Leihmutterschaft als Zweig des Transhumanismus

Surrogate parents attending birth
Staff Sgt. Delia Martinez, Public domain, via Wikimedia Commons

Darf man Babys produzieren, die keine richtigen Mütter haben? Darf man die Pubertät von Kindern unterbrechen, sie sterilisieren und so tun, als hätten sie das andere Geschlecht? Dürfen Männer sich zu Frauen erklären, wenn sie Östrogen spritzen?

Die transhumanistische Entwicklung stellt uns vor völlig neue Fragen. Warum es bei der Leihmutterdebatte um mehr geht als um einen Politiker, der Wasser predigt und selbst Wein süffelt.

Aldous Huxley hat es 1931 in seinem Roman „Schöne Neue Welt“ vorausgedacht. Dort sind Kinder nicht mehr das Produkt liebender Eltern. Der Frau werden Eizellen entnommen, diese werden im Labor mit Spermien befruchtet. Der entstandene Ursprungsembryo wird hundertfach geklont und die Babys werden in künstlichen Brutvorrichtungen aufgezogen. Die Embryonen bekommen unterschiedliche Nährlösungen, je nachdem für welche Tätigkeit sie in der Zukunft vorgesehen sind. Nach der „Geburt“ werden sie in staatlichen Einrichtungen aufgezogen. Der Sinn des Ganzen? Seelenlosigkeit, innere Schwäche und Regierbarkeit.

Was 1931 wilde Fantasien waren, kommt technisch immer näher: Bei einer „Leihmutterschaft“ (Miet-Mutterschaft wäre das passendere Wort, denn Leihe ist etwas Unentgeltliches) nimmt man die Eizelle von einer Alpha-Frau mit hohem IQ, toller Gesundheit, sportlich, schön, was immer man sich leisten kann, befruchtet die Eizelle mit dem Käufer-Spermium und setzt sie dann einer armen Frau ein, die das Kind neun Monate lang über ihren Blutkreislauf ernährt. Nach der Geburt geht das Kind direkt an die Käufer.

Transhumanismus wirft existenzielle Fragen auf

Im Falle von Jens Spahn hat das Kind dann einen biologischen Vater und einen weiteren sozialen Vater. Eine Mutter hat es nicht. Und wer sollte das sein: Die Frau, deren Gene es trägt oder die Frau, in deren Gebärmutter es herangewachsen ist? Wird ein Kind von einer Frau gekauft, kommt zur Eizellenverkäuferin und der Gebärmutter-Vermieterin noch eine dritte Frau als soziale Mutter hinzu.

Das Kind, kaum auf die Welt gekommen, ist mutterseelenallein. Und doch ist diese gängige Praxis, bei der eine arme Frau über neun Monate ausgebeutet wird, intuitiv noch immer besser als die Huxley-Idee ganz ohne lebendiges Wesen. Bei Lämmern wird es gerade ausprobiert: ab welchem Entwicklungsstadium kann man sie aus dem Mutterleib entnehmen und in einer Art Gestationsbeutel großziehen? Mit Mäusen forscht man von der anderen Seite her: wie lange kann man eine Zellteilung am Laufen halten, bevor der Embryo einer Mutter eingesetzt werden muss?

Natürlich sind die Versuche mit den Lämmern letztendlich nicht für die Reproduktion von Schafen gedacht. Ganz offen wird darüber geredet, wie man frühgeborene menschliche Babys vor dem ersten Atemzug in Nährlösungen mit künstlicher Hormonversorgung großziehen könnte.

Solche transhumanistischen Prozesse führen uns Menschen an Fragen, um die wir uns früher leicht herumdrücken konnten: „Was ist eine Frau?“ war eine der ersten dieser Fragen, die noch vor 30 Jahren lächerlich gewesen wäre, weil jedes Kleinkind wusste, was das ist. Mittlerweile ist daraus ein erbitterter Kampf geworden. Wir haben mit dem Selbstbestimmungsgesetz in Deutschland eine Rechtslage, die behauptet, Männer könnten Frauen sein. Um dagegen zu argumentieren, sind ganze Bücher geschrieben worden. Was ist es, das die Essenz von Frauen ausmacht und warum? Transaktivisten argumentieren, dass der Körper keine Frau macht. Es sei die Seele, die ein Geschlecht habe und wenn das seelische Geschlecht nicht zum Körper passt, müsse man halt den Körper hormonell und operativ anpassen. Frauen argumentieren (implizit), dass Seelen nichts Separates sind, sondern untrennbar mit dem Körper verbunden. Wer ein Mann ist, kann demnach keine Frau sein, egal was er schluckt und wie sehr er sich das auch wünschen mag. Eine Frau wird durch ihren Körper bestimmt.

Beziehungen wurden durch den Markt ersetzt

„Was ist ein Mensch?“ ist die nächste Frage, die ansteht. Und ja, die sehr, sehr unbequeme Frage, wann Leben beginnt, was eine Seele ist, wann Menschenwürde anfängt und was es dazu braucht. Das alles sind Dinge, die im Mittelalter heiß diskutiert wurden. In der Neuzeit haben wir diese Fragen aus unseren Köpfen verbannt und stattdessen mit Physik und Biologie erforscht, was denn so alles möglich ist.

Die technischen und medizinischen Neuerungen waren gigantisch, keine Frage. Auch wenn man das Mittelalter gerne romantisiert, wird wohl niemand ernsthaft zurück wollen in eine Zeit ohne Zentralheizung und Penicillin.

In manchen Punkten beschleichen die Menschen schon immer wieder Zweifel, ob das so richtig ist: rücksichtslos begradigte Flüsse, die Hochspannungstrassen, die Massentierhaltung.

Das war der Ursprungsimpuls der Grünen. Dass Natur nicht nur dafür da ist, ge- und verbraucht zu werden. Dass Formschinken aus gutem Grunde etwas ist, über dessen Herkunft man lieber nicht so genau nachdenken möchte. Weil da der Natur etwas zuwiderläuft.

Parallel zur Technisierung von Sachen und Tieren haben sich die Beziehungen zwischen Menschen durch den Fortschritt nachhaltig verändert. Liest man alte Kinderbücher, wie den Michel aus Lönneberga oder die Kleine Farm, so wird einem erst bewusst, wie sehr sich das Beziehungsgefüge zwischen den Menschen und zu Dingen verändert hat. Vor 200 Jahren hat kein Kind etwas getragen, dass nicht von Mama oder Oma gestrickt oder genäht worden war. Die Milch konnte erst getrunken werden, nachdem die Kuh, deren Namen man kannte, gemolken war. Die Kuh bekam frisches Stroh vom Korn, das der Vater im Vorjahr gemäht und gedroschen hatte. Man kannte jeden Menschen im Dorf, war mit vielen verwandt und praktisch das gesamte Leben war von persönlichen Beziehungen durchdrungen. Die wichtigste: Die Mutter, um die man in den ersten Jahren ständig herum war.

Von dieser Welt sind wir weit weg. Beziehungen wurden ersetzt durch den Markt. Die Kleidung kommt aus Bangladesch und wird dort von einem Kind genäht, an das wir lieber nicht denken. Das Essen kommt überwiegend aus Industrieproduktion von Orten, an denen wir nie waren und wo wir auch nie hinwollen. Die Eltern arbeiten nicht mehr zu Hause, die Kinder verstehen meist gar nicht, was diese arbeiten (O-Ton meiner Tochter, von einem Sandkastenkollegen gefragt was denn ihr Vater arbeite: „Mein Papa sitzt jeden Tag auf einer Bank und verteilt Kredite“).

Die erste große transhumanistische Idee: die Pille

Jetzt aber sind wir an der nächsten Stufe angekommen: Technik und Wissenschaft wenden ihr Auge nicht mehr „nur“ auf Natur oder Tiere, sondern auf uns. Wir Menschen sind jetzt selbst dran, begradigt und optimiert zu werden. Wer bei Tieren noch wegschauen konnte, wird jetzt mit Fragen konfrontiert, die sich nicht mehr leicht ignorieren lassen. Leihmutterschaft bewegt vermutlich deshalb so viele Gemüter, weil sie den Finger in die Wunde legt: Was darf man alles mit Menschen machen? Gibt es eine menschliche Natur? Und falls ja: darf man ihr zuwiderhandeln, wenn man das praktisch findet?

Die Soziologin Mary Harrington argumentiert, die erste große transhumanistische Idee sei die Pille gewesen: zum ersten Mal hat Medizin nicht überlegt, wie sie etwas Kaputtes reparieren könne, sondern wie sie etwas Funktionierendes auf Eis legen kann. In gewissem Sinne ist das sicher richtig: Menschen greifen hormonell in die Biologie ein, weil ihnen die natürliche Lösung – Schwangerschaft nach Sex – nicht passt.

Die Folgen waren beträchtlich, sowohl die guten als auch die fragwürdigen. Zuerst einmal ging die Zahl der ungewollten Schwangerschaften steil nach oben, was vermutlich niemand vorausgeahnt hätte. Aber es gab so viel mehr Sex und so viel unverbindlicheren, dass die Fehlerquote der Pille zu mehr ungewollten Empfängnissen führte als zuvor die unterlassene sexuelle Enthaltsamkeit.

Noch weitreichender war, was gesellschaftlich passierte. Sex ohne Bindung nur zum Spaß wurde möglich. Prostitution gilt als das älteste Gewerbe der Welt, doch die zahlenmäßige Explosion ging erst einher mit einigermaßen anständiger Empfängnisverhütung. Pornographie, Tinder, all diese sozialen „Errungenschaften“, undenkbar ohne Pille. Glaubt man den Soziologen, so ist mittlerweile das ganze Konzept der romantischen Liebe in üblem Zustand. Die Entkoppelung des Sexualakts von Liebe, Bindung und Elternschaft hat viele Auswirkungen.

Das „bestellte“ Baby büßt in der ersten Stunde seiner Geburt die sozialen Bindungen ein

Bei Leihmutterschaft geht es nicht mehr um Sex ohne Empfängnis, sondern um Empfängnis ohne Sex. Die menschliche Liebe und Bindungen werden ersetzt durch ein dickes Vertragswerk. Leistungen bekommen einen Preis und werden vergütet. Das Baby wird zum Designer-Produkt. Monatelang kann man durch Kataloge blättern, bis man sich für die optimale tiefgefrorene Eizelle entscheidet, in die dann nach dem Auftauprozess das eigene Sperma mit Hilfe einer Pinzette reingepiekst wird. Ein neues Leben. Mit Zuchtkomponente, wie bei der Hundezucht. Nach einigen Zellteilungen wird dieses Wesen dann einer armen Frau eingesetzt, die mit Hormonen und der chemischen Reduktion ihrer Immunabwehr davon abgehalten wird, das körperfremde Gewebe abzustoßen. Stattdessen wird ihr Körper dazu gebracht, den Dottersack an ihren eigenen Blutkreislauf anzuschließen. Der Nabel des Kindes verbindet sich mit seiner Lebensabschnitts-Wirtin.

Viele Menschen zucken hier zurück. In einer säkularen Welt fehlt das Vokabular, zu beschreiben, was hier verletzt wird. Wie soll man das Entstehen eines Kindes beschreiben, wenn man nicht an etwas Heiliges oder Göttliches glaubt? Hier kommt man an ähnliche Grenzen wie bei der Transgender-Frage. Wenn sich jemand ein Kind wünscht, kann man das Entstehen eines Babys dann an die Marktwirtschaft und Technik auslagern und das Produkt nach neun Monaten entgegennehmen? Und passt das dann?

Oder ist die Entstehung eines Kindes gebunden an diese Eizelle, diesen Eisprung, diese Gebärmutter und die Liebe dieser einen Frau zu diesem einem Mann? Mutter und Vater, die dem entstehenden Kind die Wurzeln und die Bindung gibt, die es braucht, um stark zu werden? Weil die marktwirtschaftliche Lösung die menschliche Natur verletzt?

Es gibt einiges an Forschung darüber, wie schwer es für Adoptiveltern ist, aus dem Stand eine Bindung zu „ihrem“ Kind aufzubauen, obwohl sie sich das so sehr gewünscht haben. Gleichzeitig wird viel über die große Bedeutung der direkten Bindung für Babys nach der Geburt geschrieben. Frisch entbundene Mütter berichten, wie sie nach der Geburt von eine Welle der Liebe für ihr Kind überschwemmt werden. Man weiß, das Babys die Stimme und den Herzschlag der Mutter kennen – im Falle von Leihmutterschaft von der Frau, die ihren Uterus an die Baby-Käufer vermietet hat. Das Baby büßt in der ersten Stunde seiner Geburt die sozialen Bindungen ein, die es stark machen würden.

Ein Produkt namens Kind

Bei aller wirtschaftlichen Entwicklung während der letzten zweihundert Jahre waren Geburten bislang näher an Michel aus Lönneberga dran als an Aldous Huxley. Mutter und Vater lieben sich und daraus entsteht ein gemeinsames Kind, das beide Gene trägt. Die Großeltern erkennen sich in dem Kind wieder. Die werdenden Eltern erleben den wachsenden Bauch. Das Neugeborene wird der Person in die Arme gelegt, deren Stimme und Herzschlag es kennt und die es mit Liebe überschüttet. Wenn es heranwächst, hört es immer wieder Kommentare. „Ganz wie Opa Heinz.“ Das Kind war und ist eingebettet in tiefe Beziehungen.

Bei Leihmutterschaft ändert sich das radikal. Man kann sich aussuchen, ob man ein Mädchen oder einen Jungen haben möchte. Jedenfalls, wenn man bereit ist, für mehrere Eizellen zu bezahlen. Man kann nach IQ selektieren. Man kann genetische Eigenschaften wie von der Speisekarte bestellen. Geliefert bekommt man nicht mehr nur ein Baby, sondern auch ein Produkt. Nach neun Monaten stopft man es dann ganztags in die Kita und zahlt weiterhin arme Frauen dafür, dass sie sich um den Design-Nachwuchs kümmern. Es lässt sich nur hoffen, dass die Familie genügend Bindung aufgebaut hat, bis sich der süße Kleine mehr oder weniger über Nacht in einen stinkenden unfreundlichen Teenager verwandelt, der Schule und Eltern doof findet – und die Kaufeltern vermutlich damit konfrontieren wird, dass er zu seiner echten Mutter will. Schon allein aus Protest – aber das wird trotzdem weh tun.

Ob Transgender oder Transelternschaft – Transhumanismus fordert Antworten. Gibt es so etwas wie eine menschliche Natur? Eine Seele? Gehört diese Seele dann zum Körper? Kann ein Markt und ein Reagenzglas die Bindung der Kinder in ihre Ursprungsfamilie ersetzen? All das, worum wir uns in den letzten Jahrzehnten so gerne herumgeschummelt haben, kommt jetzt auf den Tisch. Und wir sollten uns lieber mal Gedanken machen, wo wir stehen.

Leihmutterschaft wird oft kritisiert, weil sie die Ausbeutung von armen Frauen beinhaltet. Das ist auch richtig. Noch schlimmer aber wäre es, wenn das Kind gar keinen Nabel mehr hätte, über den es während der Entwicklung von Eizelle zu Baby an ein menschliches Wesen andocken kann, sondern nur noch einen Beutel wie bei Huxley oder den armen Lämmern. Leihmutterschaft verletzt nicht nur die Würde von Frauen. Sie verletzt die Würde von Kindern. Sie verletzt die Würde von Menschen, weil sie das Bild verbreitet, wir wären nur irgendwelche Zellen, die man bei richtiger Temperatur zusammenpanschen muss. Dass Menschen keinen Wert haben, als den, den die Käufer bereit sind zu zahlen.

Viele Menschen spüren das. Mit Leihmutterschaft gehen wir in Richtung der Schönen Neuen Welt à la Huxley. Da findet eine Degradierung des Menschlichen statt. Deshalb ist Jens Spahn, der die Maskendeals ziemlich locker überstanden hat, über seine Unehrlichkeit bei der Leihmutterschaftsdebatte gestolpert. Weil es hier wirklich ans Eingemachte geht. Spannende Zeiten.

Anne Burger

Anne Burger ist Hochschullehrerin für Mathematik und Logik. Sie lebt mit Mann und Kindern in Süddeutschland.
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21 Kommentare

  1. Man sollte es der Natur überlassen als in alles hinein zu fuschen undzu verschlimmbessern!
    Bei 94 oder mehr Geschlechtern und einmal jährlichem Wechsel wird die Pharmaindustrie und Dr. Mengele wohl gut verdienen, und am Ende läßt wohl nur noch Frankenstein grüßen!

    Man kann auch Kinder adoptieren, sollte aber nur auf dem legalem Weg erfolgen, statt nach Wunsch zu züchten!

  2. Es ist gut, dass die Autorin das Thema aus einer so breiten Perspektive betrachtet. Die Pille kann man wohl als einen Beginn des Transhumanismus betrachten, wurde dadurch der Körper doch zu einem sexuell ausbeutbaren Konsumobjekt und ermöglichte die Selbsterhöhung des eigenen Ego als eine Art „Gott“, wie er im Transhumanismus üblich ist. Meistens geschieht die Ausbeutung des Körpers durch den Bewohner des Körpers selbst durch casual Sex nur zum Vergnügen des eigenen Egos. Frau Burger wird sicherlich einiges an Gegenwind hier von Kommentatoren erhalten, denn die Alt-68er feiern die Sexualisierung des menschlichen Körpers zum Konsumprodukt weiterhin als ihre „Befreiung“. Im Grunde würde Papst Leo es genauso erklären wie Frau Burger. Es ist also eine wertekonservative Perspektive, die die Heiligkeit des Lebens und der Schöpfung betont. Ich stimme absolut mit dieser Perspektive überein, aber in der heutigen konsumorientierten und egozentrierten Gesellschaft sind solche Perspektiven der neue „Punk“, weil sie die gesellschaftliche Konvention in Frage stellen.

    1. Die Pille war in erster Linie für verheiratete Frauen, die nach ehelicher Dauervergewaltigung und dem x-ten Kind einfach kurz vor dem körperlichen und geistigen Zusammenbruch standen. Ja, es war auch sexuell Freiheit für Frauen, die Freiheit, sich um Schwangerschaft keine Sorgen machen zu müssen, eine Freiheit, die Männer schon immer hatten, seit Jahrtausenden wurden Schwangere und junge Mütter einfach weggeworfen, wenn der Mann keinen Bock auf Verantwortung hatte, am Ende waren es immer die Frauen und Kinder, die gelitten haben oder gestorben sind.

      Der weibliche Körper war schon immer ein Konsumprodukt und Prostitution ( die älteste Form der Sklaverei) und Pornographie gab es auch schon Jahrtausende vor der Pille.

      1. und ich finde die Leihmütterschaft als die neue Form der Sklaverei… die gabs auch im altem Rom, weil die Frauen der Oberschicht keine Lust an der Schwangerschaft hatten…
        apropos: wenn man sich schon für eine nicht reproduzierbare Partnerschaft entscheidet und dann auch noch ein Kind haben will, dann sollte man sich um eine legale Adoption bemühen…

  3. „Man kann nach IQ selektieren. Man kann genetische Eigenschaften wie von der Speisekarte bestellen. Geliefert bekommt man nicht mehr nur ein Baby, sondern auch ein Produkt.“

    Und wenn das Kind dann einen Herzfehler haben sollte oder eine Hasenscharte, dann tritt man vom „Elternsein“ – fast hätte ich vom Kauf geschrieben – zurück oder klagt auf Preisabschlag wegen Produktmängel und es geht ab vors Gericht.

    Wenn man unbedingt ein Kind aufziehen möchte, warum nimmt man nicht eins von den Vielen, denen es ohnehin nicht gut geht?

    1. Das Kind ist in diesen Fällen nichts anderes als alle erdenklichen Produkte, die man mit Geld einkaufen kann. Das nennt man im Kapitalismus eine W a r e.

  4. Der Mensch als Krone der Schöpfung, der sich laut Bibel die Erde untertan macht, ist mit zunehmender Säkularisierung gewissermaßen „biologisiert“ worden.
    Er ist nicht mehr der „Obertan“, sondern Bestandteil der Natur, hat den gleichen Stellenwert wie die übrige Fauna.
    Der „Mensch als Ebenbild Gottes“ ist passé, die Zeiten, wo daher Menschen nicht obduziert werden durften, vorbei!
    Da nun die ehemals feststehenden ethischen Grundlagen nicht mehr vorhanden sind, hat sich das Tor für alle Arten von Basteleien am Menschen weit geöffnet.
    Da die Menschheit noch nie auf Forschung und Produktion verzichtet hat, wo etwas machbar ist, können wir uns warm anziehen. Das kapitalistische System, das uns beherrscht, hat mit ethischen und moralischen Gesichtspunkten nichts zu tun.
    Daher ist das beschriebene Geschehen folgerichtig und wir können damit rechnen, das das Ende der Stange noch lange nicht erreicht ist.
    Der Mensch hat keinen Wert mehr an sich, nur weil er Mensch ist, sondern wurde vom Kapital quasi „entzaubert“ und zum Objekt des Gewinnstrebens degradiert,
    Als im ersten Weltkrieg der Ausdruck „Menschenmaterial“ Urständ feierte, war der Weg beschritten.
    Für den MIT war der Mensch schon immer Verfügungsmasse.
    Von daher gesehen arbeiteten die Apologeten des Trans-, Gender- und Queer-Krams nur dem Kapital zu.
    Damit das Kapital weiter Gewinne generieren kann sind im Grunde keine Menschen mehr nötig.

  5. Das keine Wörtchen darf am Anfang irritiert. Gefragt wird damit nach einer Erlaubnis oder einem Verbot.
    Ersetzt man das Wörtchen mit „kann“, sieht die Sache anders aus, denn was man kann, wird auch häufig gegen alle Regeln in die Tat umgesetzt. So ein kann bietet Optionen auch wenn sie von der Natur (auf natürliche Weise) so nicht vorgesehen ist. Der gestaltende Mensch verstöst oft genug gegen das, was man als natürlich betrachten kann und das oft zu seinem Vorteil. Die Frage ob etwas opportun ist müsste mit „sollte“ beginnen. Damit kommt zugleich eine neue Perspektive auf, mit der man offenbar richtig liegt. Zwischen darf, kann und sollte ergeben sich sehr unterscheidliche Fragen. Man sollte eben eher nicht alles umsetzen, was man denn kann oder vielleicht darf. Wer zum Maßstab dieser Angelegenheit das bei uns auch gesetzlich verankerte „Kindeswohl“ in betracht zieht, kann nicht mehr nur nach seinem Gusto, seinen Wünschen und Bedürfnisen denken und wollen, sondern muss sich aus der vermeintlichen Sicht eines Dritten, eines Betroffenen, hier eines Kindes denken. Dass das zumeist vernachlässigt wird und Kindeswohl sehr beliebig interpretiert wird, macht die Sache nicht leichter. Viel zu oft maßen sich Experten an, ihre Vorstellungen vom Kindeswohl anderen oktroyieren zu können. Dann geht es nicht mehr um das Wohlbefinden des Kindes, sondern um die Vorstellungen jener, die ein eigenes Interesse verfolgen und genau das ist die bei uns weitverbreitete Vorgehensweise.

    Ich schließe mich der Intension des Artikels an. Man sollte eben nicht alles was man kann auch umsetzen wollen. Überhaupt strebt der Mensch danach seine Wurzeln, seine Herkunft zu kennen. Er ist nicht ein medizintechnisch mögliches Ding, sondern vor allem ein mit Emotionen ausgestattetes Wesen. Der Mensch denkt nicht nur, funktioniert nicht nur, sondern hat eine starke gefühlsmäßige Vorstellungswelt, die über sein Selbs, sein Sein und seine Handlungen mitbestimmt.

  6. Ein guter und notwendiger Artikel.
    Und ja, man muss dieses Einzelthema „Leihmutterschaft“ unbedingt in einen umfangreicheren Kontext und Trend einordnen.

    Eine Frage, die übrigens bislang noch von fast niemandem gestellt wird, ist diese:

    Welche Meinung dürfte denn das KIND zu dem ganzen Geschehen haben … ?

    Da reden bestimmte Leute heute immer so viel von „Kinderrechten“ oder verweisen auf die UN-Kinderrechtskonvention, aber das meines Erachtens ziemlich grundlegende Kinderrecht, eine richtige Mutter zu haben, die ihr Kind vor der Geburt „unter dem Herzen“ getragen hat und es auch danach pflegt und aufzieht, das ist heute kein Thema für diese Leute.

    Erschreckend auch, dass sich jene zum Glück als Verfassungsrichterin gescheiterte Frau Brosius-Gersdorf in Sachen „Leihmutterschaft“ nun auf eine bestimmte Weise geäußert hat: Das Recht und auch der Egoismus der Frau bzw. der Eltern stehen bei ihr eindeutig über dem Interesse des Kindes.

    1. Genau das ist der Punkt! Niemand führt die Interessen des Kindes ins Feld! Darüber wird auch überhaupt nicht geredet!
      Die Brosius Gersdorf ist mir schon bei der Verfassungsrichterin Geschichte unangenehm aufgefallen.

      1. Sie haben ja recht. Aber beim Kauf einer Ware, fragt man da nach dem Interesse der Ware, selbst wenn das ein lebendes Huhn ist? Das käme doch jedem Käufer absurd vor.

    2. Volle Zustimmung, Herr Wirth! Mich persönlich würde auch interessieren, was diese seelenlosen, mechanistischen und menschenfeindlichen Vorgehensweisen für soziale Folgekosten mit sich bringen. Heerscharen von Psychiatern, Psychologen, Sozialpädagogen etc. pp. dürfte die berufliche Zukunft gesichert sein. Und die Pharma-Mafia lacht sich ins Fäustchen.

  7. Es ist bezeichnend für jemanden wie Jens Spahn, daß er kein Kind adoptiert sondern ein „eigenes“ will. Bzw ist das Kind ja mit dem Sperma seines Ehemannes produziert worden. Die nächste Bestellung wird dann sicher seinen „Abdruck“ erhalten.
    Am erschreckendsten ist, daß es permanent nur um die pervertierten Bedürfnisse und Wünsche von Erwachsenen geht. Niemand beachtet, was dies alles für das gekaufte Kind bedeutet. Nicht nur daß es angeschafft wurde wie ein Auto. Jens Spahn und sein Ehemann sind sicher vielbeschäftigt und das Kind wird sicher zu einer Nanny und dann ins Nobelinternat abgeschoben. Oder glaubt jemand dass Jens Spahn jetzt zuhause Säuglingsnahrung anmischt und Wäsche wäscht?
    Vom Entreißen des Kindes von der Mutter oder vom Mietuterus will ich erst gar nicht anfangen. Frau Burger schreibt sehr treffend: „wenn aus dem Kind ein stinkender, unfreundlicher Teenager wird“…..
    Das wünsche ich Jens Spahn und seinem Ehemann. Dass der kleine Georg sich eines Tages vor sie stellt und sie mit Fragen konfrontiert.
    Es gibt sehr viele furchtbare heteronormative Elternhäuser. Ich habe nichts dagegen wenn homosexuelle Paare Kinder aufziehen. Wenn es darum geht ein Kind ins Leben begleiten zu wollen, bitte per Adoption. Aber wie man sieht, geht es darum nicht, jedenfalls nicht bei Jens Spahn und seinem Ehemann.

    1. Die Kritik wird mit viel Geld und Geschenken im Keim erstickt werden. Mein Mann hat seine Abwesenheit auch mit ähnlichen Leistungen kompensiert.

      1. Ja, diese Konzept kenne ich. Eine(r) (meistens die Mutter) erledigt den kompletten Alltag plus schwierige Aspekte wie Krankheit, Tobsuchtsanfälle und Co und Big Daddy sponsert Trips nach New York oder Eurodisney oder das neueste Smartphone etc.
        Trotzdem kommt der Tag der Abrechnung, glauben Sie mir!

  8. Das Deutsche Recht hat sich über die Jahre dahingehend gewandelt, das Kindesrecht anzuerkennen, Vater UND Mutter zu haben.

    Konkret in § 1684 BGB Abs. 1 : „Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil“.

    Im Falle der Leihmutterschaft wird dieses Recht dem Kind allerdings schon ab Geburt verweigert.

    Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung einfach beide Elternteile in ihrem unmittelbaren Lebensfeld.( Leider ist dies heute wohl eher nicht die Normalität.) Doch schon vor Geburt äusserst künstlich ein ungesundes Umfeld bewusst aufzubauen, erscheint ethisch denn doch mehr als fraglich.

  9. Noch benötigen die „Medizinmänner und Frauen“ noch die Ei – und Samenspenden
    von Menschen. Es ist zu befürchten, dass schon an Methoden gebastelt wird, entweder
    Ei und Samen von Tieren mit dem Ändern der DNA so zu verändern, dass dann ggf. sogar
    in einem Brüter etwas wie ein Mensch heraus kommt, oder schon alles künstlich zu produzieren.
    Machthaber wie Elendski sind bestimmt ganz heiß darauf, ihre Soldaten auf diese Weise schnell
    nachproduzieren zu können. Was der Corona – Spritzen – RNA Versuch eines Tages zum Vorschein
    bringt, ist abzuwarten. Auffällig ist aber jetzt schon der Geburtenrückgang. Mal sehen wie sich die
    Kinder, die nach dem Spritz – Maraton geboren wurden entwickeln.

  10. Vor über 30 Jahren habe ich im TV schon einen Bericht über „Wissenschaftler“ gesehen, die Gebärmütter zu Versuchen zur Züchtung von Retortenbabys benutzt haben. War etwas gruselig.

    1. das erste Retortenbaby , die Britin Louise, kam 1978 zur Welt, dann ging es Schlag auf Schlag, heute ist das Verfahren Standard.
      Die mediz.Forschung geht weiter, man möchte die Gebärmutter durch Brutkästen ersetzen, von der Zeugung bis zur Geburt…..
      alles sehr grenzwertig aber wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten.

  11. Leider fehlt ein Verweis, um welche (Soziologin) M. Harrington es sich handelt. Die britische Journalistin und Schriftstellerin?

    „Die erste große transhumanistische Idee: die Pille“
    •Interessante Idee, dass die eine Hälfte der Menschheit jedem lustigen Laster frönen darf, während die andere, als „Gefäß“ dienend, alternativlos, aber willig, demütig und freudig austragen darf.
    Die Möglichkeit der Verhütung ist die unbestreitbar revolutionärste Erfindung hinsichtlich des Selbstbestimmungsrechts (für Frauen) über den/das eigene/n Körper/Leben.
    Dies unter schändlich transhuman zu verorten, lässt mehr als nur tief blicken!

    „Vor 200 Jahren hat KEIN* Kind etwas getragen, dass nicht von …gestrickt oder genäht worden war. Die Milch konnte erst getrunken werden, nachdem die Kuh…gemolken war. Die Kuh bekam frisches Stroh,…das der Vater im Vorjahr gemäht… Man kannte jeden Menschen im Dorf, war mit vielen verwandt und praktisch das gesamte Leben war von persönlichen Beziehungen durchdrungen.“ (*Hervorhebung)
    •Will sagen, dass es vor 200 Jahren (plus/minus einige mehr) ausschließlich selbstversorgende Bauern in Dörfern namens ‚Lönneberga“ mit Hang zur Familienidylle gab.
    Städte, Arbeiter, Lohnsklaven, Bettler, Obdachlose etc. waren noch nicht erfunden.
    Man lernt doch nie aus.

    Zum Thema, keine eigenen Kinder zeugen/“haben“ zu können, gab es kürzlich folgendes Statement von hoher Stelle:
    „Das ist ein GANZ* furchtbares Schicksal,…“
    Behaupte, unverschuldet mit Gewalt, Not, Hunger, Elend, Tod, Leiden, Siechtum, Krieg,Krankheit etc. konfrontiert zu sein, IST ein SCHICKSAL.

    Fazit
    Menschen sind KEINE WAREN.
    Auch nicht die potenziell möglichen aus Eizelle und Spermium, selbst wenn diese nach Wünschen, Vorlieben oder individuellem Vermögen gebastelt werden können!

  12. Vielleicht sollte man auch noch „Oliver Twist“, „Vor Sonnenaufgang“ und „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ lesen, wenn man keine Werke über Sozialgeschichte durcharbeiten möchte und etwas über das wirkliche Leben in der Zeit vor der Pille, vor Sexualaufklärung und Frauenemanzipation erfahren will.

    Das ist eine Welt, die für die meisten Menschen von Armut und Not geprägt ist. Die emotionale Beziehung ist da Glückssache. Das gilt für die Beziehung zwischen Frauen und Männern, innerhalb der Ehe und natürlich außerhalb.
    Frauen werden verheiratet, aus sehr unterschiedlichen Gründen, und Liebe ist nicht unter den ersten zehn. Was soll das erst über die Kinder, die aus solchen Beziehungen entstehen, gesagt werden?

    Für viele Frauen ist Schwangerschaft etwas, das sie erdulden, bis ihr Körper nicht mehr kann. Kinder, die überleben, sind eine Belastung, bis sie früh zu einer Arbeitskraft werden. Dass sie in der Nähe der Mutter sind, liegt daran, dass ihr Arbeitsplatz häufig zu Hause ist, auf dem Land, in der Mietskaserne.

    Auch die Prostitution bedurfte nicht der Pille, um im großen Maßstab vorhanden zu sein.
    Die Schätzungen für das Berlin von 1900 belaufen sich auf 20 000 bis 50 000. Auch Kinderprostitution findet sich in jeder europäischen Großstadt.

    „In 1848, it was claimed that almost 2,700 girls in London between the ages of 11 and 16 were hospitalised because of venereal disease, many as a result of prosti tution. In 1875, the age of consent, which had remained at 12 since 1285, was raised to 13, partly as a result of concerns about child prostitution.

    But concern continued and, in 1881, a select committee, set up to investigate the issue, reported that child prostitution was rampant. One police officer told the committee that, in London, children above the age of 13 could be procured „without any difficulty whatsoever“. Another spoke of how it was „scarcely possible for anyone between nine o’clock in the evening, and one o’clock in the morning to walk along Pentonville Road without being accosted by about a dozen young girls between 13 and 14 years of age“

    Melanie, a girl we interviewed in our report, One Way Street, told us that she was abused from the age of three by her brother, followed at the age of five by her godfather and later by his friend. They gave her money for sweets. „You could say I’ve been a prostitute since the age of seven,“ she told us.

    Louise had been involved in prostitution from the age of 11 to get money to buy food for herself and her younger siblings because her alcoholic, violent mother spent all of her money on drink.

    Their stories had a common theme – family conflict overlapping with drugs, violence and poverty. For many, the transition from being abused in the home to being abused on the street was seamless.“

    Das ist aus dem Guardian, da Links dem Kontrollalgorithmus Probleme bereiten, lasse ich sie weg.

    All das Beschriebene ist vor und jenseits des „Transhumanismus“ natürliche soziale Misere, Ausbeutung, Elend und Missbrauch.

    Es wäre angebrachter, darüber zu sprechen, warum Adoptionen in Deutschland fast unmöglich sind, obwohl viele Kinder in Heimen sind. Aber dann könnte Frau Brugger ja nicht ihr „Lieblingsthema einbringen.

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