Canceln – ein Gewohnheitsrecht der Guten?

Leipziger Buchmesse 2026 Eröffnung Augustusplatz Demonstration gegen Wolfram Weimer
Dirk Bindmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wolfram Weimer cancelte neulich drei Buchhandlungen von einer Liste für einen Preis. Das darf offenbar nur das woke Milieu – alle anderen sollen sich bitte fair und anständig verhalten.

Hat man die selbstgerechten Vertreter der Wokeness, die selig werden im Dunstfeld von Meldestellen und die eine gewisse Laszivität beim Stornieren und Ausschließen Andersdenkender an den Tag legen, nicht immer wieder gewarnt? Hat ihnen niemand gesagt, dass all das wie ein Bumerang zurückkommen und sie direkt an der Stirn treffen werde? Jetzt machen sie große Augen, weil ein Kulturstaatsminister tut, was offenbar nur ihnen vorbehalten sein soll: Er cancelt, grenzt aus und dreht damit den Spieß um. Sein Name: Wolfram Weimer. Weimer ist ehemaliger Chefredakteur von Welt, Berliner Morgenpost und Focus – und Gründer des Magazins Cicero. Seit 2025 ist er Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien – Weimer ist parteilos und konservativ.

In den letzten Monaten wurde er zum Hassobjekt des Medienbetriebes – einige Vorwürfe, die man gegen ihn erhebt, sind auch berechtigt. Andere nicht – was seinen Ausschluss dreier Buchhandlungen von der Preisträgerliste des Deutschen Buchhandlungspreises betrifft, liegt er eindeutig richtig. Was natürlich in Zeiten wie diesen einen Disclaimer notwendig macht. Denn wer Weimer nicht vollumfänglich verurteilt, der ist suspekt. Bevor mir also irgendjemand gleich was unterstellt: Wolfram Weimer ist mir nicht sonderlich sympathisch – einen Publizisten, der sich zum Haushofmeister einer Regierung ernennen lässt, halte ich schon für grundsätzlich problematisch. Das muss man wohl vorschieben, wenn man ihn dieser Tage nicht in Bausch und Bogen verurteilen möchte. Wie man heutzutage wohl immer vorversichern muss, wenn man sich zu diesem oder jenem äußert. Ob das was nutzt, steht auf einem anderen Blatt.

Das Ausschlussgewohnheitsrecht hat nicht jeder

Andersdenkende auszuschließen, so sie Künstler sind, sie von Bühnen fernzuhalten, deren Verträge nicht zu verlängern oder – besser noch – aufzulösen und sie in Existenznöte zu bringen oder deren Job zu gefährden: Diese Praxis hat sich in den letzten Jahren in Deutschland zu einer neuen Normalität gemausert. Meldestellen sammeln Vorfälle und generieren so ein Rassismus- oder Sexismus-Problem, das sich aus Zahlen speist, die sich auch und besonders aus Vorfällen »unterhalb der Strafbarkeitsgrenze« subsummieren. Die Vorwürfe ließen sich stets auf einen Nenner herunterrechnen: Rechtsruck. Alles sei quasi nach rechts gerückt und der Staat müsse wachsam sein – denn jeder der anders denkt, als die Doktrin der Stunde es voraussetzt, muss rechts verortet werden. Wo man einst das Böse wähnte, den Teufel, das Niederträchtige, hat man sich auf eine Ersatzbegrifflichkeit geeinigt: rechts! Es ist das Schlechte in der Welt und die Agenda der Wokeness führt nicht weniger als einen Feldzug gegen das Maligne.

Daher fällt jede Kritik an diesem Kurs auf eher unfruchtbaren Boden. Denn wer den Übereifer ins Visier nimmt, mit dem man Andersdenkende vorführen möchte, wird automatisch zum Advokaten des Bösen – der wird selbst zur Gefahr und braucht eine heilende Cancel-Kur, damit er lernt, im rechten Augenblick den Mund zu halten und seine Meinung für sich zu behalten, sofern sie nicht mit der verordneten Meinung deckungsgleich ist. Auf diese Weise hat man diese Republik Schritt für Schritt zu einem Ort werden lassen, an dem auch – und vermutlich ganz besonders – der Kulturbetrieb sich gleichschaltete. Stichwort: Kulturelle Hegemonie. Noch ein Stichwort: Gleichschaltung: Ein schlimmes Wort im Angesicht der deutschen Geschichte. Aber wenn es doch so ist? Kein Wunder also, dass die Mitarbeiter des Hamburger Thalia-Theaters nach dem »Prozess gegen Deutschland« und der Lesung Alice Schwarzers so aufgelöst waren: Sie kennen ihren Arbeitsplatz seit Jahren nur als eine Bühne, auf der kundgetan wird, was gehört werden will – dass Kunst auch Umstände ansprechen sollte, die niemand hören mag: Das hat man im Kulturbetrieb sukzessive verlernt.

Während sich die Kulturbetriebenen nun über Wolfram Weimer aufregten, weil der zuletzt drei linke – gar linksextreme? – Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausschloss, haben sie Mitleid und großes Verständnis mit dem Mitarbeiter jenes hanseatischen Theaters. Die Intendanz habe gewissermaßen ihre Fürsorgepflicht vernachlässigt und die Angestellten der vollen Wucht Andersdenkender ausgeliefert. Hat mal jemand nachgefragt, was das mit ihnen macht? Wie sie das traumatisiert, wenn sie plötzlich auf Menschen treffen müssen, die einige Aspekten des Lebens auf differente Weise sehen? Ihr Safe Space, ihr Rückzugsraum und Schutzort, die von Steuerzahlern finanzierte Bühne des Hauses, wurde preisgegeben. Einen Schutzanspruch vor »toxischen« Meinungen zu haben, was beinhaltet, Menschen mit anderen Sichtweisen auch ausgrenzen zu dürfen: Das ist das Ausschlussgewohnheitsrecht von Menschen, die auf dem richtigen Pfad sind – die wachsam, also woke sind. Einer wie Weimer hat dieses Recht nicht, denn es gehört nur denen, die diese Form zivilgesellschaftlicher Wehrhaftigkeit durch Öffentlichkeitsentzug erfunden haben.

Begehrte Gelder eines verreckten Staates

Doch man muss diese Leute verstehen: Sie werden fuchsteufelswild, wenn das Rad der Geschichte sich weiterdreht. Sie glaubten sich als Sieger der Geschichte – sie nahmen wirklich an, dass der neue Kurs nicht mehr zurückzudrehen ist. Gemeint ist die Gepflogenheit, die Gesellschaft mittels öffentlich finanzierter Organisationen, die sich namentlich damit schmücken, nicht regierungsnah zu sein, während sie von der Regierung abhängig sind. Sie haben gewonnen! Dass sich früher oder später der Wind drehen könnte, wie manche mahnend einwarfen, sahen die Apologeten der Selbstgerechtigkeit nicht ein. Für sie war das Defätismus, ab jetzt würden sie den Ton angeben – die Konservativen und Liberalen, die Unternehmer und die Kirchen ließen sich vom Shitbürger einlullen, wurden zu Bückbürgern, wie Ulf Poschardt diese Spezies in seinem mit Spannung erwarteten neuen Buch diese Leute nennt. Machen wir uns nichts vor, noch immer geht die Mehrheit den woken Anwandlungen auf den Leim. Aber hier und da wird die Phalanx dieses sattsamen Dünkels durchbrochen. Wolfram Weimer traut sich das – und er wusste ganz sicher, welche Reaktionen er erwarten musste.

Die fallen gewohnt einseitig aus. Weimer wird in den Medien bezichtigt, Einfluss auf den Kulturbetrieb zu nehmen. Nun ja, er ist Kulturstaatsminister, zudem Nachfolger einer Frau, die politische Einflussnahme in der Kultur besonders großschrieb – und rechtfertigte. Claudia Roth wollte gar Kulturinstitutionen bei der Entwicklung eines Verhaltenskodex zur politischen Korrektheit zur Seite stehen. Das fanden diejenigen durchaus annehmbar, die nun Weimer für ganz schrecklich halten. Aber schauen wir uns mal die drei Buchhandlungen an, die Weimer ausschloss. Eine davon hat im Schaufenster den Spruch hängen: »Deutschland verrecke endlich!« Nicht die feine Art, verboten ist es jedoch auch nicht. Mag man der Öffentlichkeit mal erklären, warum eine Buchhandlung potenziell einen Preis erhalten sollte, der von Geldern eines Staates bezahlt wird, den man eigentlich im Grabe liegen sehen möchte? Diese Haltung erinnert frappierend an manchen Punk – in den Innenstädten gibt es noch einige –, der in der Fußgängerzone auf einer Decke herumsitzt, vor ihm ein Schild mit der Aufschrift, wonach Arbeit scheiße sei, und der aber um einen Euro bittet, den der milde Spender gemeinhin durch seine Arbeitskraft verdient hat.

Geld stinkt nun mal nicht. Nicht wenn es aus öffentlichen Latrinen stammt, wie schon der römische Kaiser Vespasian wusste – und auch nicht, wenn es aus dem Staatssäckel eines Landes kommt, dem man beim Verrecken zuschauen möchte. Wohlfeil war von Anfang an die Kritik an Weimer. Seine publizistische Tätigkeit weise schließlich bestimmte politische Vorstellungen aus, – daher sei es berechtigt, Zweifel an seiner Neutralität als Kulturstaatsminister zu haben. Das stimmt zwar grundsätzlich sicherlich, traf aber mindestens genauso auf Claudia Roth zu – dass sie nicht neutral war, klar einen Kulturbetrieb wollte, der sich politisch so gab, wie sie sich Progressivität vorstellt – divers eben, queer dazu, gegen Sexismus und Rassismus ohnehin –, wurde ihr sogar als Qualität ausgelegt, die sie für so ein Amt erst richtig befähigt. Weimer stellt sich wieder mehr in den Dienst einer bürgerlichen Leitkultur, versucht den Kulturkampf umzudrehen, der schon Jahre vor seiner Amtsübernahme angestoßen wurde, und hat sich beim Zeitgeist abgeschaut, wie man cancelt. Damit ist eingetreten, was ohnehin anzunehmen war: Die Freunde des Cancelns werden früher oder später das Schicksal erleiden, das sie anderen aufbürdeten.

Es pendelt – immer und überall

Das ist ein völlig normaler Prozess. Jene, die die Guillotine als Hinrichtungsinstrument eingeführt haben – selbstverständlich taten sie das aus humanitären Gründen, schließlich quält man den Verurteilten nicht, sondern enthauptet ihn effizient mit einem schnellen Ruck –, endeten selbst unter der Guillotine. Übrigens war die Tötungsmaschine da schon so umfangreich eingesetzt worden – 17.000 Menschen sollen 1793/94 während der Terrorherrschaft Robespierres den Kopf verloren haben. Übrigens bedurfte es oft zweier Anläufe mit dem vermeintlich humanitären Fallbeil, bis der Kopf vom Torso abgetrennt war. Die Revolution frisst ihre Kinder – wenngleich im aktuellen Falle anzumerken ist, dass die woke Ausgabe der Revolution noch nicht vorbei ist. Aber hier und da spürt man mittlerweile ein Gegensteuern. Man könnte das freilich als rachsüchtiges Zurückzahlen begreifen – aber warum sollte man von Weimer mehr Edelmut erwarten, als von denen, die diese Praxis erst etabliert haben?

Es pendelt. Von hüben nach drüben. Ob das je anders war? Über Jahre hat man nun alles gecancelt, was unter vernünftiger Maßgabe ein solches Schicksal nicht verdient hatte. Männer, später Frauen, die Frauen unter Frauen sein wollen, Konservatismus, Kirche, Comedy, die nicht erst um Erlaubnis fragt – auch die klassische Familie wurde so gut es geht ausgeblendet, denn die sei heteronormativ und damit sexistisch, altbacken, reaktionär. Dekonstruktion stand an, ein kulturloser Ausmerzungswille wütete mit dem Ziel, dies und vieles andere vom Angesicht der Erde zu tilgen. Alles sollte irgendwie vielfältig sein, aber dabei bitte vollkommen gleich, ja uniform geradezu. Mit gleicher Münze zurückzahlen, wie es Weimer nun tut, schickt sich also nicht? Mag ja von einer höheren Warte aus alles zutreffen – vom Hochsitz der Vernunft aus, bei der philosophischen Betrachtung. Aber wir sind hier, in der Politik, in den Niederungen unterwegs. Diejenigen, die bis neulich verkündeten, es sei völlig in Ordnung, Menschen mit anderem Weltbild an die Wand zu klatschen – sie sehen das ja noch immer so und haben auch jetzt noch hier und da viel zu viel Macht, um es zu exekutieren –, haben einen Generalangriff auf demokratische Grundwerte verübt. Haben diese Leute wirklich eine faire Behandlung verdient?

Grundsätzlich wäre ich dafür, wenn ihr Weltbild von Fairness geprägt wäre. Dem ist jedoch nicht so. Ihr Welt- und Menschenbild ist von Verachtung und Überheblichkeit geprägt – der Nächste ist ihnen scheißegal, sie selbst wollen sich gut fühlen und nötigen ihre unausgegorenen Befindlichkeiten ihrem Umfeld und gleich noch der gesamten Gesellschaft auf. Dem stellt man sich nicht als nobler Ritter entgegen, man räumt auf mit dieser Unwucht, die uns aus der Bahn zu schleudern drohte – und uns als Schicksal noch immer droht. Weimer ist freilich kein Held einer neuen Ratio, seine Hintergründe sind sicherlich genug Grund zu Kritik – dass er aber jene Buchhandlungen ausschloss von einer Prämierung, das kann man ihm nicht ernstlich vorwerfen. Es wäre gut, wenn diese Republik dazu überging, mehr Weimer zu wagen!

Dieser Artikel erschien erstmals bei Manova.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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48 Kommentare

  1. Der Unterzeichner des angeblichen Manifestes für Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt polemisiert gegen Meinungsvielfalt und für deren politisch getriebener Einengung.

    Bigotter geht es kaum noch!

    1. Inwiefern wird denn die Meinungsvielfalt eingeengt, wenn drei Buchhandlungen keinen staatlichen Preis bekommen?

      Noch besser wäre es natürlich, wenn es gar keine staatlichen Preise gäbe.

        1. Aber die Buchhandlungen wurden doch nicht „gecancelt“. Sie haben halt keinen Preis bekommen so wie tausende andere auch.

          Wurden die auch alle „gecancelt“?

          1. den Bichhsndlzngen idt ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden, der Minister hat mit seinen Eingriffen in die Juryentscheidung das staatliche Neutralitätsgebot missachtet und hat darüberhinaus über die Gründe seiner Entscheidung gelogen.

            Er hat so ihm nicht passende Ansichten selbstherrlich politisch sanktioniert.

            Dieser bewusste politische Eingriff in die Meinungsvielfalt wird von einem Autor abgefeiert, der gestern noch Krokodilstränen über eine angeblich eingeschränkte Meinungsfreiheit vergossen hat.

            Bigotter geht es kaum noch. Der Artikel steht so für eine politische Scheinheiligkeit und Heuchelei, die zum Markenzeichen von Overton zu werden scheint.

            1. Weimers Entscheidung ist doch gerade bei den Zielgruppen der fraglichen Läden unbezahlbare Werbung. Für den Preis hätte sich dagegen keiner interessiert.

              Wo soll da wirtschaftlicher Schaden entstanden sein?

              1. Die Preisgelder sind gerade für Buchläden als Zusatzeinnahme (15.000€) nicht unerheblich.

                Deine Unterstellung (mehr Werbung = signifikant höherer Gewinn) ist eine faktenfreie Annahme. Und war durch Weimer nicht beabsichtig. Entscheidend ist die willkürliche politische Zensur einer Jury-Entscheidung durch die Regierung.

                Warum weigerst Du Dich, den Elephant im Raum überhaupt wahrzunehmen und versuchst seine Existenz zu bestreiten?

                Das liest sich nach stramm ideologischen Scheuklappen.

  2. Wie kann man sich über das woke Canceln der „Salonlinken“* echauffieren, wenn man das rechte Canceln des reaktionären „Kulturstaatsministers“ gut findet?

    Verstehe ich nicht.

    Und nein. Das ist alles keine neue Erfindung. Im Adenauerstaat wurde schon immer gecancelt, was das Zeug hält.
    Es hat nur in den letzten Jahren nur eben vorrangig diejenigen getroffen, die vorher jahrzehntelang ein Monopol aufs Canceln hatten, nämlich die miefige konservative Wolke. Werden die selbst Canceln, wenn sie es können? Natürlich. Macht Weimer gerade. Die Jammern, wenn sie selbst getroffen werden? Ja und? Konservative Jammern immer.

    *) Das „Linke“ an „Salonlinken“ aka „Linksliberalen“ ist im Kern übrigens nichts denn blanker Egoismus. Das „Liberale“ an Ihnen ist das Primat der eigenen Meinung.
    Man findet „Salonlinke“ daher für gewöhnlich auch vorrangig im Kleinbürgertum und nicht im Großbürgertum (das besorgt seine Geschäfte im Stillen) oder der Arbeiterklasse (die haben für so einen Scheiß keine Zeit).
    Im übrigen wird sich das mit den „Linksliberalen“ von selbst erledigen, denn das Kleinbürgertum oszilliert traditionell zwischen „Linksliberal“ und „Faschismus“ und das Pendel schwingt erkennbar bereits wieder nach rechts. Viel Spaß noch mit dem „umgekehrten autoritären Staat“.

  3. Welche Position nahmen denn diese zensierten Buchladen-Leute zur sog. Hammerbande in Ungarn und anderswo zur sog. AntiFa ein? Und was bedeutet für diese Kreise „Antirassismus“ wenn nicht die Unterordnung nationalstaatlicher Souveränität unter die globalistischen Menschenschlächter, Freifahrtscheine für Messerstecher und Gruppenvergewaltiger – dann, wenn sie die „richtige“ Herkunft haben.
    Wieviel Staatsknete haben diese Zirkel in der grünen Trittin Ägide abkassiert?

    Trotzdem ist das Weimer Eingreifen Zensur, auch wenn es nicht die Falschen trifft. Das Recht auf Meinungsfreiheit ist unteilbar, Wenn es nun aber gar nicht mehr existiert, kann es nur darum gehen, die Zensur einzuschränken.
    Die Petition für Meinungsfreiheit z.B. macht das richtig. Es ist beschämend, wie viele hier im Forum nicht unterschreiben wollen, weil sie von “ rechts“ käme, dabei ist jede Petition für die Meinungsfreiheit „links“.

  4. Die Kritik trifft daneben, denn hier wird nichts gecancelt. Die drei Buchhandlungen bekommen halt keinen Preis – so wie tausende andere auch. Niemand verbietet ihnen, weiter ihren Geschäften nachzugehen, oder schreibt ihnen ihr Sortiment vor.

    Ich würde mich einer Forderung anschließen, dass der Staat gefälligst überhaupt keine Kulturpreise zu verteilen hat. Wir brauchen keine „Staatskultur“, weder „links“ noch „rechts“, sondern Kulturfreiheit.

    1. „Ich würde mich einer Forderung anschließen, dass der Staat gefälligst überhaupt keine Kulturpreise zu verteilen hat. Wir brauchen keine „Staatskultur“, weder „links“ noch „rechts“, „sondern Kulturfreiheit.
      Dem stimme ich zu.
      Trotzdem ist es Zensur, wenn ein Staatsminister gezielt drei Bewerber streicht, weil sie ihm nicht passen. Wenn das keine Zensur ist, gibt es keine

      1. Zensur bedeutet Einschränkung der Meinungsfreiheit. Inwiefern ist das hier der Fall? Die Buchhandlungen dürfen doch uneingeschränkt weiterhin machen, was sie wollen.

        Faktisch wurde ihre Reichweite durch die Skandalisierung sogar mehr gestärkt, als es ein Dreizeiler über einen „Kulturpreis“ im Feuilleton vermocht hätte.

        1. Sehe ich anders: Die 3 wurden ja nicht deshalb ausgeschlossen, weil sie ihre Türen rot anlackiert hatten.
          Wenn staatliches Handeln Zuwendungen, Vorteile, Arbeitsstellen nach den Meinungen des Bewerbers vergibt, ist das Zensur – da kann man lange behaupten, sie könnten ihre Meinung ja weiterhin kundtun. Wie sagte es irgendein Politiktfuzzi: In DE kann jeder seine Meinung sagen, das heißt aber nicht, dass es ohne Folgen bleiben müsse. ich glaube, es war im Fall Dogru – ist ja auch keine Zensur….er kann ja weiter sagen, was er will…

          1. Nach Ihrer Logik müssten dann aber doch ALLE Buchhandlungen einen Preis bekommen …

            1. Herr Wansieder, ich weiß nicht, was Sie umtreibt – Sie stehen doch sonst nicht auf der Leitung. Hier streicht ein Minister drei Verlage aktiv aus einer Liste von Anwärtern auf einen Preis, aus ganz konkreten Gründen, die man ohne Zweifel als in den Meinungen der Betreiber verorten darf…
              Und dann kommen Sie um die Ecke und meinen, das sei eine zu vernachlässigende Kleinigkeit, mit Zensur insbesondere habe das nichts zu tun.

    2. Ein Grenzfall, würde ich sagen. Ein Recht auf einen Preis gibt es nicht, und richtig, die Buchhandlungen dürfen weiter frei publizieren. Wemm Wokismus Veranstaltungen und Preise cancelt, beschweren wir uns aber auch, obwohl die Ausgeladenen weiter ihre Meinung sagen oder publizieren können.

      1. Wenn eine Veranstaltung gecancelt wird, findet sie nicht statt. Das könnte man vielleicht damit vergleichen, dass die Buchhandlungen schließen müssen und man ihnen sagt, dass sie ja im Industriegebiet weiter verkaufen können.

        Die ausgefallene Preisvergabe entspricht wohl eher der Entscheidung, dass eine Veranstaltung kein Banner auf der Gemeinde-Webseite bekommt – so wie die allermeisten anderen auch.

  5. Für das vom Autor dargestellte Prozedere gibt es ein schönes Sprichwort, in dem Elche vorkommen.

  6. Wer weiß, vielleicht regen sich hier einige nur über linkes wokes Gecancel auf, weil sie nicht die Macht haben, linkes Gedankengut zu canceln. Vielleicht canceln die ach so unschuldigen Konservativen, einmal an der Macht, genauso? Wer weiß.
    Vielleicht täte allen der Spruch gut:
    „Was kümmert Dich der Splitter im Auge Deines Bruders, entferne erst einmal den Balken vor Deinen Augen“

  7. RDL präsentiert einen Manova-Text in Zweitverwurstung. Zum Thalia-Komplex hatte er vor Wochen schon aufgetischt und hier einfach ein Stückchen recycled.

    „Wolfram Weimer traut sich das“

    Ein mutiger Mann, der Wolf. Echter Adelwolf. Offen und direkt. Ohne Schafspelz.

    Im Gesamtkontext gesehen, macht Weimer allerdings nur seinen Beritt kriegstüchtig. So wie alle BRD-Offiziellen ihre jeweiligen Geschäftsbereiche auf Linie bringen und auf Mobilmachung vorbereiten.

    Ist auch dadurch belegt, dass alle 3 Buchläden denselben Preis früher schon mehrmals erhalten hatten. Obwohl die da schon genau so drauf waren. Muss sich plötzlich in der Staatsräson was geändert haben. Zeitenwende.

    Vom Buchhandlungscanceln zum Bademantel ist der Katzensprung so groß wie vom Kaiserhof zur Reichskanzlei.

    Nicht vorwerfen kann man RDL, er würde diese großen Linien links liegen lassen. Denn in seinem Eifer, seinen Text auf Weimer-Linie zu bringen, liegen diese Zusammenhänge komplett außerhalb von RDL Wahrnehmungsspektrum.

    Zudem wollte RDL mal wieder von einem „außergewöhnlichen“ Standpunkt aus schreiben. Das sorgt für Triggerpunkte bei den Foristen und mehr Kommentare. Und Zugriffszahlen wiederum sind prima für Bedeutungzuwachs innerhalb der medialen Kakophonie und Geldsegen durch kultursensible Gönner aller Art.

    So hatten die 3 Buchläden das bisher auch gehandhabt: In „woke-linksgrünversifften“ Studentenstädten auf „woke-linksgrünversifft“ machen, dadurch das riesige deutsche (Pseudo-)Revoluzzertum als Zielgruppe erschließen und zusätzlich noch preiswürdige Staatsknete abgreifen. Clevere Geschäftsidee.

    Wie sich jetzt zeigt, war bei den 3 Läden allerdings ein gewisser Reformstau zu beklagen. Die hatten einfach den Absprung verpasst. Wer zu spät rübermacht, den bestraft der Weimer.

    Der ganze durch das Canceln verursachte Soli-Medienrummel dürfte allerdings weit mehr in die ladeneigenen Registrierkassen gespült haben als es der Preis je vermocht hätte. Geteiltes Leid ist doppeltes Schärflein.

    „Die Freunde des Cancelns werden früher oder später das Schicksal erleiden, das sie anderen aufbürdeten.“

    Des Canclers RDL Schadenfreude ist zugleich auf ihn und OM ausstrahlende Prophezeiung. Weimer zuletzt lacht, lacht am besten.

  8. Der blinde Fleck im Auge des Kolumnisten
    Seine Argumentation sinngemäß wiedergegeben:
    Weil das Canceln der Nicht-Woken durch die Pseudo-Linken nicht in Ordnung war, sei das Canceln der Alt-Linken durch die nicht-woken Neoliberalen nun in Ordnung.
    Was für eine Bullshit-Argumentation ist das denn?!?

    Auf das naheliegende Argument kommt er erst gar nicht, nämlich dass sowohl das erste Canceln, als auch das zweite Canceln dummer Unfug ist und zu unterlassen gehört!

    Reduzieren lässt sich dieses „Ätsch, wir können das auch!“ auf die folgenden Zeilen:

    Mit gleicher Münze zurückzahlen, wie es Weimer nun tut, schickt sich also nicht? Mag ja von einer höheren Warte aus alles zutreffen – vom Hochsitz der Vernunft aus (…). Aber wir sind hier, in der Politik, in den Niederungen unterwegs. Diejenigen, die bis neulich verkündeten, es sei völlig in Ordnung, Menschen mit anderem Weltbild an die Wand zu klatschen (…), haben einen Generalangriff auf demokratische Grundwerte verübt. Haben diese Leute wirklich eine faire Behandlung verdient? [Hervorhebung durch mich.]

    Um die letzte Frage kurz zu beantworten: Ja, haben sie.
    Aber was überhaupt macht Sie so sicher, dass diese erste Gruppe (die Weimers Vendetta ausgelöst haben mag) überhaupt mit der zweiten Gruppe identisch wäre (die nun Weimers Vendetta einstecken muss)?!?
    Und im Übrigen betrachte ich den heutigen Erguss als Ausweis eines intellektuellen Armutszeugnisses, der differenzierten Betrachtung unterschiedlicher sogenannt linker Gruppierungen zu unfähig, als dass man sie ernst nehmen könnte!

    1. Danke, das erspart mir einen ähnlich lautenden Kommentar.

      PS Ich bin übrigens von dem Verfasser des Artikels gecancelt worden, weil ich mir erlaubt hatte, eine Überlegung zu äußern, was wohl zum Kommentarverbot auf den Sachs-Artikel geführt haben mag. Der Kommentar war rein sachlich, ohne Personenbezug und doppelten Boden und befaßte sich mit den evtl. Kosten für als „Beleidigungen“ angesehene Forenbeiträge. So etwas geht also nicht mehr. Was dann noch geht, möchte ich gar nicht mehr austesten…….

  9. Dass R.D.L. nach dem stillschweigenden Canceln einer ganzen Kommentar-Spalte unter einem Artikel zu Israel in feinster Doppelmoral zeitnah und völlig ungerührt wieder Artikel zur Meinungsfreiheit, Meinungsvielfalt und dem Cancel- (Zensur-)Wahn bringt, hat schon eine Dreistigkeit, die der mancher heutigen Polit-Darsteller kaum noch nachsteht. In doppelbödiger Hinsicht scheint man hier erstaunlich merkbefreit.

      1. Das klingt wie eine Rechtfertigung, obwohl ich einmal hier angetreten bin, ein genau solches Verhalten anzuprangern.
        Weshalb sind wir eigentlich hier?

          1. Sie haben das Prinzip verstanden.
            In der Zwischenzeit genehmige ich mir einen pangalaktischen Donnergurgler. 🙂

    1. Ich habe den Artikel schon beim ersten mal nicht gelesen.(weil mein Bullshit Detektor (sehr zuverlässiges Gerät übrigens) im roten Bereich war)

      Jetzt werde ich mich daran machen ihn ein zweites mal nicht zu lesen, danke für den Hinweis.

    2. Wieso denn? Ist seitdem was passiert? Hat RDL sich zwischenzeitlich etwa sogar selbst (teil-)gecancelt?

  10. Wieso denn? Ist seitdem was passiert? Hat RDL sich zwischenzeitlich etwa sogar selbst (teil-)gecancelt?

    1. @ Souverän 16:45 : Könnte es eventuell
      vielleicht so sein, unter Umständen, dass
      der Artikel falsch verstanden worden sein könnte ???

  11. Ein weiterer peinlicher und überflüssiger Text des rechten Gesinnungsschreibers RdL. Zum Weglaufen.

    Selbst Jürgen Kaube (Herausgeber der FAZ) lässt kein gutes Haar an Wolfram Weimer und seinem Handeln und begründet das auch gut.

    1. Ein weiterer peinlicher und überflüssiger Kommentar von Wem-auch-immer.
      Die Meinung eines Klopapier-Herausgebers als Referenz heranzuziehen, sagt genau was aus ? Richtig, gar nichts.
      Ich bin beileibe kein Fan von Herrn dL und seinen Artikeln bzw. den in letzter Zeit m.M.n. zu Recht kritisierten Vorgehensweisen auf diesem Forum. Wer allerdings völlig substanz- und respektlos rumpöbelt, braucht nicht zu erwarten, ernstgenommen zu werden. Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit inhaltlich fundierter und trotzdem respektwahrender Kritik ? Statt regelmäßig dieses Kindergarten-Niveau…

  12. Soweit ich die Medienberichte mitbekommen habe ging es darum, dass eine für solche Kulturpreisverleihungen ausgewählte Jury diese 3 Buchhandlungen, unter etwa 100 anderen, für eine der Preiskategorien (erneut) VORGESCHLAGEN hatte. Es ging also nicht unmittelbar um ‚Verteilung von Staatsknete an Links-Extremisten‘, wie es mancherorts dargestellt wird.

    Die Preisverleihung, für die der Bundeskulturhaushalt 1 Mio. jährlich zur Verfügung stellt, hat laut wikipedia keine besondere politische Ausrichtung, sondern eine wirtschaftliche:

    „Die Auszeichnung unabhängiger und inhabergeführter Buchhandlungen in Deutschland dient dem Ziel, einer zunehmenden Wettbewerbsverschärfung zu Lasten des Kulturträgers „Buchhandlung“ entgegenzuwirken.[4]“

    Es geht in den Teilnahmebedingungen also um Klein-Buchhandlungen, die keinen großen Umsatz machen. Daneben um Kriterien eines vielfältigen, spezialisierten, oder „unüblichen“ Literaturangebots, jenseits der „Bestseller“-Großbuchhandlungen, um „innovative Verkaufsideen“, das Angebot an Kinderbüchern, und vieles mehr.
    Es lohnt sich, den wikipedia-Artikel dazu mal anzuschauen, auch wegen der dortigen zusätzlichen Informationen zum Konflikt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Buchhandlungspreis

    Wenn man sich das Buchangebot z.B. des „Golden Shop“ – online – ansieht, ist da neben der vielen Literatur eigentlich nicht mal ein „linker Schwerpunkt“ zu erkennen. Nach dem ganzen Gezeter hatte ich da jedenfalls mehr „Linkes“ erwartet, aber nach den Buchtiteln wenig entdeckt. Aber vielleicht wird das ja „heimlich“ unter der Ladentheke gehandelt!?
    Darum brauchte sich der Weimatar jedenfalls gar nicht kümmern, weil er sich nach eigener Aussage ja auf geheimdienstliche „Hinweise“ der „Relevanz“ verlassen hat, die sich anscheinend hauptsächlich auf die mit Graffiti-Sprüchen übersäte Fassade des Shops stützten; darunter besonders das relativ kleingehaltene, auf Fotos kaum zu entziffernde Graffiti „Deutschland verrecke bitte“ (- nicht „… endlich“. Und es ist an der Wand, über dem Schaufenster. Man muss schon etwas suchen.) Ich würde wetten, der inkriminierte Wandspruch ist vorher kaum irgendjemandem aufgefallen, und wenn, dann ist er beim Shopping wahrscheinlich so unglaublich relevant, wie der „A-Kringel“ an jeder Bushaltestelle.

    Mit diesen „Hinweisen“ gerüstet, hat sich Weimer als Kulturbeauftragter über und gegen die Jury mit ihren Vorschlägen gestellt, und darin sahen wohl viele „Kulturakteure“, wie der „links-grün-woke“ Börsenverein, den Skandal: Dass eine Jury mit ihren Entscheidungen zu wirtschaftlich und demokratisch förderungswürdiger Kultur vom höhergestellten Kulturbeauftragten übergangen wird, mit seinen Vorstellungen und Richtlinien von konservativer Cancel Culture. 3 links-verdächtige Buchläden auf einer Liste von 100 Vorschlägen sind da offenbar schon 3 zuviel an „linker Wokeness“.

    Den Buchläden hat das erfreulich viel Werbung und Zulauf gebracht, sodass ihr Überleben vielleicht nicht mehr ganz so abhängig ist von ein paar tausend Euro Preisgeld.

  13. Und ich dachte immer, Buchläden verkaufen Bücher:

    buchladen golden shop in Bremen

    Wie man sich irren kann; aber als Buchladen hätte ich den Laden eh nicht wahrgenommen, eher als vegane Kantine Brechreiz fördernder Sellerieknötchen. Auch hübsch der Spruch ganz oben: „Heimat ist Aufruf zu Mord – no borders“. Garantiert schließen die nach Feierabend ihre Ladentür ganz fest zu, wetten?

    Die Tagesschauverblöder bringen es diesmal gut auf den Punkt:

    „Die Kritik an Weimer ist daher besonders scharf: Ihm wird eine „Gesinnungsprüfung“ vorgeworfen.“

    Allerdings von denen, die die Gesinnungsprüfung als festen Bestandteil ihrer Politik zur Grundlage erhoben haben, wie das Beispiel von Claudia Roth’s „Verhaltenskodex“ im Artikel deutlich macht. Das „Pendel schlägt zurück“ ist als süffisante Anmerkung des Artikelschreibers zu verstehen; die Kritik am Canceln insgesamt allerdings minder deutlich ausgefallen und wird m.E. zurecht kritisiert.

    https:/www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/weimer-buchhandlungen-verfassungsschutz-100.html

  14. Der Vergleich mit dem Punk hinkt, vielleicht, oder wahrscheinlich, ist der auch nicht gut behandelt worden in seinem bisherigen Leben und geht in eine vielleicht berechtigte Verweigerungshaltung.
    In Übrigen hat nicht automatisch recht, wer arbeitet- vieles was wir erarbeiten, ist ausgesprochen destruktiv, schon aus Umweltgründen.
    Auch gibt es keine Pflicht die Nation gut zu finden und dazu gehören auch krasse Überzeichnungen wie das „Verrecken“.
    Beigetragen haben aber auch die Woken.
    In den 80erm war noch klar, das hier nur ein ganz bestimmtes Hyper-Deutschtum „verrecken“ soll, daß selber extrem intolerant ist und Deutschsein reduziert auf Ducken, früh aufstehen und brav sein im Job und bei der werten Ehegattin, und das selber genauso kulturlos ist wie die Woken höchstselbst..
    In den 90ern ist das dann schleichend gekippt in eine pauschale Unterstellung an alle Deutschen ohne politisch korrekten Hintergrund, so zu sein wie diese Hyperdeutschen- wodurch die Woken selber zu etwas wurden wie Superdeutschen, quasi auf dem Kopf stehend.

    1. „In den 80erm war noch klar, das hier nur ein ganz bestimmtes Hyper-Deutschtum „verrecken“ soll, daß selber extrem intolerant ist …“

      Ja, der Spruch stammt vermutlich tatsächlich aus den 80/90ern, als anti-faschistische Erwiderung auf das alte „Rotfront verrecke“ der Nazis aus der Weimarer Zeit, das von den Neo-Nazis irgendwann in den 70er bis 90er Jahren gegen „die linken Zecken“ wiederbelebt wurde. Besonders in der Zeit der „deutschen Wiedervereinigung“ sahen sich manche damaligen Linken auf einem Weg in ein „4. Reich“, das es zu verhindern gelte, während der nationale Mainstream unter Kohl jeden Zweifel an einem ‚überstürzten‘ und ‚planlosen‘ Anschluss (s. O. Lafontaine u.a.) als „Vaterlandsverrat“ diffamierte. Die noch rechteren Patrioten des neuen ‚Großdeutschlands‘ feierten die WV ebenfalls als nationalen Glücksfall, sahen ihre Forderungen nach einem Deutschland in den Grenzen von 1937, inklusive polnischer und anderer „Ostgebiete“ im Aufwind und die westdeutschen Rechten dehnten sich auf den Osten aus, um den Brüdern und Schwestern – und auch den Linken – beizubringen, wie strammer Nationalismus geht (s. „Baseballschläger-Jahre“).

      Die Parole ist in ihrer Qualität als „Aufforderung“ an „Deutschland“ schon mal etwas dumm und auch in der bloßen anti-faschistischen Umkehrung des „Rotfront verrecke“ hat sie nichts als ein kindstrotziges „Nein-Ihr!“ zu bieten. Aber wie das mit auf dicke Hose machen und reduzierten Kampfparolen so ist …
      Ich hätte den Spruch ebenfalls eher als angestaubte Anti-Fa-Parole gegen eine ihnen „ZU rechte Entwicklung“ Deutschlands verstanden, aber er wurde ja gerade hochgekocht, als neustes „Indiz“ für den „Kulturkampf“ zwischen „links-grün autoritärer Versiffung“ der Nation und ihrer „konservativen“ Verwertung als die „wahre Demokratie“, die man nicht „rechts“ nennen darf, weil sowas eben nur die Links-Versifften tun.

  15. Zweifellos haben Grüne wie Claudia Roth und andere, wie Nancy Faeser, EU-von der Leyen, die jetzt lächerlicherweise als „links“ markiert werden, ständig neue Verschärfungen, Restriktionen und Bestrafungen eingeführt, bei kulturellen Diskussionsveranstaltungen, Kunstausstellungen, Demos, im Netz, etc. – Wen wundert’s, dass eine Roth als demokratisch bevollmächtigte Kulturministerin ihre „grünen Akzente“ für Ausladungen und Bilder-Entfernung von der documenta setzt und nicht die der anderen Parteien? – Wegen angeblich „antisemitischer“ Kunst, samt Trara um die Ausstellungs-Leitung und Weiterexistenz der ganzen Veranstaltung.

    Die anderen Parteien haben solche Machtworte statt grünem „Laissez-faire“ übrigens geradezu erwartet und bevor sie von denen als Amtsinhaberin unter Druck gesetzt werden konnte, hat sie eben andere unter den Bus geworfen. Auch die Filmförderung unterliegt der Bewilligung von staatlichen Sponsorengeldern, bei denen die zuständigen Entscheider in den Ländern (wie teilweise berichtet) nach ihren Präferenzen entscheiden, in welche erfolgversprechenden Produktionen Geld fließt. Unterhaltung mit bösen Nazis ist da wohl ein langjähriger Lieblings-Schwerpunkt, um Deutschlands erneut durch ausländer- und judenfeindliche Angriffe angekratztes Image aufzupolieren.

    Die zurückliegenden Morde und rechtsextremen Gewalttaten spielen im neuaufgelegten Kulturkampf gegen Links, Grün & Woke anscheinend keine große Rolle mehr. Eine zeitlang wurden die vielen jämmerlichen Maßnahmen und (NGO-)Initiativen „gegen Rechts“ von den gemäßigten Neu-Rechten wie auch der AfD als „Gutmenschentum“ diffamiert, das sich lieber um den Linksextremismus kümmern solle. Dank der Verbreitung der „Anti-Grün-Woken“ Propaganda, besonders durch die C-Parteien, sind der „Rechtsradikalismus“ und die rechtsstaatlichen Maßnahmen der rot-grünen, später von Merkel regierten „wehrhaften Demokratie“ kein so prominentes, öffentliches Thema mehr. Außer vielleicht an runden Gedenktagen für die Opfer (und ein paar NSU-Artikeln von Thomas Moser). Durch die anti-woke Brille wird rückblickend alles zum „linken“ und besonders „autoritären“ Murks erklärt, von Leuten, die mit autoritärem Vorgehen gegen „linke Klima-Terroristen“, Proteste gegen den Gaza-Krieg und sonstige Abweichungen absolut kein Problem haben.

    Das Komische bei solchen Markierungen als „links & woke“ ist das Bemühen, die Streichkultur von DENEN als „autoritär un-demokratisch“ zu etikettieren, um aus diesem „bösen“ Treiben ihre „gute“ Berechtigung zu ziehen, für „umgekehrtes Canceln“, nur eben nach konservativen Mustern, wie einige andere Kommentare schon ausgeführt haben.

    Ein Beispiel für die „Bigotterie“ ist der im Artikel genannte Poschardt, von der „Welt-Gruppe“, der sich auf seinem eigenen Youtube-„Welt“-Kanal quasi selbst interviewte und meinte, er setze „die Freiheit absolut“. Noch bevor man sich fragen konnte, was er mit „absolut“ wohl meinen könnte, machte er im nächsten Augenblick klar, dass die Freiheit aber nicht für „Gegner der Freiheit“ gelten dürfe. Als solche führte er zum Beispiel die Pro-Palästina-Proteste an Universitäten an, sowie Teile des Universitätspersonals, das sich – nicht explizit für die „Forderungen“ nach einem souveränen Staat -, aber für die demokratischen Rechte der Protestierenden zum Demonstrieren und gegen polizeiliche Räumungs- und Strafmaßnahmen einsetzte.
    Ja, was denn nun? „Absolute Freiheit“ klingt sowieso schon blöd genug, aber sie ist Poschardt wohl nur dann „absolut“, wenn’s um seine begrenzte Freiheitsvorstellung als großer Medienunternehmer und elitärer Influencer geht, ansonsten ist ihm „Freiheit für die Feinde der Freiheit … ein großes Problem“. Welche er als solche „Feinde“ betrachtet, obliegt natürlich seiner interessierten Definition, ansonsten allerdings den Auslegungen des Grundgesetzes zum „Missbrauch“ und der „Verwirkung“ der Freiheitsrechte (Art. 18) durch das BVG.

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