Veteranen, wehrt euch!

German Special Forces Training
U.S. Air National Guard photo by Tech. Sgt. Joseph Pagan, Public domain, via Wikimedia Commons

Heute ist Veteranentag. Der Tag, an dem die Lebensleistung ehemaliger Soldaten zu Propagandazwecken missbraucht wird.

15. Juni 2026: Der Veteranentag findet dieses Jahr erst zum zweiten Mal statt. Beschlossen wurde er mit großer Mehrheit im Deutschen Bundestag ein Jahr vor seiner ersten Begehung, im April 2024. Einen historischen Bezug zum ausgewählten Datum Mitte Juni gibt es nicht – offiziell erklärt man die Wahl mit dem Umstand, dass »am 15. Juni 2019 die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erstmals das Veteranenabzeichen auf dem Fliegerhorst in Faßberg aushändigte«. Man kann also von einer bewusst unverfänglichen Wahl für den Zeitpunkt des neuen Gedenktages sprechen.

Anders in anderen Ländern. Der Veterans Day in den USA findet am 11. November statt – dem Tag des Endes des Ersten Weltenbrandes. Die Briten haben dasselbe Datum für den Remembrance Day gewählt, der nicht nur der Veteranen gedenkt, sondern auch den Gefallenen zu Ehren gilt. Dasselbe Datum auch beim europäischen Nachbarn Frankreich – auch dort nahm man den Tag des Waffenstillstandes von 1918 als Grundlage, um der anciens combattants zu gedenken. Australien und Neuseeland gedenken ihrer Veteranen am 25. April, jenem Tag, an dem 1915 ein australisches und neuseeländisches Korps auf der türkischen Halbinsel Gallipolli landete. Am 8. Mai feiert Norwegen seine ausgeschiedenen Soldaten – am Tage des Endes des Zweiten Weltkrieges und damit dem Tage der Befreiung findet der Veterandag statt.

Ein symbolpolitischer Akt

Auffallend ist, dass viele Länder ihren Gedenktag an bedeutsame historische und nationale Ereignisse knüpfen – Deutschland scheute offenbar eine solche Verknüpfung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es aus nachvollziehbaren Gründen keinen großen Elan, die Veteranen des Landes zu würdigen. Überhaupt hatten es militärische Traditionen schwer in einem Land, das sich moralisch dazu verpflichtet sah, nie wieder von seinem Boden aus einen Krieg beginnen zu lassen. Erst mit den ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr seit den Neunzigerjahren kamen zögerlich Forderungen auf, die sich für eine Würdigung ehemaliger Soldaten aussprachen – zusammen mit besserer materieller Ausstattung für Veteranen, wenn die beispielsweise traumatisiert aus Konfliktgegenden zurück ins Land kämen. Ein modifiziertes Soldatenentschädigungsrecht trat im Jahr 2025 in Kraft.

Im Jahr 2018 legte das Bundesverteidigungsministerium – unter Ministerin von der Leyen – erstmals eine offizielle Definition des Veteranenbegriffes für die Bundeswehr fest. Danach gilt als Veteran, wer als Soldat der Bundeswehr im aktiven Dienst steht oder ehrenhaft aus dem Dienst ausgeschieden ist – unabhängig davon, ob ein Auslandseinsatz absolviert wurde. Ab 2019 wurden erstmals Veteranenabzeichen verliehen.

Der Veteranentag ist selbstverständlich Ausdruck der heutigentags allseits so beliebten Symbolpolitik – und damit fügt er sich ganz grandios in den Zeitgeist ein, der so viel Wert legt auf symbolische Zeichensetzungen. Er sollte Sichtbarkeit schaffen und die Arbeit und Lebensleistung von Menschen würdigen, die sich einem Leben im militärischen Dienst verschrieben haben – das trifft freilich den Soldaten an irgendeiner gottverlassenen, weit weg von der Heimat befindlichen Front ebenso, wie den Etappenhengst an einem Schreibtisch in heimischen Gefilden. Unabhängig von der Frage, wie man Auslandseinsätze der Bundeswehr bewerten mag, so ergibt sich doch in der Abstraktion durchaus eine gewisse Berechtigung, Menschen, die diesen Lebensweg wählen, mit einem Tag zu würdigen. Ohnehin leben wir in einer Welt, in der es für alles einen Gedenktag zu geben scheint – wenn es einen Welttoilettentag oder einen Welttag des Bartes geben kann, warum also dann nicht auch einen Gedenktag für eine wirklich erbrachte Leistung? Warum sollte es keinen für ehemalige Angehörige der Bundeswehr geben?

Eine Entwürdigung, keine Würdigung der Veteranen

Immerhin hat die Landesverteidigung Verfassungsrang – Artikel 87a Absatz 1 Grundgesetz. Wer sein Berufsleben dieser grundgesetzlich vorgegebenen Aufgabe widmet, darf freilich auch ohne Schmähung gewürdigt werden – auch wenn man es vielleicht persönlich mit dem Militär anders hält, einen kritischen Blick darauf hat, so gibt es doch ein gesellschaftliches Anliegen, denen eine Würdigung zu verschaffen, die diesen Dienst leisteten. Dass der Großteil jener, die nun in den Genuss einer solchen Würdigung geraten, einer biederen Kasernentätigkeit ohne Feindberührung nachgingen, ist hierbei tröstlich. Denn der Veteranentag, wie er seit letztem Jahr stattfindet, würdigt nicht unbedingt die zivile Leistung jener Menschen, sondern setzt sie im Kriegsertüchtigungskomplex ein – und macht sie damit zu Instrumenten und Testimonials einer Politik, die propagandistisch den Krieg vorbereitet und das Feindbild des arglistigen Russen fördert.

Die Veteranen werden also klar missbraucht, um in diesem Lande eine Stimmung militärischer Normalität zu erzeugen, in der der Bundeswehr ein viel größerer Rang bemessen werden soll, als er ihr in einer wirklichen Zivilgesellschaft – bitte nicht mit dem NGO-Komplex verwechseln – zusteht. Durch die Würdigung der Veteranen, die man gezielt als aktive Soldaten inszeniert und weniger als Einsatzkräfte am Schreibtisch, die dort teils gar für zivile Aufgabenstellungen zuständig waren, erzeugt man ein Bild vom aufopferungsvollen Kameraden. Man muss daher den Veteranentag als Entwürdigung – und nicht als Würdigung – der ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr betrachten. Ihre Lebensleistung wird missbraucht, um Akzeptanz für Rüstung, Mobilisierung und Feindbildpflege zu schaffen – als sei das Heer eine Truppe, die nur dem Krieg dient und gewissermaßen nur auf ihn wartet.

Wer einst seinen Dienst antrat, um den verfassungsmäßigen Auftrag zu erfüllen, sollte sich fragen, ob seine Biographie heute nicht für Zwecke vereinnahmt wird, die mit diesem Auftrag nur noch wenig zu tun haben. Wer als Veteran an dieser Stelle nicht widerspricht, der entwürdigt das Dienstleben, das er beruflich führte, durch Unterlassung. Der Veteranentag wäre ein berechtigter Tag für die Ehemaligen, wenn er ihre Erfahrungen, ihre Belastungen und ihre oft widersprüchlichen Einsichten in den Mittelpunkt stellen würde. Stattdessen dient er zunehmend dazu, eine etwaige Konfrontation vorzubereiten und die beharrliche Verweigerung diplomatischer Lösungswege zu erhalten. Veteranen sollten sich daher nicht als Kulisse einer neuen Kriegsertüchtigungspolitik missbrauchen lassen, sondern laut protestieren. Wehrt euch, Veteranen! Ihr solltet mehr sein, als nur der Spielball einer Öffentlichkeit, die längst die Bezugspunkte der Zivilität aufgegeben hat. Wehrt ihr euch nicht, werden künftige Veteranentage – wenn es sie dann noch gibt, schließlich braucht man so einen Tag zu Propagandazwecken dann nicht mehr – mit sehr wenigen Hinterbliebenen auskommen müssen. Stell dir vor, dann ist Veteranentag – und keiner kann mehr hingehen.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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5 Kommentare

  1. „Soldaten“ haben als einzige Lebensleistung Tod, Unterdrückung und Verderben in die Welt gebracht.
    Das muss und darf nicht gefeiert werden!

  2. Das deutsche Volk hat keine eigene Armee mehr. Der BRD-Staat stellt sein Personal der NGO Nato zur Verfügung. Und wir haben Soldaten fremder Länder und Mächte im Land. Es gibt nichts zu feiern.

    1. Schuld daran ist doch nicht der „BRD-Staat“. Die Präsidentin der EU, eine gewisse Frau von der Leyen, ist schließlich eine „Deutsche“. Frau von der Leyen vertritt die deutsche CDU. Kanzler ist Friedrich Merz von der CDU. Auch das ist ein „Deutscher“. Präsidentin der 80. Sitzungsperiode der Generalversammlung der Vereinten Nationen ist Frau Annalena Baerbock. Auch das ist eine „Deutsche“. Sogar Donald Trump, der Präsident der USA hat deutsche Wurzeln.

      Richtig ist, die Deutschen haben 1933 einen Kriegstreiber gewählt, 1939 einen Weltkrieg angefangen und diesen Weltkrieg 1945 mit Pauken, Trompeten, vielen Trümmerhaufen und vielen Leichenbergen verloren, weil das mit dem „Endsieg“ in Stalingrad nicht so ganz funktioniert hat.

      Von den vier großen Siegermächten (Briten, Franzosen, Russen, Amerikaner) haben alle ihre Truppen und Soldaten abgezogen. Nee, das stimmt jetzt doch nicht ganz. (Ob das alle Journalisten von ARD, RTL, FAZ, BILD, WELT und ZDF wissen?)

      Briten und Franzosen sind fast keine mehr da, die Russen haben sich 1990 vollständig aus der ehemaligen DDR (und den anderen Staaten des Warschauer Paktes) zurückgezogen. Nur die „Freiheitskämpfer“ aus dem Land der Freiheit, das inzwischen eine BILLION Dollar = 1.000 Milliarden = 1.000.000 Millionen = 1.000.000.000.000 Dollar pro Jahr für das Militär ausgibt (und demnächst noch mehr dafür ausgeben will), aber es nicht schafft, dass eine Million (=1.000.000) Obdachlose im eigenen Land ein Dach über dem Kopf haben und auf der Straße verrecken, die sind noch hier in Western Germany und seit 1990 auch in Eastern Germany (formerly known as „GDR“) und verteidigen die „Freiheit“ gegen die bösen Russen, gegen die bösen Chinesen, gegen die Marsmänchen, gegen die böse Dritte Welt und gegen die böse Hexe Peppercookie, die Hänsel und Gretel auf dem neuen Elekrogrill der Firma GGW (Grün, Gender & Woke GmbH) braten will.

      Manchmal drängt sich schon der Verdacht auf, dass die Freiheit missbraucht wird. Wenn die Freiheit nicht allen Menschen nützt, unabhängig von der Nationalität, der Schuhgröße, der Rasse, der Haarfarbe, der Staatsangehörigkeit, der Hautfarbe, dem Geschlecht, dem sozialen Status, der Augenfarbe, dem Vermögen, dem Körpergewicht und dem Einkommen, dann ist die Freiheit keine Freiheit, dann nennt man das Diktatur oder?

  3. Nein zu deutschem Krieg, deutschen Kriegsbeteiligungen, Kriegsbeförderungen!
    Ja zu deutschem Pazifismus und deutscher Friedenstüchtigkeit!
    Merz muss weg!

    Ferner: Kein deutscher Staatsbürger sollte sich für diesen Staat oder die sog. ‚Westliche Un-Wertegemeinschaft‘, den die ÖRR propagandistisch unterstützen ( u. a. durch Propaganda-Formate wie https://www.ardmediathek.de/sendung/die-100-was-deutschland-bewegt/Y3JpZDovL25kci5kZS80OTU0 ) und für den diese wie auch andere stehen, auch durch tätiges Nichttun / Verschweigen ( NATO-Osterweiterung als eine Kriegsursache ), Verdrehen von ( vermeintlichen ) Tatsachen, in welchem Pazifistinnen und Pazifisten u. a. Gruppen systematisch straffrei diffamiert werden, zu welchem Dienst auch immer zur Verfügung stellen – womöglich noch sein Leben riskieren, welches deutsche Politik leichtfertigst aufs Spiel setzt seit dem Jahre 2001 bzw. dem 24.02.2022.

    Nein zu deutschem Kanonenfutter – egal wo auf der Welt!

  4. Funfact:
    Wehrmachtsdeserteure würden schonmal als Veteranen ausfallen.

    Die wurden unehrenhaft „entlassen“.

    Nur mal als Denkanstoß an diejenigen, die da ihre Haut zu Markte tragen sollen.

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