Wokeness: Planwirtschaft des Gefühls, eine Definition

Regenbogenflagge
Tim Evanson from Washington, D.C., United States of America, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

„Was ist Wokeness?“, lautet meist die Eingangsfrage, wann immer die Thematik kritisch besprochen werden soll.

Sie ist in ihrem Selbstverständnis nichts anderes als eine wache Geisteshaltung und beherztes Engagement gegen jede Diskriminierungsform – und mit Verweis auf die knappe Duden-Definition von „woke“: im hohen Maß politisch wach und engagiert gegen (insbesondere rassistische, sexistische, soziale) Diskriminierung. Letztere enthält, im Kern, zumindest aus psychologischer Perspektive, schon einen leisen Hinweis auf das potentiell Ungesunde: ein Übermaß an Wachheit, die wir in der klinischen Psychologie als Erscheinungsformen pathologischer Angst, von Manien oder gar wahnhafter Zuständen kennen. Es sind Zustände der inneren Getriebenheit, die ein Individuum nicht zur Ruhe kommen lassen.

In einer selektiven Wahrnehmungsausrichtung auf das Schlechte in der Welt, entdeckt man so immer neuere vermeintliche Übel, neue Diskriminierungsformen und -ausdrücke, auch in harmlosen Handlungen, Inhalten oder gar in gut gemeinten Worten (Bsp.: „Er meistert die Behinderung.“ gilt Woken als Ableismus, „Wo kommst du eigentlich her?“ als Rassismus).

Woke Gedankenmuster etablieren sich

Wenn manch einer einwendet, es handele sich bei der woken nicht um eine vollkommen homogene Bewegung und darauf abzielt, dass es immer „extreme Spinner“ gäbe, die überziehen und die Ausnahme bildeten, so ist dieser Befund nicht zutreffend. Das ist häufig vielmehr der Versuch, die woke Bewegung als solche und insbesondere ihr destruktives Potential kleinzureden, jede Kritik als unberechtigt oder böswillig zu diskreditieren. Auch beliebt: Der Pedanterie-, bzw. Bagatelle-Vorwurf, der in etwa lautet: „Wir sind vom Rechtsextremismus bedroht und du hängst dich an einer Kleinigkeit wie der (spinnerten) harmlosen woken Bewegung auf.“ Laut SPIEGEL[1] versucht man bei dieser unfairen Rhetorik den Eindruck entstehen zu lassen, dass nur der Diskussionsgegner das Große und Wichtige im Blick hat.

Realität ist: Woke Gedankenmuster und Dogmen haben sich in NGOs, Institutionen, Medien, Unternehmen und Filmindustrie etabliert, wie jüngst auch die ZEIT diagnostizierte[2]. Durch ihre unkritische Wiederholung mit dem Anschein von Faktizität in etablierten Medien sickern die woken Annahmen mehr und mehr unbemerkt in das Denken von Rezipienten ein, werden mit der Zeit zur gefühlten Wahrheit. Mehr noch: In Form von Identitätspolitik kann das woke Weltbild künftig Einzug in Gesetze halten (Bsp.: Selbstbestimmungsgesetz).

Möchte man sich Wokeness annähern, muss man zunächst das dieser Bewegung zugrundeliegende Menschen- und Weltbild verstehen.

Wokeness basiert auf der Grundannahme der Existenz von strukturell rassistischen und diskriminierenden Verfassungen westlicher Gesellschaften, die aus Unterdrückten einerseits und Unterdrückern, die mit Macht ausgestattet seien, andererseits bestünden. Diese angenommenen Machtverhältnisse müssten aufgelöst und ggf. auch umgekehrt werden. Es bestünden struktureller, allumfassender Rassismus (Weiße oder „weiß gelesene Menschen“ würden in ein rassistisches System geboren und tragen Rassismus automatisch und unbewusst in sich), struktureller Sexismus, struktureller Ableismus und weitere Diskriminierungsarten, die – das ist das Zentrale – nicht als quantifizierbare Problematiken, sondern als die einzige über allem schwebende, alles Existierende bestimmende Realität begriffen werden. Die Verfasstheit westlicher Gesellschaften lasse sich einzig und allein durch die rassistische, diskriminierende Unterdrückung erklären.

Die Unterdrückten werden in Gruppenidentitäten nach Hautfarben, sexuellen Orientierungen, körperlicher Attraktivität und Gesundheit bzw. Behinderungen und anderen „Nachteilen“ eingeordnet. Das System der sogenannten „Intersektionalität“, das Mehrfachdiskriminierungen durch Überschneidungen der Opfergruppen beachten möchte, verleiht dem woken Weltbild eine Scheinseriösität und -wissenschaftlichkeit.

Die Planwirtschaft des Gefühls

Mit Ausnahme der strukturellen Unterdrückung sei alles andere in westlichen Gesellschaften lediglich Ausdruck eben dieser und nicht objektiv. „Narrative“ der Mächtigen weiß gelesenen stünden den wahren Erfahrungen der Unterdrückten entgegen, nur letztere haben Anspruch auf Gültigkeit („Nur das Wort der Betroffenen zählt.“). Rassismus gegen Weiße könne es nicht geben, ein Mantra, das jede Abwertung im Kampf der Woken rechtfertigt. Es macht gleichzeitig immun gegen jede Kritik, die stets zur Bestätigung des woken Weltbilds auslegt werden muss: Kritisiert werde nur, um die weiße Vorherrschaft und die entsprechenden Privilegien zu sichern.

Die Verabschiedung von der Suche nach Objektivität und nach Wahrheit hat weitreichende Folgen in Bezug auf das, was wir Realität nennen, und die für Menschen einen gemeinsamen Boden der Vergewisserung und Verständigung darstellt.

Die angenommene grundlegende falsche Sozialisation bei Ablehnung nahezu jeden (evolutions-)biologischen Einflusses auf menschliches Erleben und Verhalten führt zum woken Kulturkampf, der die Verfasstheit westlicher, aufgeklärter Gesellschaften grundlegend verändern möchte, wobei das finale Ziel der Veränderung noch offenbleibt. Sollen die Weißen »lediglich« Platz machen für Menschen, die Minderheitengruppen angehören, also auf gesellschaftliche Macht verzichten (so wird es gefordert), oder würde auch das nicht reichen? Müssen Weiße selber im großen Maße und strukturell Rassismus durchleben (wie in einzelnen »Rassismus-Trainings« praktiziert)? Konkrete Folgen bzw. Umsetzungen des woken Glaubens manifestieren sich auch jetzt schon in „sicheren Orten“ (safe spaces) für die Minderheitengruppen, in der Bereinigung der Sprache, von Kulturinhalten (Bücher, Filme, Straßennamen etc.) und in personenbezogener Cancel-Culture. Also in ausgeprägten Reglementierungen der Sprache, Kultur und des zwischenmenschlichen Umgangs, weshalb ich Wokeness als Planwirtschaft des Gefühls bezeichne.

Verschiedene Aspekte

Aus psychologischer Sicht ist Wokeness eine Kraft, die eine zutiefst demotivierende Perspektive auf das Leben von Menschen forciert, immerzu mit Fokus auf eine externale, eine von außen kommende Schädigung des als vulnerablen Opfer verstandenen Individuums, das stets vor unangenehmen, kränkenden Empfindungen, die als schädigend und traumatisierend verstanden werden, geschützt werden muss. (Depressiver Aspekt)

Wokeness verstärkt emotionale Zerbrechlichkeit gepaart mit überhöhtem Narzissmus, der identitär um sich selbst kreisend das Feindbild des „alten weißen Mannes“ in der Hierarchie der vermeintlich Privilegierten braucht, um eine aggressiv motivierte Abwertung des anderen zu rechtfertigen, dabei in Schwarz-Weiß-Schablone das Schlechte stets in das Fremde und in die gesamte – als per se diskriminierend und mit multiplen Problemlagen behaftet – wahrgenommene gesellschaftliche westliche Struktur projizierend. (Narzisstischer Aspekt)

Wokeness demotiviert Menschen zur erwachsenen Übernahme von Verantwortung, mindert ihre Widerstandsfähigkeit und implementiert auf Seiten der vermeintlich Unterdrückten und Benachteiligten ein Dauergefühl von hilfloser Wut und verbitterter Unzufriedenheit, die man wiederum mit Klagen und Angriff zu bewältigen versucht. Auf Seiten der vermeintlich Privilegierten entstehen durch projektive Identifizierung mit den Vorwürfen entweder ungesunde Schuldgefühle und Unterwerfung oder im gesünderen Falle trotzige Reaktanz. (Aggressiver Aspekt)

Im Versuch einer planwirtschaftlich anmutenden Regulierung und Kontrolle menschlicher Gefühle, Verhaltensäußerungen und Gedanken sowie der zwischenmenschlichen Beziehungen mit Liebe zum Gebot und Verbot führt Wokeness zu einer zwanghaft-rigiden Einengung des menschlichen Erlebensfreiraums. Dabei in einer niemals endenden Ausweitung, weil nicht erreichbaren Perfektion (es finden sich immer weitere vermeintliche Diskriminierungs- und Unterdrückungsformen) Veränderungen um des puren Veränderns willen bei Ablehnung des Bewährten und Gewohnten anstrebend, aber im Endeffekt mit der unterkomplexen Aufteilung der Menschheit in Täter und Opfer zu Spaltung zwischen Menschen und mittels „sicherer Orte“, safe spaces zu Gruppenseparierungen beitragend. (Zwanghafter Aspekt)

Mit ihren system-umstürzlerischen Energie und der „Alles-ist-relativ“-Leugnung von zum Gefühl dissonanten Realitäten, raubt Wokeness Menschen ihren halt- und sicherheitsspendenden Boden, eine gemeinsame, verbindende Wirklichkeit und damit ein wesentliches menschliches Grundbedürfnis. (Histrionischer Aspekt)

 

[1] https://www.spiegel.de/karriere/rhetorik-wie-man-sich-gegen-unfaire-angriffe-wehrt-a-1143052.html, angerufen am 03.02.2024

[2] https://www.zeit.de/2024/04/kulturkampf-woke-ideologie-leitkultur, angerufen am 03.02.2024

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18 Kommentare

    1. Der braucht keinen Schutz und keine Solidarität. Auch der ist -der Schwachsinn ist nicht von mir, wurde aber in wokeschistischem Kontext schon wortreich begründet – priveligiert. Dann kommt irgendwas mit „strukturell“ und andere Vokabeln, die diese Irren für wissenschaftlich halten. Das ist wie bei den Maotrupplern, den Roten Garden der chinesischen Kulturrevolution, die haben ein – noch virtuelles – kleines rotes Buch, da steht alles drin und das ist die Wahrheit.
      Wobei es heute nicht rot wäre, sondern in den Regenbogenfarben an den Mann gebracht würde.

  1. Oh, ein Auftakt nach Maß. Bravo, ich kann in allen Punkten mitgehen.

    Als Linker sage ich Folgendes: natürlich waren die sexuellen Minderheiten massiv diskriminiert, bis die 68-er kamen. Die haben das beseitigt und meiner Meinung nach in befriedigendem Umfang. Diese Leute können sich gefahrlos outen und sie können sich politisch einbringen. Die können sich jetzt selbst helfen und es ist nicht Aufgabe der Linken, sie ständig zu betüteln. Jetzt kommen da welche, die so tun, als sei noch 1967, mit der Absicht, ganz andere Vorhaben durchzusetzen. Wer sich ihnen entgegenstellt, wird als Schwulenhasser von anno dunnemals verleumdet. Ich verbitte mir das.

    Dann ist es so, dass das Unterbewußtsein keine Verneinung versteht. Wenn „nicht diskriminieren“ zum Vorsatz genommen wird, versteht es „diskriminieren“. Verheerend. Anzustreben ist ein herrschaftsfreier Diskurs, in dem alle Hierarchisierungen, die in der bürgerlichen Gesellschaft existieren, draußen bleiben. Ich Mensch, Du Mensch, sonst nichts. Wenn nun hier wieder andere Hierarchisierungen geschaffen werden, dann schafft das nichts außer Problemen. Der Umgang miteinander wird erschwert, weil alle Angst haben müssen, etwas falsch zu machen. Weil sich die neue Ideologie laufend selbst widerspricht, bedarf es der Bischöfe, Kardinäle und Päpste, um Recht zu sprechen. Bitte nicht.

    Die Urmutter des Ganzen ist eine gewisse Judith Butler. Ihre Zentralthese: man soll sich sexuell irritierend verhalten. Zu welchem Zweck eigentlich? Nun, man darf die Irritierten dann doof finden. Absolut empfehlenswerte Grundlage für eine friedliche Gesellschaft, muss man zugeben. Da bei Butler tritt dann auch der Antisemitismus in neuem Gewande auf und ist mittlerweile durchgehend. Darf ja nicht fehlen.

    Ihr Auftreten ist eben alles andere als friedlich. Ihr Mittel ist der Shitstorm und den beherrschten sie so perfekt, dass anfangs sogar die Rechten den Schwanz einzogen. Als erste stellte sich die Autorin J.D. Rowling in den Weg, eigentlich nur um mitzuteilen, dass sie keine Spanner in der Umkleide haben will. Sie könne, sagt sie, inzwischen ihr Haus mit Morddrohungen pflastern. Mal grundsätzlich: wer mit Shitstorms und Morddrohungen arbeitet, darf nicht gewinnen. Wer nicht argumentieren kann, muss verlieren.

    Last not least verdrängt die Wokeness das Thema Frieden und soziale Gerechtigkeit komplett. Überall ist zu beobachten, dass wo die Woken die Macht übernehmen, diese Themen verschwinden. Die herrschende Klasse freut sich: da können wir ja ungestört Krieg führen und um die Armut müssen wir uns nicht kümmern. Also die komplette Neutralisierung des linken Lagers. Ronald Reagan hätte sich das nicht träumen lassen.

  2. Das Beste, was ich bisher, jedenfalls so komprimiert und verständlich, zum Thema Wokeschismus gelesen habe. Die zuletzt hier gelesene Annahme, dass er seinen Höhepunkt überschritten hat, teile ich nicht. Ich bin eher der Meinung, und sehe mich täglich darin bestätigt, dass er sein destruktives Potential noch nicht voll entfaltet hat. Offenkundig ist er brauchbare Ideologie für bürgerliche Herrschaft. Er stellt reale Besitz – und Machtverhältnisse nicht infrage und behauptet stattdessen ein Bündel phantasierter oder maßlos übertriebener Herrschafts – und Unterdrückungverhältnisse. Mein Beispiel ist sicher etwas abgenutzt, da ich es oft verwende, aber so viel Neues fällt mir auch nicht jeden Tag ein. Aber zum geschlossenen Wahnsystem des Wokeschismus gehört, dass er ernsthaft verbreitet, dass die Frau im Büro, an der Kasse oder der Werkbank alles mit der Quotenausbeuterin im Vorstand verbindet, der Kollege an ihrer Seite, der Vater, der Bruder oder gar der Partner, mit dem gemeinsam sie sich durchs Leben schlägt, der geborene Feind ist. Das läßt sich auch auf die unzähligen anderen Diskriminierungen übertragen, die zu entdecken und zu kritisieren Lebensinhalt von Wokeschisten ist.

    Und nein, die Aussichten sind düster. Das „verläuft“ sich nicht. In dem Maße, wie Akteure, denen der Wokeschismus das Gehirn verätzte, an gesellschaftliche Schaltstellen gelangen, werden Repression und Zwang zunehmen. Da wegen der desintegrierenden Wirkung und der im wesentlichen phantasierten Thesen ein Scheitern an der Realität sicher ist , wird das passieren, was in ideologisch aus gerichteten Gesellschaften immer passierte. Das Scheitern muss in solchen Weltbilder ausnahmslos, da man selbst fehlerlos ist und Gott, den historischen Fortschritt, die Vorsehung, die Arbeiterklasse und immer die Gerechtigkeit auf seiner Seite hat, am Wirken des finsteren und ruchlosen Gegners liegen. Den gilt es dann umzuerziehen, zu strafen und, auch das ist immer eine Option, zu vernichten. Die Geschichte ist voll von Beispielen dafür. Egal, ob es die Hexen und Zauberer sind, die Kulacken oder ganze Völker in der SU, die Juden, genauer gesagt die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung bei den Nazis, die städtische Bevölkerung bei den Roten Khmer usw usf. ist.
    Ob der Wokeschismus den gleichen Grad von Irrsinn erreicht, weiß ich nicht. Aber er hat das Potential dazu. Vielleicht scheitert er einfach im Wettbewerb mit Gesellschaften, die sich dem Wokeschismus als Herrschaftideolegie entziehen, Leistung an traditionellen Maßstäben messen und für die Mathematik die Sprache aller Wissenschaft und nicht ein rassistisches weißes Konstrukt ist. Es könnte aber auch zu einem „rechten“ Backslash kommen und auch diese Aussicht vermag mich so überhaupt nicht zu erfreuen. Aber das Potential zu analysieren, ist ein anderes Thema und auch kein erfreuliches. Es ist für mich offensichtlich, dass, wenn es so weit kommt, die Verantwortung dafür zum großen Teilen bei denen liegt, die sich selbst als links fantasieren und linke Überzeugungen zur lächerlichen Travestie machten.

  3. Ein guter Artikel mit interessanten und nachvollziehbaren Gedanken.
    Wer weiß, vielleicht habe ich diese neue Ideologie – weil sie so hirnrissig ist – bisher wirklich nicht genug beachtet?!

    Da sich diese Denkfiguren, wie die Autorin ausführt, inzwischen aber in NGOs, Institutionen, Medien, Unternehmen, Filmindustrie und auch in Gesetzestexten (-> „Selbstbestimmungsgesetz) etabliert haben, MUSS man sich mit ihnen beschäftigen.

    Geradezu erschütternd in diesem Zusammenhang die aktuellen Berichte über die aburde Strafe des DFB gegen „Bayer Leverkusen“, weil die Fans dort das bewusste Spruchband gezeigt haben. Da ist man fassungslos!
    Die Fans (und wohl auch Vereine) von „Dynamo Dresden“ und „FC Energy Cottbus“ haben sich immerhin bereits solidarisch erklärt.

    Eine wichtige Frage wird von der Autorin allerdings nur gestreift, nämlich die nach dem NUTZEN für bestimmte Interessengruppen.

    Ohne langes Nachdenken fallen mir da gleich drei Gruppen von Profiteuren ein:

    1. Alle Leute und Kräfte, denen daran gelegen ist, die Bevölkerung zu spalten, psychologisch zu schwächen (das hat Frau Bockwyt gut ausgeführt) und von anderen, womöglich herrschaftskritischen, Aktivitäten und Überlegungen abzuhalten. Mit diesen „Leuten“ sind nun unschwer die Vertreter der heutigen neoliberal-globalistischen Machteliten zu erkennen.

    Von daher ist die „Wokeness“ aus Sicht traditioneller(!) Linker natürlich nicht links, sondern eine Masche der Herrschenden. Aus Sicht der korrumpierten Lifestyle-Linken ist die „Wokeness“ hingegen links und progessiv.
    (Dass die „Wokeness“ aus kulturkonservativer Sicht auch als „links“ anzusehen ist, stellt ein Sonderthema dar, das hier nicht auszuführen ist.)

    Der Nutzen für neoliberal-globalistische Eliten resultiert aber auch noch aus einem weiteren Aspekt der „Wokeness“, nämlich dem der Zersetzeng aufklärerischer Vernunft. Schließlich läuft dann jeder, der es noch wagt, die Wahrheit über bestimmte sehr offensichtliche Dinge auszusprechen, Gefahr, kriminalisiert zu werden.

    Wir erleben also einen Angriff auf die Rationalität an sich! Wenn die Existenz objektiver Wahrheit geleugnet wird, dann wird damit aber auch jede intellektuelle Herrschaftskritik erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.

    2. Einzelne führende Vertreter von „woken“-Organisationen, die zu sozialem und „beruflichem“ Aufstieg kommen (z.B. Projektmanager, „Genderprofessur“) und dadurch „gekauft“ werden. Welche berufliche Perspektive hätten diese Leute sonst gehabt?!

    3. In einem weiten Sinne praktisch alle Angehörigen von Drittweltländern, die zu einer Art von „Rassenkampf“ gegen die verteufelten Weißen getrieben werden.
    Dies geschieht aber letztlich auch wieder zum Nutzen der neuen „globalistischen Klasse“, da die bisherigen störrischen Nationalstaaten des Westens auf diese Weise destabilisiert werden.
    Gleichzeitig gelingt es aber, die gepamperten und umschmeichelten Angehörigen farbiger Völker zu umgarnen und mit ins Boot zu nehmen.

    Der bizarre Widerspruch der ganzen „Wokeness“ liegt darin, dass der behauptete und postulierte Rassismus mit eigenem und aktivem(!) Rassismus beantwortet wird.
    Mit der „Wokeness“ erleben wir somit das erste Mal seit dem Ende der NS-Rassenideologie, dem zumindest formalen Ende der US-amerikanischen Diskriminierung der Schwarzen in den Südstaaten und dem Ende des südafrikanischen Apartheidregimes wieder den Aufstieg einer explizit rassistischen Ideologie.

    1. @ Wolfgang Wirth

      „Der bizarre Widerspruch der ganzen „Wokeness“ liegt darin, dass der behauptete und postulierte Rassismus mit eigenem und aktivem(!) Rassismus beantwortet wird.“

      Richtig, die Ideologie des Rassismus wird nicht bekämpft sondern aufgegriffen und angewendet. Nun derart, dass die früheren Unterdrückten nun ihre früheren Unterdrücker unterdrücken sollen. Das ist nicht bizarre, das ist einfach nur dumm. Bloß woher kommt diese Dummheit? Meiner Ansicht nach hat das etwas mit dem zunehmenden moralischen Anspruch des Gut oder Böse Denkens in der Politik zu tun, des entweder oder. Und moralisch-ideologische Dogmen setzen bekanntlich rationale Erwägungen und Interessen-Abwägung außer Kraft.

      1. @ garno

        Ja, es ist dumm, und Sie fragen … „Bloß woher kommt diese Dummheit?“ … und vermuten einen moralischen Anspruch.

        Nun, den mag es hier und da auch geben. Häufiger ist aber m.E. ein anderer Zusammenhang.
        Für mich erscheint der Zusammenhang schlichter, und zwar dahin gehend, dass es sich oft bloß um ganz plumpe Revanche- und Rachegefühle bei Leuten handelt, die im Leben nicht viel auf die Reihe gekriegt haben. Mal etwas salopper ausgedrückt.

        Dabei spielt es im Grunde aber gar keine Rolle, ob die Beschuldigten – also meist weiße Männer – tatsächlich den Anklagenden einen Schaden zugefügt haben. Deshalb auch das hirnlose Totschlagargument „strukturelle Gewalt“ oder „struktureller Rassismus“.

        Den tatsächliche Grund für den Frust dieser Leute dürfte man oft auch in deren Unfähigkeit finden. Neid- und Wut kleiner Geister. Und Marx hätte so manchen von ihnen vermutlich dem „Lumpenproletariat“ zugeordnet.

        Anders sieht es indessen bei den „intellektuellen“ Strippenziehern dieses Irrsinns aus, die sehr wohl wissen, wie sehr sich die „Wokeness“ – und damit auch der neue Rassismus – zugunsten der heute Mächtigen, also des neoliberal-globalistischen Komplexes, instrumentalisieren lässt. Diese Leute sind prinzipienlose Zyniker der Diener der Macht.

  4. Schade aber auch.
    Wären Erwachte „wach“, dann fiele z.B. die Diskrepanz bzw. Unverhältnismäßigkeit der lediglich 72 Geschlechter (war das nicht die Anzahl an Jungfrauen?) auf.
    So müssen sich 8 Milliarden „reinteilen“ – also pro 111.111.111 Menschen 1 Geschlecht! 😯
    Wenn DAS ist diskriminierend ist!

  5. Ob nun „links“ oder „rechts“ die Regierung stellt und den Zeitgeist bestimmt, so ist das doch lediglich ein Teil des ideologischen Überbaus, der die Herrschaft des Kapitals keineswegs infrage stellt.

    Traditionell war das Kapital eher mit konservativer Kultur verbunden. Das hat sich mit der Neuausrichtung während der Globalisierung geändert. Die realen Wirtschaftsinteressen des Kapitals und linke Ideale des Internationalismus gingen eine Verbindung ein, was am deutlichsten 2015 mit Merkels Flüchtlingspolitik zum Ausdruck kam. Fortan waren Konservative und Rechte Gegner der herrschenden Kultur.

    Das Bemerkenswerte daran, die Auseinandersetzung spielt sich auch nur im Kulturellen ab und lässt die realen Macht- und Herrschaftsverhältnisse außer Acht. Es handelt sich also um eine Ablenkung von der Realität der Klassenverhältnisse indem auf Identitäten, Rassenverhältnisse usw. fokussiert wird. Individuelle Gefühle werden zum Ausgangspunkt von Politik zu Lasten sozialer Verhältnisse. Ein Sieg des Liberalismus auf voller Linie. Weshalb die Bezeichnung „linksliberal“ für die aktuelle Politik gut passt.

  6. Auf Seiten der vermeintlich Privilegierten entstehen durch projektive Identifizierung mit den Vorwürfen entweder ungesunde Schuldgefühle und Unterwerfung oder im gesünderen Falle trotzige Reaktanz. (Aggressiver Aspekt)

    Ja. Aber das große Problem ist, dass auch die „gesünderen Fälle“ in gewisser Weise von diesen Schuldgefühlen erfasst werden, gegen die sie sich zwar mit „trotziger Reaktanz“ wehren, aber eine Trotzreaktion ist eben nur eine Trotzreaktion, etwas was eher an aufmüpfige Kinder erinnert und daher wenig geeignet ist _wirklich_ gegen den Wokismus anzugehen.
    Wenn es einem nicht gelingt den Schuldvorwurf zu ignorieren, anstatt sich trotzig dagegen zu rechtfertigen, und statt dessen eine dezidierte und nicht gespielte _souveräne_ Haltung an den Tag legen kann, wird es nicht gelingen den Wokismus in seine Schranken zu weisen.
    Aber davon abgesehen habe ich mir im alltäglichen Umgang damit eher eine entspannte Haltung zugelegt. So dramatisch sind die Auswirkungen in der Tat noch nicht als dass man sich da über all die Kleinigkeiten aufregen müsste.

  7. Wer das Gefühlsleben ins Ökonomische verschiebt, hat, Entschuldigung, einen an der Waffel.
    Oder aber: es geht in Wirklichkeit nur ums Linksbashing: sage A und transportiere B.
    Als wenn woke links wäre!

    Der ansonsten interessante Artikel ist wegen der krampfhaft anmutenden Bemühung der „Planwirtschaft“ leider für die Tonne.

  8. Nichts geschieht aus Zufall, wenn es geschieht, ist es so gewollt.
    Was sofort die Fragen aufwirft, wer will es und warum?
    Meiner Meinung nach ist das Ganze von genau den „weißen alten Männern“ initiiert, um die Menschen davon abzubringen, vereint gegen sie zu kämpfen, ihnen ihre reale Macht zu entreißen. Divide et impera, das alte Motto von Imperialisten ist immer noch aktuell. Und der Wokeismus ersetzt die Gladiatorenspiele des alten Roms.
    Geht weiter, hier gibt es nichts zu sehen, könnte man auf das Banner von Veranstaltungen, wie G7, WEF, Bilderberger, G20, Münchener Sicherheitskonferenz, Klimakonferenzen etc. schreiben.
    Mir fallen noch diverse Sprüche ein, die den Sinn und Unsinn des Wokeismus beschreiben. Aber die Hauptfrage ist und bleibt: Warum fallen die Menschen ständig auf sowas herein? Und da ist meine Antwort ganz klar: Sie erkennen nicht, oder wollen nicht erkennen, dass sie in dieser Gesellschaft ständig manipuliert und indoktriniert werden, weil sie befürchten, ihre Sicherheit zu verlieren, die real immer weniger gibt. Die Ketten, die man verlieren muss, um die Gesellschafts- und Wirtschaftsweise zu überwinden, sind entweder golden oder unsichtbar.

  9. Im Großen und Ganzen hab ich an dem Artikel inhaltlich nicht viel auszusetzen. Die „Planwirtschaft des Gefühls“ ist mir auch negativ aufgefallen. Offenbar soll mit der negativen Konnotation der Planwirtschaft eine Kritik am Wokeismus ausgedrückt sein. Inhaltlich habe ich mich gefragt, was die wokesche Überwachung des Gefühls mit Wirtschaft zu tun haben soll. Sollte es nicht eher „Gefühlsstasi“ heißen. „Planung des Gefühlshaushalts“ hätte auch genügt. Das wäre auch ein Widerspruch, weil man Gefühle schlecht planen kann. Die stellen sich nun mal in einer Situation ein.

    Fraglich finde ich auch, ob es so gut ist, so eine explizit psychologische Perspektive einzunehmen. Klar – die Autorin will ihre Expertise als Psychologin einbringen. Vor allem im letzten Abschnitt, wo die ganzen psychologischen Auswirkungen besprochen werden, zum einen auf die Woken selbst und auf ihre Adressaten.

    Ein wesentlicher Aspekt kommt mir dagegen zu kurz, der mit Psychologie nichts zu tun hat und vielleicht deswegen in diesem Text nicht vorkommt. Ob er auch im Buch nicht vorkommt weiß ich nicht. Man sieht das daran, dass sie die Ziele dieses Kulturkampfs in Frageform umreißt.

    „Die angenommene grundlegende falsche Sozialisation bei Ablehnung nahezu jeden (evolutions-)biologischen Einflusses auf menschliches Erleben und Verhalten führt zum woken Kulturkampf, der die Verfasstheit westlicher, aufgeklärter Gesellschaften grundlegend verändern möchte, wobei das finale Ziel der Veränderung noch offenbleibt. Sollen die Weißen »lediglich« Platz machen für Menschen, die Minderheitengruppen angehören, also auf gesellschaftliche Macht verzichten (so wird es gefordert), oder würde auch das nicht reichen? Müssen Weiße selber im großen Maße und strukturell Rassismus durchleben (wie in einzelnen »Rassismus-Trainings« praktiziert)? Konkrete Folgen bzw. Umsetzungen des woken Glaubens manifestieren sich auch jetzt schon in „sicheren Orten“ (safe spaces) für die Minderheitengruppen, in der Bereinigung der Sprache, von Kulturinhalten (Bücher, Filme, Straßennamen etc.) und in personenbezogener Cancel-Culture. Also in ausgeprägten Reglementierungen der Sprache, Kultur und des zwischenmenschlichen Umgangs, weshalb ich Wokeness als Planwirtschaft des Gefühls bezeichne.“

    Punkt 2 zuerst. Wenn weiße strukturellen Rassismus durchleben sollen – wäre das Rache und Vergeltung. Warum muss man das inhaltlich umschreiben und kann nicht gleich das Wort dafür benutzen.

    Punkt 1. Aber hallo – Klar sollen Weiße, Nicht-Diskriminierte Platz machen für Minderheiten! Darum geht es dem Wokeismus ja schließlich hauptsächlich. Irgendwo steht im Text, dass sich der Wokeismus aus dem Feminismus entwickelt hat. Und der Feminismus ist im Grunde eine Bürgerrechtsbewegung, dem es um Chancengleichheit für Frauen geht. Deswegen ist der Feminismus auch so eine elend kapitalismusaffirmative bis apologetische Haltung. Der Feminismus hat nichts gegen die kapitalistische Konkurrenz einzuweden, sondern er beklagt, dass beim Konkurrieren die Ausgangsbedingungen für Frauen schlechter sind. Also braucht es Quoten usw. Die Kritik an der Konkurrenz ist nicht, dass sie Verlierer produziert, sondern dass sie die falschen Verlierer produziert. Die Ausgangsbedingungen sollen so verändert werden, dass mehr Frauen zu den Gewinnern und weniger zu den Verlierern gehören. Ehrlich – aber sonst geht’s euch gut – mehr habt ihr am Kapitalismus nicht auszusetzen, dass die rassistische und sexistische Vorsortierung in Gewinner und Verlierer nicht eurem Gusto entspricht? Nicht die Sortierung wird generell in Frage gestellt, sondern die Sortierung soll mehr dem Interesse von Frauen und benachteiligten Minderheiten entsprechen.

    – Dabei ist die Beweisführung der Benachteiligung denkbar einfach. Aus dem Verlieren in der Konkurrenz, man wird nicht eingestellt, befördert etc., wird messerscharf geschlossen, das das nur an der eigenen Zugehörigkeit zu einer diskriminierten Minderheit oder zu dem benachteiligten Geschlecht liegen kann. Andere Gründe, dass man den Kürzeren gezogen hat, bleiben durch die feministische/ woke Sicht außer Betracht. Das Verlieren in der Konkurrenz wird also per se so gedeutet, dass sich darin eine Benachteiligung der eigenen besonderen Identität als Frau, Schwuler… ausdrückt. Deshalb braucht es feministische Politik, die diesen Identitäten bessere Ausgangbedingungen beim Konkurrieren verschafft. Und deshalb ist das Ganze auch so widerlich. Wir haben es hier mit einem Schwarm von Konkurrenzgeiern zu tun, deren ganzes Anliegen es ist aus dem Kadaver der kapitalistischen Konkurrenz die größten Fleischstücke für sich herauszuschlagen. Die Verlierer kümmern sie nicht, denn die werden ja nicht weniger. Es sind nur andere die verlieren. Hauptsache die Identitären gehören nicht dazu. Und der größte Witz ist, dass dieses Pack auch noch als gesellschaftlich progressiv, fortschrittlich links, moralisch Gut und erhaben gelabelt wird, das auf die bösen, alten weißen Männer herabblicken darf. Der dabei praktizierte sexistische Rassismus geht voll in Ordnung. bzw. ist schon im Ausgangspunkt das Konstruktionsprinzip des woken Weltbilds.

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