
Nach 45 Jahren wiedergelesen: „Alle redeten vom Frieden“ von Horst-Eberhard Richter.
Vor 45 Jahren, im Oktober 1981 – einer ebenfalls sehr angespannten Zeit zwischen Ost und West im Vorfeld der Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper in Westeuropa – veröffentlichte der Arzt und Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (er gründete später die deutsche Sektion der „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“, IPPNW) ein Buch, das sich erstmals systematisch mit der sozialpsychologischen Seite von Wettrüsten und Kriegsgefahr auseinandersetzte. Der Band „Alle redeten vom Frieden – Versuch einer paradoxen Intervention“ war allerdings nicht akademisch gehalten. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, präsentierte Richter seine Analyse des Rüstungswahnsinns (ein mittlerweile völlig aus der Mode gekommenes Wort) in Gestalt einer Science-Fiction-Geschichte.
Irgendwann in der Zukunft suchen intelligente außerirdische Wesen in der noch immer radioaktiv verstrahlten Erdkruste nach Anhaltspunkten für die Ursachen der vorausgegangenen Katastrophe, die sämtliches Leben auf diesem Planeten auslöschte. Bei der Rekonstruktion der Ereignisse gelangen sie zu dem Ergebnis, dass das Inferno von einem Club von Doppelagenten aus beiden Machtblöcken gezielt vorbereitet wurde, wobei man sich bei der Durchsetzung des Plans einer ausgeklügelten Strategie zur Beeinflussung der Menschen in Ost und West bediente. Die genauere Schilderung der psychologischen Strategie des Agentenclubs bildete den eigentlichen Inhalt des Buches, das (heute unvorstellbar) bereits im Monat seiner Erstveröffentlichung eine Auflage von 50.000 Exemplaren erzielt hatte.
Absolute Waffe – absoluter Feind

Mit dem Kunstgriff der Konstruktion eines blockübergreifenden Agentenclubs fasste Richter die Logik der wechselseitigen Aufrüstung als gemeinsames ‚Spiel‘ auf, in das die beiden verfeindeten Blöcke – damals NATO und Warschauer Pakt – verwickelt waren und das sie beide in einem Prozess kumulativer Radikalisierung bis an die Schwelle des Unvorstellbaren vorantrieben. (Der Philosoph Günther Anders hatte zwei Jahrzehnte zuvor den gleichen Gedanken umgekehrt als moralischen Imperativ formuliert: „Was wir bekämpfen, ist nicht dieser oder jener Gegner, der mit atomaren Mitteln attackiert oder liquidiert werden könnte, sondern die atomare Situation als solche. Da dieser Feind aller Menschen Feind ist, müssten sich diejenigen, die einander bisher als Feind betrachtet hatten, als Bundesgenossen gegen die gemeinsame Bedrohung zusammenschließen.“)
Richters zentrale These: Die wechselseitigen Feindbilder beider Machtblöcke hätten sich zu einem bipolaren Verfolgungswahn, einem kollektiven Paranoid, gesteigert, das mit jeweils umgekehrten Vorzeichen die Bevölkerungen in Ost und West erfasst habe. Dabei bezog er sich auf einen Gedanken des Physikers Patrick Blackett aus dem Jahre 1956: „Wenn einmal eine Nation ihre Sicherheit auf eine absolute Waffe stützt, wird es psychologisch notwendig, an einen absoluten Feind zu glauben.“ Oder mit den Worten des Nobelpreisträgers Max Born: „Um das Gewissen der Menschen zu beruhigen, gegenüber militärischen Plänen, welche die Tötung von vielen zehn oder gar hundert Millionen Männern, Frauen und Kindern der anderen Seite – und der eigenen, was aber verdunkelt wird – ins Auge fassen, muss die andere Seite als ihrem Wesen nach verdorben und aggressiv gedacht werden.“
Folgt man diesen Thesen – und sie sind auch nach 70 Jahren so aktuell wie ehedem –, dann besteht zwischen dem eigenen verfügbaren Waffenpotential und der Intensität des jeweiligen Feindbilds ein unmittelbarer Zusammenhang. Kindlich formuliert: Die Atombombe zwingt ihrem Besitzer das Bild von einem absoluten Feind auf. Horst-Eberhard Richter beschreibt in seinem Buch ausführlich vier Stufen des psychologischen Aufrüstungsprozesses, der sich aus dieser Wechselwirkung nahezu zwangsläufig ergibt: Begriffsverwirrung und Ablenkung, Entfremdung der Menschen zwischen beiden Machtblöcken, Emotionalisierung sowie schließlich als letztes Stadium das kollektive Paranoid.
Ich fasse Richters Thesen im Folgenden zusammen und lade die Leser ein, diese vor viereinhalb Jahrzehnten formulierten Gedanken auf die gegenwärtig erneut höchstgefährlich zugespitzte Konfrontation zwischen dem kollektiven Westen und dem wiedererstarkten Russland anzuwenden.
Begriffsverwirrung und Ablenkungsprozesse
Das erste Stadium der psychologischen Aufrüstung ist laut Richter gekennzeichnet durch Begriffsverwirrung und Ablenkungsprozesse. Vor allem die Worte „Frieden“ und „Krieg“ seien im alltäglichen Sprachgebrauch so verwässert, dass über ihren Inhalt kaum noch Verständigung zu erzielen sei. Wie Richter sehr anschaulich darstellt, deckt der Begriff „Frieden“ so unterschiedliche Sachverhalte wie „häuslichen Frieden“ und „sozialen Frieden“ ab, den „Grabesfrieden“ von Diktaturen ebenso wie den „Seelenfrieden“ des Einzelnen bis hin zur friedlichen Hinnahme der wechselseitigen Aufrüstung mit Massenvernichtungsmitteln.
Parallel zur Vernebelung und Pervertierung des Friedensbegriffes wird das Wort „Krieg“ in einer völlig anachronistischen Bedeutung verwendet, die den Folgen eines Atomkrieges, der nur noch ein entsetzliches Massaker, ein einziger Völkermord sein kann, in keinster Weise gerecht wird. Stattdessen weckt der Gebrauch des Wortes „Krieg“ eher Assoziationen an vergleichsweise „humane“ Kriegsszenen der Vergangenheit, „an Zweikämpfe Mann gegen Mann, allenfalls an Feldzüge, in denen es noch Front und Heimat gegeben hatte, Respektierung des Roten Kreuzes, Waffenruhe zu Weihnachten, Fairness gegenüber Gefangenen und Waffenstillstand nach Erreichung des politischen Zwecks.“ Dieser Verharmlosung des Kriegsbegriffes entspricht umgekehrt eine Militarisierung der Alltagssprache. (Mit deren aktueller Variante sich der Autor dieser Zeilen intensiv beschäftigt.)
Neben der zunehmenden Begriffsverwirrung und Militarisierung der Alltagssprache ist die erste Stufe der psychologischen Aufrüstung zusätzlich durch Ablenkungs- und Verschiebungsprozesse charaktierisiert, deren Zweck es ist, die latente Protestbereitschaft der Bevölkerung gegen die militärische Aufrüstung zu binden und damit unschädlich zu machen. Richter stellt in diesem Zusammenhang die These auf, die (damals) zahlreichen Initiativen gegen Kindesmisshandlungen, gegen Tierversuche, gegen die Ausrottung seltener Pflanzen- und Tierarten etc. besäßen für viele Menschen unbewusst auch die Funktion, von der übermächtigen Gefahr der weltweiten atomaren Aufrüstung abzulenken, wodurch sich das unterschwellig vorhandene Protestpotential in erster Linie auf Ersatzobjekte gerichtet habe. Das letzte Stadium dieses Prozesses stelle der Kampf gegen Atomkraftwerke dar:
„Niemand wird den Sinn der Initiativen bestreiten, die sich zur Abwendung solcher und anderer Gefahren aufgetan haben. Aber wenn das Gesamt dieser Initiativen am Ende zu einer Erschöpfung der Widerstandskräfte führt, von denen ein großer Teil sich gegen die wichtigste aller Bedrohungen wenden müsste, dann liegt in der Tat ein unheilvoller Verschiebungsmechanismus vor. Man reagiert sich in der Bekämpfung von vergleichsweise greifbaren Schädlichkeiten ab, die unbewusst das bei weitem gefährlichste, aber deshalb unerträglich gewordene Angstobjekt ersetzen.“
Entfremdung der Menschen zwischen beiden Machtblöcken
Die zweite Ebene des psychologischen Aufrüstungsprozesses besteht laut Horst-Eberhard Richter in der Entfremdung der Menschen zwischen beiden Seiten. Während die Kriegsallianz beim Kampf gegen den deutschen Faschismus anfänglich auch partnerschaftliche Gefühle zwischen den Ländern im Osten wie im Westen hinterlassen hatte, bildete die Entstehung und Abschottung der Militärblöcke und die damit verbundene erhebliche Begrenzung der direkten Begegnungen zwischen beiden Völkergruppen die entscheidende Voraussetzung für eine Verfestigung von wechselseitigen Vorurteilen und Feindbildern. Seitdem beschränkten sich die Formen der Begegnung – nochmals zur Erinnerung: Wir befinden uns im Jahre 1981! – auf zeitweilige kulturelle und sportliche Veranstaltungen, Treffen zwischen Politikern und Wirtschaftsfachleuten sowie minimale Besucherkontakte zwischen Teilen der Bevölkerung. Die Folge sei unter anderem eine Drosselung des unmittelbaren Informationsflusses zwischen den Menschen beider Machtblöcke, zu der sich eine gezielte Nachrichtenmanipulation durch die jeweilige Presse gesellt. Dazu Richter in seiner Geschichte:
„In den östlichen Zeitungen wurde nur Weniges und ausgesucht Negatives über den Westen berichtet. Im westlichen Führungsland meinte man aus narzistischer Selbstüberschätzung, in der außeramerikanischen Welt, vor allem aber im Osten, passiere ohnehin nichts Wichtiges. So rückten die Völkergruppen tatsächlich mehr und mehr innerlich voneinander fort. Die Vorurteile häuften sich.“
Den Feindbildern, die sich auf diese Weise zunehmend in den Köpfen festsetzen, wohnt darüber hinaus eine Tendenz zur Totalisierung inne. Schnell wird nicht mehr zwischen Machthabern und Volksmassen auf der jeweils anderen Seite unterschieden. Richter:
„Man musste die Propaganda so lenken, dass in ihr die Unterschiede zwischen Machthabern und Volksmassen mehr und mehr verschwanden. Wenn z.B. die Sowjetregierung irgendetwas unternahm, was sich anprangern ließ, dann hatte das westliche Fernsehen zu berichten: Die Russen haben dieses oder jenes Schlimme gemacht. Die Volksmassen hätte man sich in etwa wie eine große amorphe kopflose Herde vorzustellen, die mit der Kremlclique als steuerndem Gehirn fest zusammengewachsen sei. Jedenfalls würde diese Herde automatisch jede Schandtat begehen, wenn die Bande im Kreml ihr dies befehlen würde.“
Indem die eine Seite so zu einem einzigen Feind vereinheitlicht wird, wird es zugleich immer weniger möglich, die vielfältigen Möglichkeiten von Beziehungen, die denkbar wären, noch in Betracht zu ziehen. Damit wird der Boden bereitet für die dritte Stufe der psychologischen Aufrüstung, die Horst-Eberhard Richter Emotionalisierung nennt.
Emotionalisierung
Die Ebene der Emotionalisierung zeichnet sich dadurch aus, dass die weitgehend verinnerlichten Feindbilder nun kollektiv mit aggressiven Impulsen aufgeladen werden. Dazu Richter in seiner „Geschichte“:
„Der eigentliche Kommunismus steckte in Moskau. Von dort aus würde er, wenn man ihn nicht niederzwingen würde, unbeirrbar die gesamte Erde erobern. An diesem Steckbrief ließen die westlichen Propagandastrategen nicht mehr herumdeuteln. Diese reflexmäßigen Reaktionsmechanismen trübten den Blick der Völker in groteskem Ausmaß dafür, dass sie durch ihre eskalierende Hochrüstung eigentlich immer mehr selbst die Ideale verrieten, um deretwillen sie jeweils das eigene System um jeden Preis verteidigen zu sollen meinten.“
Kollektives Paranoid
Auf dem höchsten Stadium der psychologischen Aufrüstung schließlich ist die auf beiden Seiten vorhandene Verfolgungsmentalität zu einem regelrechten bipolaren Verfolgungswahn, einem kollektiven Paranoid, ausgewachsen. Vor allem in Zeiten internationaler Spannungen wächst dieser Verfolgungswahn an und bewirkt durch das ihm zugrundeliegende abgrundtiefe Misstrauen, dass die Volksmassen in beiden Machtblöcken trotz dringend benötigter sozialer Verbesserungen nicht nur erhebliche Rüstungsanstrengungen hinnehmen, sondern diese zum Teil auch noch fordern, während die damit verbundene Selbstgefährdung zugleich nahezu vollständig ausgeblendet wird. Richter nennt drei charakteristische Momente des kollektiven Paranoids:
- Jede Seite fühlt sich in der Rolle eines unschuldig Verfolgten und erwartet vom Gegner nichts als rücksichtslose brutale Aggressivität. Diese kollektiv neurotische Angstprojektion geht einher mit der Unfähigkeit zu selbstkritischer Wahrnehmung, was das Unrecht betrifft, das die eigene Seite ausübt. Da man sich selbst auf der Seite des absolut Guten sieht, während es selbstverständlich immer die andere Seite ist, die das „Reich des Bösen“ verkörpert, erscheint jede erdenkliche Form der Gewalt zur Abwehr des Gegners als gerechtfertigt: „Unsere nuklearen Sprengköpfe sind rein und gut, sie sind uns moralisch geradezu aufgezwungen zur Verteidigung gegen das Böse, das drüben auf unsere Vernichtung oder zumindest Unterjochung lauert.“
- Durch einseitige Selektion der Wahrnehmung wird beim Gegner alles ausgeblendet, was der Feindbildprojektion widersprechen könnte. Die andere Seite kann Abrüstungs- oder Verhandlungsvorschläge unterbreiten, soviel sie will – stets erscheinen ihre Maßnahmen als neuerliche Beweise ihrer Bösartigkeit, die auch vor den hinterlistigsten und raffiniertesten Täuschungsmanövern nicht zurückschreckt, wenn es darum geht, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu schwächen.
- Damit erhält der kollektive Verfolgungswahn, wie jeder Wahn, das Moment von Unkorrigierbarkeit: „Positive Veränderungen beim Verfolger, die zu einem Abbau von Misstrauen anregen könnten, werden gar nicht oder nur ungenügend beachtet. Das wahnhaft verankerte Verfolgungskonzept gibt dem vermeindlichen Verfolger kaum eine Chance, sein Image zu revidieren.“ Stattdessen werden ständig Informationen gebraucht, die den Wahn erneut anheizen, da eine Schwächung des absoluten Feindbildes auch die eigene Selbststabilisierung erheblich erschüttern würde.
Eine besondere Gefahr des kollektiven Paranoids liegt nicht zuletzt in der Tendenz zur kreisförmigen Selbstverstärkung, „indem jede Seite die andere Seite, wie unbewusst auch immer, zur Eskalation des Bösen treibt, das sie auf jene projiziert. Wenn man aus paranoidem Argwohn auf der Gegenseite stets eher das Negative ernst und somit bestimmend für das eigene Handeln nimmt, werden gerade solche Entwicklungen gefördert, die man eigentlich um jeden Preis verhindern will.“
Darüber hinaus hat der Verfolgungswahn jedoch auch innerhalb des eigenen Machtbereiches eine fatale Tendenz zur Folge: Da die wahnhafte Mentalität kollektiv vorhanden ist und somit als ‚normal‘ gilt, erscheint jeder Versuch auszubrechen als verdächtig. Wer auch nur Verständnis dafür äußert, dass sich der Gegner durch die Rüstungsanstrengungen der eigenen Seite bedroht sehen könnte, gerät bereits schnell in den Ruf, ein feindlicher Agent im eigenen Lager zu sein. Indem er die Wahnfixierung der Mehrheit bedroht, läuft er Gefahr, in eine Außenseiterrolle gedrängt zu werden und den Hass der Mehrheit auf sich zu ziehen.
Und heute?
Soweit Horst-Eberhard Richters vor 45 Jahren formulierte Gedanken zur psychologischen Aufrüstung. Wem dessen Begriff des „kollektiven Paranoids“ für die aktuelle Situation als zu überzogen vorkommt, den lade ich ein, sich z.B. einmal die Reaktionen zum „Leipziger Drohnenvorfall“, die aktuellen Debatten im EU-Parlament zum Ukrainekrieg, dieVerlautbarungen eines bestimmten christdemokratischen Bundestagsabgeordneten zum selben Thema oder analoge Äußerungen dessen ‚Zwillings im Geiste‘, dem stellvertretenden Leiter des russischen Sicherheitsrats, Dmitrij Medwedew, anzuschauen.
Ein flüchtiger Blick genügt.
Erstveröffentlichung bei Globalbridge



An die Zeiten kann ich mich noch erinnern, allein die Anzahl (7300) der Stationierten Atomwaffen in Westdeutschland! In der DDR muss der Bestand an Atomwaffen ähnlich hoch gewesen sein.
Und heute werden die restlichen Atomwaffen für einen Begrenzten Nuklearkrieg bereit gehalten um doch noch mit einem Erstschlag den Krieg überhaupt gewinnbringend zu beenden.
Tatsächlich ist das zum Teil der Logik des Atomkriegs geschuldet. Der Gegner hat fünf Atomraketen? Dann brauchen wir sieben. Denn wenn der Gegner fünf von uns vernichtet, brauchen wir noch zwei, um einen Zweitschlag durchführen zu können. Anders ist Abschreckung nicht möglich.
Das ist die defensive Haltung. Selbst hier besteht die Notwendigkeit, mehr zu haben als der Gegner. Erst recht natürlich bei offensiver Haltung. So kam es dazu, dass im Kalten Krieg genügend Atomwaffen vorhanden waren, um die gesamte Menschheit 100-fach auszulöschen. Einziger Ausweg aus diesem Dilemma sind Abrüstungsverhandlungen. Zu denen die Parteien im Kalten Krieg noch in der Lage waren. Heute nicht mehr.
Leo Ensel meint nun, unsere wohlmeinenden Politiker seien von einer Paranoia befallen, es werde sich alles zum Guten wenden, wenn man ihnen das richtig erklärt.
Wie stets werde ich dem widersprechen. Dort in Berlin sitzen wieder die, die schon vor ’45 dort saßen. Völlig frei von Paranoia.
Nur mal am Rande, „Warschauer Pakt“ war die abwertende Bezeichnung im Westen, offiziell hieß das Warschauer Vertrag. 😉
> Richters zentrale These: Die wechselseitigen Feindbilder beider Machtblöcke hätten sich zu einem bipolaren Verfolgungswahn, einem kollektiven Paranoid, gesteigert, das mit jeweils umgekehrten Vorzeichen die Bevölkerungen in Ost und West erfasst habe
Ost und West im kalten Krieg standen sich tatsächlich diametral gegenüber. Der Sozialismus will den Kapitalismus abschaffen und umgekehrt. Dieser Antagonismus ist intrinsisch und nicht auflösbar. Da muss sich nichts hochsteigern. Man kann wegschauen, aber da ist das immer.
Klar gab es auch eine Emotionalisierung. Aber zu behaupten ohne wäre das Problem weg ist tatsächlich leider falsch.
Mit dem Waffengleichgewicht hatte man aber tatsächlich einen Modus gefunden, warum es keinen Sinn macht sich gegenseitig anzugreifen. Schön wäre natürlich gewesen man hätte sich gegenseitig auf immer weniger Atomwaffen runterverhandelt. Theoretisch bis auf 0.
Wir haben aber nur einen Machtblock und das sind die Superreichen aller Länder die sich zusammengeschlossen haben uns zu vernichten.
Der Krieg geht gegen uns, denn die herrschende Klasse braucht uns nicht mehr.
Das ergibt aber keinen Sinn. In einem Atomkrieg würden alle vernichtet werden. In einem Bunker könntest du zwar eine weile überleben aber a) wirst du den nicht mehr rechtzeitig erreichen b) musst du irgendwann wieder rauskommen und dann strahlt immer noch alles.
Übrigens wenn man sich mal anschaut wer die Aktien hält, das sind große Fonds. Die Anteilseigner der Fonds sind dann am Ende kleine Leute oft Pensionsfonds. Die „bösen Milliardäre“ sind das gar nicht mal. Blackrock ist übrigens eine Fondsgesellschaft. das sind viele börsennotierte Fonds.
Sie werfen mit Nebelkerzen. Die Anteilseigner sind nicht diejenigen, die bei Blackrock die Entscheidungsgewalt haben. Diejenigen die entscheiden sind allerdings in der Regel tatsächlich Milliardäre oder mindestens Millionäre. Ob sie „böse“ sind weiß ich nicht, jedenfalls sind sie in einem System gefangen, das auf Macht- und Habgier beruht. Ihre kindlich, naive Zuschreibung dient doch lediglich dazu, die Allgemeinschädlichkeit diese Finanzsystems zu verschleiern und die Kritik daran zu desavouieren.
Ist das eigentlich ein umgekehrter „Fountainhead“ (Ayn Rand)? Wer wird die alimentieren wenn sie uns alle getötet haben?
Ich meinte „Atlas Shrugged“. Olle Zensur lässt weder Korrektur zu noch das man auf seinen „unter Prüfung“ Beitrag antworten könnte.
Genau diese sogenannte „Stationierung von Mittelstreckenraketen und Marschflugkörpern in Westeuropa“ ist das, was damals in letzter Minute verhindert wurde.
Letzten Ende war in den Kriegsspielen der Generalstäbe damals klar geworden, dass daraus nichts als gegenseitige Zerstörung resultiert, es also gar kein Krieg im ehemaligen Sinn sein würde. Nur die billigste und unausweichlichste Art der Selbstvernichtung.
„Die Grünen“ der 1980er hatten ihr Programm fast vollständig auf diese Problematik abgestellt, und waren auch in der Lage das sachlich darzustellen. Zumindest bis zum ‚mysteriösen‘ Doppel-Selbstmord von Frau Kelly und ihrem Mann. Wer wirklich dahinter steckte ist sicher sehr mysteriös.
Einspruch, Euer Ehren ! Damals wie heute
gibt es KEINE kollektive Paranoia. Diese gibt es ausschließlich unter bestimmten Politikern und Militärs. Dazu gibt es eine Gruppe, die an den Waffen prächtig ver-dient, und die hoffen, dass schon nichts
passiert.
Korrekt, die Zusammenhänge wurden kürzlich von einer 17jährigen Schülerin besser und prägnanter dargestellt als in diesem langen und umständlich argumentierenden Artikel.
https://www.youtube.com/watch?v=NFvB4mmLQvA
Einspruch, Euer Ehren ! Eine kollektive Paranoia gab es damals und gibt es auch heute nicht. Allenfalls unter bestimmten Politikern und Militärs grassiert eine. Dazu gibt es eine Gruppe die an der Her-stellung von Waffen prächtig verdient, die hoffen, dass es zum ultimativen Krieg nicht kommt und sie weiterproduzieren
(lassen) können .
Warum musste ich bei »Initiativen« sofort an LGBTQ, Klimakleber und (ganz frisch aus dem Kalender) Einheitsdebatte sowie Wehrdienst-Protest denken?
Einerseits werden die zeitweiligen Begegnungen dieser Tage auch zunehmend unterbunden. Und rückblickend darf man durchaus sagen, dass der »Eiserne Vorhang« von beiden Seiten gewollt und gepflegt wurde.
Da erscheint doch sofort als aktuelles Beispiel Israel, die »Totalisierung« findet ihren Ausdruck im Begriff „Antisemitismus“.
Wo das gerade in seiner gruseligen Blüte bis zur Vollendung fiktional dargestellt wird, ist die US-Serie »Special Ops: Lioness«. Punkte 1-3 springen einem dort geradezu an, wobei »Positive Veränderungen beim Verfolger, die zu einem Abbau von Misstrauen anregen könnten…« von vornherein komplett in der letzten Staffel dieser Serie unterschlagen werden, scheinbare positive Veränderungen also nicht einmal am Rande beobachtet werden können.
Nein, das ist zweifellos der Ist-Zustand, dabei steht die Frage im Raum, warum viele, die das erkennen, sich an ihrer verzweifelten und aktiven Ignoranz klammern?
Auch ich muss hier widersprechen: Die Atombombe zwingt ihrem Besitzer nicht das Bild von einem absoluten Feind auf.
Ja, das war im kalten Krieg, woher die These stammt, definitiv so, aber das macht es nicht für allgemein gültig.
China hat Atombomben und ich sehe nicht wie die einen „absoluten Feind“ aufbauen. Ich weiss zumindest nicht dass die jemals gegen Taiwan mit dem nuklearen Säbel rasselten.
Südafrika hatte die Bombe und hat sie freiwillig aufgegeben.
Umgekehrt hat der Iran einen „absoluten Feind“ und strebt zumindest offiziell keine Atombombe an.
Es ist nicht die Bombe die einem einen absoluten Feind aufzwingt: Es ist, wer diese Waffe möglicherweise einsetzen will, ist gezwungen seinen Gegner deswegen zum absoluten Feind aufzubauen. Und damit meine ich nicht bloss die Bombe, sondern auch den restlichen radioaktiven Dreck ala DU-Munition, der langfristig weitaus gröbere Schäden anrichtet als eine einzelne Bombe es täte (man vergleiche zb die Leukämie-Fälle in Falluja mit denen damals in Hiroshima und Nagasaki*). Schaut mal nach was der Durchschnitts-Ami so über die Iraker denkt..
Die kollektive Paranoia oder psychologische Aufrüstung ist was anderes, da sind wir uns glaub alle einig wie wir den Psychopathen dabei täglich zuschauen können.
* Das ist ein blöder Vergleich, weil wen die Feuerwalze erwischt wird kaum als Leukämie-Statistik aufgeführt, aber es zeigt wie schlimm diese Munition ist.