Die USA sind die Enttäuschung des 20. Jahrhunderts

GIs im Zweiten Weltkrieg
Signal Corps Archive from Ireland and United States, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Amerikaner haben Sehnsucht nach der Zeit, als sie noch attraktiv für die Welt waren.

East Anglia Anfang der 40er-Jahre. US-Luftstreitkräfte bereiten sich auf Flüge mit Feindkontakt vor. Junge amerikanische Männer wollen Europa von Aydolf Hitlar befreien. Sie nehmen sich dieser Aufgabe als Dienst an der europäischen Gesellschaft an. Es sind Helden der Lüfte. Die letzten Hoffnungsträger für den alten Kontinent. In Luftschlachten opfern sie Gesundheit und Leben. Den ausführenden Produzenten Steven Spielberg und Tom Hanks ist eine Miniserie voller Pathos gelungen, die aber wirklich ansehnlich ist. Man spürt, wie das Projekt sich in eine Zeit zurücksehnt, als man den USA noch die besten Absichten unterstellte.

Helden der Lüfte

Spielberg und Hanks haben bereits die beiden Serien Band of Brothers und The Pacific als Executive Producers betreut. Beide setzen mit ihrer Handlung im Zweiten Weltkrieg an. In Band of Brothers begleitet der Zuschauer eine Truppe amerikanischer Soldaten in Frankreich bei ihrem Kampf gegen Wehrmacht und SS. In The Pacific erlebt der Betrachter, wie im Zweiten Weltkrieg im pazifischen Raum gekämpft wurde. Die zwei Serien sind von großem Pathos getragen. Die Soldaten, die der Zuschauer begleitet, sind normale amerikanische Männer, die über sich selbst hinauswachsen und ihre Kameradschaft hoch hängen.

Nicht anders bei Masters of the Air, der bereits erwähnte Miniserie, die Apple TV präsentiert. Amerikas Jugend kommt nach Europa, wächst an sich und den Aufgaben und verinnerlicht, dass es den Europäern Befreiung und Frieden schuldig ist. Dafür setzen junge Männer ihr Leben ein. Das Pathos ist greifbar. Und dennoch überzeugt die Serie durch ein kluges Storyboard und unvergessliche Bilder von Luftschlachten und Flakmanövern über Belgien und dem Deutschen Reich. Das macht manche Szene vergessen, in der sich die Macher an ihrem glorreichen Amerikabild laben. Beispiel: Ein schwarzer Pilot wird nach seiner Gefangennahme von einem SS-Mann zum Gespräch gebeten. Der Deutsche fragt ihn, weshalb er seinem Land treu bleibe, wo es ihn doch wegen seiner Hautfarbe verachte. Der Pilot erwidert mit Tränen in den Augen, dass nur sein Land so werden könne, wie es werden soll und muss.

Die Vereinigten Staaten werden als Kriegsteilnehmer mit menschlichem Antlitz gezeigt. Und trotz amerikanischer Kriegsverbrechen, die es auch in diesem großen Krieg gegeben hat, waren die Amerikaner damals sicher noch eine Großmacht, die einen gewissen moralischen Anspruch an sich stellte. Nicht so überzogen wie in Masters of the Air oder in anderen Produktionen, die die Stars and Stripes zur ethischen Hegemonialmacht erheben. Aber ein Stück weit wiesen die amerikanischen Streitkräfte Unschuld auf. Das klingt seltsam, meint aber: von der Weltpolizei, die die Welt drangsaliert, waren die USA damals noch etwas entfernt.

Als 1945 der Zweite Weltkrieg endete, waren die Amerikaner Befreier. Sie brachten Schokolade und Konserven unter die Leute. Der Swing vermittelte Lebensfreude. US-Soldaten waren zudem in der Mehrzahl freundlich. Wenige Monate später vernichteten die Vereinigten Staaten zwei japanische Städte. Zwischen 200.000 und 250.000 Menschen starben auf zwei Schläge. Amerika verlor seine Unschuld in kürzester Zeit.

Pathos voller Sehnsüchte

Im Laufe der Nachkriegsjahre führten die Amerikaner weiterhin Kriege. In den USA gab es im 20. Jahrhundert nach 1945 keine Nachkriegszeit. Denn das Land führte so oft und regelmäßig Krieg, man konnte nicht unterscheiden, wo der Nachkrieg begann oder aufhörte. Kriege gegen die kommunistische Gefahr ließen die Nation nochmals von ihrer vormaligen Stellung als ethische Weltmacht abrücken. Vietnam war der Moment, in dem auch den Amerikanern klar wurde, dass sich ihr Land innen wie nach außen verändert hatte. Moral oder Anstand spielten jetzt sicher keine Rolle mehr. Geopolitik war gewollt amoralisch. Sie musste es sein. Aber so offensichtlich?

Wenn die Amerikaner heute auf den Zweiten Weltkrieg zurückblicken, dann sehen sie eine Ära, in der sie noch nicht als eines der größten Weltprobleme betrachtet wurden. Damals wurden sie geschätzt und geliebt. Der Dank der Europäer flog ihnen zu. Sie waren die Guten, sie besiegten Aydolf Hitlar. Natürlich taten das die Russen mit größerem Einsatz, sie kämpften in den Straßen Berlins. Aber vor den Russen fürchtete man sich. Davon profitierten die GIs in der Wahrnehmung.

Damals glaubten viele Amerikaner, dass sie es als Nation geschafft hätten, der Welt ein Bild von einer besseren Welt zu vermitteln. Man erwärmte sich an dem Bild, eine ethische Weltnation zu sein. Man tötete natürlich in Kriegen auch Menschen. Aber das taten alle Nationen und Reiche seit jeher. Die USA dienten der guten Sache. Sie befreiten unterdrückte Massen von Diktatoren. Sie brachten die Demokratie, die Herrschaft des Volkes. Sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung. Diese Wahrnehmung war übertrieben, aber auch nicht völlig falsch. Vor dem August 1945 waren die Amerikaner eine Hoffnung für alle Welt. Nach Amerika blickte man sehnsüchtig. Heute tun das auch viele Amerikaner selbst. Allerdings im Blick zurück. Sie haben Sehnsucht nach der Zeit, in der sie global noch glänzen konnten.

Gelähmt vor der eigenen Geschichte

Produktionen wie Masters of the Air, das amerikanische Wiederbeleben des damaligen Krieges im Kultur- und Filmbetrieb, folgt dieser tiefen Sehnsucht. Steven Spielberg und Tom Hanks blicken in den Serien, die sie als Executive Producers betreuten, fast zielsicher auf eine Zeit amerikanischer Möglichkeiten. Sie wissen, kurz danach ging es mit ihrem Land moralisch bergab. Es verlor sich im Anspruch an sich selbst. Vietnam war der Moment, in dem es sich die Amerikaner nicht mehr schönreden konnten: Sie waren auf Abwege geraten und die Welt wurde durch ihr imperiales Denken nicht besser, sondern zunehmend schlechter.

Das Pathos aus solchen Serien, die in dieser fast unschuldigen Zeit aus amerikanischer Sicht spielten, steht im krassen Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Hollywood-Produktionen, in denen die USA als gewissenlose Bestie gezeigt wird. Ein wahlloses Beispiel: In Denis Villeneuves Sicario folgt man der amerikanischen Drogenbehörde DEA und dem CIA, mit welchen Mitteln sie in Mexiko agieren. Die USA brechen den Rechtsstaat mit Ansage. Und das immer wieder und mit totaler Brutalität. Das Amerika Villeneuves ist nur eine Simulation von Anstand und Moral. In Wirklichkeit ist es ein Abgrund.

Das ist deprimierend für die, die dort leben und ihr Land als Enttäuschung wahrnehmen. Ein Blick zurück in die Jahre des Zweiten Weltkrieges ist aus der Sicht dieser Amerikaner süße Nostalgie. Natürlich starben in Übersee our boys. Aber es waren anständige Burschen, keine brutalen Mördertruppen im Auftrag einer korrupten Regierung. Daher dieses Pathos. Für sie sieht es so aus, als ob die Vereinigten Staaten damals auf dem Höhepunkt ihrer sittlichen Schaffenskraft waren. Danach ging es eilends abwärts. Zurück zu dem schwarzen Piloten, der so viel Hoffnung in das Land steckte, das ihn diskriminierte: Die USA haben sich dann doch als die größte Enttäuschung des 20. Jahrhunderts erwiesen. Aber es fiel damals sicher leichter, sich in diesem Land zu täuschen als heute.

Henryk Gondorff

Henryk Gondorff
Cineast der ersten und letzten Stunde. Viel gesehen und viel sehr schnell wieder vergessen. Wer wissen will woran eine Gesellschaft krankt, geht in deren Kinos. Dort erhält man die Diagnose.
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29 Kommentare

  1. Das mit den befreiten Deutschen ist so eine Sache: die meisten (wahrscheinlich 90% oder mehr) wurden besiegt einige wenige wurden von ihren Qualen befreit.

  2. „…waren die Amerikaner damals sicher noch eine Großmacht, die einen gewissen moralischen Anspruch an sich stellte. “
    https://www.welt.de/geschichte/article119295047/In-diesen-Laendern-ging-die-CIA-ueber-Leichen.html
    war das ein moralischer Anspruch?
    z.B. „er ist zwar ein Schurke, aber unser Schurke“
    https://www.journal21.ch/amerikas-schmutzige-kriege
    https://www.journal21.ch/seit-1945-sechs-millionen-tote-in-us-kriegen
    über die Toten im 21. JH wird später berichtet…

  3. Für mich ist größte Enttäuschung des 20. Jahrhunderts die BRD. Seit 1990 geht es in jeder Beziehung bergab. Das hat sich schon in den Achzigerjahren angedeutet. Jetzt ist die BRD ein linksgrün versyhptes Shithole.
    Auf dem Arbeitsmarkt sieht’s folgendermaßen aus.
    Trotz Fachkräftemangel liegen die Löhne im Handwerk unter dem Tarif. Beispiele
    Maler/Lackierer: Lücke ca. 5–15 %
    Maurer/Zimmerer: Lücke ca. 5–10 %
    Kfz-Mechatroniker: Lücke ca. 5–10 %
    bei Friseuren beträgt die Lücke sogar 10–25 %
    Rund 16 % aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor
    Etwa 7–8 % der Erwerbspersonen in Deutschland gelten aktuell als unterbeschäftigt
    Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verwendet eine erweiterte Definition:
    Unterbeschäftigt sind Arbeitslose plus Personen, die
    an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen,
    einen Sonderstatus haben (z. B. ältere Leistungsbeziehende),
    oder aus anderen Gründen nicht als arbeitslos gelten, obwohl sie faktisch ohne reguläre Beschäftigung sind.
    Damit bildet die Unterbeschäftigung ein realistischeres Bild des Arbeitsmarktes als die reine Arbeitslosenzahl.
    Dazu kommen noch 2% Asylsuchende ohne Arbeit
    Nach Adam Riese befinden sich also 26% am absoluten Existenzminimum und die raren Fachkräfte werden untertariflich bezahlt.
    Ganz zu schweigen von den Schulden. Wo bleiben Wohlstand, Bildung, Sicherheit usw.. Wo bleiben Vernunft und Realismus?

    1. Verdienstvoll, die zu niedrigen Löhne erwähnt und auch aufgeschlüsselt zu haben. In Dland scheint mir mehr als anderswo ein gewisser Mainstream die Meinung zu pflegen, Arbeit stelle vor allem ein Dienst am Vaterland und den Mit-Patrioten dar, was natürlich ein ganz übler Müll ist.

      Streiks kommen dementsprechend auch nie zum richtigen Zeitpunkt (Winter, es ist kalt, Sommer, jetzt, wo die Leute die Sonne genießen wollen, Herbst, Frühling, an einem Arbeitstag – Tausende kommen wegen den Streikenden zu spät zum Job, am Wochenende – gerade wo man ausspannen wollte), sind überzogen oder ganz im Gegenteil, die paar Euro rechtfertigen es doch nicht, das ganze Land in Geiselhaft zu nehmen, eben mal so den Stecker zu ziehen, die Urlaubsfreuden des redlichen Bürgers zu trüben. Dann wird zum x-ten Mal die nicht sonderlich bewiesene These von der Lohn-Preis-Spirale wiedergekäut, Unternehmer und ihre Vertreter kommen ausgiebigst zu Wort, die Streikenden sind dann die, über die sich „Deutschland ärgert“ (merke: wer streikt, kann kein Teutone sein, der macht sowas nicht). Auch Chefs kleinerer Firmen können gegen den Mindestlohn barmen, rumänische Saisonarbeiter will man wegen der niedrigeren Lebenshaltungskosten in ihrem Herkunftsland noch unter dem Minimum bezahlen, denn merke: Die können froh sein, überhaupt was zu kriegen (was dann in der Realität auf eine üble Weise eh schon stimmt).
      Das ganze Elend von „patriotischer Lohnzurückhaltung“ und was es da noch an reaktionärem Denken/Sprechen/Handeln gibt.

      Zum Schluss aber noch eine Frage: Warum musste der Doorwatcher eingangs davon fabulieren, Germany sei ein leftgreen verdrecktes … usw.? Also wir wollen doch da nicht noch dem Verein ganz rechts nach dem Mund reden. Und wenn die Zustände auf dem Arbeitsmarkt wie beschrieben sind, dann ist es wohl kaum die (ausschließliche) Schuld von imaginären Linken (wie viel % der Bevölkerung sind das? Herrscht in der Politik und Wirtschaft eine Gutmenschenmafia? Seit wann das denn?).

      1. Dass Befürwortung von Masseneinwanderung und von Unterstützung der Ukraine und Russlandsanktionen weder links noch grün ist, ist mir schon klar. Aber die Linken und die Grünen tun das trotzdem. (Ich war ja mal ein Jahr lang Mitglied bei den Grünen und bin entsetzt ausgetreten, als sie in den Krieg gegen Jugoslawien einstiegen.) Dazu kommt noch die Globalisierung. Deshalb können die Kapitalisten Arbeitslosigkeit und Betriebsverlegung als Drohungen benutzen, und sagen, um eine Spruch von Elon Musk zu variieren, geht doch woanders mehr verdienen. Oder dass sie gezwungen sind, den Betrieb ins Ausland zu verlegen wo die Arbeitnehmer fleißiger sind und weniger anspruchsvoll.

  4. Was wollen uns Spielberg und Hanks damit sagen?
    Vielleicht dies hier:
    „Die USA sind die beste Nation die Welt, die US-Boys sind noch genauso gut wie damals und Krieg bleibt eine furchtbar gute Sache.
    Aber weil gute Kriegsfilme auch richtig böse Schurken brauchen, aber alles durcheinander käme, wenn wir Donald und Bibi so zeigen würden wie sie sind, besetzen wir die Rolle des Bösewichts einfach wieder mit Aydolf Hitlar.

    1. Achternbusch hatte in seinem Monumentalwerk Heilt Hitler bereits alles in Szene gesetzt. was es an Wesentlichen über deutsche Freuleins und amerikanische Bomberbesatzungen zu berichten gab.

  5. „Vietnam war der Moment, in dem es sich die Amerikaner nicht mehr schönreden konnten: Sie waren auf Abwege geraten und die Welt wurde durch ihr imperiales Denken nicht besser, sondern zunehmend schlechter.“

    Diese o.g. These wird der Überprüfung mit der Wirklichkeit nicht statthalten. Die USA waren vom Tag ihrer Gründung ein imperialistischer Staat mit unmoralischen Handlungen am laufenden Bande.

    Erst konzentrierte sich die USA mit ihrem Imperialismus auf die Indianer, Sklaven und Kanada.

    Dann auf Lateinamerika und Südamerika.

    Aber dem ersten Weltkrieg kam Europa hinzu.

    Aber dem zweiten Weltkrieg agierten die USA weltweit.

    Moral spielte dabei noch am Sonntag in der Kirche eine Rolle.

  6. „Vietnam war der Moment, in dem es sich die Amerikaner nicht mehr schönreden konnten: Sie waren auf Abwege geraten und die Welt wurde durch ihr imperiales Denken nicht besser, sondern zunehmend schlechter.“

    Diese o.g. These wird der Überprüfung mit der Wirklichkeit nicht statthalten. Die USA waren vom Tag ihrer Gründung ein imperialistischer Staat mit unmoralischen Handlungen am laufenden Bande.

    Erst konzentrierte sich die USA mit ihrem Imperialismus auf die Indianer, Sklaven und Kanada.
    Dann auf Lateinamerika und Südamerika.
    Aber dem ersten Weltkrieg kam Europa hinzu.
    Aber dem zweiten Weltkrieg agierten die USA weltweit.
    Moral spielte bei den Handlungen der USA nur am Sonntag in der Kirche eine Rolle.
    Der wichtigste Antrieb der USA war immer der individuelle maximale Profit.

  7. Die USA haben sich seinerzeit ganz sicher nicht als Befreier gesehen, und die „Befreiten“ haben das auch nicht so wahrgenommen. Das Kriegsende bedeutete für viele eine katastrophale Niederlage. Und für die allermeisten begann damit erst der eigentliche Überlebenskampf. Die Jahre nach dem Krieg waren geprägt von Hungersnot, Krankheiten, Schwarzmarkt, physischem Verfall und den Folgen von Vertreibungen. Wer richtig Pech hatte, verreckte elendig in einem Erdloch auf den Rheinwiesen. Der Mythos von der Befreiung entstand erst Jahrzehnte später im Kontext des Kalten Krieges.

    1. Wenn man so argumentiert, dann muss man aber chronologisch ein paar Jahre vorher ansetzen.

      Es waren jedenfalls nicht die „Amerikaner“ bzw. die USA, die den Zweiten Weltkrieg angefangen und Polen, Frankreich, Russland, GB usw. überfallen haben. Das war die Deutsche Wehrmacht. Es waren die Japaner, die Verbündeten des Deutschen Reiches, die Pearl Harbour angriffen. Militärisch sicherlich ein taktischer Erfolg, strategisch war es nicht sehr klug.

      Gehen wir noch ein paar Jahre zurück, dann kommen wir zu der historischen Tatsache, dass im März 1933 nach der sogenannten „Machtergreifung“ im Januar 1933 rund 44 Prozent der Deutschen Wähler ihren eigenen Diktator gewählt haben und das obwohl es warnende Stimmen gab: Wer Hitler wählt den Krieg. 44 Prozent sind zwar keine Mehrheit, aber bei der Abstimmung über das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ hat die große Mehrheit der Abgeordneten im Reichstag dafür gestimmt, Hitler zum Diktator zu machen, der dann auf Teufel komm raus aufgerüstet und bekanntlich am 1. September 1939 auf Polen hat „zurückschießen“ lassen.

      1945 konnte oder wollte sich dann keiner mehr daran erinnern, da war dann der große braune Führer an dem riesengroßen Misthaufen allein Schuld. Schließlich haben alle anderen von 1933 bis 1945 immer „nur“ Befehle ausgeführt.

      1. Die USA haben sich am 1. und 2. Weltkrieg nur beteiligt, um als Nachfolger Großbritanniens das neue Imperium zu werden. Das war das einzige Kriegsziel. Um „Hitler“ ging es nie, im Gegenteil! Ich erinnere an den Spruch Trumans von 1941, entweder Deutschland oder der Sowjetunion zu helfen, je nachdem, wer gerade am Verlieren sei – um beide Staaten so weit wie möglich zu schwächen. Ist der noch präsent?

        Und Pearl Harbor? Ernsthaft? Diese Fake-Nummer, bei der man einen Haufen eigene Soldaten und viel maritime Schrottechnik auf dem Altar opferte, um der eigenen Bevölkerung gegenüber den Kriegseintritt zu rechtfertigen?

      2. Eben. Aus den 33% NSdAP-Wählern 1932 (1933 war schon gefaked und 11/1932 war Peak Adolf auch schon vorbei) wurden >70% der Abgeordneten, die Hitler an die Macht brachten und 95% der Beamten, die Hitlers Politik dann vollzogen. (die fehlenden 5% durften nicht, weil nicht arisch genug). Da hat das deutsche Bürgertum gerade noch die Rechtskurve gekriegt.
        Die 95 % der Beamten haben dann die gesamte Bevölkerung mit ihrem Staatsterror zum Mitmachen im Krieg gezwungen. Die Alternative war Zuchthaus, später KZ oder Fleischerhaken.

        Genau diese 95% besoldeter Terroristen erklärten dann nach der Niederlage die ganze Bevölkerung zu Tätern und machte nach 1945 einfach weiter. Natürlich nicht, ohne auf ihren eigenen „inneren Widerstand“ zu verweisen.
        Und heute erzählt uns die ranzige braune Beamtenbande schon wieder was vom Krieg.
        Das kommt davon, wenn man pensionberechtigtes Tätervolk nicht zur Verantwortung zieht.

        1. …18Uhr39 macht die Redaktion also Schichtwechsel.
          Ob es da überhaupt eine Überzeugung gibt oder nur Kadavergehorsam gegenüber dem Dienstherrn und den vorauseilend? Der Vorwurf „blau“ galt jedenfalls mir, beispielsweise wenn ich für Diplomatie plädierte. Galt – tatsächlich hat man die Freundschaft aus besagten Kreisen aufgekündigt, Kontaktschuld oder so. Nicht schade drum. Im Gegensatz zu Frankreich z.B. oder den Niederlanden ist man in Deutschland auch privat verbeamtet.

      3. Juhu, wir haben immer noch Schuld, die lass ich mir nicht nehmen.
        Die USA finanzieren den Aufstieg der Nationalsozialisten und den Stalin-Bolschewismus, damit sich zwei linke Ideologien im Krieg zerfleischen.
        Dann sammeln sie sich die besten Techniker und Patente ein, schreiben die Geschichte um, fliegen mit deutschen Technikern und Voyager bis ans Ende des Alls.
        Aber wir sind immer noch Schuld, lassen uns fluten mit Flüchtlingen aus USA Kriegen.
        Lass dir die Rosinen schmecken, aus den Rosinen-Bombern.
        Nun wird Europa als Vorhut gegen Russland verglühen.
        Die USA wird sich danach die besten Reste einverleiben.
        See vou in Hell, WW 3.

  8. Ent-täuscht sein kann man nur, wenn man sich eingesteht, zuvor getäuscht worden zu sein.

    Immerhin: Einsicht (des gemeinen Wessis in den wahren Charakter seines „Kumpels America“) ist der erste Schritt zur Besserung.

  9. Ach Unsinn, man kann Gondorff nur empfehlen, Zinns Buch zur Geschichte der usa zu lesen, dann weiss auch er um die Kontniuität, die die u.s.-Geschichte von Anfang an charakterisiert. Wenn das je anders wahrgenommen wurde, dann wegen professioneller Propaganda, in der die usa bis vor kurzem unschlagbar war, bis zu den iranischen Lego-Videos, das ändert auch die erwähnte Miniserie nicht, im Gegenteil, man hat den Eindruck, sie sei reichlich plump geraten.

    Auch geht in Godorffs Text wie meistens bei Deutschen der Umstand unter, dass die Sowjetunion den grösseren Anteil am Sturz der Nazis hatte, als die usa. Aber das ist ja nur ein irrelevantes Detail.

  10. Der typische US-Bürger hat zweifelsohne eine Neigung, Probleme gewaltsam und mit Waffen zu „lösen“. Erst schießen, dann Fragen stellen und nachdenken.

    Hinzukommt die einfache Tatsache, dass es im Wilden Westen für die Nachfahren der ehemaligen weißen Siedler (und Siedlerinnen!) aus England, Frankreich, Irland, Holland, Spanien, Deutschland, Italien usw. im Namen der „Freiheit“ nichts mehr zu besiedeln gibt. Spätestens mit dem Massaker von Wounded Knee 1890 waren die unziviliserten nordamerikanischen Ureinwohner (aka „Indianer“) endgültig erledigt. Das Gebiet der USA ist zwar rießig, aber die Ressourcen (Öl, Gas usw.) sind nicht unbegrenzt, diese Ressourcen vermehren sich auch nicht und der Pro-Kopf-Verbrauch ist auch nicht ohne, wenn man ihn mit anderen Staaten vergleicht.

    Viele US-Amerikaner glauben immer noch an den Mythos „vom Tellerwäscher zum Multimilliardär“ und haben, vor allem auf dem flachen Land, noch nicht mitbekommen, dass es inzwischen Geschirrspüler gibt. Für die meisten US-Bürger ist eine gesetzliche Krankenversicherung Sozialismus pur und den hat der Teufel erfunden.

    Andererseits gab es auch in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg schon friedlichere und kulturell progressivere Zeiten. Für erzkonservative und „gottesfüchtige“ US-Amerikaner waren die Hippies in den 1960er Jahren die unzivilisierten „Wilden“. Ein Festival wie Woodstock wäre heute allerdings unvorstellbar und undenkbar. Peace, Love and Rock´n Roll, das ist schon lange vorbei. Wer so etwas heute in den USA im Fernsehen sagt, der bekommt wahrscheinlich Besuch vom US-Heimatschutz.

    Jetzt geht es wieder vorwärts ins feudale Mittelalter, das aber mit Riesenschritten, Hightech, Palantir und viel Künstlicher Intelligenz.

    Bemerkenswert ist die Bigotterie, Doppelmoral und Scheinheiligkeit vieler US-Bürger. Abtreibung ist Sünde, aber eine Mädchenschule im Iran bombardieren, das ist kein Problem. Das muss man kognitiv erst einmal auf die Reihe bekommen. Das schaffen auch nicht alle.

    1. Da musst du gar nicht über den Atlantik fahren.
      130 afghanische Benzindiebe anzuzünden bringt dir hierzulande auch Sonderurlaub und Beförderung ein und die eine Hälfte der Bevölkerung juckt es nicht und die andere Hälfte sieht das gar als gerecht an.

  11. Der Artikel serviert einen völlig „euro –
    zentristischen“ und zugleich naiven Blick auf die Geschichte. Lateinamerikaner kön
    ben da nur lachen, ob dieser Geschichts-
    verfälschung

  12. Irgendwann in den 50ern ersetzten sie „E pluribus unum“ durch „In God we trust“, klingt nach Ende vom Gelände, eine halbwegs echte Demokratie wurden sie aber erst in den 60ern mit der Bürgerrechtsbewegung. Das ist jetzt aber auch schon wieder vorbei, das Wahlrecht wurde grad geschleift. Diese Woche hat sich der Kongress selbst entmachtet, indem er Trumps Lügen über ein angebliches Ende des Irankriegs ohne Protest durchgeheln liess. Die Macht über das Budget und über Krieg und Frieden liegt jetzt also allein bei einem Tyrannen, ohne jede parlamentarische Kontrolle. Ist schon peinlich mit anzusehen, dieser Niedergang in die Barbarei, fast so peinlich wie die deutsche Geschichte.

  13. Ethisch waren die USA nie, seit Ihrer Gründung war sicherlich der Gold-Dollar ihr oberster Gott.
    Alles andere war Theater und Makulatur nach bester angelsächischer Art.
    Richtig schlimm wurde es aber erst mit dem Zerfall des Ostblocks, den wahnhafte Philosophen wie der regelrecht vergötterte Fukuyama und diverse Staatsrechtler sofort in eine schändliche Doktrin umdeuteten die krankhaften Größenwahn auslöste.
    Dieser Fukuyama hat sicher sein gutes Teil zur Zerstörung der USA geleistet. Und bestimmt auch der Präsident, der das Universum als Eigentum der USA reklamierte…
    Und dann ging es ab, wie es so schön heißt, Millionen Tote säumen diese vermeintlich moralische, aber aus der Gier geborene Siegesstrasse.
    Was folgte war also nur noch gewalttätiger Größenwahn. Und jetzt wird wohl der größenwahnsinnigste und gewalttätigste in der Reihe den großen Fehler machen, der zum nötigen Ende führt.
    So hoffe ich wenigstens.

  14. «Als 1945 der Zweite Weltkrieg endete, waren die Amerikaner Befreier.» – Wer das glaubt muß man ausblenden, daß amerikanisches Kapital «Aydolf Hitlar» und die ganzen anderen Faschisten überhaupt erst an die Macht gebracht hat. Und ohne amerikanische Technik kein deutscher Krieg und keine industrielle Judenvergasung. Das kann man vollreferenziert nachlesen in den Büchern von Werner Rügemer, v.a. «Verhängnisvolle Freundschaft» (Papyrossa, Köln 2023).

    Ich rege an: Florian Rötzer macht bitte mal ein ausführliches Interview mit Rügemer.

  15. „Die Amerikaner haben Sehnsucht nach der Zeit, als sie noch attraktiv für die Welt waren.“
    Wann war das denn!? Muß vor ca. 1850 gewesen sein als General Philip Sheridan den Ausspruch tat:“Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer!“

  16. Kurz nach dem 2. Weltkrieg ging es mit dem Land nicht nur moralisch bergab,
    sondern es begann auch die De-Industrialisierung! –> Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

    Der Rust Belt (das einst größte Industriegebiet der Welt) fing bereits in den 1950er Jahren an zu rosten!
    Seit den 1970er Jahren sanken die Reallöhne ständig.
    1961 warnte Präsident Eisenhower vor der Machtübernahme durch den Militär-Industriellen Komplex, 1963 wurde sein Nachfolger, Präsident Kennedy, mutmaßlich von einem CIA-Mann erschossen.

    Das sind nicht nur kulturelle und moralisierende Phänomone.

  17. Kurz und Knapp, die USA hat jegliche Moral oder Anstand schon seit Gründung verloren. Eine Bevölkerung die nichts hatte und nur durch Raub und Mord an der Indigenen Bevölkerung zu Grund, Boden und Reichtum kam. Genauso wie die Kolonialmächte GB. SPANIEN, Portugal, Belgien und Frankreich sowie der Niederlande.

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