
Heute vor 110 Jahren begann die Schlacht um Verdun. Verdun wurde zum Beispiel für die Mischung aus mittelalterlicher Brutalität und industriellen Tötungswaffen. Vor allem aber muss die Hölle von Verdun als abschreckendes Beispiel für Krieg in Erinnerung bleiben.
Am 21. Februar 1916 begann der Morgen mit dem ohrenbetäubenden Lärm von 1.220 deutschen Artilleriegeschützen. Es folgte die extrem brutale Schlacht um die 40 Fortanlagen von Verdun, die nach der Niederlage von 1870/71 von Frankreich ausgebaut worden waren. Verdun wurde durch die entmenschlichten und verlustreichen Kämpfe über zehn Monate zum Symbol der mörderischen Ergebnislosigkeit der Materialschlachten im Ersten Weltkrieg. Um 17 Uhr desselben Tages startete die erste Angriffswelle der deutschen Infanterie im eisigen Schlamm der schnell entwaldeten Hügel rund um die Forts. Eine sterbende Landschaft, die schon bald von den Stümpfen zerschossener Bäume gezeichnet waren.
Die Hölle von Verdun – die Hölle des Krieges
Trotz der verlustreichen Marne-Schlachten oder der Kämpfe an der Somme hat sich vor allem die Hölle von Verdun, bei der junge Männer hemmungslos ins Feuer geschickt wurden, tief in das deutsche und französische Bewusstsein für das Grauen des Ersten Weltkrieges eingegraben. Die Orte der Unmenschlichkeit hießen Fort Douaumont oder Fort Vaux. Erstmals wurden Flammenwerfer als Waffe eingesetzt. Die Soldaten mussten in vielen Nächten mit Gasmasken schlafen, blieben in der Kraterlandschaft oft tagelang ohne Nahrung, konnten den penetranten Geruch der herumliegenden Leichen nur schwer ertragen und wurde bei Verletzungen oftmals gar nicht medizinisch betreut.
In den acht Monaten der Schlacht um Verdun wurden 50 Divisionen auf deutscher und 75 Divisionen auf französischer Seite eingesetzt. Jede Division umfasste zwischen 15.000 und 18.000 Soldaten, auf französischer Seite auch zwangsrekrutierte Männer aus den afrikanischen Kolonien (Armée d’Afrique). Nach den Schätzungen verloren zwischen 377.000 und 540.000 Soldaten für Frankreich und zwischen 337.000 und 434.000 deutsche Wehrmachtsangehörige ihr Leben oder wurden schwer verletzt.
Und doch wurde gerade Verdun zum Ort der deutsch-französischen Aussöhnung, das Memorial de Verdun zum Mahnmal gegen Krieg. Alle, die heute so leichtfertig von Krieg reden, sollten diesen Ort nicht nur besuchen, sondern sich die Todesnarben des Krieges, wie die Orte lebendig begrabener Soldaten mit ihren hochgereckten Bajonetten ansehen, um von dem Irrsinn eines Krieges gegen Russland wegzukommen und sich für Frieden einzusetzen.
Verdun ist der Ort, der uns alle zum Frieden mahnt, der Ort, der uns seit 110 Jahren vor Augen führt, wie gnadenlos und unsinnig Krieg ist. Und der doch irgendwann mit großem Schmerzen und unsäglichen Verlusten enden muss. Damit endet aber noch lange nicht das Leid und die Trauer der Familien, die ihre Söhne verloren haben oder die sich um die kriegsversehrten Angehörigen kümmern müssen. Wofür nur?
Wie dürfte uns heute das Leben auch nur eines ukrainischen oder russischen Soldaten auch nur eine Sekunde egal sein, von denen aber so viele seit nunmehr vier Jahren ihr Leben lassen? Und wie sollte es uns gleichgültig sein, wenn jetzt auch von unseren Jugendlichen eine „Kriegstüchtigkeit“ gefordert wird, einsatzbereit für einen irrsinnigen Krieg gegen Russland?
Jedes leichtfertige Gerede über „Krieg“ verbietet sich angesichts der Hölle von Verdun. Verdun mahnt uns „Nie wieder Krieg!“. Es gibt nichts Wichtigeres als Frieden in der Ukraine, im Nahen und Mittleren Osten, im Iran, im Sudan und in Venezuela. Und in all den anderen Schauplätzen aktueller Kriege und mörderischer Konflikte.





Deutsch – Französische Versöhnung: Ich weiß nicht recht – mich stimmt es skeptisch, dass man in Frankreich sehr viel über den 1. WK spricht, aber sehr wenig über den 2. WK., der im französischen Sprachraum als „drôle de guerre“ bezeichnet, wird, also als „Kriegskomödie“, deshalb, weil sich die französische Armee durch ihre Führung verraten (die mit den Nazis sympathisierte und vor allem ihre innerfranzösische Opposition fürchtete) die gut befestigten Stellungen im Osten (Maginot-Linie) einfach aufgab und floh.
Sicher ist auch der erste Schlagabtausch ein warnendes Beispiel, geholfen hat es nichts und helfen wird es nichts – vor allem, wenn man über die Ursachen nicht sprechen will. Es gab in Frankreich weniger Tote im WKII (ca. 0,5 Mio) als im WKI (ca 1,5 Mio) – das wahre Fiasko geschah trotzdem ab Mai 1940 – vielleicht schon beim Münchner Abkommen) wo fast alles, was die französische Kultur ausmacht, verraten wurde.
Weil das so ist, leidet die deutsch-französische Freundschaft vor allem unter der nicht eingestandenen Kollaboration auf französischer Seite, die als eigener Schuldkomplex immer wieder gerne in antideutschen Gefühlen sich entlädt. Nach dem Motto: Warum habt ihr den Faschismus installiert, dem wir uns hingegeben/ergeben haben mussten.
Man hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass drôle de guerre „komischer Krieg“ heißt. Ich bevorzuge trotzdem „Kriegskomödie“.
@Routard
Leider, so muss man sagen, sägt auch BK Friedrich Merz gerade gewaltig an der deutsch-französischen Freundschaft bzw. reißt unnötig alte Wunden auf – gegenüber den deutschen Nachbarstaaten (inkl. Frankreich).
Hier mehr darüber:
„[…]Deutsche Dominanz
Die massive Hochrüstung der Bundesrepublik löst in mehreren Staaten Europas Warnungen vor einer „militärischen Großmacht“ Deutschland und vor offener deutscher Dominanz über den Kontinent aus[…]“
Quelle:
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10308
Gruß
Bernie
Das ist richtig. F.Asselineau, dem ich, was Frankreich betrifft, in vielem zustimme (von ihm habe ich auch den Hinweis auf die Historikerin Annie Lacroix-Riz, die die Kollaboration der französischen „Eliten“, vor allem Pierre Laval und co, mit dem dt. Faschismus vor 1940 nachweist), sprach über die Idee Macrons, frz. Kernwaffen mit Deutschland zu teilen. Er hält dies für einen Landesverrat, dem eine sofortige Anklage vor Gericht und Amtsenthebung hätte folgen müssen.
Deutschlands starke Neubewaffnung im Zuge des Ukrainekrieges hält er für eine sehr schlechte Entwicklung, die Frankreich in den Konflikt gegen Russland hineinziehen wird – und wieder mit der Kollaboration seiner „Eliten“.
die französischen Atomwaffen bleiben in Frankreich, mit teilen meint Macron wohl den Schirm, den er aufspannen will aber NIE und NIMMER gibt er den
Code raus, das wäre Hochverrat!
Deutschland träumt vielleicht davon aber die Oberhoheit über die franz. Atomwaffen bleibt bei Frankreich.
Die franz. Babbelsender C-News, BFM
etc bringen das mehrmals in ihren Runden zur Sprache.
Hier, was Macron am 13.2.26 auf der MSC sagte (Antwort auf Ischingers Frage nach der nuclearen Abschreckung):
Wir müssen die nukleare Abschreckung in diesem Ansatz neu gestalten. Deshalb entwickeln wir – und in einigen Wochen werde ich das genauer erläutern – einen strategischen Dialog, selbstverständlich mit Kanzler Merz, aber auch mit einigen europäischen Führungspersönlichkeiten, um zu sehen, wie wir unsere nationale Doktrin, die durch die Verfassung garantiert und kontrolliert wird, mit spezieller Zusammenarbeit, gemeinsamen Übungen und gemeinsamen Sicherheitsinteressen mit einigen Schlüsselstaaten in Einklang bringen können. Genau das tun wir zum ersten Mal in der Geschichte mit Deutschland.
Ich denke, dieser Dialog ist an sich schon wichtig, aber er ist auch wichtig, weil er eine Möglichkeit bietet, die nukleare Abschreckung in einen ganzheitlichen Ansatz von Verteidigung und Sicherheit einzubetten. Und es ist ein Weg, um Konvergenz in unserem strategischen Ansatz und unserer strategischen Kultur zwischen Deutschland und Frankreich zu schaffen. Für mich ist das sehr wichtig, weil es ein Eckpfeiler dieses Weges nach vorne ist.
„Aus französischer Sicht müssten die Waffen aber unter strikter französischer Kontrolle bleiben, ihre Lagerorte von französischen Streitkräften geschützt werden und der „rote Knopf“ für den Einsatz bei Frankreichs Staatschef verbleiben. Das wiederum dürfte für die europäischen Partner ein Problem sein. “
schreibt sogar die Tagesschau
Frankreich gibt niemals den Code für seine A-Waffen weiter. EUropa hin oder her,
Macron ist 2027 weg!
„Drôle de guerre“ ist die französische Bezeichnung für das, was im Deutschen als Sitzkrieg bekannt ist. Dabei passierte monatelang militärisch auf beiden Seiten trotz Kriegserklärung so gut wie nichts. Die Invasion und ihre Begleiterscheinungen folgten erst im Anschluss daran.
Das ist die ChatGpt-Version und die für die deutschen, auch französischen Gymnasiasten. Die Bezeichnung umfasst – nicht nur aus meiner Sicht – bei Weitem mehr, vor allem, dass die Niederlage Frankreichs durch Untätigkeit und Stillhalten seiner militärischen- und politischen Führung verursacht wurde. Ein Krieg ohne Krieg gewissermaßen, jedenfalls auf französischer Seite, eine Zurückhaltung die, wie es die Historikerin Lacroix-Riz schreibt, sich daraus ergab, dass die frz. Führung „avait pris avec Berlin la décision „militaire“ d’ouvrir la voie du Wehrmacht et de ne pas la combattre“ (De Munich à Vichy, p.267) dt. … mit Berlin „militärisch“ entschieden hatte, der Wehrmacht die Tür zu öffnen, ohne sie zu bekämpfen.
Die These von Lacroix-Liz dürfte sehr spekulativ sein. Es gibt immer irgendwelche Profs, die sich gegen den wissenschaftlichen Konsens stellen. Und um den in Erfahrung zu bringen bedarf es weder KI noch Abitur.
Aha! – Sie kennen die Autorin nicht, aber aber Sie haben eine Meinung dazu. Solche Spezialisten lobe ich mir.
Ich kenne die These. Und nach meinem Kenntnisstand wird ihr von den meisten Historikern widersprochen.
DANN MUSS SIE JA FALSCH SEIN
Es spricht zumindest nicht dafür, dass sie stimmt. Und ehrlich gesagt finde ich sie auch nicht sehr plausibel.
@b_s
Es passierte Ihnen nach monatelang militärisch auf beiden Seiten, trotz Kriegserklärung, so gut wie nichts?
Na, dass müssen Sie mal den Kindern, Enkeln, und Urenkel, der Menschen erzählen die damals direkt an der deutsch-französischen Grenze mit einem durchgehend naheliegenden Grenzverlauf durch einen damals noch durchgehend unregulierten, tiefen Rhein erzählen *Ironie*
Wieso gab es dann beim „Drôle de guerre“ auf beiden Seiten der Grenze Evakuierungen der Zivilbevölkerung ins weiter gelegene Landesinnere, oder im Falle des Elsass sogar in ganz andere weiter weg liegende französische Regionen?
Und warum gab es auch auf beiden Seiten der Grenze schon damals Orte die bereits zu Kriegsbeginn anno 1939, nicht erst 1945 – also somit 2x im 2. Weltkrieg, in Schutt und Asche gebombt wurden – von der Artillerie?
Bitte informieren Sie sich mal besser bevor Sie behaupten es ist so gut wie nichts passiert beim „Drôle de guerre“.
Ach übrigens, ich weis oben Geschriebenes nicht vom Lesen von Büchern, oder von Hörensagen, sondern aus der eigenen Familienerzählung meiner Ahnen, und Urahnen, für die es damals ein sehr einschneidendes Erlebnis gewesen sein muss – sie erzählten immer von ihrer Evakuierung schon 1939 zu Beginn des 2. Weltkrieges mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen, dass damals mit Frankreich verbündet war.
Durch den „Drôle de guerre“ gab es wohl eben genau aus dem Evakuierungsgrund keine toten Zivilisten, da eben beide Seiten des Rheins für das jeweilige Militär von ZivilistInnen geräumt werden mussten.
„Militärisch so gut wie nichts beim „Drôle de guerre“ passiert“ ? *Kopfschüttel*
Gruß
Bernie
Evakuierungen werden im Allgemeinen nicht als militärische Aktionen bezeichnet, auch wenn sie im Rahmen von Kriegsvorbereitungen angeordnet werden. Dass es während des Sitzkriegs keinerlei Gefechte gegeben hätte, habe ich nicht behauptet. Dass die Erinnerungen daran für Betroffene alles andere als schön sind, steht außer Frage. Dennoch ist das Charakteristische der „Drôle de guerre“ das weitgehende Fehlen von Kampfhandlungen.
@b_s
Sie meinen sicher das weitgehende fehlen von offensiven Kampfhandlungen?
Sie bestreiten ja nicht, dass es Gefechte gab😉👍
Der „Dròle de Guerre“ wird ja in der BRD allgemein als „Sitzkrieg“ bezeichnet.
Dennoch gab es auch beim Sitzkrieg Tote und Verwundete.
Die französischen Bunker der Maginolinie schossen eben mit schwerer Artillerie auf nahegelegene deutsche Orte auf der deutschen Rheinseite, und mit Gewehrfeuer auf alle angrenzenden rheinnahen
Straßen ebenso, wenn sich dort was bewegte.
Auch Zivilisten waren, vor der Evakuierung, davon betroffen – wie bereits erwähnt.
Ich weis dies über eigene Erfahrungen meiner Vorfahren – wie bereits erwähnt.
Gruß
Bernie
Nein, es war kein Stellungskrieg.
@b_s
Das habe ich ja auch nicht behauptet – „Sitzkrieg“ ist nur das entsprechende deutsche Synonym für den französischen Begriff ‚Dròle de guerre“ im französischen Sprachraum.
LG
Bernie
@ Routard
Also ich kenne „drôle de guerre“ anders. So wird nämlich eigentlich nur der Krieg bis zum Mai 1940 bezeichnet, also die Zeit in der es an der Westfront zu keinen wirklich offensiven Aktionen auf beiden Seiten kam.
Dieser Krieg bis Mai 40 war eben „drôle“, weil nicht gekämpft wurde. Was ab Mai 40 passierte, fanden die Franzosen aber gar nicht mehr „drôle“.
Und welche frz. Führung genau sympathisierte mit den Nazis? Das hätte ich gerne auch mal genauer erklärt.
Klar, man hatte in Frankreich Angst die Volksfront könne wieder an die Macht kommen. Dass man dabei aber soweit gehen würde das Land den Nazis auszuliefern, halte ich jedoch für weit hergeholt.
Aber vielleicht haben Sie ja andere Quellen?
Ich habe meine Quellen genannt: die Historikerin Annie Lacroix-Riz und ihr Umfeld. Ist für den Augenblick etwas zu viel für mich, das näher auszuführen. Es geht ganz einfach um die Frage, warum sich Frankreich nicht gegen den deutschen Überfall wehrte – mit einer der stärksten Armeen und Befestigungsanlagen Europas. In dieser Frage vertritt sie und vertrete ich die Position, dass die frz. Führung (die Volksfront im Nacken), ein geheimes Komplott mit den Nazis schloss, das später in die Vichyzeit mündete.
Die KPF hatte man im Übrigen ja auch schon am 26.9.1939 verboten. Das Muster ist identisch: vor der Bedrohung durch das Volk greift die herrschende Klasse zum Terror, zum Faschismus. „Lieber tot als rot“, nach einer goebbelschen Parole. Im Falle von Frankreich kamen sie ja alle ungeschoren davon – die Kollaborateure.
Ich kannte das Motto „lieber rot als tot“ von Bertrand Russel („Better red than dead“) oder von Fidel Castro („Patria o Muerte, Venceremos!“); anscheinend verwendete aber Goebbels das umgekehrte „Lieber tot als rot“ tatsächlich.
@ Routard:
Aha, der maxistisch-leninistische Ansatz.
Ich hatte noch nach der Quelle gefragt, weil ihre Antwort mit Annie Lacroix-Riz zu der Zeit noch nicht hier stand.
Wenn man die Lebensgeschichte der Frau liest, dann wundert es nicht, dass sie ihre Gedanken in diese Richtung entwickelt hat, was aber nicht heißen soll, dass sie falsch wären.
Ich habe aber nichts darüber gefunden, dass der „drôle de guerre“ von Annie Lacroix-Riz auch über den 10. Mai 40 hinweg ausgeweitet worden wäre. Im Gegenteil, sie bezieht sich nur auf die „Passivität“ des Sitzkrieges.
Und was die Maginot-Linie angeht, so wurde die doch erst verlassen, als sie schon fast umgangen und damit nutzlos geworden war.
Auf jeden Fall würde die Theorie der Frau ja besagen, dass sowohl in der politischen, als auch in der militärischen Elite (Elite ist ein Scheißwort dafür) Frankreichs genügend anti-nationale Kräfte vorhanden waren um Frankreich den Nazis auszuliefern? Obwohl dies doch in der Regel eher die national-konservativen Kräfte sind, die eben nicht anti-national sind.
Sie verkaufen Frankreich an die Nazis für 1,5 Jahre Vichy oder wie soll ich das verstehen?
Oder haben sie sich von den Nazis verarschen lassen und es waren andere Regelungen vereinbart worden im Geheimen?
Nun ja, die Frau ist Professorin und hat sich viele Jahre ihres Lebens damit beschäftigt. So extrem weit hergeholt kann es daher auch nicht sein. Und wir haben hier sicher nicht die Kapazität das wirklich entscheiden zu können. Aber als Jüdin, somit ihre Familie Verfolgte und Opfer des Vichy-Regimes und als Kommunistin, die sogar eine kommunistische Partei mitgeründet hat, ist sie natürlich auch vorgeprägt.
So wirklich schlüssig finde ich die Theorie denn auch noch nicht.
@Two Moon
Sehen Sie, deshalb habe ich gesagt, woher ich die Historikerin kenne: F.Asselineau, der Gründer einer ziemlich konservativen frz. Partei, gaullistisch orientiert. Im Unterschied zu unserer „Kultur“ in Deutschland wird eine Kommunistin durchaus Professorin und ihre Thesen werden wissenschaftlich ernst genommen.
In Deutschland geht es so: Ah, Kommunistin, ach Leninistin, ach Jüdin (wusste ich überhaupt nicht und interessiert mich auch gar nicht), ach, dann sie ja „vorgeprägt“.
Ich will sie damit keinesfalls angreifen – es ist die Feststellung eines (west-)deutschen Phänomens des Antikommunismus, des Verbots der KPD, Nachfolger eines Nazi Staates der die besten Köpfe abschlug oder vertrieb.
@ Routard:
Also gegen Kommunisten habe ich gar nichts, auch wenn ich mich selber nicht als „links“ bezeihnen würde (Vor allem aber weil ich diese Zuordnungen generell kritisch sehe).
Kann durchaus sein, dass Einiges daran iat, was die Frau geschrieben und gedacht hat, deswegen schrieb ich ja auch:
Ich lasse mich da gerne überzeugen.
Bei mir stürzt da kein wertvolles Theoriegebäude ein, auf dass sich meine Lebenssicht und meine Sicht auf die Geschichte stützen würde, nein, nein.
Aber solange es nicht halbwegs plausibel klingt, bleiben da arge Zweifel.
Die stärkste Armee Europs wurde von Guderian ausmanövriert und die stärksten Befestigungsanlagen Europas lagen halt dort, wo der Krieg gar nicht stattfand. Das ist ein Nachteil von solchen Immobilien.
Die Niederlage hatte zuallererst was mit der Doofheit der französischen Generäle zu tun
„Dass man dabei aber soweit gehen würde das Land den Nazis auszuliefern…“
Das gab es schon einmal in der französischen Geschichte erinnert sei an die Pariser Kommune 1870/71 damals hat die französchische Regierung mit Preussen kooperiert und die Kommune wurde von beiden Niedergeschlagen. Die Niederschlagung der Pariser Kommune im Mai 1871 erfolgte durch französische Regierungstruppen, unterstützt von preußischen (deutschen) Truppen, die Paris von Osten her abriegelten. Während der „Blutwoche“ (21.–28. Mai 1871) wurden zehntausende Kommunarden ermordet, um die revolutionäre Regierung zu stürzen, da weder die französische Regierung noch das Deutsche Reich eine sozialistische Kommune dulden wollten. Soviel zum Thema würde die französische Regierung nie machen.
1871 war es aber so, dass Preußen und frz. Regierung erst kooperieren als Frankreich schon komplett geschlagen und den Deutschen quasi ausgeliefert war. Da kann man dann leicht nachvollziehen, dass selbst patriotische Franzozen da mitmachten.
Aber dass schon 1939 frz. Eliten, besonders der Konservativen daran gearbeitet haben Frankreich den Nazis auszuliefern, ist doch wohl einen ganz andere Nummer, eine ganz andere Kategorie!
Noch eine/r, der/die „Der Fall von Paris“ von Ilja Ehrenburg nicht gelesen hat.
Die französischen konservativen Eliten waren durch und durch verrottet und sahen in der Linken ihres Landes (und anderer Länder) einen grösseren Feind als den jenseits der Grenze, mit dem sie schon gegen die spanische Republik kollaboriert hatten.
Im Gegensatz zur „Internationalen der Arbeiterklasse“ funktioniert die „Internationale der Kuponscheider“ wenn nicht perfekt, so doch in entscheidenden Punkten ausgezeichnet.
Das hatte sich schon 1870/71 gezeigt.
In Frankreich vor allem, aber auch in England ist der 1. Weltkrieg viel stärker in der Erinnerungskultur verankert als der zweite.
Das liegt in Frankreich daran, das die Verluste im 1. WK exorbitant viel höher waren als im 2.!
Hätten Sie meinen ersten Kommentar von 11:13 gelesen, dort steht genau das drin. Mit den ungefähren Opferzahlen. Die Ukraine bewegt sich derzeit auf dem Level von WK I.
Was wäre gewesen, wenn die französische Armee 1940 heldenhaft gegen die Deutschen gekämpft hätten? Mit ziemlicher Sicherheit hätte es sehr viele Tote und sehr viel Zerstörung gegeben und am Ende mit mindestens fünfzigprozentiger Sicherheit doch eine Niederlage. Die Juden wären auch nicht sicherer gewesen. Dass Frankreich nicht ein zweites Polen geworden ist, wird man wohl nicht bedauern. Die französischen Städte wurden dann übrigens von den Alliierten bombardiert, bei der Befreiung: https://en.wikipedia.org/wiki/Bombing_of_France_during_World_War_II À la guerre comme à la guerre. Dass die französische Kultur durch die paar Jahre Besatzung und Vichy so großen Schaden genommen hätte, wäre mir neu. Das Vichy-Regime war sogar explizit französisch-nationalistisch. Die französische Kultur ist wie alle anderen im Westen und inzwischen wahrscheinlich weltweit weitgehend der kulturellen Hegemonie der USA zum Opfer gefallen.
Man kann jeden Krieg damit rechtfertigen, dass man sich gegen jemanden wehren muss. Zugegeben, der Vernichtungskrieg der Nazis im Osten ist für eine radikalpazifistische Argumentation schwierig, aber auch da hätte es wahrscheinlich bessere Lösungen, ohne zig Millionen Tote, gegeben. Und eine solche Ausgangslage besteht heute nirgendwo mehr.
@ Routard
Welche Rolle spielt denn der Sichelschnittplan und der daraus resultierende Blitzkrieg?
Ich kann ja verstehen, dass Verrat eine gewisse Entlastung des französischen Militärs bedeutet, aber das deckt sich nicht mit den militärischen Tatsachen.
Der Kommandant Huntziger der II frz Armee war Anhänger der sog. Action Francaise, die mit den Nazis versteckt kollaborierte. Er war Teil des Komplotts.
Der Krieg war kein Blitzkrieg, sondern ein Durchmarschieren durch eine offene Tür.
Was ist denn so schwer daran zu verstehen, dass die herrschende Klasse in Frankreich massiv antikommunistisch unterwegs war und vor allem die Anhänger der Sowjetunion und diese selbst hasste und mit dem „Erzfeind“ lieber paktierte, als in einem militärischen Abwehrkampf gegen den NS Staat zwangsläufig einer Volksfrontregierung hätte weichen müssen. Das ist keine These, sondern durch zahlreiche Dokumente, heute zugängliche Quellen, belegt.
Routard
Die Behauptung habe ich verstanden, deshalb ja meine Nachfrage bezüglich der militärischen Tatsachen.
Ausgangspunkt meiner Überlegung ist die Tatsache, dass militärische Truppen (von Ausnahmen abgesehen) zu früheren Zeiten zum überwiegenden Teil zu Fuß auf fremden noch zu eroberndem Gebiet unterwegs waren. . Im Krieg 1870/71 ist das u.a. bei Emile Zolas ‚Der Untergang‘ nachzulesen. Offensivtruppen konnten auf fremden Territorien täglich rund 35 Km je nach topographischen Gegebenheiten vorrücken. Vollmotorisierte Einheiten, wo die gesamte Truppe auf vier Rädern unterwegs ist (mit den Panzern an der Spitze) schaffen je nach Gelände täglich bis zu 200 Km. Und das ist ein sehr großer Unterschied. Das daraus resultierende Problem kann man sehr genau bei den römischen Kriegen gegen die Reiterhorden betrachten, bei denen die römischen Legionen einfach umritten wurden.
Meiner Meinung nach haben sich die französischen Militärs schlicht verrechnet. Sie rechneten mit Truppen zu Fuß, die die nördliche Umgehung der Maginotlinie versuchen könnten, aber nicht mit einer derartigen Geschwindigkeit, die jede Planung zunichte machte. Es war quasi der Hase und Igel-Lauf. Auch dass der militärische Angriff auf die Maginotlinie eher einem Scheinangriff glich und die Fesselung und Fokussierung der französischen Truppen zur Folge haben sollte und die Errichtung des Vichy-Regimes der militärischen Logik der Deutschen entsprang, Besatzertruppen einzusparen, die an anderer Stelle dringend gebraucht wurden, gehören zu den militärischen Tatsachen.
Die Blitzkrieg-Legende ist m. M. nach keine Legende und das das französische Militär schon 1871 über den Vorwurf versagt zu haben nicht amüsiert ist, kann man auch u.a. bei Zola lesen.
Deshalb meine Nachfrage, inwieweit diese militärischen Tatsachen Eingang in die Theorie der von Ihnen zitierten Historiker und anderen gefunden haben. Denn diese Verschwörungstheorie 😉 ist alles andere als neu und ich bin immer wieder darüber gestolpert, dass diese militärischen Tatsachen keine oder nur unzureichende Berücksichtigung fanden.
@Dan,
Diese These (Fehler der militärischen Planung) wird in Frankreich sehr breit vertreten und ganz genau diesem Punkt widerspricht A.Lacroix-Riz. Auf Französisch:
„La France fut anéantie dès l’aussaut allemand du 10 mai 1940. Aucunement parce que son État-major de veillards „incompetens“ n’avait „pas lu ou mal compris les ouvrages consacrés aux plans Schlieffen“ et rfusé de croire à leur remarquable rénovation“. Dies ist der Satz vor dem oben angeführten Zitat und bedeutet:
Frankreich wurde mit dem deutschen Angriff am 10. Mai 1940 vernichtet. Nicht etwa, weil sein Generalstab aus alten ‚inkompetenten‘ Offizieren die Werke über die Schlieffen-Pläne ‚nicht gelesen oder falsch verstanden‘ hätte und sich geweigert hätte, an ihre bemerkenswerte Erneuerung zu glauben.“
Sondern, s.o., weil es das beschriebene Komplott gab und sie keinerlei Interesse hatten, es im Verlauf eines langwierigen Abwehrkampfs mit einer französischen Volksfrontregierung zu tun zu bekommen (1.Punkt) und damit der Sowjetunion Luft zu verschaffen (2.Punkt).
Ok.
Mit Verrat kann man vieles erklären. Dolchstoßlegende beispielsweise 😉
Anzufügen wäre noch, dass die Russen auch von der deutschen Taktik überrumpelt wurden. Aber auf jeden Fall wäre es interessant zu wissen, was nun wirklich los war.
Zu Punkt 2
Das würde heißen, der Angriff der Deutschen auf Russland ein Jahr später war bei den Franzosen eine bekannte Tatsache? Das fände ich erstaunlich.
Die Politik Frankreichs war – wie es beim Münchner Abkommen sehr deutlich wurde – klar auf die Isolierung der Sowjetunion ausgerichtet. Dass ein langwieriger Krieg Frankreichs gegen Deutschland der Sowjetunion geholfen hätte, dürfte damals jedem bewusst gewesen sein. Alle fortschrittlichen Kräfte hofften auf eine anti-deutsche Positionierung Frankreichs und auf die Eröffnung einer Front im Westen.
Man kann den Hitler-Stalin Pakt vor diesem Hintergrund (Zeit gewinnen) verstehen. Stalin sah aber nicht voraus, dass Frankreich die Nazis kampflos ins Land lassen würde, dies obwohl man Frankreichs Weg hätte absehen können, nachdem der enge Verbündete Tschechoslowakei schmählich im Stich gelassen wurde. Auch dies eine gut belegte These von Lacroix-Riz,
Eine interessante, aber eben auch verlockende Theorie. Ich bin nicht überzeugt.
Mir fehlen insbesondere handfeste Belege.
Die Franzosen wurden militärisch verraten, die Russen waren militärisch zu blöd blendet die erfolgreiche Taktik der Deutschen vollständig aus.
Ich habe da immer das Beispiel der erfolgreichen römischen Taktik vor Augen, mit denen die römischen Legionen ein Imperium errichteten.
Wenn man den stümperhaften Feldzug Mussolinis in Griechenland mit dem Blitzkrieg der Deutschen ebendort zur Entlastung der Italiener vergleicht, wird um die Fakten nicht herumkommen.
Die militärischen Tatsachen finden meiner Meinung nach zu wenig Gewicht.
Ich will jetzt (für mich) abschließend ein Resümee aus der Debatte um meinen Anfangskommentar ziehen, die für mich sehr bereichernd war: Wo in aller Welt hätte man einmal die Möglichkeit mit so vielen unterschiedlichen Positionen eine interessante Fragestellung zu diskutieren?
Deshalb zuallererst ein großes Dankeschön an Overton, das dies ermöglicht, mit immer wieder neuen Themen, Denkanstößen. Als man beim Anti-Spiegel noch kommentieren konnte, nahm ich dort ab und zu an Debatten teil – es war meist ziemlich schrecklich, nur üble Beschimpfungen, primitivster Antisemitismus (der Höhepunkt für mich war, als zum 80. Jahrestag der Befreiung einer lang und breit ausführen durfte, dass Bergen-Belsen ein Erholungslager gewesen sei).
Das ist hier anders, das Niveau deutlich höher, die Debatten weniger aggressiv. Wie soll man auch zusammenkommen, wenn noch nicht einmal „normale“ Gespräche möglich sind?
Daher erst einmal danke an @Bernie, @Dan, @TwoMoon, die wahrscheinlich aus einem ganz anderen politischen „Lager“ kommen als ich und sich trotzdem der These vom Komplott in Frankreich angenommen haben.
Sicher gab es – aus meiner Sicht – auch Ausfälle, der extremste und niederschmetterndste stammt von @abndg, der die These aufstellte, dass sich ein militärischer Widerstand gegen Nazideutschland ohnehin nicht „gelohnt“ hätte…
Über andere habe ich mich sehr gefreut, @aquadraht, der auf Ehrenburgs „Der Fall von Paris“ hinwies (Das Werk von Zeev Sternheim: Ni droite ni gauche/Neither right nor left gehört diesem zur Seite gestellt) und von @Otmars, der auf die Parallele zu 1870 hinwies, was die Bereitschaft der „Eliten“ betrifft, mit dem Feind zu paktieren (so wie auch Macron, der Rothschild-Junge, es tut, möchte ich ergänzen).
Und @b_s? Er ist argumentatorisch irgendwo um 1650 stecken geblieben, wo man über wahr und falsch danach entschied, welche Seite mehr Anhänger hat. Seit der Aufklärung sollten wir gelernt haben, dass auch eine einzelne Stimme die Wahrheit für sich haben kann. (Für mich immer noch sehr eindrucksvoll: Die Hetzdebatte um das Kindbettfieber gegen Prof. Semmelweis).
Zum Schluss noch eine Entschuldigung an die Autoren – die Debatte unter Ihrem Artikel hat einen ganz anderen Verlauf genommen, als Sie vielleicht gehofft hatten. Ich weiß Ihren Ansatz, der in dem gemeinsamen warnenden Gedenken an dieses Menschenabschlachten besteht, sehr zu schätzen. Zu diesem Thema folgendes:
In der Zeit, als ich einige Monate in Paris wohnte, lernte ich auf einer Parkbank einen alten Veteranen des WK I kennen. Wir freundeten uns an, er war durch das Giftgas nahezu erblindet. Er lud mich und meine Freundin zum Essen zu sich nach hause ein – er hatte es selbst zubereitet.
Unvergessen! Diese Freundschaft zwischen Menschen ist es, die zählt und ich werde ihm mein ganzes restliches Leben dafür dankbar sein, dass er die „boches“ bei sich willkommen hieß. Monsieur Petitjean (so hieß er): R.I.P. !
War mir gar nicht bewusst, interessant. Erklärt die größere Distanz der Franzosen, die Deutschen praktizieren ja eher das Gegenteil: Schuldkult bis zur Selbstaufgabe, zumindest die Westdeutschen (die SU sozialisierte die Menschen anders).
Frankreich hat noch Heute, mehr Zeitzonen als die Sowjetunion je hatte.
Man muss nur Rassemblement National und die Alternative für Deutschland auf den beiden Seiten des Rheins betrachten. Um mal die ewigen Vorbehalte ein wenig zu verstehen.
Naja die meisten Französischen Überseegebiete muss man mit einem Pfeil versehen sonst würde man sie auf der Weltkarte nicht finden, das ist bei Russland doch ein wenig anders.
Damit meinte ich den Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland die ja nur Helgoland als einzige echte Hochseeinsel haben.
Und vor ein 4 Jahren wollte ein älterer Herr der in den Kategorien von damals denkt lange vor Weihnachten wieder zu Hause sein …….
Der Nazi mit seiner obligatorischen Pöbelei gegen die slawischen Untermenschen. Hau ab in Deine Kammerrattenschaft.
Der Autor schreibt :
„Die Soldaten mussten in vielen Nächten mit Gasmasken schlafen, blieben in der Kraterlandschaft oft tagelang ohne Nahrung, konnten den penetranten Geruch der herumliegenden Leichen nur schwer ertragen und wurde bei Verletzungen oftmals gar nicht medizinisch betreut.“
Und sind nicht desertiert ! Der deutsche Kadavergehorsam ist einfach nur beschämend, die Deutschen suchen sich immer die falschen Vorbilder : Die beiden Ernste ( Jünger und Röhm ) statt
Hans Brasch und Adalbert Cohrs ! Wie kann das sein ? Warum empfinden gerade die deutschen eine solche „Lust am Kriege“ ?
( Man achte – ganz aktuell – auf die Worte unseres „Mr. Shiny“ : https://www.youtube.com/watch?v=gs_AS0qmF4E ab Min. 3:00 )
Die Franzosen und Engländer sind auch nicht desertiert.
Das ist jetzt kein speziell deutsches Phänomen!
Das hat mit Kriegslust nichts zu tun!
Es gibt auf deutscher Seite genug Antikriegsliteratur den ersten Weltkrieg betreffend, die das beleuchtet:
Erich Maria Remarque
„Im Westen nichts Neues “
Edlef Köppen
„Heeresbericht“
Ludwig Renn
„Krieg“
Das auch nationale Kriegsliteratur entstand, auch Kriegsverherrlichende wie Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ tut dem
keinen Abbruch!
Man sollte durchaus versuchen die Zeit und deren Motive versuchen zu verstehen , bevor man urteilt.
Kriegsbegeisterung war Europaweit zu sehen, in Arbeiterkreisen jedoch eher wenig. Das Kriegserlebnis ließ diese Begeisterung schnell schwinden, aber das Nationalgefühl war stark genug, das die Soldaten weiter machten.
Den Deutschen per se Kriegslust zu unterstellen, war und ist nicht richtig!
Es sind bestimmte Kreise und von kapitalistischen Interessen geleitete Gruppierungen, die man das unterstellen
kann und muss!
Wallenstein schreibt :
„Das ist jetzt kein speziell deutsches Phänomen!
Das hat mit Kriegslust nichts zu tun!“
Ich bitte zu beachten : Unser Kanzler, der mächtigste Mann des Landes, der seine Friedensverachtung – in einer Art Bekennerrede – mit den Worten „Frieden gibt es auf jedem Friedhof“ offengelegt hat, wurde beim letzten CDU-Parteitag vor wenigen Tagen von den anwesenden Kampf-Spießern mit minutenlangem, frenetischem Applaus gefeiert !
Spätgeborenenromantik. wenn du eine Familie hast, wirst du das i.d.R. nicht tun, weil das fast zwangsweise mit einer Aufgabe selbiger einhergeht. Außerdem musst du erstmal heil von der Front wegkommen. Die Sowjets hatten im zweiten WK „Sperreinheiten“ im Hinterland positioniert, damit niemand abhaute (Stalins Befehl Nr. 227), die sind ja auch nicht blöde…
Davon abgesehen bist du nicht richtig informiert:
https://www.bloodyminded.org/de/conscientious-objection-in-germany/
Außerdem gab es noch die verzweifelten:
https://www.reddit.com/r/AskHistorians/comments/69ht4c/are_the_stories_of_no_mans_land_deserters_in/?tl=de
Das dämliche antideutsche Kadavergehorsamsgeschwätz sollten wir besser steckenlassen. Damals gab es nämlich auch noch keine Alternativmedien und die Leute glaubten, gegen die „Einkreisungspolitik“ vorzugehen, sei vollkommen gerechtfertig und vermeide Schlimmeres. Man hat ihre Loyalität gnadenlos missbraucht (nicht nur Kaiser und Co, die Briten wollten Deutschland bewusst schwächen und betrieben allerlei Geheimdiplomatie dafür, so wie neulich auch bei der Ukraine/Russland, wer den Angelsachsen vertraut, wird über den Tisch gezogen und skrupellos instrumentalisiert) und im zweiten WK dann gleich wieder (deshalb hadern die Deutschen ja auch so sehr mit sich selbst und finden keine gescheite Mitte mehr).
Ich habe mir Mitte der Achziger Jahre die ehemaligen Schlachtfelder von Verdun und
die Friedhöfe incl. der Gebeinhalle angesehen. Als wir durch die Landschaft fuhren, war
es im Auto auf einmal still. Man konnte immer noch die Krater erkennen und der Bewuchs
war nicht höher als 4 m. Das Fort Douaumont konten wir mit einem deutschsprachigen
Führer besichtigen. Er demonstrierte mit eine Eisenplatte die er in einem dunklen Gang
zuklappen ließ, die Lautstärke die eine 200mm Granate beim Aufschlag auf die Fortdecke
erzeugte. Ohrenbetäubend! Das Fort wechselte im Laufe der Zeit die „Besitzer“. Die Deutschen
beschossen es mit bis zu 400mm Granaten, die Franzosen mit bis zu 360mm Granaten.
Was die Soldaten im Inneren aushalten mußten kann sich niemand vorstellen. Heute sind
es die Drohnen die es den Soldaten zur Hölle machen.
Wie viele sind inzwischen in Gaza verreckt?
In der Ukraine dürften es inzwischen zusammen 3 Millionen Russen und Ukrainer sein, die ums Leben kamen. Aber die MSM trommeln jeden Tag weiter. Deutschland soll kriegstüchtig werden. Als hätte es Verdun nie gegeben.
Die kriegsgeilen „Eliten“ in Deutschland haben nicht nur Verdun vergessen. Sie sollten sich Stalingrad und die Folgen wieder in Erinnerung rufen, bevor es die Russen für sie auf die harte Tour tun.
Damit sie endlich wissen was Krieg ist, sollte man unsere kriegsgeilen „Eliten“ und
die Vertreter der MSM bussifizieren und direkt in Kampfanzügen an die Front jagen.
Zwei grauharigen Frauen, die sich jetzt in Brüssel sonnen, würde ich ein paar Kreise
auf Brust und Rücken malen.
Ein Toter ist eine Tragödie, tausend Tote sind eine Statistik.
Verdun ist mit Sicherheit ein Beispiel dafür.
Die USA sind die einzige Nation, die über zivile Großstädte A-Bomben abgeworfen haben. Und dies aus reiner Machtdemonstration. Berechnete man nicht sogar eine optimale Detonationshöhe, um die Zerstörungskraft zu maximieren.
Alles bloße Statistik, gefeiert, zumindest unter dem Jubelgeschrei der US-amerikanischen Bevölkerung.
Und die eingesetzten Bomben sind gegen das, was man heute aufzubieten hat, das reinste Kinderspielzeug.
Man könnte weitere Beispiele aufzählen, vom Holocaust über das
Abschlachten der Tutsi bis hin zum
Völkermord an den Palästinensern usw.
Und je mehr man aufzählt, um so mehr relativiert man.
Es wird zur bloßen Statistik, so scheint es, verziert mit Mahnmalen, Ehrendenkmälern und Heldengeschichten.
Die Erinnerungen daran werden verzerrt. Und wo bleibt die Stimme der Vernunft?
Sie wird wieder übertönt von dem Geschrei unserer hirnlosen Politiker,
nach maximaler und ultimativer militärischer Aufrüstung und Zerstörungswut.
Ich habe einmal eine irische. Geschichte gelesen, soweit ich mich erinnere. Darin streiten sich zwei Physiker, welche Verantwortung den Wissenschaftler am Einsatz der A-Bombe angelastet werden darf, angesichts einer verantwortungslosen Politik.
Am Ende der Diskussion geht einer der beiden hin und drückt dem geistig behinderten Kind des anderen einen geladenen Revolver in die Hand und erzählt dem Vater beim Weggehen, mit was sein Sohn da gerade so herumspielt.
Das ist die Situation, die entsteht, wenn man völlig geistig derangierten Politikern das entsprechende Spielzeug in die Hand gibt.
Da hat nicht die „Wehrmacht“ gekämpft, sondern das kaiserliche Heer!
Der Begriff „Wehrmacht“ wurde erst unter Hitler geschaffen.
Das kaiserliche Heer war ein Bundesheer,
dessen Korps und Divisionen von den Bundesstaaten gebildet und danach bezeichnet wurden.
Die Wehrmacht war die „Deutsche Wehrmacht „, die von der Gesamtnation gebildet wurde und deren Infanteriedivisionen zwar in den Wehrkreisen aufgestellt und mit Ersatz versorgt wurden, jedoch nicht ausschließlich Landsmannschaftlich.
Die Anzahl der beteiligten deutschen Divisionen ist zu hoch, den Angriff begannen 5, später 6 Korps a 2 Divisionen, die später um 2 weitere Korps verstärkt wurden, also keine 20.
Verluste wurden durch Auffüllen mit Personalersatz ausgeglichen.
Die Franzosen hatten ein anderes System, die „noria“, nach einem Schöpfrad benannt, jede Division blieb 8-10 Tage in der Stellung und wurde durch neue ersetzt.
Das führte dazu, dass ungefähr 2/3 des französischen Heeres in Verdun zum Einsatz kam.
Daher ist die Erinnerungskultur zur Verdunschlacht in Frankreich ausgeprägter als in Deutschland.
Verdun ist eine rein französische Schlacht, die Erinnerungskultur Englands eher die Somme- und die Flandernschlacht 1917.
Die Deutschen haben in allen diesen Schlachten einen exorbitanten Blutzoll erlitten.
Was Verdun ausmacht, ist, das es sich um die erste Materialschlacht handelt, in der der Mensch als reines Verbrauchsgut gehandelt wurde, wie Munition und andere benötigte Materialien.
Addition und Subtraktion, eben auch gedanklich. Der Mensch als denkendes und fühlendes Wesen spielte keine Rolle,
sondern nur noch als Strich in einer Bilanz, als Mengenverbrauchsgut!
Dort wurde der Begriff „Menschenmaterial“ geprägt, für mich DAS Unwort des 20. Jahrhunderts.
Deswegen wird Verdun auch als die Urschlacht des 20. Jahrhunderts bezeichnet.
In Verdun zeigte der industrialisierte Krieg seine Hässlichkeit, dort nahm er die Maske ab.
Natürlich mahnt Verdun zum Frieden, aber das tun andere Kriege, alle Kriege ebenso.
Aber im industrialisierten Krieg spielt Tapferkeit keine Rolle, Individualität keine Rolle, dort gibt es keine Helden, nur den Menschen als Objekt der Vernichtung.
Daher sind auch die ganzen Heldenepen, die Hollywood produziert, die sich mit Krieg beschäftigen zutiefst verlogen. Das dient alles, auch die sog. „Antikriegsfilme“, in denen eine Hauptfigur den Helden spielt, oder das an einer Person festgemachte Leiden, einer falschen Individualisierung, die gibt es nämlich im industrialisierten Krieg nicht, kann es nicht geben und schon gar nicht in Zeiten der Massenvernichtungsmittel.
Die Schaffung von Menschenmarmelade,
wie Tucholsky sich mal ausdrückte, ist das Ergebnis.
Wie beim Schach die Figuren abgetauscht werden, wird im industrialisierten Krieg der Mensch gegeneinander abgetauscht, wer dem anderen am Ende mehr Menschen umgebracht hat, ist der Sieger.
Diese Denke hat in Verdun begonnen und sich bis heute gehalten.
Diese Denke ist im Pentagon existent, wo über die Führbarkeit von Atomkriegen nachgedacht wird, wer am Ende mehr Sprengköpfe hat, der hat gewonnen.
Die Brutalität des Denkens der EU-Führung und der Bundesregierung, den Ukrainekrieg zu provozieren und ihn so lange als möglich weiter zu führen, hat ihre Wurzel in Verdun.
Diese Schlacht hat alles verändert, das Denken, das Handeln und die Sicht auf den Menschen.
Verdun ist daher nicht einfach nur eine Mahnung, Verdun ist die Wurzel den modernen, industrialisierten Krieg betreffend.
Das haben die Autoren m.E. versäumt herauszuarbeiten, die oben angesprochenen Ungenauigkeiten sind nicht so wesentlich.
Bevor jemand fragt, neben verschiedenen Gesamtdarstellungen des ersten Weltkriegs, wie die von J.P. Cartier, Hew Strachan, Adam Hochschild oder Jörg Friedrich, berufe ich mich bei meinen Darlegungen v.a. auf Olaf Jessen „Verdun“ und Paul Jankowski „Verdun, die Jahrhundertschlacht“, also nix Wiki!
Ich google nämlich nicht, sondern lese Bücher und das gründlich!
Nur falls jemand was zu meckern hat.
In meiner Familie sind zwei Angehörige bei Verdun gefallen, mein Urgroßvater und ein Grossonkel, daher mein Interesse!
P.S.:
Die Gesamtdarstellung von Herfried Münkler ist Mist, nur so nebenbei!
Ja, danke. Münkler ist ein revisionistisches Arschloch. Übrigens hiess die Truppe 1871-1918 „Deutsches Heer“, dann „Reichswehr“, „Wehrmacht“, „Bundeswehr“ (in Erinnerung der Mörder von Rosa Luxemburg und Karl Liebknech und vieler anderer).
Btw. mein einer Grossvater ist bei Douaumont verreckt.
Naja, auch die unzähligen Schlachten „vor Verdun“ waren nicht „edel und ritterlich“. Da trügen die heldenhaften Überlieferungen und literarischen und filmischen Adaptionen, die im kollektiven Gedächtnis herumgeistern. Im Endeffekt spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob der einfache Landsknecht mit einer Pike durchbohrt, mit einem Degen enthauptet oder der einfache Feldgraue durch eine Granate zerfetzt wurde. Tot ist tot. Aber klar, der industrialisierte Krieg hat das Morden und Metzeln „perfektioniert“ und weitgehend entindividualisiert.
Fein..hat mich gefreut zu lesen 👍
Deutsch-Französische Aussöhnung, ist das nicht mehr ein von der Politik verordnetes Zweckbündnis gegen Rußland? Wie die Geschichte lehrt, hat so etwas, was durch das Wort „Aussöhnung“ suggeriert werden soll noch nie lange gehalten, das Dauerhaft waren doch eher wechselnde Allianzen.
Die Aussöhnung zu Frankreich hat m.E. schon die Mentalität geändert, bei den Nazis galten die Franzosen noch als „der Erbfeind“, sowas hört man heute nicht mehr, die Deutschen sind sogar ausgesprochen frankophil, die Franzosen m.E. etwas reservierter gegenüber Deutschland. Es stimmt eben doch nicht, dass Länder nur Interessen haben…