
Zwischen Krieg, Bürokratie und Wiederaufbau-Versprechen: Alexanders Geschichte steht exemplarisch für das Schicksal vieler Menschen in Mariupol.
Als ich mit dem Bus nach Donezk fuhr, setzte sich ein Mann, der etwa 65 Jahre alt gewesen sein mochte, neben mich. Er hieß Alexander und war auf dem Weg zurück nach Mariupol, nach Hause. Er hatte wegen Herzproblemen in einem Moskauer Krankenhaus gelegen – in einem Krankenhaus in Mariupol war er auch gewesen, doch dort gab es nichts, was ihm hätte helfen können.
Kein Ersatz für zerstörte Wohnung
Generell ist er äußerst verärgert über die triumphalen Berichte über die Entwicklung der Region und empört über die lokalen Behörden. In Mariupol wird viel gebaut – aber hauptsächlich bereits hypothekenfinanzierte Wohnungen, finanziert mit dem Geld von Militärs und Beamten, nicht von Einheimischen. Alexander selbst hat seine Wohnung beim Sturm auf die Stadt im Frühjahr 2022 verloren. Die ukrainischen Truppen (für die er keine positiven Gefühle hegt) hatten dort Schießstellungen eingerichtet; sie besetzten sie, indem sie die Türen komplett herausrissen. Sein Haus wurde getroffen und zwei Eingänge wurden zerstört. Zu dieser Zeit befand er sich mit seiner Familie im Keller des Hauses, später fand er mit Hunderten anderer Obdachloser Zuflucht im Keller einer nahegelegenen Schule.
Aber auch dort schlug ein Geschoss ein. Er erzählte wortkarg von diesem dramatischen Moment – nach der Explosion konnte er seine Frau lange Zeit nicht finden, doch es stellte sich heraus, dass sie sich in einem Krater hinter der Schule versteckt hatte. Sie hatten natürlich während des Stadtangriffs zwei Wochen lang nichts gegessen und kaum etwas getrunken; sie überlebten ohne Heizung, wie man sich denken kann.
Nun hat er aber keinen Ersatz für seine zerstörte Wohnung erhalten, wie andere überlebende Nachbarn. Der Grund dafür ist, dass ein Teil der Wohnung auf seine Tochter eingetragen ist, die sich in der Ukraine befindet. Die Beamten fordern sie auf, zu kommen, um die Wohnung zu übertragen, aber andere russische Beamte ließen sie nicht in Sheremetyevo einreisen. Mittlerweile ist bekannt, dass die tapferen Grenzsoldaten ukrainische Staatsbürger, die, wie früher angenommen, von der russischen Armee von den Nazis befreit werden, nicht nach Russland einreisen lassen. Ausnahmen sind selten.
„Soll ich Ihnen etwa meine Wohnung überlassen?“
Alexander läuft von Behörde zu Behörde, wo man ihn auf eine Warteliste gesetzt hat, die aber quasi auf Stillstand steht. Eine Formalie für die Behörden – warum sollte man, so möchte man nun fragen, nicht Menschen, die ebenso mittellos sind wie Alexander, eine Wohnung geben? Geht es nur um die Kosten vor dem Hintergrund des Krieges? Es gibt keine Nachsicht für diejenigen, die noch nicht ganz am Boden sind. Alexander fuhr sogar zur Präsidialverwaltung nach Moskau, doch dort sagte man ihm offen, dass die Anträge einfach an den Wohnort weitergeleitet würden. An seinem Wohnort war er bereits bei einem Termin gewesen: „Soll ich Ihnen etwa meine Wohnung überlassen?“, empörte sich der Beamte. Alexander: „Ich brauche Ihre nicht, ich brauche meine.“
Die Geschichte, die sein Schicksal geprägt hat, sieht aus seiner Sicht in groben Zügen so aus: Wie fast alle in der Stadt ging er in seiner Jugend in die Fabrik arbeiten, in seinem Fall in das Iljitsch-Kombinat. Er wurde ein hervorragender Elektriker, kannte sein Handwerk und engagierte sich beruflich. Es ist wichtig, ein Mann zu sein, der etwas tut, etwas Nützliches, etwas Schöpferisches. Aber die Fabrik war alt, wahrscheinlich hätte man sie schon in den Achtzigerjahren längst modernisieren müssen. Die Perestroika begann, man hätte meinen können: Endlich Veränderungen, vielleicht klappt es ja. Aber niemand tat etwas, und schon gar nichts Kreatives.
Wiederaufbau? Alles Heuchelei!
Dann kam die Unabhängigkeit, alles brach zusammen, die Parteibonzen redeten in gebrochenem Ukrainisch – etwas Sinnvolles kam nicht zustande. Dann kamen neue Fabrikbesitzer, die natürlich nichts modernisierten. Die ersten Besitzer waren noch ganz in Ordnung, während die späteren, so meint Alexander, dem sterbenden Werk einfach nur noch die letzten Säfte abpresste – aber wenigstens gab es noch ein Gehalt. Alexander arbeitete dennoch gewissenhaft – in dem Wissen, dass das Werk vom Volk gebaut worden war – nicht von Oligarchen, sondern als Volkswerk.
Er bedauerte, dass die Donetsker Rebellen 2014 die Stadt verlassen hatten; er dachte, dass vielleicht wenigstens Russland kommen und etwas für den Aufbau tun würde. Russland kam nun im Jahr 2022, viele Menschen kamen dabei ums Leben, die Stadt ist völlig zerstört – Azovstal liegt in Trümmern, Iljitsch steht noch, aber Alexander versteht, dass es billiger ist, ein neues Werk zu bauen, als das alte, ja veraltete, zerstörte wieder in Betrieb zu nehmen. Und im Fernsehen singen sie etwas über den Wiederaufbau der Stadt, über die Schaffenskraft.
Aber das ist in seinen Augen Heuchelei. Die Stadt ist so zerstört, wie sie es im Bürgerkrieg und im Großen Vaterländischen Krieg nicht war; vom historischen Zentrum ist nichts mehr übrig außer dem traurig berühmten Theater – und es wird nicht wiederaufgebaut. Er hat keinen Ort zum Leben, und es ist auch unklar, wozu – an der Stelle seines ganzen Lebens liegen nur Ruinen. Dafür bauen sie hier Hypothekenwohnungen – Soldaten erhalten Geld im Austausch für ihr Leben und geben es an Geschäftemacher für die fertiggestellten Rohbauten zurück. Es sieht zwar irgendwie nach Aufbau und Schaffenskraft aus, aber ein Geschäft, das auf dem Verschlingen von Todesfällen basiert, ist wohl kaum seriös.





Ein bedauernswertes Schicksal, wie viele andere auch. Nur wo liegt die Lösung? Irgendwie ist mir noch was im Ohr wie „Ursachen beseitigen“. Doch damit hat sich auch Russland festgefahren. Es ist nichts kalkulierbar. Vielleicht, aber nur vielleicht, ist es ja in Zukunft möglich, Rechnungen an Frau Nuland zu schicken, und mit dem Geld dann Wohnungen zu bauen.
Vitaliy Leybin:
„Nach 2014 kritisierte er die ukrainische Regierung wegen des Krieges im Donbass; nach 2022 kritisiert er offen die russische Regierung für die Aggression gegen die Ukraine.“
Kritik an der Eskalation von USA/Nato und EU möchte er nicht äussern?
Minsk 1 und 2 (siehe Merkel und Holland…) nicht erfüllt, Istanbuhler Verträge auf Geheiss von EU/Nato (siehe Boris Johnson…) in die Tonne getreten, stattdessen die Ukraine aufgerüstet bis zur Halskrause.
Russlands Sicherheitsinteressen von USA/Nato ebenfalls in die Tonne getreten.
Russland soll jetzt Mariupol vollständig aufbauen und jedem Bewohner eine Wohnung zur Verfügung stellen. es sind gerade mal 4 Jahre her und der Krieg ist noch nicht zu Ende.
Nachtrag…
Mariupol ist keinesfalls sicher, am 1.2.2026 wurde eine Mutter mit Sohn von einer ukrainischen Drohne getötet, die Familie hatte gerade ihr Haus neu renoviert.
(rt quelle)
Ein sehr zeitgemäßer Bericht über die unerhörten Greuel der Wohnungnot, die es so nur in der Russischen Föderation gibt: Leute müssen Geld verdienen für Lebensunterhalt und Wohnen, und sie verschulden sich bis zum Sankt Nimmerleinstag für Wohneigentum, das sie widerwärtigen Geschäftsmachern aus der Immobilienbranche abkaufen müssen. Im freien Westen dagegen verwirklicht man sich in glänzend bezahlten Traumberufen, freut sich riesig über eine optimale ‚Finanzierung‘ und wählt souverän aus dem günstigen Angebot auf dem freiheitlichen Immobilienmarkt, der gerade in Ballungsgebieten von Philantropen und wohltätigen Stiftungen dominiert wird. Nur zu verständlich, dass unsere Politiker in Berlin und Brüssel diese Moskowiter Mischpoke nicht mehr dulden wollen, wo diese die Leute so schlecht behandelt. Danke für dieses exzellente Stück Journalismus!
Natürlich ist Alexanders Schicksal bedauerlich. Aber es gibt durchaus einen Grund, warum ukrainische Staatsbürger nicht einreisen dürfen. Man verdächtigt diese des Terrorismus. Nicht ohne Grund, unter anderem haben sie den Regierungschef der Donezker Republik, Alexander Schartschenko, in seinem Wohnhaus ermordet.
Eine wirklich fürsorgliche Verwaltung würde vielleicht versuchen, das Ganze an der Grenze abzuwickeln. Ein Service, der in Kriegszeiten eben nicht zur Verfügung steht. Oder aber dem Alexander eine Bypass-Lösung anzubieten. Also das könnte man verlangen. Stimmt.
Einige Links zu den Zuständen in Mariupol:
https://antifashist-com.translate.goog/item/administraciya-mariupolya-soobshhala-ob-otremontirovannyh-domah-kotorye-ne-vosstanovleny-do-sih-por.html?_x_tr_sl=auto&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=wapp
https://antifashist-com.translate.goog/item/denisova-soobshhaet-chto-blizkij-k-pushilinu-deputat-dnr-dokladyvaet-v-moskvu-lozh-o-deyatelnosti-vlastej-respubliki.html?_x_tr_sl=auto&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=wapp
Es herrschen ukrainische Zustände auch unter RU. Dazu kommt, daß die ukrainischen Beamten bzw. Mächtigen offensichtlich noch immer das Sagen haben
Danke für die Links. Die erschüttern mich wenig – Krieg und Korruption passen halt gut zusammen. Und wenn die Wohnungen mit föderativen Mitteln gefördert werden, dürfte die Auszahlung der Fördermittel an Fertigstellungstermine gebunden sein – da wird dann gern nachgeholfen, wie die „Schlüsselübergabe“ zeigt.
Ich lese täglich ein Stündchen Swobodnaja Pressa – die plaudern (im Gegensatz zu RT oder „seriösen“ Zeitungen) viel über die alltäglichen Probleme der Bürger mit Korruption und Bürokratie. Und da geht es um mehr als 175 Wohnungen – wobei das ja eine von den Bürgern leicht aufzuklärende Korruptionsvariante darstellt (durch öffentliches Nachzählen zum Beispiel).
Der alte Spruch: „Der Zar ist weit“ – oder modernisiert: „Moskau ist weit“ gilt halt in dem Riesenreich immer noch.
Und was mache ich jetzt mit dem zweiteiligen Reisebericht von Ulrich Heyden? Leider bringt Vitaliy Leybin keine einzige Information zum Stand des Wiederaufbaus in Mariupol. Er lässt Alexanders Schilderung ohne jegliche Kommentierung stehen, womit Alexanders trauriges Schicksal pars pro toto zur allgemeinen Lagebeschreibung wird. Die dann falsch sein könnte. Ich schreibe: könnte… ich war ja nicht vor Ort (mein letzter Aufenthalt in Russland war 2015 auf der Krim).
Man könnte fast meinen, das B&R und Konsorten ihre Geschäftsmodell gut verstehen.
Die alten angebliche Geschäftsfamilien Rothschild, haben andere dieses Modell übernommen…
Die alte Kaste wird durch eine andere ersetzt, aber alles bleibt beim alten.
Denn die verbreitete Ideologie versorgt jeden, daß offensichtliche nicht zu erkennen.
OT
Trump verlängert Ultimatum 10 Tage. Vermutlich benötigt er für den Truppenaufmarsch mehr Zeit, auch wenn er von angeblichen Gesprächen mit dem Iran in Pakistan schwurbelt die angeblich ausgerechnet von Witkoff geführt werden.
Zum verlogenen Witkoff hier noch etwas Interessantes, kein Land würde den noch als Verhandlungspartner akzeptieren.
Trump und Iran: Verhandlungen oder Vorbereitung auf einen Schlag? – Mate und Napolitano
https://www.youtube.com/watch?v=o79SEmJoG14
Chief of Staff warns: ‚The IDF is collapsing in on itself‘
The Chief of Staff warned of an unusual strain on the IDF and reserve soldiers in light of the numerous missions and the absence of a conscription law
Chief of Staff Eyal Zamir Wednesday night during a discussion in the Security Cabinet that the IDF is dealing with unusual pressure, even stating that he is „raising 10 red flags“ and that the army is „collapsing in on itself.“ His comments came against the backdrop of the multitude of tasks, the burden on reserve soldiers, the lack of progress in passing the conscription law, the extension of reserve duty, and, in the background, the establishment of new settlements.
https://www.i24news.tv/en/news/israel/politics/artc-chief-of-staff-warns-the-idf-is-collapsing-in-on-itself
Die RF hat 2022 einen konzeptionell im Ansatz verlorenen Krieg gegen die NATO begonnen, der dieses Ansatzes halber zum Bruderkrieg mutierte, der Millionen ukrainischer und russischer Opfer gekostet hat und anschließend in einen Territorialkrieg übergeleitet worden ist, der taktisch wie strategisch eine zweckfreie Schlächterei und ebenfalls nicht zu gewinnen ist, es sei denn, der Bruderkrieg wird zum biblischen Exzess ausgedehnt.
Das alles hat nichts damit zu tun, daß die NATO diesen Krieg heraus gefordert hat, um einen Russlandkrieg zu führen, der einer internen Zwecksetzung folgt, nämlich eine Militärherrshaft über die EU zu errichten und das ehemalige „amerikanische“ Imperium in der Zukunft, wenn möglich, von Brüssel aus zu dominieren.
Dieser Artikel hätte einen bürgerlich oppositionellen Platz in der russischen Oligarchie, hier in Deutschland, und auf Overton speziell, bedient er nichts weiter, als die Selbstgefälligkeit moralischer Individuen, die sich darein schicken, als Zaungäste die Schleifung ihrer ehemaligen Lebensgrundlagen zu beglotzen und mit anmaßend unterwürfigem Geschwätz zu begleiten.
Anmerkung zum Fortgang des zionistischen „Endkampfes“:
Nach Ablauf der Verlängerung des „Ultimatums“ hat WH noch ca 20 Tage Zeit, den Krieg „of choice“, wie die Amerikaner das nennen, an der Seite der zionistischen Militäraristokratie fortzuführen, danach hat es sich einem Verdikt des Kongresses über Kriegsziele und „Endgame“ zu stellen, das ihm mit einiger Wahrscheinlichkeit die Lizenz entzieht.
Derweil bereitet sich NATO vor, den Krieg Anfang Mai in eigener Regie zu übernehmen. Jede weitere Eskalation an den energiewirtschaftlichen Fronten potenziert die Wahrscheinlichkeit, daß NATO diese Gelegenheit erhalten wird …
Ein völlig einseitiger Bericht eines Einzelschicksals.
M.E. reine antirussische Propaganda.
„Einseitig“, „Einzelschicksal“ – die Floskeln bürgerlicher Kriegspropaganda bemühend, floß der Arthur abermals jämmerlich dummdreist in den Gully.
@Arthur Dent
Vom Leben… https://www.youtube.com/watch?v=nMnIgB9iZfE
Es wäre möglich alle sind auf die Propaganda des Westens hereIngefallen um zu glauben die BW oder die Nato wären schwach. Vermutlich dient es nur dazu mehr Geld für Aufrüstung und die Zustimmung der Bevölkerung zu bekommen
Unterschätze niemals die Bösen!
„Kriegsbereit in drei Wochen – Wie Europa sich eine Armee baute, ohne dass es bemerkt wurde“
https://globalbridge.ch/kriegsbereit-in-drei-wochen-wie-europa-sich-eine-armee-baute-ohne-dass-es-bemerkt-wurde/
Krieg, Korruption und Flüchtlinge: Die ukrainischen Geheimdienste und die Mafia
https://globalbridge.ch/krieg-korruption-und-fluechtlinge-die-ukrainischen-geheimdienste-und-die-mafia/
Es gibt nur eine Frage, warum haben sich die Donezker Rebellen in 2014 zurückgezogen aus Mariupol?
Entweder man handelt politisch oder man wird verhandelt!
Russland ist kein kommunistischer Staat mehr, aber viele seiner früheren Menschen( damit meine ich sämtliche Staaten der Sowjetunion) denken immer noch in sozialistischen Kategorien. Und auch bei uns im Westen haben viele Linke und/oder patriotisch Gesinnten noch nicht begriffen das wir in einem Weltkrieg zwischen konkurrierenden kapitalistischen Blöcken leben.
Deutschland lebt nach dem Motto “ Lotto statt Revolution“ und die Ukrorussen nach dem Motto “ dahinvegetieren statt Revolution“
Der einzige Unterschied ist die Fallhöhe jedes Einzelnen, wenn er es denn kapiert.
„Es gibt nur eine Frage, warum haben sich die Donezker Rebellen in 2014 zurückgezogen aus Mariupol?“
Warum hältst du nicht der Maule, wenn du keinen blassen Schimmer hast, wovon du redest.
„Aufklären“ werde ich dich nicht, das führt nur zu weiterem Gebölke.