Streitfall Nationalerziehung: „Erinnerungskultur“

Gedenktafel, Erster und Zweiter Weltkrieg
Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Dass Patriotismus und eine positive Einstellung zum Staat schulische Lernziele sind, versteht sich für die Bildungspolitik von selbst. Was sie beinhalten, ist zwischen Establishment und AfD in Teilen umstritten. 

Erster von zwei Teilen. Den zweiten Teil finden Sie hier.

Die Tageszeitung Welt muss sich sehr wundern: „Mit bebender Stimme warnen Kritiker vor der AfD-Bildungspolitik. Doch ein Studium des Programms wirft eine ganz andere Frage auf: Warum erhebt allein die AfD Forderungen, die früher das Gütesiegel konservativer Bildungspolitik waren?“ (22. Juni 2026)

Mit dem „Programm“ meint das Blatt den Abschnitt „Schulbildung“ aus dem so genannten Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt, der mit 33 Unterpunkten immerhin der zweitgrößte ist, gleich nach dem neurechten Markenkapitel zu „Einwanderung und Remigration“. Was das „Studium“ dieses umfangreichen Katalogs allerdings bemerkt haben will, ist etwas ungenau. Die meisten Forderungen der AfD entsprechen nicht nur dem „früheren“ Bildungs-Konservatismus, sondern sind auch im heutigen noch sehr en vogue, auch wenn sie nicht immer im Klartext von Wahlprogrammen der ‚Altparteien‘ ausgesprochen sind. Dass sich die Bildung in einer ‚Krise‘ befinde und zum Schaden von Wirtschaft und Gesellschaft verflache; dass eine ‚Noteninflation‘ eingerissen sei und viel zu viele ‚ungeeignete‘ Schüler zum Abitur und danach als ‚studierunfähig‘ an die Hochschulen drängen würden; dass klassische Literatur nur noch in ‚einfacher Sprache‘ verstanden und die schriftliche Division an der Grundschule abgeschafft werde; dass zu wenig Azubis für Handwerk und Industrie und zur Abhilfe beim ‚Fachkräftemangel‘ zu rekrutieren seien; dass Gemeinschafts- und Gesamtschulen sowie die Inklusion von ‚Sonderschülern‘ den Begabungen und ihrer abgestuften Förderung widersprächen; dass eine ‚Kuschelpädagogik‘ oder die Neudefinition der Lehrerrolle als ‚Lernbegleiter‘ und des Lernens als ‚Kompetenzerwerb‘ ein qualitätssenkender Irrweg seien usw.: Diese ‚Krisendiagnosen‘ im AfD-Programm sind zugleich und unbestreitbar Bestandteile des einschlägigen Lamentos, das auf konservativen Wahlveranstaltungen, in der Kultusbürokratie, bei Lehrer- und Philologenverbänden, in Kreisen von Hochschulprofessoren, bei Interessenvertretern der Wirtschaft, in Medien wie der Welt und natürlich auch im Volksgemurmel beharrlich angestimmt wird. Gerade darauf setzen ja die wählerwirksamen Zuspitzungen, mit denen der rechte Rand des Parteienspektrums zumindest auf Länderebene regierungsfähig werden will.

Dass mit dieser Defizit-Liste buntscheckige Ansprüche auf den nationalen Dienst erhoben werden, den die Bildung gefälligst zu erbringen habe, ist offensichtlich. Es ist hier aber nicht der Ort, näher darauf einzugehen, worin die versammelten Klagen über die vermeintliche ‚Bildungskrise‘ ihre jeweilige Grundlage haben. (Damit befasste sich im April hier auf Overton ein dreiteiliger Aufsatz, überschrieben mit „Ärgernis Bildung“. Er galt dem doppelten und widersprüchlichen Staatsauftrag an die Schule, die künftigen Konkurrenzbürger mit den nötigen Qualifikationen auszustatten, und dies nicht mit der Gießkanne, sondern in einem Vorgang der Selektion durchzuführen, der die marktwirtschaftliche Hierarchie der Berufe vorwegzunehmen sucht.) Bezeichnend für den Parteienstreit über die Dauerbaustelle ‚Bildungsreform‘ ist jedenfalls, dass er kaum substanziell wird, als Gelegenheit zur landespolitischen Profilierung im Wahlkampf zwar Wellen schlägt, die Wahlsieger mit den Hinterlassenschaften der Vorgänger aber in der Regel gut weiterarbeiten können. Ob das auch für die AfD zuträfe, bliebe abzuwarten. Ihre eben erwähnten ‚Mängelanzeigen‘ fallen jedenfalls nicht aus dem Rahmen bürgerlicher Bildungspolitik heraus.

„Demokratiebildung“

Aktuelle Verlautbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK) machen aber deutlich, dass dort ein gewisses Unbehagen herrscht und Handlungsbedarf gesehen wird. Nicht nur gegenüber dem ‚Links- und Rechtsextremismus‘, dem ‚Islamismus‘ oder dem ‚Antisemitismus‘, sondern in der Substanz – wenn auch meist unausgesprochen, aber dennoch kenntlich – gegenüber dem allgemeinen Erfolgskurs der AfD. Die KMK veranlasste im Juni 2024 ihre Wissenschaftliche Kommission, eine Handreichung zur Demokratiebildung als Auftrag der Schule vorzulegen, um die „Bedeutung des historischen und politischen Fachunterrichts sowie die Aufgabe aller Fächer“ zu unterstreichen. Im Juni 2026 folgten Empfehlungen zur Erinnerungskultur als Gegenstand historisch-politischer Bildung“, die der KMK als „zwingendes Anliegen“ gelten. Aus beiden Schriften die folgenden Zitate: „In Zeiten globaler Krisen und innergesellschaftlicher Konflikte [gerät] aktuell der demokratische Rechtsstaat von unterschiedlichen Seiten unter Druck.“ Der „Druck“ stamme u.a. von „Narrativen, mit denen Autokratien, antidemokratische Parteien oder identitäre Gruppen Ansprüche begründen und Gefolgschaft mobilisieren“. Daher „rückt Demokratiebildung verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit“. „Es geht um die Förderung des Interesses an Politik sowie Akzeptanz und Einübung der Werte einer freiheitlich demokratischen Grundordnung.“

Es mag sein, dass sich die Schulministerien und andere von einer intensivierten „Demokratiebildung“ eine Schutzwirkung gegen „antidemokratische Parteien“ versprechen. Im Fall der damit gemeinten AfD ist es bloß so, dass auch sie dem demokratischen Prozedere anhängt, mit dem sie – nach dem Vorbild der ‚Altparteien‘ – politische Gestaltungsmacht im Wahlkampf erringen und als Regierung beibehalten möchte. Der Leser kann in diesem Sinn ja selbst herausfinden, welche der folgenden Zitate von der AfD bzw. von der KMK stammen: „Demokratie und Bürgerrechte sind kein geschenkter Bestand, der ohne unser Zutun erhalten bleibt, sondern […] müssen jeden Tag aufs Neue verteidigt werden.“ Bzw.: „Der freiheitliche demokratische Staat lebt von Voraussetzungen, die er als Staat allein nicht garantieren kann. Er ist darauf angewiesen, dass die Bürger aus eigener Überzeugung freiwillig im Sinne der Demokratie handeln.“ Bzw.: „Die Demokratie als beste Staatsform sichert staatlichen Entscheidungen theoretische Legitimität und praktische Akzeptanz. Das Kernprinzip der Mehrheitsentscheidung ist der beste Schiedsrichter für gesellschaftliche Konflikte.“ Für die demokratischen Parteien, ob schwarz-rot-grün oder blau, gilt eben selbstredend, dass die Demokratie ein Verfahren zur Herrschaftssicherung durch willentliche Unterordnung ist. Und darin das „beste“, das deshalb fraglos „Akzeptanz“ verlangen kann. Ebenso selbstverständlich ist für sie, dass ihre Schulpolitik dies auch als Lernstoff ausbreitet und verbindlich macht.

„Mehr Bismarck, weniger Hitler“

Wirklich konfrontativ in Sachen Bildung zwischen den etablierten Parteien und der AfD sind Themen geworden, für die Letztere eine Alleinstellung beansprucht. Das strittigste davon wird im Programm für Sachsen-Anhalt so beschrieben: „Ein Bekenntnis zum eigenen Land und eine Identifikation mit unserer Kultur dürfen nicht mehr als verdächtig, sondern müssen wieder als völlig normal und selbstverständlich gelten.“ „Eine Vergangenheitsbewältigung, die das genaue Gegenteil von Bewältigung ist, nämlich die Verewigung eines Schuldkomplexes, hat mittlerweile dazu geführt, dass Nationalstolz grundsätzlich als anrüchig gilt, die Verteidigung der eigenen Interessen als unanständig wahrgenommen wird und Politiker jede positive Bezugnahme auf unsere reiche Geschichte vor 1933 vermeiden.“ „Mehr 1813 und 1871: Wir werden im Unterricht einen deutlichen Schwerpunkt auf die Entstehung und die Erfolgsgeschichte [des von Bismarck gegründeten Deutschen Reichs] legen.“ Und was mit den „eigenen Interessen“ und ihrer „Verteidigung“ gemeint ist, formuliert die Präambel des Programms so: „Nicht das, was die Brüsseler EU, was die Ukraine, der UN-Migrationspakt oder die Pariser Klimakonferenz wollen und vorschreiben, ist unser Maßstab, sondern einzig und allein das Wohl der Bürger in Sachsen-Anhalt.“

Zwar fällt es ganz in die Interpretation der neuen Rechten, dass ein „Bekenntnis zu Land und Kultur“ oder so etwas wie „Nationalstolz“ in den Bildungsministerien und im politischen Mainstream „Verdacht“ erregen würde. Übereinstimmend mit der AfD gilt dort ein ‚gesunder Patriotismus‘ allemal als selbstverständliche Haltung und Empfindung normaler Staatsbürger, der schulisch angebahnt und gepflegt werden will. Stellvertretend hierzu die Bayerische Verfassung Art. 131: „Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.“

Bei der in Lehrpläne gefassten und von den KMK-Empfehlungen bekräftigten Weise der ‚Vergangenheitsbewältigung‘, die sich auf Verurteilung des nationalsozialistischen Judenmords fokussiert, stehen die Zeichen aber definitiv auf Konfrontation. Niemals, so die Bildungsminister in ihren „Empfehlungen“ (s.o.), dürfe „die Shoa relativiert, geleugnet oder instrumentalisiert werden“. Dies sei – durchaus im Unterschied zu anderen historischen Ereignissen, die so und anders gesehen werden können – „keine Frage der Kontroversität, sondern Ausdruck der verfassungsrechtlichen Werteordnung“. Darauf beruhe „die Auseinandersetzung mit der Schoa als staatlich geplantes und singuläres Menschheitsverbrechen und die besondere Rolle der deutschen Erinnerungskultur.“ Hier fällt eine ‚Lehre aus der Geschichte‘ sozusagen mit einem grundgesetzlichen Gebot zusammen.

Solche Aussagen rufen die dezidierte Kritik der neuen Rechten hervor, womit ein wesentliches Element im ideologischen Überbau der BRD zum Gegenstand eines Kulturkampfs wird, dem der AfD-Bildungspolitiker Tillschneider die Formel „Mehr Bismarck, weniger Hitler“ zugedacht hat.

„Erinnerungskultur“

Der Streit, der sich an der Historie festmacht, betrifft die sehr gegenwärtige Frage danach, welcher Patriotismus dem bisherigen Erfolgsweg und den neuen Herausforderungen der Nation am besten zu Gesicht steht und förderlich ist: einer, der die Besonderheit der „deutschen Erinnerungskultur“ weiter pflegt, oder einer, der diese „Verewigung des Schuldkomplexes“ hinter sich lässt. (Dass die Streitparteien ihren Gegensatz auch im Zugriff auf die Schuljugend austragen, zeugt vom Gewicht, welches sie ihrer Variante von Nationalerziehung beimessen. Dabei überschätzen sie dessen Bedeutung insofern, als die nationale Moral nur die abhängige Variable und nicht die Bedingung der staatlichen Handlungsfreiheit und Machtentfaltung ist.)

Die AfD löst den Widerspruch, den eine ‚gebrochene Geschichte‘ für jedes vaterländisch gestimmte Gemüt bereithält, auf ihre – keineswegs unpopuläre – Weise auf. Denn der unkritische und überhöhende Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist eigentlich der Normalfall, den man von Staaten und Patrioten kennt. Der politische Mainstream, dem jede Vaterlandsvergessenheit fern liegt, hält es etwas anders. Die Instrumentalisierung der etablierten ‚Erinnerungskultur‘ würde er weit von sich weisen – die ein Blick von außerhalb der Nation unschwer erkennen kann. Als Beispiel ein Artikel, der mehrfach in Asien erschien: „Als Gegenleistung für die gezeigte Reue erhielt Deutschland Sicherheitsgarantien, Prosperität und volle Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft. Heute führt Deutschland Europa in jeder Hinsicht an.“ Noch mehr Bewunderung der bundesrepublikanischen ‚Staatskunst‘ zeigt ein US-deutscher Professor (Thomas U. Berger), der den Ex-Präsidenten Weizsäcker so verstanden haben will, „dass die Deutschen nicht nur Schuld […] verspüren sollten, sondern dass diese Schuld ihrerseits eine Quelle für nationalen Stolz sein könnte“. Dass „die Deutschen“ unbesehen ihrer Individualität als Zwangsmitglieder eines abstrakten Kollektivs in Haftung und Anspruch genommen werden, versteht sich dabei offenbar von selbst.

Beide Stellungnahmen befassen sich mit folgendem Strang der Bonner und Berliner Nachkriegsgeschichte. Wer nach der bedingungslosen Kapitulation wieder erfolgreicher deutscher Politiker werden wollte, kam nicht umhin, mit der Vorherrschaft der westalliierten Sieger auch deren Schuldspruch und ihr Fordern von demokratischer Läuterung zu akzeptieren. Das Eingehen darauf, ob reuevoll oder berechnend, erwies sich recht schnell als ideologische Eintrittskarte in den Wiederaufstieg, den Deutschland im Wirtschaftswunder und als gefragter Frontstaat gegen den Ostblock verzeichnete. Das machte nicht nur die moralische Schmach des ‚dunklen Kapitels‘ wieder wett. Damit war vor allem klar, wie wenig das geforderte Bekenntnis zur ‚historischen Schuld‘ einer staatlichen Machtentfaltung im Wege stand. Umgekehrt erwies sich dieses Eingeständnis zunehmend als Instrument, die bundesdeutsche Politik zu adeln und im Idealfall sogar zu befördern. Auf diese Weise wurde Willy Brandts Kniefall 1970 in Warschau zur Ikone eines „Wandels durch Annäherung“, bei dem klar war, wer sich zu wandeln hatte. Dass ein grüner Außenminister 30 Jahre später die kriegerische Einmischung in die Neuordnung Jugoslawiens mit den ‚Lehren aus Auschwitz‘ legitimierte, was seine Partei heute in einem eigenen Bellizismus fortsetzt, gehört ebenfalls zum Ertrag der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Ihre Befürworter wollen sie deshalb auch keineswegs beenden, auch nicht mit der vollständig restaurierten Souveränität nach dem Mauerfall, weil ihr staatsmoralischer Gebrauchswert geblieben ist. Der Angeklagte von damals erinnert sich bleibend seiner Schuld und verschafft sich dadurch ein Richteramt, das ihn zu supranationaler Einmischung berechtigt. Die faktische Berechtigung dazu verdankt sich zwar der Macht, sich diese Außenpolitik herauszunehmen, also den Marktführerschaften, der Verschuldungsfähigkeit im Weltgeld Euro oder dem Gewicht in Staatenbündnissen. Aber als ein Selbstbild des bundesdeutschen Imperialismus und als ein höheres Recht auf seinen Erfolg halten die dafür Zuständigen ihre „besondere Erinnerungskultur“ bislang für unverzichtbar. Entsprechend wird sie mit der Bestimmungsmacht der Staatsschule lehrplanmäßig aufgegriffen und vermittelt.

Ende des ersten Teils. Der zweite und letzte Teil befasst sich weiter mit dem Kulturkampf zwischen der AfD und dem Establishment um den zeitgemäßen Patriotismus und die dazugehörige Sittlichkeit.

Georg Schuster

Georg Schuster (Pseudonym) verbrachte sein Berufsleben als Lehrkraft. Von 2013 bis Ende 2019 schrieb er für das GEW-Magazin „Auswege“. Nach dessen Einstellung war er bis Anfang 2023 Autor bei „Telepolis“. Seither schreibt er für „Overton“.
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20 Kommentare

  1. „Dass Patriotismus und eine positive Einstellung zum Staat schulische Lernziele sind, versteht sich für die Bildungspolitik von selbst.“

    Auf deutsch: Indoktrination.
    Und wer nicht mitmacht, wird Repressalien unterworfen.

  2. Ein Artikel zu einem wichtigen Thema, der allerdings etwas an einer vagen Ausdrucksweise leidet.
    Ich lese, ich lese weiter … , dann merke ich, dass ich mich bereits dem Ende zu nähern beginne – aber ich habe immer noch nicht so recht gemerkt, worauf der Autor eigentlich hinaus will … ?

    Es scheint, dass er darauf hinaus will, dass das AfD-Bildungsprogramm eine große Schnittmenge mit den Vorstellungen anderer Leute und Gruppen habe und deswegen gar nicht so spektakulär sei.

    Es scheint, dass Herr Schuster auch meint, dass die Art der bundesdeutschen Vergangenheitsbewältigung inzwischen nur noch rein mechanisch und ritualhaft betrieben wird und gleichzeitig auch als Berechtigung verstanden wird, auf politischer Ebene als Super-Saubermann dazustehen. Als ein Super-Saubermann, der sich anmaßt, andere zu belehren usw.

    Dann ein Satz, der mich lachen lässt:
    „Der politische Mainstream, dem jede Vaterlandsvergessenheit fern liegt, …“
    Ist das ernst gemeint oder Satire?

    Auch zum Schluss hin wird der Text für mich nicht viel klarer. Ich weiß auch jetzt immer noch nicht genau, ob Herr Schuster die offizielle bundesdeutsche Art, sich Kraft, Stolz und Identität in erster Linie aus der Bewältigung der NS-Vergangenheit zu ziehen (und nicht mittels Rückblick auf gute deutsche Leistungen vor 1933 wie es alle anderen Länder tun), nun lediglich neutral referiert oder ob er sich diese Sicht ganz zu eigen macht. Okay, ich gebe zu, ich hätte langsamer und konzentrierter lesen können, dann würde es vermutlich deutlicher. Auch bei dem folgende Zitat wird das nicht klar:

    „Noch mehr Bewunderung der bundesrepublikanischen ‚Staatskunst‘ zeigt ein US-deutscher Professor (Thomas U. Berger), der den Ex-Präsidenten Weizsäcker so verstanden haben will, „dass die Deutschen nicht nur Schuld […] verspüren sollten, sondern dass diese Schuld ihrerseits eine Quelle für nationalen Stolz sein könnte“.

    Unwillkürlich muss ich bei diesem Thema an das schmale, aber inhaltsschwere Büchlein „Finis Germania“ (2017) von R. P. Sieferle, denken, der insbesondere im 3. Teil des Buches zur bundesdeutschen Art der Vergangenheitsbewältigung schreibt: https://de.wikipedia.org/wiki/Finis_Germania

    Was ebenfalls etwas unklar bleibt, das ist der Punkt, ob Herr Schuster das AfD-Bildungsprogramm nun eigentlich ablehnt oder befürwortet?
    Dass ich als Konservativer in diesem Programm viele vernünftige Gedanke erkenne, muss ich wohl nicht groß erwähnen. Dass die Haltung von Herrn Schuster, immerhin einem früheren Mitglied der linken Lehrergewerkschaft GEW hier so unscharf bleibt, überrascht mich positiv.

    1. Woher weißt du, dass der Autor Mitglied der GEW war oder ist? In der kurzbiographie steht nur, dass er für eine Zeitschrift der GEW geschrieben hat. Oder weißt du, wer hinter dem Pseudonym steckt?

    2. „Okay, ich gebe zu, ich hätte langsamer und konzentrierter lesen können,“ Ja, bitte nochmal langsamer und konzentrierter lesen. Es ist natürlich eine Kritik, sowohl der Vergangenheitsbewältigung nach Altparteien Art als auch nach AFD-Art. Es geht ja darum wie man dem Nachwuchs den für die künftigen Vorhaben der Nation (z.B.: Krieg gegen Russland) passenden Nationalismus in der Schule beibiegt, damit das Volk pariert. Du kannst sich sein, dass Schuster davon prinzipiell nichts hält.

      Er sagt so groß ist der Unterschied zwischen AFD und Altparteien nicht. Beispiel Brandt – Fischer. Offensichtlich hängt der wirkliche imperialistische Macht einer Nation gar nicht davon ab, mit welchem historischen Gewissen sie ihre Interessen rechtfertigt. „Dass ein grüner Außenminister 30 Jahre später die kriegerische Einmischung in die Neuordnung Jugoslawiens mit den ‚Lehren aus Auschwitz‘ legitimierte, was seine Partei heute in einem eigenen Bellizismus fortsetzt, gehört ebenfalls zum Ertrag der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Ihre Befürworter wollen sie deshalb auch keineswegs beenden, auch nicht mit der vollständig restaurierten Souveränität nach dem Mauerfall, weil ihr staatsmoralischer Gebrauchswert geblieben ist. “ Die Inszenierung der nationalen Schuld hat die BRD nicht an ihrem Wiederaufstieg gehindert, eher im Gegenteil.

      1. @Vrits „so groß ist der Unterschied zwischen AFD und Altparteien nicht.“ Bei vielen Themen ist die „Alternative“ nur noch extremer als die „Altparteien“ (CDU, CSU, FDP und SPD) insbesondere bei der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik. Die AfD war sogar gegen die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Auf der anderen Seite hat die blaue Frau Weidel kein Problem damit, einem US-amerikanischen Billionär 💰💰💰 kiloweise Honig um den Mund zu schmieren.

        Die letzte echte Grüne, Antje Vollmer, ist 2023 im Alter von fast 80 Jahren verstorben. Aber wer kennt noch Antje Vollmer? Was Grüne wie Joska Fischer angeht, dann sind das heute Nato-Olivgrüne, die sich seit 1980 um 180 Grad gewendet haben und den Reichen, Superreichen und Mächtigen anbiedern. Aus Pazifisten sind russophobe Bellizisten geworden, die jeden als „Putinversteher“ diffamieren, der die Frage stellt, ob man diesen Krieg hätte verhindern können und ob man ihn mit Fiedensverhandlungen beenden kann. Sogar vom Umwelt- und Klimaschutz ist nicht mehr viel übriggeblieben.

    3. @Wolfgang Wirth „Dass ich als Konservativer in diesem Programm viele vernünftige Gedanke[n] erkenne, muss ich wohl nicht groß erwähnen.“ – Wenn das keine Steilvorlage ist? Was ist ein „Konservativer“ ⁉️

      Nur so am Rande und zur Erinnerung:
      🪦 Es waren konservative Superreiche wie Alfred Hugenberg, Fritz Thyssen ud Friedrich Flick, die Adolf Hitler unterstützten.
      🪦 Es war der konservative Heinrich Brünning, der mit seiner asozialen Austeritätspolitik und „Sparpoltik“ viele Bürger in die Arme der NSDAP trieb.
      Es waren Konservative,
      🪦die via Ermächtigungsgesetz 1933 Adolf Hitler zum Diktator machten.
      🪦die 1945 und danach mit dem Finger auf den einen bösen Mann mit dem Schnauzbart zeigten und sagten: Der war es, wir haben nur Befehle ausgeführt.
      🪦 Es waren Konservative wie Oberst Graf von Schenk, die einen Eid auf den Führer ablegten und jahrlang beim Krieg gegen Polen und Russland (Sowjetunion aka „Bolschewistenstaat“) mitgemacht haben.

      ◆ Es waren Konservative wie Angela Merkel, die die Grenzen Europas geöffnet haben, um dann 2015 als viele Füchtlinge kamen, verkündeten: „Wir schaffen das.“ ohne zu sagen, wie wir das schaffen.
      ◆ Es ist der konservative Ex-CDU-Politiker und Mitbegründer der AfD Alexander Gauland, der das braune Terror-Regime inkl. Holocaust, Euthanisie und Zweitem Weltkrieg als „Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ beschönigt. Wenn 65 oder 70 Milllionen Tote am Ende des Zweiten Weltkrieges ein „Vogelschiss“ sind, was ist dann ein Elefantenschiss? Von diesen braunen Vögeln wurden bis 1945 auch zwischen 250.000 und 300.000 Behinderte ermordet. Aber darüber redet sowieo fast niemand.

      Es sind Konservative,
      ◆ die das Märchen erzählen, alle Bürger könnten reich werden, wenn sie hart arbeiten.
      ◆ die Politik für milliardenschwere Oligarchen machen, damit die „Superreichen“ immer noch reicher werden.
      ◆ die den Bürgern erzählen, wenn man die Superreichen steuerlich entlasten würde, würden auch ein paar Cent für die Obdachlosen abfallen (Trickle-Down-Theorie).
      ◆ die kein Problem damit haben, dass im „christlichen“ Deutschland im Winter Obdachlose erfrieren.
      ◆ die Geringverdiener gegen Arbeitslose aufhetzen.
      ◆ die tanzen und hüpfen, wenn Donald Trump mit der Trillerpfeife pfeift, aber in Deutschland den großen Macher spielen.
      ◆ die den eigenen Hals nicht voll kriegen, aber die Sozialleistungen für Behinderte kürzen.
      ◆ die die Gesellschaft spalten, um selbst davon zu profitieren (divide et impera).
      ◆ die von Skandal sprechen, wenn ein Arbeitsloser das Arbeitsamt um 1.000 Euro betrügt, die aber kein Problem damit haben, dass reiche Kriminelle sich cum ex jahrelang auf Kosten aller Steuerzahler Milliarden Steuern erstatten lassen, die sie nie gezahlt haben.
      ◆ die die Bundeswehr auf Kosten aller Steuerzahler und zu Lasten des Sozialstaates zur größten konventionell bewaffneten Armee Europas hochrüsten.

      ◆ Es sind Konservative, die das Volk täuschen und von „Sondervermögen“ sprechen, wenn sie Schulden für die Aufrüstung der Bundeswehr machen.

      Diederich Heßling in Heinrich Manns „Der Untertan“ von 1914/18 ist der, wenn auch satirisch überzeichnete Prototyp des konservativen Deutschen des deutschen Kaiserreiches: opportunistisch, karrieregeil, autoritätshörig, tendenziell feige, machtbesessen, nationalistisch und militaristisch, egoistisch und berechnend, ein anpassungsfähiger Wendehals, tendenziell antidemokratisch, in hohem Maße unsozial und vor allem triefend vor Doppelmoral 🎭: Er fordert von anderen Disziplin, Gehorsam, Anstand, Gesetzestreue, Bescheidenheit, Opferbereitschaft, Ehrlichkeit und Pflichtbewusstsein, nimmt sich selbst aber Freiheiten heraus, wenn es ihm nützt. Er verlangt von anderen „Eigenverantwortung“, weist die Verantwortung aber weit von sich, wenn er selbst Fehler macht. Wenn er beim Lügen und Betrügen erwischt wird, dann kann er sich plötzlich nicht mehr daran „erinnern“. 🧠❓🫠

      Diesen konservativen Typus gibt es nicht nur bei der „konservativen“ CDU/CSU, sondern auch bei der „liberalen“ FDP, der „alternativen“ AfD, der aktuellen „sozialdemokratischen“ SPD, den nato-oliven Bio-Gender-Vollkorn-Müsli-Grünen und den Pseudo-Linken aus dem bunten Wokeland.

      Diesen Typus gab es sogar in der „linken“ DDR und selbstverständlich im schwarzbraunen Dritten Reich von 1933 bis 1945. 1933 war die SPD die einzige Partei, die gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte. Aber das war eine andere SPD als die SPD von heute. Heute hilft die SPD fleißig dabei mit, die Bürger und Wähler in die Fangarme der „alternativen“ blauen Krake zu treiben.

      Ist es daher ein „Wunder“, dass der Autor Heinrich Mann mit seinem Roman damals als „unpatriotischer Vaterlandsverräter“, als „Nestbeschmutzer“ und „Ehrabschneider“ diffamiert wurde? Bei Kriegsbeginn 1914 wurde der Roman sogar zensiert. Das könnte die Moral der deutschen Soldaten beim Kampf gegen den „Erzfeind“ (Frankreich) beeinträchtigen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 wurde der Roman dann ein Beststeller.

      Kienzle: Noch Fragen Hauser?
      Hauser: Nein Kienzle, diesmal nicht.

      1. @DIRTY OPERATING SYSTEM

        Sie schreiben zu viel, das nutzt Ihrem Anliegen nicht.

        Mein Haupteinwand:
        Ein „Konservativer“ ist heute etwas anderes als um 1930.
        Beschäftigen Sie sich mit dem Konservatismus als geistig-kulturphilosophischer Richtung!
        https://de.wikipedia.org/wiki/Konservatismus

        Die Behauptung, dass jene bewusste Kanzlerin, die vor ein paar Jahren abtrat, eine Konservative gewesen sei,
        ist für mich ähnlich absurd und geradezu lächerlich, wie wenn ich Ihnen verklickern wollte, dass z.B. Peer Steinbrück ein Linker sei … ! (Natürlich ist er kein Linker!)

        1. „Den Konservativen“ als solchen gibt es sowieso nicht. Man kann z.B. sozial konservative Werte vertreten, gleichzeitig aber politisch progressive Ziele teilen. Der politisch Konservative aber steht im Kapitalismus stets auf der Seite der Macht aus Geld und Gewalt, weil das in seiner Welt „gottgewollt“ ist und das Volk sich zu fügen hat. Er muss letztendlich immer zur Demokratie „gezwungen“ werden.

      2. Zu Gaulands Vogelschiss

        sollte angemerkt werden, dass bedauerlicherweise das Original immer unter den Tisch fällt. So schlecht war das ja auch nicht:

        „Sind denn nun die früheren Deutschen, die früheren aktiven Offiziere, wirklich solche Schandkerle gewesen? Hitler hat eine außerordentlich schwere Schuld auf sich geladen und alle diejenigen, die ihm geholfen haben oder die in der Lage waren, ihm genügend Widerstand zu leisten und es nicht getan haben, mit ihm. Aber immerhin sind diese 12 Jahre des Nationalsozialismus doch nur eine Episode in der vergangenen Geschichte des deutschen Volkes.“

        https://www.konrad-adenauer.de/seite/21-juli-1948/

        1. @MoSCow

          Sie haben ganz recht: Aus dem Zusammenhang gerissene Sätze oder Satzfetzen sind ein Ärgernis, aber heute leider fast schon normal. Es gibt eben Leute, deren Geschäft besteht darin, andere missverstehen zu wollen, um ihnen ans Bein zu pinkeln.

          Für jeden historisch versierten Menschen – und ich halte Herrn Gauland für einen solchen – ist der bewusste Satz so zu verstehen, dass diese furchtbaren zwölf Jahre bezogen auf die GESAMTDAUER der deutschen Geschichte von über tausend Jahren (mit ihren so vielen Ereignissen) eben nicht viel sind.
          Eine Aussage, die zweifellos richtig ist und die man auch so sagen können muss.

          Wenn man die deutsche Geschichte mit der Krönung Konrad I im Jahre 911 beginnen lässt, dann sind das von damals bis heute 1115 Jahre. Davon machen diese zwölf Jahre nur etwa 1 % aus !!!

          Das Problem ist – um es mal etwas salopper zu sagen – dass heute erschreckend viele Leute von Geschichte keine Ahnung haben. Ja, sie schämen sich dafür noch nicht mal.

    4. Ist halt eine Auseinandersetzung mit neu- und altrechten Positionen der Vergangenheitsbewältigung und – vermittlung. Ich finde die Sicht interessant und – weil sie eben nicht mit Schaum vom Maul geschrieben wurde – gut lesbar. Trotz der Tatsache, dass er Westdeutschland unerklärt mit Deutschland gleichsetzt.
      Soll die erste Folge einer dreiteiligen Serie sein, so dass man sehen wird, wie und welche Gedanken entwickelt werden.
      Die der AFD zugeschriebene Kritik an heimischer Bildung – ganz am Anfang des Textes und da geht es nicht nur um den NS – kann der Autor natürlich einfach so stehen lassen und der Leser entscheidet, was er darin zu erkennen glaubt. Ich habe durch Familie und Freunde eine Sicht, die dem „Mängelkatalog“ sehr nahe kommt . Es würde mich wirklich sehr interessieren, ob und wie dieser Irrsinn, den sie an vielen Schulen Alltag nennen, gerechtfertigt oder begründet wird. Die üblichen Verfahren – also Abstreiten, Verschweigen oder darauf verweisen, dass es von der Rechten vorgetragen wird, also falsch sein muss – sind von einer intellektuellen Schlichtheit, die inakzeptabel ist.

  3. ➊ Der Artikel wirft die Frage auf: Warum braucht man 2026 in Deutschland eine „Erinnerungskultur“? 📖⚰️🪦 🕰️⏰⏳

    Sollte das nicht in einem demokratischen Staat Teil des (normalen) Geschichtsunterrichts an den allgemeinbildenden Schulen sein und damit meine ich nicht, irgendwelche Daten auswendig zu lernen: Wie lange dauerte der Zweite Weltkrieg und wie viele Menschen starben im Ersten Weltkrieg. Wer aus der Geschichte lernen will, um zu verhindern, dass sich dieser „Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ (Alexander Gauland, AfD-Politiker) wiederholt, muss die Geschichte nicht nur kennen kennen, er muss sie vor allem verstehen. Es geht um Ursachen, Zusammenhänge und Folgen. Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg sind nicht vom Himmel gefallen. Das gilt auch für den Ersten Weltkrieg und alle anderen Kriege.

    Offenkundig ist da in Deutschland in den letzten Jahren in der Schulbildung etwas gewaltig schiefgelaufen. Was sagen Angela Merkel, Olaf Scholz, Christian Lindner, Markus Lanz und der „König von Bayern“, Markus Söder, dazu?

    ➋ Zitat: „Aktuelle Verlautbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK) machen aber deutlich, dass dort ein gewisses Unbehagen herrscht und Handlungsbedarf gesehen wird.“

    Um diesen Handlungsbedarf in die Tat umzusetzen benötigt man aber Ressourcen und finanzielle Mittel. Und da haben wir dann ein fiskalisches Dilemma 💰 ↔️ 💰. Es gibt viele Gründe gegen die AfD, aber derzeit ist es jedenfalls ist nicht die AfD, die in primiter Weise gegen Russland hetzt und noch mehr Waffenlieferungen fordert, um den Krieg in der Ukraine zu verlängern, damit noch mehr Menschen auf beiden Seiten der Front sterben. ⚰️🪦 Es sind auch nicht das BSW und Politiker wie Fabio De Masi und das für konservativ-liberale Journalisten und Bürger offenkundig personifizierte „Böse unter der Sonne“ mit dem bürgerlichen Namen Sarah Wagenknecht.

    Es sind die Bellizisten, Militaristen, Aufrüstungsbefürworter und Kriegsgewinnler der konservativ-bürgerlich-sozialdemokratisch-liberalen „Mitte“, die 🇩🇪 auf Kosten aller Steuerzahler und zu Lasten des Sozialstaates zur größten konventionellen Armee Europas aufrüsten wollen 🪖 ⚔️ 🛞 🧨💣 ☢️ 💥 🔥 💀 🩸 🚩und dann mit dem 👉 auf die 🟦 AfD zeigen. Es sind vor allem die veganen Bio-Gender-Grünen, die keine Friedensverhandlungen und keinen Frieden mit Putin/Russland wollen, weil man angeblich nicht mit Putin verhandeln könne. Wer ein Ende des Krieges und Frieden will, dann muss man auch mit Putin verhandeln.

      1. „Aber Sie wissen doch, woher das alles kam? Das war die Stasi!“

        Kurt Biedenkopf zu Bernt Engelmanns Ausführungen zu Kohl und der Vergangenheit seiner Förderer, die seinen Aufstieg in der Politik förderten. Darunter der Arisierungsgewinnler mit eigenem Außenlager von Auschwitz für seine Zwangsarbeiter, Fritz Ries, der sich zum Kriegsende mit seiner Beute aus dem Staub machte, in der BRD rasch „entnazifiziert“ wurde, und dessen Tochter später die Ehefrau Biedenkopfs wurde.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Ries

  4. Es gibt Schüler, denen muss man nicht erklären, ob, warum und wie sie patriotisch sein sollen.

    Sie lesen einfach nach, was in diesem Land ueber die Jahrhunderte erdacht, erkämpft und erlitten wurde und ziehen daraus ihre eigenen Schlüsse.

    Einer dieser Schluesse könnte der folgende sein: Es braucht fuer gutes Gelingen einen instrumentellen Patriotismus fuer das gemeine Volk, waehrend sie selbst damit weniger anfangen koennen. Sie beziehen sich eher auf eine europaeisch interpretierte Kulturnation Deutschland sowie auf lokale Ideengeschichte und Traditionen (Lokalpatriotismus).

    Liegt bei den Lehrern eine aehnliche Verteilung vor?

    Als mittelalter Exilschwabe in Berlin faellt mir auf, wie unterschiedlich die politischen Kulturen in West, Ost, Sued und Nord am Ende dann doch sind – darauf könnte man im Geschichtsunterricht verstaerkt eingehen, anstatt alles, immer etwas verkrampft, unter eine gesamtdeutsche Kaeseglocke zu zwingen.

    1. Die Idee eines Verfassungspatriotismus wäre sozusagen das Gegenteil zum gemeinen, gesunden und hoffentlich halbwegs sanften Volkspatriotismus und damit typisch fuer unser Nachkriegsdeutschland: Elitaer, verkopft, top down – also preussisch?

      1. Zum deutschen Patriotismus hätte es bei mir nie gereicht. Ich wollte auch 1990 kein „Deutscher“ werden. Aber so, wie die Republik damals verfasst war, konnte ich mit ihr leben. Mein Leben leben und sonst hat sie mich meist – außer bei der Steuererklärung – in Ruhe gelassen.
        Aber – auch wenn das jetzt etwas esoterisch klingt – man kann mit diesem Land auf lange Sicht einfach nicht in Frieden leben. Immer und immer wieder setzt sich in der Tendenz das Böse, das Agressive durch. Irrationaler Größenwahn und ein totalitärer Anspruch, die gesellschaftliche Meinung zu formen. Man kann das auch mit „Kapitalismus“ nicht ausreichend erklären. Die Verwertungssinteressen des Kapitals werden immer und immer wieder gerade zu missachtet , die vitalen Interessen der Bevölkerung sowieso.
        Verfassungspatriotismus ist nicht vorstellbar, wenn die Verfassung zur Desposition steht. Da gibt es ein Friedensgebot…
        Es ist alles sehr unerfreulich.

  5. Schöner aufklärerischer Artikel von Georg Schuster. Ein guter Hinweis, dass Erinnerungskultur auch zur Wehrertüchtigung taugt, und zwar dann, wenn sie unreflektiert erfolgt. Wir reduzieren die deutschen Verbrechen seit der Reichsgründung auf den unbegreiflichen Mord an den europäischen Juden. Wurden auch andere Völker rassistisch verfolgt und ermordet?Na ja, Sinti und Roma und andered fahrendes Volk wohl, aber das waren ja keine richtigen Europäer. Na ja, Russen und andere slawische Völker wurden wohl rassistisch verfolgt und ermordet – wieviele Millionen? Deutschland brauchte wohl Land und Rohstoffe. Das waren ja im Übrigen auch keine richtigen Westeuropäer. Was ist eigentlich die deutsche und die europäische Geschichte mit Afrika? Gab es da irgendwelche „Vorkommnisse“? Wie tief ist eigentlich der Rassismus der europäischen und damit auch der deutschen Kultur eingeschrieben? Es lohnt sich, u.a. bei Kant nachzuschlagen. Wir üben uns in Erinnerungskultur, vermeiden tunlichst das N-Wort, reden am besten überhaupt nicht mehr über Afrikaner, aber wir schicken Entwicklungshilfe und NGOs, um uns die dortigen Warlords gefügig zu machen, die Länder weiter auszubeuten und machen uns ansonsten nicht die Finger schmutzig … Außer sie werden frech. In solchen Fällen stellt unser großer Bruder eine Koalition der Willigen zusammen. Nun ja so lange wir solche Zusammenhänge gnädig ausblenden, wird Erinnerungskultur weiter als Wehrertüchtigung funktionieren und das ist kein Appell, sich auf die ruhmreiche Geschichte der deutschen Reiche vor dem dritten zu besinnen. Die Verbrechen, die Ermordung der europäischen Juden gehört auf den Lehrplan, aber es gehört vor allem auf den Lehrplan, was die europäische Kultur so anfällig macht für das Morden und Ausrauben von Fremden und fremd Gemachtem und so lange das in der Schule nicht auf dem Lehrplan steht – und das geht noch eine Weile -, ist es unsere Aufgabe, diese dunklen Flecken auszuleuchten.

  6. „Nationalerziehung“ ist das Stichwort.

    Erziehung hat einen staatlichen Auftrag. Der junge Bürger soll zu einem tauglichen Staatsbürger herangezogen, d.h. in dem Sinne des Staates geformt werden. Neben allerhand Fähigkeiten, die er als Lohnarbeiter wie Staatsbürger braucht, geht es um die Gesinnung, bzw. die Sittlichkeit. Er wird deshalb an die „Werte“ herangeführt, so dass er die nach Möglichkeit vollumfänglich teilt.

    Darin sind sich alle Parteien einig: es braucht eine Volkserziehung, die man aber selten so nennt.

    Der Streit geht um die spez. deutsche „Erinnerungskultur“, also jene Vergangenheitsbewältigung, die nach dem Krieg angebracht erschien, weil erstens der Krieg krachend verloren ging, und darüber die Nation beinahe gänzlich untergegangen wäre. Zweitens war die Inbesitznahme der Schuldfrage das Mittel sich zum Subjekt in dieser Sache zu machen. Später, als Deutschland wieder als eine geachtete Nation im Kreise der anderen Imperialisten aufgenommen war, schien manchem Politiker diese Schuldfrage unpassend – quasi eine jetzt unnötige Verzwergung. Und eher hinderlich bei den anstehenden großen Aufgaben für Volk und Vaterland.

    Denn der unkritische und überhöhende Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist eigentlich der Normalfall, den man von Staaten und Patrioten kennt

    So ist es! Schon immer hat der Sieger die Geschichte geschrieben, seine Sicht der Dinge verbindlich gemacht und seine Heldentaten in Schulbücher, Museen und Denkmälern verewigt. Geschichte wird immer wieder umgeschrieben. Unliebsame Episoden werden geschönt, marginalisiert oder gleich ganz getilgt.
    Die Nation ist schließlich der höchste Wert in der bürgerlichen Gesellschaft. Und auch das sehen nahezu alle Parteien genau so.

  7. Ein etwas anderer Gedanke zum Text:
    Im Titelbild steckt eine sehr bedeutsame Unrichtigkeit. Nach offizieller Lesart dauerte der 1. Weltkrieg bis 1918. Es wird verschwiegen, dass der Weltkrieg für Russland/Sowjetunion bis ca. 1923 dauerte mit weiteren Millionen von Toten. „Beschönigend“ wird das als „Bürgerkrieg“ abgetan. Nur insofern Bürgerkrieg, dass die gesamte russische Gesellschaft in eine Sowjetische umgewandelt werden sollte, was natürlich auf erbitterten Widerstand der herrschenden Strukturen stiess. Verschwiegen wird immer der zeitgleiche Überfall der „Entente“ auf Russland. Die „Entente“ war ein militärisches Bündnis westlicher Staaten gegen Russland/Sowjetunion.
    Die allwissende Wiki weiss dazu unter anderem:
    Der russische Bürgerkrieg (1917–1923) und die Intervention der Entente unter Admiral Alexander Koltschak kosteten schätzungsweise 7 bis 12 Millionen Menschen das Leben (inklusive Seuchen und Hungersnöten bis zu 25 Millionen Opfer). Koltschaks Diktatur in Sibirien war von brutalem weißem Terror gegen Kommunisten, Bauern und Juden geprägt, während die Entente-Mächte logistisch und finanziell unterstützten.
    Rolle der Entente (1917–1923) Intervention: Truppen aus Großbritannien, Frankreich, den USA und Japan landeten in Russland, um die Bolschewiki zu bekämpfen. Unterstützung: Sie lieferten Waffen, Geld und Berater an weiße Generäle wie Koltschak. Ziel: Das zaristische oder ein antibolschewistisches Russland sollte zurück an die Front gegen Deutschland und die Ausbreitung des Kommunismus stoppen.

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