
Diese Woche beginnt die Weltmeisterschaft. Und siehe da: Die deutsche Nationalmannschaft reist diesmal nicht als mobile Außenstelle des Auswärtigen Amtes an. Hält der gute Vorsatz länger als die Vorrunde?
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat vor einigen Tagen den Kader für die Weltmeisterschaft 2026 bekanntgegeben. Wobei das Wort bekanntgegeben die Sache nicht trifft. Bekanntgegeben wurde früher. Heute wird zelebriert, inszeniert, vermarktet und zerstückelt. Die Namen der Spieler wurden über soziale Medien verteilt wie Rabattmarken bekannter Fast-Food-Ketten. Hier ein Video, dort ein Clip, dazwischen etwas künstlich erzeugte Spannung. Nagelsmann erklärte in kurzen Sequenzen, weshalb er diesen oder jenen Spieler nach Nordamerika mitnimmt. Der Bundestrainer als Influencer. Der DFB als Content-Schmiede. Aus einer Kadernominierung wurde ein Medienprodukt.
Der DFB will bekanntlich immer modern erscheinen. Das ist sein Unglück. Kaum taucht irgendwo eine Mode auf, läuft der Verband ihr hinterher wie ein aufgeregter Kläffer einem Fahrrad. Früher organisierte er Fußballländerspiele oder den Ligabetrieb. Heute produziert er Reichweite. Einst stellte er Mannschaften auf. Mittlerweile stellt er sich selbst aus. Es ist ein trauriger Anblick. Denn Institutionen, die verzweifelt jung wirken wollen, wirken am Ende meist nur wie depressive Senioren.
Der DFB simuliert politische Expertise
Wer den DFB in den vergangenen Jahren beobachtet hat, konnte sich eines Eindrucks kaum erwehren: Dieser Verband hielt sich zunehmend für etwas Höheres als einen Fußballverband. Bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar stand nicht der Fußball im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt standen politische Gesten, moralische Signale und symbolische Auftritte. Die One-Love-Binde beschäftigte Mannschaft und Funktionäre intensiver als mancher Gegner. Als die FIFA Widerstand leistete, begann das große Schauspiel: Die Innenminister reiste an, zeigte den Scheichs ihre nackten Oberarme und die Mannschaft übte sich in einer Hand-vor-dem-Mund-Geste, die um die Welt ging. Die sportliche Leistung leider nicht. Die endete bekanntlich erneut in der Vorrunde. Dem Spott der Welt gab es gratis obendrauf.
Damals entstand das Bild eines Verbandes, der sich für eine Art moralische Vorhut hielt. Die Funktionäre traten auf, als verfügten sie über besondere Einsichten in die großen Fragen des Menschengeschlechts. Einige Spieler wirkten wie Gesandte einer höheren Sache. Und im Tross dabei: Politiker wie Nancy Faeser, die ohne Rücksicht auf die Kultur im Orient Arm zeigte. Aber was erwartet man von Leuten, die auch im eigenen Land annehmen, dass autochthone Kultur weggeworfen werden sollte? Der Fußball wurde zum Nebendarsteller degradiert. Die Nation sollte nicht jubeln, sondern sich an der deutschen Weltsicht laben. Die wollten nicht Weltmeister werden, sondern die Welt beschulmeistern.
Seit wann besteht die Aufgabe eines Fußballverbandes darin, die Welt politisch zu belehren? Ein Verband organisiert Fußball. Er ist keine Akademie für Gesellschaftstheorie, er ist keine moralische Anstalt und schon gar kein Ersatzparlament. Früher wusste man das. Die alte Zurückhaltung des DFB wurde oft kritisiert, beispielsweise als der Verband kritiklos 1978 zur Weltmeisterschaft in Argentinien aufbrach. Tatsächlich sprach viel für diese Neutralität. In einer pluralistischen Gesellschaft muss nicht jede Institution politische Erklärungen abgeben. Manche dürfen sich auf ihre eigentliche Aufgabe beschränken. Beim DFB wäre das der Fußball.
Young Global Kicker und der Globalismus
Die Nationalspieler von heute leben in einer Welt, die mit der Lebenswirklichkeit vieler Zuschauer nur noch entfernt verwandt ist. Sie verdienen Summen, die sich normale Arbeitnehmer kaum vorstellen können. Und sie pendeln zwischen Metropolen, wohnen in Luxusvierteln und bewegen sich in einem internationalen Milieu, das nationale Grenzen oft nur noch aus dem Flugzeugfenster kennt. Ihre Welt ist global. Das ist weder ein Verbrechen noch eine Schande. Aber so ein Leben befähigt nicht zur geistig-moralischen Erziehung der Massen.
Wer in dieser Sphäre lebt, betrachtet viele Dinge anders als Menschen, deren Leben sich zwischen Arbeitsplatz, Familie und Heimatort abspielt. Der internationale Fußballprofi ist ein Globalist. Seine Lebenswelt ähnelt sich, ob er in München, London, Madrid oder Paris kickt. Er reist durch die Welt, kennt diese aber nicht. Er muss zu den globalistischen Eliten gezählt werden, die die westliche Welt und darüber hinaus gleichgeschaltet haben.
Der britische Komiker Ricky Gervais hat den Schauspielern Hollywoods vor Jahren zugerufen, sie sollten aufhören, das Publikum zu belehren. Er war es den Stars schroff an den Kopf. Sie sollten ihren Preis abholen kommen und dann: Fuck off! Haltet den Mund! Denn die Schauspieler wüssten nichts über die wirkliche Welt. Die Mimen waren brüskiert. Auch Fußballer erwerben durch Tore, Titel und Talent keine besondere Autorität in gesellschaftlichen Grundsatzfragen. Wer hervorragend Fußball spielt, verdient vielleicht Bewunderung. Aber mehr steht einem Kicker nicht zu. Sportliche Begabung ist sportliche Begabung und nicht etwa ethische Expertise.
Kein normaler Verband
Der DFB wirkt heute wie eine Institution in permanenter Identitätskrise. Mal möchte er moralische Instanz sein. Mal gesellschaftlicher Vorreiter. Dann digitale Jugendbewegung. Und wenn alles nicht funktioniert, versucht er es mit dem nächsten Trend. Wird es Hobby Horsing sein? So entstand im Laufe der letzten Jahre der Eindruck eines Verbandes, der ständig nach einer Rolle sucht, seine eigentliche Rolle als Organisator eines geregelten Spielbetriebes aber nicht mehr so recht ausfüllen möchte.
Die Kadernominierung über Kurzvideos sieht vielleicht wie eine harmlose Spielerei aus. Aber sie war symptomatisch. Der DFB kann offenbar nicht mehr einfach einen Kader benennen. Er muss daraus ein Ereignis machen, er muss es ausschlachten. Und er muss offensichtlich Aufmerksamkeit erzeugen, Reaktionen provozieren, Inhalte produzieren. Alles wird zur Inszenierung. Nichts darf mehr selbstverständlich sein. Man schaut auf diesen Verband und fragt sich unwillkürlich: Ist das eigentlich noch ein Fußballverband? Oder handelt es sich inzwischen um eine Kommunikationsagentur mit zufälligem Nationalmannschaftsbetrieb? Der DFB wirkt wie einer dieser traurigen Menschen, der jede Mode mitmacht und deshalb nie einen zeitgemäßen, sondern stets verspäteten Eindruck vermittelt.
Die Weltmeisterschaft beginnt in Kürze. Und wieder gibt es öffentlich-rechtliche Medien, die die Deutschlandfahne als ursächlich für einen gesellschaftlichen Rechtsruck einordnen. Wenn auch die Mannschaft in diesem Turnier nicht politisch wirken soll, die begleitenden Journalisten werden es tun. Die unbedarfte Freude eines Fans ist für sie eine grauenhafte Vorstellung. Sie haben es gerne, wenn alles problembehaftet ist.
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Der DFB war nie unpolitisch sondern immer Schulter- an Schulter mit der aktuellen Regierung.
Die haben sich 1933 stante pede gleichgeschaltet, die Juden rausgeworfen.
Die haben die Boykott-Politik des Adenauer-Staates gegen die DDR voll mitgetragen.
Frauen durften bis 1970 im DFB nicht spielen. Der Vereinsname „Dynamo“ war verboten.
Das die Vögel in Argentinien nicht protestiert haben, lag daran, dass die argentinische Junta die allerbesten Kontakte nach Bonn unterhielt, wie noch jeder andere rechte südameikanische Caudillo in Bonn wohl gelitten war.
Und 2022 haben sie halt dem Wokeismus der Scholzbande gefrönt.
Es gibt es sie also doch noch. Lesenswerte Artikel auf „Overton“. Ich bin nicht mit allem einverstanden, – der Kommentator „Kanonier“ hat die wichtigsten Dinge in dieser Frage benannt, ich muss sie nicht wiederholen – aber alles in allem bringt Stuhlfauth es auf den Punkt. Der DFB ist ein politisch rechter Haufen und seine Balltreter, Trainer und all die anderen Mitläufer, machen kritiklos das was vorgegeben. War nie anders, wird nie anders sein, solange der Kapitalismus – sprich der Profit – über allem steht.