
Propaganda wirkt nicht nur überzeugend, sondern spaltend: Sie trennt Denken von Handeln, Sprache von Wirklichkeit und kann das psychische Gleichgewicht des Menschen nachhaltig destabilisieren. Der folgende Text zeigt, wie diese Mechanismen funktionieren – und warum widersprüchliche Propaganda nicht neutralisiert, sondern verstärkt.
Philippe de Félice konnte schreiben, Propaganda rufe eine Tendenz zu Zyklothymie hervor.28 Wenngleich vollkommen übertrieben, stimmt es jedoch, dass Propaganda das Individuum Zeiten der Erregung mit anschließenden depressiven Phasen durchlaufen lässt. Dies ist übrigens vollends beabsichtigt, das heißt, abwechselnde Themen mittels Propaganda »an den Mann« zu bringen, ist gewollt. Dass eine solche thematische Alternanz, etwa von Schrecken und Selbstbestätigung, vonnöten ist, haben wir bereits untersucht. Wir sind also Zeuge eines fortlaufenden affektiven Kontrasts, der dem Individuum schrecklich gefährlich werden kann. Dies kann, ebenso wie die von gegnerischer Propaganda ausgehende Schockwirkung, eine der Ursachen für psychische Dissoziationen sein, von denen in der Folge die Rede sein wird und die nicht, wie die Begriffe von Félice vielleicht denken lassen könnten, psychischen Krankheiten gleichgesetzt werden dürfen.
Außer Acht lassen wir hier eine der Spaltungen, jene nämlich, die in ein und demselben Individuum zwischen öffentlicher und persönlicher Meinung besteht. Wie bereits gesagt, ruft Propaganda eine abgrundtiefe Trennung zwischen beiden Bereichen hervor. Wir werden darauf nicht noch einmal eingehen.
Handeln – nicht nachdenken
Indes wird die bereits weiter oben angezeigte Dissoziation von Denken und Handeln zu betrachten sein, die uns eine der schwerwiegendsten Tatsachen heutiger Zeit zu sein scheint. Der Mensch von 1960 agiert, ohne nachzudenken, während umgekehrt sein Denken keinerlei Folgen im Handeln mehr hat. Das Denken wird nur noch oberflächlich ausgeübt, hat keinen Bezug zur Wirklichkeit, ist reine Innerlichkeit, besitzt nichts Zwingendes. Es hat mehr oder weniger etwas von einem Spiel und manifestiert sich in der Literatur. Und wenn wir dergleichen sagen, dann meinen wir nicht nur allein das Denken der Intellektuellen, sondern wirklich jedes Denken, das der Arbeit, der Politik oder des Familienlebens inbegriffen. Es geht um das Vermögen zur Reflexion, das durch die Umstände, in denen der moderne Mensch lebt und handelt, vollends lahmgelegt wurde. Denn um zu handeln, braucht er nicht nachzudenken. Seine Tat wird durch die Techniken, die er zum Einsatz bringt, durch die soziologischen Bedingungen und so weiter bestimmt. Er handelt, ohne von sich aus seine Handlung zu wollen, ohne jemals über ihren Sinn oder die Gründe für diese Tat nachzudenken. Derlei Situation wird durch die gesamte Entwicklung unserer Gesellschaft hervorgerufen. Sowohl die schulische Erziehung als auch die Psychotechniken, sowohl die Presse als auch die Struktur der Politik, sowohl der gesellschaftliche Pragmatismus als auch die Produktivitätsobsession sind dafür verantwortlich. Die entscheidenden Faktoren für diese Transformation jedoch sind die Rationalisierung der Arbeit auf der einen und Propaganda auf der anderen Seite.
Die Rationalisierung der Arbeit gründet gänzlich auf jener Dissoziation: Wer denkt, Zeiten berechnet, über Materialien nachdenkt, Normen etabliert, handelt niemals – und wer handelt, muss dies gemäß den Regeln, Taktungen und schematischen Vorgaben tun, die ihm von außen aufgezwungen werden. Vor allem soll er nicht über seine Handgriffe, seine Tätigkeit nachdenken. Was er zudem auch gar nicht kann angesichts der Geschwindigkeit der Ausführung. Ideal ist die Handlung dann, wenn sie vollkommen automatisch ausgeführt wird. Und so wird in den Vordergrund gerückt, welch großen Vorteil doch der Arbeiter davon hat, denn er könne ja während der Arbeit träumen oder an »etwas anderes« denken. Doch dabei wird nicht bedacht, dass diese Spaltung, die acht Stunden pro Tag dauert, zwangsläufig Spuren in seinem gesamten Verhalten hinterlässt. Gehen wir nicht weiter darauf ein.
Schockwirkung
Das andere Element, das hier eine entscheidende Rolle spielt, ist Propaganda. Es wird der Hinweis genügen, dass Propaganda eben gerade versucht, Handlungen, Zustimmung, Teilhabe zu erzeugen, indem das Denken ausgespart wird. Unnütz, schädlich ist es, wenn der Mensch denkt. Das hält ihn davon ab, mit der Geradlinigkeit und Einfachheit zu handeln, die für die Politik erforderlich sind. Die Tat muss direkt aus den unbewussten Tiefen an die Oberfläche steigen, sie muss eine Spannung zum Ausdruck bringen, einem Reflex gleichen. Das aber setzt voraus, dass sich das Denken auf einer vollkommen irrealen Ebene abspielt, dass es niemals mit den politischen Entscheidungen ineinandergreift. Genau das lässt sich überall erkennen. Jeder etwas kohärente und differenzierte politische Gedanke kann so unmöglich angewendet werden. Was jemand denkt, ist entweder radikal unwirksam oder bleibt dem Denkenden innerlich. Das ist sogar die Bedingung, die am Grunde der politischen Verfasstheit der modernen Welt steht, und Propaganda ist das Werkzeug dieser impliziten Voraussetzung. Die Umwandlung der Sprache in Propaganda gibt uns ein Beispiel für die radikale Entwertung des Denkens durch die propagandistische Form. Indem sie Gefühle und Reflexe direkt wachruft, avanciert die Sprache als Instrument des Denkens zu dessen »reinem« Symbol. So zeigt sich eine der schwerwiegendsten Spaltungen, die Propaganda in uns erzeugt. Überdies wird sie von einer weiteren begleitet: jene zwischen dem sprachlichen Universum, in dem sie uns leben lässt, und der Wirklichkeit. In manchen Fällen trennt Propaganda absichtlich das von ihr geschaffene sprachliche Universum von der wirklichen Welt des Menschen ab und sucht damit dessen Bewusstsein zu brechen.
Innerhalb der Problematik der »Dissoziation« müssen wir schließlich den Fall eines Individuums untersuchen, das sich zwei intensiven, einander entgegenstehenden und zugleich ihm zugänglichen propagandistischen Zugriffen ausgesetzt sieht. Bisweilen wird dafürgehalten, dass sich in dem Fall beide Propagandamaßnahmen aufheben. Betrachtet man aber Propaganda nicht als eine Debatte, in der Ideen und Vorstellungen ausgetauscht werden, oder als Verbreitung einer bestimmten Doktrin, sondern als eine psychologische Manipulation, um Zustimmung zur und Mitwirkung an der Aktion zu erhalten, so erkennt man, dass die Strömungen von Propaganda – weit davon entfernt, sich aufzuheben, weil sie sich widersprechen – im Gegenteil zu einer wechselseitigen Verstärkung führen. Ein Boxer, der durch eine Linke groggy geschlagen wurde, kehrt nicht wieder zur Normalität zurück, indem er einen Schlag mit der Rechten erhält; er wäre sogar noch etwas mehr groggy. Im Jargon des Propagandisten spricht man von »Schockwirkung«. Es handelt sich im wahrsten Sinne um einen psychologischen Schock, den das solchem Einfluss ausgesetzte Individuum erleidet. Ein zweiter, widerstreitender Schock aber stellt es mitnichten wieder her. Es stellt sich im Gegenteil ein sekundäres Phänomen ein, das für mit Widersprüchen arbeitende Propagandaformen charakteristisch ist. Der Mensch, dessen gesamte psychische Mechanismen in Gang gesetzt wurden, um eine bestimmte Handlung herbeizuführen, wird im normalen Ablauf seines Lebens durch den zweiten Schock, der auf dieselben Mechanismen einwirkt, um jedoch eine andere Handlung zu bekommen, gestört. Ein solcher Mensch wird im Endeffekt für alles und jeden stimmen, das spielt keine Rolle. Was aber zählt, ist, dass die normalen psychischen Prozesse verfälscht werden, und dies in immer stärkerem Maße. Um das zu verhindern, bildet der Mensch natürlicherweise zwei Reaktionen aus.
Trägheit oder Engagement
1) Er flüchtet sich in Trägheit, sodass Propaganda Ablehnung erzeugen kann. Im Grunde ist es die vielfältige Propaganda gegnerischer Parteien, die so zur Enthaltung führt. Doch diese Enthaltung ist nicht die eines freien Geistes, der sich selbst behauptet, sie ist das Ergebnis von Resignation, sichtbarer Ausdruck einer ganzen Reihe von Hemmungen. Nicht dass der Einzelne entschieden hätte, sich zu enthalten, aber unter dem Druck, der von allen Seiten auf ihn ausgeübt wird, den Schocks und Verdrehungen, die er erleidet, kann er nicht mehr (selbst wenn er wollte) politisch handeln. Zudem scheint erschwerend hinzuzukommen, dass derlei Hemmung nicht nur das Politische, sondern fortschreitend das gesamte Sein betrifft und zu einer in der Regel ablehnenden Haltung führt.
Solange die politischen Debatten wenig Bedeutung besaßen und Wahlpropaganda die Wasserversorgung oder Kampagnen zur Elektrifizierung betraf, war der Fluchtreflex nicht die Regel. Doch Propaganda wird immer effektiver, je beunruhigender ihre Themen werden. Handelt es sich heutzutage um den Aufstieg von Diktatoren und das Bevorstehen eines Krieges, kommt das Individuum nicht umhin, sich angegriffen zu fühlen. Es kann nicht mit den Schultern zucken, sodass es durch die Propagandainstrumente zu dieser hemmenden Haltung geführt wird. Dergestalt erfährt die französische Bevölkerung 1950 nicht mehr umfassende Vorbereitung auf den Krieg als dem widersprechende Propaganda für den Frieden. Jene gegenläufige Propaganda wird eine passive Haltung gegenüber der Tatsache zum Ergebnis haben. Und gibt es denn eine bessere Vorbereitung für die Akzeptanz einer rechten oder linken Diktatur als die Propaganda der Organisation de l’armée secrète, die der Propaganda von antifaschistischen Gruppen und der Kommunistischen Partei Frankreichs 1962 gleicht?
Dieselbe Haltung lässt sich feststellen, wenn zwei sich widersprechende Propagandakampagnen zeitlich aufeinander folgen. Die an vielen Stellen untersuchte Skepsis der deutschen Jugend nach 1945, das große »Ohne mich!« resultieren aus dem Gegenschock einer Propaganda, die jener der Nationalsozialisten entgegengesetzt war. Ebenso verfällt die Jugend nach der ungarischen Revolution im Oktober 1956 in Nihilismus, wird gleichgültig und zieht sich auf individuelle Positionen zurück. Dies beweist nicht die Unwirksamkeit von Propaganda, sondern im Gegenteil ihre Macht, das psychische Leben tief greifend zu stören.
2) Den anderen Verteidigungsreflex bildet die Flucht ins Engagement. Ist die Vorstellung, sich politisch zu engagieren, aktuell dermaßen verbreitet, dann weil der Mensch seine Unabhängigkeit insofern nicht mehr ertragen kann, als diese nur den Austragungsort für propagandistische Maßnahmen darstellt. Außerstande, noch länger diesen gegensätzlichen Zumutungen, die die Person in ihrem Innersten treffen, Widerstand zu leisten, »engagiert sich« das Individuum, das heißt, es tritt einer Partei bei, an die es sich so komplett und stark, wie es Propaganda gewünscht hat, bindet. Fortan gibt es für den Einzelnen keine Probleme mehr. Er entgeht dem entgegengesetzten Schock anderer Propagandakampagnen. Alles, was seine Partei sagt, ist wahr und gerecht. Alles, was von anderswo herkommt, ist falsch und ungerecht. Damit ist er durch eine Propaganda gegen andere gewappnet. Die alternative Tatsache steht jedoch nicht in vollkommenem Widerspruch, sie kann bisweilen ergänzenden Charakter haben. So stellte der Conseil Français des Mouvements de Jeunesse (Französischer Rat der Jugendbewegungen) fest, dass die Jugendlichen von einer Skepsis gegenüber dem Politischen ergriffen und gleichzeitig versucht sind, nach extremen Lösungen zu suchen.




Das eigentliche Problem, die Betroffenen bestreiten das es sich um Propaganda handelt, dazu kommt die exponentielle Zunahme in den letzten Jahren. Aber schön das man die Auswirkungen mal auftröselt. Dem Einsteiger kann man 1984 ans Herz legen.
Fahrenheit 451 und Farm der Tiere kann man dazu noch empfehlen aus der Belletristik. Propaganda von Bernays als fachliche Grundlage. Profis wie Goebbels haben ach darüber geschrieben. Manufacturing Consent (Die Konsensfabrik) von Herman & Chomsky ist auch ganz gut für das Fernsehzeitalter als Einstieg. Die Bücher von Professor Mayen oder Mausfeld oder den dritten mit M habe ich gerade nicht parat. Hanna Arendt. Lingua Inpria Tercii von Klemperer. Oder Gesoräche mit reflektierten Zeitzeugen. Sei es drittes Reich, DDR oder Adenauer BRD.
Ironischerweise sind als Einstieg die Wikipedia Artikel zum Thema Propaganda sogar ganz gut. Sollte man natürlich die verschiedenen Sprachausgaben lesen.
Bei „Fahrenheit 451“ ist es auch der Film von 1966, der empfehlenswert ist und durch seine Bildsprache sehr lebendig an das Heutige erinnert. Er bebildert den Wesenskern und die Wirkmacht von propagandistischer Einflußnahme durch die Herrschenden. Dem Autor Ray Bradbury soll er – zumindest anfangs – zu direkt und hart gewesen sein.
Dem Menschen wurde durch fortwährender schlechter Bildung und falscher Konditionierung schon die Möglichkeit genommen selbst zu denken.
Deswegen hat die Propaganda auch so leichtes Spiel.
Denn nur mit entsprechender Bildung und entsprechender Anleitung ist es überhaupt erst möglich, die Diskrepanzen, respektive die kognitiven Dissonanzen, die sich tagtäglich durch die herrschende Propaganda ergeben überhaupt zu reflektieren.
Im Übrigen ist das generierte Bild auch schon wieder Manipulativ und alles Andere als neutral.
„Dem Menschen wurde durch fortwährender schlechter Bildung und falscher Konditionierung schon die Möglichkeit genommen selbst zu denken. …“
Dem kann man nur zustimmen. Wie schlimm das ist, und auch geplant, kann ich an einem konkreten Beispiel beschreiben. Es gibt die sogenannte ISO 9000, die die Qualtitätssicherung in der Produktion sichern soll – ziemlicher Quatsch, will darauf nicht näher eingehen. Der Gipfel des Ganzen ist aber, dass man diese auch den Kindergärten übergestülpt hat, man hat es zumindest versucht. Unter diesem Deckmantel hat man sogar versucht, Denunziation hoffähig zu machen, schon im Kindergarten. Und „Anpassung ist wichtiger als Intelligenz“ ist eine belegte Aussage der „Ausbilderinnen“. Und vor lauter Dokumentieren kommen die Erzieherinnen nicht mehr dazu, mit den Kindern zu arbeiten.
So ist auch die Ausbildung der Erzieherinnen heute krottenschlecht. Die Erzieherin, von der ich das alles weiß, ist so früh wie irgend möglich in Rente gegangen, der Kindergarten war für sie unerträglich geworden. Man hat ihr tatsächlich „Verschuligung“ der Kinder vorgeworfen, weil sie ihnen Freude am Lernen vermittelt hat. „Ihre“ Kinder sind ihr dafür allerdings noch heute dankbar, die meisten haben viel erreicht. Noch Fragen?
„………durch fortwährender schlechter Bildung und falscher Konditionierung schon die Möglichkeit genommen selbst zu denken.“
Ihre Ausführungen basieren auf einer falschen Annahme.
Die Mehrheit der Menschen will belogen werden.
Was Otto-Normal-Bürger interessiert ist, ein Job bei dem man für wenig Arbeit viel Kohle bekommt, ein teures Auto und der nächste Wochenendefick ………….(mehr würde auch das Gehirn nicht verkraften)
DAS ist es, woran seit 30 Jahren alles scheitert und das Land immer weiter Richtung Abgrund rutscht.
Der kommende Krieg mit Russland wird dann hoffentlich, dem Trauerspiel, ein Ende setzten………
Der „normale Mensch“ belügt sich ja bereits, wenn er „Ich“ sagt, bzw denkt.
Aber die Normierung ist ja auch Sinn und Zweck der Normalisierung.
Das erleichtert die Arbeit des Verwaltungsapparates enorm- denn nichts geht hier ja bekanntlich über Effizienz.
Das hätte ich gerne nochmal etwas differenzierter, wenn möglich…
Tschuldigung, aber genau das verstehe ich unter „schlechter Anleitung“ respektive „Konditionierung“ durch die vermeintlichen Autoritäten.
Ellul ist übrigens in demselben Buch zur entgegengesetzten Einschätzung gekommen durch seine empirischen Erkenntnisse. Er meint, es seien gerade die eher gebildeten und intellektuellen Schichten, die Opfer von Propaganda würden. Nun kann man gewiß sein, dass es nicht nur eine „Sorte“ Propaganda gibt denn gerade in der heutigen Phase zeigen sich die Techniken der kognitiven Manipulation in ausgesprochen perfide flexibler und differenzierter Form. Allerdings waren zumindest in der Corinna-Zeit meine Erfahrungen durch eine Bestätigung seiner obigen Erkenntnisse geprägt. Die weniger gebildeten Leute mit dem „Bauchgefühl“ konnten sehr oft sehr viel pragmatischer mit den repressiven bis absurden Auflagen umgehen, sich ihnen entziehen, sie unterlaufen oder sogar offen widersetzen als gebildete Menschen. Meist jedoch im Stillen, da sie sich vielleicht intellektuell nicht dazu in der Lage sahen, sich dementsprechend laut zu äußern.
Die Überflutung der Medienlandschaft mit KI-Bildern gehört ganz klar in die Kategorie cognitive-warfare, da sie mit der Zeit die Unterscheidungsfähigkeit zwischen „echt“ und „unecht“ zerstört ‒ und somit einen zentralen Kern erlebter Realität trifft. Das gehört also zweifelsohne auch in die Kategorie Propaganda. Dass es Overton fertig bringt, einen solchen Artikel mit einem KI-Bild zu versehen, zeigt, wie wenig man selber von dem versteht, was hier (immer seltener) in manchen sinnvollen Artikeln steht. Es ist ein Trauerspiel.
Rischtisch 👍
„Dass es Overton fertig bringt, einen solchen Artikel mit einem KI-Bild zu versehen, zeigt, wie wenig man selber von dem versteht, was hier (immer seltener) in manchen sinnvollen Artikeln steht. Es ist ein Trauerspiel.“
Die wissen, was Sie machen, Man kann unterschiedliche Propaganda-Techniken anwenden. Wenn Sie als Propgandist z.B ein Propaganda-Narrativ: „ICH bin Gutmensch“ setzen wollen, dann würde die simple Technik des permanenten Wiederholens „ICH bin Gutmensch“ A) zu plump daherkommen und direkt sichtbar sein B) der Propagandist würde sich angreifbar machen. Man könnte es hinterfragen, ob sein Propaganda-Narrativ: „ICH bin Gutmensch“ überhaupt stimmt. Viel effektiver ist die Technik, ein oder gleich mehrere sog. „äussere Elemente“ einzuführen, die mit dem Propgandisten in keiner direkten Verbindung stehen. Der Propagandist schreit nicht pausenlos „ICH bin Gutmensch“, um dieses Narrativ zu setzen, sondern er übt permanent Kritik an den „äusseren Elementen“, um das eigentliche Narrativ, um das es geht -„ICH bin Gutmensch“- zu setzen. Wichtig ist es zu verstehen, dass es bei der Kritik der „äusseren Elemente“ gar nicht um eine Kritik von etwas „an sich“, geht, sondern um eine Propaganda-Technik, die der Propagandist anwendet, um sein Propaganda-Narrativ zu setzen. Fehlen solche „äusseren Elemente“, so muss der Propagandist nach dem zweistufigen Modell arbeiten: 1) „Äussere Elemente“ erfinden und in Umlauf bringen. Beispiele: „Ukraine hat Russland angegriffen“, „Banderanazis in der Ukraine“, „Demokratie existiert nicht“, „Wertloswesten“, „Deutschland plant einen Krieg gegen Russland“ etc 2) Die Anklage. Nachdem der Propgandist die „äusseren Elemente“ definiert und in Umluf gebracht hat, lässt er sie in einer Wiederholungsschleife rotieren und übt Kritik aus. Er setzt damit das eigentliche Narrativ -„ICH bin Gutmensch. Kauf mich“- durch. Dabei bleibt er -der Propagandist- unsichtbar, denn Sie sehen als Recipient nur die „äusseren Elemente“, die er als Propaganda-Mitel einsetzt.
Ach so. Im Westen gibt es Propaganda nicht bzw. nur in den Alternativmedien…
Wollen Sie uns etwa das mit ihrer Post sagen?
/sarkasmus ende
+++++ :))
Und wieder ein Binärer: Entweder Trägheit oder Partei. Mehr gips nich.
„Einer der wichtigsten Philosophen des 20. Jhdt“ )
Eine positive Entwicklung ergab sich im Zuge des Widerstands gegen die Corona-Zwangsmaßnahmen. Dieser stand im Zusammenhang mit der dritten Lebensreformbewegung. Die zweite Lebensreformbewegung war u. a. von Herbert Gruhl initiiert. Die erste Lebensreformbewegung u. a. von Nietzsche und Rudolf Steiner.
Bitte klicke auf „Lebensreformer“.
Faszinierend
Zitat: „Wie Propaganda zu psychischer Spaltung führt“ (Überschrift des Artikels)
Propaganda, heute untrennbar verknüpft mit geistiger Manipulation, „führt“ nicht nur zur Spaltung.
Ihr vorrangiger Zweck IST die Spaltung.
Und das nicht nur der Individuen untereinander, sondern auch im Individuum selbst, indem mittels absichtlicher „Verzerrung“ die persönliche Wahrnehmung und die objektive Realität gezielt voneinander getrennt werden.
Der Text von Ellul ist nicht wirklich geeignet, die Wirkung von Propaganda zu erklären. Ich weiß nicht, ob Ellul die Experimente Festingers zur Kognitiven Dissonanzreduktion schon kannte – ich denke eher nicht.
Festingers Ergebnisse gehen weit über die „Verwirrung“ bzw. „Orientierungslosigkeit“ von Ellul hinaus und zeigen, wie man Versuchspersonen dazu bringt, eine objektiv langweilige Aufgabe als eigentlich ganz interessant einzuschätzen, oder erklären, wie es kommt, dass Versuchspersonen Handlungen begehen, die sie „eigentlich“ niemals durchführen würden (Milgram Experiment), und zwar dann, wenn der Ansager, der sie so zu handeln auffordert, eine Autoritätsperson ist.
Solches funktioniert auch bei politischen Ansagen (Propaganda): Bei der Entscheidung zwischen zwei sich widersprechenden Positionen, wird die Dissonanz in der Regel zugunsten des sog. „stärkeren Senders“ reduziert.
Besonders eindrucksvoll ist die Immunisierung gegen unliebsame Positionen: Ein Pfarrer, der für den Marxismus predigt, ist die beste Immunisierung gegen den Marxismus.
Ich weiß nicht mehr, von wem es war, aber es gibt da ein Zitat welches Propaganda meiner Meinung nach sehr passend charakterisiert:
„Der Zweck von Propaganda besteht nicht darin, zu überzeugen, sondern einen gleichmäßigen Trommelschlag, einen konstanten Lärm zu erzeugen, sodass jede Abweichung deutlich hervorsticht und als laute Dissonanz wahrgenommen wird.“
Das finde ich gerade in der heutigen Zeit erschreckend zutreffend in Anbetracht der teils recht aggressiven Reaktionen, wenn man es wagt, zu einem durchpropagandisierten Thema eine abweichende Meinung zu äußern. Als wären die Leute konditioniert, auf der Stelle getriggert zu werden, sobald jemand aus der Reihe tanzt. Das ist in den letzten Jahren sehr auffällig geworden und war vor vielleicht 10 Jahren definitiv noch nicht so. Und da habe ich mich auch schon immer wieder abweichend geäußert, wenn ich anderer Meinung war.
Von wem ist das Zitat?
An hysterisch unsachlichen Reaktionen (auf aus der Reihe Tänzer) erkennt man Propagdaverblendete.
Heutzutage leugnen die Meisten, dass sie Propagandaopfer sind, obwohl sie unsachlich reagieren.
Deshalb kann ein Gegenmittel zu Propaganda Reflexion sein.
Warum verwendet auch dieser Autor den falschen Begriff?
Propaganda ist dem Wortsinn nach ersteinmal ein völlig neutraler, wertungsfreier Begriff. Es wird etwas propagiert. Was der Autor meint, ist Demagogie, also die gezielte Fehlinformation der Bevölkerung. Dann sollten sich alle kritischen Geister aber angewöhnen, das Kind beim richtigen Namen zu nennen.
@ Heiko
Ursprünglich geht der Begriff auf die katholische Missionarsorganisation „Sacra Congregatio de propaganda fide“ zurück,
eine Zentralbehörde der römischen Kurie die die missionarische Tätigkeit der römisch-katholischen Kirche koordinierte.
Also ganz so wertfrei ist der Begriff dann doch nicht.
Tatsächlich wurden die Begriffe „Agitation“ und „Propaganda“ noch in der DDR positiv besetzt. Nun, man war nicht besonders erfolgreich, aber es ging darum, eigene politische Vorstellungen zu verbreiten. Dazu, dass man den Begriff „Propaganda“ noch wertfrei verwenden kann, hat das sicher nicht beigetragen. Auch wenn ich diesen Einwand durchaus verstehe, denke ich, dass nach dem was uns das letzte Jahrhundert unter diesem Begriff bot, die von dir angeratene Schärfung nicht gebraucht wird. Man mag das in der Praxis prüfen: Würde nicht noch die übelste Propagandaschleuder, denken wir an BILD, nicht voller Empörung zurückweisen, Propaganda zu betreiben? Irgendwan entwickeln die Begriffe ihr eigenes Leben und scheren sich nicht mehr um Semantik und Etymologie.
Zuletzt aber funktioniert es immer. Irgendwie ein ewiger Kreislauf : Manipulation – Katastrophe – Erkenntnis, dass etwas vollkommen falsch lief – „Nie wieder “ und dann gehts es von vorn los und offensichtlich gibt es kein Entrinnen.
Vor dem ersten Weltkrieg war in großen Teilen der europäischen Arbeiterklasse, bis hin zu Teilen des aufgeklärten Bürgertums klar, dass der Feind eben nicht im Nachbarland, sondern in der eigenen Herrschaft zu finden war. Und dann zogen sie doch wieder los, um den Nachbarn zu erschlagen.
Im zweiten ging es gegen den jüdisch – bolschewistischen Untermenschen und zwischen diesem und dem nächsten verhinderte man mit Bomben auf Belgrad und im Kampf gegen unzählige neue Hitlers die Wiederholung von Ausschwitz.
Im nächsten dann wieder gegen einen neuen Hitler – unter dem machen wir es nicht mehr – und gegen Russland, das “ immer unser Feind sein wird “
Das nimmt kein Ende. Oder eben doch, wenn wir den Planeten verdampfen, Soweit dann die gute Nachricht. Dass Deutschland immer dabei ist, immer auf der falschen Seite steht und immer verliert, ist ein Witz, den Clio ins Drehbuch der Weltgeschichte schreiben ließ.
Sie fand das lustig.
Der Text lebt davon, daß er den Opfern von Lohnarbeit, Herrschaft und dem, was Marx als junger Twen „Entfremdung“ genannt hat, im Kapital jedoch unter Verelendung faßt (Trennung von den Existenzmitteln, die vielmehr als „feindliche Macht“ formiert sind), einen Drang, Trieb, whatever (ich kenne Ellul ansonsten nicht), abstrakt eine (natürliche) Disposition zur ‚Freiheit‘ unterstellt. Das ist der allgemeinste Idealismus des politischen Bürgertums, weshalb auch die biographische Herkunft dieses Idealismus schlicht logisch genannt zu werden verdient, es ist eine späte Bekehrung zum reformierten (Früh!)-Christentum gewesen.
Es ist aber just der Idealismus der Freiheit, den Kant zur Einsicht in das sittlich Gebotene, Hegel zur „Einsicht in die Notwendigkeit“ verklärt hat, welcher der Spaltung und Verdopplung bürgerlicher Subjekte in „himmlische“ Wesen (Staatsbürger) und grundsätzlich fehl denkende und gehende Erwerbsbürger zugrunde liegt, psychologisch formuliert: Der unaufheblichen Dissoziation zwischen Sein, Sollen, Wünschen und Haben; ein Leben in einer durchgängigen Modalform, das im Wesentlichen genau ein (wieder-)vereinigendes Moment kennt: abstraktes Leben, i.e. I will survive.
Assimilation, Akkomodierung gilt dann sowohl dem Erwerbsbürger, wie dem Tugendbold und das heißt in der Summe: Dem erlaubten Erfolg.
Der für die Mehrheit stets „zu gering“ ausfällt, weshalb die Betroffenen als Vergegenständlichung moralischer Verdrossenheit umher laufen, schleichen und springen und spätestens nach drei Jahrzehnten entsprechend drein- und ausschauen.
Dissens und Konsens gleichermaßen haben daher für bürgerliche Subjekte eine solipsistische Textur und Färbung, sie sind mehr oder minder gleichgültig gegen ihre Gegenstände.
(Tom Gard)
Ein echter und unverwechselbarer Tom Gard©️®️™️.
Sorry, aber das ist mir viel zu kompliziert, einfach weil ich vor lauter Fremdwörtern und Floskeln der Komplexität nicht mehr den eigentlichen Sinn abgewinnen kann, respektive, was ich als Rezipient nun damit anfangen soll.
Es wäre schön wenn du mir das auch mal gerne in einer etwas verständlicheren Sprache erläutern könntest.
Ich hab anderwärts, und erst vor kurzem, meterlange Texte über Moral (= internalisierte Gewalt in Staat und Kapital verfasster Menschen) resp. moralisches Denken geschrieben, die außer zwei Leuten niemanden interessiert haben, ich werde das nicht suchen und erst recht nicht wiederholen-
Aber ich hätte den positiven Bezug zum Buchauszug nennen sollen, dies hier:
Das ist der (vielen!) enthaltenen Idealismen wg. alles daneben, obgleich es auf einen wesentlichen Punkt bürgerlichen Daseins deutet. Mir ging es darum, darauf zu deuten, daß der Idealismus der Freiheit die Klammer all der anderen Idealismen ist und daß „Denken“, „Reflexion“ usw., wie es typisch bürgerlich daher kommt, im Text bloß herab gewürdigt ist. Die Reflexionsarbeit eines bürgerlichen Individuums, das seine Lebensbedingungen und -umstände moralisch zu „reflektieren“ und zu beurteilen gehalten ist, ist ebenso schier kolossal, wie wirkarm. Und daher v.a. trübsinnig. Das spielerische Moment wird überwiegend an die Profis der Unterhaltungsindustrien delegiert und dorthin ausgelagert.
Ich kann im Zitierten Text von Ihnen keinen Fehler finden.
Laut ihnen ist das nun alles daneben und weißt doch auf einen wesentlichen Punkt hin.
Dann verstricken Sie sich in Idealismen von denen im Text nirgends die Rede ist.
Denken und Reflexion werden nicht herab gewürdigt sondern als überflüssig erkannt.
Und hier ist wohl das Hauptproblem Sie kommen irgendwie zur Moral die im Zitierten Text nicht vorkommt weil sie zur Beschreibung des Zustandes nicht gebraucht wird. Aber schaffen es dann doch zum gleichen Schluss zu kommen das denken und Reflexion „wirkarm“ und „trübsinnig“ sind weil sie, wie schon oben erwähnt, überflüssig gemacht wurden und immer noch werden durch die Zwänge die uns diese Gesellschaft aufzwingt.
„Kann keinen Fehler finden“ – Na, dann waren meine Bemerkungen halt nicht an dich adressiert, alles gut!
Die kognitive Dissonanz im Spannungsfeld zwischen realer Weltlage, persönlichen Situationen und den verordneten Narrativen der EU weiten Medienlandschaft hat ein Ausmass erreicht, dass einen nur verwundert darüber zurücklässt wie das noch ohne Reaktionen stattfinden kann.
Der allgegenwärtige Eskapismus der Bildschirmwelten mag hier Großartiges leisten.
Was definitiv vorbei sein wird, wenn wir Millionen Arbeitslose mehr haben, deren Magen knurrt.
Wir werden sehen.
Die Kurve geht nach unten und interessante Entwicklungen, denen man mit Propaganda nur noch schlecht her werden kann sind incoming.