Zwischen Hoffnung und Abschied

Pflegekräfte unter Stress
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Während draußen über Arbeitsmoral und längere Arbeitszeiten diskutiert wird, arbeiten Pflegekräfte auf Krebsstationen längst an ihren emotionalen Grenzen. Ihre wichtigste Aufgabe beginnt oft dort, wo Medizin allein nicht mehr ausreicht.

Kurz nach sieben Uhr morgens beginnt auf der onkologischen Station eines Krankenhauses irgendwo in Ostdeutschland langsam der Alltag. Draußen liegt grauer Himmel über dem Parkplatz, auf dem Autos aus kleinen Städten und Dörfern der Umgebung stehen. Viele Patienten sind früh aufgebrochen. Manche sitzen bereits seit Stunden im Auto, weil spezialisierte Krebsstationen in ländlichen Regionen längst nicht mehr selbstverständlich sind.

Im Flur riecht es nach Kaffee, Desinfektionsmittel und dieser schweren Müdigkeit, die man in Krankenhäusern fast greifen kann. Infusionsständer rollen über den Gang, irgendwo piept leise ein Monitor. Einige Patienten schlafen zusammengesunken in ihren Sesseln, andere starren schweigend aus dem Fenster und warten auf die nächste Behandlung. Und mitten in all dem beginnen die Pflegekräfte ihre Schicht.

Ruhig.

Freundlich.

Fast so, als würde diese Station nicht jeden Tag Menschen an ihre Grenzen bringen.

Die Frauen und Männer in ihren Kitteln machen immer weiter

Wer nie längere Zeit auf einer onkologischen Abteilung verbracht hat, kann wahrscheinlich kaum verstehen, welche Stimmung dort manchmal herrscht. Hoffnung und Angst liegen oft nur wenige Meter auseinander. In einem Zimmer spricht jemand vorsichtig davon, dass die Werte besser geworden seien. Im nächsten geht es plötzlich darum, dass die Therapie vielleicht nicht mehr anschlägt. Manchmal reicht schon ein einziges Gespräch im Nachbarbett, um die eigene Hoffnung ins Wanken zu bringen. Denn auf Krebsstationen hört man Dinge, die man nie wieder vergisst.

Diagnosen.

Rückfälle.

Dieses vorsichtige Schweigen nach schwierigen Arztgesprächen. Angehörige, die versuchen stark zu bleiben und dabei trotzdem völlig verloren wirken. Menschen, die nachts nicht schlafen können, weil die Angst sich noch mehr einschleicht, sobald es still wird.

Und genau dort stehen diese Frauen und Männer in ihren Kitteln und machen weiter.

Sie bringen Medikamente, wechseln Infusionen, kontrollieren Werte, beruhigen Angehörige und versuchen oft, Menschen wieder aufzurichten, die innerlich längst zusammenbrechen. Manchmal sind es nur kleine Gesten. Ein kurzer Blick. Eine Hand auf der Schulter. Ein Satz wie:

„Heute schaffen wir erst einmal diesen Tag.“ Vielleicht sind genau diese kleinen Sätze manchmal wichtiger als jede Medizin.

Denn Krankheit verändert Menschen. Schmerzen verändern Menschen. Angst verändert Menschen. Viele Patienten reagieren gereizt, erschöpft oder ungehalten. Nicht aus Bosheit. Sondern weil ihnen plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Und trotzdem bleiben die Pflegekräfte freundlich. Selbst dann, wenn sie selbst längst müde sind. Selbst dann, wenn nachts wieder jemand gestorben ist.

Von außen wird über Krankenhäuser oft nur gesprochen, wenn es um Geld, Reformen oder Personalmangel geht. Dann fallen Zahlen. Statistiken. Einsparungen. Effizienz. Doch wer einige Tage auf einer Krebsstation verbringt, merkt schnell, dass die eigentliche Belastung oft viel tiefer liegt.

Denn diese Menschen erleben Leid nicht gelegentlich. Sie begegnen ihm jeden einzelnen Tag.

Viele Pflegekräfte sprechen kaum über diese Belastung

Sie sehen Patienten über Wochen oder Monate. Lernen Familien kennen. Kennen irgendwann die Kinder, die Ehepartner oder die Geschichten hinter den Diagnosen. Manche Patienten kommen nach erfolgreichen Therapien zurück und bringen Kuchen vorbei. Andere verschwinden irgendwann plötzlich. Dann bleibt ein Bett leer. Und wenige Stunden später beginnt bereits wieder der nächste Alltag.

Neue Patienten.

Neue Diagnosen.

Neue Hoffnungen.

Gerade in Krankenhäusern spüren viele Pflegekräfte den Druck inzwischen besonders stark. Auf dem Land werden Stationen zusammengelegt, Wege länger und Dienste dichter. Kolleginnen gehen in größere Städte oder wechseln ganz den Beruf. Wer bleibt, arbeitet oft seit Jahrzehnten in denselben Häusern und trägt längst nicht mehr nur die körperliche Belastung. Sondern auch die seelische.

Während draußen Politiker darüber diskutieren, dass die Deutschen mehr arbeiten müssten und die Leistungsbereitschaft steigen solle, arbeiten viele Menschen auf solchen Stationen längst weit über ihre emotionalen Grenzen hinaus. Nicht laut. Nicht sichtbar. Sondern still.

Denn ihre Arbeit endet nicht mit Medikamenten oder Blutwerten. Sie müssen Hoffnung vermitteln, selbst dann, wenn sie manchmal selbst ahnen, wie die Geschichte ausgehen könnte.

Sie müssen Angehörige auffangen, die auf Krankenhausfluren zusammenbrechen. Sie müssen ruhig bleiben, wenn Patienten verzweifeln. Und sie müssen oft innerhalb weniger Minuten zwischen Leben, Hoffnung und Abschied wechseln.

Eine Schwester verlässt das Zimmer eines schwerkranken Patienten, atmet kurz durch und lächelt im nächsten Moment bereits wieder den Menschen im Nachbarzimmer an. Vielleicht liegt genau darin eine der größten Leistungen überhaupt. Nicht nur körperlich durchzuhalten. Sondern menschlich.

Viele Pflegekräfte sprechen kaum über diese Belastung. Vielleicht auch, weil dafür oft gar keine Zeit bleibt. Die nächste Infusion wartet bereits. Der nächste Patient braucht Hilfe beim Aufstehen. Irgendwo klingelt wieder ein Zimmer.

Und trotzdem spürt man auf solchen Stationen etwas, das im normalen Alltag oft verloren gegangen ist: echte Menschlichkeit.

Vielleicht gerade deshalb, weil hier plötzlich alles auf das Wesentliche reduziert wird. Nicht Karriere. Nicht Status. Nicht politische Debatten.

Sondern Zeit. Hoffnung. Und Würde.

Wer längere Zeit auf einer onkologischen Station verbringt, beginnt vieles anders zu sehen. Die Hektik draußen wirkt plötzlich seltsam weit entfernt. Diskussionen über Produktivität, Arbeitsmoral oder Effizienz verlieren an Bedeutung, wenn wenige Meter weiter Menschen darum kämpfen, überhaupt noch ein Stück normales Leben festhalten zu können.

Und vielleicht denkt man genau deshalb irgendwann anders über jene Menschen in den Kitteln. Weil man plötzlich versteht, dass ihre Arbeit weit mehr ist als ein Beruf. Sie tragen Tag für Tag die schwersten Geschichten anderer Menschen mit.

Während draußen über Arbeitsmoral, Leistungsbereitschaft und längere Arbeitszeiten diskutiert wird, leisten Menschen auf solchen Stationen weit mehr, als sich in Dienstplänen oder Statistiken erfassen lässt.

Vielleicht gerade deshalb, weil ihre eigentliche Arbeit oft dort beginnt, wo Medizin allein nicht mehr ausreicht.

 

Quellen

Deutsche Krankenhausgesellschaft – Fachkräftemangel in Krankenhäusern
https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/1_DKG/1.3_Politik/Positionen/2024_Positionspapier_Gesundheitsversorgung_gemeinsam_gestalten_Fachkraefte_im_Fokus.pdf

Robert Koch-Institut – Zentrum für Krebsregisterdaten
https://www.krebsdaten.de/

Deutsche Krankenhausgesellschaft – Pflege ist zentrales Thema im Krankenhaus
https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/pflege-ist-zentrales-thema-im-krankenhaus/

DKG – Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege verbessern

https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/arbeitsbedingungen-in-der-krankenpflege-jetzt-konkret-verbessern/

Deutschlandfunk Nova – Studie zeigt: Pflegenotstand kostet Menschenleben
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/studie-zeigt-pflegenotstand-kostet-menschenleben

Günther Burbach

Günther Burbach, Jahrgang 1963, ist Informatikkaufmann, Publizist und Buchautor. Nach einer eigenen Kolumne in einer Wochenzeitung arbeitete er in der Redaktion der Funke Mediengruppe. Er veröffentlichte vier Bücher mit Schwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz sowie deutscher Innen- und Außenpolitik. In seinen Texten verbindet er technisches Verständnis mit gesellschaftspolitischem Blick – immer mit dem Ziel, Debatten anzustoßen und den Blick für das Wesentliche zu schärfen.
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20 Kommentare

  1. Das mit der großen Belastung von Pflegekräften au6f einer Krebsstation glaube ich. Aber dann sprigt der Artikel auf Pflegekräfte im Krankenhaus allgemein. Ich laufe jetzt seit einem halben Jahr hinter meiner Mutter her von Krankenhaus zu Reha Pflege und wieder zurück. In keiner dieser Einrichtungen habe ich gestresste Pflegekräfte gesehen. Sicher nicht repräsentativ aber was ich gesehen habe sind volle Pausenräume, mit aller Zeit der Welt arbeitende Menschen und leider auch Unzuverlässigkeit und Fehler wie das austeilen falscher Medikamente. Einen Arzt zu meiner dementen Muttet zu sprechen hat meist 2-3 Tage gedauert. Machmal auch ohne Absage des Arztes nicht stattgefunden. Bei Stationswechseln musste ich hinter den Sachen meiner Mutter herlaufen, manchmal erfolglos – sie waren einfach verschwunden. Abgesprochene Medikationen wurden nicht in den Medikationsplan aufgenommen und ähnliches. Ich weis sicher von diesem halben Jahr nicht alles was Pflege betrifft. Aber dieser Artikel beschreibt genau das Gegenteil von dem, was ich mit eigenen Augen gesehen habe.

    1. „Sicher nicht repräsentativ aber was ich gesehen habe..“
      Viele andere erleben diese und ähnlich gelagerte Verhältnisse ebenfalls ungeschönt: beruflich, persönlich oder im Kontext mit Angehörigen.
      Daher darf, nein muss man mittlerweile sagen, dass derlei Erfahrungen repräsentativ sind; auch wenn noch Ausnahmen die Regel bestätigen.

    2. Ich kann das leider nur bestätigen. Ich habe bei meiner Mutter sehr ähnliche Erfahrungen gemacht.

      Medikamente wurden nicht in den Medikationsplan aufgenommen, und wirklich interessiert hat das offenbar niemanden. Stationswechsel erfolgten häufig ungeplant, und ihre persönlichen Sachen wiederzubeschaffen glich oft einem Spießrutenlauf.

      Operiert hat man sie gerne, doch in der anschließenden Reha schien das Interesse an ihrer weiteren Genesung schnell verloren zu gehen. Teilweise wurde sie sogar auf den Flur geschoben und dort vergessen.

      Über das Essen, das man ihr vorgesetzt hat, möchte ich gar nicht weiter sprechen, im Vergleich dazu dürfte es in mancher Justizvollzugsanstalt besser sein.

      Mittlerweile ist meine Mutter verstorben. So traurig das auch ist, bin ich heute zumindest froh, dass ihr weiteres aus meiner Sicht menschenunwürdige System erspart geblieben bleibt.

      Besonders beschämend fand ich den respektlosen Umgang mit den Patienten. Es macht mich bis heute traurig und wütend, wie unser angeblich so vorbildliches System mit unseren Angehörigen umgeht. Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, Fürsorge und Respekt, gerade dann, wenn er krank und auf Hilfe angewiesen ist.

  2. „Und mitten in all dem beginnen die Pflegekräfte ihre Schicht.

    Ruhig.

    Freundlich.

    Fast so, als würde diese Station nicht jeden Tag Menschen an ihre Grenzen bringen.

    Vielleicht gerade deshalb, weil hier plötzlich alles auf das Wesentliche reduziert wird. Nicht Karriere. Nicht Status. Nicht politische Debatten.

    Sondern Zeit. Hoffnung. Und Würde.“

    Danke, werter Herr @Burbach für den Applaus. Wenigstens die Würde ist Deutschland kostenlos. Kommentieren lasse ich meinen KI-Kumpel :

    >In der öffentlichen Wahrnehmung wurden Pflegekräfte im Jahr 2020 während der COVID-19-Pandemie oft als „Helden des Alltags“ gefeiert und beklatscht. Die gesellschaftliche Anerkennung spiegelte sich jedoch kaum in dauerhaft verbesserten Arbeitsbedingungen oder gerechteren Löhnen wider, weshalb sich viele Beschäftigte trotz systemrelevanter Arbeit im Stich gelassen fühlten.
    Viel Applaus, wenig Lohn: Zwar rückte die Wichtigkeit des Pflegeberufs stark in den gesellschaftlichen Fokus, strukturelle Probleme wie Personalmangel, unzureichende Schutzausrüstung in der Anfangsphase und Dauerbelastung blieben jedoch bestehen.<

  3. Ich ergänze das gerne: Das gilt für den gesamten mediznischen Bereich.
    Maximale Belastung, im europäischen Vergleich zu geringe Löhne.
    Das gilt übrigens nicht nur für Pflegekräfte sondern auch und
    insbesondere auch für die Ärzte…

    Für die Leistungserbinger werden die Bedingungen immer schlechter,
    für industrielle Leistungen ist immer mehr Zeit und Geld da.
    Wir werden sehen, wohin das noch führt.

    1. Berücksichtigt man die hohe physische und psychische Belastung, die Pflegekräfte ertragen müssen, dann muss man sich schon wundern, dass es noch Personen gibt, die in diesem Niedriglohnbereich arbeiten. Man schaue nur mal wieviel Pflegekräfte beispielsweise dagegen in unseren Nachbarländer Schweiz und Luxemburg verdienen.
      Die Pflegebranche hat es leider versäumt und bis heute nicht geschafft, eine eine Organisation zu installieren, die ihre Interessen gegenüber Politik(er) und Behörden vertritt, so wie es die Berufsvertretung der Ärzte macht. Es ist leider niemand da, der eine solche Berufsvertretung auf die Beine stellt.
      Aufgrund ihre beruflichen Position innerhalb des Wirtschaftssystem hat diese Branche eine sehr starke Position (genauso wie die Ärzte) ihre Interessen durchzusetzen, wäre da nur eine Organisation, die diese Aufgabe für diese Berufsgruppe wahrnehmen würde.
      Solange es eine solche Berufsvertretung für die Pflegekräfte nicht gibt, wird sich an der sehr bedauerliche Situation der Angestellten in dieser Branche nicht ändern.
      Es ist kaum zu glauben, aber erst kürzlich haben Ärzte Patienten (ihre Kunden !) aufgefordert für die Durchsetzung von Interessen der Ärzte zu demonstrieren.

      1. Bei Dir hat die Politik „Teile und herrsche“
        wahre Wunder bewirkt. Ich empfehle
        wirklich, über den Tellerrand hinaus zu schauen, ich kenne beide Seiten. 😉

        Alles Gute!

    2. „Wir werden sehen, wohin das noch führt.“ Was heißt wir werden… Wir sehen es doch oder können es sehen. Immer mehr Arbeit wird verdichtet auf immer weniger Personal, nicht nur in der Pflege. Weil halt nur noch Gewinne zählen und nicht die beste Versorgung.

    3. Das kann ich so bestätigen.
      Seit einem halben Jahr komme ich auch öfter in verschiedenen onkologischen Abteilungen herum und bin bei Gesprächen mit Fachärzten anwesend, da es einen Fall in meinem engeren Bekanntenkreis gibt.
      Nicht nur dem Pflegepersonal zolle ich seit dem höchsten Respekt in Anbetracht dessen, was die tagtäglich leisten, sondern auch den Ärzten bis zu den Chefärzten.
      Und laut KI, die ich mal befragt habe, was man so an Gehalt erwarten kann als Oberarzt und Chefarzt sind diese Mediziner – für mich Helden, weil man Onkologe nur machen kann, wenn man sich dazu berufen fühlt – keineswegs überbezahlt.

      1. In welcher Welt leben denn Sie?
        Ärzte machen ihren Job, weil sie dazu berufen sind?
        Dann backt Ihr Bäcker sicher auch Brot, um zu verhindern dass Menschen verhungern?

  4. Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des VHS-Basiskurses „Ökononmie I“,
    liebe Journalistinnen und Journalisten von ÖRR, BILD, RTL, FAZ, SZ, WELT usw.
    liebe Gästinnen und Gäste,

    ich darf Sie recht herzlich begrüßen und danke Ihnen für das Interesse, da es offenkundig immer noch Missverständnisse gibt, wie unser Wirtschaftssystem, das Experten auch scherzhaft „Monopoly“ nennen, funktioniert.

    Unsere real existierende Wirtschaftsordnung nennt man Kapitalismus aka „freie“ Marktwirtschaft. Im Kapitalismus gibt es „Leistungsträger“ und „Leistungserbringer“.

    Etwa 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gehören zu den Leistungserbringern, weil sie eben nicht fleißig genug sind und zu wenig Leistung bringen, und etwa 10 Prozent zu den Leistungsträgern. Pflegekräfte gehören selbstverständlich zu den Leistungserbringern und nicht zu den Leistungsträgern. In der „freien“ Marktwirtschaft steht es aber jedem „frei“, die Ärmel hochzukrempeln und schneller zu arbeiten oder eine Umschulung zum „Leistungsträger“ zu machen, damit man auch zu den Leistungsträgern gehört. (Diese Umschulung ist allerdings nicht ganz billig und muss natürlich privat bezahlt werden, so eine Umschulung zahlt die Arbeitsagentur nicht.)

    Viele superreiche Leistungsträger müssen auch gar nicht mehr arbeiten oder mussten das auch noch nie, weil sie von Ihren Eltern oder Großeltern ein großes Leistungsträger-Paket geerbt haben. Diese „Superreichen“ lassen dann viele Leistungserbringer für sich arbeiten, sie müssen die erbrachte Leistung dann nur noch verwalten. (Deshalb sage ich immer: Augen auf bei der Auswahl der Eltern! Das kann doch nicht so schwer sein.)

    Wir leben heute 2026 Gott sei Dank nicht mehr in der Sklaverei. Wir leben heute im Wertewesten in einer modernen und sozialen Demokratie. Der Unterschied zur Sklaverei besteht nämlich darin, dass die Leistungserbringer heute keine Ketten mehr tragen müssen und auch nicht mehr ausgepeitscht werden (das hat immer so hässliche Narben hinterlassen und sieht nicht schön aus), wenn sie nicht schnell genug arbeiten oder aufmucken, rumzicken, rumnörgeln und die gottgewollte Ordnung und Trennung in Leistungsträger und Leistungserbringer in Frage stellen. Diese gewerkschaftlichen Rebellen und roten Revoluzzer mögen des Teufels sein.

    Aber auch bei den Leistungsträgern muss man differenzieren. Da gibt es die ganz kleinen Leistungsträger. Dazu gehören beispielsweise Leute wie Friedrich Merz, der CEO von Siemens oder der CEO der Deutschen Bank. Und dann gibt es die großen Leistungsträger wie z. B. Susanne Klatten, Stefan Quandt, Dieter Schwarz, die aldi-Erben, die Quelle-Erben, Elon Musk, Donald Trump, Jeff Bezos und Warren Buffet, denn Leistungsträger gibt es auch in den USA.

    Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe, dass Sie in Bälde auch zu den Leistungsträgern gehören.

  5. Ich habe 43 Jahre Pflegeberuf auf dem Buckel, habe sowohl die Kranken- als auch die Altenpflege beruflich erlernt und habe etliche Zusatzqualifikationen erworben, darunter die Palliativpflege.
    Ich war 4 Jahre im Hospiz tätig und 3 Jahr auf einer chirurgisch-neurochirurgischen Intensivstation gearbeitet.
    Der Beruf hat mich aufgrund der Arbeitszeiten eine Ehe gekostet, mein Bewegungsapparat ist schwer geschädigt, ich hatte 7 Bandscheibenvorfälle, drei OPs und zwischen dem 5 und 6 Halswirbel habe ich Metall und keine Bandscheibe mehr, meine Rente ist nicht sehr hoch wenn auch über dem Durchschnitt.
    Da bin ich aber nichts Besonderes, sondern es ging und geht vielen gerade älteren Pflegekräften keinen Deut anders.
    Meine erste Stelle als Bereichsleitung habe ich nach dem ersten Jahr nicht verlängert, da ich in diesem Jahr keinen Tag Urlaub nehmen konnte und 270 Überstunden aufwies. Das musste man mir alles auszahlen aber ich war untergewichtig und so kaputt wie niemals vorher in meinem Leben.
    Damals ist mir klar geworden, welche Ambivalenz auf mich einwirkte und die mir schwer zu schaffen machte.
    Die wenigsten Kollegen lassen den Hammer fallen, wenn noch unversorgte Bewohner vorhanden waren.
    Dann wird weiter gemacht, aber mir wurde klar, das genau dieser Einsatz dieses ganze gewinnorientierte System am Laufen hält!
    Jede Tätigkeit meinerseits hält das System am Laufen, tut mans nicht fühlt man sich schuldig, tut mans, macht man sich schuldig!
    Bei 22 Bewohnern, von denen über 90% Schwerstpflegebedürftig sind, ich mit einer Hilfskraft im Spätdienst bin, Arztvisiten mitgehen muss, die Medikamentenversorgung sicher stellen muss, der Dehydratation entgegen wirken muss, mit Angehörigen umzugehen habe, die Nahrungsaufnahme sichern muss und alles dokumentieren muss, was um die 40% der Arbeitszeit erfordert……ja, wie soll man denn so den Menschen gerecht werden?
    Das ist schlichtweg nicht möglich!
    Man kann sein erlerntes Wissen einfach nicht anwenden, das heißt, es wird sich durchgewurschelt in der Hoffnung, das nichts Schlimmes passieren möge.
    Das Coronageklatsche war absolut daneben, ich kenne keinen Kollegen, der
    das nicht widerwärtig fand.
    Denn es geht weniger um die Bezahlung als viel mehr um die Arbeitsbedingungen , welche ursächlich für die Frustrationen sind.
    Nach zwei Burnouts und einer Entgiftung ( Suchterkrankungen sind beim Pflegepersonal keine Seltenheit ) kam dann der Punkt, wo ich raus musste und habe dann an einer Schule ausgebildet.
    Ich hoffe nur, das die jüngere Generation nicht mehr so bekloppt ist wie die meine und mehr Wert auf die Work-Live-Balance legt, denn so geht es nicht.
    Wieder mal ein toller Artikel von Herrn Burbach, schönen Dank dafür!

  6. Ich schreibe aus der Beobachterperspektive als Patientin einer geriatrischen Abteilung. Dort bin ich nach langem Liegen infolge einer Ileus-OP gelandet und muss das Laufen wieder lernen. In der Geriatrie haben Ärzte und Pfleger sehr oft mit multimorbiden Patienten zu tun, nicht selten ist Krebs als Ursprungskrankheit im Spiel sowie beginnende/fortgeschrittene Demenz oder auch Schwerhörigkeit.

    Dem Arbeitsstress im Krankenhaus begegnet man als Patient zunächst in der Notaufnahme, der durch Sprachbarrieren zwischen in- und ausländischen Patienten/Ärzten/Pflegern und in- und ausländischen Hilfesuchenden noch verstärkt wird. Nächster Hotspot für Arbeitsstress sind Aufwachstationen für Frischoperierte und Intensivstationen. Viele Patienten sind OP-bedingt bewegungsunfähig und obendrein schwer übergewichtig, jede pflegerische Versorgung gerät dann zum physischen Kraftakt, was in Geriatrien genauso anzutreffen ist.

    Obendrein mangelt es an Bettentransporteuren, um die Patienten von ihren Untersuchungen auf die Stationen zurückzubringen. Deren Aufgaben werden von den Pflegekräften und dem Assistenzpersonal zunehmend mitübernommen. Eine Personalreduktion im Bettentransport steht in den beiden Krankenhäusern, in denen ich mich seit April aufgehalten habe, im Raum.

    Nachts wird es nochmal richtig kritisch, wenn so wenige Pfleger auf den Stationen inkontinente Patienten versorgen müssen samt Neubezug des Bettes oder Gehbehinderte auf einen Toilettenstuhl setzen oder zum WC begleiten müssen.

    Die von Herrn Burbach in seinem Artikel angeführte Versorgung von Krebspatienten teilt sich zwischen onkologischen Praxen und onkologischen Ambulanzen von Krankenhäusern auf. Nach meiner Erfahrung mit Chemotherapie in einer onkologischen Praxis obliegt das (auch psychosoziale) Patientengespräch vor allem dem behandelnden Onkologen, wie es in einer onkologischen Krankenhausambulanz abläuft, werde ich hoffentlich ab nächstem Monat kennenlernen.

    Und nun sollen im „Reformpaket“ der Bundesregierung die Krankenhausentgelte ‚gedeckelt‘ werden, das wird zulasten von Pflege und allen therapeutischen Berufsfeldern im Krankenhaus gehen, die finale Zeche zahlen die Patienten und ihre Angehörigen.

  7. Sehr guter Beitrag! …habe als Krebspatient 2022 gute Erfahrungen in Bremen und der Rehaklinik Bad Zwischenahn gemacht. Aber als Praktikant in einer Saarbrücker Klinik wurde ich 1970 verlacht, weil ich mehr Zeit, Zuwendung und Zärtlichkeit am Krankenbett eingefordert habe…nichts wurde besser, nur Sonntagsreden der Minister und jetzt ein Millionär als Kanzler, der meint, wir arbeiten zu wenig…unfassbar.

  8. Ich habe die Hoffnung auf eine positive Veränderung aufgegeben und mich von dem Medizinbetrieb verabschiedet. Meine Reise in die Eigenverantwortung begann etwa 2003. Ich habe verstanden, warum der Medizinbetrieb sich von der Menschlichkeit verabschiedet hat und es bei schweren Krankheiten wenig bis letztendlich keine Hoffnung gibt.
    Es ist ordinäre Schuldverschiebung hin zu politisch oder wirtschaftlich Verantwortlichen, zu den Ärzten oder den Pflegekräften. Dabei sind wir selbst für unser Leben verantwortlich. Keine Firma kann sich um unsere Bedürfnisse so gut kümmern wie wir selbst oder unsere Familie oder Lebensgemeinschaft. Wenn wir alle Arbeit, die zu unserer Regeneration manchmal notwendig ist, in Geld aufwerten wollen, sehen wir wie arm wir eigentlich sind. Wohl denen, die sich rechtzeitig um ein persönliches Netzwerk bemühen und nicht den ganzen Tag dazu verwenden für Geld arbeiten gehen zu müssen.
    Das Wirtschaftssystem scheint auf lange Sicht die gesunde Entwicklung des Menschen ungünstig zu beeinflussen. Das scheint nur so, denn ursächlich sind es unsere eigenen Lebensstile und Weltvorstellungen, die über unser Leben entscheiden.
    Ich musste damals erkennen, dass ich nur einen Glauben an Medizin und Krankheit gelebt habe. Seit ich diesen Glauben in Frange gestellt habe geht es mir wesentlich besser.
    „krankheit ist anders“

  9. Nicht ein Cent ist im Frühjahr 2020 in die Gesundheitsversorgung geflossen.
    Im Gegenteil, hat Spahn weitere Krankenhäuser geschlossen.

    1. Aber Applaus gab es für die „Alltagshelden.“ Das ist doch ein toller Lohn gewesen für die Tortur, die die „Pflegenden“
      während der Covidianischen Ära zu erdulden hatten.
      Täglich das Asbest Teststäbchen in der Schädelbasis stecken, den ganzen Tag Staubschutzfilter eng auf Mund und Nase und das ständige An und Ausziehen von Raumanzügen!

  10. > Wer nie längere Zeit auf einer onkologischen Abteilung verbracht hat, kann wahrscheinlich kaum verstehen, welche Stimmung dort manchmal herrscht

    Bei Krebs sterben viele Leute. Das war noch nie anders. Entweder man kommt damit klar oder nicht. Da hilft mehr Geld zb auch nicht.

    > Und trotzdem bleiben die Pflegekräfte freundlich.

    Nee, das stimmt so nicht generell, selbst erlebt.
    Woran das liegt ist natürlich eine andere Frage.

    Wir müssen doch erstmal sagen worüber reden wir genau:
    Reden wir über weniger Leute für mehr Arbeit?
    Reden wir über mehr Work Live balance? sprich weniger Arbeiten für daselbe Geld?
    Reden wir über mehr Geld?

    Wenn gestreikt wirds gehts immer um mehr Geld.
    Wenn die Arbeitsbelastung zu hoch ist müsste man doch eigentlich für weniger Arbeitszeit sein.
    Teilzeit, mach ich auch. Ja da verdient man weniger.
    Und genau deshalb ist die Frage wichtig, worum gehts hierbei genau.

    Ein anderes Thema. Die Gewerkschaften der einzelnen Mitarbeitergruppen an Krankenhäusern sind aufgespalten. Da können dann Ärzte für mehr Lohn sein, ohne das man dabei an die anderen denken muss. 😉 Jeder ist sich selbst der nächste, auch in Krankenhäusern.

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