Streitfall Nationalerziehung: „Erinnerungskultur“

Gedenktafel, Erster und Zweiter Weltkrieg
Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Dass Patriotismus und eine positive Einstellung zum Staat schulische Lernziele sind, versteht sich für die Bildungspolitik von selbst. Was sie beinhalten, ist zwischen Establishment und AfD in Teilen umstritten. 

Erster von zwei Teilen.

Die Tageszeitung Welt muss sich sehr wundern: „Mit bebender Stimme warnen Kritiker vor der AfD-Bildungspolitik. Doch ein Studium des Programms wirft eine ganz andere Frage auf: Warum erhebt allein die AfD Forderungen, die früher das Gütesiegel konservativer Bildungspolitik waren?“ (22. Juni 2026)

Mit dem „Programm“ meint das Blatt den Abschnitt „Schulbildung“ aus dem so genannten Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt, der mit 33 Unterpunkten immerhin der zweitgrößte ist, gleich nach dem neurechten Markenkapitel zu „Einwanderung und Remigration“. Was das „Studium“ dieses umfangreichen Katalogs allerdings bemerkt haben will, ist etwas ungenau. Die meisten Forderungen der AfD entsprechen nicht nur dem „früheren“ Bildungs-Konservatismus, sondern sind auch im heutigen noch sehr en vogue, auch wenn sie nicht immer im Klartext von Wahlprogrammen der ‚Altparteien‘ ausgesprochen sind. Dass sich die Bildung in einer ‚Krise‘ befinde und zum Schaden von Wirtschaft und Gesellschaft verflache; dass eine ‚Noteninflation‘ eingerissen sei und viel zu viele ‚ungeeignete‘ Schüler zum Abitur und danach als ‚studierunfähig‘ an die Hochschulen drängen würden; dass klassische Literatur nur noch in ‚einfacher Sprache‘ verstanden und die schriftliche Division an der Grundschule abgeschafft werde; dass zu wenig Azubis für Handwerk und Industrie und zur Abhilfe beim ‚Fachkräftemangel‘ zu rekrutieren seien; dass Gemeinschafts- und Gesamtschulen sowie die Inklusion von ‚Sonderschülern‘ den Begabungen und ihrer abgestuften Förderung widersprächen; dass eine ‚Kuschelpädagogik‘ oder die Neudefinition der Lehrerrolle als ‚Lernbegleiter‘ und des Lernens als ‚Kompetenzerwerb‘ ein qualitätssenkender Irrweg seien usw.: Diese ‚Krisendiagnosen‘ im AfD-Programm sind zugleich und unbestreitbar Bestandteile des einschlägigen Lamentos, das auf konservativen Wahlveranstaltungen, in der Kultusbürokratie, bei Lehrer- und Philologenverbänden, in Kreisen von Hochschulprofessoren, bei Interessenvertretern der Wirtschaft, in Medien wie der Welt und natürlich auch im Volksgemurmel beharrlich angestimmt wird. Gerade darauf setzen ja die wählerwirksamen Zuspitzungen, mit denen der rechte Rand des Parteienspektrums zumindest auf Länderebene regierungsfähig werden will.

Dass mit dieser Defizit-Liste buntscheckige Ansprüche auf den nationalen Dienst erhoben werden, den die Bildung gefälligst zu erbringen habe, ist offensichtlich. Es ist hier aber nicht der Ort, näher darauf einzugehen, worin die versammelten Klagen über die vermeintliche ‚Bildungskrise‘ ihre jeweilige Grundlage haben. (Damit befasste sich im April hier auf Overton ein dreiteiliger Aufsatz, überschrieben mit „Ärgernis Bildung“. Er galt dem doppelten und widersprüchlichen Staatsauftrag an die Schule, die künftigen Konkurrenzbürger mit den nötigen Qualifikationen auszustatten, und dies nicht mit der Gießkanne, sondern in einem Vorgang der Selektion durchzuführen, der die marktwirtschaftliche Hierarchie der Berufe vorwegzunehmen sucht.) Bezeichnend für den Parteienstreit über die Dauerbaustelle ‚Bildungsreform‘ ist jedenfalls, dass er kaum substanziell wird, als Gelegenheit zur landespolitischen Profilierung im Wahlkampf zwar Wellen schlägt, die Wahlsieger mit den Hinterlassenschaften der Vorgänger aber in der Regel gut weiterarbeiten können. Ob das auch für die AfD zuträfe, bliebe abzuwarten. Ihre eben erwähnten ‚Mängelanzeigen‘ fallen jedenfalls nicht aus dem Rahmen bürgerlicher Bildungspolitik heraus.

„Demokratiebildung“

Aktuelle Verlautbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK) machen aber deutlich, dass dort ein gewisses Unbehagen herrscht und Handlungsbedarf gesehen wird. Nicht nur gegenüber dem ‚Links- und Rechtsextremismus‘, dem ‚Islamismus‘ oder dem ‚Antisemitismus‘, sondern in der Substanz – wenn auch meist unausgesprochen, aber dennoch kenntlich – gegenüber dem allgemeinen Erfolgskurs der AfD. Die KMK veranlasste im Juni 2024 ihre Wissenschaftliche Kommission, eine Handreichung zur Demokratiebildung als Auftrag der Schule vorzulegen, um die „Bedeutung des historischen und politischen Fachunterrichts sowie die Aufgabe aller Fächer“ zu unterstreichen. Im Juni 2026 folgten Empfehlungen zur Erinnerungskultur als Gegenstand historisch-politischer Bildung“, die der KMK als „zwingendes Anliegen“ gelten. Aus beiden Schriften die folgenden Zitate: „In Zeiten globaler Krisen und innergesellschaftlicher Konflikte [gerät] aktuell der demokratische Rechtsstaat von unterschiedlichen Seiten unter Druck.“ Der „Druck“ stamme u.a. von „Narrativen, mit denen Autokratien, antidemokratische Parteien oder identitäre Gruppen Ansprüche begründen und Gefolgschaft mobilisieren“. Daher „rückt Demokratiebildung verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit“. „Es geht um die Förderung des Interesses an Politik sowie Akzeptanz und Einübung der Werte einer freiheitlich demokratischen Grundordnung.“

Es mag sein, dass sich die Schulministerien und andere von einer intensivierten „Demokratiebildung“ eine Schutzwirkung gegen „antidemokratische Parteien“ versprechen. Im Fall der damit gemeinten AfD ist es bloß so, dass auch sie dem demokratischen Prozedere anhängt, mit dem sie – nach dem Vorbild der ‚Altparteien‘ – politische Gestaltungsmacht im Wahlkampf erringen und als Regierung beibehalten möchte. Der Leser kann in diesem Sinn ja selbst herausfinden, welche der folgenden Zitate von der AfD bzw. von der KMK stammen: „Demokratie und Bürgerrechte sind kein geschenkter Bestand, der ohne unser Zutun erhalten bleibt, sondern […] müssen jeden Tag aufs Neue verteidigt werden.“ Bzw.: „Der freiheitliche demokratische Staat lebt von Voraussetzungen, die er als Staat allein nicht garantieren kann. Er ist darauf angewiesen, dass die Bürger aus eigener Überzeugung freiwillig im Sinne der Demokratie handeln.“ Bzw.: „Die Demokratie als beste Staatsform sichert staatlichen Entscheidungen theoretische Legitimität und praktische Akzeptanz. Das Kernprinzip der Mehrheitsentscheidung ist der beste Schiedsrichter für gesellschaftliche Konflikte.“ Für die demokratischen Parteien, ob schwarz-rot-grün oder blau, gilt eben selbstredend, dass die Demokratie ein Verfahren zur Herrschaftssicherung durch willentliche Unterordnung ist. Und darin das „beste“, das deshalb fraglos „Akzeptanz“ verlangen kann. Ebenso selbstverständlich ist für sie, dass ihre Schulpolitik dies auch als Lernstoff ausbreitet und verbindlich macht.

„Mehr Bismarck, weniger Hitler“

Wirklich konfrontativ in Sachen Bildung zwischen den etablierten Parteien und der AfD sind Themen geworden, für die Letztere eine Alleinstellung beansprucht. Das strittigste davon wird im Programm für Sachsen-Anhalt so beschrieben: „Ein Bekenntnis zum eigenen Land und eine Identifikation mit unserer Kultur dürfen nicht mehr als verdächtig, sondern müssen wieder als völlig normal und selbstverständlich gelten.“ „Eine Vergangenheitsbewältigung, die das genaue Gegenteil von Bewältigung ist, nämlich die Verewigung eines Schuldkomplexes, hat mittlerweile dazu geführt, dass Nationalstolz grundsätzlich als anrüchig gilt, die Verteidigung der eigenen Interessen als unanständig wahrgenommen wird und Politiker jede positive Bezugnahme auf unsere reiche Geschichte vor 1933 vermeiden.“ „Mehr 1813 und 1871: Wir werden im Unterricht einen deutlichen Schwerpunkt auf die Entstehung und die Erfolgsgeschichte [des von Bismarck gegründeten Deutschen Reichs] legen.“ Und was mit den „eigenen Interessen“ und ihrer „Verteidigung“ gemeint ist, formuliert die Präambel des Programms so: „Nicht das, was die Brüsseler EU, was die Ukraine, der UN-Migrationspakt oder die Pariser Klimakonferenz wollen und vorschreiben, ist unser Maßstab, sondern einzig und allein das Wohl der Bürger in Sachsen-Anhalt.“

Zwar fällt es ganz in die Interpretation der neuen Rechten, dass ein „Bekenntnis zu Land und Kultur“ oder so etwas wie „Nationalstolz“ in den Bildungsministerien und im politischen Mainstream „Verdacht“ erregen würde. Übereinstimmend mit der AfD gilt dort ein ‚gesunder Patriotismus‘ allemal als selbstverständliche Haltung und Empfindung normaler Staatsbürger, der schulisch angebahnt und gepflegt werden will. Stellvertretend hierzu die Bayerische Verfassung Art. 131: „Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.“

Bei der in Lehrpläne gefassten und von den KMK-Empfehlungen bekräftigten Weise der ‚Vergangenheitsbewältigung‘, die sich auf Verurteilung des nationalsozialistischen Judenmords fokussiert, stehen die Zeichen aber definitiv auf Konfrontation. Niemals, so die Bildungsminister in ihren „Empfehlungen“ (s.o.), dürfe „die Shoa relativiert, geleugnet oder instrumentalisiert werden“. Dies sei – durchaus im Unterschied zu anderen historischen Ereignissen, die so und anders gesehen werden können – „keine Frage der Kontroversität, sondern Ausdruck der verfassungsrechtlichen Werteordnung“. Darauf beruhe „die Auseinandersetzung mit der Schoa als staatlich geplantes und singuläres Menschheitsverbrechen und die besondere Rolle der deutschen Erinnerungskultur.“ Hier fällt eine ‚Lehre aus der Geschichte‘ sozusagen mit einem grundgesetzlichen Gebot zusammen.

Solche Aussagen rufen die dezidierte Kritik der neuen Rechten hervor, womit ein wesentliches Element im ideologischen Überbau der BRD zum Gegenstand eines Kulturkampfs wird, dem der AfD-Bildungspolitiker Tillschneider die Formel „Mehr Bismarck, weniger Hitler“ zugedacht hat.

„Erinnerungskultur“

Der Streit, der sich an der Historie festmacht, betrifft die sehr gegenwärtige Frage danach, welcher Patriotismus dem bisherigen Erfolgsweg und den neuen Herausforderungen der Nation am besten zu Gesicht steht und förderlich ist: einer, der die Besonderheit der „deutschen Erinnerungskultur“ weiter pflegt, oder einer, der diese „Verewigung des Schuldkomplexes“ hinter sich lässt. (Dass die Streitparteien ihren Gegensatz auch im Zugriff auf die Schuljugend austragen, zeugt vom Gewicht, welches sie ihrer Variante von Nationalerziehung beimessen. Dabei überschätzen sie dessen Bedeutung insofern, als die nationale Moral nur die abhängige Variable und nicht die Bedingung der staatlichen Handlungsfreiheit und Machtentfaltung ist.)

Die AfD löst den Widerspruch, den eine ‚gebrochene Geschichte‘ für jedes vaterländisch gestimmte Gemüt bereithält, auf ihre – keineswegs unpopuläre – Weise auf. Denn der unkritische und überhöhende Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist eigentlich der Normalfall, den man von Staaten und Patrioten kennt. Der politische Mainstream, dem jede Vaterlandsvergessenheit fern liegt, hält es etwas anders. Die Instrumentalisierung der etablierten ‚Erinnerungskultur‘ würde er weit von sich weisen – die ein Blick von außerhalb der Nation unschwer erkennen kann. Als Beispiel ein Artikel, der mehrfach in Asien erschien: „Als Gegenleistung für die gezeigte Reue erhielt Deutschland Sicherheitsgarantien, Prosperität und volle Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft. Heute führt Deutschland Europa in jeder Hinsicht an.“ Noch mehr Bewunderung der bundesrepublikanischen ‚Staatskunst‘ zeigt ein US-deutscher Professor (Thomas U. Berger), der den Ex-Präsidenten Weizsäcker so verstanden haben will, „dass die Deutschen nicht nur Schuld […] verspüren sollten, sondern dass diese Schuld ihrerseits eine Quelle für nationalen Stolz sein könnte“. Dass „die Deutschen“ unbesehen ihrer Individualität als Zwangsmitglieder eines abstrakten Kollektivs in Haftung und Anspruch genommen werden, versteht sich dabei offenbar von selbst.

Beide Stellungnahmen befassen sich mit folgendem Strang der Bonner und Berliner Nachkriegsgeschichte. Wer nach der bedingungslosen Kapitulation wieder erfolgreicher deutscher Politiker werden wollte, kam nicht umhin, mit der Vorherrschaft der westalliierten Sieger auch deren Schuldspruch und ihr Fordern von demokratischer Läuterung zu akzeptieren. Das Eingehen darauf, ob reuevoll oder berechnend, erwies sich recht schnell als ideologische Eintrittskarte in den Wiederaufstieg, den Deutschland im Wirtschaftswunder und als gefragter Frontstaat gegen den Ostblock verzeichnete. Das machte nicht nur die moralische Schmach des ‚dunklen Kapitels‘ wieder wett. Damit war vor allem klar, wie wenig das geforderte Bekenntnis zur ‚historischen Schuld‘ einer staatlichen Machtentfaltung im Wege stand. Umgekehrt erwies sich dieses Eingeständnis zunehmend als Instrument, die bundesdeutsche Politik zu adeln und im Idealfall sogar zu befördern. Auf diese Weise wurde Willy Brandts Kniefall 1970 in Warschau zur Ikone eines „Wandels durch Annäherung“, bei dem klar war, wer sich zu wandeln hatte. Dass ein grüner Außenminister 30 Jahre später die kriegerische Einmischung in die Neuordnung Jugoslawiens mit den ‚Lehren aus Auschwitz‘ legitimierte, was seine Partei heute in einem eigenen Bellizismus fortsetzt, gehört ebenfalls zum Ertrag der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Ihre Befürworter wollen sie deshalb auch keineswegs beenden, auch nicht mit der vollständig restaurierten Souveränität nach dem Mauerfall, weil ihr staatsmoralischer Gebrauchswert geblieben ist. Der Angeklagte von damals erinnert sich bleibend seiner Schuld und verschafft sich dadurch ein Richteramt, das ihn zu supranationaler Einmischung berechtigt. Die faktische Berechtigung dazu verdankt sich zwar der Macht, sich diese Außenpolitik herauszunehmen, also den Marktführerschaften, der Verschuldungsfähigkeit im Weltgeld Euro oder dem Gewicht in Staatenbündnissen. Aber als ein Selbstbild des bundesdeutschen Imperialismus und als ein höheres Recht auf seinen Erfolg halten die dafür Zuständigen ihre „besondere Erinnerungskultur“ bislang für unverzichtbar. Entsprechend wird sie mit der Bestimmungsmacht der Staatsschule lehrplanmäßig aufgegriffen und vermittelt.

Ende des ersten Teils. Der zweite und letzte Teil befasst sich weiter mit dem Kulturkampf zwischen der AfD und dem Establishment um den zeitgemäßen Patriotismus und die dazugehörige Sittlichkeit.

Georg Schuster

Georg Schuster (Pseudonym) verbrachte sein Berufsleben als Lehrkraft. Von 2013 bis Ende 2019 schrieb er für das GEW-Magazin „Auswege“. Nach dessen Einstellung war er bis Anfang 2023 Autor bei „Telepolis“. Seither schreibt er für „Overton“.
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9 Kommentare

  1. „Dass Patriotismus und eine positive Einstellung zum Staat schulische Lernziele sind, versteht sich für die Bildungspolitik von selbst.“

    Auf deutsch: Indoktrination.
    Und wer nicht mitmacht, wird Repressalien unterworfen.

  2. Ein Artikel zu einem wichtigen Thema, der allerdings etwas an einer vagen Ausdrucksweise leidet.
    Ich lese, ich lese weiter … , dann merke ich, dass ich mich bereits dem Ende zu nähern beginne – aber ich habe immer noch nicht so recht gemerkt, worauf der Autor eigentlich hinaus will … ?

    Es scheint, dass er darauf hinaus will, dass das AfD-Bildungsprogramm eine große Schnittmenge mit den Vorstellungen anderer Leute und Gruppen habe und deswegen gar nicht so spektakulär sei.

    Es scheint, dass Herr Schuster auch meint, dass die Art der bundesdeutschen Vergangenheitsbewältigung inzwischen nur noch rein mechanisch und ritualhaft betrieben wird und gleichzeitig auch als Berechtigung verstanden wird, auf politischer Ebene als Super-Saubermann dazustehen. Als ein Super-Saubermann, der sich anmaßt, andere zu belehren usw.

    Dann ein Satz, der mich lachen lässt:
    „Der politische Mainstream, dem jede Vaterlandsvergessenheit fern liegt, …“
    Ist das ernst gemeint oder Satire?

    Auch zum Schluss hin wird der Text für mich nicht viel klarer. Ich weiß auch jetzt immer noch nicht genau, ob Herr Schuster die offizielle bundesdeutsche Art, sich Kraft, Stolz und Identität in erster Linie aus der Bewältigung der NS-Vergangenheit zu ziehen (und nicht mittels Rückblick auf gute deutsche Leistungen vor 1933 wie es alle anderen Länder tun), nun lediglich neutral referiert oder ob er sich diese Sicht ganz zu eigen macht. Okay, ich gebe zu, ich hätte langsamer und konzentrierter lesen können, dann würde es vermutlich deutlicher. Auch bei dem folgende Zitat wird das nicht klar:

    „Noch mehr Bewunderung der bundesrepublikanischen ‚Staatskunst‘ zeigt ein US-deutscher Professor (Thomas U. Berger), der den Ex-Präsidenten Weizsäcker so verstanden haben will, „dass die Deutschen nicht nur Schuld […] verspüren sollten, sondern dass diese Schuld ihrerseits eine Quelle für nationalen Stolz sein könnte“.

    Unwillkürlich muss ich bei diesem Thema an das schmale, aber inhaltsschwere Büchlein „Finis Germania“ (2017) von R. P. Sieferle, denken, der insbesondere im 3. Teil des Buches zur bundesdeutschen Art der Vergangenheitsbewältigung schreibt: https://de.wikipedia.org/wiki/Finis_Germania

    Was ebenfalls etwas unklar bleibt, das ist der Punkt, ob Herr Schuster das AfD-Bildungsprogramm nun eigentlich ablehnt oder befürwortet?
    Dass ich als Konservativer in diesem Programm viele vernünftige Gedanke erkenne, muss ich wohl nicht groß erwähnen. Dass die Haltung von Herrn Schuster, immerhin einem früheren Mitglied der linken Lehrergewerkschaft GEW hier so unscharf bleibt, überrascht mich positiv.

    1. Woher weißt du, dass der Autor Mitglied der GEW war oder ist? In der kurzbiographie steht nur, dass er für eine Zeitschrift der GEW geschrieben hat. Oder weißt du, wer hinter dem Pseudonym steckt?

    2. „Okay, ich gebe zu, ich hätte langsamer und konzentrierter lesen können,“ Ja, bitte nochmal langsamer und konzentrierter lesen. Es ist natürlich eine Kritik, sowohl der Vergangenheitsbewältigung nach Altparteien Art als auch nach AFD-Art. Es geht ja darum wie man dem Nachwuchs den für die künftigen Vorhaben der Nation (z.B.: Krieg gegen Russland) passenden Nationalismus in der Schule beibiegt, damit das Volk pariert. Du kannst sich sein, dass Schuster davon prinzipiell nichts hält.

      Er sagt so groß ist der Unterschied zwischen AFD und Altparteien nicht. Beispiel Brandt – Fischer. Offensichtlich hängt der wirkliche imperialistische Macht einer Nation gar nicht davon ab, mit welchem historischen Gewissen sie ihre Interessen rechtfertigt. „Dass ein grüner Außenminister 30 Jahre später die kriegerische Einmischung in die Neuordnung Jugoslawiens mit den ‚Lehren aus Auschwitz‘ legitimierte, was seine Partei heute in einem eigenen Bellizismus fortsetzt, gehört ebenfalls zum Ertrag der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Ihre Befürworter wollen sie deshalb auch keineswegs beenden, auch nicht mit der vollständig restaurierten Souveränität nach dem Mauerfall, weil ihr staatsmoralischer Gebrauchswert geblieben ist. “ Die Inszenierung der nationalen Schuld hat die BRD nicht an ihrem Wiederaufstieg gehindert, eher im Gegenteil.

      1. @Vrits „so groß ist der Unterschied zwischen AFD und Altparteien nicht.“ Bei vielen Themen ist die „Alternative“ nur noch extremer als die „Altparteien“ (CDU, CSU, FDP und SPD) insbesondere bei der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik. Die AfD war sogar gegen die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Auf der anderen Seite hat die blaue Frau Weidel kein Problem damit, einem US-amerikanischen Billionär 💰💰💰 kiloweise Honig um den Mund zu schmieren.

        Die letzte echte Grüne, Antje Vollmer, ist 2023 im Alter von fast 80 Jahren verstorben. Aber wer kennt noch Antje Vollmer? Was Grüne wie Joska Fischer angeht, dann sind das heute Nato-Olivgrüne, die sich seit 1980 um 180 Grad gewendet haben und den Reichen, Superreichen und Mächtigen anbiedern. Aus Pazifisten sind russophobe Bellizisten geworden, die jeden als „Putinversteher“ diffamieren, der die Frage stellt, ob man diesen Krieg hätte verhindern können und ob man ihn mit Fiedensverhandlungen beenden kann. Sogar vom Umwelt- und Klimaschutz ist nicht mehr viel übriggeblieben.

  3. ➊ Der Artikel wirft die Frage auf: Warum braucht man 2026 in Deutschland eine „Erinnerungskultur“? 📖⚰️🪦 🕰️⏰⏳

    Sollte das nicht in einem demokratischen Staat Teil des (normalen) Geschichtsunterrichts an den allgemeinbildenden Schulen sein und damit meine ich nicht, irgendwelche Daten auswendig zu lernen: Wie lange dauerte der Zweite Weltkrieg und wie viele Menschen starben im Ersten Weltkrieg. Wer aus der Geschichte lernen will, um zu verhindern, dass sich dieser „Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ (Alexander Gauland, AfD-Politiker) wiederholt, muss die Geschichte nicht nur kennen kennen, er muss sie vor allem verstehen. Es geht um Ursachen, Zusammenhänge und Folgen. Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg sind nicht vom Himmel gefallen. Das gilt auch für den Ersten Weltkrieg und alle anderen Kriege.

    Offenkundig ist da in Deutschland in den letzten Jahren in der Schulbildung etwas gewaltig schiefgelaufen. Was sagen Angela Merkel, Olaf Scholz, Christian Lindner, Markus Lanz und der „König von Bayern“, Markus Söder, dazu?

    ➋ Zitat: „Aktuelle Verlautbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK) machen aber deutlich, dass dort ein gewisses Unbehagen herrscht und Handlungsbedarf gesehen wird.“

    Um diesen Handlungsbedarf in die Tat umzusetzen benötigt man aber Ressourcen und finanzielle Mittel. Und da haben wir dann ein fiskalisches Dilemma 💰 ↔️ 💰. Es gibt viele Gründe gegen die AfD, aber derzeit ist es jedenfalls ist nicht die AfD, die in primiter Weise gegen Russland hetzt und noch mehr Waffenlieferungen fordert, um den Krieg in der Ukraine zu verlängern, damit noch mehr Menschen auf beiden Seiten der Front sterben. ⚰️🪦 Es sind auch nicht das BSW und Politiker wie Fabio De Masi und das für konservativ-liberale Journalisten und Bürger offenkundig personifizierte „Böse unter der Sonne“ mit dem bürgerlichen Namen Sarah Wagenknecht.

    Es sind die Bellizisten, Militaristen, Aufrüstungsbefürworter und Kriegsgewinnler der konservativ-bürgerlich-sozialdemokratisch-liberalen „Mitte“, die 🇩🇪 auf Kosten aller Steuerzahler und zu Lasten des Sozialstaates zur größten konventionellen Armee Europas aufrüsten wollen 🪖 ⚔️ 🛞 🧨💣 ☢️ 💥 🔥 💀 🩸 🚩und dann mit dem 👉 auf die 🟦 AfD zeigen. Es sind vor allem die veganen Bio-Gender-Grünen, die keine Friedensverhandlungen und keinen Frieden mit Putin/Russland wollen, weil man angeblich nicht mit Putin verhandeln könne. Wer ein Ende des Krieges und Frieden will, dann muss man auch mit Putin verhandeln.

  4. Es gibt Schüler, denen muss man nicht erklären, ob, warum und wie sie patriotisch sein sollen.

    Sie lesen einfach nach, was in diesem Land ueber die Jahrhunderte erdacht, erkämpft und erlitten wurde und ziehen daraus ihre eigenen Schlüsse.

    Einer dieser Schluesse könnte der folgende sein: Es braucht fuer gutes Gelingen einen instrumentellen Patriotismus fuer das gemeine Volk, waehrend sie selbst damit weniger anfangen koennen. Sie beziehen sich eher auf eine europaeisch interpretierte Kulturnation Deutschland sowie auf lokale Ideengeschichte und Traditionen (Lokalpatriotismus).

    Liegt bei den Lehrern eine aehnliche Verteilung vor?

    Als mittelalter Exilschwabe in Berlin faellt mir auf, wie unterschiedlich die politischen Kulturen in West, Ost, Sued und Nord am Ende dann doch sind – darauf könnte man im Geschichtsunterricht verstaerkt eingehen, anstatt alles, immer etwas verkrampft, unter eine gesamtdeutsche Kaeseglocke zu zwingen.

    1. Die Idee eines Verfassungspatriotismus wäre sozusagen das Gegenteil zum gemeinen, gesunden und hoffentlich halbwegs sanften Volkspatriotismus und damit typisch fuer unser Nachkriegsdeutschland: Elitaer, verkopft, top down – also preussisch?

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