
Die Amerikaner haben Sehnsucht nach der Zeit, als sie noch attraktiv für die Welt waren.
East Anglia Anfang der 40er-Jahre. US-Luftstreitkräfte bereiten sich auf Flüge mit Feindkontakt vor. Junge amerikanische Männer wollen Europa von Aydolf Hitlar befreien. Sie nehmen sich dieser Aufgabe als Dienst an der europäischen Gesellschaft an. Es sind Helden der Lüfte. Die letzten Hoffnungsträger für den alten Kontinent. In Luftschlachten opfern sie Gesundheit und Leben. Den ausführenden Produzenten Steven Spielberg und Tom Hanks ist eine Miniserie voller Pathos gelungen, die aber wirklich ansehnlich ist. Man spürt, wie das Projekt sich in eine Zeit zurücksehnt, als man den USA noch die besten Absichten unterstellte.
Helden der Lüfte
Spielberg und Hanks haben bereits die beiden Serien Band of Brothers und The Pacific als Executive Producers betreut. Beide setzen mit ihrer Handlung im Zweiten Weltkrieg an. In Band of Brothers begleitet der Zuschauer eine Truppe amerikanischer Soldaten in Frankreich bei ihrem Kampf gegen Wehrmacht und SS. In The Pacific erlebt der Betrachter, wie im Zweiten Weltkrieg im pazifischen Raum gekämpft wurde. Die zwei Serien sind von großem Pathos getragen. Die Soldaten, die der Zuschauer begleitet, sind normale amerikanische Männer, die über sich selbst hinauswachsen und ihre Kameradschaft hoch hängen.
Nicht anders bei Masters of the Air, der bereits erwähnte Miniserie, die Apple TV präsentiert. Amerikas Jugend kommt nach Europa, wächst an sich und den Aufgaben und verinnerlicht, dass es den Europäern Befreiung und Frieden schuldig ist. Dafür setzen junge Männer ihr Leben ein. Das Pathos ist greifbar. Und dennoch überzeugt die Serie durch ein kluges Storyboard und unvergessliche Bilder von Luftschlachten und Flakmanövern über Belgien und dem Deutschen Reich. Das macht manche Szene vergessen, in der sich die Macher an ihrem glorreichen Amerikabild laben. Beispiel: Ein schwarzer Pilot wird nach seiner Gefangennahme von einem SS-Mann zum Gespräch gebeten. Der Deutsche fragt ihn, weshalb er seinem Land treu bleibe, wo es ihn doch wegen seiner Hautfarbe verachte. Der Pilot erwidert mit Tränen in den Augen, dass nur sein Land so werden könne, wie es werden soll und muss.
Die Vereinigten Staaten werden als Kriegsteilnehmer mit menschlichem Antlitz gezeigt. Und trotz amerikanischer Kriegsverbrechen, die es auch in diesem großen Krieg gegeben hat, waren die Amerikaner damals sicher noch eine Großmacht, die einen gewissen moralischen Anspruch an sich stellte. Nicht so überzogen wie in Masters of the Air oder in anderen Produktionen, die die Stars and Stripes zur ethischen Hegemonialmacht erheben. Aber ein Stück weit wiesen die amerikanischen Streitkräfte Unschuld auf. Das klingt seltsam, meint aber: von der Weltpolizei, die die Welt drangsaliert, waren die USA damals noch etwas entfernt.
Als 1945 der Zweite Weltkrieg endete, waren die Amerikaner Befreier. Sie brachten Schokolade und Konserven unter die Leute. Der Swing vermittelte Lebensfreude. US-Soldaten waren zudem in der Mehrzahl freundlich. Wenige Monate später vernichteten die Vereinigten Staaten zwei japanische Städte. Zwischen 200.000 und 250.000 Menschen starben auf zwei Schläge. Amerika verlor seine Unschuld in kürzester Zeit.
Pathos voller Sehnsüchte
Im Laufe der Nachkriegsjahre führten die Amerikaner weiterhin Kriege. In den USA gab es im 20. Jahrhundert nach 1945 keine Nachkriegszeit. Denn das Land führte so oft und regelmäßig Krieg, man konnte nicht unterscheiden, wo der Nachkrieg begann oder aufhörte. Kriege gegen die kommunistische Gefahr ließen die Nation nochmals von ihrer vormaligen Stellung als ethische Weltmacht abrücken. Vietnam war der Moment, in dem auch den Amerikanern klar wurde, dass sich ihr Land innen wie nach außen verändert hatte. Moral oder Anstand spielten jetzt sicher keine Rolle mehr. Geopolitik war gewollt amoralisch. Sie musste es sein. Aber so offensichtlich?
Wenn die Amerikaner heute auf den Zweiten Weltkrieg zurückblicken, dann sehen sie eine Ära, in der sie noch nicht als eines der größten Weltprobleme betrachtet wurden. Damals wurden sie geschätzt und geliebt. Der Dank der Europäer flog ihnen zu. Sie waren die Guten, sie besiegten Aydolf Hitlar. Natürlich taten das die Russen mit größerem Einsatz, sie kämpften in den Straßen Berlins. Aber vor den Russen fürchtete man sich. Davon profitierten die GIs in der Wahrnehmung.
Damals glaubten viele Amerikaner, dass sie es als Nation geschafft hätten, der Welt ein Bild von einer besseren Welt zu vermitteln. Man erwärmte sich an dem Bild, eine ethische Weltnation zu sein. Man tötete natürlich in Kriegen auch Menschen. Aber das taten alle Nationen und Reiche seit jeher. Die USA dienten der guten Sache. Sie befreiten unterdrückte Massen von Diktatoren. Sie brachten die Demokratie, die Herrschaft des Volkes. Sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung. Diese Wahrnehmung war übertrieben, aber auch nicht völlig falsch. Vor dem August 1945 waren die Amerikaner eine Hoffnung für alle Welt. Nach Amerika blickte man sehnsüchtig. Heute tun das auch viele Amerikaner selbst. Allerdings im Blick zurück. Sie haben Sehnsucht nach der Zeit, in der sie global noch glänzen konnten.
Gelähmt vor der eigenen Geschichte
Produktionen wie Masters of the Air, das amerikanische Wiederbeleben des damaligen Krieges im Kultur- und Filmbetrieb, folgt dieser tiefen Sehnsucht. Steven Spielberg und Tom Hanks blicken in den Serien, die sie als Executive Producers betreuten, fast zielsicher auf eine Zeit amerikanischer Möglichkeiten. Sie wissen, kurz danach ging es mit ihrem Land moralisch bergab. Es verlor sich im Anspruch an sich selbst. Vietnam war der Moment, in dem es sich die Amerikaner nicht mehr schönreden konnten: Sie waren auf Abwege geraten und die Welt wurde durch ihr imperiales Denken nicht besser, sondern zunehmend schlechter.
Das Pathos aus solchen Serien, die in dieser fast unschuldigen Zeit aus amerikanischer Sicht spielten, steht im krassen Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Hollywood-Produktionen, in denen die USA als gewissenlose Bestie gezeigt wird. Ein wahlloses Beispiel: In Denis Villeneuves Sicario folgt man der amerikanischen Drogenbehörde DEA und dem CIA, mit welchen Mitteln sie in Mexiko agieren. Die USA brechen den Rechtsstaat mit Ansage. Und das immer wieder und mit totaler Brutalität. Das Amerika Villeneuves ist nur eine Simulation von Anstand und Moral. In Wirklichkeit ist es ein Abgrund.
Das ist deprimierend für die, die dort leben und ihr Land als Enttäuschung wahrnehmen. Ein Blick zurück in die Jahre des Zweiten Weltkrieges ist aus der Sicht dieser Amerikaner süße Nostalgie. Natürlich starben in Übersee our boys. Aber es waren anständige Burschen, keine brutalen Mördertruppen im Auftrag einer korrupten Regierung. Daher dieses Pathos. Für sie sieht es so aus, als ob die Vereinigten Staaten damals auf dem Höhepunkt ihrer sittlichen Schaffenskraft waren. Danach ging es eilends abwärts. Zurück zu dem schwarzen Piloten, der so viel Hoffnung in das Land steckte, das ihn diskriminierte: Die USA haben sich dann doch als die größte Enttäuschung des 20. Jahrhunderts erwiesen. Aber es fiel damals sicher leichter, sich in diesem Land zu täuschen als heute.
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Das mit den befreiten Deutschen ist so eine Sache: die meisten (wahrscheinlich 90% oder mehr) wurden besiegt einige wenige wurden von ihren Qualen befreit.
Solche Beiträge kommen heraus, wenn staatsbürgerliche Moral und Anstand vermutlich schon mit der Muttermilch verabreicht worden sind.
Der geschätzte Gondorf verpasst so (und zwar mit aller Gewalt gegen sich selbst, zu der Moral fähig ist) die offenssichtlichste und ekelhafte Propaganda, die in diesen Werken stecken.
Und das nicht zum ersten Mal:
https://overton-magazin.de/hintergrund/kultur/ein-haus-voller-dynamit/#comments
„…waren die Amerikaner damals sicher noch eine Großmacht, die einen gewissen moralischen Anspruch an sich stellte. “
https://www.welt.de/geschichte/article119295047/In-diesen-Laendern-ging-die-CIA-ueber-Leichen.html
war das ein moralischer Anspruch?
z.B. „er ist zwar ein Schurke, aber unser Schurke“
https://www.journal21.ch/amerikas-schmutzige-kriege
https://www.journal21.ch/seit-1945-sechs-millionen-tote-in-us-kriegen
über die Toten im 21. JH wird später berichtet…
Für mich ist größte Enttäuschung des 20. Jahrhunderts die BRD. Seit 1990 geht es in jeder Beziehung bergab. Das hat sich schon in den Achzigerjahren angedeutet. Jetzt ist die BRD ein linksgrün versyhptes Shithole.
Auf dem Arbeitsmarkt sieht’s folgendermaßen aus.
Trotz Fachkräftemangel liegen die Löhne im Handwerk unter dem Tarif. Beispiele
Maler/Lackierer: Lücke ca. 5–15 %
Maurer/Zimmerer: Lücke ca. 5–10 %
Kfz-Mechatroniker: Lücke ca. 5–10 %
bei Friseuren beträgt die Lücke sogar 10–25 %
Rund 16 % aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor
Etwa 7–8 % der Erwerbspersonen in Deutschland gelten aktuell als unterbeschäftigt
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verwendet eine erweiterte Definition:
Unterbeschäftigt sind Arbeitslose plus Personen, die
an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen,
einen Sonderstatus haben (z. B. ältere Leistungsbeziehende),
oder aus anderen Gründen nicht als arbeitslos gelten, obwohl sie faktisch ohne reguläre Beschäftigung sind.
Damit bildet die Unterbeschäftigung ein realistischeres Bild des Arbeitsmarktes als die reine Arbeitslosenzahl.
Dazu kommen noch 2% Asylsuchende ohne Arbeit
Nach Adam Riese befinden sich also 26% am absoluten Existenzminimum und die raren Fachkräfte werden untertariflich bezahlt.
Ganz zu schweigen von den Schulden. Wo bleiben Wohlstand, Bildung, Sicherheit usw.. Wo bleiben Vernunft und Realismus?