Saufen – die kurze Geschichte eines Menschenrechts

Alkoholika
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Der westliche Bevormundungsstaat widmet sich künftig dem Teufelszeug namens Alkohol – die ersten Anzeichen verdichten sich. Die neuen Temperenzler sind dabei so vorausschauend wie jene vor dem Jahr 1920.

Neulich berichtete der geschätzte Stephan Schleim über die Empfehlungen des niederländischen Gesundheitsrates, Alkohol schwerer zugänglich zu machen. Im Wesentlichen geht es darum, Anreize zu schaffen, Wasser oder eine Fanta statt Bier oder Schnaps zu kaufen – eine Verteuerung gilt dabei als das probateste Mittel. Vorbild sind dabei die skandinavischen Länder, in denen der Konsum von Reinalkohol pro Jahr und Person niedriger liegt als in Deutschland. Zum Vergleich: Für eine Flasche mit einem halben Liter Bier zahlt man in deutschen Supermärkten zwischen 80 Cent und 1,50 Euro. In Schweden berappt man dafür mindestens 2,50 Euro – mancherorts sogar 4 Euro. In Norwegen kann es passieren, dass man 5 Euro hinlegen muss. Reinalkohol pro Kopf in Deutschland: zwischen 10 und 11 Liter pro Jahr – Tendenz fallend. In Skandinavien pendelte man sich bei 7 bis 9 Liter pro Kopf ein. Tendenz übrigens in einigen dieser Länder steigend.

Interessant daran: Die Niederlande muss den Vergleich mit Schweden und Finnland nicht scheuen – beim jährlichen Reinalkoholkonsum liegt man gleichauf. Tendenz fallend. Gleichwohl ist der dortige Gesundheitsrat besorgt. Freilich auch, weil die die Weltgesundheitsorganisation – ein globales Public Private Partnership – schon vor drei Jahren deutlich machte, dass ihre 194 Mitgliedsstaaten doch bitte wesentlich zurückhaltender bei der Empfehlung von Alkoholika sein sollten. Demnach sollte man alkoholische Getränke auch nicht mehr »in kleinen Mengen« als unbedenklich einordnen – ein Arzt also, der seinem Patienten empfiehlt, ein Glas Rotwein zum Abendessen zu genießen, würde nach dieser Lesart fahrlässig handeln. Das steht den Erfahrungen der mediterranen Küche entgegen, in der man durchaus regelmäßig Wein zu den Speisen reicht. Die Italiener und Franzosen trinken im Jahr um die 40 Liter Wein, die Deutschen nur 25 Liter – dennoch liegt die allgemeine Lebenserwartung in den beiden erstgenannten Ländern um etwa zwei bis drei Jahre höher.

Der Rausch: zu menschlich für das Shit- und Bückbürgertum?

Aber genug der Zahlenjonglage: Der Konsum – oder das Verschmähen – von alkoholischen Getränken gehört nicht in die Hand von Gesundheitsräten oder Ärzten, sondern ist ein Individualrecht, das jedem Menschen zusteht. Er trägt die Verantwortung für seinen Körper und muss wissen – oder nicht – was er ihm in seinem Leben zumuten will. Aufklärungskampagnen gibt es zur Genüge, es dürfte wenig Menschen in Europa geben, die die Gefahren überhöhten Alkoholkonsums – übrigens wie jene des passionierten Kettenrauchens – nicht kennen dürften. Manche Dinge gehen an einem einfach nicht vorbei. Wenn sie später behaupten, sie hätten nicht geahnt, was sie sich und ihrer Leber angetan haben, muss man das immer auch als ein Festhalten an einer Lebenslüge deuten. Aber die Entscheidung kann nicht von Dritten abgenommen werden – das ist zu einem kontraproduktiv, man darf nie die Reaktanz – ein nicht ganz ungesundes Entgegentreten – ignorieren, die Bevormundung fast zwangsläufig produziert. Und zum anderen zeugt es von einem Menschen- und Gesellschaftsbild totalitärer Prägung.

Natürlich sind Rauschmittel irrational. Aber wer sagt denn, dass der Mensch in seinem Dasein hienieden ein rationales Lebewesen sein soll? Die menschliche Existenz ist von vielen Irrationalitäten getrieben, die schönste ist die Liebe, aber man kann gut – manche Zyniker sagen: besser – ohne sie leben. Rationalität ist essen: Nicht speisen freilich, sondern sich Nährstoffe zuzuführen – sich etwas aus Gründen des bewussten Körperumganges, der Selbstoptimierung, würde man heute sagen, einzuverleiben. So gesehen ist veganes Essen (oft aus der Industrie kommend, zwar mit ekelhaften Zusatzstoffen versehen, aber aufgeladen mit einer durch gezielte PR verinnerlichten Mär der Selbstpflege) nicht irrational, sondern die auf Gabeln aufgespießte Rationalität. Daher schmeckt es auch fade und ist jedes Mahl in einer Runde von Industrieveganern so betrüblich. Und was heißt da »Mahl«? Ein Mahl ist Irrationalität, sich den Tisch zu decken, eine Kerze anzuzünden, schön das Essbesteck anzulegen, ein Tellerchen mit Oliven hier, ein bisschen Käse dort, dazu ein Korb mit geschnittenem Brot, schön hergerichtet: All das braucht der Mensch physisch nicht. Er kann sich auf eine Handvoll Gras reinstopfen und damit seinen leeren Magen besänftigen. Aber psychisch benötigt er dann oftmals doch mehr: daher speisen Menschen so gerne in allen Kulturen – aus diesem Grund sitzt man an einer Tafel zusammen, man könnte schließlich auch irgendwo alleine in einer Ecke etwas schnell und effizient fressen.

Was ich eigentlich mit diesem gastronomischen Exkurs sagen will: viele Versatzstücke der zeitgenössischen Esskultur – die ich hier exemplarisch gebrauchte – sind ein Rationalitätsangriff auf ein Menschengeschlecht, dass von Hause oft zu Irrationalitäten neigt und diese kultiviert und zelebriert hat. Man darf getrost davon ausgehen, dass der Rausch – wie auch immer man ihn sich herbeiführt –, der den Menschen in allen Phasen seiner historischen Existenz in dieser oder jener Form begleitete, so eine Art Endgegner der shitbürgerlichen Rationalisierungsoffensive ist – also das, was man uns als rational verkaufen möchte. In deren Weltbild – in weiten Teilen ein Weltbild, das aus Wokismus, überbordender Frontalempathie und dem Antrieb zur Etablierung eines neuen Menschengeschlechtes zusammensetzt – soll die Zukunft ein Ort sein, in dem die Vernunft herrscht. Die Wissenschaft im Singular hat dabei eine Funktionärsrolle, sie gilt als das geheiligte Wort, anstelle von Gott hat man einen moralisch aufgeladenen Rationalismus gestellt. Ihn zu hinterfragen gilt als Frevel, denn das Rationale ist unantastbar – jeder, der sich dem widersetzt, muss faktisch ein Mensch von gestern sein, denn gestern galt den Menschen die Irrationalität zwar manchmal als lästig im Umgang mit ihren Nächsten, aber letztlich auch als unabänderbar.

Hier kommt das Menschenbild einer eher konservativen, eher katholischen Prägung zur Geltung. Der Mensch als Sünder, als fehlbares Wesen, der sich qua seiner Ebenbildlichkeit bewusst machen kann, dass er im Alltag Verfehlungen begeht, eklatante Schwächen hat, die er vielleicht auch abstellen will, aber nicht kann. Ihm ist bewusst, dass er ein irrationales Wesen ist, dass nach Gewissheiten sucht und manchmal auch irrationale Wege zur Befriedigung oder Erleuchtung betritt. Er kann sich also selbst vorspiegeln, dass er etwas trinkt, was seinem Körper unter Umständen schädigt, was ihm Kopfschmerzen bereitet, den Magen reizt und auf lange Sicht abhängig macht, weiß aber auch, dass er diesen Akt der »getrunkenen Irrationalität« als etwas hinnehmen muss, was offenbar Teil seiner Existenz ist. Nicht jeder, der Alkohol trinkt ist oder wird zum Alkoholiker – dass diese Irrationalität eine schlimme Bürde für Betroffene wie Angehörige ist, steht ganz außer Frage. Dennoch ist dem eher konservativen Menschenbild klar, dass das die Nebenwirkungen des Daseins sind, die man nicht durch die starke Hand einer übergeordneten Instanz einhegen kann. Dass ausgerechnet das Bürgertum, Ulf Poschardt nennt es aktuell und mit guter Begründung »Bückbürgertum« auf diese Rationalitätskapriolen des Shitbürgertums – auch ein Begriff des Journalisten – hereinfällt und sich all dieser paternalistischen Fürsorgeverstaatlichungsabsichten unterordnet, zeigt auch, wie sehr es dieser Klasse an einem Weltbild und damit an einer Erdung mangelt.

1920 bis 1933: Szenen des reinen Lebens

Vorhin wurde bereits der Einwand des Kontraproduktiven durch Reaktanz angerissen. Wie Reaktanz entsteht, konnten wir in den letzten Jahren sehr gut erkennen. All die Impfunwilligen, die Corona-Kritiker, die Zweifler an der fröhlichen Willkommenskultur und der plötzlich thematisierten No-Borders-Phantasterei, die wachsende Schar der AfD-Wähler, der Russlandfreundlichen usw.: Sie sind ja nicht nur und nicht ausschließlich das Produkt einer wie auch immer gearteten oder sich selbst eingeredeten politischen Vernunft, sondern auch Ausdruck des Gegenhaltens gegen eine aufgepflanzte Weltdeutung, die bitte sehr nicht mehr zu hinterfragen sei und stillschweigend gefressen und akzeptiert werden soll. Die Reaktanz ist nicht mal das Nebenprodukt einer Politik, die an den Wünschen und Nöten der Mehrheit vorbeigeht, sondern das was zwangsläufig folgen muss. Die Geschichte der Menschheit ist vielleicht weniger eine der Klassenkämpfe als eine der Reaktanz als Rohstoff für eben jene Klassenkämpfe oder für Bewegungen. Reaktionen erzeugen Gegenreaktionen – das Reaktionäre, ein Begriff der links gerne negativ konnotiert wird, weil es freilich die Gegenreaktion gegen linke Konzepte oder Machtallüren ausmachte, ist an und für sich ein ganz nachvollziehbarer, ein höchst menschlicher Impuls.

Selbst der Kampf gegen den Suff, um den es den neuen Rationalitätsasketen geht, auch wenn sie es noch zögerlich formulieren, hat schon seine deutlichen Spuren in der Historie hinterlassen – die Reaktanz darauf noch deutlichere. 1917 beschlossen die Vereinigten Staaten den sogenannten Volstead-Act, nach dem damaligen Vorsitzenden des Rechtsausschusses des US-Repräsentantenhauses. Auf dem beruhte der 18. Verfassungszusatz, der 1919 ratifiziert wurde. Ab 1920 sollte der Alkoholkonsum im ganzen Land verboten werden – Ausnahmen gab es für Mediziner, sie konnten Alkohol zu Behandlungszwecken bestellen, mussten aber die Nutzung dokumentieren. Vorangegangen waren diesem Akt lange Jahre eines Kulturkampfes. Sich selbst progressiv betrachtende Gruppen riefen zur Abstinenz auf – in der Mehrzahl Frauen, die häufig Opfer alkoholsüchtiger Männer waren und mit dieser Unsitte brechen wollten. Der Christliche Frauenbund für Abstinenz (Woman’s Christian Temperance Union), der sich bereits in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts formierte, gewann im Laufe der Jahrzehnte an politischen Einfluss und gewann Gönner in Washington. Die sogenannten Temperenzler, benannt nach dem Bund, standen mit der Prohibition – vom Lateinischen prohibere, was verbieten oder verhindern meint – vor ihrem größten Sieg. Es sollte ein Pyrrhussieg sein.

Denn das allgemeine Alkoholverbot formte nicht, wie der fromme Frauenbund und all ihre vermeintliche progressiven Anhänger meinten – zur Ehrenrettung muss man erwähnen, dass die amerikanische Socialist Party das Verbot bekämpfte –, eine bessere Gesellschaft. Ganz im Gegenteil, das Verbot generierte einen Umfang von Reaktanz, der selten so anschaulich dokumentiert wurde. Die Gegenreaktion ging vom heimlichen Trinken von Alkohol, dem Besuch eines Speakeasys – versteckte Bars, manchmal durch den Hintereingang eines Bestattungsinstituts – bis hin zu Mord und Totschlag. Al Capone, dieser ikonische Mob aus Chicago, Scarface wie man ihn auch nannte, war ein Kind der Reaktanz der damaligen Zeit. Mit seinem irischen Gegenspieler Dean O‘Bannion lieferte er sich Straßenschlachten – dabei im Anschlag: der neueste Schrei der Waffenindustrie, Maschinengewehre. Chicago wurde zum Sinnbild der US-amerikanischen Verfalls der Sitten. Die Staatsmacht verlor an Legitimation, speziell wenn sie Fässer mit alkoholischen Getränken vor aller Augen auskippte – die Bürger hatten diesen Willkürakt schnell satt. Das Gesetz bzw. der Verfassungszusatz war schon in den ersten Jahren gescheitert, konnte aber aus Gründen der Gesichtswahrung – auch das kommt uns heutigen Zeitgenossen bekannt vor – nicht so schnell zurückgenommen werden. Als es 1933 verschwand, war längst klar, dass in den Vereinigten Staaten mehr denn je gesoffen wurde. Tragischerweise tranken die Menschen nun auch Blindmacher, billigsten Fusel, der nicht auf Reinheit überwacht wurde – wer hätte das auch leisten sollen? Al Capone?

Die Prohibitionisten verstanden sich als Kämpfer für die Rationalität. Keiner musste schließlich trinken, betrunken zu sein ist keine menschliche Notwendigkeit wie essen, schlafen und die Notdurft. Sie ist eher ein menschliches Bedürfnis wie die Sexualität, genauer gesagt die körperliche Vereinigung mit einem anderen menschlichen Wesen. Auch ohne sie kann man leben, viele tun es – wenn man glauben möchte, was man über die Gen-Z, die vermeintliche Rationalitätsgeneration so liest, ist auch dort die körperliche Vereinigung zunächst per se verdächtig. Rationalität, so könnte man an dieser Stelle festhalten, ist häufig auch ein anderer Ausdruck für fehlende Lebensfreude – und damit ein Indikator für den Drang der Lebensverneinung, die aber nicht philosophisch und für einen selbst ausgearbeitet wird, sondern in einer Art von »Gesellschaftstherapie« allen aufgenötigt werden soll – vor allem jenen, die am Leben noch gewisse Freuden empfinden.

Askese: der kleine Bruder transhumanistischer Ego-Verwertung

Die Prohibition ist fatal gescheitert. Sie hat aus einem Land, in dem sicher viel getrunken wurde, in dem viele Menschen – oft vermutlich Frauen – unter den Eskapaden ihres Liebsten litten, ein Land werden lassen, in dem schlecht produzierter und damit noch ungesünderer Alkohol getrunken und vermutlich mehr Frauen verprügelt wurden. 10.000 Menschen sollen an den Folgen von verunreinigtem Alkohol gestorben sein. In den ersten Jahren sank die Zahl derer, die an den Folgen des Alkoholkonsums gestorben sind, aber das pendelte sich im Laufe der Jahre wieder ein. Ende der Zwanzigerjahre lag der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr höher, als noch unmittelbar vor der Einführung der Prohibition. Was die Todeszahlen betrifft, ist es schwierig seriöse Vergleiche zu ziehen. Tatsache ist aber, dass auch während der Prohibition Zehntausende an den Folgen des Alkoholismus starben. Das Land wurde nebenher zu einem Ausbund an Gesetzlosigkeit, Gewalt dominierte die Straßen der Metropolen, die Unterwelt schuf sich mit der Produktion und dem Verkauf des Alkohols ein lukratives Standbein. Der Staat ging dem Moralismus des Temperenzler-Kulturkampfes und seiner falsch gesetzten Empathie für das vermeintlich Gute auf den Leim. Das Land war nach dieser Episode nicht mehr dasselbe, es hat ganze Generationen in einen Zustand versetzt, in dem sie den Staat verachteten und als etwas begriffen, dass man bescheißen muss, so man selbstbestimmt leben will.

Man darf befürchten, dass die Neotemperenzler, die einen Kulturkampf gegen Alkohol wie Zigaretten, gegen fettes Essen und traditionelle Essgewohnheiten führen, von der Prohibition so wenig Ahnung haben, wie vom menschlichen Gemüt, dass sich von Verboten und Anreizpolitiken solcher Machart zuweilen nicht beeindrucken lässt. Der Drang nach dem Irrationalen lässt sich nicht mit rigiden Mitteln aberziehen – er ist in uns, gehört zu uns und macht uns aus. Es ist Menschsein in nuce. Menschen tun dauernd Irrationales. Der halbe Tag besteht aus solchen Handlungen – am Ende stellt sich aber heraus, dass das Irrationale eine Basis für soziales Leben ist. Raucher stehen zusammen und unterhalten sich. Man trinkt, stößt gemeinsam an und tauscht sich aus. Beim Mahl spricht man miteinander, wer sein Tofuwürstchen auf die Hand inhaliert, bleibt ein einsamer Wolf – ein alter zahnloser Wolf, dem fleischliche Begierden aus welchen Gründen auch immer abgehen. Es ist aus diplomatischen Gründen von jeher ratsam gewesen, sich in einer dieser irrationalen Momente zu treffen: beim Wein, bei Tisch, bei einer Zigarre. Dort verhandelt es sich leichter, weil das Menschsein hervorkehrt. Wer gerne fettreich schlemmt, es genießt, die Kunst guter Küche schätzt und teilen kann, der zeigt, dass er eine menschliche Kreatur ist, die im Grunde dieselben Schwächen aufweist wie die andere menschliche Kreatur, mit der man zusammensitzt und hoffentlich eine Lösung finden will. Wer einen Asketen zum Diplomaten macht, kann auch gleich einen Meuchelmörder schicken. Verhandelt man steril, auf zwei Stühlen, zieht sich zum Speisen in jeweilige Separees zurück, kommt schnell das Gefühl auf, mit einem Apparat zu kommunizieren, mit einem Wesen, dass vielleicht ja doch zu einer anderen Gattung zu zählen ist.

Das ist ein Stichwort, das man nie ausblenden darf, wenn es um den Kampf gegen die Genüsse der alten Welt geht, die uns verlorengehen sollen: Der Drang, das Menschliche in etwas Neues zu verwandeln – geradezu in eine neu, nie dagewesene Gattung. Der Mensch als biologisches Wesen, das sich technologisch aufrüstet, sich mit Hightech ausstaffiert – und ganz wichtig: sich überwacht, alle Körperfunktionen im Blick hat, sich optimiert, dem Alter den Kampf ansagt und damit das Menschliche überwindet. Der Transhumanismus hasst das Fehleranfällige, er will dem unzureichenden menschlichen Wesen an den Pelz. Die Fehlerhaftigkeit menschlicher Existenz, die sich im eher konservativen Kontext als Zustand einer Normalität abzeichnet, dem man mit einer gewissen Demut begegnen sollte, ist der Hauptfeind transhumanistischer Temperenzler. Sie betrachten den Körper des Menschen als unzureichend, aber gleichzeitig als ein potenzielles Heiligtum. Anders als manche religiöse Bewegung, die den Körper als Geschenk eines göttlichen Wesens begreifen, vor dem man Respekt haben sollte – was man aber nicht immer hat, weil man eben fehlbar ist. Der Transhumanist sieht die Möglichkeit einer Heiligkeit, sie muss allerdings aufgewertet durch eine Technik, die das Fehlerhafte ausmerzt. Was sich dort rein körperlich formiert, ist dem Wokismus und dem zeitgenössischen Moralismus auf einer emotionalen Ebene gegeben. Sie wollen den Menschen »im Kopf« optimieren, seine Sprache, seine Haltung, seine Schwächen ausmerzen – man könnte auch sagen, dass der Wokismus eine Brückenideologie zum Transhumanismus darstellt. Die Askese reiht sich dort als Bewusstseinshaltung ein.

Es geht ihnen um Unversehrtheit, um sichere Schutzräume, um Meinungen, die sie nicht mehr ertragen wollen und vor denen sie glauben, ein Anrecht auf Schutzbedürftigkeit zu besitzen. Die Kollegen von der körperlichen Fakultät, die den so optimierten Menschen dann auch noch technisch aufzubitchen trachten, vollenden das Werk der Überwindung des alten Menschen – jedenfalls in ihrer Fantasie, noch holpert die Überarbeitung des Menschengeschlechtes. Es muss so nicht kommen, noch gibt es die Magie der Reaktanz, man kann sich wehren, den Staat und seine Ambitionen unterlaufen – mit dem Blick auf ein höheres Recht, das sich »große Räuberbanden«, vulgär auch Staaten genannt, nicht anmaßen dürfen zu sprechen, steht es dem Bürger zu, sich eben doch zu betrinken. Und je mehr es eingehegt werden soll, desto drastischer das Konterbier. Ist das vernünftig? Nicht für jeden, das steht fest. Aber sich nicht unterbuttern zu lassen von anderen, die einem erklären wollen, wie Erwachsene ihr Leben zu führen haben, das ist auch eine Komponente menschlicher Existenz – zumindest jener menschlichen Kreaturen, die ihrer Spezies gemäß mit durchgedrücktem Rückgrat aufrecht durch die Welt laufen. Ich saufe, also bin ich. So dumm dieses Credo auch klingen mag: Es ist menschlich. Und der Autor dieser Zeilen ist ein Mensch, nichts Menschliches ist ihm fremd. Er wünscht sich eine Welt, in der die Jungen das auch mal sagen können – unverstellt und ungekünstelt, ganz anders also, als es die Tiktokokratie ihnen vorbestimmt, in der sie Duckface zeigen und ein falsches Lächeln präsentieren müssen, weil sie glauben, dass sie nur damit zum Ausdruck bringen, wer sie wirklich sein. Mein Gott, warum hast du diese Leute nur verlassen? Profaner ausgedrückt: Die können einem leidtun.

Roberto De Lapuente

Roberto J. De Lapuente, Jahrgang 1978, ist gelernter Industriemechaniker und betrieb acht Jahre lang den Blog »ad sinistram«. Von 2017 bis 2024 war er Mitherausgeber des Blogs »neulandrebellen«. Er war Kolumnist beim »Neuen Deutschland« und schrieb regelmäßig für »Makroskop«. Seit 2022 ist er Redakteur bei »Overton Magazin«. De Lapuente hat eine erwachsene Tochter und wohnt in Frankfurt am Main.
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33 Kommentare

  1. Alles muss verboten werden, Alkohol, Tabak und gesunde Ernährung, dafür gibt es veganen Fraß aus der Chemiefabrik.
    Man muss dem kleinen Mann jegliche Freude am Leben verderben. Ziel, die Lebenserwartung weiter zu senken, die ist in DE bereits weit geringer als in anderen EU-Ländern. Daher müssen auch Lebensarbeitszeit erhöht und die Löhne auf ein Minimum gesenkt werden.
    Des kleinen Mannes Sonnenschein ist vögeln und besoffen sein🥳

    Profitmaximierung über alles, das wußte auch Ayn Rand und dementsprechend wird gehandelt.

    Mit dem digitalen Euro wurd die Überwachung noch perfekter um Frau und Herrn Meier zu dressieren.
    .Der Staat als solcher wird nur als Simulation existieren.
    Mit Einführung von Palantir und CO werden Peter Thiel und seine Kumpane nicht nur den Bürger sondern auch die vermeintlich demokratischen Schein-Regierungen kontrollieren und steuern.

    Prost Mahlzeit

  2. „Es geht ihnen um Unversehrtheit, um sichere Schutzräume, um Meinungen, die sie nicht mehr ertragen wollen und vor denen sie glauben, ein Anrecht auf Schutzbedürftigkeit zu besitzen. “
    Das dürfte längst widerlegt sein.
    Gore Vidal, aus einer der herrschenden Familien stammend, erlebte die Kampagne hautnah, die die aufkommende Tea-Party anschob, um große Massen hinter, besser unter sich zu bringen, ähnlich der Anti-Spatzen-Kampagne Maos, deren Ergebnis in Mio Hungertoten zu messen war.
    Das Wohlergehen der Menschen ist diesen Herrschaften schietegal. Inzwischen hat ja auch die Gegenseite diese Politiklinie für sich reklamiert.
    Der vermutlich existierenden Gemeinde einen Gruß des Pfeifenrauchers!
    Die „Erzieher“ zum Nichtrauchen sind wesentlich dafür verantwortlich, dass ich immer noch und vermutlich bis zum Ende über meinem Schreibtisch die Einstein zugeschriebenen Worte stehen habe: „Pfeifenrauchen trägt zu einem einigermaßen objektiven und gelassenen Urteil über menschliche Angelegenheiten bei.“

    1. Die KI listet eine recht lange Reihe von Gelegenheiten auf, wie es zu Dopaminausschüttungen kommt. Das meiste davon ist klar evolutionär geprägt auf Überleben durch Aufnahme von besonders nährstoffreichen Lebensmitteln oder auch erleben von angenehmen soziale Kontakte und unerwarteten Gewinnen.

      Nikotin ist die kalorienfreie Ein-Mann-Abkürzung.

      Wie Allen Carr in seinem Buch nicht aufhört zu erklären, ist der Nebeneffekt, dass Raucherhirne, sobald sie ins Nikotinloch gleiten, nervös und unzufrieden werden.

      Zum Alkohol: Neulich wollte ich sehen, ob ältere Trockenhefe noch zum Leben zu erwecken ist und habe eine Zucker-Mehl-Nährlösung im Glas angesetzt und warmgestellt. Als ich wieder daran dachte, waren etliche Tage vergangen und beim Öffnen des Schraubdeckels flutete mir ein starker Alkoholgeruch entgegen, der deutlich schon in Richtung Weinbrand ging. Weiß jemand Anekdoten von Skandinaviern, die selber brauen und sich womöglich Cocktails mit Säften und einem Schuss Mehlbier zubereiten … die dann nicht blind wurden?

  3. Mir ist schon mal grundsätzlich alles verdächtig, was mir „den Hut gerade aufsetzen will“, so von Tucholski formuliert.
    Ich war beruflich erfolgreich, habe einen Sohn groß gezogen und 50 Jahre auf die Legalisierung von THC gewartet.
    Ich habe mal einfach für mich ein Recht auf Rausch in Anspruch genommen. In meinem Beruf habe ich gelernt, das nicht die Lebensdauer das Relevante ist, sondern die Lebensqualität, Stichwort „Ganzheitlichkeit“.
    Dieses Erkenntnis darf ich dann auch für mich in Anspruch nehmen!
    In dem Comic-Album vom „Kleinen Arschloch“ über „Sex, Drogen, Alkohol“ ist der Satz zu finden, das Marihuana einer Verleumdungskampagne zum Opfer gefallen sei.
    Das habe ich immer so empfunden und mich zeitlebens über die Kriminalisierung geärgert.
    Ich habe mir noch nie in meinem Leben meine Lebensführung von irgendwem oder irgendwas vorschreiben lassen, außer ich hatte Pflichten, den ich Genüge tun musste.
    Ich koche gern und kann noch Ommas Sonntagsbraten, volles Haus dann.
    Ich rauche gerne Zigaretten und mehr noch Tüten.
    Ich bin jetzt 66 und werde mein Leben nicht ändern, nur weil irgendwelche ideologisierten Knalltüten der Ansicht sind, zu meinem vermeintlich Besten mir ihre Lebensweise aufstülpen zu wollen.
    Und sollten da Gesetze kommen, die mir gewisse Dinge, die für mich Lebensqualität bedeuten, verbieten wollen, bitte!
    Mit der Kifferei bin ich den Großteil meines Lebens eh schon kriminalisiert worden, an solche Gesetze mich zu halten sehe ich keine Veranlassung, das ist übergriffig!
    Die können mich mal!

  4. „Alkohol schwerer zugänglich zu machen…. Anreize zu schaffen, Wasser oder eine Fanta statt Bier oder Schnaps zu kaufen – eine Verteuerung gilt dabei als das probateste Mittel.“
    Wie bereits zum Beitrag des „geschätzten Stephan Schleim“ geschrieben, wird die Steuer auf Alkohol massiv erhöht. Diese Information ist hier wie in NL allgemein zugänglich; genügt ein Blick in die MSM.
    Daher bedarf es in D keiner Aufklärung über z.B. die Niederlande und deren Statistiken zu Alkoholkonsum – erst recht nicht, wenn sich die Themen, über die zu berichten notwendig und dringlich wäre, gegenseitig erdrücken, aber tunlichst ignoriert werden.
    Darüber hinaus kann Fanta kein Ersatz sein, da, wie eigentlich bekannt, mit Zucker versetzt ist und zu Fettleibigkeit führt – daher auch der Wunsch nach einer Steuererhöhung.

    „Individualrecht, das jedem Menschen zusteht. Er trägt die Verantwortung für seinen Körper und muss wissen – oder nicht – was er ihm in seinem Leben zumuten will.“
    Korrekt – in Zeiten zunehmender Verarmung, des alltäglichen K(r)ampfes, steigender Wohnungslosigkeit etc.(die sich viele nicht selbst zumuten) ist es unabdingbar, zumindest nach dem unumkehrbar tiefen Fall wenigstens dies individuelle Recht zu behalten. Wenn man es sich dann noch leisten kann.

    „Aber psychisch benötigt er dann oftmals doch mehr: daher speisen Menschen so gerne in allen Kulturen – aus diesem Grund sitzt man an einer Tafel zusammen, man könnte schließlich auch irgendwo alleine in einer Ecke etwas schnell und effizient fressen.“
    Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. In der Mehrzahl wird NICHT (außer zu Hoch- und Festtagen) getafelt, sondern unterwegs „konsumiert“, geliefert oder durch ‚Chef de Cuisine named Mikrowelle‘ gezaubert.
    Wobei die Zahl derer, die über die Verwendung, Verarbeitung und Zubereitung von Nahrungsmitteln ein minimales Grundverständnis haben, ohnehin, mangels Erlernens, überschaubar geworden ist und tendenziell weiter abnimmt.
    Aber es ist erfreulich und dankenswert, dass es an „tatsächlich“ Berichtenswertem nie mangeln und konsequent aufgegriffen wird.

    1. @Ach so
      „Wie bereits zum Beitrag des „geschätzten Stephan Schleim“ geschrieben, wird die Steuer auf Alkohol massiv erhöht.“

      Selbstverständlich muss die Steuer erhöht werden aber nicht damit die Leute gesünder leben können sondern um abzuzocken. Bei immer weniger Geld in den Taschen der ärmeren Schichten müssen die auf immer schlechtere Lebensmittel zurückgreifen. Zudem wird bei der Gesundheitsversorgung massiv gekürzt, da erscheint der Hinweis die Alkoholsteuer wie auch die Tabaksteuer diene nur zum Wohl der Volksgesundheit doch mehr als lächerlich!

      Merz und Klingbeil wissen doch nicht mehr wo sie das viele Geld für Aufrüstung, ukrainische Oligarchen und Krieg gegen Russland herholen sollen.

      Man kann diese Steuererhöhungen durchaus als KRIEGSSTEUER betrachten.
      Bereits der Kaiser führte die Sektsteuer zur Finanzierung von Kriegsgütern ein.

      „Knallen die Korken, freut sich der Finanzminister“
      „Sekt für die Flotte: Kaiser Wilhelm II. hat eine Schaumweinsteuer eingeführt, um Aufrüstung zu finanzieren. Die Flotte ist versenkt, die Steuer aber geblieben. “
      https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/steuer-relikt-aus-kaiserzeit-die-schaumweinsteuer-auf-sekt-und-champagner-podcast-a-b0c25dc5-40ae-4aab-a332-a04b7f8e51ec

      Lasst Euch also kein X vor dem U machen !

      1. Da man schließlich mit dem Zugedachten/ -geteilten haushalten muss!:

        @Otto0815
        Die dahinter stehende Motivation steht selbstverständlich außer Frage.
        Bedenklich ist nur, wenn anderer Länder Sitten als „gute“ Beispiele“ angeführt werden, die allerdings entweder absichtlich oder mangels Komp..z unterschlagen, was längst auch in D ab 2027 bereits Fakt ist; und somit den gesamten Sermon mehr überflüssig machen.
        Vor allem, und ich wiederholen, bei all dem, was tatsächlich thematisiert gehörte!

        @name
        Zu irgendwas muss die Entwicklung der letzten (min.)20 Jahrzehnte schließlich gut gewesen sein.
        Und dabei sollte man sich nicht nur auf die Ernährung, die Fähigkeit selbständig zu denken, Motorik, Lesen, Schreiben, Rechnen, Zusammenhänge erkennen zu können etc. beschränken.
        Nein, mit der bisher freiwilligen Nutzung allumfassender (äußerer) technischer, digitaler „Lebenshilfe“ kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren; wenn man nur jemals gelernt hätte, was das sein soll.

        Ist offenbar ein (nicht mehr) neues Syndrom:DGE(Diametraler Globuli Effekt).
        Bedeutet: mit der Folge der unausweichlichen Verwässerung wird die kognitiv vorhandene Kompetenz von Gen zu Gen immer dünner bis hin zur fehlenden Nachweisbarkeit.
        Schwârmverhaltèn lässt sich auf Dauer einfach nicht unterdrücken – gut für die Fischer!

    2. Dass die Leute nicht mehr ohne Anleitung kochen können hat man bei den Lockdowns gesehen, ausverkauft war nicht nur Klopapier sondern auch Spaghetti und Fertigsauce. Andere Nudelformen standen dabei oft weiter unberührt im Regal.
      Kenne das auch aus dem Bekanntenkreis, dass mit Ende 30, 40 angefangen wurde zu kochen, strikt nach Rezept, wenn da steht 5 Minuten anbraten dann wurde exakt mit Uhr 5 Minuten 0 Sekunden abgemessen wie im Hochsicherheitschemielabor.
      Messerspitze Salz? O Gott was ist denn eine Messerspitze, ist das jetzt zuviel Salz oder zu wenig?.. usw.

      1. Aber nicht doch.
        Wer Gegenteiliges/Falsches/Eigenes schreibt, fliegt; beimOTM völlig selbstverständlich und normal.
        Daher antwortete ich zwar nochmals, aber den örtlichen AGBs entsprechend.
        Darum müssen Sie sich nun den Inhalt meiner Erwiderung zwar denken, aber LESEN ist durch jene reglementiert, die besser wissen, was zu sagen genehm ist.

  5. Der Artikel beginnt mit „Der westliche Bevormundungsstaat …“

    Mir wurde schon Angst und Bange, „Bevormundung“ so etwas sagt man doch nicht in der „besten Demokratie, die wir in Deutschland jemals hatten“, wie das ein hoher Politiker dieser Demokratie vor einigen Jahren formulierte.

    In einem demokratischen und sozialen Bundesstaat wie es im Art. 20 der Verfassung von 1949 aka „Grundgesetz“ heißt, ist BEVORMUNDUNG ein böses Wort. Bevormundung bedeutet Entmündigung, Unfreiheit, betreutes Wohnen, betreutes Arbeiten und betreutes Leben. Ein Vormund ist der Bevollmächtigte, der Vertreter und Verwalter betreuter Bürgerinnen und betreuter Bürger, die, wie der Begriff VOR-Mund (!) sagt, dem mündigen Bürger VOR (!) dem Mund gesetzt werden, damit dieser Mund die richtigen Worte sagt.

    Aber dann kriegt der Autor doch noch die Kurve, wenn er schreibt: „Es geht ihnen um Unversehrtheit, um sichere Schutzräume, um Meinungen, die sie nicht mehr ertragen wollen und vor denen sie glauben, ein Anrecht auf Schutzbedürftigkeit zu besitzen.“

    Richtig, es geht hier um SCHUTZ und FÜRSORGE. Schutz, das ist ein positiv konotiertes Wort. Das ist ein gutes Wort. Aber es geht nicht nur um den Schutz der besten Regierung, die wir in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Welkrieges jemals hatten. Auch der kleine Bürger und die kleine Bürgerin müssen in einem demokratischen Land geschützt werden vor Leuten, die anderer Meinung sind als die Regierung, Katherina Reiche, Boris Pistorius, Robert Habeck, Markus Söder, Ursula von der Leyen, Friedrich Merz und wie sie alle heißen.

    So wie dereinst im dunklen und finsteren Mittelalter die Bauern und Handwerker vom Adel und dem Klerus vor dem bösen Teufel und bösen Hexen geschützt werden mussten und die anständigen, aufrechten, ehrlichen, fleißigen und ordentlichen Deutschen von 1933 bis 1945 vor den bösen und faulen Russen (formerly known as „Bolschewisten“) und dem bösen Judenmann geschützt werden mussten. Es geht hier um GUT und BÖSE und nur die Regierung weiß, was gut für alle Bürgerinnen und Bürger ist.

    Auch Fürsorge ist ein gutes Wort. Fürsorge bedeutet, das man hilfsbedürftigen Menschen hilft. Hilfsbedürftige Menschen sind orientierungslos und geistig verwirrt und wissen nicht, was sie denken sollen und was sie nicht denken sollen, denn das Denken bestimmt das Handeln. Hilfsbedürftige Menschen müssen geschützt werden vor Querdenkern, damit die Bürger immer geradeaus denken bzw. dorthin laufen, wohin die Regierung will, dass sie hinlaufen.

    Ein sozialer Bundesstaat (Art. 20 GG) hilft auch Obdachlosen und Menschen mit wenig Geld und baut viele bezahlbare Wohnungen, damit auch diese Menschen ruhig schlafen können, denn Obdachlosigkeit bedeutet Stress. Obdachlose sterben früher als hohe Beamte und Minister, die auf Kosten aller Steuerzahler 25.000 Euro netto oder noch viel mehr im Monat kassieren. So ein einfacher „Volksvertreter“ im Deutschen Bundestag, davon gibt es derzeit 630, kassiert immerhin noch rund 100.000 Euro netto im Jahr. Die steuerfreie Aufwandsentschädigung ist da noch gar nicht dabei und auf 4.000 oder 5.000 Euro mehr oder weniger kommt es da auch nicht an. Aber da schläft man ruhiger als die alleinerziehende Putzfrau mit ihren 14,50 Euro brutto pro Stunde, die in diesem mehrheitlich „christlichen“ Deutschland schon wieder eine Mieterhöhung von Friedrich Mai bekommen hat. Der nimmersatte Friedrich Mai bekommt einfach den Hals nicht voll. Friedrich Mai ist schlimmer als ein Hai, der schon satt ist und trotzdem andere Fische tötet, weil er Spaß daran hat.

    Abschließend noch ein schönes Lied von einem Haifisch und einem Mann mit einem Messer:

    Und der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht
    Und Macheath, der hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht
    An ′nem schönen blauen Sonntag liegt ein toter Mann am Trent
    Und ein Mensch geht um die Ecke, den man Mackie Messer nennt
    Und Schmul Meier bleibt verschwunden und so mancher reiche Mann
    Und sein Geld hat Mackie Messer, dem man nichts beweisen kann
    Jenny Towler ward gefunden mit ’nem Messer in der Brust
    Und am Kai geht Mackie Messer, der von allem nichts gewusst
    Und das große Feuer in Soho, sieben Kinder und ein Greis
    In der Menge Mackie Messer, den man nicht fragt und der nichts weiß
    Und die minderjährige Witwe, deren Namen jeder weiß
    Wachte auf und war geschändet. Mackie, welches war dein Preis?

    1. Doppelplusguter Beitrag aber das so sarkastisch hier auszuführen, ist das nicht ein Gedankenverbrechen? Wir sollen natürlich nicht wissen, wie die Propagandawurst gemacht wird.

  6. Ich trinke keinen Alkohol, sondern sehr gerne Wein. Wer geht schon in eine Kneipe und bestellt dort ein Glas Alkohol? Ich glaube nicht, dass irgendjemand es schafft, ein Glas Alkohol zu trinken. (Sagt man wenn man eine Schnitzel ißt: „Ich esse Fett oder sagt man ich esse ein Stück Fleisch“?)
    Wein trinke ich fast täglich, seit ca. 60 Jahren. Trinke selbstverständlich Wein – wie die meisten Weintrinker- nicht weil wg. dem Alkohol, sondern wegen dem Weingenusserlebnis.
    Bin nun 77 Jahre alt und bin körperlich und geistig voll fit, benötige mit diesem Alter noch keinerlei Medikamente und auch keine Nahrungsergänzungsmittel.
    Mein Leberwerte sind immer noch allerbestens.
    Bei dem Negativhype bzgl. Verzehr von alkolischen Getränken geht es nur darum, Menschen an der Leine zu führen.
    Und die Mehrheit macht dieses Spiel mit, weil sie offensichtlich nicht mehr selber denken können oder nicht mehr selber denken wollen. Das erleben wir ja tagtäglich in vielen Lebensbereichen. Eigentlich sollte man diese Menschen bedauern.

    Sicher gibt es Leute, die Probleme mit alkoholischen Getränken haben. Die Ursache hierfür ist aber doch nicht der Alkohol.
    Aber es gibt auch viele Menschen, die nicht mit einem Auto richtig umgehen und eine große Gefahr für ihre Mitmenschen darstellen. In den letzten 50 Jahre sind sicher schon 150.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen – und trotzdem wird das Autofahren (z.B. außerberuflich) nicht verboten.

    1. Lieber Herr Krautner,

      das sind wesentlich mehr als 150.000 Tote, die in den letzten 50 Jahren in Deutschland (bis 1990 ohne die Brüderinnen und Brüder aus dem Osten). Vor 50 Jahren waren das jedes Jahr rund 10.000 Verkehrstote. Heute sind es noch um die 5.000. Das macht grob gerechnet mindestens 400.000 Verkehrstote. (Die Schwerverletzten, die den Unfall überleben, sind da selbstverständlich noch nicht dabei.) Seit 1950 sind sicherlich mehr als ein halbe Million Verkehrsteilnehmer im deutschen Straßenverkehr ums Leben gekommen.

      Aber auch im Straßenverkehr wird die Freiheit durch die Regierung immer mehr eingeschränkt. Ich habe selbstverständlich nichts dagegen, dass Raser aus dem Verkehr gezogen werden und dass an gefährlichen Stellen geblitzt wird. Geblitzt wird allerdings meistens an Stellen, an denen nichts passiert und viele Autofahrer 90 km/h fahren, obwohl man nur 80 km/h fahren darf, weil es da lukrativ ist. Ich habe noch nie einen Blitzer in einer Kurve gesehen, die man mit 100 km/h durchfahren darf. Wenn man die Kurve allerdings mit 100 km/h durchfahren würde, dann würde man aus der Kurve fliegen, weil die Physik sagt: Durch diese Kurve fährt auch der beste Rennfahrer nur mit 80 km/h.

      Im Österreich gab es mal einen Fall, da hat ein Raser eine junge Radfahrerin totgefahren. Das Risiko kann man nicht grundsätzlich ausschließen. Aber dann hat mal ein Journalist das getan, was er tun sollte und recherchiert und herauskam, dass der Typ in den letzten 10 Jahren schon 100x beim Rasen erwischt worden ist und sogar einmal beim Fahren ohne Führerschein erwischt worden war. Da hat der fürsorgliche Staat aber vorher nichts unternommen und gesagt: Jetzt ist Schluss! Wenn du noch einmal einen Kilometer zu schnell fährtst, dann ab in den Knast und das für mindestens fünf Jahre. Da musste erst eine junge Radfahrerin sterben.

      Auch im Krieg sterben viele Menschen. Im letzten großen Weltkrieg von 1939 bis 1945 waren es 64 oder auch 65 oder 66 Millionen. Damit hat die derzeitige „kriegstüchtige“ Regierung aber offenkundig keinerlei Probleme oder sehe ich das falsch? Vielleicht liegt es auch daran, dass man an der Front keine alkoholisierten Soldaten brauchen kann?

      Wünsche weiterhin beste Gesundheit und ein langes Leben, damit sie Ihren Rotwein noch lange genießen können. Apropos Rotwein: Weiß jemand, warum Rotwein beliebter ist als Weißwein? Liegt das nur an der Farbe oder liegt das auch am Geschmackt?

      1. „Weiß jemand, warum Rotwein beliebter ist als Weißwein?“

        Ursache hierfür ist die ehemals sehr erfolgreiche Werbung der Weinerzeuger aus dem Bordeaux, das Rotwein angeblich viel gesünder sei, als Weißwein, das so pauschal nicht stimmt. Sie hatten es damals geschafft, dass sämtliche Medien – und sogenannte Experten – diese Werbung verbreitet haben. Das führte in den 90iger Jahren zu einem starken Nachfrageboom bei Rotwein zu Lasten des Weißweines. In der Folge haben weltweit viele Winzer Weißweinreben abgehackt und stattdessen auf diese Rebflächen Rotwein-Rebsorten gepflanzt.

        Aktuell sieht es jedoch anders aus: Seit ein paar Jahren ist der Rotwein nicht mehr beliebt bei den Weintrinkern.
        Verzehr wird – so wie vieles andere auch – von modebedingten Schwankungen beeinflusst.
        Die Winzer haben insbesondere beim Rotwein sehr starke Absatzrückgänge.
        Im französischen Weinanbaugebiet Bordeux sind die Weinerzeuger deshalb schon dabei Weinberge stillzulegen.

  7. Ich habe bereits unter dem Artikel von S.Schleim zum Thema „Alkohol und die WHO“ zum Einfluss der Guttempler mitsamt den Mechanismen, wie kontrafaktische Meinungen zu wissenschaftllichen Lehrsätzen umgewidmet werden, ausführlich geschrieben.
    Das wurde von eurer KI kommentarlos gelöscht.
    Da ich mir die Arbeit nicht nochmal mache, bleibt es halt unveröffentlicht.

    1. Mit dem Problem sind Sie keineswegs allein; die (bekannte)Dunkelziffer dürfte aber erheblich sein.
      Allerdings sollte man u.U. auch kalkulieren, dass die KaaIiii hilfreich sein kann, aber erst in Kombination mit Mensch effizient arbeitet, wenn Ersterer das ein oder andere versehentlich durchflutscht, aber der Zweite nachträglich nach persönlichem Wohlgefallen und regulierend eingreift.
      Da wuchs zusammen, was gedanklich schon immer zusammen gehörte.
      Sorry @Otto8815,@nahme: antwortete zwar, aber wenn der „Oberboss“ meint, dass es ihm missfällt, müssen „wir“ uns sich demütigst beugen.

  8. Die skandinavischen Länder taugen nicht gerade als Beispiel für die Zurückhaltung
    beim Alkohol. Da ich mich schnell mit den „Einheimischen“ verstehe und auch gleich
    Kontakt zu ihnen bekommen habe, bekam ich auch einen Einblick in die „private“
    Alkoholproduktion. Die leckersten Schnäpse habe ich immer in Norwegen bekommen.
    Da ich mich früher auch mit dem Brauen von Bier (selbstverstäbdlich in den erlaubten Mengen)
    beschäftigt hatte, konnte ich dieses Wissen auch in Schweden, Norwegen und Dänemark
    los werden. Die Dänen mußten immer am meisten aufpassen, dass nicht ein Polizeispitzel
    das Brauen und Brennen verriet. Die Norweger hatten die geringsten Probleme. Leider macht
    meine Gesundheit mir schon länger das Reisen unmöglich und ein ordentlicher schöner „Snaps“
    könnte mich in die Kiste bringen. Aber Träumen und in Erinnerungen schwelgen darf man ja noch.
    Wenn der Alkohol in Deutschland noch teuerer wird, vermute ich, dass auch hier schwarz gebrannt
    wird. Wenn die Leute mitbekommen, dass der Rauch und der starke Geruch beim Räuchern, die
    Gerüche des Brennens gut übertüncht, werden Räucheröfen bald der Verkaufsrenner werden.
    Warnhinweis: Schwarzbrennen ist strafbar……..

  9. Politiker wollen die Alkoholsteuer erhöhen.
    Weshalb wohl?
    Weil sie damit den Verzehr von alkoholhaltigen Getränken reduzieren wollen oder weil sie damit zusätzliches Geld von den Bürgern kassieren wollen?
    Die Antwort hierzu liegt wohl auf der Hand.

  10. Wann der Mensch als Gattung ein Bewusstsein seiner Existenz entwickelt hat, ist wohl nicht bekannt. Aber sobald er sich bewusst werden konnte, dass diese Existenz andauernd gefährdet und letztlich in ihrer Endlichkeit absurd ist, hat er drei „R“ entwickelt, die ihn vor dieser Absurdität retten sollen: den Rausch als Betäubung der Absurditäts-Erkenntnis, die Religion als irrationale Hoffnung gegen die Absurdität und die Raserei (religiöse, ideologische, kriegerische usw.) als Aufbgehren gegen die Absurdität. Dabei mischen sich die drei in allen Kulturen beliebig oder stehen gegeneinander. Jede Kultur hat ihre Rauschdrogen in verschiedenen Stärken entwickelt, Religionen bekämpfen den (künstlichen) Rausch als Konkurrenz, kultivieren ihn aber in Form der religiösen Ekstase, Religiöse oder/und politisch-ideologische Raserei bekämpft den individuellen Rausch, weil er das Individuum unkontrollierbar macht, und ersetzt ihn durch den Rausch der Masse mittels gemeinsamer „Werte“ oder Feindbilder etc.
    Der individuelle Rausch ist insofern die anarchistische Form der Absurditätsabwehr. Soviel zum philosophisch-soziologischen Aspekt des Rausches.
    Aber was die Pläne der Regierung zur Alkoholsteuer angeht: Es geht doch dem Finanz(!)minister nicht um unsere Gesundheit! Klingbeil selbst scheint nach Figur und Masskrug-Bildern vom Oktoberfest kein Kostverächter zu sein😆
    Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Beschaffung von Steuern für die Irrsinnsmilliarden an Rüstungsausgaben der kommenden Jahre.
    Zur Erinnerung: Die Einführung der „Schaumweinsteuer“ 1902 war schließlich auch eine Erfindung zur Finanzierung der „Kaiserlichen Kriegsflotte“, die dann 12 Jahre später – hurra! – in den Untergang des 2. Deutschen Kaiserreichs auslaufen durfte, bis dahin aber der Schwerindustrie und den Werften fette Gewinne einbrachte.

  11. Mal das Grundsätzliche. Im Mittelalter tranken die Leute fast nur schwach alkoholische Getränke, weil ihnen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung stand. Auch Schwangere und Babys. Krebs war so gut wie unbekannt, folglich sind diese Studien, die das behaupten, Unsinn.
    Nun erlaubte es die industrielle Produktion, hochkonzentrierten Alkohol in großen Mengen herzustellen und das schaffte tatsächlich ein Problem. Die USA drohten tatsächlich im Suff zu ertrinken. Das ist eine völlig andere Situation als heute. Insofern war die Prohibition damals als letztes Mittel durchaus verständlich.
    Der große Unterschied ist, dass man heute Mittel gegen die Alkoholsucht hat. Die ist durch den sogenannten Kontrollverlust gekennzeichnet und gesetzlich als Krankheit anerkannt. Der Vorsatz, zwei Bier zu trinken, endet immer mit 22. Dagegen ist nichts zu machen. nur völlige Abstinenz hilft. Mit diesem Vorhaben wurden 1935 die Anonymen Alkoholiker gegründet, die mit Erfolg arbeiten. Ihre Gründer waren übrigens harte Prohibitionsgegner. So etwas sei mit der freiheitlichen amerikanischen Verfassung nicht vereinbar. Das Problem hat sich in USA stark vermindert. Hingegen die Sowjetunion, wo AA verboten war, ging doch mehr oder weniger am Suff zugrunde.
    Für eine Prohibition wie 1920 existiert heute nicht der geringste Grund. Aber der Dreiklang der Prohibition ist schon angeworfen. Verteufelung, Verteuerung, Verbot. Linke waren damals wie auch 1968 anti-prohibitiv unterwegs. Völlig im Gegensatz zu jetzt. Das Poschard’sche Shitbürgertum dient nicht im Geringsten als Erklärung. Sie lassen sich wieder mal von einer Industrie zum Büttel machen.
    Denn natürlich will Big Pharma den Markt übernehmen. Mit eirgendwelchen Trösterchen, die es offenbar schon gibt. Was denen allesamt fehlt, ist das Kommunikative. Da, wo man Bier trinken und rauchen darf, sitzen die Leute zusammen und man hat ein reges Vereinsleben. Das ist jetzt schon tot. Nach der Essenszeit wird die Gastwirtschft geschlossen. Das war mal ganz anders.
    Ein absoluter Totalitarismus, der sich hier anbahnt. Der unsere Kultur einfach abschaffen will. Wo sind die Querdenker, wenn man sie bräuchte? Nirgends natürlich. Sie kapieren es nicht, wie immer.

  12. Alkohol in Deutschland verbieten bzw. verteuern?
    nüchtern kann man die Arbeit der Politiker gar nicht ertragen und das wissen sie… die sind froh dass das Volk „betrunken“ kuscht und sich für Politik gar nicht interessiert…

  13. Ich bin überzeugt, das alle Drogen legal sein sollten; prinzipiell! Nur Masslosigkeit und deren gesundheitliche Folgen sollten die Konsumenten selbst tragen. Daher: Zahlung in der Apotheke, denn nur hier gehört die legale Abgabe von Drogen inkl. jener von Alkohol hin, sollten nur noch über die eCard (so heist die SV-Karte in 🇦🇹) erfolgen.

    In Coffee Shops für Gras und Restaurants für Alkohol sollte gleiches gelten. Etwaigige gesundheitliche Folgen und vor allem deren Folgekosten sollten nicht der Allgemeinheit aufgebürdet werden, da individuell selbst verursacht.

    1. „Etwaigige gesundheitliche Folgen und vor allem deren Folgekosten sollten nicht der Allgemeinheit aufgebürdet werden, da individuell selbst verursacht.“

      Das muss dann aber auch so gemacht bei Verletzungen die durch (unsinnige) sportliche Aktivitäten entstehen, wie z.B. durch Skisport. Hier gibt es jedes Jahr tausende Verletze, die in Krankenhäuser behandelt werden und auch Personen mit lebenslangen gesundheitlichen Folgen.
      Eigentlich müsste wegen den extrem vielen Verletzen der Skisport verboten werden.
      Aber es gibt so viele, die daran verdienen, selbst für Ärzte und Kliniken in Urlaubsregionen ist das ein lukratives Geschäft.

      1. @G. Krautner
        „Eigentlich müsste wegen den extrem vielen Verletzen der Skisport verboten werden.“

        Wieso muss etwas verboten werden, was zu vielen Verletzungen führt? Es reicht doch, die absehbaren Extra-Kosten dem Verursacher zu überlassen oder die Versicherungsprämien dem bewusst in Kauf genommenen Risiko anzupassen. Wer hat dir diese Verbotskultur eingeimpft?

        1. „Es reicht doch, die absehbaren Extra-Kosten dem Verursacher zu überlassen oder die Versicherungsprämien dem bewusst in Kauf genommenen Risiko anzupassen. Wer hat dir diese Verbotskultur eingeimpft?“

          Wie soll das funktionieren? Dann müsste jeder Skisportler vorher eine Skisport-Zusatzversicherung abschließen oder er zahlt dann nach einem Skiunfall höhere Krankenkassenbeiträge.

          Das gilt dann auch für Autofahren und Busfahren. Autofahren ist statistisch mit einem höheren persönlichen Risiko verbunden als Busfahren. Entweder der Autofahrer muss dann eine Autofahrer-Krankenzusatzversicherung abschließen oder auch er zahlt dann nach einem selbstverschuldeten Unfall höhere Krankenkassenbeiträge.

          Und es gilt auch für Radfahrer. Radfahren ist zweifelsohne gefährlicher als Zufußgehen und das Zufußgehen ist gefährlicher als wenn man zu Hause auf dem Sofa herumliegt. Aber auch zu Hause passieren Unfälle. Haushaltsunfälle heißen Haushaltsunfälle, weil jemand zu Hause auf die Haushaltsleiter steigt und herunterfällt. Im Hotel steigt man selten auf die Leiter, um ein paar Löcher in die Wand zu bohren, es sei denn, das Hotel wäre das Zuhause.

          Extrem risikoreich ist der Amateur-Fußballsport. Da passieren viel mehr Unfälle als beim Nordic-Walking, beim Tischtennis oder beim Schachsport.

          Noch Fragen Kienzle? – Ja Hauser: Welcher Alternative, Konservative oder Neoliberale hat das Wort „Verbotskultur“ erfunden?

          Es ist doch auch verboten, dem Nachbarn mit der Schaufel oder einem anderen Gartengerät eine überzubraten. Es ist verboten, sich Steuern in Milliardenhöhe erstatten zu lassen und zwar Steuern, die man nie gezahlt hat. Es ist auch verboten, einen Auftragskiller zu beauftragen und dafür zu bezahlen, seinen Chef zu meucheln, damit man seinen Posten übernehmen kann. Es ist verboten, Schnaps an kleine Kinder zu verkaufen. Es ist verboten, Menschen zu beleidigen und/oder zu vergewaltigen. Es ist verboten, andere Menschen zu bestehlen. Es ist verboten, im Wald einen Motorölwechsel durchzuführen und das alte Motoröl in den Fluß zu schütten. Es ist auch verboten, mit 150 km pro Stunde betrunken durch das Dorf zu fahren, und es ist verboten, andere Menschen zu erschießen, es sei denn, man ist Soldat und auf dem Weg nach Stalingrad.

          Wir leben in einer Verbotsgesellschaft.

          Nicht verboten ist es, dass Politiker die Wähler vor allem vor Wahlen anlügen, denn die Wähler wollen belogen werden, um sich nach der Wahl darüber beklagen zu können, dass sie von den Politikern angelogen werden. Bei der nächsten Wahl können sich viele Wähler dann nicht mehr daran erinnern und dann wählen sie wieder diese Parteien, von denen sie angelogen werden, um sich nach der Wahl darüber beklagen zu können, dass sie von den Politiker angelogen werden …

          Bei den Reichstagswahlen im März 1933 haben 43,9 Prozent der deutschen Wähler ihren eigenen Diktator gewählt. Nach dem Endes des Zweiten Weltkrieges 1945 konnte sich dann keiner mehr daran erinnern. Ist komisch oder ironisch?

  14. Stephan Schleim verliert beim korrelierenden Blick auf seine Statistiken die Kausalitäten aus den Augen und Roberto Lapuente macht aus dem Saufen eine Weltanschauung. Nette, wenn auch belanglose Versuche.

    Beide nehmen die Omnipräsenz der Alkoholwerbung als offenbar naturgegeben hin und Schweigen über die von der Allgemeinheit aufzukommenden Folgekosten durch Unfälle und Alkoholschäden.

    Das einzige was mich bislang gewundert hat, ist der fehlende Verweis auf die anderen Drogen.

    Zum Verständnis: Ich bin beileibe kein Fan einer Prohibition. Doch in einem Land, bei mir der fränkische Teil, wo Krankenhäuser im Einlassbereich offensiv Weine bewerben und Wein to go am Strassenrand angeboten wird, ist ein zurückhaltender und kritischerer Umgang mit dem Alkoholkonsum durchaus mehr als angebracht: Von mir aus gerne auch mit höheren Steuern.

    1. @Klau-Die „ein zurückhaltender und kritischerer Umgang mit dem Alkoholkonsum“, da bin ich dabei.

      Aber eine höhere Steuer hält doch die Problemtrinker nicht vom Trinken ab. Die relevante Frage ist doch: Warum trinkt jemand zu viel? Es macht nämlich einen Unterschied, ob man am Wochenende zur Pizza ein Glas Wein trinkt oder jeden Abend eine ganze Flasche, weil der Job stressig ist, der Chef nervt, der Köter vom Nachbarn ständig bellt, die Ehefrau den Ehemann betrogen (oder umgekehrt) oder der Vermieter schon wieder die Miete erhöht hat und das Geld hinten und vorne und oben und unten nicht reicht und so weiter.

      Und wenn jemand nicht mehr aufhören kann mit dem Trinken, dann nennt man das Alkoholsucht. Sucht ist eine Krankheit und diese Krankheit bekämpft man nicht damit, dass die Flasche Schnaps nicht mehr 9,95 Euro, sondern 19,95 Euro kostet. Das ist Abzocke, die damit begründet wird, es würde der Volksgesundheit dienen.

      Richtig ist, wenn man das beabsichtigt, dann sollte tatsächlich jede Werbung für alkoholische Getränke (auch Bier und Sekt) verboten werden. Aber dann müsste man konsequenterweise auch die Werbung für Schoko-Riegel verbieten: Du hast Probleme in der Arbeit und mit deinem Freund oder deiner Freundin klappt es auch nicht? Dann gönn dir erstmal einen Schoko-Riegel von Färehro. Fährehro und die Welt ist wieder in Ordnung. Wenn das jemand glaubt und sich jeden Tag 10 oder 20 Schoko-Riegel von Färehro reinschiebt, dann wird die kleine aber auch die große Welt nicht wieder heil, sondern nur fetter und übergewichtiger.

      Über die Werbung für Glücksspiele müssen wir erst gar nicht reden. Die einzigen, die dabei glücklich werden, das sind die Produzenten dieser Werbespots, die Medien, die das verbreiten, und die Auftraggeber der Werbespots.

      Problematisch wäre allerdings auch die Werbung für Autos. Was ist, wenn sich Boris Bommerlunder ein teures Auto kauft und dann einen Unfall hat, weil ihm ein betrunkenes Wildschwein in das Auto gelaufen ist? Das Wildschwein kann sicherlich nichts dafür, der Wald ist die Wohnung des Wildschweins und irgendwelche Typen bauen dann einfach eine Straße durch das Wohnzimmer. Aber wäre Boris Bommerlunder mit der Bahn gefahren, dann wäre er wahrscheinlich eine halbe Stunde zu spät gekommen, aber es wäre nichts passiert, weil so ein Wildschwein gegen einen Zug mit einer Masse von 500 Tonnen oder mehr keine Chance hat.

  15. Beachtlich, wie die Verteidigung eines Nervengifts motivieren kann. Ganz kurz – Prohibition ist dumm, fördert die Entstehung mafiöser Strukturen, aber ein Werbeverbot und eine gewisse Regulierung des Verkaufs gehen ganz in Ordnung. Alkoholismus ist ein schweres gesellschaftliches Problem.

    1. Danke!
      Das Gleiche gilt auch für eine Zuckersteuer, denn auch die grassierende Fettleibigkeit und die Zerstörung kindlicher Gesundheit durch diesen Süßdreck sind ein gesellschaftliches Problem.
      Ich bin sehr dankbar für das Rauchverbot in öffentlichen Räumen und erinnere mich mit Grausen an die stinkenden Klamotten, die brennenden Augen und die Atemprobleme bei dem so ‚geselligen‘ Beisammensein.

    2. Wie bei jedem „Gift“ kommt es auf die Dosis an.

      Alkoholismus ist eine Sucht und Sucht ist eine Krankheit. Die Frage ist, warum wird jemand süchtig und wann ist man süchtig?

      Wenn man drei oder vier Wochen lang vollkommen problemlos ohne einen Tropfen Alc auskommt, dann ist man sicherlich nicht süchtig. Süchtig ist man dann, wenn man von der Sucht kontrolliert wird, aber man sich einredet, man würde die Droge und die Sucht kontrollieren.

      Die relevante Frage ist vor allem, warum man die Kontrolle darüber verloren hat. Kaufrausch kann auch eine Sucht sein. Diese Menschen überziehen dann permanent ihr Girokonto bis zum Limit, um sich Produkte zu kaufen, die sie im Grunde gar nicht brauchen, aber sie kompensieren mit diesen Käufen etwas anderes z. B. einen Mangel an zwischenmenschlicher Zuwendung (= Liebe + Streicheleinheiten), persönlicher Anerkennung oder mangelndes Selbstwertgefühl.

      Das gilt auch für Smartphone-Süchtige, die keine Stunde lang ohne ihr geliebtes Smartphone auskommen können. Wir haben im Urlaub nur ein Smartphone für Notfälle dabei und ich komme auch drei oder vier Tage komplett ohne Smartphone aus. Das Smartphone ist ein nützliches Gerät, aber ich bestimme, wann und wo ich dieses Gerät wie lange benutze und zu welchem Zweck und nicht das Smartphone, weil dort die allerneuesten News kommen, was der große Imperator Donald Trump aus den USA jetzt schon wieder gesagt hat und man das nicht verpassen will.

  16. Seltsamerweise fehlt im Bild eine Flasche ‚Wild Turkey‘, obwohl ich aus gut unterrichteten Kreisen weiß, dass sich viele deutsche Blogger und Alternativmedien-Galionsfiguren mit ein paar Gläsern¹ davon in Stimmung bringen, bevor sie eine besonders krasse Tirade in die Tastatur dreschen, ohne Rücksicht auf einstürzende Aktienkurse, mit Impotenz und Selbstzweifel hadernde Stabsoffiziere oder grunzgütige Selbsthilfegruppen von Hassrede-Versehrten.
    Angeblich brauchen Finanzpolitiker hingegen hochtourig aufgeschäumte Buttermilch², wenn ein zünftiges Rotstift-Massaker angesagt ist, weil der Spardruck auf keine Rothaut mehr geht.

    ¹Meist verfeinert mit ein paar Tropfen Vitriol
    ²Meist verfeinert mit ein paar Tropfen Parteitags-Sabber

  17. Ich muss hier mal eine Lanze für die Veganer brechen, die in diesem Artikel mehrfach untergebuttert werden: Ich bin überzeugt, viele Veganer haben ein recht gutes Verständnis von hochverarbeiteter versus unverarbeiteter Kost, da sie sich schon per Definition mehr mit Ernährung beschäftigen. Vielleicht sollte Herr de Lapuente, anstatt über zahn- und fleischlose Tofuesser herzuziehen, die Finger aus der Keksdose nehmen und selbst mal öfter zum Salatblatt greifen.

    Alkohol und andere Laster in allen Ehren: Die Grundlage für einen gesunden Umgang mit diesen sind aber mündige Bürger – hier sollte man ansetzen, denn nach allem, was ich sehe, arbeitet die Regierung der letzten Jahre eher an der Unmündigkeit ihrer Subjekte.

  18. Das öffnet den Weg für den schwarzen Markt, neue Bereiche für Menschen ein Einkommen zu erhalten. Neben Messerstecher, Drogenhandel kommt dann der Alkohol hinzu.
    Ich habe den Eindruck das der Film „Hungergames“ in die Realität umgesetzt wird.

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