Stell dir vor, es ist Krieg – und du gehst doch hin

Symbolbild: Wehrpflicht verweigern
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Junge Männer, die bekanntmachen, dass sie Deutschland in keinem Fall mit der Waffe in der Hand verteidigen würden, führen bei manchem zu Schnappatmung. Dieses Thema ist jedoch völlig bedeutungslos.

Deutsche Medienschaffende haben eine neue Sensation, eine Kuriosität für sich entdeckt. Wie einst Arno Dübel, den man vor Jahren als Paradebeispiel für einen arbeitsscheuen Hallodri in diversen Sendungen oder Artikel vorführte, so hat man nun junge Männer für den medialen Beschau entdeckt, die kühn von sich behaupten, das Land – im Falle eines Falles, also Ernstfalles – nicht mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Vaterlandslose Gesellen also, die nicht bereit dazu sind, süß und ehrenvoll für das Vaterland zu sterben.

Zwei Namen hat man dabei entdeckt: Ole Nymoen, der den Bestseller »Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde« schrieb – und Simon David Dressler, der sich als »Linksfluencer« sieht. Die beiden jungen Männer machen selbstbewusst deutlich, dass sie dieses Deutschland nicht für verteidigungswürdig halten. Man kann nachvollziehen, was sie meinen. Ein Land, dass zwischen Sozialabbau, Verwahrlosung und Strukturschwäche taumelt, mit seinem Leben zu verteidigen: Da gibt es in der Tat ein gewisses Vermittlungsproblem.

Deutschland, du mieses Stück Scheiße?

Natürlich ist es einfach, diese beiden Protagonisten als Egoisten abzutun, die nicht bereit sind, etwas für ihr Land zu leisten – oder sogar etwas zu geben, und sei es nur die Kleinigkeit ihrer körperlichen Unversehrtheit oder gar das noch junge Leben. Dabei malt man ein Szenario an die Wand, in dem alle Mitglieder der Gesellschaft ihren Teil zum Existenzkampf beitragen müssen, der ein eingetretener Ernstfall ja wäre. Nur einige wenige, deren Symbolfiguren im Augenblick Nymoen und Dressler zu sein scheinen, würden sich diesem existenziellen Ringen entziehen. Die Aussagen der beiden lassen sich spielend zu einer Art von nationaler Krise umdeuten – der Individualismus kann auf diese Weise als Irrweg eingestuft werden. Deutschland als mieses Stück Scheiße, dieser oft skandierte Ruf der Antifa, hier legt man ihn den allzu individuellen Herren in den Mund.

Verweichlichte junge Leute – das leitet man aus den Auftritten der beiden Galionsfiguren ab. Soll man auch ableiten, um eine demnächst rigidere Wehrpolitik zu rechtfertigen. Nymoen und Dressler werden als Projektionsflächen instrumentalisiert. Dabei bleibt selbstverständlich außer Acht, dass die Verweigerung der eigenen Kampfbereitschaft nicht auf Verweichlichung deutet, sondern – ganz im Gegenteil – auf Mut. Man muss sich erstmal trauen, sich hinzustellen und zu erklären: Wenn alle kämpfen, ich werde es nicht tun. Dabei ist das Ausgesprochene nicht undenkbar – war es nie. Denn tatsächlich ist die Weigerung, für das eigene Land zu sterben, weder eine neue noch eine besonders ungewöhnliche Position. Über Jahrhunderte hinweg mussten Staaten erheblichen Aufwand betreiben, um Menschen zum Kriegsdienst zu drängen – die ganze abendländische Geschichte strotzt nur vor solchen Kampagnen: Patriotische Erzählungen, nationale Mythen, sozialer Druck und zuletzt auch Zwang.

Die Bereitschaft, das eigene Leben für politische Gebilde zu opfern, stellte historisch keineswegs den selbstverständlichen Normalzustand dar. Der Versuch, daraus jetzt Aufregung zu destillieren, ist demgemäß ein etwas künstlicher Vorgang – Propaganda eben. Gleichwohl muss man konstatieren, dass die forcierte Debatte überhaupt keine Relevanz besitzt – außer eben Grundlagen zu schaffen. Die Vertreter der Verweigerungshaltung werden zu Wehrpflichtzwecken vorgeführt, deren Position ist allerdings – so leid das einem tun kann – eher zweitrangig. Denn in Zeiten des Ernstfalles gibt es keine optionalen Entscheidungsmöglichkeiten. Dann heißt es zu kämpfen oder zu flüchten, zu kämpfen oder sich einsperren zu lassen – und ja, auch das kann blühen, je länger es dauert, desto gewisser: zu kämpfen oder sich an eine Wand stellen zu lassen, wenn vielleicht auch »bloß« inoffiziell. Der zur Schau gestellte Individualismus hat im Überlebenskampf leider noch nie eine Überlebenschance gehabt.

Du bist nichts, der Ernstfall alles

Dass Meinungsfreiheit oder körperliche Selbstbestimmung in einem Kriegsszenario irgendeine auch nur untergeordnete Rolle spielen könnten, darf man getrost als Missverständnis verstehen. Der Ernstfall ist ein Gleichmacher, er unterwirft jeden Menschen, der auf dem Terrain einer kriegsführenden Nation lebt, den »Regularien« der Notwendigkeit des Augenblicks: Jeder, ob uniformiert oder in Zivilkleidung, wird zur Verfügungsmasse staatlicher Allmacht herabgewürdigt. Natürlich wird man nicht müde, ein solches Szenario als gesichert und damit auch im Rahmen rechtsstaatlicher Ordnung vorzustellen, aber der Ernstfall erlaubt natürlich ein Einfrieren von gewissen Grundrechten – ein Blick auf die viel weniger dramatische Pandemie hilft dabei, den dünnen Lack der Zivilisation zu erkennen, der in solchen Momenten absplittert.

Zu befürchten ist überdies, dass auch die »grundgesetzliche Vorgehensweise innerhalb des Ausnahmezustandes« schnell abgewickelt werden könnte. Zwar ist beispielsweise die Todesstrafe auf dem Boden der Europäischen Union auch im Falle eines Krieges nicht erlaubt. Aber wer kann garantieren, dass im Verlaufe eines Krieges nicht Radikale das Ruder in die Hand bekommen, die auch diese Regelung zurücknehmen? Ein solches Szenario ist (fast naturgemäß) die Stunde der antizivilisatorischen Hardliner, einen »gesicherten Modus« gibt es nicht im Krieg – je länger er geht, desto mehr stellen solche Eiferer auf den Prüfstand. Der Individualismus wird dann drastisch abgebaut, die Nation wird mit kollektiven Vorstellungen neu aufgestellt. Das Ich ist nichts – das Wir jedoch alles.

Die Diskussion, die jetzt also geführt wird, und in deren Verlauf sich Protagonisten als strikte Verweigerer vorstellen, ist nur bis zu dem Moment überhaupt von Belang, bis der Ernstfall eintritt. Bis dahin fragt man noch hier und da, was der Einzelne vielleicht will oder doch eher ablehnt. Danach sind seine Vorstellungen und Vorlieben noch nicht mal mehr Gesprächsstoff für eine theoretische Debatte. Vielleicht mag sich anfangs noch der eine oder andere in die Verweigerung flüchten können – aber wie vergleichsweise schwierig es werden wird, in einem fortwährenden Kriegsszenario durchzuhalten, darauf gab die Debatte um die Impfung schon Aufschluss: Dem Druck standzuhalten war für viele kaum möglich. Wie sehr wird man Verweigerer wohl drücken, wie deren Haltung öffentlich vorführen? Man erahnt es wohl in Kenntnis der letzten Jahre. Das, was Nymoen und Dressler heute noch kundtun können, wird dann wohl kaum noch sagbar sein, ohne sich selbst größter öffentlicher Gefahr auszusetzen.

Pazifisten, die Pazifisten töten

Gemeinhin betrachten wir die Kriege der Vergangenheit unter nationalen Aspekten. Wir schauen zurück und wissen, wie die Deutschen in Belgien einfielen und weiter Richtung Paris marschierten – in den Feldern um die Marne, an der Somme, in Verdun trafen Deutsche auf Franzosen. Auch auf Briten. Später auf Amerikaner. Nationalstaaten fochten den Krieg aus, deutsche Soldaten starben ebenso wie französische, britische, amerikanische und andere Truppen, die aus dem Commonwealth und dem Hinterland der Mittelmächte herangezogen wurden. Die Heere bestanden aus Männern, die auf ihresgleichen schossen. Handwerker zielten auf Handwerker, Büroangestellte bajonettierten Berufskollegen auf irgendeinem gottverlassenen Feld. Und vermutlich bestanden diese Armeen in großer Mehrzahl aus Männern, die sich selbst als friedliebend eingeordnet hätten.

Wie viele Pazifisten haben in den Kriegen des 20. Jahrhunderts – und vorher? – auf Pazifisten geschossen? Es wäre spannend zu erfahren, wie viele Friedliebende andere Friedliebende getötet haben. Sie taten es freilich nicht, weil sie plötzlich aufgehört hätten, dem Frieden die größte Bedeutung beizumessen. Was hätten sie denn sonst tun sollen? Nicht schießen und sich dafür erschießen lassen? Die beste Friedensliebe nützt einem nichts im Ernstfall – der Soldat, der im Privatleben für diplomatische Händel war, der alles besser fand, als auf Menschen zu schießen, sah sich dem totalen Nihilismus ausgeliefert. Tötete er trotz pazifistischer Grundierung nicht, stieg die Wahrscheinlichkeit des eigenen Ablebens drastisch. Auch die Alternativen ließen ihm kaum eine Wahl: Ins Gefängnis gehen, Frau und Kind sich selbst überlassen? Auch das wäre eine Option gewesen. Aber für wen?

Natürlich soll mit keiner Silbe der Einsatz der beiden anfangs genannten jungen Herren namens Nymoen und Dressler geschmälert werden – ihr Wirken ist wichtig. Aber natürlich darf man skeptisch bleiben, was die Aussichten betrifft, sofern der Kriegsfall eintritt. Verweigern muss man sich leisten können – tut man es nicht, landet man in so einem Moment in der Uniform, bleiben die eigenen Ideale auf der Strecke. Der Krieg, ist er erstmal da, ist schrecklich desillusionierend. Er zermalmt jedes persönliche Leitbild, macht jeden Zauderer zum wahrscheinlichen Opfer. Die zentrale Frage ist also nicht, wie bereit man dazu ist, im Fall des Falles zu verweigern – das werden ohnehin nur wenige tun, eine breite Mehrheit wird – pazifistische Grundhaltung hin oder her – das Land verteidigen, ganz egal wen man die Schuld für einen Waffengang gibt. Denn tut man es nicht, geht man mit Sicherheit unter. Will man das für sich und die Seinen? Kämpft man dann nicht lieber für das eigene Falsche als für das andere, ganz egal ob das dann richtig oder falsch ist? Die Frage ist also letztlich, wie man den Ernstfall verhindern kann – die Verweigerung, die sich formiert, so ehrlich muss man wohl sein, ist das letzte Hoffnungsgefecht, das einem einreden soll, dass man auch im Schlimmsten noch eine Wahl hat. Stell dir vor, es ist Krieg – und keiner geht hin. Der berühmte Satz von Bertolt Brecht ist markig, er bleibt hängen. Was er jedoch nicht beleuchtet: Wenn auf der anderen Seite nur eine Handvoll doch hingeht, wird es bitter. Von den Maßnahmen gegen Verweigerer gar nicht erst zu sprechen …

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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9 Kommentare

  1. Was muß man denn bei ChatGPT eingeben, um so ein Ergebnis zu erhalten? 🙂
    Besonders lustig finde ich den Zuschauer, der die typische Silhouette unserer neuen Eckensteher aufweist.

  2. Das Dilemma, sich in einer Vielzahl widersprüchlicher Argumente zu verfangen, muss jeder für sich selber auflösen.
    Wie die Verweigerung auch in Kriegszeiten geht, kann man gerade an den Nichthelden in der Ukraine lernen.
    Bestechung, Untertauchen, Stillhalten, Fliehen – alles auch in einem kriegstüchtigen Deutschland denkbar.
    Man muss nicht gleich immer davon sprechen, Verweigerung hätte zur Folge an die Wand
    gestellt zu werden.
    Das war schon im deutschen Naziamoklaufvdie Ausnahme.
    Ganz falsch aber ist, den Krieg als
    “ Überlebenskampf“ zu labeln. Das ist nationalistisches Getröte.
    Wie jeder weiß, ist Krieg ein Geschäft.
    Macht, Glaube, Aktienkurse, Wahnideen schwimmen in der Suppe der propagandistischen Begleitküche.
    Blöd wer sich für solchen verlogenen Unsinn erschießen lässt
    Kriege sind gewollt, nicht notwendig. Konstruiert von verkommenen Subjekten, denen Menschen nur Fleischmasse sind, die das unbedingte Gebot ‚ Du sollst nicht töten‘ für Jesus schlechtesten Witz halten.

    1. „Das Dilemma, sich in einer Vielzahl widersprüchlicher Argumente zu verfangen, muss jeder für sich selber auflösen.
      Wie die Verweigerung auch in Kriegszeiten geht, kann man gerade an den Nichthelden in der Ukraine lernen.“

      Jemand der in Deutschland volljährig wird und keinen Jagdschein hat sollte in der Lage sein dies für sich beurteilen zu können und die entsprechenden Schritte durchführen zu können.

      Das an jemanden der z.b. als Berufssoldat verweigert höhere Ansprüche bzgl. der Stichhaltigkeit seiner Gründe gestellt werden liegt in der Natur der Sache.

  3. Auch in unserer Gesellschaft gilt: Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei.
    Und was die Verweigerer anbelangt. Medial werden sie benutzt, um die Haltung dahinter zu diffamieren. Ich Stelle mir vor, wie ein Verweigerer auf eine Keamp-Karrenbauer trifft. Oder einen Pistorius. Der würde medial platzgemacht und der angebliche Moderator, oder die angebliche Moderatorin würden sie zur medialen Schlachtbank führen. Alles ganz demokratisch, versteht sich.
    So bereitet man Kriege vor. Man diffamiert die eigenen Kriegsgegner. Wenn Tucholsky noch leben würde, könnte er ein Lied davon singen. Auch er wurde so medial geschlachtet, dass er keinen Ausweg mehr sah. Wir können nur immer wieder die eigenen und fremden Kriegsprofiteure bloßstellen. Denn was sagte Brecht zu Karthago nach dem 3. Krieg? Es wird keinen Gewinner geben, außer denjenigen, die sich mit 100%iger Sicherheit vorher rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben werden, nachdem sie ihre Rüstungsprofite eingestrichen haben. Alle anderen werden das Desaster nicht überleben, bzw. lohnt es sich nicht mehr, für sie, es zu überleben.

  4. Das ist ja alles schön und gut aber…

    1. Der „Ernstfall“ ist nach wie vor ein Konstrukt das im Moment noch nicht mal sehr warscheinlich ist. Es sei denn, wir lassen zu das dieser Staat weiter so zündelt wie bisher… wogegen zugegebener massen die Mittel recht begrenzt sind.
    2. und viel Wichtiger bedeutet die Verweigerung für diesen Staat zu kämpfen weder:
    a. eine pazifistische Grundhaltung
    noch:
    b. nicht im Fall des Falles zu kämpfen.
    Die Frage ist dann halt nur wofür.

    Auch wenn es einen staatlich provozierten Konflikt gibt kann und muß immer noch jeder abwägen für was er sein Leben aufs Spiel setzt. Das einem in diesem Fall, wie dargestellt, Gewalt durch den eigenen Staat blüht bringt mich eher weniger zu der Überzeugung für diesen kämpfen zu wollen. Natürlich hat man keine große Wahl mehr wenn man mit Gewalt konfrontiert wird. Um so wichtiger ist es die eigenen Prioritäten zu kennen um zu sehen wo sich das eingehen eines Risikos lohnt, oder wo man nach Möglichkeit lieber ausweicht. In diesem Sinne sollte jeden Herrn Nymoem folgen und sich diese Fragen schon jetzt stellen. Wenn der Stress erst mal da ist kann man keine vernünftigen Entscheidungen mehr treffen.

    Darstellungen wie in diesem Artikel bringen mich eher zu der Überzeugung das im Krieg jeder mein Feind ist. Darum hoffe ich, wenn auch nur auf kleiner Flamme, weiterhin das es nicht so weit kommt. Und werde weiterhin alles versuchen das zu Verhindern. Das ist aus meiner Sicht Pazifismus und nicht eine bedingungslose Ablehnung von Gewalt.

  5. Sehr guter Artikel, Herr De Lapuente. Ganz meine Meinung.

    Zitat: „Die Diskussion, die jetzt also geführt wird, und in deren Verlauf sich Protagonisten als strikte Verweigerer vorstellen, ist nur bis zu dem Moment überhaupt von Belang, bis der Ernstfall eintritt.“

    So ist es.

    Und wer dann immer noch verweigert, der landet entweder
    a) im Gefängnis, oder nach den ersten 10.000,
    b) an der Wand, und
    c) diejenigen, die im Gefängnis sitzen, haben irgendwann die Wahl zwischen Krieg oder b).

    Die einzigen „Schonungsmittel“, die ich sehe, sind:
    1. sehr tiefes Alter, vielleicht bis 8 Jahre,
    2. sehr hohes Alter, vielleicht ab 80 Jahren,
    3. sehr schwere Krankheit oder Behinderung, wobei diese im 1000jährigen Reich auch keineswegs sicher waren, nur in anderer Hinsicht,
    4. Reichtum, Macht und Einfluss,
    5. Politiker in sehr hohen Positionen,
    6. Kinder solcher Politiker von 5.,
    7. Geheimdienstmitarbeiter,
    8. Polizei,
    9. vielleicht Feuerwehrpersonal,
    10. Ärzte, die zur Behandlung von Soldaten benötigt werden,
    11. deren Assistenten (von 10.),
    12. Flucht in einen Staat, z.B. in einen, der nicht betroffen ist,
    13. Suizid (wobei das natürlich keine wirkliche Lösung für Lebenswillige ist),
    14. systemrelevante Dienste und Industrien, also indirekter Kriegsdienst, z.B. Beschaffung von Lebensmitteln für das Militär,
    15. Mitarbeiter in der Waffenindustrie, so sie wirklich für die Entwicklung und Herstellung benötigt werden,
    16. hochrangige Wissenschaftler.

    Da jedoch wohl 90% der Bevölkerung nicht zu diesen o.g. gehören: „Willkommen beim Töten anderer, gegen die man vielleicht gar nichts hat, die man nicht kennt, und mit denen man vielleicht sogar hätte Freundschaft schliessen können“.

  6. „Die beiden jungen Männer machen selbstbewusst deutlich, dass sie dieses Deutschland nicht für verteidigungswürdig halten. Man kann nachvollziehen, was sie meinen. Ein Land, dass zwischen Sozialabbau, Verwahrlosung und Strukturschwäche taumelt, mit seinem Leben zu verteidigen“

    Heute erklärte man mir aufgeregt im DLF, dass es die Chinesen seien, die unsere Wettbewerbsfähigkeit zerstören. Ach so, wir haben gar nichts gemacht. Und zum Ausgleich müssen wir jetzt tüchtig „kriegstüchtig“ werden, derweil unsere Krankenhäuser nicht mal Geld für Klimatisierung bekommen.

    Womit wir bei den alten Männern sind. Für die gilt: Stell dir vor, du willst den nächsten Krieg in der Tagesschau geniessen – aber er kommt direkt in deine Stadt, in deine Nachbarschaft und in dein Wohnzimmer. Da ist der Spaß vorbei.

  7. Herr De Lapuente schreibt: „Der Krieg, ist er erstmal da, ist schrecklich desillusionierend.“

    Dass kann man so sagen. Deshalb sollte man auch vorher alles dafür tun, den Krieg zu verhindern. Das ist wie mit dem Kind und dem Brunnen. Wenn das Kind erst einmal hineingefallen ist und unten langsam ersäuft, falls es den Sturz überlebt hat, dann ist es zu spät. Wenn diese Meldung „late“ am Abend im ZDF in der Sendung von „Madame“ Sarah Bosetti kommt, dann ist es „too late“, wenn das Kind um 5:45 in den Brunnen gefallen ist. Außerdem hat „Madame“ Bosetti wahrscheinlich immer noch Probleme mit ihrem Blinddarm.

    Und überhaupt: Wer hat denn noch einen eigenen Brunnen in seinem Garten? Jeder zweite Deutsche kann gendern, aber vier von drei DeutschINNEN, Deutschen und deutschen Diversen können nicht mehr rechnen, der fünfte versteht den Witz nicht und der sechste weiß im Land der Dichter und Denker nicht, was mit der Redewendung „das Kind ist in den Brunnen gefallen“ gemeint ist.

    Auf der anderen Seite helfen die Prostituierten und Zuhälter in den öffentlich-rechtlichen und privaten Mainstream-Medien jeden Tag fleißig mit, dass die Illusion, es würde bei der „Kriegstüchtigkeit“ um die Freiheit, die Verteidigung westlicher „Werte“ und die Demokratie gehen, solange wie möglich aufrecht erhalten wird.

    Vor der „Zeitenwende“ eines gewissen Olaf Scholz gab es im ÖRR und den privaten Konzernmedien viel mehr (Anti-)Kriegsfilme. Jetzt sieht man fast keine mehr.

    „Stalingrad“ von Joseph Vilsmaier (1993),
    „Die Brücke“ von Bernhard Wicki aus dem Jahr 1959,
    „Wege zum Ruhm“ von Stanley Kubrick (1957)
    „Die Brücke am Kwai“ von David Lean (1957)
    „Im Westen nichts Neues“ von Lewis Milestone (1930)
    „Das Boot“ von Wolfgang Petersen (1981)
    „Full Metal Jacket“ von Stanley Kubrick (1987),
    „Brotherhood – Wenn Brüder aufeinander schießen müssen“ von Kang Je-gyu (2004) und
    „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola (1979), wenn Lt. Col. William alias „Bill“ Kilgore sagt:

    „You smell that? Do you smell that? Napalm, son. Nothing else in the world smells like that. I love the smell of napalm in the morning. You know, one time we had a hill bombed for 12 hours. When it was all over, I walked up. We didn’t find one of ‚em, not one stinkin‘ dink body. The smell — you know that gasoline smell — the whole hill smelled like …“

    „Riechst du das? Riechst du das? Napalm, mein Junge. Nichts auf der Welt riecht so wie das. Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen. Weißt du, einmal hatten wir einen Hügel, der zwölf Stunden lang bombardiert wurde. Als alles vorbei war, bin ich hinaufgegangen. Wir haben keinen einzigen von ihnen gefunden, keine einzige stinkende Leiche. Der Geruch – du kennst doch diesen Benzingeruch – der ganze Hügel roch nach …“

    Es gibt auch noch andere (Anti-)Kriegsfilme, aber warum werden so wenige (Anti-)Kriegsfilme im Fernsehen gezeigt?
    Die Antwort lautet: Das könnte einen Teil der Zuschauerinnen und Zuschauer vor dem Krieg verunsichern und die Illusion rauben, dass es hier um edelmütige und hehre Werte geht (Vaterland, Ehre, Treue, Freiheit, Demokratie, die Verteidigung des Landes). Dann könnten viel mehr Leute auf die Idee kommen, dass das ein riesengroßer stinkender Misthaufen ist und eine Lüge ist. Wenn man auf dem Schlachtfeld in kleine Fetzen gerissen wird oder auch „nur“ die Beine, die Arme und/oder ein Auge verliert, dann ist Schluss mit der Illusion, hier würde die „Freiheit“ des Wertewestens „verteidigt“.

    R.I.P. Max Zimmermann,
    gestorben 13. Mai 1945 im KZ Dachau

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