Streitfall Nationalerziehung: „Regenbogenimperium“

Mann hisst Regenbogenflagge
Governor Tom Wolf from Harrisburg, PA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Der Kulturkampf zwischen der AfD und dem Establishment um den zeitgemäßen Patriotismus erstreckt sich auch auf die zugehörige Sittlichkeit.

Zweiter Teil. Den ersten Teil finden Sie hier.

Der offizielle ‚Antifaschismus‘, der im ersten Teil charakterisiert wurde, begleitet auch eine bundesdeutsche Staatsräson, die machtpolitischen und kriegerischen Alleingängen nach zwei erfolglosen Anläufen dazu definitiv abgeschworen hat. Die Befolgung von Regeln der Welthandelsorganisation, die politökonomische Einordnung in die EU, die militärische in die NATO oder die diplomatische in die UNO haben sich als die bessere Alternative für die deutsche Machtprojektion erwiesen – freilich um den Preis von Abstrichen bei der staatlichen Souveränität. Das Bekenntnis zu den Menschenrechten und die damit eingegangenen Verpflichtungen haben in dieser bundesdeutschen Räson ebenfalls ihren Platz, was einem kleinen Anteil der weltweiten Opfer von Geschäft und Gewalt zum Recht auf Schutz und Asyl verholfen hat. (Dass solche Rechte staatlichen Berechnungen unterliegen und ihre Haken und Konjunkturen haben, sollte an den Armuts- und Elendsmigranten deutlich werden, für die die ‚Willkommenskultur‘ inzwischen ‚gecancelt‘ ist.)

An der souveränen Selbstbeschränkung, die die etablierte Politik eingeht, und ihren Widersprüchen, die auch sie kennt, macht sich die AfD zu schaffen, wenn sie den „Vorschriften von Brüsseler EU, Ukraine, UN-Migrationspakt oder Pariser Klimakonferenz“ (s.o.) die „eigenen Interessen“ entgegensetzt. Wenn die Partei in diesem Kontext manchmal verdächtigt wird, dem ‚Führer‘ nachzutrauern, so liegt der Verdacht daneben – das Dritte Reich gilt ihr als „Vogelschiss“ und „Schande“. Aber die bundesdeutsche Vergangenheitsbewältigung nimmt sie wahr als einen „Schuldkult“, der nicht nur den Stolz auf die Nation behindert, sondern mit ihm auch das Staatshandeln, das für den nationalen Erfolg notwendig wäre: ungeteilte Hoheit über Wirtschaft und Geld, Außenbeziehungen, Zuwanderung, Energieverbrauch etc. Und dieses Deutschlandbild will die Bildungspolitik der AfD eben auch im Patriotismus des Jungvolks verankern. Falls sie als Regierungspartei in Länderhoheit die ‚Brandmauer‘ der KMK einreißen kann. (Mit dem allgemeinen politischen Kontext dieses Begriffs befassen sich dieser Text und dieser Podcast.)

„Regenbogenimperium“

Auch im weiteren Umkreis von Unterrichtsthemen wie „Kolonialismus, Rassismus und andere Diskriminierungsformen“, die die KMK als „demokratiebildend“ behandelt sehen will, hat das AfD-Programm eine eigene Lesart anzubieten. Dem schon zitierten Dr. phil. Tillschneider zufolge werde die Partei dafür sorgen, „dass die Schulen unsere Kinder zu mündigen, mutigen, klugen, selbstbewussten und freigeistigen Bürgern heranbilden“ und nicht zu „gehirngewaschenen und kompetenzlosen, feigen Gesinnungssoldaten des Regenbogenimperiums“. Die Wortwahl ist zwar so pompös wie nebulös, lässt aber vermuten, dass der regierende Kanzler als ‚Regenbogenimperator‘ mindestens mitgemeint ist. Derselbe Merz also, der den Bundestag durch eine Beflaggung mit den Spektralfarben zum Zirkuszelt herabgewürdigt sieht und die Regenbogenfahne nur dann leiden mag, wenn sie als ‚Freiheitssymbol gegen den Islamismus‘ zu gebrauchen ist. Das gilt in diesem Fall sogar für die AfD, die ansonsten aber weiß, dass sie über die vaterlandsvergessene Vergangenheitsbewältigung hinaus noch weitere Gegner anzugehen hat. Dazu wieder das Wahlprogramm: „Abgesehen davon, dass es echten Rassismus kaum noch gibt […, wird] unter dem Deckmantel, Rassismus bekämpfen zu wollen, gegen legitime rechte und patriotische Einstellungen vorgegangen. Schüler werden unter Druck gesetzt, sich der Vorherrschaft linker Ideen zu beugen.“ „Die Geisteswissenschaften stecken bis zum Hals in einem Sumpf aus Genderismus, Postkolonialismus und sonstiger poststrukturalistischer Phrasendrescherei.“ „Es handelt sich beim Postkolonialismus um ein Programm zur Zerstörung der europäischen Identität.“ „Politische Korrektheit, Cancel Culture, Wokeness und die Gebote der Regenbogenideologie begründen eine regelrechte Gesinnungsdiktatur.“ „Der pervers-linke, radikal feministische und individualistische Ungeist zersetzt traditionelle Familien- und Rollenbilder.“ „Die Gendersprache strebt danach, das Geschlecht aus der Sprache zu verbannen […] und dann auch aus der Gesellschaft.“ Diesen „Ungeist“ gilt es zu vertreiben, den „Sumpf“ trockenzulegen und die „Gesinnungsdiktatur“ zu brechen – wofür Flaggenverbote, Dienst- und Sprachvorschriften, Lehrplanvorgaben, Personalkontrolle oder Stellen- und Mittelstreichungen die Instrumente der Wahl sind.

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass die AfD mit ihrem freihändig erstellten Sittengemälde nicht ganz allein steht. Das ist insofern kein Wunder, als etliche ihrer Mitglieder und Anhänger dem Umkreis der bürgerlichen Parteien entstammen. So warnt auch das Grundsatzprogramm der CSU vor dem „linken Kulturkampf in Form von Identitätspolitik, Wokeness und Cancel Culture“, der „ein anderes Land“ wolle. Die heutige Bundesministerin Dorothee Bär hielt u.a. der Ampel-Koalition vor, dass „unter dem Leitmotiv der Entbiologisierung eine Dekonstruktion von Identität und Familie“ unterwegs sei. Die AfD treibt ihr anti-queeres Anliegen aber ein Stück radikaler voran und versieht das, worum es bei Antidiskriminierung, Wokeness oder Gender- und Post Colonial Studies der Sache nach geht, mit ihrem eigentümlichen ‚Narrativ‘. Dazu übertreibt sie völlig den Einfluss dieser – gar nicht näher bestimmten – ‚Regenbogendiktatur‘ auf die tatsächliche Schullandschaft, der über ein ‚wokes‘ Deutsch bei Schülern und manchen Lehrern, über lackierte Nägel bei ein paar Jungs der Oberstufe und über die Teilnahme am Christopher Street Day nicht groß hinausreicht. Wie sich das ‚queere Imperium‘ schließlich im Schulstoff niederschlagen soll, bleibt gänzlich schleierhaft.

Worum es bei der staatlichen Anerkennung von ‚Diversität‘ und der Abwehr von ‚Diskriminierung‘ tatsächlich handelt und was davon realiter in der Schule ankommt, ist ungefähr Folgendes: Die erste und die zweite Frauenbewegung sowie der Aktivismus der Schwulen hatten für ihre Ziele noch deutlich stärker gegen politische und gesellschaftliche Widerstände anzukämpfen als ihre queeren und woken Nachfolger. Die Vorgänger haben den bürgerlichen Staat offenbar dazu gedrängt oder veranlasst, seine heteronormative Sittlichkeit zu reformieren und diesbezügliche Konfrontationen und Streitfälle zu bereinigen. Die vergangene Beschränkung der Rechtsstellung von Frauen und die Sanktionierung privater Verhaltensweisen bei Menschen jeder Geschlechtsorientierung erschienen dem lernfähigen Gesetzgeber nach und nach vom Standpunkt der jeweils erreichten Aussöhnung mit solchen Staatsbürgern als unnötig und verfehlt. Auf diesem Weg komplettierte sich die rechtsstaatliche Anerkennung des bürgerlichen Individuums und seiner Willensfreiheit – auch dann, wenn diese auf die Kultivierung einer höchstpersönlichen Identität hinausläuft. (Was man sich davon kaufen kann, also der substanzielle Unterschied von rechtlicher und materieller Lage, steht auf einem anderen Blatt. Überdies deutet der politische und gesellschaftlicher Einfluss der AfD auf seine Weise an, dass solche Minoritätenrechte nicht in Stein gemeißelt sind.)

Auch die Ämter von ‚Antidiskriminierungsbeauftragten‘ in Bund, Ländern und Kommunen folgen aus dieser modernisierten Liberalität und sollen überwachen, dass aus „ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion/Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität“ keine dem Recht widersprechende Benachteiligung hervorgeht – die offenbar auch im modernen Kapitalismus und seiner ‚Einwanderungsgesellschaft‘ noch unterwegs ist. Dem kulturellen und wissenschaftlichen Überbau ist es dann überlassen, der rechtlichen Anerkennung sprachliche und verhaltensbezogene Symbole der Würdigung vorzuschießen oder nachzutragen. Und den Zeitgeist mit Diskussionen und Studien über Gender, Diversity, Critical Whiteness oder Postcolonialism anzureichern, die dann anteilig auch in die Schulen einsickern. Ein marginaler Radikalismus tritt schließlich noch hinzu, dem der Sturz von Bismarck-Statuen oder Kriegsdenkmälern ein Anliegen ist.

Die ablehnende Haltung zur deutschen Reichs- und zur abendländischen Kolonialgeschichte sowie zu einem „Rassismus, den es kaum noch gibt“ (s.o.), entlarvt sich in den Augen der AfD als ein gezieltes „Programm zur Zerstörung der europäischen Identität“ und des „Bekennens zum eigenen Land“. Und der Queerness des ‚Regenbogens‘ wird die Absicht unterstellt, „die traditionelle Familie zu zersetzen“. Wie beides überhaupt gehen soll, braucht die Partei nicht weiter zu begründen. Schon gleich nicht kann sie eine kritische Einstellung zur Nationalgeschichte oder zur bürgerlichen Familie den privaten Individuen überlassen. Ganz selbstredend sieht die AfD in der patriotischen Gesinnung wie in der völkischen Reproduktion zwei unverzichtbare Säulen eines deutschen Aufbruchs, dem sie auch an der bildungspolitischen Front zuarbeiten will. So gesehen ist erneut festzustellen, dass auch hier zwischen den neuen Rechten und den etablierten Betreibern der deutschen ‚Zeitenwende‘ und ‚Kriegstüchtigkeit‘ keine Wand steht, die nicht zu überwinden wäre.

P.S.

Ein schulkritischer Nachtrag zu einem kleinen Haken, der dem Bemühen beider Streitparteien um die Implementierung ihrer Variante von Nationalerziehung immanent ist: Beide gehen davon aus, dass die Schule nicht nur Sprachen oder Naturwissenschaften zum Gegenstand der Leistungsunterscheidung macht, sondern in gleicher Weise auch ihren Auftrag zur staatsbürgerlichen Bildung. Deren Inhalte werden in Deutsch, Ethik, Geschichte und anderen gesellschaftskundlichen Fächern unterrichtet und zensiert, wobei sich die Lehrkräfte gewiss sind, dass in den präsentierten Ideologien verbürgtes Wissen vorliegt. So fungieren dieselben tatsächlich als Schulstoff, der in die Lernkonkurrenz der Schüler genauso eingeht wie die Satzreihe des Pythagoras oder die Regeln der englischen If-Clauses. Freilich sorgt der schülerhafte Opportunismus, der mit dieser Konkurrenz einhergeht, für einen berechnenden Umgang mit den Lerninhalten, dem wenig Nachhaltigkeit über die abgeprüfte Leistung hinaus zukommt. Den Ideologien ergeht es in dieser Hinsicht nicht anders als dem sprach- oder naturkundlichen Wissen. Wie gut für den Kanon der Staatsbürgerkunde, dass er seine Plausibilität nicht aus Wahrheiten beziehen muss. Der stumme Zwang der Verhältnisse einer Konkurrenzgesellschaft nötigt auf seine elementare Weise dazu, sich gute Gründe der staatsbürgerlichen Anpassung zurechtzulegen.

Georg Schuster

Georg Schuster (Pseudonym) verbrachte sein Berufsleben als Lehrkraft. Von 2013 bis Ende 2019 schrieb er für das GEW-Magazin „Auswege“. Nach dessen Einstellung war er bis Anfang 2023 Autor bei „Telepolis“. Seither schreibt er für „Overton“.
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6 Kommentare

  1. Patriotismus ist so ein seltsamer Begriff, von dem alle meinen, ihn mit ihrer eigenen Bedeutung füllen zu müssen (um die Deutungshoheit zu erhalten).
    Das ist der Grund dafür, daß ich den Begriff nicht benutze. Es steht jedoch fest, daß die Sprache DAS identitätsstiftende und gruppenzugehörigkeitsbestimmende Medium ist. Das nennen die Schwachmaten dann „Nationalismus“.
    Und wenn ich schon den Begriff „Nationalerziehung“ höre, unter den heutigen Umständen, da wird mir einfach nur schlecht. Wohlwollend begleitet vom BRD-Bildungsminister und der GEW, oh Gott.

    1. Ja ja, Gott mit uns. Oder mit Gott und den Faschisten (Karlheinz Deschner). Apropos Schwachmaten, der folgende Autor hat die bei der Arbeit beobachtet und das dokumentiert:

      LTI-Lingua Tertii Imperii: Victor Klemperers Analyse der Sprache des Nationalsozialismus und ihrer Wirkunsmacht ist ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung. Zugleich ist es ein historisches Dokument ersten Ranges von der Selbstrettung eines Sprach- und Literaturwissenschaftlers in hoffnungsloser Zeit.

      »Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor andern, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: Die Sprache bringt es an den Tag.«
      – Victor Klemperer, LTI(die Sprache des Dritten Reiches)

      Und da will einer tatsächlich behaupten, daß Führer und Verführte im Einklang, geographisch begrenzt, die gleiche Sprache sprächen:

      Wir sind, was volkt!
      27. Dezember 2018 Richard Winterstein
      Neofaschisten skandieren griffige Parolen und offenbaren darin ihr gestörtes Verhältnis nicht nur zur deutschen Sprache, sondern auch zu deren Bedeutungsinhalten. Aber nicht nur das!
      (…)
      „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“

      Eine wahrhaft revolutionäre Parole! „Deutschland den Deutschen …!“ Deutschland ins Eigentum der Deutschen, d.h. aller Deutschen überführen – das hat was! So sei das aber gar nicht gemeint? Wie denn dann? Aha, der zweite Teil der Parole darf dabei nicht unterschlagen werden: Die Ausländer müssen natürlich außer Landes geschafft werden, denn darauf kommt’s in erster Linie an. Und wenn die dann alle weg sind, gehört Deutschland endlich wieder den Deutschen allein. Will heißen: Die Anwesenheit von Ausländern im Land ist verantwortlich dafür, dass Deutschland eben nicht den Deutschen gehört. Wenn das so ist: Gehört Deutschland heutzutage dann den Ausländern? Kann man so auch nicht sagen, denn die haben uns Deutschen Deutschland allein aufgrund ihrer Anwesenheit ja eigentlich gar nicht weggenommen. Es ist noch da und gehört überwiegend deutschen Eigentümern. Was also will uns die Parole sagen?

      Mit der Eigentumsfrage hat die genau genommen gar nichts zu tun. Es geht dabei auch gar nicht um den Verteilungsmodus deutschen Eigentums, denn das ist bekanntlich selbst unter Deutschen höchst ungleich verteilt: Wenige besitzen sehr viel, viele sehr wenig! Das soll in den Augen derer, die diese Parole skandieren, auch gefälligst so bleiben! Deutschland soll, geht es nach dieser Parole, also gar nicht als Heimat krasser sozialer Ungleichheit denunziert, sondern als nationalistisch einheitlich strukturiertes Gebilde eingefordert werden. Deutschland ist unser Deutschland, wenn alle Ausländer weg sind! Und es hat auch dann immer noch unser Deutschland zu sein, wenn der Mehrheit der Bevölkerung wenig mehr als vielleicht ein Auto und die Wohnungseinrichtung gehört.

      Die reale Einkommens- und Eigentumsverteilung hat für das deutsch-nationale Einheitsempfinden überhaupt keine Rolle zu spielen. Das nationale Wir-Gefühl hat es nicht nötig, sich mit lästigen Besitzverhältnissen herumzuschlagen. Als deutscher Landsmann steht uns der größte Mietwucherer noch immer um ein Vielfaches näher, als unser besitzloser Mieternachbar mit ausländischer Herkunft, der unter der gleichen Wuchermiete leidet, wie wir. Soziale Gegensätze, mit denen die Nation reichlich ausgestattet ist, sind dem überzeugten Neofaschisten überhaupt kein hinreichender Grund, seine Identifikation mit dem nationalen Ganzen in Frage zu stellen.

      Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass es den Neofaschisten überhaupt nicht um das Wohlergehen der Mehrheit der lohnarbeitenden Bürger geht, deren Beziehung zu den Nutznießern (Kapital) sie lieber nicht zum Thema und schon gar nicht in vertiefter Form machen wollen.
      (…)
      „Liebe“ zu einem Land ist nur als Fetischismus denkbar: Man vergötzt einen Gegenstand oder irgendein Phantasieobjekt und projiziert darauf seine wie auch immer gearteten – im Falle der Neofaschisten: Gewalt- und Unterwerfungs- – Sehnsüchte! Es geht ihnen um die unbedingte Treue zur Nation auf allen Ebenen der von ihnen angestrebten nationalen Hackordnung, letztlich also um die Erzwingung von Kadavergehorsam! (Anmerkung: “ …das Wort bezieht sich auf die Vorschrift der jesuitischen Ordensregeln, dass die Ordensbrüder den Oberen widerspruchslos, wie ein toter Körper, (…) zu gehorchen hätten.“1)

      https://web.archive.org/web/20181227104332/https://www.heise.de/tp/features/Wir-sind-was-volkt-4258505.html

  2. Die selbsterklärten „Aufgeweckten“ führen einen lächerlichen Krieg „gegen die AfD, und merken gar nicht, daß sie längst die Mehrheit der Bevölkerung gegen sich haben. Nicht weil die alle AfD wählen würden, sondern vor allem, weil die Aktionen so irre sind, und letztlich nur die Spaltung der Gesellschaft zum Ziel haben.

    Aktuelles Beispiel aus Berlin: Die Volksbühne hat ein „Volksbad“ (darf man den überhaupt noch diesen „völkischen“ Begriff verwenden?) vor ihren Haus errichtet, in dem die Berliner kostenlos plantschen können. Nun hielt man es aber für geboten, einen Schwimm-Nachmittag ausschließlich für schwarze Kinder und Jugendliche auszurufen. Rassentrennung im Stil der Südstaaten nenne ich das. Aber nein, das ist ja nur „gut gemeint“. Und als – erwartbar – Proteste dagegen aufkamen, hat man das Bad einfach ganz dicht gemacht und ein großes „Fickt euch!“ auf die Wand gemalt:

    https://ostdeutscheallgemeine.com/article/fickt-euch-volksbuehne-reagiert-mit-banner-auf-die-pool-debatte-10293395

    Und die Begründung lautete, „der Schwimmnachmittag für Schwarze Kinder und Jugendliche sei zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden“.

    Intellektueller Kindergarten….

    1. Die „Aufgeweckten“ oder Woken hatten nie die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich, sondern nur die herrschende liberale Elite, die das Woke-Sein dann auch zum Inhalt des bürgerlichen Rechtsstaates machte – alles getreu nachgemacht der US-amerikanischen „demokratischen“ Politik, wo es aus deren rassistischer Tradition vielleicht sogar noch einen Sinn ergab.

      In Europa haben wir aber eine andere Tradition. Wir sollten nicht alles nachmachen was aus den USA kommt. Und mit dem Trumpismus tut man sich ja auch etwas schwer. Aber ich bin mir ganz sicher, dass wir dank unsere Transatlantiker auch das schaffen – den Trumpismus in unser Recht zu integrieren.

  3. Der Wahlkampf läuft jetzt auch bei Overton auf vollen Touren. Nicht so deutlich wie
    im Mainstream, dafür schön verschwurbelt. Dazu noch die stattfindende Zensur von
    kritischen Kommentaren und unsere Altparteien sind voll zufrieden. Wer steckt hinter
    Georg Schuster, der ehemaligen Lehrkraft. Ein Parteimitglieg der Grünen?

  4. Einiges bleibt mir rätselhaft:

    Die vergangene Beschränkung der Rechtsstellung von Frauen und die Sanktionierung privater Verhaltensweisen bei Menschen jeder Geschlechtsorientierung erschienen dem lernfähigen Gesetzgeber nach und nach vom Standpunkt der jeweils erreichten Aussöhnung mit solchen Staatsbürgern als unnötig und verfehlt. Auf diesem Weg komplettierte sich die rechtsstaatliche Anerkennung des bürgerlichen Individuums und seiner Willensfreiheit – auch dann, wenn diese auf die Kultivierung einer höchstpersönlichen Identität hinausläuft.

    1. Was soll die „Aussöhnung“ hier bedeuten?

    Der Geschlechtsrassismus hat im Abendland zwei gut identifizierte Quellen.
    a) Der Kolonialismus eines „Raubgesindels“, als welchen Bertrand Russel mit guten Gründen die frühantiken Kriegeraristokratien identifiziert hat, die nach heutigem Kenntnisstand aus Reitervölkern aus dem Schwarzmeergebiet losgerissen worden waren, bzw. von ihren Muttergesellschaften ökonomisch abgeworfen worden sind, und die Indigenen des nordöstlichen Mittelmeerraumes versklavt haben, und dabei die matristischen Kulturen der Minoer vernichteten.
    b) Eine gleichartige Bewegung mit der doppelten Quelle des Baal-Kultes und des Jahwe-Kultes in der südwestlichen Levante, welche die matristische Kultur der Kanaaniter teils vernichtete, teil auflöste.
    Politökonomischer Dreh- und Angelpunkt waren in beiden Fällen die Übernahme ackerbaulich geprägter urbaner Zentren durch Hirtenvölker auf der Grundlage sklavenhalterischen, metallurgischen Bergbaus.

    Verdichtet kann man sagen: Die Sklaverei des weiblichen Geschlechts hielt sich als gesonderter Bestandteil der verschiedenen Formen räuberischer Sklavenhaltung bis ins 20. Jhd. Bestens überliefert und untersucht ist das für die Vorgeschichte bürgerlich – kapitalistischer Lohnsklaverei in der sog. „Ursprünglichen Akkumulation“, aber ich will das nicht auswalzen. Den „Witz“ dieser Spätgeschichte hat Friedrich Engels unter dem Schlagwort vom „Weib als Reproduktionsgehilfin des Mannes“ begrifflich bestens erfasst. Die Geschichte der Auflösung dieser Geschlechtssklaverei ist identisch mit der Kapitalisierung der Reproduktionsarbeit in den kommunalen und Familien- bzw. Sippenverbänden. Das Eigentum der Weiber und Kerle am jeweils anderen Geschlecht, herrschaftlich kodiert in den abrahamitischen Sittenkodices und von den säkularen / militärischen Herrschaften in dieser Gestalt übernommen, ist successive in National- und Staatseigentum überführt worden.

    Die „Aussöhnung“ kommt mir wie die unkenntliche Spur eines Bemühens vor, den Begriff „Patriarchat“ aus der politischen Ökonomie zu streichen. Das Patriarchat ist und bleibt ein Basisbestandteil der Politischen Ökonomie des Kapitalismus, weil sein abstrakter Begriff schlicht das Primat der Reproduktion von Ausbeutungsverhältnissen der Arbeitskraft vor und über den biologischen Reproduktionsbedingungen ist. Die „Frauenrechte“ sind patriarchal, weil sie dieses Primat vom biologischen und sozialen Geschlecht der Individuen zu emanzipieren trachten, und in den Motiven dieser Bewegung fließen herrschaftliche Zwecke mit unterwürfigen / sklavischen Bedürfnissen zusammen.

    2. Vollends schleierhaft bleibt mir die Herkunft dieser Formulierung:
    „Anerkennung [der Willensfreiheit] des bürgerlichen Individuums – auch dann, wenn diese auf die Kultivierung einer höchstpersönlichen Identität hinausläuft.“ Was soll das für ein Gegensatz sein, auf den mit „auch dann“ angespielt ist? Hier will ich nicht spekulieren, nur deklarieren: Die Identitätskulte mögen Staatsorganen hier und da störend vorkommen und „Störfälle“ in der Reproduktionskultur verursachen, aber das liegt halt in der Hauptsache in dem o. zit. Fortbestand des Patriarchates inmitten der „Emanzipation“ der Individuen von überlieferten Sittenkodices, die keine strafrechtliche Relevanz (mehr) erhalten.

    Dann ist da die Schlusswendung:

    Wie gut für den Kanon der Staatsbürgerkunde, dass er seine Plausibilität nicht aus Wahrheiten beziehen muss. Der stumme Zwang der Verhältnisse einer Konkurrenzgesellschaft nötigt auf seine elementare Weise dazu, sich gute Gründe der staatsbürgerlichen Anpassung zurechtzulegen.

    Da ist erstens fest zu halten, daß die Rede von „Nötigung“ der Aussage des ersten Zitates über die Anerkennung des bürgerlichen Subjekts durch seine Herrschaft (de facto ist das die Anerkennung seiner zweiten und gedoppelten („Natur“ als „Erwerbs-“ und „Staats-„Bürger und der daraus erwachsenden Konflikte) unmittelbar widerspricht. Wie kommt es dazu, wenn ich an dieser Stelle die Fehlstelle des Patriarchatsbegriffes kurz außer Acht lasse?
    Nun weiß ich aus früheren Schuster-Artikeln, daß der Mann ein mehr oder minder militanter Gegner des rezenten Gender-Begriffes ist, den er schlicht nicht verstanden hat und deshalb in die Denunziation einstimmt, es handele sich um eine ideelle Auflösung des biologischen Geschlechtes in das soziale Geschlecht. Ich hatte ihn schon mal aufgefordert, Butler gefälligst zu lesen, statt die Denunziationen der Postfaschisten nachzuplappern. Und ja, wenn einer der Auffassung ist, die spätbürgerliche Gender-Kultur „vergewaltige“ in gewisser Weise und Umfang eine „menschliche Natur“, dann kann er natürlich auf die Idee kommen, ihre Annahme sei den Individuen als eine Anpassungsleistung „aufgenötigt“. Allerdings bleibt er dann die Auskunft schuldig, was der herrschaftliche Zweck solcher Nötigung sein soll.
    Das ist bitter. Die Postfaschisten werden Schusters Zeug gern akklamieren und zitieren – im Sinne ihrer Agenden, mit denen Schuster offenkundig nix am Hut und zu tun haben will.

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