans unverzichtbares Werk über die Wirkmacht der Medien wichtiger denn je.
        Der wegweisende Klassiker über die zersetzenden Auswirkungen des Fernsehens auf die Politik und unseren gesellschaftlichen Diskurs wurde erstmals im Jahr 1985 veröffentlicht.“

        https://www.fischerverlage.de/buch/neil-postman-wir-amuesieren-uns-zu-tode-9783596242856

        1. @ Gracchus Babeuf

          Ein Lügner wäre ich, würde ich behaupten, dass ich die Möglichkeit zur Verschlechterung (also zur Dystopie) nicht schon immer in Betracht gezogen hätte. Die 1990er hatte ich jedoch als temporäre und manische Gemütsschwankung gesehen – ähnlich dem Fin de Siècle des 19. Jahrhunderts –, zumal ja die kollektive Angst der nuklearen Vernichtung mit dem eisernen Vorhang verschwunden war: Irgendwie war das auch ein Grund zu feiern… kurz…

          Weiter war die Betrachtung von Vereinzelung, »Realitätsflucht« und Eskapismus sowie deren Analyse und Kritik auch in niederschwelligen Bereichen der Kunst, Literatur, Film, Theater seit Jahrzehnten ausgiebig vorhanden. Und trotzdem hat sich alles dahin entwickelt, wo die Welt heute ist. Das „Face Down“ der Fon-walker (das gesenkte Haupt als omnipräsente Geste der Unterwerfung) ist da wohl das gruseligste Artefakt.

          Aber ist der Grund dafür tatsächlich die Unterhaltung und Zerstreuung? (Ich weiß es nicht und habe mir Neil Postman gerade geordert; der ist mir mal „über den Weg gelaufen“, aber dann von meiner To-Do Liste verschwunden; na, jetzt ist er einen Schritt weiter und kommt auf den Stapel.) Oder ist unsere Sichtweise des Menschen, bzw. was sein Ideal ist und wie es auszusehen hat, zu starr, zu selbstverliebt? Ich stelle mir die Frage, wie lange würde ich ein Proustsches Flanieren aushalten, mit der endlosen Betrachtung der Details, die Mikroskopie meiner eigenen Rezeption, die Fahndung nach Absicht im Gegenüber? Ein oder zwei Tage im Frühling in Paris?

          Ist dann die Gegenwart wirklich eine Dystopie (nach unseren Maßstäben zweifellos) oder sind unsere Prämissen falsch bzw. zu persönlich oder individuell oder In-Ihrer-Zeit? Sollte nicht jede Generation, jedes Individuum die Möglichkeit haben, sich sein eigenes Gefängnis zu gestalten?
          Was ich weiß: Es gab schon immer Menschen, die (gerne) kämpfen, und welche, die das lieber nicht machen.

          Wie Sie sehen, kann ich Ihre Gedanken nachvollziehen, habe da aber mehr Fragen als Antworten.

          Jedenfalls danke für den Buchtipp/Reminder.

            1. Der war gut gekontert 😁
              Aber mir sind die Totengräber lieber als die Totmacher.

              Und da mir heute so zeigefreudig ist, hier ein kleiner Text zum Thema:
              »Go Walking
              No Parking«

              Und für den Viewer und seiner Disposition zur Religion:
              „Was ist allen Religionen gemein? They teach you to die.*“

              * Band: We Were Promised Jetpacks

      2. Manga Fans
        sie erinnern mich an Fasching, den ernsten. Das bedeutet, einen Weg suchen, um der totalitären Ideologie und der Gedankenkontrolle zu entkommen. Was ich auf der Buchmesse beobachten konnte:sie schließen nicht an die Dionysien an, sind eher ernsthaft, konzentriert, so wie Teilnehmer einer Fasenacht in der Schweiz – man begibt sich in einen Traum, ist der Traum und lebt seine Figuren. Als ob sie sich in Platons Höhle freiwillig zu Schatten erklären. Was ist real – oder wie real ist die Wirklichkeit? Ein Spiel.

        1. @ Routard

          Manga Fans
          sie erinnern mich an Fasching, den ernsten. […] Was ist real – oder wie real ist die Wirklichkeit? Ein Spiel.

          Eine interessante Beobachtung und Interpretation.
          Erinnert ein ganz wenig an Goth (umgsp. „Grufties“) der 1980er.
          Allerdings in bunt und das wäre für mich eine Weiterentwicklung.

    2. trittin war also im KB. ebermann auch. na und? wehner war mal in der FAU. deswegen wird nicht jeder anarchist SPD-mitglied.

      und als linker gibt man sich ja wohl am ersten noch die linken buchtage im mehringhof. zig vorträge, diskussionen und lesungen, jede menge gute literatur, kein eintrittspreis und günstige verpflegung und noch zusätzlich eine große, linke kneipe mit günstigen und qualitativ hochwertigen getränken.

      keiner muss sich so nen rip off wie so eine bescheuerte kommerzbuchmesse geben.

      1. Ach @Paul, offensichtlich wissen Sei doch ganz genau, wie die Verbindungen von Trittin und Co, später der sogenannten AntiFa-SA zum Buchladenzirkel in der Roten Straße verliefen. Welche Position nahmen denn dieses Leute zur sog. Hammerbande in Ungarn und anderswo ein? Könnten Sie das evtl. etwas näher ausführen? Und was bedeutet für diese Kreise „Antirassismus“ wenn nicht die Unterordnung nationalstaatlicher Souveränität unter die globalistischen Menschenschlächter, Freifahrtscheine für Messerstecher und Gruppenvergewaltiger – dann, wenn sie die „richtige“ Herkunft haben. Und was bedeutet das? Was hat das bitte mit „links“ zu tun?
        Wieviel Staatsknete haben diese Zirkel in der grünen Trittin Ägide abkassiert? Wissen Sie es, oder wollen Sie es nur nicht sagen?
        Wie Sie sehen: Ich habe von solchen Kreisen so etwas von die Nase voll, mehr geht wirklich nicht.

  14. Ein vergleichsweise schwacher Text von Frau Schweitzer. Liegt das an der schwachen Veranstaltung, die beschrieben wird, oder soll das nach ihrem letzten Klopper versöhnlich sein?

    Egal.

    Zu den Radfahrern: Habe auf meinem ÖPV-Ticket die Radmitnahme dauerhaft dazu gebucht. Sich mit einem Rad in vollbesetzte Busse oder Bahnen zu quetschen, geht gar nicht, gleichgültig, was die Nutzungsbedingungen sagen.
    Allerdings… mache ich bei Fußballfans auch mal eine Ausnahme, die wollen doch eh kuscheln und wenn sie sich Bierduschen geben und besoffen auf die Schuhe pissen, macht das Kettenfett an der Hose (oder Fahne) auch nichts mehr aus.

    1. kette nicht überfetten! bei einer leichten fahrradkette genügt sparsam öl auf die rollen. fett verklumpt, blockiert dann nur die umlenkrollen und behindert damit den umwerfvorgang beim schalten. für e-bikes und motorräder gilt natürlich was anderes.

      1. Sie haben Recht, aber seien Sie ohne Sorge: Wichtige Teile (Licht, Bremse, Kette, Schaltung) werden alle vier Wochen geprüft und gepflegt 😉

  15. also wenn Sie die täglichen fahrradpendler im öpnv so stören, warum lassen Sie sich dann nicht lieber eine taxiquittung geben, die Sie dann hier bei Ihrem verlag als spesen einreichen können? mir tun die radfahrer leid, die sich diese xxx jeden tag antun und dann auch noch während der messe die genervten fressen der geizigen besserverdiener ertragen müssen.

    1. nehme meine eigene „kritik“ nach nochmaligem lesen zurück. beim ersten zu schnellen „lesen“ die doppelbödigkeit auch dieser schilderung übersehen. trotzdem: support your local cabbies! und dann kann man schließlich ja auch noch den „dialog“ mit dem taxifahrer in zusätzliches zeilengeld versilbern.
      ansonsten nur noch: diese örrfernsehsender-„buch“-messe kann bitte jetzt langsam mal weg.

  16. Interessiert das wirklich wen, wenn deutsche Gartenzwerge andere deutsche Gartenzwerge canceln? Ich freu mich eher auf den kommenden Winter, da wird es nämlich eiskalt in Deutschland, ohne die Möglichkeit, Gas zu kaufen. Da wird dann das deutsche Wesen eingefroren.

  17. „Wie können eigentlich Journalisten, die glauben, Frauen haben Penisse, zwischen Israelis und Iranern unterscheiden?“
    An der Art der Beschneidung.

    Warum braucht es eigentlich zwei Buchmessen?

    Historisch ist nur die in FFM korrekt.

    Aber heute hat jede Stadt ihre eigene Buchmesse, obwohl keiner mehr liest, der nicht muss.
    Gut, Kurzvideos bei Tiktok und YT wirken offenbar noch „intelligenter“, wenn im Hintergrund ein volles Bücherregal zu sehen ist.

    Dann kommt noch der lustige Karneval hinzu. Die Kids kommen in den gerade angesagten Mangakostümen jedenfalls nicht, um Literatur zu zelebrieren.

    Das kommt raus, wenn die Industrie irgendetwas macht: Von ehemaliger Kunst bleibt lediglich der Kommerz übrig.
    Kulturförderung macht da durchaus Sinn.

    1. Das ist in dem Fall keine Gleichsetzung, das ist gleich.
      Sowohl Woke, wie auch links und auch rechts (3. Weg und so) werden von findigen Geschäftemachern, der Schweinestaaten alias „Juneitet Stehts“ bedient, die sich einen Lachen, weil man so damit Produkte an die Leute bringt. Mit den Ideen will ja auch später keiner mehr was zu tun haben. Und das ist kein Loblied auf die Mitte. Die sind so gaga, dass sie bei den Spritpreisen immer noch mit Amischleudern durch die Kante brettern.

  18. Das Foto ist ja toll! Was haben denn ARD und ZDF auf einer Buchmesse zu suchen?????????????

    Die Buchmesse hat sich damit, wie sie ihre „rechten“ Kunden in der jüngeren Vergangenheit behandelt hat, selber den Saft abgedreht. Viele Tausend Euro für einen Messestand verlangt und dann die Antifa auf ihre eigene Kundschaft gehetzt. War zwar kurzfristig lustig und unterhaltsam, aber damit hat sich die Buchmesse selber als Abschaum des faschistischen Regimes geoutet. Weg damit.

  19. „Wer hätte es bloß gedacht, dass es sich ein einmal geschaffener gesellschaftlicher Konsens über das Canceln gegen die Erfinder wenden könnte?“
    Jeder der ein wenig offen ist für historische Vorgänge. Noch jede Revolution hat ihre Kinder gefressen, so auch diese.
    Macht Spaß, genüßlich zuzuschauen wie sich die Shitstormer jetzt gegenseitig zerlegen.

  20. Gab es nicht schon die Jahre davor immer einen Artikel von der linksliberalen Transatlantikerin und Zionistin zur Buchmesse? Das ist ungefähr so wie die jährlichen Artikel von Telepolis über den Zustand der SPD, wo auch versucht wird einen toten Gaul noch zu reiten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kongress_f%C3%BCr_kulturelle_Freiheit

    Ich habe es schon einmal geschrieben:

    Bei so „Kolumnisten“ ist egal, ob sie „lechts“ oder „rings“ sind. Letztlich eint sie ihr Hang zu Demagogie und Hetze, wohingegen sie kein Bock haben auf Recherche oder wissenschaftliche Arbeit. Die sehen sich alle als unterbezahlte Künstler. Der Unterschied ist nur, dass ein Lobo, Fleischhauer und Broder besser bezahlt werden als die Kolumnisten hier. Für ihren „Kulturkampf“ brauchen die sich gegenseitig.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Shepard_Stone

    Der gab mal zu, dass er bei Talk Shows, ein amerikanisches Format, eingeführt um die Meinung in Dummland zu beeinflussen, absichtlich einen sehr überzogenen amerikanischen Standpunkt einnahm, um die dummen Deutschen in die gewünschte Richtung zu schubsen. Bei Sports Shows in USA ist bekannt, dass einer immer das Monster spielen muss und eine polarisierende Meinung vertreten soll, z.B. Skip Bayless und dann kommt der „Sherriff“ Steven A. Smith. In Wahrheit sind natürlich beide Clowns, die nix können, außer Scheiße labern.

    Der Anwalt von Alex Jones nannte das im Prozess der Schadenersatzklagen der Angehörigen der Opfer von Sandy Hooks, die er als „crisis actors“ betitelte, später „performance art“.

    Also eine weitere Gemeinsamkeit von diesen performance artists ist, dass es in Wirklichkeit um sie selbst geht und wie sie sich durch Demagogie bereichern. Und wenn das nicht klappt, dann möglichst fremde Menschen, die nichts mit ihnen zu tun haben, zu beeinflussen, immer mit möglichst kleinem Aufwand.

    Letztlich ist das mehr oder weniger gut bezahltes Trolling. Das bringt Niemanden weiter, macht nur schlechte Stimmung und wenn dann noch Snake Oil Shops dazu kommt, schadet es den Konsumenten dieser Geschichtenerzähler.

    Zum Abschluss noch ein Beispiel, was unsere Künstlerin nicht bringt (Israelkritik eh nicht, aber natürlich auch nichts „anti-amerikanisches“, was das linksliberale deutsche Großstadtpublikum verwirren könnte):

    https://www.youtube.com/results?search_query=afroman+trial

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