Journalisten und Politiker: Weltanschaulich eng miteinander verbunden

Dunja Hayali mit Ivanka Trump
usbotschaftberlin, Public domain, via Wikimedia Commons

Dunja Hayali erhielt kürzlich einen Ehrenreis von Markus Söder überreicht. Der bayerische Ministerpräsident nennt das »ein Statement und Zeichen des Respekts«.

Über die Verquickung von Politik und Medien hat Marcus Klöckner in seinem Buch »Sabotierte Wirklichkeit« berichtet. Folgend ein Textauszug.

Dieses Foto6 muss man auf sich wirken lassen: Da steht der SPD-Politiker Olaf Scholz (Teilnehmer an der Bilderberg-Konferenz7) im edlen Zwirn auf einem roten Teppich, rechts neben ihm direkt an der Seite Caren Miosga, Journalistin und Moderatorin der Tagesthemen, und links neben ihm, Julia Jäkel, die mächtige Verlagsfrau von Gruner + Jahr (Teilnehmerin an der Bilderberg-Konferenz). Die drei präsentieren sich vor versammelten Fotografen. Es ist der 28. April 2017. Jener Tag, an dem in Hamburg der Henry-Nannen-Preis8 an herausragende Journalisten verliehen wird.

Medien in Partylaune

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Miosga hat an diesem Abend die Moderation übernommen. Zu sehen sind Bilder von Spitzen aus Medien, Kultur, Wirtschaft und Politik. Bilder wie diese, auf denen sich Journalisten bei unterschiedlichen Anlässen ablichten lassen, ganz so, als seien sie Teil der Celebrities, als seien sie Stars, Hollywoodschauspielern gleich, finden sich viele im Netz. Da spielt die Frage, ob sich ein Journalist gemeinsam lächelnd mit einem Politiker auf einem ›Laufsteg‹ präsentieren und fotografieren lassen sollte, längst keine Rolle mehr. Die zu sehenden Journalisten haben die Frage offensichtlich für sich beantwortet. Teile der journalistischen Elite in Deutschland scheinen kein Problem damit zu haben, gemeinsam am Abend mit Politikern zu feiern – ganz so, als ob hier jene roten Warnlampen, die die Grenzen zwischen Journalisten und Politikern markieren, nicht existierten.

So lässt sich auch erklären, dass der Spiegel seine »Hauptstadtparty« gemeinsam mit Politikern feierte. Unter dem Link in dieser9 Fußnote finden sich Bilder, die der Spiegel selbst publiziert hat. Sie zeigen etwa, wie Spiegel-Redakteur Ralf Neukirch mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer um die Wette strahlt, sich der Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros, Rene Pfister, unter anderem mit Bundesjustizministerin Katarina Barley oder der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey charmant lächelnd unterhält, oder der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner die Hände von führenden Spiegelredakteuren schüttelt. Die Unbekümmertheit im Umgang der Medienelite mit hochrangigen Politikern lässt auch verstehen, wie etwa beim 70-jährigen Jubiläum der Welt am Sonntag die beiden Gruppen gemeinsam miteinander feiern konnten.

Nicht nur, dass das Medienunternehmen den Teppich ausgerollt und die Fotowand zum Ablichten der Gäste aufgestellt hat, nein, die Eröffnungsrede durfte gar ein Politiker halten. Das Blatt selbst hatte auch nicht zu verschweigen, dass es gemeinsam mit Politikern feierte – im Luxushotel The Fontenay, direkt an der Alster (Zimmerpreise zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Euro die Nacht). Im Gegenteil. Die Zeitung berichtete transparenter, wie es kaum sein konnte. Im Vorspann eines Artikels über die Feier heißt es: »Gut 200 Gäste kamen, darunter viele prominente Vertreter aus Politik, Kultur und Medien: Die Axel Springer SE ließ die vor 70 Jahren in Hamburg gegründete WELT AM SONNTAG im ›The Fontenay‹ hochleben.«10

Medien und Politik als Partner

Nochmal in Zeitlupe: Journalisten, Politiker und andere Eliten lassen in einem Luxushotel gemeinsam eine Zeitung »hochleben«. An dieser Stelle könnte man annehmen, dass der Grad an Absurdität nicht weiter gesteigert werden kann. Doch es ist tatsächlich noch Luft nach oben. In seiner Rede zu Ehrung des Blattes sagte der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) unter anderem:

»Wenn die Meinungsbildung im Netz am etablierten öffentlichen Diskurs vorbeiläuft, dann können Sie Ihrer Aufgabe als Journalistinnen und Journalisten kaum mehr nachkommen, nämlich Dinge einzuordnen, zu analysieren, Fakten zusammenzutragen, zu diskutieren, zu bewerten. Dabei scheint das gerade angesichts der nahezu unüberschaubaren Vielfalt an Informationen und Meinungen unserer heutigen Medienwelt wichtiger denn je. Wie wollen, wie können wir darauf reagieren? Journalismus und Politik tragen ohne Zweifel eine große Verantwortung dafür, dass die demokratische Meinungsbildung lebendig bleibt.«11

Diese Zeilen, aber auch die gesamte Rede, lassen sehr schön erkennen, wie die Verbundenheit zwischen Eliten aus Politik und Journalismus aussieht.12 Sie gewähren einen Einblick in die Sphären der ­sozialen Kohäsion zwischen Journalisten und Eliten, die in der öffentlichen Diskussion in der Regel kaum Beachtung findet. Neben der oberflächlichen räumlichen Nähe zwischen Politikern und Journalisten kann auch eine ideologische Nähe zwischen den beiden Gruppen beobachtet werden. So groß die Differenzen zwischen Journalisten und Politikern – die sich hauptsächlich im Bereich von Nebensächlichkeiten finden lassen – bisweilen auch sind: So sehr funktionieren viele Berichterstatter und Parlamentarier in nahezu identischer Taktung, wenn es um die Grundsätzlichkeit der Politikausrichtung geht. (…)

Der etablierte öffentliche Diskurs

Anders gesagt: Die politische und weltanschauliche Verbundenheit von zumindest einem Teil der Politiker und Journalisten führt dazu, dass beide Gruppen kaum noch jene grundsätzlich gesunde kritische (mentale) Distanz haben sollten, die im Sinne der Demokratie notwendig ist. Stattdessen erblinden die Wächter der Demokratie ­zunehmend und werden immer unfähiger, zentrale politische Weichenstellungen mit dem notwendigen Druck und auch mit der notwendigen Schärfe zu kritisieren.

Wie sollen Journalisten auch grundsätzliche politische Fehlentscheidungen kritisieren können, wenn sie diese publizistisch durch ihre Arbeit aus voller Überzeugung flankieren? Mit diesen Gedanken im Hinterkopf ist man nicht im Geringsten verwundert, wenn Scholz in seiner Rede sagt: »Dabei scheint das gerade angesichts der nahezu unüberschaubaren Vielfalt an Informationen und Meinungen unserer heutigen Medienwelt wichtiger denn je. Wie wollen, wie können wir darauf reagieren?«13

Der SPD-Politiker gebraucht in seiner rhetorischen Frage tatsächlich das Wörtchen »Wir«. Der Politiker dürfte an dieser Stelle gewusst haben, dass er nicht auf den geringsten Widerstand stoßen wird, wenn er Journalisten an dieser Stelle durch das »Wir« vereinnahmen würde. Es besteht nun einmal Einigkeit zwischen vielen führenden Politikern und Journalisten darin, dass »die Meinungsbildung im Netz«, die am »etablierten öffentlichen Diskurs vorbeiläuft«, ein Problem darstellt. Lassen Sie uns an dieser Stelle diesen Abschnitt der Rede genauer betrachten, denn hier wird sehr schön deutlich, wie die ideologische Verbundenheit zwischen Politikern und Journalisten aussieht: »Wenn die Meinungsbildung im Netz am etablierten öffentlichen Diskurs vorbeiläuft, dann können Sie Ihrer Aufgabe als Journalistinnen und Journalisten kaum mehr nachkommen, nämlich Dinge einzuordnen, zu analysieren, Fakten zusammenzutragen, zu diskutieren, zu bewerten.«

Problemlose Medien

Zunächst fällt auf, dass die Wenn-dann-Satzverbindung inhaltlich unpräzise ist. Frage: »Wenn die Meinungsbildung im Netz am etablierten öffentlichen Diskurs vorbeiläuft«, warum sollten dann Journalisten ihren Aufgaben, wie »Dinge einzuordnen, zu analysieren, Fakten zusammenzutragen, zu diskutieren« nicht mehr nachkommen können? Die Meinungsbildung im Netz hält sie schließlich nicht von ihrer Aufgabe ab.

Was Scholz vermutlich sagen wollte: Wenn sich Bürger ihre Meinung auch mit Hilfe des Internets bilden und dabei Ansichten entwickeln, die am »etablierten öffentlichen Diskurs«, wie ihn unter anderem Politik und Mainstreammedien erzeugen, entgegenstehen, dann bildet sich ein Gegengewicht zum Diskurs der Mainstreammedien. Für Journalisten, die mit ihren Medien diesen »Mainstreamdiskurs« am Leben halten wollen, ist die Meinungsbildung im Netz insofern natürlich ein Problem, weil Teile der Bürger ihren Analysen und Ansichten nicht (mehr) akzeptieren.

Mit einer gehörigen Portion Naivität könnte man an dieser Stelle fragen, warum Scholz als Politiker sich um den »etablierten öffentlichen Diskurs« und die Arbeit der diskurserzeugenden Journalisten Sorgen macht. Offensichtlich scheint er – als Politiker – mit dem »etablierten öffentlichen Diskurs« keine sonderlich großen Probleme zu haben und eher die Meinungsbildung im Netz als Gefahr zu betrachten. Für Journalisten sollten Scholz’ Aussagen Anlass geben, die eigene Arbeit radikal zu überdenken, schließlich kommt hier in aller Deutlichkeit zum Vorschein, dass ein Politiker im Großen und Ganzen mit dem Diskurs, wie ihn die großen Medien erzeugen, einverstanden zu sein scheint – was kein Wunder ist, schließlich zeichnet sich dieser Diskurs eben nicht durch einen hohen Grad an Herrschaftskritik aus, wie es eigentlich der Fall sein sollte (seine Teilnahme an der Bilderberg-Konferenz war und ist für die großen Medien weitestgehend kein Thema).

Richtungslenkung per Medien

Aber das Problem geht tiefer. Worüber redet Scholz wirklich? Ist Scholz tatsächlich über die Arbeit der Journalisten besorgt, die mit den alternativen Diskursen im Internet konkurrieren müssen? Möglich ist das. Mit einer gehörigen Portion Naivität gedacht ließe sich sagen, dass Scholz als demokratischer Politiker natürlich ein großes Interesse daran hat, dass die sogenannten Qualitätsmedien, die vorgeben, mit ihrer Arbeit für einen Journalismus zu stehen, den höchsten Standards gerecht wird, nicht angezählt werden.

Nur: An dieser Stelle ist Naivität fehl am Platz. Mit einem herrschaftskritischen Blick lässt sich sagen: Politiker, denen es nun mal oft um Macht geht, haben ein sehr eigenes Interesse daran, dass Bürger jene Grenzen des Diskurses nicht überschreiten, die genau festlegen, wie weit die Kritik an der Macht, die im politischen Feld verwurzelt ist, gehen darf – und im etablierten öffentlichen Diskurs werden diese Grenzen nahezu perfekt eingehalten. Für Politiker – wir haben es bereits weiter vorne angesprochen – ist es sehr wichtig, dass sie in der Lage sind, bestimmte Wahrnehmungskategorien innerhalb der Bevölkerung, durchzusetzen.

Politiker müssen darauf achten, dass ihre Politikausrichtung (Agenda 2010, Umgang mit Russland und so weiter) von Medien unterstützend widergegeben wird. Würden sich Medien dauerhaft gegen bestimmte politischen Weichenstellungen erheben, hätten Politiker gewaltige Probleme damit, das Denken der Bürger in eine Richtung zu lenken, das zur Durchsetzung ihrer Politik notwendig ist. Bilder wie etwas das vom »faulen Arbeitslosen«, vom »Aggressor Russland« und so weiter können als Wahrnehmungskategorien identifiziert werden, die dazu dienen, dass die jeweilige Politikausrichtung Akzeptanz durch die Bürger erfährt.

Gelingt es Politikern andererseits nicht, solche zentralen Wahrnehmungs- und Denkkategorien zu etablieren, droht nicht nur ihre jeweilige Politik zu scheitern, sondern auch ein Machtverlust, spätestens bei den nächsten Wahlen. Wer sich mit den Diskursen, wie sie in den Mainstreammedien, auf der Straße und im Internet zu finden sind, auseinandersetzt, sieht schnell, dass es gewaltige Unterschiede gibt.

Der Kit, der das politische und journalistische Feld zusammenhält

Der politische Diskurs im medialen Mainstream ist geprägt von einer Berichterstattung, die im Grundsatz oft zentrale politische Weichenstellungen unterstützt (Stichwort: Indexing14), aber vor allem auch die getarnten Mechanismen von Macht und Herrschaft (machtelitäre Strukturen, Stichwort: Elitezirkel, Thinktanks et cetera)15 kaum beleuchtet. Im Internet hingegen finden sich Diskurse, die zentrale politische Weichenstellungen im Grundsatz massiv kritisieren und kein Problem damit haben, Macht und Herrschaft als Macht und Herrschaft zu bezeichnen. So betrachtet erscheinen die Worte von Scholz in einem ganz anderen Licht. So betrachtet liegt es sehr nah, dass Politiker, die einem »etablierten öffentlichen Diskurs« und Mainstreammedien Zuspruch leisten, eigene Interessen an der Vorherrschaft dieses Diskurses haben.

Die Worte von Scholz offenbaren den Kit, der politisches und journalistisches Feld zusammenhält. Während der (für Politiker gefällige) »etablierte öffentliche Diskurs« Politikern zum Forcieren ihrer Politik und zum Machterhalt dienlich ist, haben die diskurserzeugenden Medien sowohl ein eigenes Machtinteresse (schließlich können anziehende Außenseiterdiskurse der alternativen Medien die Deutungshoheit der Mainstreammedien untergraben – siehe etwa die Berichterstattung über Russland –, was dann zu einem Glaubwürdigkeitsverlust, damit zu einem Verlust an Lesern und schließlich zu einem ökonomischen Verlust durch geringe Einnahmen führen kann), als auch ein ideologisches Interesse an der Aufrechterhaltung des etablierten Diskurses. Das heißt: Viele Medien, das lässt sich immer wieder beobachten, ›tragen Politik mit‹ – was sie nicht tun, weil sie bestochen wurden, sondern weil sie von der Politik (mehr oder weniger) auch überzeugt sind.

Mit diesen Gedanken rücken jene Vorwürfe frei sichtbar in den Vordergrund, die Medienkritiker Journalisten immer wieder machen, nämlich: dass sie Sprachrohre der Mächtigen seien und sich Politikern mehr verpflichtet fühlten als dem durchschnittlichen Bürger und der Aufklärung von Missständen.

Einige Beispiele

Die Tatsache, dass immer wieder hochrangige Journalisten in den politischen PR-Bereich bzw. das politische Feld wechseln, um für Politiker zu arbeiten (und dann auch wieder aus dem politischen Feld zurück in den Journalismus gehen), lässt auch aufhorchen.

Anbei einige Beispiele:16

  • Stefan Seibert, Journalist und prominenter Moderator der ZDF-Nachrichtensendungen »heute« und »heute-journal«, wechselte 2010 das Seiten. Seit der Zeit ist er Regierungssprecher der Bundesregierung.
  • Ulrike Demmer, Journalistin, früher bei Focus, dann im Hauptstadtstudio beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (Verlagsgruppe Madsack), wechselte im Sommer 2016 ebenfalls den Arbeitgeber. Heute ist sie stellvertretende Regierungssprecherin.
  • Anna Engelke, Journalistin und Leiterin des NDR-Hörfunkstudios im Hauptstadtbüro der ARD, ist seit 2017 Sprecherin des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.
  • Sabine Adler, war unter anderem Korrespondentin beim Deutschlandradio (in der Berliner Parlamentsredaktion), wurde dann Sprecherin des Deutschen Bundestages. Nach kurzer Zeit wechselte sie wieder zurück in den Journalismus.
  • Annekarin Lammers, viele Jahre ARD-Korrespondentin, wechselte als Leiterin der Abteilung Presse und Marketing zur Bundesagentur für Arbeit.
  • Martina Fietz, ehemals Chefkorrespondentin beim Focus, wurde stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung.17

Auch an der Stelle könnte man sich dieser Realität mit Naivität nähern. Es wäre einfach zu betonen, dass es für Journalisten hilfreich sein kann, auch mal die Branche zu wechseln, genauere Einblicke ins politische Geschäft zu bekommen. Davon könnte, so weitergedacht, doch später bei einer Rückkehr ins journalistische Feld die eigene Arbeit profitieren, schließlich konnte man das eigene Verständnis über die Politik, über die man berichtet, durch die gewonnenen Einblicke schärfen. Des Weiteren ließe sich sagen, dass Journalisten schließlich freie Menschen in einem freien Land sind.

Ideologische Komplizenschaft

Wer Journalist ist, ist schließlich nicht verpflichtet, immer in diesem Beruf zu bleiben. Warum sollte ein Journalist, der einen gut dotierten Job bei der Regierung bekommt, nicht darauf zugreifen, wenn er es möchte? Vordergründig sind diese Überlegungen sicherlich zutreffend. Aber sie führen weg vom Kern des Problems. These: Wer als Journalist ins politische Feld zu einer der großen Parteien wechselt, hat ein gesellschaftliches und politisches Wirklichkeitsverständnis internalisiert, das in einem hohen Maße im Einklang mit dem Wirklichkeitsverständnis steht, wie es im politischen Feld vorherrscht. Wer als Journalist bereit ist, als Pressesprecher für eine politische Führungsfigur zu fungieren, wird kaum eine fundamental andere politische Überzeugung haben als die, die der Politiker, für den er nun spricht, vertritt.

So betrachtet erscheint der Wechsel ins politische Feld in einem anderen Licht. Haben Journalisten, die irgendwann Pressesprecher eines Politikers oder einer politischen Institution werden, zuvor tatsächlich jenen Journalismus unter Beweis gestellt, der von echten Wächtern der Demokratie erwartet wird? Haben sie die sichtbaren und unsichtbaren Strukturen von Herrschaft und Macht ausgeleuchtet und fundamental kritisiert? Man mag einwenden, dass der Anteil der Journalisten, die in den politischen PR-Bereich wechseln relativ gering ist. Nur:

Bei einer Berichterstattung, die, sich insgesamt immer wieder durch eine hohe ideologische Komplizenschaft mit der vorherrschenden Politik auszeichnet, wäre es nicht verwunderlich, wenn, bei entsprechend vorhandenen Stellen und Gelegenheiten, ein weitaus größerer Teil der politischen Journalisten, die Seiten wechseln würde. (…)

 

Fußnoten

6 Meedia.de. Fotogalerie. https://meedia.de/2017/04/28/nannen-preis-die-besten-bilder-von-gruner-jahrs-feierstunde-fuer-den-journalismus/#henri-nannen-award-in-hamburg-27 [Zugriff: 30. Mai 2019].
7 Klöckner, Marcus: »Olaf Scholz – ein Bilderberg« NachDenkSeiten, 12. Februar 2018. https://www.nachdenkseiten.de/?p=42376 [Zugriff: 30. Mai 2018].
8 Die Verleihung des Henry-Nannen-Preises 2019 fand in einem etwas dezenteren Rahmen statt. Dazu Meedia.de: »Der Preis wurde in einem deutlich kleineren Rahmen in der Kantine des Gruner + Jahr-Verlagsgebäudes vergeben. 2018 hatte die Verleihung noch in den Elbphilharmonie stattgefunden. ›Früher war mehr Lametta‹, sagte Moderatorin Marietta Slomka. Dass G+J beim diesjährigen Nannen Preis auf Pomp und Prunk verzichtet, liegt an dem Betrugsfall Claas Relotius. t.« Lipinski, Gregory: Nannen-Preis 2019: SZ Magazin-Reporter Bastian Berbner holt den begehrten Egon Erwin Kisch-Preis. Meedia.de, 23. Mai 2019. https://meedia.de/2019/05/25/nannen-preis-2019-sz-magazin-reporter-bastian-berbner-holt-den-begehrten-egon-erwin-kisch-preis/ [Zugriff: 11. Juli 2019].
9 Spiegel-Hauptstadtparty. Fotomaterial zum Empfang im Berliner Spiegel-Büro, 19. März 2018. http://www.spiegelgruppe.de/spiegelgruppe/home.nsf/Navigation/D2C4FDF28F50B6A0C1258255003C1F69?OpenDocument [Zugriff: 11Juli .2019] bzw. hier Fotos der Spiegel-Hauptstadtparty im Jahr 2019: http://www.spiegelgruppe.de/spiegelgruppe/home.nsf/Navigation/DBD8F2C9523FA2CFC12583D700483FD0?OpenDocument [Zugriff: 30. Juli 2019].
10 Welt.de: »Party im The Fontenay. Welt am Sonntag feiert an ihrem Geburtsort« 18. September 2018. https://www.welt.de/regionales/hamburg/article181579798/Party-im-The-Fontenay-WELT-AM-SONNTAG-feiert-in-Hamburg-Geburtstag.html [Zugriff: 11. Juli 2019].
11 Scholz, Olaf: »Rede von Olaf Scholz zum 70-jährigen Bestehen der ›Welt am Sonntag‹« Bundesfinanzministerium.de, 18. September 2018. https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Reden/2018/2018-09-20-70-Jahre-WamS.html [Zugriff: 30. Mai 2019].
12 Vgl.: Klöckner, Marcus: »Journalisten und Politiker gemeinsam im ›Wir‹ vereint« NachDenkSeiten, 12. Oktober 2018. https://www.nachdenkseiten.de/?p=46488 [Zugriff: 30. Mai 2019].
13 Ebd.
14 Krüger, Uwe: »Medien im Mainstream. Problem oder Notwendigkeit?« APuZ 30–32/2016 22. http://www.bpb.de/apuz/231307/medien-im-mainstream?p=all [Zugriff: 12. Mai 2019].
15 Vgl. Forschungsarbeit von Dieter Plehwe. https://www.wzb.eu/de/forschung/beendete-forschungsprogramme/economic-governance/dieter-plehwe-publikationen [Zugriff: 19. August 2019].
16 Bouhs, Daniel; Leidinger, Saskia: »Seitenwechsler: Journalisten als Pressesprecher« Zapp, NDR.de, 28. Februar 2017. https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medienpolitik/Seitenwechsler-Journalist-werden-Pressesprecher,pressesprecher106.html [Zugriff: 24. April 2019].
17 Bartl, Marc: »›Focus Online‹: Daniel Steil macht Margarete van Ackeren zur Chefkorrespondentin« Kress.de, 14. Mai 2018. https://kress.de/news/detail/beitrag/140212-focus-online-daniel-steil-macht-margarete-van-ackeren-zur-chefkorrespondentin.html [Zugriff: 29. Mai 2019].

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36 Kommentare

  1. Seit August 2022 ist Steffen Seibert
    Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel.

    Nur die “Besten” werden Außendienst Mitarbeiter mit der höchsten Verantwortung auf dem Diplomatischen Parkett!

    1. Wusste ich gar nicht. Na, dann ist er jetzt ja im Brennpunkt des Geschehens. Oder wurde er schon evakuiert? Meine Freundin arbeitet an der Botschaft. Offenbar hält sie einen Herrn seibert nicht für wichtige Neuigkeiten.

  2. Stefan Seibert heißt eigentlich Steffen Seibert und ist seit dem Regierungswechsel nicht mehr Regierungssprecher sondern deutscher Botschafter in Israel.
    Staatssekretär Steffen Seibert war sowohl Sprecher der Bundesregierung als auch Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Er unterstand direkt Bundeskanzlerin Angela Merkel.
    https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/steffen-seibert-377052
    Der frühere Regierungssprecher Angela Merkels übernimmt als deutscher Chefdiplomat in Israel. Der israelische Präsident empfing Seibert offiziell in Jerusalem.
    https://www.zeit.de/politik/2022-08/steffen-seibert-israel-botschafter

  3. Ich lese ein regionales Blatt. Der Verlag sitzt in Ulm. Ich habe den Eindruck, dass die wichtigsten Kommentare zu überregionalen Themen von Mitarbeitern des RND kommen. Hinterfragt wird eigentlich nie etwas. Hinterfragt im Sinne, warum warum verhalten sich Entscheider so und warum nicht anders. Wo liegen die Risiken? Hilft uns das weiter? Ist das durch die Mehrheit der Bevölkerung gedeckt. Sind vorgelegte Zahlen akzeptabel? Was passiert hinter den Kulissen.
    Bei Google habe ich gefunden:
    Ein Journalist [ʒʊʁnaˈlɪst] (von französisch journaliste [ ʒʊʁnaˈlɪst]) ist tätig mit der Sammlung, Aufbereitung und Verbreitung von Nachrichten sowie zugehörigen Kommentaren und Beiträgen und hat Einfluss auf die öffentliche Meinung.
    Da steht nichts von Aufklärung oder kritischem Hinterfragen. So ist auch die Wirklichkeit. Leider

  4. Deutschland ist das einzige Land, wo Mangel an politischer Befähigung den Weg zu den höchsten Ehrenämtern sichert.
    Carl von Ossietzky (1889 – 1938), deutscher pazifistischer Chefredakteur der “Weltbühne”, Schriftsteller und Symbolfigur des Widerstands gegen das NS-Regime, Friedensnobelpreis 1935

    traurig, immer noch aktuell, ohne weiteren Kommentar

    1. Es sind keine Ehrenämter* mehr. Man kriegt soviel Kies das man mit Pöbel nichts mehr gemein hat.
      Zumindest bei der heutigen Bedeutung von * Ehrenämter.

    2. Außerdem scheint mir die unentwirrbar verfilzte Phalanx aus Parteien, Medien, Oligarchen, Konzernen und Teilen der organisierten Kriminalität so wie des Verwaltungsapparates, der Justiz, die sich den Staat zur Beute gemacht hat, derart gefestigt, dass, zumal mit der seit Jahrzehnten systematisch und bewusst in großen Teilen spassverblödeten Bevölkerung Widerstand oder gar Abhilfe kaum möglich.
      Die Säuberungen gehen unterdessen unerbittlich weiter, Jetzt gerade scheint es Precht erwischt zu haben. Das Umweltministerium MacPom teilte wohl nonchalant mit, für die LG-Terminals vor Rügen wird es keine Umweltprüfung geben. Nur 2 Splitter aus dem Alltage der “Demokratie”

  5. Mit diesen Gedanken rücken jene Vorwürfe frei sichtbar in den Vordergrund, die Medienkritiker Journalisten immer wieder machen, nämlich: dass sie Sprachrohre der Mächtigen seien und sich Politikern mehr verpflichtet fühlten als dem durchschnittlichen Bürger und der Aufklärung von Missständen.

    Wieso sollten private Mitarbeiter von privaten (= in Privatbesitz befindlichen) Medien nicht mit Mitgliedern einer privatisierten Regierung einen Gründungstag eines privaten Massenmediums (MSM = MainStreamMedium) feiern?
    Oder verstehe ich da was falsch? Ist der Zielpunkt des Artikels ein ganz anderer? Soll uns suggeriert werden, daß Mitarbeiter privater Massenmedien theoretisch oder praktisch ja irgendeine Verpflichtung hätten, zum Wohl der Gesamtgesellschaft zu arbeiten statt ausschliesslich für ihren Arbeitgeber? Wo ist mein Denkfehler?
    Arbeitnehmer haben ihrem Arbeitgeber zu gehorchen. Punkt. Demokratie endet im privaten Arbeitsverhältnis.

    1. Nein, absolut richtig. Nur der Pöbel geht davon aus das er “Objektiv” informiert wird.
      Und die ÖRR-Anstalten wären eigentlich sogar verpflichtet dazu.

  6. Ulrike Demmer ist übrigens heute (2023) keine Regierungssprecherin mehr sondern wurde im Sommer 2023 zur Intendatin des Schlesinger-Senders RBB “gewählt”.

    Die Wahl war ziemlich chaotisch und war von Hinterzimmerdeals und vorzeitigen Rücktritten von Bewerbern begleitet. Am Ende blieb nur Demmer übrig. Ein Gutachten der RBB-Personalvertretung kommt zu dem Schluß das die Intendantenwahl auf Grund der Verletzungen der Chancengleichheit rechtswidrig gewesen sei. Auch die Auswahl der Bewerber und Bewerberinnen sei chaotisch und professionell verlaufen. Die Vorsitzendenden von Rundfunk und Verwaltungsrat des RBB seien mit ihren Aufgaben überfordert und müssten abberufen werden
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2023/09/rbb-personalrat-gutachten-intendantinnenwahl.html

    Keine Sorge beim RBB arbeitet man noch immer die Schlesinger-Korruption auf – da spielt die aktuelle mutmaßlich rechtswidrige Demmer-Wahl auch keine Rolle mehr …

  7. Ich finde das Titelfoto sehr beeindruckend. Deren Körpersprache wirkt, wie ein treffen zum späteren Date nach der Sendung.
    Zum Artikel, wie eingebettet ist der Journalismus mit der Politik, nu ja, Eppstein ‘didn’t kill himself’!

  8. das mit “stefan” seibert und ulrike demmer ist auch mir, und mit sicherheit auch der mehrheit der overton-leser, die sich für den themenkomplex journalistische unabhängigkeit interessieren (also mehr oder weniger alle overton-leser), sofort aufgefallen. wer also ausgerechnet noch auf einer verlagseigenen rezensions- und diskussionsplattform (s)ein buch bewirbt, das “guten” journalismus reklamieren möchte und dem dann solche mega-klöpse selbst nicht auffallen, kann doch sein papier gleich wieder einstampfen lassen, oder etwa nicht? und dass die redaktion / der westend-verlag daraufhin nicht sofort den autor aus dem bett scheucht, um sofort den artikel nachzubessern, scheint mir fast noch irrer. ein westentlich (korr., großartiger tippfehler: statt wesentlich westendlich ;o) schlimmeres eigentor ist sicherlich nicht nur vorstellbar und möglich, aber eigentor bleibt eigentor.

    1. Wenn das ein Textauszug aus dem Buch ist, können bestimmte Ereignisse zu dem Zeitpunkt des Schreibens des Buches noch nicht stattgefunden haben. Und der Name Stefan statt Steffen, achje.
      Ich finde Bernd Höcke auch nicht schlimm.

      1. was hatte das hier mit diesem höcker zu tun? “achje”.

        “nichts ist so alt wie die zeitung von gestern”… gilt also nicht für buchneuerscheinungen? wer journalistische sorgfaltspflicht reklamiert, sollte doch im sinne der eigenen glaubwürdigkeit besonders penibel auf seine eigene sorgfaltspflicht achten, um sich und sein eigenes anliegen nicht gleich von vorneherein selbst in frage zu stellen. ich fragte ja zu vor schon “oder nicht”? der autor hat das hier ja nicht “zum zeitpunkt der veröffentlichung”, sondern heute früh und vor allem selbst eingestellt. auch “mein” “fehler”, dass ich dachte, es handle sich hier um eine neuvorstellung?

  9. Dunja Halal hat den Preis vom Söder beispielhaft für integrationswillige Türken erhalten, nicht dafür, dass sie ihm als Journalistin irgendwann gefährlich werden könnte.
    So macht man sich mit der Annahme fragwürdiger Preise zum Opfer.

    Nur die Politik als Ländersache kann den öffentlich rechtlichen Rundfunk in der Form erhalten, in dem die Hälfte der Rundfunkgebühren von jährlich 8000 Mio. € als Rente an ehemalige Mitarbeiter gezahlt werden können. 4000 Mio. gehen jährlich anteilig an Frau Halal wenn sie ihr kritizistisches Tun in einem maroden und korrupten System bis zur Rente durchhalten kann.
    Man muss als Mitarbeiter im ÖRR nichts können, außer unzumutbare Arbeitsbedingungen zu ertragen. Man schaue sich bloß Intendanten-Wracks wie Tom Buhrow an. Mit einem Jahresgehalt von 350 000 € wird er wie ein Manager entlohnt, bekommt die Reform der ARD aber erwartungsgemäß nicht gemanaged.

  10. Ich erinnere mich an diese Dunja Hayali als Chefreporterin auf dem Maidan. Ganz große Begeisterung, dass Freiheit und Demokratie gewonnen haben, eine Begeisterung, die den Zuschauer mitreißen soll, ja muss. Maximale Entfernung von objektiver Berichterstattung war garantiert.

    Es war eben zu sehen, dass die deutsche Regierung diesen Naziputsch wo nur möglich gefördert hatte. Damit es nicht allzu sehr nach Unternehmen Barbarossa aussah, musste man eine Ausländerin nehmen. Hayali war die Idealbesetzung.

    Bis dahin hatte man angenommen, dass eine deutsche Reporterin ein klein wenig ins Zögern kommt, wenn ihr Lügen erzählt werden. Überhaupt nicht, auch nicht als ihr Regierungschef Jazeniuk übelste Geschichtsfälschungen ins Mikrofon sprach. Hayali war absolut begeistert. Selbst der Westen hat dann eingesehen, dass Jazeniuk nicht haltbar war. Ihr Nachfolger Poroschenko war sicher für Hayali eine Enttäuschung. Der ließ wenigstens die Geschichte in Ruhe.

    Aus ihrem Wikipedia-Eintrag:

    “Im Februar 2016 untersagte das Landgericht Hamburg per einstweiliger Verfügung einem Facebook-Nutzer beleidigende Hasskommentare auf der Facebook-Seite von Hayali. Das Gericht setzte bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro fest”

    Na das würden sich Politiker der Linkspartei auch wünschen. Die machen das jeden Tag mit. Aber der Staat tut nichts, auch nicht bei Morddrohungen. Hingegen die Chefpropagandistin weiß der Tiefe Staat zu schützen.

    1. Nun wenn sie am Ende erfolgreich ist wird sie in Dunja Halali umbenannt:
      “Das Halali ist sowohl ein verbaler Gruß aus der Jägersprache als auch ein traditionelles Tonsignal. Es ist im jagdlichen Brauchtum mit dem Ende einer Jagd …” (Aus WP)

    2. Was das nicht Golineh Atai in Kiew?

      Zitat aus Wikipedia: “Von Februar 2013 bis Sommer 2018 war sie für die ARD als Korrespondentin in Moskau tätig. Während des Euromaidan in der Ukraine berichtete Atai aus Kiew für die ARD.”

      1. Richtig, das war die furchtbare aber unverwechselbar näselnde Golineh Atai. Derzeit in Israel, und zwar für das ZDF. In Sachen Lügen, die jeden Durchschnittshalunken die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, macht dieser Frau niemand etwas vor, auch nicht die Hayali. Artur_C wird Atai sicher schon an sein Israelsolidarisches Herz geschlossen haben.

      2. Stimmt. Sorry, habe ich verwechselt.

        Allerdings hat die Hayali die Breitseite durchaus auch verdient. Man kann auch lügen, ohne vor Ort zu sein.

  11. Artur_C ist mal wieder auf Abwegen, was seine persönliche Linke oder Rechte Position betrifft!
    Wenn Kommentare sich so äussern, besteht Gefahr,, für jedermanns positioniert!
    Nu zum Thema Politik und Journalismus, ja sie gehen Hand in Hand mit den Schafen.
    Ist ja nicht verwunderlich, weil der Westen ausgeblutet ist, mit hunderttausende Toten Ukrainer und entsprechenes Kapital.
    Sowas sollte jeder für sich mal wiederspiegeln!
    Diese ganze Kohle wurde entzogen für einen Krieg, der niemals zu gewinnen vermochte und trotzdem, wurde er durchgezogen.. Heuer wird verlautbart, das man sich hinsetzen möchte über irgendwelche Modalitäten, Wenns!
    Der Westen mit der NATO hat ein Fiasko hingelegt und die Medien tun so als nichts geschehen ist.
    Der Film ‘Ritter der Kokosnuss’ offenbarte alles, was hiesige Rezeptianten eventuell sahen….

    1. die Medien tun so als nichts geschehen ist.
      Es ist ein weit verbreiteter Irrtum Nachrichten dienen der Information. Nein sie sollen beim Rezipienten ein bestimmtes Bild der Welt im Kopf , samt zugehöriger Emotionen erzeugen, das ihm im Sinne der Herrschenden handeln denken fühlen dulden lassen soll. Kurz Manipulation, Gehirnwäsche. Das ganze ist aber derart offenkundig, dass bei kurzem Nachdenken durchschaubar. Da kommt dann der Unterhaltungssektor ins Spiel, der ziemlich erfolgreich versucht, beim Publikum das Interesse am Schicksal der realen Welt und der eigenen Zukunft in belanglosen Aufregungen, Affekten innerhalb einer Scheinwelt usw. zu ertränken.

      1. Da stimme ich durchaus zu, im allgemeinen.
        Ich persönlich habe nichts gegen Artur, mich ärgert das selektive wechseln wo ‘Faschismus mal für gut oder böse’ dahingestellt wird. Faschismus ist generell überall abzulehnen, ohne wenn und aber.
        Und dieses Medium O M, bemüht sich um journalistische Sorgfalt und von Menschen geschrieben, die in meinen Augen Herz besitzen.

  12. Ein guter Artikel.

    Die große weltanschauliche Schnittmenge zwischen den aktuell handelnden Politikern und den derzeit tonangebenden Journalisten ist ja längst unübersehbar. Das sind Angehörige EINES Lagers, die lediglich in verschiedenen “Berufsfeldern” tätig sind.

    Auch die Formulierung “Diener der Macht” trifft es recht gut.
    https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2019/diener-der-macht/

    Dass die Medien als sog. “Vierte Gewalt” zunehmend ausfallen, bedroht ja die Demokratie.
    Der schöne Satz der Bundeszentrale für Politische Bildung …
    “Diese Kontrolle der Regierenden durch die freien Medien ist ein wesentlicher Grundzug von demokratischen Gesellschaften.”
    … klingt ja wie aus der Zeit gefallen
    https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/321342/vierte-gewalt/

    Stattdessen: “Haltungsjournalismus” – mit anderen Worten: Journalisten als Akteure, Journalismus als Meinungsmache.
    Vorbei die Zeiten eines Hanns-Joachim Friedrichs oder Peter Scholl-Latour, die noch ein ganz anderes journalistisches Ethos verkörperten.

    Kurz vor seinem Tod (1995) sagte Friedrichs:

    „Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“

    – Hanns Joachim Friedrichs: Interview mit dem Spiegel 13/1995

  13. “Journalisten und Politiker: Weltanschaulich eng miteinander verbunden”

    Dann sollte man die Weltanschauung aber auch benennen und die ist eindeutig antideutsch,, globalistisch und politisch links. Konservative oder rechte Journalisten besuchen den Söder nicht in der bayrischen Staatskanzlei. Rechte oder als rechts eingestufte bekommen aber auch keine Ehrenpreise, sondern Hausdurchsuchungen und Kontensperrungen.

  14. „Dunja Hayali erhielt kürzlich einen Ehrenreis von Markus Söder überreicht.“

    Es ist doch sehr löblich von Herrn Söder, dass er sich um das leibliche Wohl darbender Propaganda-Verbreiterinnen sorgt und sie mit Reis füttert. Sogar mit Ehrenreis.
    Für Angestellte des ÖrR eine angemessene Honorierung: Einmal im Jahr eine Schale Reis. Oder eine Reisschale.

    1. gut, dass ich nochmal an dieser stelle des forums eingereist bin, denn dieser kommentar reißt es mal wieder raus für mich heute. manchmal besser, man hat nur ne schale reise im kopp, statt immer nur vom ausreissenwollen zu lamentieren. möglicherweise schon reisverdächtig, so ein bilderberg im hirnlappen?

  15. mir stellt sich im Zusammenhang die Frage, warum es so bescheidenen Widerstand gegen die polit-journalistische ‘Hurerei’ gibt, der ‘Unterhaltungswert’ der Schmierenkomödie wird der essentiellen Information ganz offensichtlich vorgezogen! Was ist da los im kranken Kopf der Gesellschaft, die sich so gerne einschäumen lässt und bereit ist, einen hohen Preis für das traurige Theater zu berappen!?

  16. Mir würde es schon reichen, wenn sich die bestimmenden Medien ihrer Selbstverpflichtung laut Pressekodex gerecht würden („Achtung vor der Wahrheit“). Denn das sollte ihre Aufgabe sein. Erst die „Wahrheit“, also Tatsachenberichterstattung. Dann von mir aus Haltung oder Meinung, aber bitte als Kommentar gekennzeichnet. Ich brauch der Wahrheit verpflichtete Medien. Ich kann nicht selbst an jeden Ort der Welt fahren, um mir ein Bild zu machen. Was eine Demokratie nicht braucht sind Medien, die die Grenzen zwischen Tatsachen und Meinung absichtlich verschleiern und sich auch noch den Mächtigen anbiedern. Dann betreiben diese Leute nur Propaganda. Propaganda ist der Feind der Meinungsbildung und ein Gegner der aufgeklärten Demokratie.

  17. es gibt nur noch wenige die ich noch journalistInnen nenne, die anderen sind für mich einfach nur schmierlappen. und die ungekrönte königin aller schmierlappen ist rachel maddow, beim könig gibts auch so einige kandidaten.
    dunja heilhalali ist noch nichtmal in derselben liga, aber in etwa das regionalliga pendant von maddow, tendenz fahrstuhlteam

  18. Wie wenig solche Auszeichnungen wert sind, zeigt sich daran, dass preisgekroente Journalisten sich ploetzlich auf der “Verschwoererseite” wiederfinden, wenn sie ihren Job richtig machen und das mit der “offiziellen Wahrheit” kollidiert. Juengstes Beispiel Seymour Hersh, aber auch Paul Jay, Chris Hedges, Blumental u.a. finden sich urploetzlich auf der “falschen Seite” wieder. Ulrike Guerot z.B. oder Michael Lueders u.a. Erinnert sich noch jemand an Nikolaus Brender? Der Suendenfall der oeffentlich-rechtlichen Medien.

    Ein besonders krasses Beispiel fuer die Wertlosigkeit bzw. politische Abhaengigkeit von Auszeichnungen wusste Inge Meysel immer von ihrem Vater zu erzaehlen, der im ersten Weltkrieg fuer die Deutschen mitgefochten und gelitten hat, denn er verlor einen Arm. Dafuer wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Wenige Jahre spaeter wurde ihm das wieder aberkannt, weil er Jude war.

    “Alles Lametta”, hat meine Oma immer gesagt. “Alles wertloses Lametta”

    Wir sollten uns lieber fragen, warum wir aktuell so eine Auszeichnungsflut erleben. Alles muss raus?

  19. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.
    Ein Journalist hatte das jedoch schon mal ganz gut zusammengefasst.
    Ich zitiere Emran Feroz:
    „Es muss endlich damit aufgehört werden, so zu tun, als ob die Weiterverbreitung der Erzählungen, die sich in den Pressemitteilungen der Nato oder des Weißen Hauses finden, etwas mit Journalismus zu tun hat… Wenn Pressemitteilungen sozusagen eins zu eins wiedergegeben werden, dann ist das kein Journalismus, sondern PR.“
    Gilt aber auch für uns.

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