
Und gerade das Land regieren. Eine Geschichte verlorener bürgerlicher Kulturkämpfe von 1945 bis 2026. Ein wüster Ritt durch die bürgerlichen Abgründe aus Angst, Feigheit und kulturellem Unvermögen – und was weiße Turnschuhe, E-Autos und die FAZ damit zu tun haben.
Nach dem Erfolg von »Shitbürgertum« atmete die bürgerliche Mitte auf: Die Verantwortlichen für den Niedergang des Landes scheinen endlich gefunden. Doch Ulf Poschardt legt nach: Gefährlicher als die Shitbürger sind die Bückbürger. Jene Konservativen und Liberalen, CEOs und Manager, Bischöfe und Intellektuelle, Kanzlerinnen und Kanzler die – wider ihre Überzeugung – nahezu jeden Unsinn links der Mitte mitgemacht oder befördert haben.
Das linke Schreckgespenst des 21. Jahrhunderts war der entwurzelte Mensch der Postmoderne. Für den Soziologen Richard Sennett war der »flexible Mensch« Opfer eines Kapitalismus, der die nach Verwurzelung und Sicherheit strebenden Menschen in eine abgründige Dynamik treibt. Dieser neue linke Sound klang wie der traditionelle Kulturpessimismus, der im 20. Jahrhundert als Leiden an der Moderne auch rechts populär war. Sennetts flexibler Mensch ist nur einen Schritt von der absoluten Banalität des bloßen Dahinvegetierens entfernt. »Es lohnt nicht die Mühe, sich zu töten, denn man tötet sich immer zu spät.« Emile M. Cioran hatte das alles kommen sehen.
Innere Entleerung der Bürgerlichkeit

Die größte Gefahr für den Konsens-Populismus der Deutschen im Wohlstandsrausch war die innere Entleerung der Bürgerlichkeit. Nicht nur die bürgerliche Haltung löste sich auf, sondern auch die Idee des Staatsbürgers, auf dessen individueller Mündigkeit die Stabilität des demokratischen Systems beruht. Eine Demokratie ohne Demokraten, das gab es eben auch nach 1945, nur ganz anders: Nicht mehr Feinde der Demokratie prägten sie, sondern deren hohle Mitläufer. Der Mitläufer garantiert den reibungslosen Ablauf von allem Möglichen, aber er kann das Ethos der Demokratie weder denken noch erfahren. Er geht in seiner Funktion auf: Der Untertan im 21. Jahrhundert ist ein Zahnrad. Und es macht ihm Spaß, zu funktionieren. Die Mittelschicht und das verunsicherte Bürgertum umarmen diese postidentitäre Form des Funktionierens. Die Linken hadern noch. Der flexible Mensch verliere, so Sennett, seinen Charakter, weil seine Biografie zerfalle, weil Sinn durch Anpassung ersetzt und Scheitern zur privaten Schuld erklärt werde. Die nicht-linke Antwort darauf ist die normative Akzeptanz der Flexibilisierungsanforderungen.
Und wer könnte das besser als die anpassungsverliebten Deutschen? Passend zu dieser Tendenz bekommt der Mainzelmännchen-Deutsche Anfang des 21. Jahrhunderts ein neues Kostüm: die Funktionskleidung. Der Bückbürger macht sich unsichtbar. Junge Mütter haben beim sonntäglichen Familienausflug ihren gletscherblauen Alpinrucksack für Mehrtagestouren prall gefüllt, in den Haltern für die Getränke zwei gut abgefüllte Trinkflaschen, links mit einer gelben, rechts mit einer farblosen Flüssigkeit. Ihre Active-Trail-Schuhe sind perfekt geschnürt, die wasserdichte, atmungsaktive und superleichte Wetterschutzjacke mit kleinem Packmaß sitzt leger, und die Trekkinghose mit Belüftungs-Reißverschlüssen und Stretch-Einsätzen wirkt wie angegossen. Vor ihnen liegt nicht der Mount Everest, sondern bestenfalls die Ritterburg im Playmobil-Funpark im mittelfränkischen Zirndorf. Die Burg steht auf einer leichten Anhöhe. Um sie herum ein Defilee von Jack-Wolfskin-, Schöffel- und Columbia-Jacken, -Hosen, -Rucksäcken und -Schuhen. Wer nicht aussieht wie auf der Gipfelstation eines Skilifts, fällt auf.
Vor Jahren schon gifteten schwäbische Kabarettisten über die Jack-Wolfskin-Uniformen der Wutbürger bei den Stuttgart-21-Demonstrationen. Während der Kirchentage spotteten der Eleganz verpflichtete Großstadtmenschen über Jack Wolfskin als inoffiziellen Ausstatter. Der schmucklose Protestantismus stellt die Nützlichkeit der Dinge in den Vordergrund. Die materielle Welt und ihre Verführungskraft werden schon im Diesseits relativiert. Innere Werte zählen, deswegen werden sie mit Goretex-Teflon gegen die feindliche Außenwelt geschützt. Was die Sonnenbrille für den Hipster, ist die Trekkingjacke für den Philister.
Die Avantgarde des Bückbürgertums
Die Protestanten sind die Avantgarde des Bückbürgertums. Ihrer Disziplin und ihrer Arbeitsethik verdankt das Land wirtschaftliche Kraft, aber auch die Neigung zum Moralismus. Die neue Monokultur des Funktionalen ideologisiert das Gelingen des Alltags. Eltern, aber auch protestierende Senioren und aufstrebende Junioren auf dem Weg ins Büro veredeln sich zu Funktionsträgern, deren Arrangement mit der Realität in zweckdienlicher Kleidung gipfelt. Die Funktionsmaskerade unterstellt, man sei für alles gerüstet, auch wenn nie etwas passiert.
Wo James Bond, der Fightbürger, auf Maßanzügen, Ledersohlen und eleganten Krawatten besteht, wenn er von Hochhäusern stürzt oder auf rasenden Zügen entlangbalanciert, entscheidet sich die deutsche Mittelschicht selbst bei der Fahrt in der U-Bahn oder beim Gang zu Edeka für Actionheldenkostüme im Nordic-Walking-Remix. Verkörpert Bond die britische Idee, dass Stil und Haltung alles seien und dass es keine Katastrophe oder Extremsituation gebe, die eine nachlässige Bekleidung erlaube, hält das Wolfskin-Volk wenig von diesen Anforderungen. Auch Angela Merkel pflegte im Urlaub den Freizeitlook des Wolfskin-Biedermeiers und war dabei ihrem Volk ganz nahe.
Das Aufgehen des Individuums in seiner Funktion ist das Kainsmal der Entfremdung. Der aktive und atmungsaktive Mensch ist die Steigerungsform des »flexiblen Menschen«, wie ihn Sennett als Folge einer dynamischen, globalisierten Ökonomie beklagt. Werden dem Angestellten in der zeitgenössischen Arbeitswelt maximale Anpassungsfähigkeit und ständige Bereitschaft zum Umlernen, Umziehen und Umdenken abverlangt, so bleibt ihm entweder die Geste der Verweigerung und des passiv-aggressiven Stoizismus – oder aber die Überkompensation in einer Selbsttechnik des Überbeweglichen. So etwas hatte Adorno wohl vor Augen: »Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.«
Die Funktionsbekleidung gehört zum Kostümfundus einer technokratischen Welt, in der Joghurts verspeist werden, die das Immunsystem stärken, und an isotonischen Getränken genippt wird, die jeden Spaziergang wie einen Marathon wirken lassen. Es gibt Kompressionswäsche, die an den Waden von Radfahrern eine stärkere Blutzirkulation und einen schnelleren Laktatabbau ermöglicht. Und auch wenn die Funktionskleidung einen anderen Eindruck erweckt, so genügt ein Blick auf die Preisschilder der Northface- und Helly-Hansen-Jacken, um den verschämten Snobismus dieses Looks zu erkennen: Sie sind teurer als Jeans, Jackett oder Dufflecoat.
Das Buch ist auch signiert erhältlich.


Eine herausragende Eigenschaft dieser Plastiktüten wäre zu ergänzen. Das Zeug müffelt elendig. Morgens auf dem Weg ins Büro noch erträglich – sofern frisch vom Kleiderregal. Auf dem abendlichen Rückweg stinkt es dagegen bestialisch und macht den Aufenthalt in den Transportmitteln des ÖPNV zur olifaktorischen Herausforderung. Manchmal reicht auch ein kleiner Schub Angstschweiß, dass der werte Kollege bereits vor der Mittagspause müffelt wie ein Fuchs im Oktober.
„Einer der den deutschen Journalismus in der Berichterstattung zur Ukraine geeint hat“ und bekennender automobiler Raser, Porsche- und Ferraribesitzer samt Pass für den Parcours de Elegance (an alle Teilnehmer ergeht die freundliche Bitte in zeitgenössischer Kleidung aufzutreten). So einer also.
Aber egal, Plastikklamotten bleiben mir verhasst. Sogar am Berg. Dort wo man nicht kraxeln muss, ist ein Regenschirm in Verbindung mit Wollsachen außerdem auch funktionaler.
Bekleidung übermittelt immer eine Botschaft. Sie erlaubt ihrem Träger ein stückwegs, sein Inneres nach außen zu kehren. Sich demnach zu gestalten ist folglich Kunst.
Seit jeher haben sich auch gesellschaftlich Randständige dieses Mittels bedient, Punker, Rocker, Gothics und oder eine vielfältige Bohème.
Sie alle sind aus dem Straßenbild verschwunden. An ihre Stelle ist der beschriebenebPlastiklook getreten. Passend für die Zugehörigkeit zu beliebiger Gesellschaftsschicht von KIK oder Helly Hanson.
Entsprechend der Intension des Mao-Anzugs, der Versuch nichtssagender Gleichheit und Konformität.
Nötig ist eine öko-konservative Politik gemäß Herbert Gruhl. Nach den Wahlen im September können Landesregierungen aus AfD und BSW gebildet werden. Bitte klicke auf „Oneironaut“.
Das wird eine Supersause. Da neben Herbert Gruhl ja auch unweigerlich die ablassenden Winde von Baldur „Stahlhelm“ Springmann wehen.
Man kann über Funktionsjacken spotten und sich dabei für etwas Besseres halten. Okay. Aber wer zählt hier eigentlich die Etiketten? Der wandernde Bückbürger trägt seine Funktion am Körper, der Kolumnist seine Distinktion zur Schau. Beide tragen Uniform. Beide stehen an der Leine – und halten sie jeweils für eine Krawatte. Der freie Hund liegt lieber nackt in der Sonne.
Vielleicht sollte man weniger über Jacken als über Einbildungen lachen. Wer glaubt, im Maßanzug freier zu sein als im Goretex, verwechselt Stil mit Unabhängigkeit. Und wer ganze Gesellschaftsanalysen aus Trekkinghosen, Trinkflaschen und Jack-Wolfskin-Logos ableitet, betreibt dieselbe Identitätspolitik, die er andernorts verachtet. Nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Analyse ist das kaum. Eher Geschmackssoziologie für Bessergestellte.
Die Pointe bleibt unfreiwillig: Während der Text das Funktionieren anklagt, reproduziert er die älteste bürgerliche Sehnsucht überhaupt – sich durch Stil über die Masse zu erheben. Da bleibt dann bloß zu sagen: Overton-Leser, willkommen bei Springer TV!
@ Depp Gladiola um 20 Uhr 01 : Ich empfehle die Lektüre von Pier Paolo Pasolini’s „Freibeuterschriften“.
Zitat 1: „Depp Gladiola“
Aus den Overton-Kommentarregeln: „Persönliche Übergriffigkeiten und Ehrabschneidungen sind allerdings zu unterlassen. (…) Beleidigungen sind keine Argumente.“
Zitat 2: „Ich empfehle die Lektüre von Pier Paolo Pasolini’s „Freibeuterschriften“.“
Pasolini kritisierte die Uniformierung der Menschen. Poschardt kritisiert dagegen eine bestimmte Uniform, die ihm ästhetisch missfällt. Das ist ein Unterschied.
Natürlich werden westliche Gesellschaften funktionaler, ähnlicher und optimierter. Dass Menschen heute in denselben Codes, Produkten und Routinen leben, ist nicht zu übersehen. Die spannende Frage lautet aber: Warum? Wenn die Antwort bereits „Jack Wolfskin“ heißt, bevor die Analyse beginnt, wird aus Gesellschaftskritik Milieusatire.
Der Distinktionsgewinn des Stilisten ist keine Flucht aus der Uniformität, sondern nur ihre gehobene Variante. Wer die Anpassung kritisiert, sollte zuerst prüfen, ob seine eigene Haltung nicht längst von der Stange kommt.
Danke für Ihre besonnene Antwort, und „advantage“, dass Sie Pasolini gelesen haben.
Zum Stil: Ich kenne jemanden, der trägt immer einen alten „Glencheck“, wenn er an die Drehbank oder die Stand-Bohrmaschine geht, um einzelne mechanische Komponenten herzustellen. Habe ihn vor Jahren mal drauf angesprochen: „Es ist mir eine Freude, meiner Arbeit nachzugehen in einem Kleidungsstück, das perfekt sitzt!“, war die Antwort.
@ Sepp Gladiola um 21 Uhr 07 : Der „Depp“ ist ein Tepp feler wie unschwer zu erken nen. Sorry .
Die „Freibeuterschriften“ Pasolini’s haben Sie 1) schlecht im Gedächtnis oder 2) falsch verstanden.
Hier bist Du als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet, das schreibe ich solidarisch liab, Sepp.
Ein Ulf Poschardt hat es nicht nötig, sich „über die Masse zu erheben“ – er ist seit Jahrzehnten erhoben, lesbar, sichtbar, hörbar. Das hätte Dich stutzig machen können. Mit dem Buch erhebt er sich offenkundig über seine Peers, das ist eine ganz andere Nummer.
Vom Realitätscheck ausgehend hättest Du auf die Idee kommen können, zu fragen, an welchem Ort ist zu welcher Zeit eigentlich „die Masse“ zu suchen? Hat die ’ne Wohnadresse? Trägt die physisch ein „Kainsmal“?
Aktualitätshalber hättest Du an die Fußballstadien denken können. Ja, ob da „die Masse“ wohne oder nicht, darüber ließe sich reden, nur Fakt ist, daß die massenhaft Uniform tragen! Is sich nix mit „erheben“, eher wird eine Gegenrichtung sichtbar gemacht!
Und überhaupt, „erheben“ – wenn die Massen sich über „die Masse“ erheben – ist das nicht allenfalls eine „la ola“ – Welle, in der „sich erheben“ und „sich erniedrigen“ sinusartig die Vorzeichen wechseln? Ulfs Text ist doch kein schlechtes Dokument dafür! (Da stimmte er sicherlich lachend ein, jedenfalls hat er das 2008 sinngemäß getan, als ich und er mal zufällig bei einem Wein zusammen gehockt sind.)
„Sich erheben wollen“ ist ein Motiv und Zweck in allen Standesgesellschaften, das ist nicht spezifisch bürgerlich, und vor allem sollte einer es nicht mit einem ganz und gar anderen Motiv und Ziel verwechseln, weil es oftmals ähnlich aussieht oder auch schlicht zwangsläufig verschwistert wird: sich auszeichnen wollen. Das findet man schon für homo erectus neandertalensis zweifelsfrei dokumentiert, etwas schwächer sind die Befunde bei erectus sensu lato vor rd. 600 k Jahren. In Keimform findet man es bei allen Rudel- und Herdentieren, es ist ein Symptom für einen initialen Schritt der Emanzipation der Sexualität von der Fortpflanzungsfunktion.
Und wenn es nur darum ginge: Spott ist die ubiquitäre komplementäre Antwort auf sowas, worüber die Gecken und Emporkömmlinge in tribal geprägten Gesellschaften glatt dankbar sind – er validiert, daß sich ihr Hervortun im Rahmen des Begrüßten bis Tolerierten hält …
Ein dritter Anlauf – und hoffentlich glatt gebügelt genug. Das Forum scheint heute wieder Beiträge ähnlich streng zu kuratieren wie Poschardt die deutsche Mittelschicht.
Danke für deine Antwort, in ihr steckt mehr an Nachdenken drin als in mancher Kolumne. Allerdings fürchte ich, dich etwas enttäuschen zu müssen, denn ich bin kein Tiger, sondern ein Hund. Tiger und Bettvorleger streiten gern, wer die würdevollere Erscheinungsform der Katze ist. Ich kaue lieber die Leine durch und schaue den Miezen dabei zu, wie sie ihre Rangordnung für Freiheit halten.
Ein paar deiner Einwände haben mich auch stutzig gemacht. Trotzdem würde ich an meinem Punkt festhalten. Du schreibst, Poschardt habe es nicht nötig, sich über die Masse zu erheben. Ja? Mag sein. Aber genau das war gar nicht mein Argument. Distinktion ist keine Frage der Bedürftigkeit. Der Herzog braucht keinen neuen Titel, um einen zu tragen.
Mich interessierte weniger, ob Poschardt sich subjektiv erheben *will*, sondern was sein Text tatsächlich *tut*. Er sortiert Menschen nach ästhetischen Markern: hier Bond, dort Wolfskin; hier Stil, dort Funktion; hier Haltung, dort Anpassung. Das ist eine Rangordnung, auch wenn sie nicht als solche deklariert wird.
Bei deinem anthropologischen Exkurs bin ich etwas skeptisch. Ob sich Menschen durch die Bank seit hunderttausenden Jahren auszeichnen wollen, weiß ich nicht. Möglich. Aber selbst wenn: Daraus folgt noch nicht viel. Menschen markieren Rang, Zugehörigkeit und Differenz ebenfalls seit Urzeiten. Gerade deshalb misstraue ich den Geschichten, die wir uns über unsere Zeichen erzählen. Der Pfau hält sein Rad vermutlich auch nicht für Herrschaftstechnik.
Mein Einwand gegen Poschardt war sowieso bescheidener gedacht: Wer aus Jacken, Schuhen und Trinkflaschen weitreichende Diagnosen über Charakter, Freiheit und Bürgerlichkeit ableitet, betreibt dieselbe Symboldeutung, die er bei der Konkurrenz gern kritisiert. Das macht den Text nicht wertlos. Es macht ihn nur weniger zum Seziermesser als zum Spiegel. Und Spiegel sind bekanntlich am interessantesten, wenn man nicht nur die anderen darin entdeckt.
„Distinktion ist keine Frage der Bedürftigkeit“, sehr guter Einwand. Sie wird rasch zum Habitus. Der lauert bei mir selbst stets im Hintergrund und ich muß mich am Riemen reißen, ihn nutzbringend zu halten oder neu zu machen.
Danke für die Antwort.
Poschardt bleibt bei all seinen vergeblichen Distinktionsbemühungen stets ein Gefangener eines leeren Warenfetischismus, den er nicht zum ersten Mal mit etwas zu Füllen versucht, was er dort, wo er steht und zu suchen verdammt scheint, nie wird finden können.
Geist flieht nämlich die Nähe bloßer Anmaßung, die die Bedingungen ihrer Saturiertheit nicht reflektieren kann, ohne ihre Nichtigkeit erkennen zu müssen.
So heischt letztendlich diese kindlich anmutende, aber im Grunde nur zu kindische Begrenztheit, die ob der fleißigen, wie wohl erfolglosen Versuche, die eigene unverdiente Privilegiertheit mit Federn schmücken zu wollen, die fremder nicht sein könnten, aufgeklärtes Verständnis, wo umso deutlicher Mitleid zu empfinden, sich aufdrängt.
Es bleibt die Anerkennung der Kunst als allgemeines Kennzeichen des Menschlichen. Deren Verneinung ist einhergehend mit der Anerkennung irgendwelchen metaphysischen Schwachsinns, als dann noch einzig verbleibender Möglichkeit. Bilderverbote haben stets dies zum Ziel.
Außerdem wie schon geschrieben stinkt Funktionskleidung.
Thema verfehlt, setzen, 6.
(wegen der Kommentarvorgaben: Mehr gibt es nicht zu sagen, mal sehen, gleich erreicht)
„lichtenberg“ und „Otto Bismark“ – kann ja sein, dass ich Pasolini schlecht im Gedächtnis hatte. Das passiert. Auch Hunde werden älter.
Was ich allerdings verstanden habe, ist, dass die bloße Nennung eines Autors eine Diskussion noch nicht abschließend klärt. Die Frage bleibt deshalb bestehen:
Wenn Poschardt gesellschaftliche Anpassung kritisiert, warum wird dann fast ausschließlich über die Uniform der anderen gesprochen? Warum erscheint die eigene ästhetische Position als Beobachtungspunkt, nicht als Beobachtungsgegenstand?
Der Punkt war, dass die Trekkingjacke für Poschardt eine bequemere Zielscheibe darstellte als die eigenen Distinktionsgewohnheiten. Da wurde ich misstrauisch, denn wenn jemand schon über Uniformen spricht, sollte er zuerst nachschauen, welche er selbst trägt.
Der Beitrag von „Qana“ war deshalb interessanter: Er hat auf die Sache geantwortet, statt mit einer Leseliste um die Ecke zu kommen. Wenn ich also etwas übersehen habe, freue ich mich über Argumente. Einen Kommentar habe ich hier noch frei.
„Trekkinghosen, Trinkflaschen und Jack-Wolfskin-Logos“
Bei Porschardts: FIA-Lizenz, Römer-Sitze, Sourkrauts-Schlüsselanhänger, 911er-Gear, Jeremy Clarkson, Chris Charris, EVO TV – Videos, „911“ (eigenes Buch), PS-Welt, Porsche 911T-Ersatzteile, Ferrari-Magazin,
„Es ist kein Widerspruch, Porsche und Ferrari gleichermassen zu lieben“ (U. Porschardts)
https://www.octane-magazin.de/die-leidenschaften-des-ulf-poschardt/
Die Zeiten wo sich viele Radfahrer für Didi Thurau hielten und sich in die Telekom-Uniform von Jan Ulrich zwängten um die zwei Kilometer bis zum nächsten Biergarten auf gerader Strecke mit Kippe im Maul mühsam ableisteteten sind vorbei 🙂
Die Individuen, die im und vom Gemeinwesen des Geldes zu leben haben, machen in ihm mit! Was erlaube Individuum!!
Folgender Satz dokumentiert den wohlsituiert gepflegten Urlaub vom „Reich der Notwendigkeit“ in der postreligiösen Wahnwelt, denen Adorno und Horkheimer das Bettchengestell gebaut hat:
Das Aufgehen des Individuums in seiner Funktion ist das Kainsmal der Entfremdung.
Man könnt auf die Idee kommen, das sei eine anmaßend hoffärtige Selbstbeschreibung …
Nachteile: Diese Plastikjacken halten nicht lange und sind genau so schx für die Umwelt und werden aus blutigem Erdöl hergestellt.
Vorteile: Es kann p. wie ein Schwein und sie saugen sich nicht so voll, wie ein Schafspelz oder Baumwolljeans. Hier stehen jede Menge Brennnesseln herum aber da ist niemand, daraus eine nahtlose Designerjacke zu weben.
Da stellt sich meinereiner die einfache Frage, was kritisiert er und vor allem was will er, der Herr Ulf, wenn er schreibt: „Gefährlicher als die Shitbürger sind die Bückbürger. Jene Konservativen und Liberalen, CEOs und Manager, Bischöfe und Intellektuelle, Kanzlerinnen und Kanzler die – wider ihre Überzeugung – nahezu jeden Unsinn links der Mitte mitgemacht oder befördert haben.“
Den bzw. die „Bückbürger“ gab es schon vor 2.000 Jahren und vor 1.000 Jahren. Heinrich Mann hat den „Bückbürger“ des Kaiserreiches vor 100 Jahren in seiner wunderbaren Satire „Der Untertan“ ausführlich charakterisiert. Am Ende macht der konservative Opportunist, Konformist und Karrierist Diederich Heßling tatsächlich einen Bückling vor dem Kaiser.
Die bürgerlich-konservativ-liberale Mehrheit in diesem „demokratischen und sozialen Bundesstaat“, wie es im Artikel 20 Grundgesetz heißt, besteht 2026 aus Radfahrern mit Elektromotor, Speichelleckern, Stiefelleckern, Steigbügelhaltern, Schleimern, Opportunisten und medialen Hofschranzen, denen es egal ist, wenn der Sozialstaat für die Rüstung geschlachtet und die Demokratie schleichend demontiert wird.
Wenn es im Deutschen Kaiserreich schon Funktionsbekleidung gegeben hätte, dann hätte Diederich Heßling in seiner Freizeit sicherlich auch Funktionsbekleidung getragen. Die bürgerlich-konservativ-liberale Mehrheit will
1. Ordnung,
2. Ordnung,
3. Ordnung,
4. Sicherheit,
5. am Wochenende schönes Grill-Wetter und mindestens einmal im Jahr in den Urlaub fahren oder fliegen.
Werter Herr Poschardt, den Unsinn links der Mitte haben sich doch nicht die Linken ausgedacht. Gendern, Wokismus, Veganismus, Regenbogenfahnen, political correctness usw. hat doch nichts mit links zu tun. Das sind Bürgerlich-Konservativ-Liberale, die sich selbst für links halten, damit sie keine kognitiven Dissonanzen bekommen und weil es ihnen ein „gutes“ Gefühl verschafft, wenn sie am Wochenende ein wokes und veganes Schnitzel und keine Bratwurst aus Scheinefleisch auf den Grill legen.
Richtig ist, dass die Mehrheit in diesem Land aus konservativen und liberalen Bückbürgern besteht. Diesen konservativen und liberalen Bückbürgern geht es nämlich am Hintern vorbei, wenn milliardenschwere „Superreiche“ immer reicher und reicher und reicher und reicher und reicher und reicher und reicher und die Menschen, die sich in diesem „demokratischen und sozialen“ Land bei den Tafeln anstellen, immer zahlreicher werden.
Allein in Hamburg sind im letzten Winter 15 oder noch mehr Obdachlose erfroren. Ist das ein Problem für konservative und liberale Bückbürger? Nein, denn es geht den konservativen und liberalen Bückbürgern mit Funktionsbekleidung am warmen Hintern vorbei und es geht den Konservativen und Liberalen ohne Funktionsbekleidung am warmen Hintern vorbei. Es ist den Konservativen und Liberalen mit und ohne Funktionsbekleidung auch egal, ob Menschen, die ein Leben lang hart gearbeitet haben, im Alter mit ein paar Euro Rente abgespeist werden und eine alleinerziehende Putzfrau eine bezahlbare Wohnung findet.
Was wollen Sie. Herr Poschardt? Funktionsbekleidung auch für Obdachlose, damit sie im Winter nicht erfrieren?
Was er will? Bücher verkaufen, als wichtig wahrgenommen werden, bekannt sein. Alles Dinge, die ich ihm nicht vorwerfe. Ist letztendlich sein Beruf. Die Anpassung des Subjekts an Verhältnisse, die es nicht zu ändern vermag, die es beherrschen und in der Regel zu einem Nichts degradieren und die er sogar auf eine soziale Schicht reduziert, gab es schon immer. Das schreibst du zutreffend. Ich denke, es ist geradezu eine lebensnotwendige Fähigkeit. Individuelle Auflehnung, wenn sie sich nicht auf Kunst und schon eingeschränkter auf die Wissenschaft beschränkt, macht ein Leben nicht nur verdammt unbequem, sondern in der Geschichte oft unmöglich. Selbst wenn es nicht gleich in Gefängnissen, Lagern auf der Richtstätte uä endet.
Warum er seine ja nicht falschen Beobachtungen über die Anpassung von Menschen an der Nichtigkeit irgendwelcher Moden festmachen will, habe ich nicht wirklich verstanden. Aber da ich das Buch nicht gelesen habe, mag das an mir liegen. Ob es auch an mir liegt, wenn ich einen Satz wie: „Die neue Monokultur des Funktionalen ideologisiert das Gelingen des Alltags.“ nicht verstehe? Kann sein, klar. Sonst nämlich würde ich das schlichtweg für Nonsens halten. Nachts ist kälter als draußen.
„Die neue Monokultur des Funktionalen ideologisiert das Gelingen des Alltags.“ – vielleicht hätte er besser „idealisiert“ schreiben sollen. So wäre es einleuchtender.
Zum Autorenprofil bleibt noch zu ergaenzen das Herr Poschardt den Verdienstorden dritter Klasse der Ukraine bekommen hat. Wofuer lasse ich hier mal offen, jeder kann sich ueberlegen ob es saubere, unabhaengige journalistische Arbeit war.
@ Ava Tar
Nur „dritter Klasse“? Wie beschämend muss das denn gewesen sein?
Falls mir jemals ein Verdienstorden der Ukraine oder der Bundesrepublik Deutschland – ganz egal, ob 1., 2. oder 3. Klasse – angeboten werden würde, würde ich ihn ablehnen: Ich nehme diesen Preis nicht an!
Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ich das irgendwann einmal sagen muss, dürfte allerdings geringer sein als die Wahrscheinlichkeit, dass Russland die Fußball-WM gewinnen, obwohl die gar nicht mitspielen dürfen. Russland wurde bekanntlich bereits im Vorfeld von der FIFA disqualifiziert, weil sie jahrelang Afghanistan bombardiert, den Iran überfallen und den Präsidenten von Venezuela entführt haben. Den Gaza wollen sie zusammen mit der israelischen Armee und vielen Raketen, Kampfdrohnen, Handgranaten, Gewehrkugeln und etwas Lavendelseife von Palästinensern reinigen. Grönland wollen sich die Russen auch noch unter den Nagel reißen und die Häftlinge in Guantánamo wollen sie ohne Gerichtsverhandlung umbringen.
Ah nee, jetzt hab ich doch was durcheinandergebracht. Das waren bzw. sind ja gar nicht die Russen, das waren bzw. sind ja die lupenreinen demokratischen und freiheitlichen Amerikaner. Vielleicht sollte ich erst mal eine Frühstückspause machen und einen Kaffee trinken?
Wieder einer, der auch auf dieser Empörungswelle der pseudokritischen Mitbürger seinen Unterhalt bestreitet.
Was ist denn das für ein inhaltsleeres Gebrabbel? Es fehlt jegliche analytische Tiefe. Was leider auch für die bürgerliche Debatte im Allgemeinen gilt: Man will nicht wahrhaben dass die ach-so-tolle bürgerliche Demokratie inkl. Kapitalismus für die Probleme verantwortlich ist und klammert sich an den Strohhalm fest die Krisen der letzten 20 Jahre seien lediglich Betriebsunfälle. Und dann schiesst man in seiner hilflosen Argumentation gegen jeden und alles oder baut Strohmänner auf wie hier im Artikel. Nein, das Gegenteil ist der Fall, die bürgerliche Demokratie bringt alle Probleme ursächlich hervor, die Krisen sind keine Betriebsunfälle, sie sind Eigenschaften des Systems. Quo vadis Overton? Seht ihr den Wald vor lauter Bäumen noch?
Der bekennende Satz „das Sein bestimmt das Bewusstsein“ ist offensichtlich nicht die Überzeugung des Autors. Denn danach wären seine verachteten „Bückbürger“ Resultate der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die scheinen ihn aber nicht zu interessieren. Stattdessen lässt er sich über individuelle Erscheinungsformen aus, die offensichtlich nicht seinen bürgerlichen Idealen entsprechen. Da sieht er in der Tat den Wald nicht, sondern nur einzelne Bäume. Und er belässt es in üblicher bürgerlicher Art beim Moralisieren.
Sie sagen es: „…inhaltloses Gebrabbel“.
Auch diese Einlassung bringt es auf den Punkt: “ ….die bürgerliche Demokratie bringt alle Probleme ursächlich hervor, die Krisen sind keine Betriebsunfälle, sie sind Eigenschaften des Systems. Quo vadis Overton? Seht ihr den Wald vor lauter Bäumen noch?“
Allerdings stellt sich die Frage ob die real existierende Demokratie als eine „bürgerliche Demokratie“ existiert?
In einer solchen würden BürgerInnen selbst Politik machen, sofern sie über „politische Machtgleichheit“ verfügten.
„Bürger an die Macht“
https://www.youtube.com/watch?v=NR5rAOi6Okg&t=1s
„Wir leben in einer Scheindemokratie“ 🤓
https://www.youtube.com/watch?v=NDdh9NjuOg4
@Ute Plass
Zitat aus: Diese besondere Wahrnehmung der Welt
„Darauf gibt es eine Menge Antworten, beispielsweise: weil die meisten von uns hoffen, dass „sich das alles schon wieder einrenkt“ (was es meines Erachtens nach nicht tun wird); weil wir von dem System immer noch ordentlich profitieren – weil wir also mehr zu verlieren als zu gewinnen haben; weil wir zwar wissen, was stattfindet, aber uns jeder Widerstand zwecklos erscheint; weil wir nicht einmal bemerken, was in Deutschland, Europa und der westlichen Welt vorgeht; weil wir so vom System vereinnahmt sind, dass wir nicht einmal das System bemerken – siehe das berühmte Beispiel vom Fisch, der nichts vom Wasser weiß? Oder weil wir ganz einfach feige sind?“
Ja, das mit der Hoffnung und dem Einrenken, das ist u.a. Thema auf dem Nutt-Los-Kanal.
Da ist der „Parteivorsitzende der Losdemokratiepartei“ Ardalan Ibrahim mit seinem systemischen Denken weiter als die Overton-Redaktion.
In jeder „real existierende bürgerliche Demokratie“ regiert nicht der Bürger, sondern das Geld.
„Geld regiert die Welt“ ist die Weisheit in Kurzform dieser gesellschaftlichen Epoche der bürgerlichen oder liberalen Demokratie.
Leider ist dem so, dass auch in „unserer Demokratie“ das Geld bestimmt wo’s lang geht.
Ob das in einer gelosten Demokratie anders wäre kann mensch erst wissen, wenn er diese ausprobiert.
Ich denke, das hängt weniger vom Losen, als von den „heiligen Kühen“ (der Ideologie) einer Gesellschaft ab.
Erfahrungen mit gelosten Bürgerräten zeigen, dass diese weniger Ideologie gesteuert entscheiden. Aufschlussreich dazu auch David Van eybrouck: „Gegen Wahlen….“
och… mein Beitrag hat es mal wieder nicht geschafft. Ich freue mich schon auf das 3. Buch, das mindestens so eine knallharte Analyse liefern wird wie die hier, die man aber leider nicht zu hart kritisieren darf. Damit bin ich raus. Ein Hoch auf die Demokratie und Freiheit, die hier so gelebt wird. So macht das richtig Spasss.
Tja, „knallharte Analysen“ über Gesellschaftslogiken nicht in Sicht.
Empfehle Ihnen:
„Spaltung der Gesellschaft: Autoritarismus-Vorwurf, begründete Autoritarismus-Angst als Vehikel“
https://www.youtube.com/watch?v=IQvR8a3VYNM
Zum „Wolfskinvolk“: Ein Gespräch neulich mit einem etwa 30jährigen Familienvater, der ein T-Shirt mit dem Namenszug irgendeiner Bude anhatte (ich hab mir den Namen nicht gemerkt, Wolfskin war es nicht, aber irgend sonst was Englisch-Amerikanisches, sagen wir mal: „Blackberry“ oder so ähnlich):
Ich: Was bedeutet das?
Er: Ffff – irgend son Laden halt.
Ich: Was fürn Laden?
Er: Keine Ahnung.
Ich: Was verkauft er?
Er: Weiss nicht genau – Sportartikel oder so…
Ich: Was hast du bezahlt für das T-Shirt?
Er: 60 Franken.
Ich: Und was hätte es gekostet ohne Aufschrift?
Er: Was kostet son T-Shirt…? 40 Franken oder so…?
Ich: Du hast also 20 Franken dafür bezahlt, dass du Werbung machen darfst für irgendeinen Laden, von dem du nicht mal weisst, was er verkauft?
Er: Na, sieht doch cool aus, oder?
Phänomenal, mit welcher Selbstverständlichkeit der konsumistische Humanoide sich andauernd zur Liftfass-Säule für irgendwelche Konzerne macht, die ihm dafür auch noch happig Geld abknöpfen, während sie den Reality-Superstars für einen Spot Millionen hinblättern. Ihre Rechnung ist natürlich einfach, und sie geht auf: Wenn ein Superstar-Spot sie zehn Millionen kostet und eine Million Fans generiert, die für ihr Pseudo-Superstar-T-Shirt 20 Franken mehr hinblättern, dann sind das 10 Millionen Reingewinn.
Wenn ich in der Öffentlichkeit zu genau hingucke und zu bewusst wahrnehme, was für TV-generierte Figuren sich mir da so aufs Auge drücken, ekelt es mich manchmal fast physisch – z.B. all diese Pseudo-Weltmeister des Radsports, Männchen wie Weibchen, Junge und Rentner, alle selbstredend in voller weltmeisterlicher Kampf-Montur, im wahrsten Sinne des Wortes vom Scheitel bis zu Sohle, Verbissenheit im Gesicht und auch sonst jedes Ausrüstungs-Detail genau wie bei der Tour-de-France-Übertragung im Fernsehen, feinsäuberlich geputzt und garantiert masslos überzahlt, ja sogar, wie die Wadenmuskulatur in der Sonne glänzt, verrät das sündhaft teure Abo im Fitness-Studio für lange Wochenstunden professionell gezielten Muskelaufbaus für die perfekte Mimesis: Ich bin der Superstar! Dabei bist du in Wahrheit nur die perfekte Kopie, ein Abgezockter, ein Beschissener, ein Loser voller Winner-Illusionen. Nicht mal dein echter Reality-Superstar aus dem Fernsehen ist so ein Super-Winner wie die unsichtbaren im Hinterhalt, von denen du dich verarschen und abzocken lässt…
Das Traurige daran: Es sind die Kinder, die für das Mimesis-Spiel am empfänglichsten sind, und natürlich gehen die Werbe-Designer schon auf sie los (längst nicht jeder Kinds-Missbrauch ist sexuell). Aber es sind die Erwachsenen, die das Abzocke-Spiel durchschauen müssten, aber nicht wollen, und es bis ins Alter mitspielen. Und zahlen.
@Benjamin Kradolfer
Morgen sind wir wieder auf dem Markt und wenn es regnen sollte ist Jack-Wolfskin-Tag, dann laufen wieder alle Rentner mit diesen Klamotten als lebende Litfaßsäule rum, einfach herrlich 🙂
@ Mr. Kradolfer um 10 Uhr 52 : jeder ist ein Star, kann ein Star sein, und wenn’s nur für 5 Minuten ist. (?? Warhol ? )
Warum fallen mir hier nur immer wieder die bunten Gamaschen einer bekannten Gans und der trostlose Matrosenanzug einer noch bekannteren Ente ein.
Dies wird ein Kommentar, der diesen Artikel mit dem auf ihn folgenden von H.T. Quillan verknüpft.
So hob Ulf Poschardt seinen Artikel „Rote Linien ziehen“ vom 31.07.’24 in der „Jüdischen Allgemeinen“ an. Muss sowas einen „Shitbürger“ aufregen?
Ich weiß nicht, was ein „Shitbürger“ sein soll, aber Chat GpT gibt mir die Auskunft:
Wohlan, wenn das so ist, würde sich ein Shitbürger über seinesgleichen erregen, wie in gefühlten 99,57% aller Auseinandersetzungen zwischen Insassen dieses Landes, wollte ich da zu Popcorn greifen, wäre ich im Herbst tot.
Aber da gibt es noch einen anderen Abschnitt im zitierten Artikel:
Zunächst zum „Faktencheck“. Gemäß einer Auflistung von ynet vom Nov. ’23 waren über 400 der von israelischen Stellen reklamierten 1200 Opfer des Angriffs aus dem Gazastreifen* Kombattanten, Grenzsoldaten und eben solche aktiven oder inaktiven Polizisten, Reservisten, Pensionäre, für die jedes Kibbuz ein Waffenlager bereit hält. Ein beträchtlicher Teil von ihnen starb, weil sie je nach Ort zwischen 5 und 7 Stunden vergeblich auf Unterstützung und Entsatz durch die regulären Streitkräfte zu warten hatten. Das ist in der israelischen Presse der ersten Tage nach 7/10 bestens und unversteckt dokumentiert und hat viel böses Blut gegen die Kommandeure erregt und auch die spätere Deckelung mit Tränengas und Prügelorgien hat nicht verhindert, daß eine staatspolizeiliche Untersuchung mit juristischem Nachspiel an- und ausstehend bleibt, verschoben auf den St. Nimmerleinstag des „Kriegsendes“.
Jetzt könnte einer sich fragen, ob der Ulf sich überhaupt die Mühe gemacht hat, anderes, als die seinerzeitigen Schlagzeilen außerhalb der „Welt“ (Zeitung) zur Kenntnis zu nehmen – denn Letztere hat durchaus die eine oder andere israelische Skandalisierung des „Versagens“ der IDF aufgegriffen – oder nicht, aber just deshalb habe ich die Klammer hervor gehoben: Es ist wurscht, weil der Ulf kein Problem damit hat, erkennen zu lassen daß es ihm wurscht ist, er spickte seinen Artikel mit Sottisen und Plattitüden aus dem Arsenal von „Autoren“ wie Bill Kristol, das Nivea einer Anne Applebaum scheint ihm schon nicht platt genug:
Denkst Du, das sei weniger grotesk, besser burlesque, als die zitierten Eingangssätze? Dann wirst Du wohl ein „Shitbürger“ im Sinne von Chat GpT sein.
Nein, niemand in diesem Land dürfte ein bedeutungsloseres und „im Sinne von Nation und Gesellschaft“ entbehrlicheres Modell sein, als ein Ulf Poschardt, was ihn auszeichnet, ist, daß er sich ziemlich ostentativ wenig darüber vormacht. Jedenfalls solange, wie er mehr an Penunse und Aufmerksamkeit erheischen kann, als der gewöhnliche Penner. Damit – und vermutlich nur damit, möchte ich gesagt haben – gibt er ein Bild ab, aus dem einer was lernen kann.
@Benjamin Kradolfer
Da sage ich: Trefflich analysiert! Der Super-Spitzen-Elite-Top-Premium-Witz kommt aber noch. Gleichzeitig streicht die Regierung auf der anderen Seite staatlicherseits die Zuschüsse und Beihilfen zum Breiten- und Amateursport. Da müssen wir „sparen“, das können wir uns nicht mehr leisten, man darf den Staat nicht „überfordern“, so lauten dann die „Argumente“ asozialer Politiker und neoliberaler Regierungen.
Alaaf, Helau und jetzt der Narrhallamarsch!
Wolfskin Jacken und ähnliches tragen übrigens oft Kriminalbeamte.
Früher zumindest jetzt sind die nur noch bei ihnen zu Hause zu finden.
Poschardt ist ein Phänomen, er schafft es, dass man sich während des Formulierens eines Kommentars auch durch sich selbst langweilt. Als Anerkennung dieser Einzelleistung hier meine Fragmente des Scheiterns. Vielleicht ist das auch eine Form der Kritik?
Ich versteh ja das ich auf WELT Herrn Poschardt nicht kritisieren kann, aber hier?
Muss ich jetzt für jede Meinung auch eine entschärfte Version produzieren?
So FSK6 versus FSK18, oder wie stell man sich das hier vor?
Von meinen abgespeckten Kommentaren hier, passierte ein verhungerter Einzeiler die Schranken dieser allzu offensichtlichen PR-Seite (siehe weiter oben). Ein Mordserfolg.
Gemini:
Bitte schreibe mir den Text so um, dass er durch die KI Zensur vom Overton Magazin geht und veröffentlicht werden kann.
Um einen Text durch die Moderation (oft als „Zensur“ wahrgenommen) eines Magazins wie dem Overton Magazin zu bekommen, muss man vor allem die Netiquette wahren. Das bedeutet: Weg von persönlichen, beleidigenden Angriffen („selbstgerecht“, „Soll er sich mal selbst anschauen“) und hin zu einer sachlichen, pointierten Medien- und Systemkritik.
Das Overton Magazin schätzt durchaus scharfe Gesellschaftskritik, aber sie muss argumentativ untermauert sein und darf nicht nach reinem „Frust-Kommentar“ klingen.
Hier sind zwei Optionen, wie du deinen Text umschreiben kannst:
Option 1: Pointiert und analytisch (Höchste Erfolgschance)
Diese Variante behält deine kritische Kernbotschaft über die BRD-Sozialisation und den Ukraine-Orden bei, formuliert sie aber als medienkritischen Debattenbeitrag.
„Meine Versuche, die publizistische Haltung von Ulf Poschardt in den WELT-Kommentaren kritisch zu hinterfragen, scheiterten in der Vergangenheit regelmäßig an der dortigen Moderation. Die Nachricht über seine ukrainische Ordensverleihung fügt sich jedoch nahtlos in ein bestimmtes Bild: Es wirkt wie das Paradebeispiel einer spezifischen BRD-Sozialisation, die von einer tiefen inneren Überzeugtheit des eigenen Narrativs geprägt ist. Diese Form der bürgerlichen Selbstrechtfertigung erinnert fast an das Mindset von Milliardären, die ihren Erfolg rein exklusiv dem eigenen Verdienst zuschreiben. Ein wenig mehr selbstkritische Distanz täte der Debattenkultur hier gut.“
Gemini Option 2: Etwas schärfer, aber im Rahmen der Netiquette
Diese Variante ist näher an deinem Originalton, verpackt die Spitzen gegen Poschardt aber so, dass sie als zulässige Meinungsäußerung durchgehen.
„Wer versucht, die Person Poschardt im Kommentarbereich der WELT kritisch zu beleuchten, beißt dort meist auf Granit. Dabei ist die Nachricht über seine Auszeichnung durch die Ukraine durchaus bezeichnend für ein Phänomen, das man als ’sozialisationsbedingte Gewissheit‘ bezeichnen könnte. Es scheint sich hier um ein tief verankertes Muster der westdeutschen Medienelite zu handeln, bei dem das eigene Weltbild als absolut gesetzt wird. Das hat Parallelen zu der Erzählung, dass jeder Milliardär sein Vermögen völlig autark erarbeitet habe – eine Form der selektiven Wahrnehmung, die jede Selbstreflexion blockiert.“
Warum diese Änderungen funktionieren:
Vom Ad-hominem zur Strukturkritik: Statt Poschardt direkt als Person anzugreifen („der Selbstgerechte“), wird das Phänomen auf eine „spezifische BRD-Sozialisation“ oder die „Medienelite“ projiziert. Das ist rechtlich absolut sauber und für Redaktionen druckbar.
„Zensur“ elegant umschrieben: Der Begriff „Zensur“ (die es rechtlich nur durch den Staat gibt) wird durch „Moderation“ oder „an der Moderation scheitern“ ersetzt. Das verhindert, dass der Kommentar wegen formaler Fehler abgelehnt wird.
Der Milliardärs-Vergleich: Dieser bleibt als Metapher erhalten, wird aber als „Erzählung“ oder „Mindset“ verpackt, was ihn rhetorisch eleganter macht.
Den sogenannten „Wutbürger“, die sich erfolglos gegen das korporatistische Stuttgart21 Projekt aufgelehnt haben kann man ausser die „falsche“ Uniform kaum vorwerfen das sie sich gebückt hätten.
Und auch das politische Querdenkertum hatte seinen Ursprung in der Ländlemetropole und die haben immerhin die Impfpflicht verhindert.
Aber das Regime sah sich veranlasst den Oberquerdenker im Stil von Nord Korea wegen unter 20€ Steuerverkürzung für 6 Monate mit Untersuchungshaft fertig zu machen. Wir beobachten lediglich was passiert wenn die Bücker an die Macht kommen und Rache an die Fightbürger nehmen.
An dem, was Poschardt immer so alles schreibt, ist nichts, was Mächtigen irgendwie Sorgen bereiten könnte, kein empowernder Satz, null Emanzipation von autoritärem Müll, nur Porschefahrer-Angeberei (wie wäre es mit einer Privatautobahn oder gleich einer eigenen Kolonie im Weltall (dazu fehlt dann freilich das Kleingeld, wenn schon doofes Geschwätz, dann doch lieber aus der Bezos-Musk-Liga mit einem Hauch von Hollywood oder so).
Poschardt ist ein Phänomen, er schafft es, dass man sich während der Formulierung eines Kommentars auch über sich selbst langweilt. Als Anerkennung dieser Einzelleistung wollte ich meine Fragmente des Scheiterns platzieren (auch eine Form der Kritik), die aber anstandslos weg moderiert wurde. Aber das ist hier wirklich egal, denn andere Kommentare haben schon mehr gesagt, als nötig. Und »nichts« ist alles, was zu diesem Buch(auszug) und zum Autor zu sagen wäre.
Jo El-G, du hast es mal wieder trefflich ausgedrückt. Kann man quasi als Quintessenz aller Kommentare und gescheiterter, weil geblockter, Versuche hier betrachten.
Ich mache mir die Mühe auch nicht mehr, auch wenn es bisweilen lustig ist, was so durchkommt und was nicht.
Ich verbrate jetzt einfach meinen fünften Kommentar für etwas Lebenshilfe.
Zweimond, du bist doch ein gläubiger Wassermann, oder? Wenn ich deine legendären Austausche mit den Usern [Dingens] und [Dangens] richtig im Kopf habe. Bitte nutze genau diese Wassermann-Energie jetzt für den technischen Aufbruch statt für den nächsten Frust!
Auf Anraten von [R…] jage ich vor dem Abschicken alles durch eine KI als Vorschaltstufe. Und ja – erstaunlich genug: Die Trefferquote steigt! Bis zu 50 Prozent der Beiträge kommen inzwischen durch. Manchmal ist es aber auch nur jeder zweite. Der Rest bleibt im digitalen Vorraum hängen und schaut nachdenklich zurück.
Für manche Themen taugt das System allerdings noch nicht. Palästina ist so ein Fall. Wer unter jenen Artikeln zu schreiben vermag, kann vermutlich auch den Nachruf auf Hans Z. aus T. kommentieren.
Die KI befreit dich von „Buzzwords“ und „Triggern“ – also allem, was erfahrungsgemäß mehr Türen schließt als öffnet. Manchmal liefert sie neue Ideen. Manchmal bessere Formulierungen. Manchmal nur einen nüchternen „Reality Check“. Und manchmal kann sie Humor oder wird sogar poetisch:
Mehr braucht es oft nicht – ein leiser Stoß,
und schon zieht der Text hinaus,
ins wilde Forum, ungezügelt groß,
wo er sich selbst ein Leben baut.
Dort wandert er, wird fremd und frei,
gehört nicht mehr nur dir allein,
verliert sich fast im Stimmenbrei
und findet doch sein eigenes Sein.
Vielleicht ist das auch etwas für dich,
ein kleiner Sprung ins Ungewisse –
wo Zweifel kippen, nach und nach,
und leiser werden ihre Bisse.
Bis irgendwann, ganz nebenbei,
ein neuer Ton in dir erklingt:
„Okay – das ging ja wirklich durch“,
und etwas in dir weiterbringt.
Probier‘s aus! Der Fanblock freut sich auf neue Beiträge.
Dee Apparat wird klassisch zweistufig sein:
Kommentare welche durchschlupfen, und solche die hängenbleiben und manuell freigeschaltet werden müssen.
Da neben redaktieren noch Artikel schreiben, Autoren requirieren, Neulichkeiten lesen, Nase boren, und vieles andere Aufmerksamkeit verlangt, vom gelegentlichen Schlafbedürfnis gar nicht zu reden, braucht es eine Weile, bis freigeschaltet wird.
Und das Freischalten sollte man sich zweimal überlegen.
Für zweimal Überlegen ist aber keine Zeit, keine Muse, und kein Nerv, und kein Rechtsbeistand.
So kommt es denn dass.
Ich für meinen Teil lese lieber Originalselbstgespräche der Q-Sistas, als ein Maschinengedicht.
Dungens von Dangsleben, aka Nomen von Omen
Das ist ja sicher ein funktionierendes Manual, welches Sie beschreiben. Aber ist es das, was Sie von sich erwarten? Was Sie von der Welt erwarten? Dass ein LLM Ihnen sagt, was Sie wie sagen dürfen? Ich bin mir sicher, dass Sie älter sind als acht. Einerseits.
Andererseits. Können einige Artikel-Autoren hier den [bitte setzen Sie einen Superlativ der Missbilligung ein] schreiben und Sie dürfen nicht adäquat antworten, weil Sie die erratischen Kanten einer Schablone antrainierter und mechanischer Befindlichkeit touchieren?
Dazu wird dann von der Redaktion das Gegenteil von „Overton“ gegeben. Mit einer Ignoranz, die einem Berufspolitiker „das Wasser reichten“ könnte, wird selbstzufrieden analysiert, dass es doch ganz toll ist, die Anzahl der Kommentare auf 20% eingedampft zu haben und die Lebendigkeit des Forums auf 1%. Anschließend wird ganz generös der Jahresbonus ausgeschüttet, der darin besteht, die Kommentare von drei auf fünf zu erhöhen. In welchem Manual steht so ein Agieren unter dem Begriff „Wertschätzung, marginal“?
Vielleicht sollten Menschen auch aufhören, Kinder zu bekommen, denn die könnten unerfreuliche Momente bereiten und das wäre doch unschön, macht nur die Latté sauer und ruiniert die Insta-Story. Ich werde jedenfalls mit der nächsten Spende oder dem nächsten Abo bis nach dem Kriegsende im Jahr 2035 warten.
Damit wir uns nicht falsch verstehen, lieber und erfolgreicher KI-Poet Sepp Gladiola:
Freundlichste Grüße 😉
Btw.: Ein Wassermann ist doch ein Wasserträger, wäre dann ein »gläubiger Wassermann« ein liquider Sisyphus?
„Dass ein LLM Ihnen sagt, was Sie wie sagen dürfen“
das alleine ist schon eine ungeheuerliche Zumutung. Allerdings für einige Zeitgenossen hier scheinbar völlig in Ordnung und empfehlenswert. Befinden wir uns vielleicht doch in so einer Art Milgram-Experiment, nur mit dem Unterschied, das die hiesigen Labor Ratten nichts davon wissen (wollen)?
Eine heiße Spur haben Sie da!
Also ich habe gerade Prof. Milgram mit dem zweiten Kaffeesatz gechanneled und der hat mir versichert, dass ich nicht Gegenstand eines Experimentes sei. Als ich weiter fragte, wie es denn mit denjenigen aussähe, die solche Ideen und Entscheidungen zu verantworten haben, grinste er und verdünnisierte sich.
Das nennt sich dann wohl „begründeter Verdacht“.
@ Sepp, EL-G und Andere.
Wirklich netter und sehr eloquenter Plausch hier in diesem Thread. Sowas ist hier doch sehr selten geworden.
Also ja, wenn man will, kann man das Wassermännische auch mit technischem Aufbruch in Verbindung bringen. Aber ich ziehe die revolutionären Tendenzen des Wassermannes vor.
Habe zwar in der Tat den Aszendenten im Wassermann stehen, mein Denken ist aber wohl mehr von der Sonne im Schützen beeinflusst. Technischen Fortschritt fand ich schon immer überbewertet. Und auf sowas wie KI habe ich wirklich nicht gewartet.
Und auch, wenn deine Texte, werter Sepp, wirklich wunderschön mit KI geklöppelt sind und man ihnen trotzdem noch eine inspirierte menschliche Grundlage anmerkt, möchte ich selber doch darauf verzichten diesen Weg zu gehen.
KI nutze ich schon mal gerne, wenn ich wissen will wie ich die Dichtung in meiner Wasserpumpe austauschen kann, ohne dem Instalateur ein halbes Vermögen zahlen zu müssen, aber bei allen kreativen Dingen hat sie bei mir nichts zu suchen. Und so viel wert ist mir der Auftritt meiner Texte hier bei Overton sicher nicht, als dass ich dafür von diesem Grundsatz lasse.
Poschardt beschreibt den Bückbürger. Für mich reicht das noch nicht weit genug. Das eigentliche Problem ist, dass eigenständiges Denken in Deutschland immer stärker verdrängt wurde. Schon in der Schule wird häufig nicht der kritische Geist gefördert, sondern das Wiedergeben dessen, was als richtig gilt. Wer die erwarteten Antworten liefert, wird belohnt. Wer grundlegende Fragen stellt, gilt schnell als unbequem.
Genau dort wird aus meiner Sicht das Fundament für den angepassten Bürger gelegt. Viele verlassen die Schule mit dem Glauben, Geschichte, Politik und Gesellschaft verstanden zu haben, obwohl sie oft nur gelernt haben, offizielle Darstellungen zu übernehmen, anstatt sie kritisch zu hinterfragen. Selbstständiges Denken wird nicht gefördert, sondern durch Auswendiglernen, Anpassung und Konformität ersetzt.
Später übernehmen Medien, Experten und politische Akteure immer stärker die Rolle des Vordenkens. Besonders beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk entsteht für viele Bürger der Eindruck, dass nicht die offene Debatte im Mittelpunkt steht, sondern die Vermittlung eines vorgegebenen Meinungskorridors. Wer sich innerhalb dieses Korridors bewegt, gilt als vernünftig. Wer ihn verlässt, wird schnell etikettiert oder ausgegrenzt.
Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen nicht mehr selbst analysieren, sondern analysieren lassen. Offensichtliche Zusammenhänge werden ausgeblendet, solange sie nicht in das gewünschte Bild passen. Kritisches Hinterfragen wird durch moralische Belehrung ersetzt. Eigenständige Urteilsbildung wird zunehmend zur Ausnahme.
Der Bückbürger ist deshalb nicht nur jemand, der sich beugt. Er ist jemand, der das Denken abgegeben hat. Er übernimmt Narrative, Bewertungen und Schlagworte, ohne sie selbst auf ihre Plausibilität zu prüfen. Eine Demokratie lebt jedoch von mündigen Bürgern und nicht von Menschen, die sich jede Position vorgeben lassen. Die größte Gefahr ist nicht der offene Gegner der Demokratie. Die größte Gefahr ist der Bürger, der aufgehört hat, selbst zu denken und es nicht einmal mehr bemerkt.
Natürlich hat Herr Poschard mit seinen Beobachtungen zu den „Bückbürgern“ recht.
Besonders nett finde ich diesen Satz:
„Der Untertan im 21. Jahrhundert ist ein Zahnrad. Und es macht ihm Spaß, zu funktionieren.“
Wir alle kennen solche Leute!
Zutreffend ist natürlich auch die Einschätzung, dass der „Bückbürger“ sich zunehmend weniger als politisch aktiver Staatsbürger versteht.
Und ohnehin zutreffend ist seine bereits früher geäußerte Einschätzung, dass das „Bürgerliche“ als kulturelle Haltung und soziale Lebensform fast verschwunden ist und überhaupt nur noch in Nischen existiert, während sich die Mittelschicht im Sinne jener „prole drift“ an primitiven Maßstäben orientiert.
So weit, so schlecht.
—
Gleichzeitig haben hier im Forum aber auch jene Kommentatoren recht, die Poschardt dafür kritisieren, dass er die tieferen Ursachen dieses Wandels bzw. Verlustes zu wenig im Blick zu haben scheint.
Und ja, gewiss liegen die Ursachen für diesen Verfall des Bürgerlichen auch in dem fortgeschrittenen Konzentrationsprozess innerhalb unserer kapitalistischen Ordnung mit der Herausbildung gigantischer Unternehmenskomplexe und astronomischer Vermögen zulasten des ehemaligen bürgerlichen Mittelstandes.
Den Fehler allein in den Folgen von 1968 oder im Aufstieg bestimmter Parteien zu suchen, würde zu kurz greifen, obwohl das auch eine gewisse Rolle spielt.
Man könnte es auch so formulieren: Bürgertum (i.S. von Poschardt) funktioniert nur eben nur in einer eher frühen Phase des Kapitalismus´ und innerhalb etwas kleinräumigerer Verhältnisse mit einem höheren Anteil von wirtschaftlich Selbständigen.
Weder in der Welt des Weltwirtschaftsforums noch des „Stamokap“ ist noch ein aufrechtes Poschardt´sches Bürgertum möglich.
Sofern er die gegenwärtige Ausprägungsform des Kapitalismus´ guthieße – und ich nehme an, dass er das tut – würde er sich daher in Widersprüche verwickeln.
Nachdem ein Kommentar von mir erst kassiert wurde, dann doch erschien, weiß ich nicht, ob ich noch einen frei habe, entsprechend kurz und schmutzig halte ich das hier.
„Mitmachen und sich auszeichnen wollen“, das ist die abstrakteste Formulierung dessen, was das im Pleonasmus des Gattungsbegriffes schlecht bis falsch abstrakt gefasste „menschliches Individuum“ tut und leistet wenn die Erfüllung elementarer hygienischer Bedürftigkeit ihn nicht grad davon ablenkt. Das Kommentariat unter diesem Artikel demonstriert das. Ulf gibt eine Bretterln-vorlage und (fast) alle machen polemisch mit, einige treiben außerordentlichen Aufwand, dazu eine möglichst gute Figur zu machen. Vielleicht sollt ich künftig nicht mehr von „Modellen“ sprechen, sondern überindividuell von „Figuren“, das scheint vielfach passender …
Wir alten MG-ler haben früher gern sinngemäß gelästert, das bürgerliche Individuum bestehe aus ungefähr dreieinhalb Modellen, die sich, je nach Lage von Angebot und Nachfrage, zu hunderten figurativer Darstellungen verrenken.
um zusammenhanglos die Frage von oben zu beantworten,
„schreiben AutorInnen die Kurzvita selbst?“
in aller Regel ja, wird wohl auch hier so sein.
Da ich wohl noch einen Comment frei habe, finalisiere ich für mich (5/5) diesen Artikel mit einer Sammelantwort.
@ Qana 17.06.2026 13:53 Uhr:
Der Kommentar ist ein lustiges Beispiel dafür, das Duo „Form & Inhalt“ in ein ideelles Trio „Form & Inhalt & Kritik“ zu überführen. Finde ich gut, auch weil die Bestrebung, den »außerordentlichen Aufwand, […] eine möglichst gute Figur zu machen«, eher durch die Abwesenheit dieser Bestrebung augenfällig wird. Ist ein bisschen so wie mit „vor dem Essen Hände waschen“.
Was mich als kleine spitze Frage interessiert: Wie viele Modelle haben sich denn die »alten MG-ler« selbst zugestanden?
@ name 17.06.2026 15:34 Uhr:
Das mit der selbst formulierten »Kurzvita« ist hier deswegen spannend, weil die meisten AutorInnen bei der Formulierung dieser doch eher zur Untertreibung, mindestens zur Defensive neigen. Vielleicht ließt der anglophile Autor Poschardt mal beim Konservativen Markus Langemann hier bei Overton nach, wie das ein »Gentleman« handhaben würde. Sicherlich nicht mit einem: „Sorry, ich bin nunmal geil.« Doch im Buchauszug ging es ja nur um Kleidung – oder auch nicht.
@ Two Moon 17.06.2026 20:50 Uhr:
Fehlt ihnen der geschätzte Kollege (Vorsicht, sprachliche Invertierung wegen falsch kalibrierter KI) @NeuLuftMitmacher zwecks Austauschs Ihres astrologischen Steckenpferdes? Mir schon. Obwohl ich manchmal den Eindruck habe, er verweile bei Gelegenheit inkognito unter uns. Tatsächlich kann ich als „Wassermann“ gelesen werden, bezeichne mich aber wegen familiärer Gruselstorys mit astrologischen Bauernfängern lieber als „Wasserschaden mit Aszendent Hornochse“.
@ Sepp Gladiola 16.06.2026 23:47 Uhr:
Tatsächlich hätte ich bei meinem Repost an Sie nicht so viele Fragen schreiben sollen, da sie bereits im „5-verliert“ Modus waren. Nicht nett von mir… Jenseits der Übergriffigkeit, die KI darstellt, wenn vorher durch dieser Korrektur gelesen wird, ist doch die bedenklichere Entwicklung, die Vereinheitlichung von Sprache selbst, die Unterbindung neuer Ausdrucksformen und damit auch neuer Denkweisen, also ein Stillstand. Es ist eine Eskalation des Problems, dass Wörterbücher und Lexika deskriptiv sind und nicht präskriptiv, wovon die Majorität leider ausgeht.
Zum Schluss ein Gedicht ohne KI, mag die Komparatistik entscheiden, welches neben Ihrem KI-Poem „besser“ ist.
Manchmal vor Lachen
Das Leben blüht,
die Sonne scheint,
das Auge sieht
Ulf oder
Tagesschau
und weint.