
Einst galt die deutsche Erinnerungskultur als vorbildlich. Heute darf man wohl anmerken, dass sie vollkommen gescheitert ist. Die Grundidee einer kollektiven Erinnerungsbewahrung war vielleicht auch vermessen.
Bevor die Deutschen stolz darauf waren, die globale Erwärmung des Weltklimas gewissermaßen im Alleingang umzudrehen, erfüllte sie ein anderes Thema mit dem Gefühl, offenbar alles richtig zu machen: Die Aufarbeitung der Schuld, die ihre Väter und Großväter, ihre Mütter und Großmütter, angehäuft hatten. Wiedergutmachung lautete das Stichwort, ein international als sehr deutsches Wort aufgefasstes Phänomen, die historische Verantwortung anzunehmen und an das, was einst geschah, fortwährend zu erinnern. Die Erinnerungskultur etablierte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte als ein Grundpfeiler der bundesrepublikanischen Identität. Die Verbrechen der Vorfahren aufzuzeigen, sie zu durchdringen und mahnend an die nachfolgenden Generationen zu vermitteln, galt als Patentrezept dafür, dass Deutschland nie wieder zum Paria der Weltgemeinschaft werden könne.
Nie wieder: Auch das ist ein Schlagwort aus dem Komplex der Erinnerungskultur. Schon früh nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vernahm man diese Parole: Nie wieder Krieg! Im Laufe der Jahrzehnte wurde dieser ehrenvolle Wahlspruch modifiziert – aktuell firmiert er in der Version des Nie wieder ist jetzt! Erstmals tauchte diese Variante im November 2023 auf, um die Vorfälle des um sich greifenden Antisemitismus‘ im Zuge des Gaza-Krieges anzuprangern – mit Beginn des Jahres 2024 und der sogenannten Enthüllung, die Correctiv über ein Geheimtreffen in Potsdam verbreitete, erfuhr Nie wieder ist jetzt! eine breite gesellschaftliche Resonanz: Von Staat und Regierung alimentierte Nichtregierungsorganisationen verbreiteten den Wahlspruch und machten so deutlich, dass jeder sich in diesem Deutschland nach wie vor an damals erinnert. Ja, man habe aus der Geschichte gelernt und sei nun besonders wach. Geschlafen hat das sich vermeintlich erinnernde Deutschland allerdings, als ein FAZ-Journalist dem ukrainischen Präsidenten die Frage stellte, wie man ihm beim Töten von Russen behilflich sein könne.
Braucht es Erinnerungsstätten?
Am 8. August 2026 reiste der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskyj nach Belgrad. Dort wollte er mit dem serbischen Präsidenten Aleksander Vucic ins Gespräch kommen. Der Besuch mündete in Absichtserklärungen in den Bereichen Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit sowie in eine Vereinbarung zur Ausarbeitung eines Freihandelsabkommens – Rüstungszusammenarbeit wurde jedoch nicht thematisiert. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz richtete FAZ-Journalist Michael Martens eine Frage an Selenskyj – er wollte von dem Staatsoberhaupt wissen, wie die Europäer seinem Land dabei helfen könnten, Russen zu töten. Fairerweise sei allerdings hinzuzufügen, dass er seine Frage umgehend konkretisierte und nachschob, dass er von »russischen Soldaten« spreche. Statt empörter Gegenreden, statt Skandalisierungen, verhielt sich der deutsche öffentliche Debattenraum relativ ruhig. An den Rändern, sicher, da vernahm man Widerreden. Doch der Mainstream hielt sich zurück, vermeldete recht kühl, dass Russland vermutlich ein Strafverfahren gegen Martens einleitet, die Frankfurter Allgemeine nannte diese russische Erwiderung einen »Einschüchterungsversuch« – aber eine Einordnung, dieses sonst so gern gebrauchte Lieblingswort des zeitgenössischen deutschen Journalismus‘, folgte nicht. Erst als Russland Martens, den genannten Journalisten, zur Fahndung ausschrieb, wurde emsiger berichtet – wenn auch wieder ohne Einordnung des Gesagten. Kein Nie wieder!, nirgends ein Hinweis auf die deutsche Geschichte und die Verantwortung, die sich aus den historischen Verstrickungen ergibt.
Nur, dass eine solche Frage zweifelsohne nicht fein sei, stand häufig in den Netzwerken – einen Sinn für Ästhetik haben sich die Deutschen des Jahres 2026 ganz offenbar noch bewahrt. Die Erinnerungskultur, dieser ganze Stolz der Deutschen, die die Historiker Guido Knopp bis hin zu Sönke Neitzel auf die Pflicht zum Erinnern und zum Mahnen eingeschworen haben, fand in Anbetracht von Martens‘ Exzess überhaupt keine Berücksichtigung. Russen zu töten – und seien es auch russische Militärangehörige – gilt im heutigen Deutschland zwar als unschön, aber auch nicht mehr. Seit Jahren zeigt sich dieser blinde Fleck innerhalb der Erinnerungskultur. Man spricht davon, den Krieg nach Russland zu tragen, Russland zu ruinieren, nun auch noch Russen zu töten – Schon wieder! statt Nie wieder! lautet die Devise. 27 Millionen Sowjetbürger – nicht nur Russen – wurden im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht und den dahinter lauernden SS-Brigaden – nicht nur Deutsche – getötet. Über 14 Prozent der sowjetischen Bevölkerung fand bei diesem Russlandfeldzug den Tod. Städte wurden zerstört, Familien für immer ausgelöscht, verbrannte Erde hinterlassen. Ergibt sich aus dieser Katastrophe nicht eine Verantwortung, ja geradezu die Pflicht, mahnend aufzutreten? Noch nicht mal ein Jahrhundert ist vergangen, da hat man das Versprechen, sich allezeit an damals zu erinnern, längst auf den Müllhaufen der Geschichte verfrachtet.
Viel Geld wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte in die Hand genommen, um das Erinnern aufrechtzuerhalten. Vermutlich mehrere Milliarden Euro, ganz genau lässt sich das nicht beziffern. Vereine, Kunst und Kultur wurden gefördert, die im Zeichen dieses Verantwortungsbewusstseins stehen, wurden – und werden noch immer – mit Steuergeldern subventioniert. Gedenkstätten wurden errichtet, Mahnmale gebaut – in fast jeder Stadt des Landes sollen Stolpersteine an jene Zeit erinnern. Sich erinnern auf kollektiver Ebene des Gemeinwesens, so glauben wir in unseren Gefilden – und speziell in Deutschland –, brauche Subventionen, staatliche Anleitung, die Aufnahme in Lehrpläne, Vereine, Organisationen und in Stein gehauene Belege dessen – in Form von Denkmälern –, dass man als Gesellschaft auch bereit ist, sich weiterhin erinnern zu müssen. Wer keinen Platz schafft, an dem die Erinnerung eine materielle Form annimmt, der will lediglich vergessen? Der Philosoph Stanislaw Strasburger widerspricht dieser Vorstellung. In der Weltbühne berichtete er von einem seiner vielen Aufenthalte in Mexiko. Dort habe er viel über die Erinnerungsarbeit der Maya erfahren. Die Nachfahren dieses indigenen Volkes geben ihre Erinnerungen von Generation zu Generation mündlich weiter – Erinnerungsstätten gebe es keine. Im Gespräch mit Strasburger erklärten die heutigen Maya – siehe das Interview, das der Autor dieses Artikels mit Strasburger erst kürzlich führte –, dass die Errichtung einer solcher Stätte eher wie die Auslagerung der Erinnernungsbereitschaft wirke. Als wolle man sich selbst entlasten und der Stätte die Bürde des Erinnerns übertragen.
Die Macht des Vergessens
Strasburger hält die Erinnerungskultur europäischer Prägung für dysfunktional. Sie ritualisiert den Umgang mit historischer Erfahrung, scheint dabei aber die eigentliche emotionale Kraft einzubüßen. Bei den Maya etablierte sich innerhalb ihrer Erinnerungen auch die Bereitschaft, gewisse historische Ereignisse – zu ihren Lasten, nachdem die Europäer sie verdrängten, ebenso, wie die Schandtaten ihrer Vorfahren, beispielsweise Menschenopfer – zu vergessen oder verblassen zu lassen. Strasburger plädiert daher zudem dafür, dass es mindestens auch Stätten des Vergessens geben müsse. Überhaupt kann man den Umstand, sich immer mehr erinnern als vergessen zu wollen, auf die »psychologische Wende« zurückführen, welche zum Ende des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Aufarbeiten war nun angesagt, Verborgenes aus den Tiefen des menschlichen Gedächtnisses herauffördern, um es adäquat einzuordnen, damit arbeiten zu können – um es geradezu zu verarbeiten. Die Macht des Vergessens geriet ins Hintertreffen, eine Qualität, die manchen traumatisierten Menschen half, weitermachen zu können – und die auch im Christentum ihre Entsprechung fand, in dem Vergebung immer auch Vergessen bedeutete, so als sei ein bestimmter Umstand, eine schlimme Sünde beispielsweise, nie geschehen.
Es lässt sich freilich darüber streiten, ob es beispielsweise ein Ansatz ist, die Verbrechen des Holocausts vergessen zu wollen – eine solche Forderung wird schnell mit bitterbösen Vorwürfen geahndet. Ja, mit sozialer Ächtung sogar. Dabei ist das Vergessen längst am Werk, wie wir täglich erfahren müssen. Die Verbrechen unserer Vorfahren werden zwar weiterhin in einem eher luftleeren Raum beschworen, aber in der politischen Realität – und in der flankierenden Presse – zeigen diese Erinnerungsappelle kaum noch Wirkung. Pathetisch wird der Widerstandsgeist beschworen, man würde zum Beispiel niemals dieselben Fehler wie unsere Großeltern begehen. Die Straßen sind bei den sogenannten Demonstrationen gegen rechts voller Widerstandskämpfer, die damals – gemeint ist die Hitler-Zeit – niemals mitgemacht hätten. Das kann natürlich jeder aus der zeitlichen Ferne, begnadet durch die späte Geburt, leicht behaupten. Es ist einfach, sich zu brüsten, wenn man nicht selbst in einer solchen Situation steckt. Als man allerdings vor einigen Jahren in eine Situation geriet, in der Widerstand geboten war, zeigte sich zweifelsohne, wie es um den Widerstandsgeist bestellt war. Sicher, diese Pandemie war kein nationalsozialistisches Regime, aber wie man die Bevölkerung propagandistisch auf Linie bringen kann, das dokumentierten die Jahre zwischen 2020 und 2022 fast vorbildhaft. Vielleicht sind die, die gegen rechts demonstrieren, nicht vollkommen deckungsgleich mit jenen, die in den genannten Jahren die Maßnahmen, die Impfung und die Einschränkungen verteidigten – aber frappierend ist schon, dass es eine so große Schnittmenge zwischen den Apologeten der Corona-Maßnahmen damals und den heutigen Demonstranten gegen rechts zu geben scheint.
Aber wer weiß heute schon ganz genau, wie es zwischen 1933 und 1945 wirklich im Deutschen Reich zuging? Die Menschen damals waren ebenfalls Zwängen unterworfen – sie hatten Familien, einen Arbeitsplatz, wollten und mussten weiterhin Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. Sich hinzustellen und den Widerstandshelden spielen, ist als wohlfeile Aufschneiderei acht Jahrzehnte später ein Leichtes. In der damaligen Wirklichkeit durfte man damit rechnen, zumindest eine gewaltsame Abreibung zu erfahren. Wenn nicht sogar Schlimmeres irgendwo in einem von Gott verlassenen Folterkeller. Wollte man als heldenhafter Vater wirklich nur noch aus der Ferne, eingesperrt in einem Konzentrationslager, die Kinder aufwachsen sehen? Die Nämlichen trugen Verantwortung für Partner und Nachwuchs, sich querstellen war für sie keine Option, denn was war gewonnen, wenn man Haltung zeigte und dafür den Kindern ein Elternteil nahm? Glauben die heutigen »Widerstandsheroen« naiverweise wirklich, dass das Regime irgendwann Einsicht gezeigt hätte? Nein, die Erinnerung an damals sollte uns nicht Arroganz lehren, sondern Demut. Selbst kluge Köpfe begehrten nicht auf, die späteren Generationen haben sich darauf verständigt, dieses Stillhalten als Befürwortung des Regimes einzuordnen. Aber das ist unterkomplex – das sieht man auch daran: Nicht jeder, der während der Pandemie stillhielt, war ein Befürworter von Lockdown und Co. Etliche – vielleicht die Mehrheit – wollte weiter ohne Probleme durchs Leben gehen. Das ist schwach, aber menschlich. 1933 und danach hing freilich mehr daran, als lediglich seinen Arbeitsplatz zu verlieren – im schlimmsten Fall verlor man sein Leben. Demütig wäre es, wenn wir die Erinnerung an damals so lesen würden: Jeder von uns hätte seinen Frieden mit den Nationalsozialisten machen können – keiner ist gefeit, auf Abwege zu geraten. Sie nicht, ich nicht – wirklich keiner. Und manchmal sind die Abwege alternativlos.
Genug erinnert!
Diese Erkenntnis ist ganz sicher deprimierend. Vielleicht taugte sie deshalb nicht als Inhalt der hiesigen Erinnerungsindustrie, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte formiert hat. Dennoch ist das ein Ansatz, der berücksichtigt werden sollte. Denn die Erinnerungen, die Gesellschaften pflegen, sollten nicht dazu dienen, die Vergangenheit zu verspotten, um sich darüber moralisch erheben zu können – sie sollten verstehen lehren, aufzeigen wie die Dynamiken von einst griffen, nachvollziehbar machen. Das wäre ein sachlicher, ein respektvoller Umgang mit der deutschen Geschichte – kein emotionalisierter, den man heute an jeder Straßenecke antreffen kann und der keinen Mehrwert erzeugt, außer die eigene Haltung herauszukehren und sich im moralischen Gratisstolz zu üben. Die Protestkultur, die sich in den letzten Jahren etabliert hat, versteht sich nicht als mahnend, sondern als plakativ, polemisch, arrogant und überheblich. Sie tritt die ursprünglich sicher mit besten Absichten begangene Erinnerungskultur mit Füßen. Missbraucht die einst noblen Gedanken, sich an der eigenen Geschichte messen zu lassen, nur um eine abgeschmackte Haltungsshow zu begehen.
Womöglich wäre es also an der Zeit, mit dem kollektiven, dem staatlich verordneten Erinnern aufzuhören. Denn Erinnerung als ein von Steuergeldern geförderter Dauerauftrag: Dieser hat ganz offenbar versagt, nicht die Ergebnisse erzielt, die wir uns als Gesellschaft über Jahrzehnte hinweg selbst eingeredet haben – wir haben offensichtlich Milliarden Euro für eine Lebenslüge ausgegeben. Deutschland taumelt in einen Krieg – und das Wissen über den Nationalsozialismus, das staatlich gefördert verabreicht wurde, scheint in weiten Teilen seltsame Blüten zu treiben, wie man ganz aktuell an den grotesken Aussagen Charlotte Knoblochs ermessen kann, wonach die AfD quasi die NSDAP sei – eine Gleichsetzung, die nicht nur sie alleine begeht, die mittlerweile Allgemeingut geworden zu sein scheint. Zu befürchten ist, dass über jene Zeit wenig bis in unsere Gegenwart vorgedrungen ist. Hätte jahrzehntelange Erinnerungskultur nicht für mehr Expertise sorgen müssen? Aber sie hat es nicht, sie hat stattdessen einer Kultur des Ereiferns, des überheblichen Gratiswiderstands Vorschub geleistet – Verständigkeit hat sie jedoch nicht gefördert. In der eigenen Gegenwart erkennt man offensichtlich weder Feindbildpflege, Ausgrenzung noch Kriegsbegeisterung. Die gesellschaftlich angestrebte Erinnerung hat ihren Zweck verfehlt.
Generationenübergreifend hat man sich versichert, aus der Geschichte gelernt zu haben. Nur was man gelernt hat, wurde eher selten thematisiert. Haben wir uns etwa zu viel erinnert? Und dafür zu wenig verarbeitet und noch weniger verstehen wollen? Nie wieder: Diese Parole erstarrte zu einem Ritus, dessen Floskeln nicht mit Verständigkeit wiederholt wurden, sondern die mantrahaft repetiert werden, offenbar ohne vollumfänglich intellektuell erfasst zu werden. Hätte das kollektive Erinnern gefruchtet, gebe es deutlich weniger Widerstandsheroismus und weniger Kriegstreiberei – und wo es das doch gäbe, täte man es als infantiles Geschwätz ab, mit dem nach 1945 kein deutscher Staat mehr zu machen ist. Doch leider ist das Gegenteil der Fall. Es ist daher längst an der Zeit, die Erinnerungskultur einzudampfen oder gleich ganz aufzugeben. Afuera mit dieser Erinnerungsindustrie, die längst nur noch Fördergelder abstaubt, aber keine nachhaltigen Erfolge erzielt – und die, schlimmer noch, sogar die politisch verordneten Irrwege der Gegenwart mitträgt, als könnten die Erkenntnisse, die der so brutal verlorene letzte Weltkrieg Deutschland aufnötigte, jederzeit nach Belieben verformt werden. Längst ist das staatlich subventionierte Erinnern zu einem Instrument der gegenwärtigen Machtabsicherung verkommen. Wer sich auf diese Weise erinnert, sollte lieber alles vergessen. Jahrzehntelang warf man den Generationen, die das nationalsozialistische Regime noch erlebt hatten, Verdrängung vor – nun erkennen wir, dass die Verdrängung der geschichtlichen Erfahrungen gar nicht jenen Jahrgängen alleine anzulasten ist, sondern auch ihren Nachkommen. Wir haben es als Gesellschaft vollbracht, dass nicht das Vergessen die Verdrängung förderte, sondern die staatlich geförderte Erinnerung.
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Wo und bei wem war eine Erinnerungskultur vorbildlich? Bei sich selbst? Woanders wohl nicht. Es herrschte dort die Befürchtung vor, dass sich D. daran erinnern könnte, bei den Obstfeldzüge fast gewonnen zu haben: Wir haben den 1. Weltkrieg verloren, den 2. auch und den 3. werden wir auch gewinnen.
Die Deutschen werden als die Bäckburschen wahrgenommen, die sich am liebsten selbst auf die Schulter klopfen und ringsum Staub verbreiten.
OberstMeyer: Jetzt gerade in diesem Moment werden wir an den III. Wltkrieg erinnert!!!!!!!
Auf meinem Tablett poppte gerade eine Alarmmeldung auf und unsere Dorfsirene nudelte
etwa 3 Minuten lang auf und ab. Wir sollten endlich einmal mit dem ständigen Erinnern an
unsere Vergangenheit aufhören und mit dem Erinnern an eine bevorstehenden letzten
Weltkrieg beginnen.
Ich habe eine gute Erinnerungskultur. Ich erinnere mich an schlimmste Gewalttaten und den Umgang des Staates und seiner Medien damit. In den letzten 10 Jahren gab es so viele davon, daß man seinen Alltag tatsächlich nur noch durch Verdrängung bewältigen kann.
Erinnern wird benutzt beim Thema Kritik an Israel und Waffenlieferungen, andersrum vergißt die selbe Regierung die Erinnerung wenns um Aufrüstung oder Russland geht. Den Kindern in der Schule erzählt man Nazi ist böse, gleichzeitig lässt man sich mit Asow ablichten. Erinnerung wird von Politikern instrumentalisiert wenn sie gebraucht wurde.
Erinnern halte ich für wichtig, grad als Schulstoff. Die Instrumentalisierung kann aber weg.
„Addolff ist böse, die Nazis sind böse“, ist das, was meine Schüler in der Altenpflege wussten, also die früheren Nazis, die, wo den Krieg machten. Heute?
Da waren moslemische Schüler dabei, die den „Holocaust“ gut fanden, da die Juden an allem schuld seien, was im „Nahen Osten“ so statt findet und für eine Neuauflage plädierten.
Die andern fanden das für ihr Leben nicht relevant, schon lange her, interessiert doch keinen!
„Die immer mit den Juden, die sollen mich mal damit in Ruhe lassen,“ hieß es so oder ähnlich unisono.
Man muss aber dazu sagen, das die politische Bildung des gesamten Klientels sich nahe der Nulllinie bewegte, den Unterschied zwischen dem Amt des Bundeskanzlers und dem des Bundespräsidenten kannte niemand, wofür Bundesrat und -tag so da seien sollen, wussten sie auch nicht, was sie wussten war nur, das die Politik sie verarscht.
Ich selber wurde in meiner Schulzeit mit der „Erinnerung“ und der Verpflichtung des „Nie-wieder“ förmlich zugedeckt.
Ich konnte das irgendwann nicht mehr hören!
Ich fühlte mich nicht schuldig!
Und selbst wenn die vorherige Generation sich schuldig gemacht hatte, so war das nicht mein Problem!
Ich bin in meiner Jugend bei Besuchen in Holland und Dänemark beschimpft und angegriffen worden, weil ich Deutscher bin. Verstand ich zwar, fand ich aber ungerecht, denn was hatte ich damit zu tun?
Mich deshalb schlecht zu fühlen, fiel mir nicht ein, zumal ich damals bei den Autonomen anfing und fand, das ich was tat.
Außerdem, ich fand die Schuldzuweisung in die nächsten Generationen hinein ausgesprochen biblisch und mit der Bibel hatte ich noch nie was am Hut!
Auch damals ist mir schon aufgefallen, das es sich bei der Erinnerungskultur um Formalismus handelt, eine Demonstration der scheinbaren Einsicht und des „mea culpa“.
Bestes Beispiel war die Instrumentalisierung des 20. Juli!
„Aufstand des Gewissens“, wir „ziehen das Nessushemd“ an, blabla. Helden eben!
Das die eine militaristische, reaktionäre und in Teilen monarchistische Bande gewesen sind, die von Demokratie Lichtjahre weit entfernt waren, musste ich mir selber erarbeiten, in der Schule von unseren Erinnerungsapologeten habe ich das nicht gehört!
Mir wurde damals auch langsam klar, das
-im parlamentarischen Rat ehemalige Nazis und die Bürgerlichen, die 33 für das Ermächtigungsgesetz stimmten, sich dort breit gemacht hatten, um unser GG zu erarbeiten
-das Polizei, Richterschaft und Staatsanwaltschaften aus ehemaligen Nazis bestanden
-das das gesamte AA von Nazis durchsetzt war
-die Bundeswehrführung aus ehemaligen Wehrmachtsgeneralen bestand
-die Beamtenschaft und v.a. die Lehrer auch aus ehemaligen Nazis bestand
Da wurde mir vor 35 Jahren bereits klar, wie verlogen unsere offizielle „Erinnerungskultur“ ist!
In der Psychoanalyse, in der tiefenpsychologischen Psychotherapie geht es darum, die verdrängten Traumata, aber ebenso die eigenen verdrängten Taten, die eigenen verdrängten Anteile, die unbewusst die Sicht und das Erleben der Realität einfärben, oft verdunkeln, ins Bewusstsein zu heben, damit der Integration in die eigene Persönlichkeit, ja, das habe ich erlebt, erlitten, getan, zugänglich zu machen. Dies vor allem durch Verzeihen und auch sich selbst vergeben, und dann aber wieder absinken zu lassen, nicht ins Unbewusste, eher in eine ferne und nicht mehr belastende ErINNerung.
In dieser Art der Erinnerungskultur wurde vor allem die eine Opfergruppe als das exemplarische singuläre Opfer regelrecht idealisiert (was ja eine Form der Reaktionsbildung ist https://de.wikipedia.org/wiki/Reaktionsbildung), während andere Opfer missachtet wurden in der Fortsetzung ihrer früheren Verfolgung, wovon Natascha Wodin ein Lied zu singen weiß. Damit, mit dieser Aufspaltung wird deutlich, dass eigentlich nichts wirklich verarbeitet wurde in einem Prozess zu einer wirklich reifen Persönlichkeit, die nicht mehr einem manichäischen Welt- und Menschenbild anhängt.
Und in Bezug auf Israel: Das betreibt letztlich eine Fortführung der Traumatisierung seiner (jüdischen) Jugendlichen durch die Indoktrination auf den Auschwitzfahrten, dass alle Welt sie ihres Jüdisch-Seins wegen hasse. Zu sehen sehr eindrücklich in der Doku Defamation. https://www.youtube.com/watch?v=g9zBo2h4hrw
Und wenn man noch einbezieht, dass in einer spirituellen Weltsicht klar ist, dass Gedanken die Wirklichkeit formen, dann wird auch klar, dass dieses ständige Präsent-Halten eher den gegenteiligen zu dem gewünschten Effekt hat, wie man im übrigen gerade speziell in D und in Israel sieht. Kriegsbegeisterung und Völkermord allerorten.
Die Frage der imperialistischen Gesellschaftsordnung und der darin liegenden „Notwendigkeit“ Kriege zu führen lasse ich beiseite. Das ist ein anderer Asdpekt der ganzen Geschichte.
Eine wirkliche Aufarbeitung der Vergangenheit setzt voraus, dass
– die Gesellschaft es von sich aus will
– die Gesellschaft souverän ist
– die Profiteure des Unrechtsregimes offen benannt werden dürfen
– die Aufarbeitung ergebnisoffen erfolgt
Ist dies in Deutschland gegeben? Von anderen Ländern ganz zu schweigen
Die Denkfabriken haben genau vorgegebn, an was „erinnert“ werden soll. Und wie. Nicht umsonst haben wir einen Fernsehkanal der ununterbrochen „NaziNaziNazi“ sendet. Erinnert werden soll:
* Juden sind die einizg relevanten Opfer des „3. Reiches“
* Hilter war es ganz alleine, also ohne ausländische Hilfe
* Nazitum gab es (fast) nur in Deutschland, also keine US-Nazis, keine GB-Nazis, keine Royal-Nazis, …
* Israel wäre die einzige Rettung für die Juden gewesen, Israel muss sakrosankt sein und bleiben, wegen überall Nazis und so
* nie hätten Zionisten mit Nazis zusammengearbeitet
* die USA, GB, (IL) waren und sind die Verteidiger und Retter der Freiheit und gegen das Nazitum – in der ganzen Welt, schon immer und immerdar
usw.
DAS ist die verschriebene „Erinnerungskultur“.
NIE gab es eine innere Aufarbeitung. Denn die müsste natürlich VON INNEN heraus und ohne aufgezwungen zu werden, kommen.
‚Erinnerungskulturen sind die historisch und kulturell variablen Ausprägungen von kollektivem Gedächtnis.‘ sagt Wikipedia.
Deshalb kann man sie nicht abschaffen. Und natürlich spiegeln sie die Gesellschaft.
Ein starker Text. Ein kluger Text.
So dürfte es sein:
„Die Grundidee einer kollektiven Erinnerungsbewahrung war vielleicht auch vermessen.“
—
„Die Erinnerungskultur etablierte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte als ein Grundpfeiler der bundesrepublikanischen Identität.“
Stimmt, so ist es gewesen und so so soll es nach der Meinung eines bestimmten politischen Milieus, welches inzwischen herrschend geworden ist, auch sein und bleiben.
Inwieweit es aber ÜBERHAUPT möglich ist, so eine (negative) Erinnerung zum Fundament der Identität eines Landes, einer Nation zu machen, das ist eine überaus wichtige Frage. Dies auch deshalb, weil die heutige Bevölkerung in Deutschland wegen einerseits wegen des zunehmenden zeitlichen Abstands und andererseits wegen der Migration diese Erinnerung in wachsendem Maße nicht mehr auf sich selbst bezieht. Anders gesagt: Das juste milieu der Bundesrepublik hat hier etwas zum „Grundpfeiler der bundesrepublikanischen Identität“ gemacht, was ganz eindeutig nicht auf Dauer so belastbar sein kann, wie es bei einem Grundpfeiler aber nun einmal der Fall sein muss. Doch ist dies ein Thema für sich und soll deshalb hier nur knapp erwähnt sein.
—
„Erinnerungsindustrie“
Ein traurig-böse-wahres Wort
Und wenn „Erinnerungskultur“ womöglich sogar in erster Linie dazu beiträgt, bestimmte politische Parteien (etwa damals die SED in der DDR) am Ruder zu halten oder heute von bestimmten politischen Kräften dafür verwendet wird, die eigene Existenz (auch finanziell) zu rechtfertigen oder harmlose politische Gegner zu verleumden, dann läuft was falsch.
Und manchmal hat man gar den Eindruck, als ob gerade solche Leutchen, die sich schon von ihrer Gruppenbezeichnung her so stark vom NS bzw. vom „Faschismus“ absetzen wollen, kurioser zu denen gehören, die bestimmte Agitations- und Einschüchterungsmethoden von damals noch verdammt gut in Erinnerung haben …
Das wäre dann ein Beispiel dafür, wo die Kultur des Vergessens (i.S. von Strasburger und De Lapuente) von Vorteil gewesen wäre.
»Sicher, diese Pandemie war kein nationalsozialistisches Regime, aber wie man die Bevölkerung propagandistisch auf Linie bringen kann, das dokumentierten die Jahre zwischen 2020 und 2022 fast vorbildhaft.«
Die deutschen Medien – bis auf wenige alternative Medien, mit geringer Reichweite – waren während der Pandemie ebenso gleichgeschaltet wie während des Dritten Reichs (und sie sind es auch heute noch). Sie unterstützten massiv den Druck gegen jede Kritik an der Regierung, ebenso wie die Justiz und die Universitäten, die Leuten mit abweichender Meinung, einfach den Job kündigten. (Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem ein zu Unrecht gekündigter nach der Pandemie rehabilitiert wurde):
Heute müssen Kritiker an der Regierung zwar nicht mehr befürchten gefoltert oder gar ermordet zu werden, aber weil die meisten der eingeschüchterten Kritiker zum Schweigen gebracht wurden, wagen nur noch ganz wenige einen Einspruch, damit ist das Ziel der Regierenden ebenso erreicht wie im Dritten Reich.
Ostdeutsche sollen unablässig ihre DDR/Stasi Vergangenheit aufbereiten. Dabei wird übersehen, dass wohl eher im Westen des Landes, wie sich anhand ungebremster Russophobie wie im 3. Reich und Banderatoleranz zeigt, dringender Nachholbedarf besteht.
Die „Erinnerungskultur“ für die sich die herrschenden Eliten immer selbst feierten, funktionierte in der BRD nach 1945 schon immer selektiv. Ganz offensichtlich wird es, wenn sogar Bundeskanzler ganz schamlos heutzutage wieder Schlachtrufe von Holocausttätern skandieren dürfen – und das in unseren „Qualitätsmedien“ nicht einmal in einer Randnotiz erwähnt wird.
Im Ausland wird die deutsche „Erinnerungskultur“ mittlerweile eher kritisch – und vor allem wenig glaubwürdig – gesehen, auch angesichts der Tatsache, dass die BRD regelmäßig gegen die UN-Resolutionen gegen die Verherrlichung des Nationalsozialismus stimmt.
In Anlehnung an den guten Einwurf von @andreas h:
Es ist zu unterscheiden zwischen einer organisierten Erinnerungskultur und der tatsächlich in der breiten Bevölkerung vorhandenen Erinnerungskultur.
Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung (nach 1945) wird trotz der kaum noch vorhandenen Repräsentation in den öffentlich-rechtlichen Medien in den vielen betroffenen Familien sehr wohl weiter weitergetragen. Selbst die Erinnerung an den bald 400 Jahre zurückliegenden Dreißigjährigen Krieg ist noch nicht ganz vergessen.
—
Zu unterscheiden ist natürlich auch zwischen der Erinnerungskultur im politisch-medialen Komplex einerseits und in der breiten Bevölkerung andererseits. So dürfte sich die Erinnerung an die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs so tief eingebrannt haben, dass sie noch eine ganze Weile in Form von Kriegsablehnung fortwirken wird. Obwohl – es gibt natürlich einige Leutchen, wo das nicht so recht funktioniert.
>In Anlehnung an den guten Einwurf von…
Obacht-einen Text zu gezielt zu verkürzen, um ihm eine andere Bedeutung zu geben, ist inhaltlich nicht zwangsläufig „gut“.
Die komplette Aussage bei wiki lautet:
‚Erinnerungskultur, auch Geschichtspflege, bezeichnet den Umgang des Einzelnen und der Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte. (Erinnerungskulturen sind die historisch und kulturell variablen Ausprägungen von kollektivem Gedächtnis.)‘
Geschichtspflege und/oder -erinnerung/-mahnung/-lehre 😂wären daher die weitaus treffenderen Bezeichnungen. Denn Erinnerungen (über die nur noch die Wenigsten verfügen, beschreiben i.d.R. folgendes:
•1. Fähigkeit, Vergangenes durch das Gedächtnis in der Vorstellung wieder zu beleben
2. Reservoir, Speicher der aufgenommenen Sinneseindrücke, des Erlernten
3. im Gedächtnis bewahrter Eindruck
4. Andenken, Gedenken
5. Mahnung, etw. nicht zu vergessen
6. Rechtsbehelf gegen eine nichtrichterliche Entscheidung.
•Als Erinnerung bezeichnet man den Vorgang der erneuten Präsenzwerdung von Informationen im Bewusstsein durch Abrufen gespeicherter Gedächtnisinhalte. Die Fähigkeit zur Erinnerung ist das Erinnerungsvermögen.
•Erinnerung ist das mentale Wiedererleben früherer Erlebnisse und Erfahrungen.
„So dürfte sich die Erinnerung an die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs so tief eingebrannt haben, dass sie noch eine ganze Weile in Form von Kriegsablehnung fortwirken wird.“
Danke für die erheiternde Schlußbemerkung; war doch wohl eine-oder!?
Erinnerungskultur? An was sollte denn erinnert werden? Ich bin in einen Thüringer Dorf aufgewachsen, dessen Bevölkerung sich 1945/ 1946 verdoppelte. Und neben dem einheimischen Dialekt hörte man plötzlich ostpreußische, schlesische und sudetendeutsche Dialekte. Als Kind sah ich die vielen Männer ohne Bein oder Arm, die vielen Männer, die ihre Traumata nicht verarbeiten konnten. In meiner Familie war sowohl meine Mutter als auch jeder ihrer Brüder mit einem/ einer Vertriebenen verheiratet. Es gab viele Witwen, die ihre Kinder irgendwie groß zogen. In der Dorfkirche hing eine Tafel mit mehr als 70 Namen der Gefallenen des 2. WK. aus meinem Dorf, das 1939 etwa 750 Einwohner hatte. Meine Mutter hatte zeitlebens einen großen Hass auf die Amerikaner. Erst kurz vor ihrem Tode erzählte sie mir, was sie als neunjähriges Mädchen erlebte als im April 1945 die Amis in ihr Dorf einrückten.. Im Kirchenbuch des Ortes sind für April bis Dezember 1945 viele Suizide von jungen Mädchen verzeichnet 12, 13,14,15…Jahre alt.
Meine Großmutter sagte immer:“Jeder Krieg ist Geldkrieg“…In der Schule hatte ich einen guten Geschichtslehrer, der auch die Hintergründe von bestimmten Ereignissen erläuterte…und auch ein Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald war Teil des Unterrichts..
Später gehörten zu meinem Freundeskreis u.a. auch zwei Lehrerinnen der sowj. Garnisionsschule.
Wir erzählten uns auch die Geschichten unserer Familien…
Nach dem Anschluss der DDR an die BRD wurden Zeitungsläden und Buchhandlungen mit „Landser“-Heften und ähnlichem Dreck geflutet. Westjournalisten aus Westmedien erzählten schreckliche Geschichten über die „Tiere“ der sowj. Armee…Als die sowj. Garnision aus meiner Heimatstadt abzog, übergaben sie auch mehrere Wohnhäuser an die Bundesbehörden. In ordentlichem Zustand. Mehrere Jahre standen die Häuser leer. Vandalismus, Diebstahl und Verfall waren die Folge. Als dann die Häuser an eine Heuschrecke verhökert wurden, kamen dann Westjournalisten, fotographierten den Zustand und brachten Reportagen a la „So hausten die Russen“ ….
Die „Erinnerungskultur“ in der BRD besteht nur aus der plakativen Schuldzuweisung an die Bürger ( „Erbschuld“) wegen der Ermordung der Juden. Das von den ermordeten Juden schon vor der „Wannseekonferenz“ viele in ihren Heimatländern von der einheimischen Bevölkerung ermordet wurden, verschweigt man. Auch den Vernichtungskrieg gegen die Völker der UdSSR oder auf dem Balkan oder in Griechenland erwähnt man nicht….
Als 2019 der 75. Jahrestag des aufbrechens der fast 900tägigen Hungerblockade Leningrads begangen wurde, erschien in der „Süddeutschen Zeitung“ ein infamer Artikel dazu. Triefend vor Hass und Verachtung, wurde den Opfern die Schuld zugeschoben. Und das Feiern des „Sieges des Lebens über den Tod“ wurde den Überlebenden als feindselige Handlung gegenüber den deutschen „Kulturmenschen“ angekreidet.
Nein, in der BRD gibt es keinerlei Erinnerungskultur. Was es gibt ist der Missbrauch des Erinnerns an die Vernichtung der Juden Europas zu heutigen machtpolitischen Interessen. Die Erinnerung an die Verbrechen gegen das eigene Volk und die anderen Völker Europas, wenn es sie je gegeben haben sollte, ist schon längst der Umschreibung der Geschichte und der Leugnung der Verbrechen gewichen.
Und auch die Geschichte der DDR wird nur von westdeutschen Propagandisten „geschrieben“….Und wenn ein Dirk Oschmann oder eine Katja Hoyer etwas anderes schreiben als das von Westmedien verbreitete Narrativ, dann werden dies Personen kollektiv „gecancelt“..
Wollte man denn überhaupt eine funktionierende Erinnerungskultur, also eine, die Menschen dazu befähigt früh genug zu erkennen, wenn die Gesellschaft in Richtung totalitär/faschistisch kippt?
Ich habe ernsthafte Zweifel daran, denn allein dadurch dass man die Verbrechen der Nazis zu einem exzeptionellem Ereignis „mystifiziert“ hat, hat man meiner Meinung nach gleichzeitig bei vielen Menschen die Fähigkeit gemindert jene Muster zu erkennen, die zu solchen Verbrechen führen können.
Praktisches Beispiel aus der Corona Zeit: Nürnberger Kodex – er definiert klare ethischen Grenzen als Lehre aus den Verbrechen der Nazis, eine ganz grundlegende Grenzziehung bis wohin Medizin gehen darf, damit es nicht wieder zu verbrecherischen Übergriffen kommen kann. Konzeptionell also genau das, was auch die Idee von Grundrechten beinhaltet.
In den Corona Jahren konnte man sehr eindrücklich lernen, dass ein Verweis auf den Nürnberger Kodex in Gesprächen/Diskussionen fast immer zu dem Vorwurf führte man würde endlos übertreiben und es sei absolut drüber auch nur darüber nachzudenken, dass hier etwas stattfinden könnte, was einem gefährlich Muster folgt, wo wir eigentlich im Sinne von „nie wieder ist jetzt“ nicht mehr landen wollten.
Ähnliche Erfahrungen habe ich übrigens auch beim Thema Grundrechte gemacht. Ich traue mich zu behaupten, dass 80% meiner Mitbürger das Konzept dahinter grundlegend überhaupt nicht verstehen, leider! Dabei ist das praktisch die kodifizierte Form einer Erinnerungskultur.
Diese Überschrift regt zum Nachdenken an…
Also um ehrlich zu sein – weder noch. Ihr mißbraucht nur!
Deutsche Erinnerungskultur bedeutet, dass sich die deutsche Regierung am 01.09. daran erinnert, dass zurückgeschossen wird.