
Warum handeln Menschen oft gegen ihre eigenen Interessen? Ein Blick auf politische Wahrnehmung, gesellschaftliche Zusammenhänge und die Frage, warum systemisches Denken heute wichtiger denn je ist.
Mit Kopfschütteln wird oft quittiert, dass die AfD so großen Zuspruch bei Arbeiterinnen und Arbeiter, generell bei „kleinen Leuten“ findet. Wie können sie eine Partei favorisieren und wählen, die am wenigsten ihre sozialen Interessen vertreten will, sagt man. Neben der Frage des politischen Urteilsvermögens ist die Frage, welchen Zugang zu Politik Normalbürger haben. Wer auf mehr Widerstand gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft und gegen die Zerstörung unserer Umwelt hofft, stößt auf ein spezielles Defizit: die Schwierigkeit, in Systemzusammenhängen zu denken.
Feindbilder werden in einer Welt permanenter Konkurrenz schnell übernommen
Beim „Tagesgespräch“ im Bayerischen Rundfunk, einem regelmäßigen Angebot an die Hörerinnen und Hörer, sich an der Diskussion über ein vorgeschlagenes Thema zu beteiligen – es ging es um die Frage „generelles Tempolimit oder nicht“? – meinte ein Hörer, der für ein generelles Tempolimit auf Landstraßen, aber gegen eines auf Autobahnen war: „Warum sollte ich bei klarem Wetter und ruhiger Autobahn nicht auch mit 180 Kilometer pro Stunde fahren können?“ Manche appellierten an die eigene Verantwortung, andere meinten, es sei doch meist ohnehin kaum noch möglich, schneller als 120 zu fahren – ein öfter zu hörendes Argument. Eine Hörerin verglich immerhin das Fahren auf deutschen und ausländischen Autobahnen und führte ins Feld, dass sie das Fahren dort viel stressfreier erlebe. Eine Hörerin aber argumentierte, dass man mit einem Tempolimit nicht nur Sprit spare und die Emissionen reduziere. Vor allem sei damit eher ein störungsfreier Verkehr zu gewährleisten. Sie fasste als einzige den Straßenverkehr als System ins Auge.
Ein anderes Beispiel: Zwei Friedensaktivisten luden in der Kreisstadt per Zeitungsanzeige zu einer Diskussionsrunde ein, mit der sie die Gelegenheit bieten wollten, der Toleranz verpflichtet unbefangen Differenzen auszutragen. Als Streitfrage formulierten sie „Frieden schaffen mit oder ohne Waffen?“. Dies fand ziemlich großen Zuspruch. Jeder reihum war aufgefordert oder eingeladen, sich zu äußern, was fast alle taten. Die meisten sprachen darüber, wie man das Leben friedlicher gestalten könnte, fanden Dialogbereitschaft wichtig, bedauerten die Schwierigkeit, überhaupt noch über heiße Themen sprechen zu können, und formulierten entsprechende Appelle. Mindestens ein Teilnehmer verwies auch auf die Bedeutung der richtigen Kindererziehung. Ein anderer erinnerte sich an eine ethnologische Studie über Stammeskonflikte. Ein sehr kritischer Beobachter hätte sagen können: Thema verfehlt. In einen politischen Kontext stellten von den zwanzig bis dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur drei bis vier die gestellte Frage. Vielleicht lag es auch an der vorgegebenen Fragestellung. Jedenfalls wurden strukturelle Aspekte, die die Verfasstheit kapitalistischer Staaten und das internationale System betreffen, selbst in den wenigen politischen Statements nur indirekt angesprochen. Jemand wies zum Beispiel auf die Rohstoffinteressen von Staaten hin, ein anderer auf Misstrauen zwischen Staaten, einer übte Kritik an Überrüstung, ein anderer warf der Regierung Manipulation vor.
Offen blieb die Frage, woher der Rohstoffhunger und damit die Konkurrenz zwischen Staaten oder Bündnissystemen? Man hätte auf die große Rolle von Öl und Erdgas in militärischen Konflikten verweisen können. Dann wäre man vielleicht darauf gekommen, dass fossile Brennstoffe bislang das Treibmittel unseres Wirtschaftssystems sind. Niemand ging auf die Rivalität zwischen der schwächelnden Weltmacht USA und der aufstrebenden Weltmacht China ein, obwohl sie sich permanent der Berichterstattung entnehmen lässt und die Militarisierung hierzulande plausibel macht. Die dafür nötigen Feindbilder werden in einer Welt permanenter Konkurrenz schnell übernommen, was mit dem Begriff „Manipulation“ nicht getroffen wird.
Hysterie um Timmy
Wenn selbst „Friedensbewegte“ oft eine naive Vorstellung von Friedenssicherung haben, kann die Friedensbewegung keine große Stärke entwickeln. Vermutlich bekommt sie zu spüren, dass es keine politischen Gruppierungen mehr gibt, die wie früher ihren Mitgliedern politische Schulungen anbieten. Man muss das internationale System nicht unbedingt marxistisch interpretieren als von Kapitalinteressen beherrscht. Aber dass sich in internationalen Beziehungen Mechanismen ausmachen lassen, die von Interessen, Machtstrukturen und Rivalitäten bedingt sind, das zu wissen, muss man nicht Politikwissenschaft studiert haben. Auch die „realistischen“ Richtungen der Politikwissenschaft könnten einen zum Beispiel darüber belehren.
Ein drittes Beispiel: Über einen Monat lang beschäftigte das Schicksal eines Buckelwals, der erschöpft auf einer Sandbank gelandet war und sich nicht befreien konnte, die Medien, die Öffentlichkeit und selbst die Politik. Alles Denkbare wurde zu seiner Rettung unternommen. Die verantwortliche Landesbehörde geriet unter Rechtfertigungszwang. Auch der Bundespräsident wolle sich über die Situation informieren, wurde erklärt. Bilder von einer Protestveranstaltung zeigten aufgebrachte, höchst besorgte Menschen. Das Internet ist noch immer voller Nachrichten und Kommentare über den Buckelwal Timmy.
Die teilweise an Hysterie grenzenden Reaktionen auf die Hilflosigkeit des Wals und auf gescheiterte Rettungsversuche bedürfte wahrscheinlich einer tiefenpsychologischen Analyse. Die umfassende Umweltzerstörung, die man nicht ganz verdrängen kann, weil die Warnzeichen zu deutlich sind, wird als Bedrohung empfunden. Aber anstatt das, was man darüber hört und liest, rational zu verarbeiten und daraus politische Schlussfolgerungen zu ziehen, fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf bedrohte Individuen. Tiere werden dabei vermenschlicht. Man identifiziert sich mit ihnen häufig, so der Eindruck. So wollten viele, die sich um Timmy sorgten, gar nicht hören, dass Organisationen wie Greenpeace oder WDC, eine Schutzorganisation für Wale und Delfine, dem Wal keine Überlebenschance einräumten. Er musste einfach überleben. Dass in den ausgeplünderten Meeren ständig Wale umkommen, wollte niemand wissen.
Kein Denken in Systemzusammenhängen
Dass der Wal vermutlich Opfer eines beschädigten oder überlasteten Ökosystems wurde, hatten nur die Naturschutzorganisationen und Fachleute auf dem Schirm. „Die laute und schadstoffbelastete Ostsee stresst die Meeressäuger“, so zum Beispiel eine Expertin des NABU Schleswig-Holstein.[1] Die Ostsee ist überfischt, überdüngt und voll Mikroplastik. Der Wal hatte einiges an Plastik im Bauch. Der dichte Schiffsverkehr beeinträchtigt zudem die Orientierung der Wale, die sich über Schallwellen orientieren.
Bilanz: Es fehlt weithin das Denken in Systemzusammenhängen. Vermutlich können auch Menschen, die ganz allgemein die Kriegsgefahr beunruhigt oder die das Schicksal eines Wals umtreibt, schrittweise einen Zugang zu solchen Zusammenhängen finden, sobald sie innerhalb einer Initiative mit anderen zusammen die Probleme erörtern. Bereits politisch Engagierte dringen in der Regel tiefer ein, sobald sie auf nicht geahnte Widerstände stoßen und länger am Kampf beteiligt sind. Im Übrigen können wir nur auf Bildung setzen. „Thinking in system terms“ war zum Beispiel für Robert Hanvey, in den 1970er-Jahren in den USA ein starker Befürworter von Global Education, ein zentrales Lernziel.[2] Nur so könnten zum Beispiel die vielfältigen Auswirkungen der Einführung einer neuen, bisher fremden Technologie in ein traditionelles Wirtschaftssystem verstanden werden. Nur so könnten technizistische Lösungen etwa beim Versuch, die Geburtenrate in einem Land zu senken, vermieden werden. Ein Beispiel für technizistische Lösungen wären auch Impfkampagnen, die das Gesundheitssystem als Ganzes nicht im Blick haben. Seine Ausführungen legen nahe, dass Global Education als pädagogisches Begleitprogramm für die unter John F. Kennedy gegründete Agency for International Development (USAID) gedacht war, eine Agentur für die Soft Power der USA. Aber ungeachtet dessen, ist Hanveys Gedanke richtig.
Dem US-Präsidenten hätte solche Global Education gut getan. Trump ist das thinking in system terms fremd. Sonst hätte er nicht aktuell auf seiner Plattform forsch verkündet, er werde jetzt den Krieg im Libanon endgültig beilegen, wie er alle globalen Konflikte gern per Machtwort für beendet erklärt.
[1] https://schleswig-holstein.nabu.de/wir-ueber-uns/organisation/landesstellen/schweinswalschutz/34800.html
[2] Robert G. Hanvey: An Attainable Global Perspective. New York: The American Forum for Global Education 1976/2004.
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Die Kleinen Leute wählen AfD weil sie wissen, woher diese das Geld nehmen will, das sie benötigen, nämlich durch Einstellung der Unterstützung des Ukrainekriegs, durch preiswerte Energielieferung infolge einer guten Beziehung zu Russland, durch Beschränkung der Migration auf das Notwendige, durch Beendung der Förderung von Antifa und NGOs, durch Kündigung des Kirchenkonkordats, durch Einstellung von Subventionen für „klimaneutrale“ Energien u. a. Außerdem hat auch die AfD eine Sozialprogramm. Ferner sollen die Menschen durch direkte Demokratie mehr Rechte bekommen.
„Die Kleinen Leute wählen AfD weil sie wissen, woher diese das Geld nehmen will, das sie benötigen, nämlich durch Einstellung der Unterstützung des Ukrainekriegs, …“
Die AfD stimmt aber der Kriegsertüchtigung zu, sie stimmt zu, 5% des BIP, also fast die Hälfte des Bundeshaushaltes für Rüstung auszugeben. Woher soll da was für Soziales kommen? Wo ist denn das Sozialprogramm der AfD? Das wird doch gerade schon durch die derzeitige Regierung verwirklicht. Nach der nächsten BT-Wahl können dann BlackRock und Goldmann-Sachs zusammen das Land endgültig an die Wand fahren. Sie werden prächtig verdienen an dieser Leichenfledderei.
Systemisches denken heißt denken in Zusammenhängen. Dazu ist es notwendig, sich umfassend zu informieren, die gesammelten Informationen logisch zu verknüpfen und die sich daraus ergebenden Schlüsse auch zur Kenntnis zu nehmen. Deine Schlagworte sind das beste Beispiel für das Gegenteil.
Ziemlich anmaßend, Ihr Kommentar, finde ich. Torwächter schreibt: „nämlich durch Einstellung der Unterstützung des Ukrainekriegs, durch preiswerte Energielieferung infolge einer guten Beziehung zu Russland“. Wenn die AFD nichts anderes umsetzt als diesen Punkt, hätten alle kleine und mittleren, sogar die etwas größeren Leute etwas davon.
Kaum kommt jemand um die Ecke, der die AFD gegen die Blockparteien stellt, steht einer auf uns erzählt, warum sie keine Alternative sei.
Brandmauern, Existenzvernichtung, AntiFAs Einsätze auf ihre Kandidaten, das spricht eine ganz andere Sprache.
Was wir brauchen ist eine Zusammengehen Aller gegen diesen Krieg, ganz gleich aus welcher Partei und keine Spalter. Wie heisst es? El pueblo unido jamás será vencido.
„Kaum kommt jemand um die Ecke, der die AFD gegen die Blockparteien stellt, steht einer auf uns erzählt, warum sie keine Alternative sei. …“
Dann erkläre uns doch einfach mal, warum sie, die AfD, ein Alternative sein soll. Ich behaupte, die angebliche Brandmauer und das Gerede vom Verbieten sind nichts als geschickte Propaganda für den Honeypot des Kapitals. Du darfst mich gerne wieder als anmaßend bezeichnen, aber unzufriedene, aber wenig informierte Mitbürger sollen die wählen. Wo sind deine Gegenargumente gegen meine Aussagen? Spalter sind genau diejenigen, die nicht auf Argumente eingehen und so einen fundierten Diskurs verhindern, nicht diejenigen, die Argumente liefern. Diese könnte man ja widerlegen, wenn man dann Gegenargumente hätte.
Nochmal, klipp und klar formuliert, kannst du gerne widerlegen: Innen- und sozialpolitisch wird die AfD genau so handeln wie die CxU, von der sie ja abstammt, eher noch schlimmer. Die paar, vor allem außenpolitischen Ansätze, die sie plakativ vor sich herträgt, machen den Kohl nicht fett.
„Die paar außenpolitischen Ansätze…“
Diese paar, wenn sie denn umgesetzt würden, reichen mir vollkommen aus- genau das hatte ich geschrieben und mit Ihrem Aufplustern können sie das nicht wegpusten, so viel Luft haben Sie nicht.
Ich schrieb: Wenn die AFD nichts anderes umsetzt als diesen Punkt, hätten alle kleine und mittleren, sogar die etwas größeren Leute etwas davon. Nämlich keinen Krieg – für Sie eine Petitesse – aber nicht für mich.
@Routard
Wenn nur das Wörtchen WENN nicht wäre.
Die AFD kommt aus dem gleichen Stall wie CDU/CSU mit rechtsextremen Elementen.
Die jammern förmlich danach mit der CDU/CSU eine Koalition zwecks Machtergreifung eingehen zu wollen.
Glauben Sie wirklich die könnten / würden zusammen mit der CDU/CSU die Außenpolitik um 180 Grad drehen?
Diese Behauptung über die 5% Militärausgaben ist nicht wahr. Chrupalla kritisiert Aufrüstung, Sondervermögen und Auslandseinsätze.
Lucassen hat sein Amt aufgegeben. Dass Weidel von 5% gesprochen hat, wird bestritten. Ich habe im TV eine Diskussion verfolgt, in der sie sagte, realistisch seien allenfalls 3,5%. Als Parteivorsitzende hat sie es manchmal schwer mit eindeutigen Aussagen, wenn es verschiedene Meinungen gibt.
Selbst wenn die 5% wahr wären, wie sie von den Altparteien gefordert werden, würden die von mir genannten Sparvorhaben bestehen bleiben.
Leider äußerte Weidel genau diese 5% sehr nachdrücklich bei einem Gespräch mit Wagenknecht ist wohl ihre Option einer nationalen Verteidigungsstrategie). Dort fiel auch der Satz, dass Hitler ein Kommunist gewesen sei. Seither kann ich sie nicht mehr wirklich ernst nehmen – bei Chrupalla ist das deutlich anders. Hoffen wir, dass dies nicht der Ansatz zur Spaltung ist.
@Torwächter
Denken Sie daran wie schnell die Grünen ihren Kurs geändert haben.
Glauben Sie wirklich bei der AFD wäre das anders?
Glauben Sie immer noch an Wahlversprechen?
Die AfD strebt ein Rentenniveau von rund 70 % an. Den Rest des Sozialprogramms will ich dem Leser ersparen, da es in diesem Artikel darum nicht geht.
@Torwächter
Von der angeblichen 70%-Rente werden Sie nichts mehr haben und ich auch nicht.
Sie glauben auch jeden Humbug den die AFD den Leuten vortütert.
Außerdem hat die AFD selbst bereits eingeschränkend gesagt dass es Jahrzehnte dauern würde bis jemals ein Rentner die 70%-Rente bekommen könnte.
Wissen Sie was in Jahrzehnten ist oder ob es die AFD in Jahrzehnten noch gibt oder ob Deutschland in Jahrzehnten noch existiert???
und deshalb soll man Parteien wählen, die die rente abschaffen wollen? SPD, Grüne, CDU und die FDP tun alles um das Geld in die Finanzindustrie umzulenkken. Da wird, wie Merz schon sagte, nur noch eine Grundsicherung übrig bleiben. Die leichte Gegenwehr , der Hauptzerstörer SPD, ist nicht glaubhaft. Da würde ich eher die Hoffnung wählen, die bessere wäre die BSW, hat aber aktuell kaum Chancen.
Eine kurze Analyse der AFD Agenda zeigt, dass diese genau wie die Blockparteien eben nicht systemisch denken.
Es ist genau so unausgegorenes Gemenge, wo man oft für Sachen ist, nur weil der Gegner dagegen ist, ohne Sinn und Verstand.
Dabei machen sie auch so manches durchaus richtig und gut, aber oft entsteht der Eindruck eher durch Zufall oder aus einer Einzelfallbetrachtung heraus, nicht aus systemischer Überlegung heraus.
An sich sehe ich, mal einige der „Sonstigen“ bei Seit gelassen, nur beim BSW das Bestreben systemisch zu denken und zu handeln und die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
Es gab da ein Ereignis, dass dem Kapital eine ewige Lehre und Mahnung ist. Nämlich, als man Lenin mit Geld ausgestattet nach Russland schickte, um Russland per inneren Unruhen aus dem 1. WK ausscheiden zu lassen. Dieser nutzte die Gelegenheit, um eine sozialistische Revolution zu organisieren und auch noch zu gewinnen. Was kaum einer weiß. Er hat das Geld hinterher zurückgezahlt. Kommunisten sind eben ehrlich. Danach wusste das Kapital, dass der Sozialismus und alle sozialistischen Ideen schlimmer sind, als für den Teufel das Weihwasser. Deshalb hat es nach dem 2. WK seine Hausaufgaben gemacht und die abhöngig Beschäftigten von jeglichem Klassenbewusstsein und kritischem Denken befreit.
Naja, so viel zum Thema Tempolimit und dem Vergleich zwischen dem Verkehrsfluss im Ausland und dem unsrigen:
ich fuhr ein paar Tage quer durch die Niederlande, Österreich, Italien.
So gut wie kaum Staus (außer an der Maut-Stelle der Brenner-Autobahn, wenn man zum falschen Zeitpunkt dort ankommt). Überall herrscht Tempolimit – soweit richtig. Der kausale Zusammenhang besteht allerdings nicht, wie manche offenbar meinen zu wissen. Der Grund für den extrem miserablen Verkehrsfluss auf deutschen Autobahnen ist zum einen die extrem hohe Dichte an LKW, zum anderen die extrem hohe Dichte an (Langzeit)Baustellen und aus beidem als Resultat die häufigen Unfälle. Hat nichts mit fehlendem Tempolimit zu tun.
Zum Thema Rohstoffhunger und daraus resultierenden Kriegen: klar hängt die Weltwirtschaft vor allem noch an fossilen Rohstoffen, vor allem im Bereich Kunststoffe, Pharma/ Chemie, Düngemittel, Baustoffe, Treibstoffe.
Aber: unsere Kriegstreiber, oder zumindest einer von ihnen hat doch erst kürzlich zugegeben, um was es im Krieg gegen Russland in der Ukraine eigentlich geht – um Rohstoffe! Genau. Und zwar nicht um fossile, sondern um die, die unsere sogenannte „Energiewende“ möglich machen sollen. Also wird der Krieg in der Ukraine vor allem wegen seltenen Erden und Lithium geführt.
@Hermes335:
Das ist mir zu eindimensional. Natürlich sind LKW-Dichte, Dauerbaustellen und Unfälle ein großes Problem auf deutschen Autobahnen. Aber das fehlende Tempolimit verschärft genau diese Probleme zusätzlich.
Verkehrsfluss entsteht nicht dadurch, dass einzelne möglichst schnell fahren können, sondern dadurch, dass möglichst viele Fahrzeuge mit möglichst geringen Geschwindigkeitsunterschieden unterwegs sind. Genau daran scheitert es in Deutschland oft: rechts LKW mit 85–90 km/h, daneben Autos mit 120–140 km/h, und von hinten kommt jemand mit 180 oder 220 km/h angeschossen. Das erzeugt Bremswellen, Spurwechselstress, riskante Situationen und am Ende genau jene Staus und Unfälle, über die man sich dann wundert.
Ein Tempolimit würde Baustellen und LKW nicht wegzaubern, aber es würde die Geschwindigkeitsdifferenzen reduzieren und damit den Verkehrsfluss stabilisieren. Zu behaupten, das habe „nichts“ mit dem fehlenden Tempolimit zu tun, ist daher ziemlich gewagt. Es ist nicht die einzige Ursache, aber ein deutlich negativer Faktor.
Prinzipiell habe ich nichts gegen ein Tempolimit, von mir aus 130 auf Autobahnen, wäre völlig ok.
Aber:
dann gefälligst auch durch die Politik und Investitionen in die Infrastruktur dafür sorgen, dass der Verkehrsfluss wieder hergestellt wird! Die Dauerbaustellen sind eine deutsche Misere. Sie entstehen durch idiotische Auschreibungsrichtlinien und dass billig geizig geil ist. Ob nun die Verkehrsteilnehmer deswegen 2 Jahre länger genervt und behindert werden, als wenn man effizient statt billig gewählt hätte, interessiert den Bürokraten nicht. Wenn man 100e von Milliarden im korrupten Kiew ohne mit der Wimper zu zucken versenken kann, dann kann das Problem möglichst billiger Baustellen nicht fehlendes Geld sein.
Der nächste Punkt ist dann das rücksichtslose Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf den Autobahnen:
LKW, die mindestens 2 von 3 Spuren blockieren, weil einer mit einer Diff-V von 3 km/h meint, er müsse 10km lang 2 andere überholen. Dann die 100km/h- Mittelspurschleicher mit PKW, wo die rechte Spur kilometerweit frei ist….
Dann die, die nie in den Rückspiegel sehen, bevor sie auf eine Spur weiter links wechseln und somit den nachfolgenden Verkehr zu Notbremsungen nötigen.
Und nicht zu vergessen – LKW, meist auf dem östlichen Europa, die ständig irgendwelche Defekte erleiden und dann auf der Standspur stehend ebenfalls Staus auslösen….
Es gibt natürlich auch Unfälle, die durch hirnlose Raserei auf entstehen, aber die weit überwiegende Zahl entsteht durch Unaufmerksamkeit.
Das mit den defekten LKW aus östlichen Ländern iat ein Vorurteil. Das Du mehr defekte LKW aus Ostländern siehst, hängt schlicht damit zusammen, das inzwischen die meisten LKW aus Osteuropa kommen. Und diese sind genauso modern und neu wie die einheimeischen. Außerdem gehen LKW heute häufiger kaputt, der Grund ist vor allem die, das LKW.s heute, auf Grund EU- Vorschriften dermaßen mit elektronik vollgeszopft sind, das die Chance, das was nicht mehr funktioniert ungleich höher ist als früher, und von den Fahreren nicht mehr selbst behoben werden kann.
Von jemandem, der einer satten, evtl. übergroßen Mehrheit seiner Mitmenschen attestiert, sie seien „außerstande systemisch zu denken“, und folglich mindestens eine systemische Hälfte seiner Leser in das Urteil eingeschlossen sein sollte, von so jemandem darf man wohl erwarten, daß er der möglicherweise ehrfürchtig lauschenden Leserschaft eine für seine Zwecke zumindest hinreichende – also unzureichende – Erklärung abgibt, was er unter „systemischem Denken“ zu verstehen beliebt, vere?
Wenn das ausbleibt, kann der Leser wissen, worum es sich bei dem Schriftstück handelt:
Es ist ein Brief, den ein „Intellektueller“, der sich einiges darauf einbildet, einer zu sein, an vermeintliche „Peers“ schreibt, und das Thema ist Herrschaftswissen. Nein, nein! Nicht etwa, was das sei, weit gefehlt, Auernheimer will seinesgleichen bloß an eine Verantwortung mahnen, die sie seiner Auffassung nach wahr zu nehmen hätten. Wegen The Donald, Siewissenschon, und „AFD“, natürlich, sowas „kann weg“ – nach Ansicht solcher Intellektueller …
Ich will wenigstens noch hinzu gefügt haben:
Sollte Professor Auernheimer je in seinem langen Leben „in der Produktion“ gearbeitet haben, hat er alle Kenntnisse, die er dabei erlangt hat, vergessen … oder aber er hat dabei nie eine Kenntnis erlangt, war ja vermutlich unter „seinem Niveau“ als ein angehender Kroßkopferter.
Denn eine zahm unkritische „Deutung“ des Begriffs „systemisch denken“ kann man ja wohl bitte mit „eigenständig mittelbare Zusammenhänge herstellen und wägen“ umschreiben.
Das muß jeder Betriebsschlosser und Betriebselektriker, jeder Geselle eines Schrauberbetriebes, und um die Aufzählung ultrakurz zu halten: auch und wahrlich nicht zuletzt der Mensch, der nach dem Volkssprichwort „nichts wird“ bzw. geworden ist, und daher eine Wirtschaft führt, denkt in diesem Sinne „systemisch“.
Hoast mi.
An der tendenziellen Unfähigkeit, in Zusammenhängen zu denken, Strukturen wahrzunehmen, hat sich im Lauf der Geschichte der BRD wohl nicht viel verändert. Neu ist hingegen, dass das herrschende Wirtschaftssystem, der Neoliberalismus, den eignen gesellschaftlichen Status und insbesondere denjenigen der Nachkommen nicht mehr garantiert, eher unterminiert. Das Aufstiegsversprechen ist gebrochen, der Einstieg ins Berufsleben z. B. gestaltet sich immer schwieriger, der schliesslich gefundene Slot wird immer prekärer. Das, und die echte und gefühlte Gängelung, nährt latente Unzufriedenheit, noch verstärkt durch den Eindruck, das sauer verdiente eigne Geld verschwinde in der Ukraine, statt zur Linderung mannigfacher, z. B. infrastruktureller Probleme verwendet zu werden. Übermächtige, opake Konzerne, mit denen man zwangsweise zu tun hat, verdüstern mit teils kafkaesken Verhältnissen den Alltag, Ohnmachtsgefühle breiten sich aus. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Mancher nach einer politischen Alternative umsieht, in der eitlen Hoffnung, das Auswechseln des Personals werde die Probleme lösen, ohne am Rahmen etwas ändern zu müssen. Und da sich die Linke weitgehend abgemeldet hat, diejenigen, die sich als links bezeichnen entweder längst angepasst haben und die Mitte gewandert sind, oder sich einer Unzahl Minderheiten widmen, deren Interessen zu befördern seien, bleibt dafür eben nur rechts übrig, dass brandmauergehindert noch nicht beweisen konnte, dass sich auch unter ihnen nichts im angestrebten Sinn änderte. Trügerisch, aber nachvollziehbar.
Die meisten Menschen handeln nicht gegen ihre eigenen Interessen. Die meisten passen sich an und wollen das glauben, was die Mehrheit glaubt. Die meisten sind Mitläufer.
Mitläufer handeln nicht gegen ihre Interessen. Sondern sie wollen glauben, was man ihnen sagt. Sie handeln im Sinne ihrer Interessen, so wie es ihnen dieser ihr Glaube sagt.
Man kann sie auch nicht davon abhalten. Denn sie wollen das glauben, was die Mehrheit glaubt. Und sie wollen das glauben, was die Obrigkeit bestimmt. Denn sie sind Untertanen.
Deshalb denke ich auch, die einzige Chance für eine Veränderung trotz vollständig gleichgeschalteter Massenmedien liegt in den modRNA-Impfschäden. Es fällt den Mitläufern nämlich jeden Tag schwerer zu glauben. Ihr Glaube macht ihnen Herzprobleme. Er erzeugt ihnen Schlaganfälle. Sie bekommen Turbokrebs. Sie erleiden Nervenschäden. Sie bekommen Organschäden. Und nicht nur sie, auch Menschen in ihrer Familie, von ihren Freunden bekommen mehr und mehr solche Schäden.
So traurig das ist, es ist derzeit fast die einzige Hoffnung: die modRNA-“Impfungen” sind derart katastrophal, die “Long Covid”-Cover-up-Story hält der Realität immer weniger Stand.
Aber es besteht nun ein zeitlicher Wettlauf. Die Globalisten und EU-Freaks müssen den Sack mit der künstlichen Verarmung, der E-ID und dem programmierbaren Geld zugemacht kriegen, bevor das kippt. Oder sie müssen endlich den Dritten Weltkrieg gegen Russland gestartet kriegen. Eins von beiden. Deshalb arbeiten sie ja wie verrückt an beidem.
Wehe, wenn die Mitläufer nicht mehr wegschauen können. Da würde es völlig ausreichen, sie gehen nicht mehr wählen, dann fallen CDU und SPD auf 0 %. Die grüne Sekte jedoch reicht alleine nicht aus, und die Lücke kann die gekaufte Livestyle-Linke auch nicht füllen.
Sie haben das seltsam formuliert. Ich verstehe das so, dass die meisten Menschen objektiv gegen Ihre Interessen handeln, subjektiv aber meinen für ihre Interessen zuhandeln, weil sie wesentliche Dynamiken gar nicht verstehen oder durchschauen. Mehr noch, dank doch sehr erfolgreicher Manipulation, Werbung etc., gar nicht mehr erkennen, was ihnen wirklich fehlt, was ihnen gut tun, was objektiv ihre wirklichen Interessen währen und daher in dem Bestreben ihre objektiv vorhandene aber auch subjektiv empfunden schlechte Situation zu bessern, falschen Versprechungen und Angeboten hinterherlaufen.
Afd Bürgerdialog Halle Saale
Standpunktfrage bzgl. Ukraine-Stellvertreterkrieg und deutscher Staatsraison.
– Souveränität bekommt man nicht verliehen, man handelt und nimmt sich was einem gebührt.
https://t.me/FreiePresseHalle/106
Noch ein Hinweis
Ein guter Einstieg zum Thema systemisches Denken, objektive rationale Sicht auf die Welt ist das Werk von Frederic Vester, den ich noch selbst kennen lernen durfte. Was mich in jungen Jahren in Sachen Weltverständnis sehr beeindruckt hat.
Das Studium seiner Ideen, macht erschreckend deutlich, was S. Lem schon vor langer Zeit sagte. Die meisten Menschen in Führungspositionen trauen diese sich zu, weil sie entweder die Schwierigkeiten und Komplexität der Probleme gar nicht verstehen, oder weil es ihnen wegen Gewissenlosigkeit völlig egal ist, welche Folgen ihre gewöhnlich an niedersten Interessen orientierten Handlungen für das Gesamtsystem haben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Frederic_Vester
„eine Partei favorisieren und wählen, die am wenigsten ihre sozialen Interessen vertreten will, “
Soso. Und welche Partei würde denn GLAUBHAFT und NACHWEISLICH deren soziale Interessen mehr oder besser vertreten? cDU? sPD? gRÜNE? DIElINKE? ROFL!
Und wenn es denen vielleicht gar nicht um deren vom Autor imaginierten „sozialen Interessen“ geht?
Danke, das ist bei solchen Vorwürfen auch immer mein erster Gedanke. Die Menschen sind klug genug zu verstehen, wer ihnen in den letzten 30 Jahren viele soziale und gesellschaftliche Errungenschaften geraubt hat. Ob die AFD das anders macht, wissen sie nicht, da sie noch nie in einer Regierung war. Der Autor weiß es aber trotzdem, denn die heiligen Wahl versprechen und -Programme sind immer 1:1 die Wahrheit. Es ist erschütternd welche Naivität bei manchen Akademiker zu herrschen scheint.
Wow… die Menschen können also größtenteils nicht systemisch denken… dass da weit vorher schon was fehlt, fällt dem Autor aber nicht auf. Es ist wie in der Mathematik. Die Menschen verstehen nicht deswegen nichts von Prozenten, Funktionen oder Höherem, weil sie das nicht verstehen, sondern weil sie häufig schon die Grundrechenarten nicht beherrschen.
Stimmt doch gar nicht:
1) Wieso soll man besonders fix im Rechnen („Grundrechnungsarten beherrschen“) sein, um Funktionen verstehen zu können? (Btw: manche studierte Mathematiker kokettieren sogar damit, dass sie nicht gut im Kopfrechnen sind.)
2) Was sollen denn die „Vorstufen“ zu systemischem Denken sein? Als ob nicht jedem klar wäre, dass der Erfolg seiner Handlungen von den jeweiligen Umständen abhängt. Der Springpunkt ist doch, dass die (lt. Artikel) nicht „systemisch“ Denkenden ganz bestimmte Aspekte – zwar nicht bewusst, aber sehr wohl gezielt – aus der Betrachtung ausklammern.
Siehe auch meinen Beitrag hier im Forum.
Der Knackpunkt in dem Artikel steht schon ziemlich am Anfang:
“ Wer auf mehr Widerstand gegen die Militarisierung unserer Gesellschaft und gegen die Zerstörung unserer Umwelt hofft, stößt auf ein spezielles Defizit: die Schwierigkeit, in Systemzusammenhängen zu denken.“
* Erstens: Was der Autor unter „in Systemzusammenhängen denken“ versteht, legt er zwar nicht ausdrücklich dar, aber
aus den Beispielen, die er bringt, wird ersichtlich: Es geht darum, dass die Leute das, was sie erleben, nicht im Kontext der gesellschaftlichen Zusammenhänge, sondern nur auf der Ebene ihrer individuellen Handlungsentscheidungen
begreifen.
* Zweitens: Das sieht der Autor – verharmlosend – lediglich als ein Defizit.
Zu zweitens: Es ist wie mit der Dummheit ganz allgemein. Man kennt den – richtigen – Spruch:
„Der Mensch wird unwissend geboren, aber nicht dumm.“
Dummheit wird erworben, vor allem durch Erziehung und Schule. Dummheit ist kein Defizit, sondern eine Leistung eigener Art. Dummheit besteht darin, den Verstand stets so einzusetzen, dass er nicht in Gegensatz zum herrschenden Bewusstsein (also dem Bewusstsein der Herrschenden) gerät.
Wie geht das? Schließlich sind ja auch die brav-dummen Staatsbürger täglich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen
konfrontiert. Wie können sie sich über sie keine Gedanken machen? Dadurch, dass sie sie als naturgegeben und selbstverständlich hinnehmen und nur noch nach den Handlungsmöglichkeiten innerhalb ihrer machen. Sie betrachten die gesellschaftichen Verhältnisse als naturgegeben und daher nicht veränderbar. Das heißt aber, eine „Natur des Menschen“ zu postulieren, die den Grund für alle gesellschaftlichen Verhältnisse abgibt. Dass ist zirkulär:
—
Warum ist die Gesellschaft so? Wegen der Natur des Menschen! Und woher kennst due die Natur des Menschen? Schau dich doch um, wie die Gesellschaft ist!
—
Diese Zirkularität nicht wahrzunehmen, ist Resultat der Dummheit. Zugleich zeigt sich auch hier: Die Dummheit ist eine
geistige Leistung durchaus ausgeklügelter und anspruchsvoller Art: Das hat eine umfangreiche, sich auch wissenschaftlich gebende Literatur hervorgebracht, die sich mit der „Natur des Menschen“ befasst. Bücher zu diesem Thema finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten, auch wenn sie vielen Fällen wieder in Vergessenheit geraten und durch Neuerscheinungen auf dem gleichen Gebiet ersetzt werden.
BTW an die OT-Redaktion: zur Auflösung dieser Ideologien wäre zu wünschen, Artikel zum Thema „Natur des Menschen“ zu bringen.
Klingt nach selbstgefälligen geschwurbel. „Die Menschen handeln“ … wird zu irgendwelchen medialen Themen, bei denen der Autor eine gefestigte Meinung hat. Wer davon – von seiner Meinung – abweicht, handelt unvernünftig. Was soll dieser Beitrag bringen?