
Das Frankfurter Gallusviertel war nie eine Komfortzone – aber die Verwahrlosung, die es jetzt erfährt, hat wirklich eine neue Dimension. Die Stadtbild-Debatte in der Nachbarschaft.
Als ich vor etwas mehr als zehn Jahren im Gallus landete, war das für mich wie eine Zeitenwende, um ein Modewort der Stunde zu bedienen. Vorher kannte ich die bayerische und die hessische Provinz – dort war die Welt nicht in Ordnung, aber geordneter war sie durchaus. Im Gallus war es schon vor einem Jahrzehnt dreckig, selbst die eher sauberen Ecken wirkten schmuddelig. Obdachlosigkeit zeigte sich hier und da, die Armut war auf der Straße fassbar und Deutsch sprach der kleinere Teil der hiesigen Bevölkerung. Ich zog der Liebe wegen hin – und bin dort hängengeblieben. In der Zeit habe ich die typisch »deutsche Transformation« erlebt – also die Veränderungen großstädtischer Lebensumstände, wie man sie in Deutschland der Jahre 2015 bis jetzt so gut wie überall erleben konnte.
Ein Stück weit hat dies Tradition, denn das Gallusviertel war immer ein raues Areal. Ein kurzer Exkurs: Das Gallus hatte einst den Spitznamen »Kamerun«, der heute nicht mehr wohlgelitten ist – die politische Korrektheit rümpft freilich angewidert die hochtragende Nase. Aber ein Kiosk dieses Namens findet sich noch auf der Mainzer Landstraße. Verwunderlich, dass die Antifa dort noch nicht protestiert hat. Der eigentliche Name des Viertels geht vermutlich auf das frühere Galgenfeld vor den Toren Frankfurts zurück. Dort befand sich im Mittelalter die Richtstätte der Stadt – also der Galgen. Wer von der Hand eines Scharfrichters sterben sollte, wurde dorthin gekarrt. Der Beiname »Kamerun« entstand dagegen erst Ende des 19. Jahrhunderts, als das Deutsche Reich die Kolonie Kamerun in Afrika besaß. Wohlhabendere Frankfurter bezeichneten das damalige Arbeiterviertel rund um Güterbahnhof, Industrie und enge Mietskasernen spöttisch und verächtlich als »Kamerun«, weil es ihnen fremd, laut und chaotisch erschien. Und viele der hart arbeitenden Leute liefen mit rußigen und staubigen Gesichtern durch die Straßen.
Kein Kamerun mehr – trotz Kameruner
Im Gallus lebten Arbeiter, Wanderarbeiter und gesellschaftlich Abgehängte dicht gedrängt zwischen Fabriken, Gleisen und Hinterhöfen – teils auf engstem Raum. Der Begriff blieb hängen und wurde noch bis in die Neunzigerjahre hinein im Stadtteil selbst benutzt – mit einem gewissen Stolz, denn er stand für Fleiß und Einfachheit, für hemdsärmelige Menschen und Zusammenhalt durch die Gewissheit, dass der Stadtteil durch Arbeiterhände entstand, wuchs, sich entwickelte und weiterhind am Laufen gehalten wurde. Das Gallus war also immer ein Ort der kleinen Leute, der Migranten, Gestrandeten und jener Menschen, die in Frankfurt zwar gebraucht wurden, aber selten gemeint waren oder auch nur gefragt wurden. Das alles ist freilich heute nur noch Stadtteilfolklore. Und das Gallusviertel ist noch nicht mal die schlimmste Problemzone der Stadt Frankfurt. Dennoch erlebte es eine Veränderung, die nichts mehr von den alten Qualitäten des Kamerun in sich trägt – auch wenn heute vermutlich sogar echte Kameruner dort wohnen.
130 Nationen sollen im Gallus ansässig sein. Über 43 Prozent der hier lebenden Menschen sind Ausländer. Migrationshintergrund haben noch mehr – auch der Autor dieser Zeilen gehört dazu. Als ich vor mehr als zehn Jahren herzog, war die größte Sorge der Menschen die Gentrifizierung des Stadtteiles – mittlerweile spricht kaum noch jemand von dieser Entwicklung. Zwar findet sie nach wie vor statt, neue Mietskasernen werden hochgezogen, deren Mietwohnungen sich ein Normalsterblicher kaum leisten kann. Aber der Stadtteil verwahrlost in einer derart rapiden Art und Weise, dass der Fokus der Bevölkerung kaum mehr auf die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte liegt – vielleicht auch, weil der Zuzug einkommensstarker Haushalte stockt. Schließlich schaut man sich das Umfeld genau an, in dem man wohnen soll – und heruntergewirtschaftete Hausfassaden, verschmutzte und mit alten Möbeln vollgestellte Plätze und Straßen und wachsender Obdachlosigkeit, die längst nicht mehr im Bahnhofsviertel verweilt, sondern mitten in den Wohngebieten des Gallus und des Gutleutviertels zu finden ist, lässt sicherlich manchen Umzugs- und Zuzugswilligen zurückschrecken.
In den letzten Jahren drängte die bitterste Armut auch in den Stadtteil, in dem ich lebe. Natürlich sah man auch schon vor zehn Jahren Menschen, denen die Armut anzumerken war. Aber vor den Supermärkten tummelten sich damals noch nicht, so wie es mittlerweile der Fall ist, unzählige Menschen ohne Dach über dem Kopf. Längst haben vor dem örtlichen Rewe Obdachlose eine Bleibe gefunden. Häufig liegen dort völlig weggetretene Männer – seltener Frauen – apathisch im Gebüsch. Orientierungslose Wesen kreuzen den Weg, wenn man sich auf dem Weg zum Einkauf macht – auch das gab es schon vormals, wenn auch nicht in dieser Dimension. Alkoholismus ist ein gravierendes Problem, dem man auf den Straßen des Gallus begegnet – ob man will oder nicht. Es wird ungeniert gesoffen, vor einem Discounter sitzen nicht selten mehrere Männer beisammen und saufen sich geradewegs in die Bewusstlosigkeit. Die Kundenfrequentierung des Ladens, aber das ist nur mein persönlicher und subjektiver Eindruck, scheint stark nachgelassen zu haben. Sicher, die Herren, die sich da betrinken, sind ohne Frage arme Teufel. Dennoch sind sie nicht gerade Werbeträger für das Geschäft, vor dem sie ihren Frust ertränken.
Zwischen Crack und besetzten Läden
Eine gänzlich neue Qualität des allgemeinen Verfalles begegnete mir erst vor einigen Tagen. Vor eben jenem Discounter saßen erneut Männer. Diesmal ging nicht die Schnapsflasche herum, sondern eine Pfeife, auf der die Herren ein weißes Kügelchen platzierten. Sie rauchten Crack – nicht irgendwo heimlich in einer Ecke, sondern gut präsent am Rande der Mainzer Landstraße. Dort liefen auch Kinder vorbei. Niemand fühlte sich jedoch bemüßigt, zumindest einen Platzverweis auszusprechen. Ein Polizeiwagen fuhr vorbei, aber das kümmerte diese armen Kreaturen herzlich wenig. Vor dem Geschäft inhaliert potenzielle Kundschaft zwangsläufig die Ausdünstungen von Menschen, die sich längst – auch hygienisch – aufgegeben haben. Da geht es den älteren Herrschaften, die sich als Flaschensammler verdingen, und die das Stadtteilbild in den letzten Jahren stärker geprägt haben als zuvor, noch richtig wohlständig dagegen. Die Armut hat eine Hierarchie – die Trinker und Drogensüchtigen sind ganz unten angekommen, wenngleich sich die Alkoholiker für höher einschätzen als diejenigen, die einem anderen Suchtstoff nachlaufen.
An vielen Ecken im Stadtteil riecht es beißend nach Urin. Manche Exkremente möchte man als Hundescheiße klassifizieren, obgleich man weiß, dass es die Hinterlassenschaften einer menschlichen Kreatur sein dürften. Das Gallus ist zu einer Kloake verkommen. Es gibt keinen Gemeinsinn. Keinen Esprit der Bewohner, ihren Stadtteil – und damit ihr eigenes Umfeld – mit Respekt zu behandeln. Das Viertel ist eine Müllhalde, ein Gnadenhof für die Aussortierten. Der Umstand, dass viele Einwohner kaum Deutsch können, fördert auch nicht gerade, dass man das Gallus wieder pfleglicher behandelt und sich gegen Wildpinkler und wilde Sperrmüllaktionen zur Wehr setzt. Kaum jemand versteht was, viele scheinen auch nicht zu verstehen, nach welchen Regeln deutsche Städte sich ursprünglich organisiert haben. Dennoch haben sich die Bewohner darauf verständigt, dass Deutsch die Amtssprache zwischen den verschiedenen Nationen sein sollte – wobei es sich oft nur um eine Art von Pidgin handelt. Dann vernimmt man deutsche Satzfetzen, die das Zusammenleben auf einem sehr spärlichen Niveau regeln – es ist die Geschäftssprache zwischen den Einwohnern, für tiefere soziale Kontaktaufnahmen eignet sich die rudimentäre Kenntnis des Idioms allerings nicht. Es ist möglich, einen Spaziergang durch das Gallus zu machen, ohne auch nur ein deutsches Wort zu vernehmen. Im Gallus ist man alleine unter allen.
Im letzten Jahr besetzten dann einige Studenten einen verwaisten Laden, der der Stadt gehörte. Ehe man sich versah, fanden sich immer mehr junge Leute ein, die dann auch noch das angrenzende Plätzchen für sich in Beschlag nahmen. Sie bauten einen Pavillon auf, hingen eine Regenbogen- und eine Palästinaflagge auf und ließen im Eifer der Weltrettung Musik spielen. Die Anwohner, fast nur ausländische Bürger, oft ohne nennenswerte Sprachkenntnisse, wurden natürlich nicht gefragt – da ist die Antifa nicht anders als jene, denen sie sonst den Kampf ansagt. Die Szenerie war grotesk genug. Aber keine zwei Tage später gesellten sich wildbärtige Männer zu den jungen Leuten – sie stammten eindeutig aus einer anderen Altersklasse. Es war völlig klar, dass es sich um Herren handelte, die man gemeinhin als »Salafisten« bezeichnet – oder als Islamisten. Die Verbindung zwischen linken Studenten und muslimischen Fanatikern: Man konnte hier sehen, wie die Annäherung funktioniert. Die Männer waren sicher keine Vertreter weltoffener Ansichten, mit denen sich die StudentInnen schmückten – die palästinensische Flagge trieb sie aber ins Lager der Ladenbesetzer. Den Anwohnern selbst jedoch, meistens Muslime, hielten sich von den jungen Leuten und deren neuen Begleitern fern.
Das Elend wächst jede Stunde
Am selben Tag, an dem ich den Crack rauchenden Männern beim Schmauchen ihrer Pfeife konnte, lag einige Meter die Straße hinauf ein Mann auf dem Gehsteig. Er atmete nur noch flach. Eine Frau hatte sich seiner bereits angenommen – er war völlig weggetreten, ein Notarzt war auf dem Weg. Wie oft begegnete mir in den letzten Jahren der Rettungsdienst, wenn ich ins Geschäft ging oder aus selbigen herauskam? Die Armut hat den Stadtteil fest im Griff. Sie ist die Konstante, die man an allen Ecken antrifft. Der Trost dieser bedrängten Wesen ist die Sucht. Dieses Szenario gilt für viele Linksliberale als ausgesprochen chic. Die Stadt feiert jedes Jahr eine Bahnhofsviertelnacht – dabei tut sie so, als sei das Aufeinandertreffen von Armut und Reichtum, das man in diesem Bereich der Stadt so gut fassen kann, wie sonst nirgends, eine beneidenswerte Lebensform. Wie oft hatte ich eigentlich im Laufe der letzten Jahre gesehen, wie in die B-Ebene am Hauptbahnhof geschissen wurde? Was soll daran chic sein? Dass sich also die jungen Leute im Gallus niederlassen und ihre Show unter dem Pavillon veranstalten, dabei feministische, transfreundliche und propalästinensische Parolen skandieren und auf Bannern aufpinselten, ohne sich in Dingen der Armut zu äußern, ist beileibe kein Zufall. Die Armut, so könnte man vermuten, gehört doch zum Gallus – sie zu bekämpfen würde ja heißen, den Wesenskern des Stadtteils aufzugeben. Und das geht offenbar nun wirklich nicht.
Wie auf die Stadtbild-Äußerung des Kanzlers reagiert wurde, gerade auch im linksliberalen Milieu, war ein weiterer Beleg dafür, dass es diesen Leuten nicht um die Verbesserung der Lebensbedingungen geht – sie sehen in der Verwilderung der Stadtteile eine Existenzform, die geschützt werden sollte wie die Traditionen eines eben entdeckten Stammes im Regenwald. Vermutlich sieht man es als kulturelle Anmaßung an, wenn jemand diese Missstände ernstlich beseitigen möchte. Die Armut und die Verwahrlosung stehen also gewissermaßen unter dem Schutz einer Klientel, die Armut nicht bekämpfen, sondern mit ihr koexistieren möchte. Diese Mischung als starker Migration, materiellen Mangel und städtischen Rückzug verkauft man am Ende gar als charmante Lebensart, als Lifestyle, den man einfach gerne haben muss. Viele junge Leute mit studentischem Hintergrund – nicht die Ladenbesetzer – und etliche Yuppies kommen offenbar gerne abends ins Gallus, verdrücken dort einen Burger oder einen Döner, Speisen die man an jeder Ecke mehrfach bekommen kann, und ziehen sich dann wieder in ihre etwas besser intakten Viertel zurück: Die große Niedergangsshow – jetzt auch mit Bewirtung!
In Nischen, an der Galluswarte, unter Brücken und teilweise auch mitten auf dem Bürgersteig wird man der »Wohnstätten« von Menschen ansichtig, die keine Bleibe mehr finden können. Sie leben auf Matratzen oder Klamottenbergen, ihre Notdurft verrichten sie – wie schon gesagt – an Ort und Stelle. Suff und Drogen lassen viele von ihnen zur tickenden Zeitbombe werden, Aggressionen sieht man in den Straßen des Gallus fast täglich. Psychosen sowieso. Das Gallus ist eine Freilichtirrenanstalt. Die Armut hat keine menschliche Dimension, die Habenichtse schauen nicht aufeinander – und es kommen so viele von ihnen in den Stadtteil – oder werden von der Politik produziert –, dass die Wohlwollenden, denen es in diesem Stadtteil noch halbwegs passabel geht und die durchaus ein Sensorium für die Leidgeplagten haben, auch den Kopf in den Sand stecken und genervt abwinken. Die Klientel im Gallus hat sich im Laufe des letzten Jahrzehntes drastisch verwandelt – viele flüchten ins Umland, lassen die große Stadt hinter sich, die verloren scheint und die zwar viele Imagekampagnen initiiert, die aber nicht imstande ist, die eigene Abwärtsspirale zu unterbrechen.
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Danke, lieber Roberto, starker, trauriger, realistischer, leider nicht positiv stimmender Text! Immer wieder wird von linksliberaler oder linksalternativer, aber auch von christlicher Seite weitere , praktisch unbegrenzte Migration gefordert! Es ist aber leider heute schon so, dass Staat und Gesellschaft die zahlreichen Probleme kaum oder gar nicht mehr lösen können oder wollen! Deutsche und osteuropäische TrinkerInnen und Drogensüchtige, multikulturelle Jugendcliquen, seelisch behinderte Personen, welche keine Hilfe erhalten oder so mitlaufen! Wahrscheinlich gibt es im Gallusviertel auch aggressive Jugendbanden, Du hast es nicht explizit erwähnt! Auf SPD Veranstaltungen im Wahlkampf für die Landtagswahl wurde nur die AFD angegangen und die Vielfalt zum heiligen Wert erklärt! Vielfalt bedeutet real aber auch, viele Ar,, Druck im sozialen Kessel, Aggression, verschiedene Fremdheitsgefühle treffen aufeinander!
Ich sitze gerade in meiner Kleinstadt inmitten einer ehemaligen Arbeitersiedlung, wo nach und nach erst der Fahrdienst zur Tagespflege, dann der Rettungswagen, dann der Bestatter, dann die Wärmepumpe und dann die jungen Familien vorfahren und denke mir: Danke.
In Gegenden wie meinen kann man sehen, dass die „Stadtbild“-Bemerkung keineswegs rassistisch ist. Genug Türken, Perser, Sonstige gibt es bei uns. Aber die können sich halt benehmen.
In der Kleinstadt, in der meine Schwester wohnt, sieht man das Gegenteil. Aber da ist auch eine linke Uni.
Issja logo, Migranten saufen an der Trinkhalle und kotzen danach aufs Straßenpflaster…
Issja so stulle, dass ganz klar wird, warum die Deutschen mangels Kindern aussterben, wenn sie noch 1000 Jahre so weiter machen.
Ich habe vor über 40 Jahren in Frankfurt gewohnt, das Foto mit der Trinkhalle könnte damals entstanden sein. Das Gallusviertel war schon immer das verrufenste, und NPD und Republikaner, deren Klientel an den Trinkhallen anzutreffen war, zerrissen sich das Maul.
Nix Neuss also, Kultur ist da, wo Neuss Deutschland ist: https://www.youtube.com/watch?v=4vBJzglrOy4
„warum die Deutschen mangels Kindern aussterben, “
Mal angenommen das Ukraine Abenteuer geht für Deutschland glimpflich aus, also alles läuft mehr oder weniger so weiter wie bisher, dann ist aus populationsdynamischer Sicht klar, das Deutschland in wenigen Generationen ein Vielvölkerstaat mit einer deutschen Minderheit ist, der sich ein eine unbestimmte Zukunft weiter bewegt. Es ist völlig offen welche kulturellen, sozialen und politischen Verwerfungen und Konflikte daraus entstehen werden. Das alles zudem noch vor dem Hintergrund zunehmend schlechter werdender natürlicher Rahmenbedingungen
eine kriegerische auseinandersetzng, die schon tausende u abertausende leben gekostet hat, als „abenteuer“ zu bezeicchnen, kann einem auch nur dann einfallen, wenn man life noch nix von „sowas“, also so ein sterben von einer kugel oder wenn eine granate so reinhaut in ein paar menschen, mitbekommen hat. na hoffen wir mal, dass es bei den 5 freunden nicht so schlimm wird.
Ah, Scientismus wieder, vorzugsweise, wie stets Biologismus, wer hätt’s gedacht. Deutschland ein Vielvölkerstaat, grauenhafte Vorstellung.
Aber mal im Ernst, was bitte schön ist daran neu? Der alte Fritz hat im siebenjährigen Krieg den größten Teil seiner männlichen Bevölkerung dahingerafft und dann alles integriert was greifbar war. Andere deutsche Fürsten waren da auch nicht zimperlicher.
Und noch ein Geheimnisverrat. Das war und ist in andern Ländern nicht anders. Herrschaften definieren In- und Outgroup gerade wie es passt. Zur Generation von Ablenkzielen oder um sich von jemandem die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen um sich nicht selbst zu verbrennen.
Und falls bei Bedarf noch eine weitere Erinnerung vonnöten sein sollte. Dem Grottenolm-Pseudonym, natürlich auch biologistisch verbrämt, kann doch das Massaker gar nicht groß genug sein.
Ei,ei, ei! Da sorgt sich einer um Namen und Kategorien, statt zu fragen, ob in dieser Gesellschaft überhaupt ein freies und vernünftiges Zusammenleben möglich ist!
Die Angst vor der „Minderheit im eigenen Land“ verrät viel weniger über die Zukunft als über das eigene Denken. Wer Zugehörigkeit wie Besitz behandelt, fürchtet zwangsläufig Verlust.
Doch warum kümmert dich die Hautfarbe deiner Nachbarn so sehr? Und wer hat dir eingeredet, dass immer die Mehrheit herrschte? Die Geschichte zeigte oft das Gegenteil!. Die Gegenwart auch. Im good Old South hat eine kleine feine Minderheit das Zepter geschwungen und Weiße wie Schwarze brav für sich schuften lassen. Ein Ruhmesblatt war das nicht.
Demografie und Herrschaft sind eben nicht dasselbe. Nicht Zahlen entscheiden, sondern Machtverhältnisse. Vielleicht magst du dem Thema mal nachjagen statt irgendwelchen Stammbäumen?
Kultur-Linke kämpfen gegen Windmühlenflügel (gegen das imaginäre Böse) wenn es gegen die materielle Substanz geht. Das gilt auch dann wenn diese nationalistisch geprägt ist. Denn das Nationale wird benutzt um das materielle Sein zu sichern. Dagegen hat linke Kultur keine Chance.
Die Russen wissen gar nicht was ihnen entgeht, wenn sie sich weiter so stur weigern Teil der westlichen Wertegemeinschaft zu werden.
Das ist das, was im Westen keiner begreifen will/soll. Die haben immer noch das Russlandbild aus der Zeit Jelzins im Kopf mit Bettlern, vermüllten Straßen, verlotterten Wohnquartieren, und begreifen gar nicht, wie die Leute dort „trotzdem“ immer noch Putin wählen können, weshalb man sich auch das dann mit „Wahlmanipulationen“ erklärt.
Die Realität ist aber das genaue Spiegelbild zu Deutschland! Während es hierzulande, ausgehend von einem im Schnitt hohen Niveau, seit mittlerweile über 20 Jahren immer weiter bergab geht, hat es in Russland seit der Machtübernahme durch Putin einen unglaublichen Aufschwung gegeben. Die Wirtschaft kam wieder hoch, mit zusätzlichen Maßnahmen seit Beginn der Sanktionen wurde auch die Eigenversorgung wiederhergestellt, so daß Russland heute Exporteur von Lebensmitteln ist statt diese, wie zu Jelzins Zeiten im großen Stil zu importieren. Und so weiter.
Im Schnitt mögen die Lebensverhältnisse in Russland immer noch etwas schlechter sein, als in Deutschland. Aber der Vergleich solcher Slums in deutschen Großstädten (!!!) wie dem Gallus in der Stadt des Geldes mit den Banken-Wolkenkratzern im Zentrum mit andererseits Metropolen wie Moskau oder St. Petersburg zeigt klar, wer auf der Verliererstraße ist, und wieso deutsche Kanzler/innen im Lande so „beliebt“ sind, während der „brutale Machthaber“ Putin fest im Sattel sitzt.
Aber um das vergleichen zu können, müßte man sich für die eigene Weltanschauung ja mal die Welt dort drüben anschauen! Das verhindern aber Medienverbote im „freien Deutschland“.
Ich fahre noch regelmäßig nach Russland und kenne zahlreiche Städte und Gegenden vom Polarkreis bis zum Pazifik. Der Schock bei der Rückkehr ins verwahrloste, zugemüllte und marode Deutschland, in dem absolut nichts mehr funktioniert, wird mit jedem Mal schlimmer
Du musstest bis an den Pazifik reisen, um zu lernen, dass diese Gesellschaft kaputt ist? Beeindruckend. Mir genügt dafür ein Einschalten des Fernsehapparats.
In Russland hast du Horizonte erblickt und die Schlaglöcher übersehen. In Deutschland erblickst du Schlaglöcher und übersiehst die Horizonte. Der Mensch findet offenbar stets das, wonach er sucht.
Wenn dir Deutschland so unerträglich erscheint, zieh besser dorthin, wo alles funktioniert. Wenn du keinen solchen Ort findest, dann bleib, hör auf zu jammern und fang an, hier einen Quadratmeter zu reparieren.
Die eigentliche Frage lautet ohnehin nicht, welches Land besser ist. Sondern: Warum brauchst du diese Gegenüberstellung so dringend?
Die wohlfeile Aussage dann zieh doch weg ist billig. Nicht jeder kann oder will aus ganz individuellen Gründen, die man oft selbst nicht mal beeinflussen kann wegziehen. Ich sage nur Angehörige, die Pflege brauchen etc.
Es geht aber darum, dass gerade in den westlichen Gesellschaften, wie man in jedem offiziellen Bericht lesen kann, der Unterschied zwischen arm und reich immer krasser wird.
Klar das ist Kapitalismus. Aber genau der Westen befördert dieses System am meisten und leugnet dessen negativen Auswirkungen. Alles schlechte kommt angeblich nur immer von Diktatoren. Wenn im Westen was schief läuft ist nie das System schuld es sind angeblich immer Ausnahmen.
Es geht darum dass hier der Kontrast zwischen Selbstdarstellung bzw Eigenwahrnehmung und Realität wohl so groß ist wie kaum wo anders auf der Welt.
Du versuchst etwas zu widerlegen, das ich gar nicht behauptet habe.
Ich habe ihm nicht einfach geraten: „Geh weg!“. Mein Punkt war, dass er aufhören soll, sich die Welt so zurechtzulegen, dass sie immer seine Klage bestätigt. Wer fortwährend Länder gegeneinander ausspielt, sucht keine Lösung, sondern Bestätigung.
Mein Ziel war also, ihn aus der Bequemlichkeit seines Weltbilds zu treiben: weniger vergleichen, mehr handeln. Nicht Weltdeutung als Entlastung, sondern als Prüfstein des eigenen Handelns.
Wer nämlich immer nur an einem Ort den Verfall erkennt und anderswo stets das gelobte Land erblickt, verwechselt Analyse mit Vorurteil. Und wer weder geht noch handelt, sondern nur jammernd vergleicht, reist nicht durch die Welt – er schleppt bloß seine Unzufriedenheit von Grenze zu Grenze.
Wer Angehörige pflegt oder Verantwortung für Kinder trägt, sollte ohnehin nicht einfach türmen. Umso mehr ist er aber angehalten, die Wirklichkeit nüchtern zu betrachten statt sie zur Kulisse seiner Ressentiments zu machen.
Sehr geehrter Herr De La Puente,
ein für mich persönlich schmerzhafter Artikel.
Beim ersten Lesen dachte ich : „Kenn ich!“
Denn ich bin aus Gelsenkirchen, vierte Generation und kenne daher die Stadt seid Kindheitstagen.
Der allmähliche, dann immer schneller sich vollziehende Niedergang, von der Politik als „Strukturwandel“
verharmlost, wurde von mir live und in Farbe miterlebt.
So wie Sie, bin auch ich mitten drin!
Gut beschrieben, mit dem Pidgin-Deutsch! In der Tat ist es so, das die verschiedenen Migranten-Communitys sich unter einander nicht verständigen können!
Die letzte Klasse, die ich in der Altenpflegeschule unterrichtet habe, bestand aus 13 Schülern, des Deutschen nicht oder nur unzureichend mächtig und jeder Einzelne mit anderem Migrationshintergrund!
Nach anfänglicher Freude, einen so kleinen Kurs unterrichten zu können, kam die Ernüchterung rasch.
Da kann man nichts lehren oder beibringen, Disziplin muss erzwungen werden, damit wenigstens eine ruhige Atmosphäre zustande kommt! Das hat mir dann gereicht! Da ich mich nicht zum Nick-August, zum Popanz machen lassen wollte, habe ich letztendlich gekündigt, das hatte keinen Zweck.
( Nachdem von oben an deren Noten gedreht wurde, haben alle bestanden; deren Fachkenntnisse waren unterirdisch; sie bilden eher eine Gefahr für die ihnen anvertrauten Bewohner, aber egal, Hauptsache, die Zahlen stimmen! )
Die Verwahrlosung ganzer Stadtteile ist auch hier ein Problem, ich gehe aber davon aus, das bei bestehender De-Industrialisierung noch andere Regionen in den gleichen Genuß der Verelendung kommen werden, wie in Ihrer und meiner Stadt.
Nachdem es hier schon zu Menschenjagden und Gewalt gegen Rumänen, Bulgaren, Sinti und Roma gekommen ist, hat sich jetzt eine ortsfremde, 31-jährige Landtagsabgeordnete der AfD heraus genommen, eine der Problemstadtteile der Stadt aufzusuchen und die dort ansässige Bevölkerung aus diesen Gruppen zum Putzen und Straßenfegen genötigt!
Die Bilder erinnerten an Wien 1938, nach dem „Anschluß“ Österreichs!
Die Menschen mit Migrationshintergrund und deutschem Pass wählen in ihrer Mehrheit hier die AfD, die 3 von 5 Bezirksvorsitzenden stellen!
Die libanesische Community hier zahlt keine Strafmandate und Bußgelder und niemand wagt es, diese einzutreiben.
Bei Auszahlung von Gelder an Bulgaren steht einer da, Mercedes-Fahrer und kassiert seinen Obulus, jeder weiß das, jeder kann das sehen, niemand unternimmt etwas!
Da gibt es Stadtteile, in die kein Taxi mehr fährt!
Da gibt es Läden mit muslimischen Inhabern, in denen deutsche Frauen nicht bedient werden.
Da musste eine eine SOKO eingerichtet werden, die sich ausschließlich mit Körperverletzungen, Diebstählen und Straßenraub beschäftigt, begangen von muslimischen, vornehmlich arabischen jungen Männern an anderen Jugendlichen und alten Menschen.
Da hat in einem Stadtteil mit mehrheitlich türkischer Bevölkerung ein Gülen-Anhänger entsprechende Plakate in der Auslage seines Geschäftes gehabt. Aufgebrachte Erdogan-Anhänger verprügelten den Mann und zerstörten seinen Laden. Die eingetroffene Polizei ordnete an, das der Geschädigte seine Plakate abzuhängen habe, damit er nicht weiter provoziere, das wars! Keine Strafverfolgung, kein Schutz, nichts!
Da gibt es Ecken in bestimmten Stadtteilen, in denen man als Deutscher diskriminiert und ausgegrenzt wird, dort als Deutscher einen Hund zu halten, einen möglichst großen, ist keine schlechte Idee.
Die Situation ist dergestalt, das sich mir mittlerweile bei dem Wort „Vielfalt“ der Magen umdreht.
Da tickt eine Zeitbombe mit genug Sprengkraft, welche die ganze Gesellschaft explodieren lassen kann.
Ein guter Artikel, schönen Dank dafür!
Und immer wieder das Märchen von den No-Go-Areas, natürlich ohne konkret eine zu bennen. Könnte ja jemand kommen und erzählen, dass es das gar nicht gibt oder mal ausprobieren, ob ein Taxi wirklich nichth infährt.
Die Stadtteile hier in DU, von denen man das sagt, sind überwiegend recht harmlos.
ich möge berichtigt werden, so ich falsch liege, aber, wie mir scheint, macht der ehrenwerte herr roberto die schuldigen an armut u verwahrlosung eher unter linken, palästinenserfreundlichen student.innen und dem desinteressierten mittelstandsbürgertum (da fasse er sich an die eigene, vom geruch der ausdünstungen der rewepinkler u -kaxker die ihn irgendwie im laden stören, beleidigte nase.) aus, als unter denen, die das prekariat wg ihrer bürgerfeindlichen politik, ja, politik auf der ganzen linie, nicht nur migrationspolitik, steuerpolitik, sozialpolitik, nein nein nein, die ganze scheixx politk, als kontrastmittel brauchen, die die seit jeher für die „besseren“ leute, also den gehobenen mittelstand (mit und ohne fieseler storch) und die reichen und die ganz ganz reichen, gemacht wird, also den politiker.innen und der gesamten in ein ordentliches klo fäkalisierenden oberschicht zu suchen. schade eigentlich, denn der essay selbst ist ja nett geschrieben.
Schuld ist weder links noch rechts, Schuld ist die Politik, die von den jahrelang regierenden Parteien, jeder kennt sie, hier praktiziert wurde. Deren Schuld ist es, das Land in jahrelanger Mißwirtschaft auf allen Gebieten in diesen Zustand gebracht zu haben, aus dem es nach gegenwärtiger Einschätzung kaum noch einen Ausweg geben dürfte.
Wir brauchen eine sozialkonservative Politik mit einer Regierung aus AfD und DieBasis. Die AfD liegt jetzt bei 29 %. Die Union bei 21 %. Bitte klicke auf „Jungianer“.
Der Wortfrankenstein sozialkonservativ. Ein echtes Kreatief. Diese Konserven sind gammelig und bei Verwendung des Begriffes sozial müßten die Genannten in Flammen aufgehen. Zwei Kunstrasenprojekte, deren einziger Unterschied in der finanziellen Ausstattung liegt. Damit sind dann Haupt- und Nebenstrom abgedeckt.
In der Angelegenheit:
Vorschläge für neue Demokratie
Ihn habe «sehr enttäuscht», dass er in der Basis-Partei, die aus der Coronapolitik-kritischen Bewegung entstand, die gleichen Mechanismen erlebte wie er sie aus den etablierten Parteien kannte. Es gehe in den Parteien immer nur um Macht und nicht um die Interessen der Menschen, die sie eigentlich vertreten sollten.
Für ihn hat das auch mit dem Abstand der bundesweit agierenden Parteiorganisationen und den Problemen der Menschen in den Orten und Regionen zu tun. Er fände besser, wenn es in den Wahlkreisen nur Direktkandidaten und keine Parteien mit Listen gäbe.
«Die müssen den Leuten aus ihrem Wahlkreis Rede und Antwort stehen. Und wenn sie die Leute betrügen oder wenn sie korrupt sind, dann muss man sie mit einem gewissen Quorum jederzeit abwählen können. Und das Ganze macht der Wahlkreis, keine Partei.»
«Hintertür-Geschichten» müssten so ebenfalls unmöglich gemacht werden, wie der Einfluss von Lobby-Organisationen. Diese würden längst die Politik dominieren und seien ein durchorganisierter Wirtschaftszweig geworden, berichtete Wodarg aus eigener Erfahrung.
Seine Vorschläge, die Politik zu demokratisieren, bezog er auch auf das Pflegesystem und die Krankenkassen, die sich die Versicherten über die «Sozialwahlen» zurückerobern müssten. So könnten sie von den korrupten Mechanismen, die nur den Interessen der Pharma-Industrie dienen, befreit werden.
Aus:
Wodarg: «Ich habe keine Angst vor gefährlichen Viren»
Der Arzt und ehemalige Gesundheitspolitiker Wolfgang Wodarg sprach am Donnerstag bei einem Vortrag in Berlin über gesundheitliche Selbstbestimmung. Dabei ging es nicht nur um die Corona-Krise, sondern vor allem um Grundfragen von Demokratie, Macht und Kontrolle, aber ebenso um möglichen Widerstand. Ein Bericht von Tilo Gräser
26. Mai 2024
https://transition-news.org/wodarg-ich-habe-keine-angst-vor-gefahrlichen-viren
Sollte der Satz „Diese Mischung als starker Migration, materiellen Mangel und städtischen Rückzug verkauft man am Ende gar als charmante Lebensart, als Lifestyle, den man einfach gerne haben muss.“ nicht evtl. „Diese Mischung [als] aus starker Migration, materiellen Mangel und städtischen Rückzug verkauft man am Ende gar als charmante Lebensart, als Lifestyle, den man einfach gerne haben muss.“ lauten?
Lesenswerter Artikel! Der Autor schreibt: „Als ich vor mehr als zehn Jahren herzog, war die größte Sorge der Menschen die Gentrifizierung des Stadtteiles – mittlerweile spricht kaum noch jemand von dieser Entwicklung.“
Dasselbe könnte man zu Kreuzberg und Neukölln sagen. Ob wohl bewusste Spekulation dahintersteckt – erst ein Stadtteil verslumen lassen, günstig kaufen, dann teuer vermieten und den Kiez langfristig wieder aufwerten? Zumindest war das früher die Vorgehensweise.
@“Mein Stadtteil – Szenen eines Niedergangs“
Das findet man heute in fast jeder Stadt. Frankfurt ist schon länger ein gefährliches Pflaster.Als wir mit dem Zug aus Paris gekommen sind und in Frankfurt umsteigen mußten wurden wir Zeugen einer Schießerei auf dem Bahnsteig.
„Szenen eines Niedergangs“
Verstehe das Gejammere des Autors nicht, Es gibt in Deutschland einen politischen Konsens quer durch alle Parteien und politische Lager und einen gesellschaftlichen Konsens quer durch alle Klassen und Milieus von der Unterschicht über die middle class zu den Eliten, Intellektuellen und Oligarchen, dass die letzten 30 Jahe in Deutschland ein voller Erfolg waren. Und die deutsche Erfolgsgeschichte geht weiter.
Und immer an die Grundformel denken: am wohlsten fühlen sich Schweine im Schweinestall.
Das finde ich lobenswert, dass Roberto trotz seines fürstlichen Gehalts als Chefreedakteur so bodenständig geblieben ist. Er verbleibt im Brennpunkt.
Der Gipfel war ja die Antifa mit den Salafisten. Wo letztere regieren, haben Linke eine extrem kurze Lebenserwartung. Was bei diesen keinerlei Reflexion bewirkt. Free Palestine macht’s möglich.
Indes ist Gallus ein Idyll gegen England. Dort sind jetzt die Rechten auf der Straße, denn dort wurde der Student Henry Nowak mit Messerstichen ermordet und die Polizei half nicht. Sie knien dort jetzt nieder, die George-Floyd Demos kopierend. Anführer der Demos ist ein gewisser Tommy Robinson, der halbwegs vernünftig zu sein scheint. Er hat sich eindeutig von Ausschreitungen gegen Sikhs ausgesprochen, denn zu diesen gehörte der Täter. Aber die Rechten werden wohl demnächst einen Erdrutschsieg einfahren. Und da sind ganz andere dabei als dieser Robinson.
Damit nicht genug. Vor dem britischen Parlament hat Rupert Lowe ausführlich über die pakistanischen Grooming-Gangs berichtet. Deren Treiben keineswegss beendet wurde. Da explodiert jetzt etwas:
https://x.com/RealDonKeith/status/2061494487411548456
Diese Enthüllungen auf X sind es übrigens, die in ganz Europa für den Aufwind der Rechten sorgen, auch der AfD. Aber die Presse schweigt und die Politik ignoriert es. Das wird heftig.
Die Presse schweigt auch deshalb, weil es nicht in die schematische Definition von „Rassismus” passt, wie sie gerade als offizielle akademische Lehrmeinung us-amerikanischer Provenienz überall verbreitet wird.
dritter Versuch völlig polemikbefreit
Das ist die von Marx als Lumpenproletariat bezeichnete Gesellschaftsschicht. Viele arme Menschen aber auch linke und grüne Studenten und arbeitslose Geisteswissenschaftler, Antifa und Drogenabhängige leben da. Kotze und Scheiße statt Gartenzwerge. Da sieht man, wozu der Kapitalismus führt ???
Aber einen Vergleich USA/Deutschland erlaube ich mir trotzdem.
Nominales Bruttoinlandsprodukt (BIP) Vereinigte Staaten 29 298 Mrd. US$, Deutschland 4 684 Mrd. US$
Reale Veränderung des BIP Vereinigte Staaten +2,8 Deutschland -0,5
Stand: Oktober 2025, Quelle IWF-WEO, aus Statista
USA „Die Netto-internationale Migration, die zu ihrem Höchststand 2023 bei fast 3,3 Millionen pro Jahr lag, wird nun vom Census Bureau für 2026 auf etwa 321.000 geschätzt – ein Rückgang von etwa 90 %“ (The Global Statistics)
Deutschland Schutzsuchende 3,2 Mio. Ende 2025. (statistiken-aktuell.de)
vierter Versuch. Da mein Text anscheinend keine Chance hat, bringe ich hier nur noch die mühsam zusammengestellte Statistik ohne Kommentar.
Nominales Bruttoinlandsprodukt (BIP) Vereinigte Staaten 29 298 Mrd. US$, Deutschland 4 684 Mrd. US$
Reale Veränderung des BIP Vereinigte Staaten +2,8 Deutschland -0,5
Stand: Oktober 2025, Quelle IWF-WEO, aus Statista
USA „Die Netto-internationale Migration, die zu ihrem Höchststand 2023 bei fast 3,3 Millionen pro Jahr lag, wird nun vom Census Bureau für 2026 auf etwa 321.000 geschätzt – ein Rückgang von etwa 90 %“ (The Global Statistics)
Deutschland Schutzsuchende 3,2 Mio. Ende 2025. (statistiken-aktuell.de)
Ein guter Artikel, wie ich finde, nahe am Leben. Der Autor kommt auch ohne Moralkeule aus – hätte mich bei Herrn Lapuente jetzt auch gewundert – sieht die Gestalten, wie sie sind: arme Wichte, Gescheiterte, Kaputte. Figuren in einer fragilen, zerbröselnden, ungerechten Gesellschaft. Habe mich selbst einige Jahre in einem ähnlichem Milieu bewegt, wieder rausgekommen, nun 20+ Jahre rückfallfrei. Damals war das, würde ich rückblickend sagen, noch nicht so krass, es gab auch weniger Armutsmigration. Der Restscham vor menschlicher Würdelosigkeit scheint mir heute geringer.
Den Leuten geht es auch echt noch beschissener, ohne damit jetzt alles entschuldigen zu wollen. Der Staat reduziert jedenfalls Hilfen, medizinische und psychologische Betreuung, Beratungsstellen werden geschlossen. Gerne wird Selbstverschuldung postuliert. Wenn man den Gescheiterten zuhört, bekommt man in den meisten Fällen allerdings bewegende Einzelschicksale erzählt. Wer würde denn auch bewusst einen solchen Lebenswandel wählen?
Ich lebe in Berlin, fahre häufig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn ich hier Yorckstraße oben von der S-Bahn in die U-Bahn hinabsteige, kommt es mir so vor, als würde ich ein großes öffentliches Scheißhaus betreten. Gestank nach Urin, auf dem Zwischengang offener Drogenkonsum, leere Spritzen, Alupapier. Dahinsiechende Bettler mit offenen Beinen, die dir irgendwas Unverständliches entgegenlallen, während du an ihnen vorbeigehst.
Die Stadtverwaltung hat wohl versucht, die Leute zu vertreiben. Ein langer Umbau und Sanierung hat mehr Licht reingebracht, sollte den Bahnhof als Aufenthaltsort unattraktiv gestalten. Das nach meinem Empfinden nicht lange gehalten, ähnlich wie auf anderen modernisierten Berliner Bahnhöfen. Die Leute verschwinden ja auch nicht, wo sollen sie denn hin? Bahnhof Zoo vielleicht als Positivbeispiel, da hat sich das Bild gebessert.
Wer in die U-Bahn steigt und meint, ein Klo zu betreten, glaubt nur schwer, dass diese Nation in wenigen Jahren wieder zu einer Weltführungsmacht aufwachsen könnte. Als oller West-Berliner trage ich allerdings auch eine Großstadt-Brille, bewege mich an bestimmten Orten hier, der Blick ist selektiv, kann den tatsächlichen Zustand der Stadt, des Landes verfälschen. Aber das, was Herr Lapuente eindrücklich beschreibt, sehe ich hier in Berlin ebenso.
Zoo ist auch wieder gekippt. Sicherheitskräfte der Bahn vertreiben die Leute zwar aus dem Bahnhof, aber dafür sind die dann auf der Straße. Besonders unter den Schienen Richtung Hardenbergstr. Ist wirklich übel.
In den 80ern habe ich, damals noch DDR- Birger und schon aus alter Anhänglichkeit zu Manfred Krug, immer mal „Liebling Kreuzberg“ gesehen, Da gab es viele Außenaufnahmen von Gegenden, in denen ich heute öfter bin. Berlinbesucher können sich das mal auf youtube anschauen und dann mit dem gegenwärtigen Zustand vergleichen.
In der Skalitzer Straße, im Schaufenster eines Fahrradladens, den es noch immer gibt, stand nach dem Mauerfall im Schaufenster mit riesigen Buchstaben, die man von der Hochbahn lesen konnte: Im Westen nichts Neues.
Im vergangenen Jahr besuchte ich zur beruflichen Fortbildung, mit einigen Kollegen, regelmäßig das Gallusviertel. Im Nachhinein kann ich nur sagen, ein Glück dass die Fortbildung vorrüber ist und ich nicht mehr durch verwahrloste Straßen laufen und angzündete Sperrmüllhaufen sehen muss! In einem kölner Vorort, den ich vor 4 Monaten aufsuchte, sah es ähnlich deprimierend aus und in anderen deutschen Großstädten dürfte es wohl auch so sein.
Wir sind eine Kultur im Niedergang, das kann niemand mehr ernsthaft bestreiten, der noch über ein Mindestmaß an Verstand und Sehkraft verfügt.
Klar, eine soziales und kulturelles Gefälle hat es in den verschiedenen Bezirken von Großstädten schon immer gegeben, aber was man heute vorfindet, hat sicher eine andere Qualität und es macht einfach nur noch Angst!
Mein Stadtteil hatte in meiner einstigen Republik, auch immmmer ihr Problem mit der Selbstdarstellung. Seis drumm.
Wir Bürger der neuen Realität haben unseren Ursprung vergessen!
Weil wir Bürger an etwas festhalten, das nicht der Realität entspricht.
Wir sind nicht die Erfinder der Weisheit, wir sind die Erfinder, der Irreführung und nichts anderes.
Der sogenannte Westen hat etwas vollbracht, daß diese Welt für ihre dunkle Macht, auch nun dafür bezahlen darf.
Das ist, ich bitte um Verzeihung, eine sehr üble satanische Version.
Neoliberalismus wirkt.
Kann man hinnehmen und auf Ausländer und Arbeitsscheue schimpfen. Und AfD wählen.
Wohl bekomms.
Die Hauptgründe aber für diesen objektiv vorhandenen gesellschaftlichen Niedergang sind in der jahrzehntelangen neoliberalen Austeritätspolitik und im „wertewestlichen“ Neoimperialismus zu suchen, der erst die Flüchtlingsströme durch Krieg, Sanktionen, ökonomische Strangulierung und eine aggressive EU-Erweiterungspolitik geschaffen hat. Die oberen Zehntausend in ihren „Gated Communities“ bekommen von dem Dreck in den Niederungen dieses Landes nichts mit. Denen kann es nur recht sein, wenn der Pöbel mit und ohne Migrationshintergrund sich gegenseitig zerfleischt und die von Abstiegsangst gelähmte Mittelschicht politisch ruhiggestellt bleibt. Diese verkommene Elite fürchtet die AfD nicht. Denn die AfD wird an den Hauptgründen für diese Misere nichts ändern, sondern für die Symptome Sündenböcke zu finden und zu bekämpfen, auf dass der Durchschnittsmichel sein rassistisches Mütchen kühlen kann und sich politisch wieder schlafen legt. Achtung Sarkasmus: Vielleicht ergibt sich ja für die Migranten ein Verwertungszweck als Kanonenfutter gegen den bösen Iwan?
Ich glaube mich zu erinnern, dass in Hedderheim – ich denke, das gehört noch zu Frankfurt – unter anderem Reste einer öffentlichen Latrine aus der Römerzeit ausgegraben wurden. Vielleicht kann man das ja noch mal verwenden, um die beschriebenen Zustände wenigstens zu mildern.
Frankfurt ist ja doch die Hauptstadt des europäischen und deutschen Geldes und irgendeine Gemeinde nördlich von Frankfurt soll die mit der größten Millionärsdichte in Deutschland sein. Hab vergessen, welche das ist.
Was will ich damit sagen? Die Verwahrlosung des öffentlichen Raums, könnte was mit der Verwahrlosung seiner Administration und seiner Administratoren zu tun haben. Weiß Gott nicht nur in Frankfurt.
Es interessiert die nicht mehr. Die wohnen da nicht mehr. Sie fühlen sich nicht verantworlich. Sie zu wollen nicht, dass ihr Geld da ausgegeben wird. Als Frankfurter Milliardär bewohnt man den Henniger Turm. Da oben stinkt es nicht.
Um auf ein Bahnhofsklo zu gehen, braucht man 1€ , habe sogar schon 2€ gesehen. Da die von Roberto beschriebenen Menschen die nicht zahlen, hat man saubere Klos auf den Bahnhöfen und dafür – Berlin Ostbahnhof- einen ganzen stinkenden Bahnhof als Klo. Oder ganze Straßenabschnitte.
Aber das geht schon in Ordung. Passt zu dem Verwesungsgeruch, dar sich im Land ausbreitet.
Da sprechen Sie was an, bekommt man nämlich Besuch aus dem Ausland, ist es beschämend, dass es hier so gut wie gar keine und wenn katastrophal aussehende öffentliche Toiletten vorfindet.
Es ist eine Besonderheit eine Spezialität dieses Landes, dass für eine grundlegende zivilisatorische Einrichtung, wie öffentliche Toiletten entweder kein öffentliches Geld ausgegeben wird und es solchermaßen zum absurden Geschäftsmodell erklärt, einem menschlichen Grundbedürfnis nachkommen zu dürfen.
Heddernheim gehört zu Frankfurt und der Ort mit der höchsten Millionärsdichte ist vermutlich Königstein (oder Kronberg).
(In Königstein wurde übrigens einst von ein paar durchgeknallten, hardcoreideologischen Wirtschaftsprofessoren die AfD gegründet.)
Das ist aber gar nichts neues, das war schon vor dreißig Jahren so.
Wie auch der ganze Artikel nichts neues beschreibt, außer der veränderten Wahrnehmung des Schreibers.
Der erinnert mich an einen Frankfurter Türken, den ich vor einigen Jahren in einer Doku sah. Es ging um die neuen Migranten, Syrer. Die seien schlecht, die würden Drogen verkaufen. Da mußte ich lachen, waren doch früher die Leute, die Drogen verkauften, oft Türken. Hinzu kam, daß er, obwohl schon dreißig Jahre hier, übersetzt werden mußte. Immerhin das hat Roberto ihm voraus.
Dazu fällt mir auch die noch ältere Geschichte von einem italienischen Arbeiter in einem hießigen Industriebetrieb ein, der nach zwanzig Jahren ganz schlecht deutsch sprach, aber immer auf die Kanaken (gemeint waren die Türken) schimpfte.
Ist immer wieder dasselbe, im Westen nichts neues.
Dass es in diesem Land nicht anders zugeht, als in anderen westlichen und damit neoliberale Wirtschaft praktizierenden Ländern, kann eigentlich nicht verwundern. Aber auch ohne die Zuspitzung der letzten Jahre, ist auch davor wenig auszumachen, was eine positive, gesellschaftlich-integrative und menschenfreundliche nationale Kultur darstellte.
Im Grunde haben sie sich doch die meisten immer exklusiv in ihrer kleinen partikularen Subkultur eingerichtet. Das macht die Jugend in besonderem Maße. Es geht schon seit den Achtzigern darum, alle anderen ausschließen zu wollen.
Vielleicht waren tatsächlich die 68er und die Hippies danach die letzten, die Gemeinsames mit allen anderen oder möglichst vielen suchten.
Diese Gesellschaft ist schon sehr lange eine gespaltene und sich gegenseitig misstrauende. Dementsprechend fühlen sich ihre Politiker gar nicht dazu berufen, Gemeinsinn zu stiften, sondern betreiben ganz offensichtlich Klientel-Politik, da werden Interessen bedient für die man schließlich bezahlt hat.
Diese Beobachtung teile ich. Was dieses Land seit Beginn der neoliberalen Konterrevolution trotz aller gegenteiligen Lippenbekenntnisse besonders gut kann, ist ausgrenzen. Im schlimmsten Fall kann das tödliche Folgen haben, wie schon mal in den 1930er Jahren.
Ein bemerkenswerter Beitrag. Bemerkenswert scheint allerdings weniger das Gallus-Viertel als die Art, wie es gleichzeitig als Opfer und Naturereignis präsentiert wird. Angeblich alles verwahrlost, alles zerfallen, niemand fühlt sich zuständig – und über allem schwebt die unausgesprochene Annahme, irgendein moralischer Defekt der Bewohner habe Müllberge, Psychosen und Süchte hervorgebracht. Willkommen im 19. Jahrhundert!
Wäre es keine altbekannte Nebelkerze, wäre es fast putzig, wie hartnäckig manche Elend noch immer für eine Charaktereigenschaft halten. Als würden Menschen eines Morgens zwischen Uringeruch und Behördenroulette aufwachen und beschließen: „Heute verwandeln wir diesen Ort in das Set des nächsten Horrorfilms!“
Der ganze Text liest sich wie die Aufzeichnungen eines Mannes, der jeden Morgen aus dem Fenster starrt und enttäuscht feststellt, dass die Welt sich nicht zu einem Roman von Gustav Freytag zurückentwickelt hat. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch – nur ohne Glaspalast.
Letzten Endes ist auch nicht das beschriebene Elend das auffällige, sondern die Hingabe, mit der es katalogisiert wird. Jeder Urinfleck wird notiert, jede Bierdose gewürdigt, jede verwahrloste Seele zum Beweisstück. Man wartet fast darauf, dass dem nächsten Obdachlosen noch eine Nummer angeheftet wird, damit wenigstens die Statistik sauber bleibt.
Die Menschen tauchen dabei fast ausschließlich als Kulisse auf. Die Trinker, die Migranten, die Studenten, die Salafisten, die Yuppies – alles Statisten in einem Theaterstück, dessen eigentlicher Hauptdarsteller der Autor selbst ist. Er wandert durch sein Viertel wie ein Katastrophentourist und sammelt Belege für eine These, die schon feststand, bevor der erste Absatz geschrieben war. Selbst Hoffmanns Nachtgestalten wirkten weniger schematisch.
Da lobt man sich fast die Elendssafaris aus dem rechten Lager, die im Vergleich zu diesem Frankfurter Streifzug durch die Ruinen erfrischend ehrlich wirken. Dort wird gar nicht erst so getan, als ginge es um Beobachtung. Dort steht die politische Absicht mit Arbeitsstiefeln auf dem Tisch und brüllt durchs Megafon. Hier wählt man die bürgerlichere Variante: Man beschreibt drei Seiten lang Verfall und reicht die politische Pointe dann als vorgebliche Tatsachenbeschreibung ein.
Die eigentliche Tragik solcher Texte liegt nicht darin, dass sie Missstände abbilden. Sondern darin, dass sie diese Missstände irgendwann brauchen. Ohne den Verfall gäbe es keine Erzählung mehr. Manche wirken inzwischen wie Menschen, die von einem Brand leben und nervös werden, sobald jemand einen Feuerlöscher holt.
Ein wirkliches Antworten begänne unerquicklich: weniger Weltrettung unter Flaggen, weniger Kulturkampf auf dem Rücken der Bewohner, weniger professionelle Empörung über Empörung. Solche Viertel brauchen weder Heilsbringer noch Chronisten des Untergangs. Für den Anfang reichten Menschen, die nach dem Hinfallen eines anderen den Notruf wählen und nach dem Anblick eines Müllsacks nicht erst eine Gesellschaftstheorie verfassen. Dafür gibt es keine Fördermittel und auch nicht revolutionäre Gefühle. Nur die langweilige Erkenntnis, dass eine Stadt weder durch Haltungsnoten noch durch Untergangsprosa sauber wird, sondern durch Menschen, die anpacken.
Frankfurt als Stadt des Geldes, des akkumulierten Reichtums illustriert im trauten Nebeneinander mit entmenschlichender Armut und Verwahrlosung die einfache Bedingung von Reichtum nämlich Armut ganz treffend.
Jedes Kind macht die Erfahrung schon im Sandkasten, dass ein Sandberg ein Loch an anderer Stelle zur Voraussetzung hat.
Wer hätte das gedacht: „7000 Jahre Multikulti in Deutschland“💡
https://www.youtube.com/watch?v=d-iPzJQM7m4
„Eine ganz andere Gesellschaft: Was uns die Demokratie in Wirklichkeit anbietet“
https://www.youtube.com/watch?v=etfeDat0jMQ
Mitleidslose bis brutale Schilderung realer Verhältnisse im besten Deutschland aller Zeiten. Den Ekel kann ich verstehen – was ich nicht verstehe, ist die fehlende Frage nach den tiefen Ursachen dieser Verhältnisse. Warum und von wem sind alle diese Leute erst ausgebeutet, ausgelutscht, verbrannt und dann weggeworfen worden? Was hat das mit dem explodierenden Reichtum der Superreichen zu tun, daß ganz unten die Armut und das Elend immer größer wird? Wer läßt denn die Leute auf der Straße krepieren, ohne Hilfeleistung, mit dem bequemen schulterzuckenden „tja, selber Schuld“?
Ich sag es: wir alle hier, die es diesen Regierungsparteien erlaubt haben, Ausbeutung zu maximieren und soziale Hilfen zu minimieren,
Und dazu dann noch grenzenlos Armut zu importieren: denn brutale Armut läßt sich besonders brutal ausbeuten. Noch ein paar Prozente mehr Reichtum für die Superreichen.
Die Superreichen sind die einzige Ursache.
Die sind so reich weil die so arm sind …mein Bester…
Der Kapitalismus produziert Armut, weil er das Kapital bei der herrschenden Klasse akkumuliert.
Eine rein kulturbedingte Betrachtung führt zu nichts, eine rein materialistische Betrachtung ebenso wenig!
Ich finde es bemerkenswert, dass man sich selbst da ohnmächtig fühlt, wo man wohnt und lebt, nämlich im eigenen Stadtviertel. Das ist kein Vorwurf an den Autor und auch nicht an die Kommentatoren, sondern einfach eine Feststellung. In einer Straße, in der ich in den achtziger Jahren gewohnt habe, fuhr jemand ein Auto, an dem ein Aufkleber pappte mit folgendem Spruch: „Hunderttausende denken: Einer allein kann ja doch nichts machen.“ Der ist mir jetzt gerade wieder eingefallen.
Was ist mit unser aller Verantwortung für den kleinen Bereich, in dem wir leben und in dem wir auch handeln könnten, wenn wir uns darum bemühten? Damit meine ich nicht die ganz große Aktion, um das Gallusviertel – oder irgendein anderes der vielen verwahrlosten Viertel in deutschen Städten – ein und für allemal auf Vordermann zu bringen, sondern sich einfach im Alltag anders zu verhalten. Insofern stimme ich @Sepp Gladiola und @Noname ausdrücklich zu.
Ich empfehle den Sozialromantikern hier, sich die neuen Wohnhäuser zwischen Kleyerstraße und Weilburgerstraße anzusehen. Dort gibt es auch eine Autovermietung nur für Sportwagen. Ebenso sind neue Wohnnhäuser im Galluspark entstanden. Die Adlerwerke beherbergen schicke Büros der der DB AG inklusive Kindergarten. Und schließlich ist das „Europaviertel“ ebenfalls Teil des Stadtteils Gallus. Die Kunden der Trinkhalle am Gallusturm sind die übliche Kundschaft eines Trinker-Notdienstes und überall anzutreffen. Dieser Artikel geht an der Wirklichkeit dieses Stadtteils vorbei.
Begonnen hat das alles sehr viel früher und es hat nur sehr bedingt mit Wohlstand und der Verfügbarkeit finanzieller Mittel zu tun. Begleitet wurde dieser Niedergang von dem Zerfall ästhetischer Ansprüche der Menschen an sich selbst. Niemand war je vergleichsweise mittellos wie ein Junkie, jeder Zwanziger wurde dort sofort verdrückt. Dennoch legte man Wert auf sein spezielles Erscheinungsbild, das einem untereinander und nach außen als „Verdammte dieser Erde“ auswies. Gerade Frankfurt war Hotspot, mehr noch als Berlin.
Damit war man kompatibel zu anderen Subkulturen, z.B. zu den verschieden Fraktionen der Schwarzkittel, etwa Gothics und Anarchos oder auch Punker. Die Übergänge waren fließend. Es gehörten auch Leute mit richtig viel Kohle dazu. Öfters auch vorbeikommende Stars mit ihrem Pulk. Die Stimmung war immer auch sexuell aufgeladen. Typen mit Ballonseideanzügen und fetten Goldketten gab es als Randfigur und ebenfalls „idividuals heavily focused on sexual behavior“ 🙂
Zeitgleich mit der Öffnung des Ostens zog dann aber die Flut der billigen Plastikklamotten und versifften Turnhosen mit D&G Schriftzug ins Stadtbild ein, während als Oberbekleidung getragene schwarze Spitzenunterwäsche samt ihren Trägerinnen daraus verschwand. Zudem verbreitete sich Homophobie. Obdachlose wurden zu Menschen die jeden Anspruch an sich selbst aufgegeben haben und die Punker wurden ihnen immer ähnlicher. Beide hatten plötzlich Hunde.
Ich war glaube ich, seit 30 Jahren nicht mehr in Frankfurt. Wozu auch. Um Petti Smith zu sehen nehme ich lieber den Umweg nach Amsterdam.
„Beide hatten plötzlich Hunde.“
Nur so am Rande: Hunde sind zuweilen die einzigen Freunde von Obdachlosen und Punkern. Das sind in der Regel treue Gefährten und bessere „Menschen“ als die zweibeinigen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ein Bekannter hat mir mal von einem Obdachlosen erzählt, der hat immer erst seinem Hund was zum Fressen gekauft und wenn das Geld nicht ausgereicht hat, dann hat er selbst nichts gefressen, was sich auf Dauer allerdings negativ auf die Gesundheit auswirkt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass so ein Leben auf der Straße ziemlich stressig und anstrengend ist und nichts mit Outdoor-Action-Abenteuerurlaub und Camping zu tun hat.
Hoch lebe der „demokratische und soziale Bundesstaat“ Deutschland wie es im Artikel 20 des viel gepriesenen Grundgesetzes von 1949 heißt. Ob unser „christlich-demokratischer“ Bundeskanzler Hunde mag? Falls ja, dann vermutlich nur die Rasse „Black Rock“?
Daher auch der Spruch: „auf den Hund gekommen“, sagte mir mal ein Einsiedler.
Nicht etwa: zum Hund geworden. Sondern den Hund als Gefährten gefunden zu dem die Menschenheit nicht taugte.
Leuchtet mir ein.
wer bei der stütze angemeldet ist, bekommt auch geld fürs haustier. das bezahlt also den bewacher. zwischen echten punks und obdachlosen gibts eh keinen sozialen unterschied. höchstens einen sozialpolitischen. unbedingt sehenswert in diesem zusammenhang der dokumentarfilm „herbst der gammler“ von peter fleischmann von 1964 (muss ich leider auf utube verweisen).
und was die redensart angeht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Auf_den_Hund_gekommen_(Redensart)