
Ein Epos sollte es sein, ein Meisterwerk in der Güte des klassischen Hollywoods: The Brutalist. Doch herum kam dabei ein Film und Oscar-Favorit, der alles sagt über die moderne Filmbranche.
Mit reichlich Vorschusslorbeeren wurde der Film von Regisseur Brady Corbet bedacht. Er habe ein Stück abgeliefert wie ein Francis Ford Coppola. Ein Epos im Format von Der Pate. Etwas, woran man sich noch in vielen Jahren zurückerinnern wird. Der Trailer versprach Imposanz. Der atemberaubende Soundtrack von Musiker Daniel Blumberg zeichnete sich in der kurzen Vorschau schon ab. Dazu ein virtuos spielender Adrien Brody. Und irgendwas mit Architektur. Was Großes kam auf die Cineasten zu. 3 Stunden und 35 Minuten lang. Name: The Brutalist. Heraus kam ein durchschnittlicher Streifen, ein auf Bombast aufgeblähter Schinken. Ein Werk, für das das Wort Meisterleistung etliche Nummern zu groß ist.
Brutalismus der Leinwand
Die grobe Geschichte ist sehr einfach zu erläutern. Der Bauhaus-Architekt László Tóth kommt nach dem Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten. Tóth ist Jude und hat den Holocaust im Lager überlebt. Seine Frau auch, was er aber erst in den USA erfährt. Er fängt sein neues Leben klein an, in der schlecht laufenden Möbelfirma seines Vetters. Nach einem Familienstreit arbeitet er auf dem Bau. Tóth hat sich mittlerweile eine Heroinsucht zugelegt. Er lernt einen amerikanischen Tycoon kennen, der sich von ihm die Errichtung eines modernistischen Kulturzentrums wünscht. Von da ab begleitet der Zuschauer den Architekten bei dem, was er tut. Obwohl man nicht sicher sein kann, worüber er in manchen Szenen mit örtlichen Kommunalpolitikern und Behörden streitet. Diese Unkenntnis ist eine Schwäche des Films.
Eine andere ist, dass der Zuschauer nicht nachvollziehen kann, was dieses Kulturzentrum leisten soll. Tóth hat sich einen besonderen Kniff ausgedacht. Durch die hohe Decke soll Licht in den Innenraum fallen, der ein Kreuz aus der Leuchtkraft der Sonne auf einen Altar wirft. Wozu aber? Und ist das alles, was der Bau leisten soll? Man wüsste es bis zu einem bestimmten Moment gerne. Danach stellt sich aber Gleichgültigkeit ein. Das ist auch der Augenblick, da man sich als Zuschauer um einen groß angekündigten Film für die Ewigkeit betrogen fühlt.
Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Tóth und der Tycoon streiten sich, gehen getrennte Wege, finden aber wieder zusammen. Gemeinsam reisen sie nach Italien, in der Stadt Carrara wollen sie Marmor aussuchen. Als beide betrunken sind, vergewaltigt der Tycoon Tóth. Ein Sinnbild für den Missbrauch, den der Tycoon an der Arbeit des Architekten begeht? Denn als Jude ist der nicht wohlgelitten in der WASP-Gesellschaft der USA. Aber da Tóth künstlerisch wertvoll ist, wird er ertragen.
Was der Trailer versprach, hielt er: Bezogen auf den Soundtrack. Die Klänge von Blumberg wollen unterstreichen, dass der Zuschauer hier und jetzt das ganz große Kino vorgesetzt bekommt. Aber man müsste blind sein, um sich durch diese Musik überrumpeln zu lassen. Was für eine Vergeudung grandioser Filmmusik! Denkt man sich die Bilder weg, würde man sie über die Bilder von Sam Mendes‘ 1917 oder Martin Scorseses Gangs of New York legen, wäre das der Gigantomanie von Blumbergs Musik gerecht. Das Szenenbild Corbets bleibt spartanisch. Ausstattungskino sieht anders aus. Die Dialoge wirken ausgestanzt. Sicher, auch Adrien Brody und Guy Pearce, der den Tycoon spielt, geben mehr als passable Leistungen ab. Aber es rettet den Film nicht. Alle Figuren bleiben seltsam schemenhaft, die Architektur, der heimliche Star, wie man annehmen könnte, wird nicht in Szene gesetzt.
Oscars: Die Favoriten
The Brutalist ist ein seltsam gegenstandsloser Film. Das Meisterwerk einer Zeit, in der es wenig braucht, um Meisterliches abzuliefern. Der Film ist der Versuch, ein meisterliches Epos über den Umweg exorbitanter Musik zu generieren. Ein Stück filmisches Mittelmaß, das man mit Tönen überfrachtet, um daraus ein Bravurstück zu extrahieren. Nicht schlecht, aber meilenweit von den Versprechungen entfernt, die Filmkritiker vorab gaben. Vielleicht auch vorab gaben, weil sie sich von der Prämierung von Corbets Film blenden ließen. Für zehn Oscars ist The Brutalist nominiert. Drei Golden Globes hat er erhalten, unter anderem für den besten Film, die Regie und den Hauptdarsteller. Können die Jurys sich so täuschen? Und wird heute Nacht ein Oscar für diese Meisterwerkssimulation fällig?
Der absolute Favorit ist The Brutalist in der Oscar-Nacht nicht. Diese Einschätzung steht dem Film Emilia Pérez zu, einem Musical über einen transsexuellen Bandenverbrecher. Ein Stück mit haarsträubender Story und banalen Gesangseinlagen. Ebenfalls Favorit ist Konklave von Edward Berger. Auch in diesem Film befasst man sich mit Transsexualität. Der neu gewählte Papst ist dort zwischen den Geschlechtern angesiedelt. Ein Kotau vor dem Zeitgeist, der sich gerade wandelt. Große Filme, die der Ewigkeit bleiben, sind weit und breit nicht zu sehen.
Aber um Größe, um zeitlose Schönheit und Genialität geht es bei Preisverleihungen schon längst nicht mehr. Man erkennt das an der Causa Karla Sofía Gascón, einer transsexuellen Schauspielerin aus Spanien, die für die beste weibliche Hauptrolle für den Oscar nominiert ist. Lange Wochen galt sie als Favoritin. Sie spielte ihren Part in Emilia Pérez. Dann grub jemand tiefer und entdeckte, dass Gascón sich vor Jahren rassistisch und islamophob bei Twitter geäußert hatte. Zum Beispiel erklärte sie, dass der von amerikanischen Polizisten getötete George Floyd ein drogensüchtiger Stricher gewesen sei. Gascón entschuldigte sich dafür. Dennoch gilt sie seit dem Tag der Aufdeckung als nicht mehr favorisiert. Es gilt als ausgemachte Sache, dass sie heute Nacht ohne Preis bleiben wird. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences prämiert eben nicht nur Leistungen. Das heißt, ihre Mitglieder tun es nicht.
Glanzlos seit Jahren
Es ist mitnichten so, dass Gascón wahrlich Großes vollbracht hätte. Doch wie eine Darstellerin vom Olymp in den Hades stürzen kann, ohne dass sich an der schauspielerischen Leistung etwas verändert hätte, zeigt schon, wie Kunstpreise gewertet werden. Es sind moralische Auszeichnungen. Diese Entwicklung ist neuerer Zeit. Schon vorher war es allerdings so, dass in Hollywood Preise gekauft wurden. Ende der Neunziger setzte diese Praxis ein. Sie ist stark mit dem Namen von Harvey Weinstein verbunden. Das beleuchtet Hollywood allerdings nie, wenn es von der Teufelsgestalt Weinstein spricht.
Weinstein soll zu der Zeit dafür gesorgt haben, dass sich die Juroren Produktionen gegenüber gefällig erweisen, die nicht das Zeug dazu hatten, groß bei der Verleihung abzustauben. Auf diese Art der fürsorglichen Pression, soll er unter anderem Shakespeare in Love zum besten Film des Jahres 1999 gebracht haben. Insgesamt erhielt der Streifen sieben Trophäen. Nach wie vor ist dieser Film, der im Großbritannien Elizabeths I. spielte, recht sehenswert. Aber ob es zur Kür der besten Produktion des Jahres reichte, darf man auch mit einem Vierteljahrhundert Abstand bezweifeln. So gingen Der schmale Grat und Elizabeth leer aus. Beide Produktionen hatten nicht den Einfluss in Hollywood.
Die Oscars haben zuletzt starke Einbußen bei den Zuschauerzahlen erlebt. In den Neunzigern hatte die Gala noch Einschaltquoten von 60 Millionen US-Zuschauern und mehr. Aber diese Zeiten sind vorüber. Im letzten Jahr guckten 19,5 Millionen zu. Das war schon eine steigende Quote. Denn 2021 waren es gerade mal 10,4 Millionen. Hollywood steht heute für Ramsch. Und dafür, Produktionen auszuzeichnen, die oft den Kritikern, aber selten dem Publikum oder beiden gefallen. Heute Nacht kann man diesem Treiben der schieren Mittelmäßigkeit wieder folgen. Wenn man einschaltet. Ein erstklassiger Schlaf ist einer Mittelmaßgala aber vorzuziehen.
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hab den Kram noch nicht gesehen, für Müll geb ich kein Geld aus…😉
Ich habe allerdings viele Filmkritiken gelesen, da wird das Ding über den grünen Klee heftigst gelobt. Also wahrscheinlich ist der Film wirklich nur ein Machwerk, und weit von Kunst entfernt. Ich weiss es nicht wirklich. Ich bedanke mich für diese Filmkritik und verschiebe das Ansehen dieses Films weiter nach hinten.😉
In diesem woken Gesinnungsfilm oder Haltungsfilm kommt es nur auf das Schicksal der Juden an, die überlebten, aber weiter dem latenten Antisemitismus ausgesetzt waren oder sind, repräsentiert durch einen hochbegabten Holocaust Überlebenden, der danach von einem Kapitalisten ausgebeutet und vergewaltigt wird.
Es hätte sich genausogut um einen Neger handeln können, der in einem Slum aufwuchst, und dessen Urgroßvater Sklave war, und der Drogen nahm, weil er als Afroamerikaner abgelehnt wurde und total traumatisiert war, aber entdeckt wurde, als er im Drogenrausch spontan einen fantastischen Song trällerte, den es noch gar nicht gab, als gerade ein Musikmanager vorbeikam, der ihm grandiose Erfolge ermöglichte. Nach einem Konzert wird der Star von einigen weißen Fans vergewaltigt, beweist aber Charakter und verzeiht ihnen, weil sie black lives matter unterstützen.
Ein viel interessanterer Film hätte gedreht werden können über eine junge Frau, deren Großvater Nazi war, und die, von so einer Vorgeschichte und dem Schuldkult traumatisiert, lesbisch wurde, aber die faschistische Prägung trotzdem nicht überwinden konnte, und sich einer homophoben Partei anschloss, deren Vorsitzende sie wurde, und für die sie phantastische Wahlsiege errang, bis sie vom Nazi Göcke ausgebootet wurde, und nach dessen Machtergreifung in lebenslange Untersuchungshaft kam.
Fazit: Jede Menschin und jeder Mensch ist woke, auch wenn sie/er es noch nicht weiß.
😉👍
Klingt beim ersten Lsen intelligent, abre man fragt sich warum jemand der sowas schreiben kann zu dumm/beque/faul/demagogisch ist, den Gründen des AfD Erfolges nachzuspüren…
Filme wie dieser erfordern Millione Investitionen und setzen ein Publikum voraus, das es ja heute gibt, oder?
man könnte aber auch filme drehen über leute, deren vorfahren nazis waren, (die in der SS dienten) und diese nachfahren nun einer partei eintraten, die sich woke und „fortschrittlich“ nannte. jene leute also treten mit hehrer gesinnung an, verhalten sich jedoch letztlich genauso wie ihre vorfahren: faschistisch und revanchistisch. (unter der rubrik: filme, die nie gedreht werden)
Eine super Idee, aber zu banal für einen Film. Der Großvater unseres künftigen Kanzlers war in mehreren Naziorganisationen. Aber das interessiert kein Schwein, weil man das sowieso erwartete.
Es werden noch Hollywood-Filme produziert?
Im Ernst, Hollywood gehörte zur Soft Power der USA, die von Woke-Amerika z.T. äußerst erfolgreich, von innen heraus quasi, attackiert wurde.
Mit der Digitalisierung kann nun jeder selbst Filme drehen und Musik machen. Oder warum nicht gleich „back to the roots“ – also Theater machen? Ach so, das läuft ja sowieso schon in Berlin, nur nicht im Theatersaal, sondern gleich auf der Straße…
Ich habe mir so etwas im Falle von „The Brutalist“ bereits gedacht. Die ganzen Superlative und Vorschußlorbeeren mit denen der Film bedacht wird, haben bei mir gleich Zweifel ausgelöst. Diese ehrliche und deutliche Kritik hier bestätigt mich in meinem Eindruck. Und der Film dauert ernsthaft 3 1/2 Stunden – das ist Terror.
Ich bin bereits letztes Jahr auf das absolute Machwerk „Anora“ von Sean Baker reingefallen, das sogar (unglaublicherweise) die „Goldene Palme“ in Cannes erhalten hat. Daß „Anora“ jetzt auch für einen „Oscar“ nominiert ist, schlägt dem Fass den Boden aus.
Daran sieht man, wie tief die ganze Filmbranche gesunken ist und daß es keine Qualitätsmaßstäbe mehr gibt.
Für mich ist das zeitgenössische Kino (gezwungenermaßen) abgehakt.
Da schau ich mir auch lieber Metropolis an, in jeder Form(Schad das da der Originalschnitt abhanden kam)
Ob die Kritik an dem Film berechtigtist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich ihn nicht gesehen habe.
Ob man allerdings dem Urteil eines Menschen glauben soll, der von einer „Teufelsgestalt Weinstein“ schwafelt, darf man doch schwer anzweifeln. Der Mann hat nichts Ungewöhnlichges getan. Reiche und Mächtige benutzen ihre Position für so etwas. Bei Bill Clinton hat man dafür Beifall geklatscht!
Weinstein als Teufelsgestalt zu bezeichnen lässt entweder auf dummheit oder woke Konditionierung schliessen.
Eine Charlize Theron zB, die zu den Betroffenen gehört, hat eine Karriere durch ihn bekommen, die ihr ein neunstelliges Bankkonto eingebracht hatz…. mit Verlaub für das Geld hätte auch ich Weinstein den Schwanz gelutscht!
So ein saudummer Ausrutscher macht leider auch ihre Filmkritik unbrauchbar…
Letzten Endes muss man sich den Streifen wohl doch selber antun um ihn für sich zu bewerten. Das kann man aber auch auf die lange Bank schieben.😉
Lesen ist nicht deine Stärke? Gondorff sagt an keiner Stelle, dass Weinstein eine Teufelsgestalt ist. Er sagt nur, dass es für Hollywood eine ist. Meine Güte….Zitat: „Das beleuchtet Hollywood allerdings nie, wenn es von der Teufelsgestalt Weinstein spricht.“
I stand corrected, thank you…
gelöscht, weil umgeparkt