Entweltlichung

Papst Benedikt XVI.
WDKrause, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Soll die Kirche weltliche Ansprüche erfüllen, die politisch gewünschte Leitmoral aufgreifen? Der verstorbene Papst empfahl das Gegenteil.

Nihil nisi bene – das lässt sich mit Blick auf den verstorbenen Papa emeritus Benedikt XVI. wohl kaum sagen. Das Bild, das in den diversen Nachrichten entstand, ist, von einigen geschmacklosen Witzelein jüngerer Angestellter des Bezahlfernsehens abgesehen, zwiespältig: Den großen Theologen zu ehren fällt angesichts der beeindruckenden akademischen Karriere und des intellektuellen Formats Joseph Ratzingers nicht schwer.

Anders sieht es mit seiner Rolle als Kirchenführer aus. Politische Versäumnisse, Missgeschicke im ökumenischen und interreligiösen Dialog; jüngst kamen Vorwürfe dazu, nicht entschieden genug gegen Missbrauch in der eigenen Diözese vorgegangen zu sein.

Die Regensburger Vorlesung 2006

In manch wohlwollender Schilderungen dieses Lebensweges erscheint Benedikt als geradezu tragische Figur: Den feingeistigen Professor, von den politischen Realitäten der Welt und der Kirche bisweilen überfordert, verschlägt es schließlich gegen seine Neigung auf den Stuhl Petri. Ob die Kategorie des Tragischen so ganz das Wahre ist für einen Christen, ist eine andere Frage.

Nicht tragisch, sondern schlicht traurig sind manche der Missverständnisse, die Benedikt aushalten musste. An den Skandal um seine Regensburger Vorlesung 2006, bei der oberflächliche Hörer und Leser nicht zwischen den Worten des Redners und denen eines von ihm – nicht einmal zustimmend – zitierten byzantinischen Kaisers unterscheiden konnten, sei nur kurz erinnert. Leseschwäche als Politikstil – der Twitter-Nutzer kennt das.

Weniger laut ging es 2011 bei einem anderen Vortrag zu, der sogenannten Freiburger Rede, die Benedikt anlässlich einer Begegnung mit gesellschaftlich engagierten Katholiken im Konzerthaus der Stadt hielt. Die nicht eben umfangreiche Ansprache hat es in sich und lohnt, viel mehr vielleicht als eine Rekapitulation aller Stationen und Skandale, auch für kirchenferne Beobachter einen näheren Blick.

Entweltlichung der Kirche

Es ging darin um das Verhältnis der Christen zur Welt und damit auch um das Verhältnis der christlichen Kirchen zu dem, was man „Säkularität“ nennt, ein Begriff, über dessen Konturen die diversen (theologischen, historischen, soziologischen) Fachwelten emsig streiten, der aber in etwa zum Ausdruck bringen soll, dass weite Teile der Gesellschaft und vor allem die Politik nicht mehr an religiöse Normen und Begründungen gebunden sind. Oft verkürzt zu: Die Religion verliert an Relevanz. Dass diese Entwicklung seit dem 19. Jh. in beiden großen Kirchen Europas eher zurückhaltend aufgenommen wurde, überrascht nicht. Die katholische Seite hat bis zum zweiten Vatikanum („Gaudium et spes“) gebraucht, um sich mit den Realitäten der Moderne offiziell abzufinden. Was sagt nun Benedikt dazu?

Er findet das gut: „Die Geschichte kommt der Kirche in gewisser Weise durch die verschiedenen Epochen der Säkularisierung zur Hilfe, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben. Die Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches – bedeuteten nämlich jedesmal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößt und wieder ganz ihre weltliche Armut annimmt.“

Man muss das langsam lesen: Das Oberhaupt der katholischen Kirche, Sprecher einer der größten Glaubensgemeinschaften der Welt, weist seine Zuhörer darauf hin, dass diese Organisation, die in den letzten 2000 Jahren die Geschicke der Welt immer wieder maßgeblich mitbestimmt hat, sich mit solchen weltlichen Erfolgen selbst gefährdet. Was von Kirchenkritikern aller Couleur immer wieder gefordert wird: strikte Trennung vom Staat, das fordert hier der Papst selbst.

EKD und die Grünen

Das Wort von der „Entweltlichung“ zieht sich leitmotivisch durch den Text. Es ist, trotz aller später von Benedikt selbst eingeräumten Nähe zur Heideggerschen Sprachspielerei, ein gutes Wort. Der Soziologe Hartman Tyrell meint nichts anderes, wenn er vom „negatorischen Potenzial“ dieser Religion spricht und damit die starke disruptive Kraft des frühen Christentums erklären möchte: Die Fähigkeit, Nein zur Welt zu sagen, hat genau diese Welt nachhaltig verändert.

Als Papst geht es Benedikt natürlich um die Konsequenzen für die Kirche heute. Demnach sei es gerade die Differenz der Kirche zur sie umgebenden Welt, die ihr die Fähigkeit sichere, verändernd und verbessernd auf diese einzuwirken. Der zentrale Satz lautet: „Um ihre Sendung zu verwirklichen, wird sie auch immer wieder Distanz zu ihrer Umgebung nehmen müssen, sich gewissermaßen ent-weltlichen.“ Das führt ihn geradewegs zu einem Programm strikter Selbstprüfung, das sich nicht auf Fragen der Organisation beschränkt. Vielmehr gehe es darum, das vom Glauben abzustreifen, „was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheit ist.“ Das ist mutig. Wie mutig zeigt ein Blick auf die nicht eben widerspruchsfreie Geschichte katholischer Dogmenhermeneutik.

Man sieht es aber auch in der anderen Richtung, wenn man auf die heutigen Kollegen blickt, zumal die von der Evangelischen Kirche, die bei allen großen gesellschaftlichen Themen, von der Flüchtlings- oder Geschlechterpolitik bis zu Corona und dem Ukraine-Krieg fast ohne jedes Zögern auf die politisch erwünschte Leitmoral umstellen. So manche Verlautbarung der EKD ist von einem grünen Positionspapier kaum noch zu unterscheiden, personelle Überschneidungen braucht es da gar nicht mehr (gibt es aber trotzdem).

Erinnerung an die Eigenlogik des Religiösen

Durch lückenlosen Anschluss an die jeweils geltende Manifestation des Guten versucht man der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit davonzulaufen. Einen Teil der deutschen Katholiken führt dieser Lauf seit einigen Jahren auf den sogenannten „synodalen Weg“, ein Versuch die als zentral angesehen Probleme der Sexualmoral, der Frauenfrage oder des Amtsverständnisses unter Beteiligung möglichst vieler Laien anzugehen. Kirchenreformen gab es in der Geschichte aus gutem Grund immer wieder, ob es allerdings „zur Stärkung des christlichen Zeugnisses“ beiträgt, sich der Identitätspolitik in die Arme zu werfen, wie es in manchen Diskussionen geschieht, darf bezweifelt werden.

Man muss kein strammer Katholik sein, um die Wandlung von Frauen zu „Nicht-Männern“ befremdlich zu finden. Von außen werden solche Bestrebungen auch eher als separatistische Eigensinnigkeiten registriert. Wer dagegen Vertretern von Maria 2.0 zuhört, sieht sich einer Gruppe gegenüber, die nicht versteht, wieso nicht alle Welt längst so denkt wie sie. Dass die katholische Kirche gerade als Weltkirche einen viel größeren und niemals an einzelne Lokalperspektiven gebundenen Horizont hat, das übersteigt den dieser Leute.

Reformbedarf gibt es, keine Frage, aber das Problem vor allem im eigenen Abstand zur herrschenden gesellschaftlichen Moral zu sehen, verkennt die Grundprobleme. Niklas Luhmann hat darauf in einem (auf seine Weise sehr religionsfreundlichen) Buch („Funktion der Religion“) bereits 1977 hingewiesen. Religion als eigenständiges Teilsystem der Gesellschaft lebt davon, mehr zu sein als ein Diakonieverein mit wohlfeilen Ratschlägen und fragwürdigem Arbeitsrecht, auf den sie auch eine nicht mehr ganz taufrische linke Ideologiekritik oft reduzieren möchte. „Entweltlichung“ ist eine Erinnerung an die Eigenlogik des Religiösen. Was genau man da anzubieten hat und ob nicht genau hier einige Anpassungen nötig wären, das gälte es zu bedenken.

Segnung osteuropäischer Soldaten

Aber über Gott, Gnade und Jenseits erfährt man in den meisten Gemeinden heutigentags eher wenig. Auch nur eine anregende Schriftauslegung sucht man oft vergeblich. Stattdessen halbgare Lebenshilfe. Den Vogel abgeschossen hat die evangelische Fastenaktion 2015 mit dem Motto „Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen“. Selbstzufriedenheit als Essenz zeitgemäßer Frömmigkeit? Das gibt es auf YouTube alles mit hübscheren Gesichtern.

Entsprechend sind die Mitgliedszahlen beider Kirchen gnadenlos und kennen nur eine Richtung. Zugleich sind besonders die charismatischen, teils extrem konservativen Spielarten des Christentums weltweit auf dem Vormarsch. Einen Bedarf für Spiritualität scheint es zu geben; eine kirchliche Einkleidung progressiver Moral deckt ihn nicht.

Unterdessen zeigt die deutsche Bischofskonferenz stolz, wie man auf der „Solidaritätsreise“ in Osteuropa Soldaten segnet. Hält man dagegen die Worte des ehemaligen Chefs, der mehr Distanz zur Welt und Besinnung aufs Wesentliche fordert, kann man deren Sprengkraft ermessen. Wenn die Herren Bischofe die Gewaltvermeidung zum „Leitbild“ herabdrücken und ihr eine „katholische Friedenslehre“ gegenüberstellen, die Selbstverteidigung lehrt, dann ist das selbst nichts weiter als ein Stückchen Weltlichkeit der Kirche, ein Stückchen Konvention und Gewohnheit. Noch schlimmer trieb es der Moskauer Patriarch Kyrill, der in diesem Krieg allen Ernstes die Wahrheit des Evangeliums an der Seite Putins sieht.

Ein Appell gegen die Alternativlosigkeiten dieser Welt

Jesus hat bekanntlich anders optiert, ein Ärgernis noch immer. Gerade die immer wieder provozierende Distanz dieses Mannes zu seiner Umwelt und ihren Sachzwängen, gibt seinem Verhalten bis heute auch ohne alle metaphysischen Obertöne eine orientierende Kraft, nötigt zumindest Bewunderung ab. Jesus musste kein Land regieren, das ist richtig, entsprechend weltfremd klingt das mitunter. Aber es ist diese Weltfremdheit aus der sich seine Wirksamkeit speist, die sich eben darum mit irdischen Verhältnissen nie vollständig arrangieren kann.

Man braucht nun gar nicht christlich sein, um der revolutionären Energie dieser Distanz zum Hier und jetzt etwas abgewinnen zu können. Ernst Bloch hat das in seinem Buch „Atheismus im Christentum“ getan. Benedikt, der noch als Präfekt der Glaubenskongretation gegen die links-oppositionelle Befreiungstheologie in Lateinamerika kämpfte, konnte dieser Art weltlichen Engagements nichts abgewinnen.

Ob er sich dabei vom Glauben oder nicht doch eher von Konventionen leiten ließ, muss er selber wissen. Sein Aufruf zur „Entweltlichung“ jedenfalls ist immer auch ein Appell gegen die Alternativlosigkeiten dieser Welt und also solcher doch auch für die Ungetauften eine frohe Botschaft.

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9 Kommentare

  1. Entweltlichung, das hört sich an, wie eine Flucht aus der Verantwortung für die eigene Daseinsvorsorge. Wenn dann die „materielle Reproduktion“ nicht klappt, war es eben der Wille der Götter.

    1. Danke erstmal für den Link. Ich muss gestehen, als ich im Briefkopf den Namen Jürgen Fliege las, war ich geneigt, das Browserfenster gleich wieder zu schließen. Diesen Herrn kenne ich noch aus seinen Anfangstagen als „Hirte“, da trudelte der nämlich (frühe 70er Jahre) in jener Gemeinde ein, in der ich meinen Zivildienst versah. In meinem ganzen Leben habe ich nicht viele Menschen getroffen, die Schaum derart elegant schlagen können.

      Der Ex-Pfarrer und Fernsehmoderator Fliege ist übrigens Mitglied in der Partei „Die Basis“, die jetzt nicht unbedingt für das Zentrum der demokratischen Bewegungen in Deutschland gehalten wird.

      Sein Kumpel Hanns-Martin Hager ist auch so ein Ex-Pfarrer, dessen Ego es ebenfalls nicht zulässt, dass er einfach in Ruhe seine Rente genießt. Der schreibt recht gerne bei Rubikon.

      Beide scheinen im Alter ihre Bestimmung darin gefunden zu haben, gegen die Coronamaßnahmen zu opponieren. Sei’s drum. Daraus einen ähnlichen Dissens konstruieren zu wollen wie den, der sich gerade in der katholischen Kirche ereignet, scheint mir sehr gewagt.

      Das schreibe ich unabhängig davon, dass auch ich viele der seinerzeit getroffenen Schutzmaßnahmen sehr kritisch sehe. Unbestreitbar gibt es hier immer noch eine Menge aufzuarbeiten, womit noch gar nicht begonnen wurde.
      Auch über die Frage, in wieweit die Kirchen staatlichen Entscheidungen zustimmen sollen oder nicht, kann man trefflich streiten und sollte es wohl auch bald mal tun.

      Aber dieses offene Brieflein zweier Profilneurotiker, die nach meinem Eindruck(*) in der evangelischen Kirche ohnehin kaum noch jemand ernst nimmt, sollte man da nicht als Beleg nehmen.
      Dass die NDS das Ding überhaupt veröffentlichen ist leider ein Beleg dafür, dass die auch nur noch mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Deren Nähe zu Querfrontlern und Verschwörungstheoretikern ist auch ohne den Fliege-Hager-Brief kaum noch zu übersehen.

      (*) Disclaimer: Aus der evangelischen Kirche bin ich schon vor vielen Jahrzehnten aus- und in keine andere eingetreten. Aber ich habe noch Beziehungen zu Menschen dort und bilde mir ein, so in etwa die Meinungen an der evangelischen Basis zu kennen.

      1. @ umbhaki
        Es liegt mir fern, Dissens in Gläubigen-Organsiationen zu konstruieren. Der Disclaimer trifft auch auf mich zu. Es gibt aber aus meiner Sicht eine grundlegende Gemeinsamkeit die, nebenbei bemerkt, auch die „wissenschaftlichen“ Besitzer ewiger Wahrheiten betrifft: einen inneren Konflikt zwischen der Hoffnung oder dem Versprechen einer besseren realen Welt und der bedauerlicherweise vorhandenen Unzulänglichkeit der diese Welt bevölkernden Lebenden. Diese neigen in der ihrer Gesamtheit eigenen Beschränktheit dazu, das Gegenteil von dem zu verwirklichen, was sie nach eigener Aussage anstreben. Daran beißen sich alle die Zähne aus, die GLAUBEN Wahrheiten finden zu können, wo von Gattungszugehörigen bestenfalls eine in sich stimmige Axiomatik und ihr zugehörige überzeugende Ableitungen erwartet werden können.
        Ihre übrigen Kategorisierungen wie „Profilneurotiker“, „Querfrontler“, „Verschwörungstheoretiker“ belegen vor allem eines: Dass Sie davon ausgehen, es gebe eine wie auch immer von Menschen zu erkennende Wahrheit und anzustrebende Qualität menschlicher Praxis. Das dürfen Sie gerne tun. Ich selbst bemühe mich eine persönliche Praxis zu pflegen, die es mir erlaubt in den Spiegel zu schauen ohne zu erschrecken. Manchmal klappt´s.

  2. Entweltlichung der Kirche – ich nehme nur dieses Stichwort auf.
    Ich bin damals aus der evangel. Kirche ausgetreten, weil sie sich nur noch des Tagesgeschäfts der Politik bediente und auch die gleichen hohlen Phrasen benutzte. Dazu brauche ich keine Kirche. Eine aus meiner Sicht gute Kirche greift aber (auf der Basis der christlichen Religion) Fehlentwicklungen in Staat und Gesellschaft laut und unnachgiebig an – und bietet, wo immer möglich, Auswege. Deswegen hatte ich auch immer Respekt vor lateinamerikanischen Geistlichen, die genau das getan und dafür oft mit ihrem Leben bezahlt haben.
    Unsere obersten Kirchenmänner, zB der aalglatte Bedford-Strohm, sind Diener des Staates, wie er sie sich nicht besser wünschen kann. Höre ich den Letztgenannten,sehe seine Mimik, dann wird mir übel.

    Falls Benedikt XVI. für den von mir skizzierten Weg eintrat, dann kann ich ihm nur Beifall zollen. Schon der geschmacklose Umgang mit (vor allem seitens der linksgrüne Medien) sollte zum Nachdenken anregen.
    Im Ausland hat sich dieser „unser“ Papst mehr Respekt erworben als in Dumpfdeutschland. Hier wird entweder in den Himmel gehoben oder totgetreten. Und nein, es hat sich nicht wirklich was verändert. Deswegen stehen wir da, wo wir stehen.

  3. Wäre Benedikt hinreichend geerdet gewesen, hätte ihn sein eifrig nachgebetetes Hirngespinst der Entweltlichung zur Räson gebracht.
    Die Säkularisation wird ja noch immer erstattet und Kirchensteuer und bestimmte Funktionsstellen werden auch vom Staat bezahlt bzw. eingetrieben.
    Mir ist nicht bekannt, dass Ratzinger da interveniert hätte.
    Vielmehr hat der vielgepriesene Rückzug oft den Spielraum für Macht und deren Missbrauch erweitert.
    Um das zu begreifen, war der große Theologe aber nicht klug genug.
    Was aber nicht verwundern sollte. Denn die Kirchen sind ja die instututionalisierte Thema-Verfehlung der Thora-Auslegung des Jesus von Nazareth. Dabei war dieser Mann nah an den Problemen der Menschen und hat seine Interpretation aus diesem Spannungsfeld hergeleitet.
    Für ihn ging es darum, die Welt nach den Maßstäben Gottes zu gestalten und diese Maßstäbe sind sozialer Art und nicht liturgische.
    Im Tempel hat er sich indirekt sein Todesurteil geholt. Dabei war schon das Gleichnis vom barmherzigen Samariter für die Tempeljuden ein gottloser Frevel.
    Aber ich habe einen Teil meiner Sicht der Dinge bereits hinreichend dargelegt und verweise bei Interesse darauf.

  4. Peinlich, wenn einer versucht, diesen Reaktionären vor dem Herrn in ein Vorbild zu verwandeln. Ach, er hat den byzantischen Kaiser nicht zustimmend zitiert? Warum denn überhaupt? Liegt es nicht nahe die Verwendung des historisch maximal weit entfernten Zitats als Möglichkeit zu sehen ‚es‘ zu sagen, ohne sich damit selbst zu beflecken? Dass gar ein Holocaust-Leugner seine Gnade fand, sagt alles über seinen politischen Standpunkt.

    Ratzinger war die graue Eminenz hinter Wojtyla, dessen Poltik massgeblich zum Zusammenbruch des Ostblocks beigetragen hat – so viel zur Entweltlichung. Die innerkatholischen Problemzonen hat er maximiert. Unter Wojtyla und damit indirekt auch Ratzinger ist der Aufbruchselan nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, von seinem Vorgänger schon eingesperrt, regelrecht erstickt worden. Unmengen rekationäre Bischöfe wurden in aller Welt ernannt und das ging nach Wojtylas Tod nahtlos weiter bis zu Ratzingers Rücktritt. Die mittlerweile immer weiter anschwellende Austrittswelle ist gewissermassen eine verspätete Abstimmung mit den Füssen. Der Zentrist Bergoglio, durchaus bereit zu moderaten Reformen, wird von der noch von seinen beiden Vorgängern installierten rechten Garde immer wieder ausgebremst.

    Nein, da gibts wirklich nichts zu retten. Beschämtes Schweigen ist angezeigt.

  5. Konsequente „Entweltlichung“ zieht mehr als nur Geschwätz nach sich.
    Wie wäre es mit Entsagung von allen weltlichen Machtstrukturen, materiellen Besitztümern, Herrschaftsverhältnissen etc.?
    Oder reicht der Glaube dafür nicht?

    „Sehet die Vögel des Himmels an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen, euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel besser als sie?“ (Matthaeus 6:26)

  6. Schön, dass auch einmal das kritische Potenzial der katholischen Kirche hier beleuchtet wird. Mit Benedikt und Franziskus gab es bis letztes Jahr quasi zwei lebende Päpste, die beide für eine reformerische Richtung in der katholischen Kirche standen, aber für unterschiedliche. Benedikt versuchte eher aus einer konservativen Perspektive Kritik an den irdischen Strukturen zu üben, Franziskus macht dies aus einer links-liberalen Perspektive. Beide haben ihre blinden Flecken, aber die Päpste gehören aus meiner Sicht durchaus zu den wichtigen Stimmen der globalen Gesellschaft, die Materialismus und Konsumismus kritisieren. Danke für den ausgewogenen Text.

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