
Die Großeltern fehlen: Sie haben das Bewusstsein wachgehalten, was Krieg bedeutet. Stattdessen hat diese Gesellschaft sie alleine sterben gelassen. Die Alten und das Alte ist der große Feind dieser großen neuen Zeit.
Die meisten Enkel der Kriegsgeneration wären wieder in der Lage, im Fall der Fälle, der sich Ernstfall nennt, auf russische Soldaten zu schießen – und mehr noch: Sie auch zu töten. In etwa so ließ sich der deutsche Verteidigungsminister letzte Woche in der Financial Times zitieren. Boris Pistorius, so sein an eine Pistole erinnernder Name, ist Jahrgang 1960. Hatte er denn keine Großmutter, keinen Großvater, der ihm von damals erzählt hat, als es noch geboten war, auf Russen zu schießen? Musste er ohne Großeltern – oder in seinem Fall vielleicht auch Eltern – aufwachsen, die ihm vielleicht an manchem Abend von dieser Zeit erzählt haben? Die Großväter waren wortkarger, sie erzählten ungerne von den Heeren zerfetzter Leiber, die sie an den Kampflinien ertragen mussten. Auch den Großmüttern mangelte es nicht an Toten, in den Städten türmten sie sich nach mancher Bombennacht auch – sie waren dennoch redseliger gegenüber ihren Enkelkindern.
In der letzten Zeit denke ich oft an meine Großmutter. Gestorben ist sie 2015 – der Krieg war ihr immer noch präsent, sie konnte ihn nie vergessen. Das heißt nicht, dass sie so stark traumatisiert war, dass sie kein bürgerliches, kein friedfertiges Leben mehr leben konnte. Außer man würde den Drang nach Harmonie und die immer angestrebte Abwesenheit schlechter Nachrichten als ein Trauma sehen wollen, das ein gewöhnliches Leben behindert. Sie erzählte mir häufig von dem, was ihr – und vielen anderen ihrer Generation – widerfuhr. Im Keller saßen sie, über ihnen stürzten Teile ihres Wohnhauses ein, fortwährend vernahmen sie Detonationen einige Meter über ihren Köpfen, der Kalk rieselte von den Decken auf sie herab. Die Kinder weinten und die Mütter versuchten, dies zu unterdrücken. Denkt man in so einer Bombennacht noch an den Geliebten, an den Gatten, der vielleicht nie wieder zurückkehrt? Oder wird man sich selbst die Nächste und das Schicksal anderer wird dabei zur Randnotiz?
Sterben in Einsamkeit
Gefragt habe ich sie das nie – vermutlich war ich zu jung für profundere Fragen. Das ärgert mich jetzt, da ich diese Zeilen tippe. Denn mir wird gewahr, welche Gelegenheit ich verpasst habe. Sie fehlt mir, diese erzkatholische Frau, die sicher immer auch ein Stück weit im Gestern steckenblieb, die in ihren letzten beiden Lebensjahrzehnten die Welt immer weniger verstehen konnte und sich manchmal in einer Spießigkeit einigelte, die für mich Jungen nicht ganz nachvollziehbar, ja auf mich geradezu exotisch wirkte. Die Oma war halt so, man rieb sich an ihr – und liebte sie doch. Dass man unter Hitler noch als Frau nachts unbehelligt auf die Straße gehen konnte, dass nicht alles schlecht war zu dessen Zeit: Auch das sagte sie bei seltenen Gelegenheiten. Heute müsste ich sie bei einer Meldestelle anzeigen, um als ehrenwerter Staatsbürger anerkannt zu werden. Und obgleich sie auch gelegentlich so sprach, nochmal: Ich liebte sie – und anders als später, als Journalisten ihren Lesern rieten, wie sie mit dem leidigen Onkel, der rechts sei oder Querdenker oder – noch schlimmer – beides zusammen, bei Familienfeiern umgehen sollen, wie sie ihn meiden und ausbooten können, so hielt man seinerzeit seine Verwandten aus.
Sie auf Linie zu bringen, sie aus dem Leben auszuschließen: Das sind die unmenschlichen Lebensratschläge der heutigen Zeit. Vor einigen Jahren hätte man niemanden geraten, den Verwandten, der hin und wieder seltsame Ansichten zum Besten gab, der eine andere Meinung vertrat, aus dem eigenen Lebenskosmos zu verbannen. Während der Pandemiejahre machte das besonders Schule: In Tageszeitungen standen Empfehlungen, solche links – oder rechts? – liegen zu lassen, die nicht auf Linie waren, ganz egal wie verwandt man auch sei: Diese Härte müsse jetzt sein, sie sei fast Bürgerpflicht. Die Alten, die nicht unbedingt querschossen gegen die Maßnahmen der Bundesregierung, ließ die Gesellschaft aber auch alleine – speziell, wenn sie alt waren. Dann blieben sie in ihren Altenheimen, die man euphemistisch Seniorenresidenzen nennt, um sie dort eines ganz sicher nicht tun zu lassen: Residieren. Man drangsalierte sie mit einer Maskenpflicht in ihren heimischen Gefilden und Verwandte mussten »draußen bleiben«. Die Einsamkeit hatte Hochkonjunktur. Meiner Großmutter widerfuhr das nicht, sie starb zeitig genug. In jenen Jahren dachte ich oft an sie und war dankbar, dass sie schon einige Jahre vorher abberufen wurde. Denn das hätte ich dieser Frau nicht zumuten wollen.
Es mag einige in diesem Land geben, die nach dem Geständnis, wonach meine Großmutter gelegentlich nicht negativ über Hitler-Deutschland sprach, ihr genau so einen einsamen Lebensabend gewünscht hätten. Überhaupt konnte man sich des Eindruckes nicht entziehen, dass die isolierten Altenheime auch als eine Form der Strafe betrachtet wurden – als Akt der Rache der jüngeren, durch die Pandemie enthusiasmierten Mitläufer. Denn schon vorher entstand in der Öffentlichkeit eine Tendenz, das Alte als Problem zu betrachten. Die Alten wären angeblich für die Probleme der Zeit nicht sensibel genug, ihre Generationen hätten die Erde gar an den Abgrund gebracht. Alles, was »die Zeiten überdauert« hat, schien suspekt zu sein. Wer das Betagte aber so beäugt, wer darin nicht mehr erblickt als Überlebtes und Vorsintflutliches, der ist freilich auch nicht mehr offen für die Berichte der Alten, für deren Leidensgeschichten aus Kriegszeiten. Wer die Alten nicht mehr ehrt, weil er sie verdammt, der wirft auch deren Weisheit weg und ignoriert deren Erfahrungsschatz.
Zeitenwende-Suppenkasper
Es ist also kein Wunder, dass wir uns als Gesellschaft in eine Situation hineinmanövrieren lassen, in der die Berichte der Alten keine Rolle mehr spielen. Einerseits sterben diejenigen, die noch zu erzählen hätten vom Krieg, von der Not und dem Elend. Andererseits will die Gesellschaft von den Alten, diesen Umweltsäuen, auch gar nichts mehr hören geschweige denn annehmen: Was könnten sie denn auch erzählen, was heute noch Geltung hätte? Denn in diesen Zeiten sind wir Zeitgenossen so viel weiter, wir wissen vermeintlich viel mehr als die Generationen vor uns. Was wussten die Großmütter schon anderes, als Lebenserfahrungen zu vermitteln? Aber hatten sie Haltung? Waren sie politisch aktiv, um die Welt zu einem besseren Ort werden zu lassen? Die 1950er Jahre werden heute nur als Ausbund der Lächerlichkeit dargestellt – als rückständig und ignorant. Es ist auch so bequem, mit dem Abstand von Jahrzehnten auf Zeitenläufte zu blicken. Und arrogant obendrein.
Wir erleben seit einiger Zeit einen Kampf der Claqueure der zeitgenössischen Welt gegen das, was vormals die Welt bestimmte. Den Großeltern den Kampf anzusagen, sie einsam zurückzulassen, deren Kriegserfahrung zu tilgen: Das ist nur eine Ebene dieses Krieges gegen die Welt der Alten. Sie findet sich in vielen Facetten. Die einen werfen Tomatensuppe auf die Gemälde alter Meister, um damit auf die Klimakatastrophe, deren sie sich ganz sicher sind, aufmerksam zu machen – der Applaus ist ihnen dabei sicher. In solchen Aktionen steckt mehr als der Trieb nach Aufmerksamkeit. Man riecht förmlich den Hass auf eine Welt, die aus Sicht der Aktivisten, das Produkt einer fehlgeleiteten Historie sei. Sie sei patriarchal durchsetzt gewesen, kolonialistisch ausbeutend, heteronormativ arrogant und rassistisch ohnehin: Eine solche Vergangenheit kann nur in eine Gegenwart münden, die diese Aktivisten als Hölle begreifen – mittels Nichtregierungsorganisationen und Alimentierung durch politische Parteien und staatlichen Institutionen, die sich dieser Agenda des Hasses auf das Alte angeschlossen haben, will man das Zeitgenössische von der Vergangenheit abkapseln und alles, was Tradition oder Brauchtum ausmacht, in eine Schmuddelecke stellen. Dort fristet auch der Konservatismus sein Dasein. Mittlerweile nennt man ihn rechts. Und bei den berühmten Demonstrationen gegen rechts und für die Demokratie, sind es Konservatismus und Kirche, die gleichermaßen als Feind gelten, wie gewisse Parteien, die keine Alternative sein dürften. Denn auch sie stehen für das Alte, das nicht mehr sein darf, von dem man sich entsagen muss.
Um aktueller zu bleiben: Im Ringen um die Richterstelle für jene Juristin namens Frauke Brosius-Gersdorf steckt ein Gutteil dieses Kampfes gegen das Alte. Ihre Kritiker werden als rückständig eingeordnet, als Menschen von gestern – und dieses Label soll stigmatisieren. Und das tut es auch, kaum jemand von heute will als Person betrachtet werden, die noch gestrig ist. Denn diese Einordnung degradiert einen zu einem Ahnungslosen, wertet ihn als einen, der mit einer gewissen Dummheit geschlagen ist. Als sei das Gestrige, als wäre die Vergangenheit immer nur dumm gewesen – als ob es nichts Kluges, Weitsichtiges, Alltagstauglicheres im Gestern gegeben hätte. Und was ist an dem Kompromiss, Schwangerschaftsabbrüche nur bis zum dritten Schwangerschaftsmonat und unter vormaligem Beratungsgespräch zuzulassen, so unglaublich gestrig und damit dumm? Was soll so klug sein, die Menschenwürde erst ab der Geburt anzusetzen, eine Haltung, die eben jene Frauke Brosius-Gersdorf vertritt?
Altersweisheit? Wer braucht die schon?
Man liest oft von einem Kulturkampf, der innerhalb der westlichen Staaten tobt. Der Begriff trifft sicherlich auf einer Ebene zu. Es gibt Menschen, die traditioneller verhaftet sind und die begreifen, dass die Gegenwart ohne die Vergangenheit nicht zu verstehen ist – sie wissen, dass im Vergangenen auch Unrecht steckt. Darüber aber posthum zu richten, ist nicht nur nutzlos, sondern geschichtsvergessen. Die Vergangenheit ist für diese Menschen nicht per se ein Unrechtsort. In der Vergangenheit wurde die Basis für unser Wissen, unsere Kultur gelegt – die zeitgenössischen »Wissenschaften« ignorieren das häufig komplett. Mathias Brodkorb hat sich beispielsweise in seinem aktuellen, sehr lesenswerten Buch, mit „postkolonialen Mythen“ befasst und herausgearbeitet, wie einseitig die Geschichtswissenschaft den Kolonialismus beackert: Der war sicher kein Zuckerschlecken, aber dass er in Form weißer Truppen die Sklaverei nach Afrika brachte, trifft einfach nicht zu. Dennoch erzählen die führenden Völkerkundemuseen im deutschsprachigen Raum genau diese Geschichte.
Auch sie wollen das Alte stigmatisieren, die Welt von gestern als Ausdruck schlimmster Verfehlungen und Irrwege darstellen. Sie sind Teil einer spalterischen Agenda, die die Welt von morgen skizziert: Diese ist transhumanistisch, hochtechnologisch und der Mensch darin ist in der Lage, all das zu sein, was er möchte – nur politisch unzuverlässig sollte er nicht sein: So weit geht die Freiheit, alles sein zu dürfen, wonach einem ist, dann doch nicht. Dabei wird gezielt daran gebastelt, die Menschen von ihren Wurzeln und Herkünften zu isolieren. Heimatland: Auch das soll ein Wort der Alten werden, ein Wort, das in der globalistischen Weltordnung westlicher Provenienz nicht mehr nötig ist. Kulturkampf also: In den Vorgängen steckt etwas mehr, als ein Händel nur um Kultur – es geht auch um Zeit, darum wie man sie sehen darf und wer am Ende mit seiner Interpretation der Vergangenheit recht behält.
Viele Länder, die heute in unseren Gefilden als Ausbund der Dämonischen betrachtet werden, nehmen wir nur mal das Land Ungarn unter Viktor Orbán, haben verstanden, dass in der westlichen Hemisphäre ein »temporaler Kalter Krieg« wütet – der Begriff ist der Serie Enterprise von 2001 entlehnt. Damit war ein Handlungsbogen gemeint, der einen Krieg auf verschiedenen Zeitebenen beschrieb, bei denen die Fraktionen versuchten, die Geschichte zu ihren Gunsten zu manipulieren. Der aktuelle temporale Kalte Krieg läuft ohne Zeitreisen ab, wie in jener Serie, will aber die Ressource der Altersweisheit ebenso dekonstruieren wie all das, was in der Welt unserer Vorväter geschaffen wurde und uns heute noch bereichert, also Kunst und Kultur oder eben auch Medizin, Bildung und solche Errungenschaften wie die Magna Charta und daraus resultierend die Menschenrechte. Die Aktivisten, die gegen die alte Welt agieren, folgen einer Agenda, die simuliert, dass die Menschheit nochmal neu beginnen müsse – ohne die alten Zöpfe. Sie erträumen sich eine Welt ohne Oma, eine transhumanistische Welt ohne Bindung und Herkunft. Eine kranke Welt, in der Großmutters Kriegserinnerungen nur stören beim Krieg für das Gute und Wahre und Schöne, der da dräut.
Dieser Artikel erschien unter ähnlichem Namen bereits in der letzten Woche bei Manova.
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Tsja, was für Realitäten!
Bei uns ist es etwas anders: Enkel, die nicht die gewünschte Farbe haben,
werden vom Erbe ausgeschlossen.
Da wird getrickst und gemacht, nur dass nicht die ‚Falschen‘ was abbekommen.
Studienabschlüsse der Enkel? Haben die ja nur wegen der Wokismus-Quote.
N-Wort nicht mehr sagen dürfen? Achwas! Im eignen Haus kann ich reden was ich will!
Krieg? Stolz gewesen damals! Offizier usw.
Also ehrlich- da klappt es nicht mal mehr, zum Kaffeetrinken zu bleiben.
Die Alten, die noch den Krieg überlebt haben, sind inzwischen nahezu vollständig verstorben. Man sieht es an den Prozessen gegen KZ-Angestellte: Greise, die nach Jugendstrafrecht verurteilt werden und nicht selten die Rechtskraft des Urteils nicht mal mehr erleben.
Dis, die jetzt gerade alt werden, sind die, die jetzt die Jungen gerne wieder in einen Russland-Feldzug schicken wollen. In der Regel die Jungen der anderen.
Man merkt an allen Ecken, dass die Kriegsgeneration weg ist.
Ich mache auch die Erfahrung, dass es v.a. die unmittelbaren Nachkriegsgenerationen sind, die in der aufstrebenden BRD groß geworden sind und bis in die 1980er und 1990er Jahre nur profitiert haben, jetzt großkotzig werden, den Russenhass der Eltern oder Großeltern wieder entdecken und ihre sorgsam hinter „Demokratie und Freiheit“-Leerformeln versteckten Herrenmenschen-Alüren, die ihnen subkutan weitervermittelt wurden, bedroht sehen.
Wer nichts von der 68er Bewegung mitbekommen hat, mag so denken.
Obacht, ich meinte damit nicht die Grünen, sondern die echten Linken. ♫
Die 68er-Bewegung war im Kern eine Sache von relativ wenigen Protagonisten, vor allem von Studenten und dem linken akademischen Milieu. Es gab ja aber auch noch die Masse der „Normalos“. Die meinte ich im Wesentlichen.
Die Nachkriegsgeneration scheint mir noch relativ friedlich zu sein. Die sind jetzt Rentner auf dem Weg ins Pflegeheim.
Wie immer ist es die „Dritte Generation“, die alles zerstört.
Die Kriegsgeneration hat das Land wieder aufgebaut, das sie und ihre Eltern zerstört haben. Die Nachkriegsgeneration hat den bescheidenen Wohlstand gepflegt und genährt, bis er ansehnlich war. Die Boomer haben alles verfrühstückt, beschweren sich über die Sozialsysteme, die sie gegen die Wand gefahren haben, und wollen die Kinder, die sie nicht hatten, in den Krieg schicken. Wir sind wieder wer, gegen den Schuldkult, usw.
„Wie immer ist es die „Dritte Generation“, die alles zerstört.“
Genau so sieht es aus. Diese 3. Generation zerstört den Wohlstand, in dem sie aufgewachsen ist, zerstört den inneren Zusammenhalt der Familien und der ganzen Gellschaft – alles im Namen der Moral.
Sie hat mehr als eine halbe Million ukrainischer Männer in einen aussichtslosen Krieg gegen die haushoch überlegene russische Militärmaschinerie und damit in den Tod getrieben, angeblich zur Verteidigung der ukrainischen und auch unserer „Demokratie“.
Auch das, über eine halbe Million Leichen, im Namen der Moral.
Sie halten sich dabei moralisch für unfehlbar.
Im kommenden Krieg gegen Russland, den sie heraufbeschwören, im Namen von „Demokratie“ und „Freiheit“, werden sie allerdings ihr blaues Wunder erleben.
Wenn sie dann nicht gleich zu Beginn des Krieges kapitulieren, wird wenig bis gar nichts von ihnen, ihrem Land, und ihrer (Cancel)“Kultur“ übrig bleiben.
Nichts aus der Geschichte gelernt, sondern das falsche Alte (Barbarossa) wiederholt.
Schöner Artikel!
Der „Kampf gegen das Alte“, vor allem in der medialen Blase, ist dermaßen offensichtlich und überzogen, dass er nicht mehr authentisch rüberkommt. Ich nehme den jungen Tomatensoße-Werfern ihre Empörung über das Alte nicht ab, tut mir leid. Ihre fehlende Wertschätzung für die Kunst und Kultur der Ahnen (sowie für Tomatensoße) kann ich nicht nachvollziehen, sie erfüllt mich vielmehr mit Sorge – was, wenn jede nachfolgende Generation, ein Stück weit zumindest, immer wieder von neuem manipuliert werden kann?
Nun, die logische Gegenfrage wäre: Wann war es denn sinnvoll, gegen das Alte zu opponieren? Vielleicht beim Aufbau der USA, dem Begin der Arbeiterbewegung in Europa oder bei den Jugendrevolten in den 1960ern. Die ewige Jugend-Vergöttlichung der Postmoderne beruft sich auf diese historischen Vorgänger-Epochen. Mir fehlt heutzutage jedoch der Raison d’être für derartige Bestrebungen. Die Unauthentizität, gepaart mit der Kommerzialisierung, führt als Folge zu einer Verkitschung der Rebellion.
Stattdessen sollte man froh sein, dass Kolumbus die Tomate nach Europa gebracht hat! Nun sind alle Kontinente entdeckt, die Westexpansion der USA abgeschlossen und die Datenautobahnen fertiggestellt. Wie erfrischend, endlich haben die Leute wieder Zeit für die schönen Dinge des Lebens, etwa Pasta kochen.
„was, wenn jede nachfolgende Generation, ein Stück weit zumindest, immer wieder von neuem manipuliert werden kann?“
Das läuft doch schon. Man nennt es KI/ AI, angeblich werden die „Sprachmodelle“ bereits von vielen Nutzern als Suchmaschinenersatz genutzt. Also bekommt der Nutzer keine Überblick über mögliche Quellen, sondern das Ergebnis einer Software.
Tom Lausen hat in einige Videos die Tücken der KI vorgeführt und zeigt, dass man die Fragen variieren und ständig wiederholen muss.
Keine schöne Entwicklung.
Also die Tomatensuppenwerfer werden es schon ernst gemeint haben, sonst hätten sie die Konsequenzen nicht in Kauf genommen. Aber das war doch eine Petitesse, die es immer und überall geben wird, nicht der Rede wert.
Ich bin auch schon in Rente, sehe aber die Jugend positiv. Sie macht vieles anders und manches besser als wir, ist doch ganz normal.
Das der Kapitalismus veranschreitet, das alles kommerzialisiert wird, liegt in der Natur der Sache und hat nichts mit der Jugend zu tun.
Auf den Solidemos für Palästina sah ich sehr viel mehr junge Leute als Alte. Aber vielleicht haben wir Alten nur mehr Angst von der Polizei verprügelt und festgenommen zu werden als die Jungen? Die traun sich was!
“ die Westexpansion der USA abgeschlossen…..“
Hätten sie nur mal endlich die Ostexpansion angeschlossen. Vorher kann man zwar Pasta kochen, aber so richtig entspannend ist doch wahrlich nicht.
Kampf gegen das Alte, mit der Zeitenwende in neue kriegerische Gefilde
Was kommt wenn wir uns nicht erinnern?
Wir sind am Ende
https://www.youtube.com/watch?v=DuLnrckcyqw&list=RDDuLnrckcyqw&start_radio=1
…es gibt schon tausend Lieder
https://www.youtube.com/watch?v=QOWyDYKTB74&list=RDQOWyDYKTB74&start_radio=1
Dann lieber das hier
https://www.youtube.com/watch?v=mSfFqH-idZE
Mich hat das Lied bis ins Mark getroffen………………
Eine sehr schöne Version, sehr ergreifend, DANKE
Unser Weg wird wohl wieder so aussehen
Un Milione di Passi – Polenta Violenta Canzoniere Popolare
https://www.youtube.com/watch?v=Zr2oWA44Hzs&list=PLRXAuDrENYIP55KKUNGw-Ssbc9AACMB6W&index=6
Der Witz ist ja, dass die sog. „Eliten“, die den Transhumanismus, Wokismus, Gender etc. pp. fördern und vordergründig begrüßen, in ihren eigenen Kreisen und besonders im engeren Familienkreis einen konservativen, um nicht zu sagen erzkonservativen bis reaktionären Wertekanon hochhalten. Allerdings mit einer Ausnahme: für ihre Kriege und ihre Profite sollen sich gefälligst nur die Kinder des Pöbels zum Krüppel schießen bzw. ganz liquidieren lassen – im Name ihrer ominöser „Werte“ (nämlich ihrer Profitrate und ihrer Aktiengewinne).
So ist es: Der Blick des Kolonialherren oder Plantagenbesitzers auf das Gesinde.
DIe Jungen werden das am Ende auch ausbaden müssen…
Letzte Kontakt zu meinem „kleinen“ erklärte Er mir stolz seine Sammung über Deutsche Kriegsschiffe .
Kinder leben heute meist bei dem Müttern , woher sollen Sie also das Wissen der Alten haben in diesem Kontext ?
Ich habe das aufgegeben, als Mann hat man da eh immer weniger Einfluss darauf …
Dann müssen Sie eben Ihre Erfahrungen Neu machen, auch wenn es mit enormen Leid verbunden sein könnte für Sie und Ihre Kinder, wer Sie warnt vor diese Entwicklung wie aktuell, wird noch stigmatisiert “ Linker Spinner “ , ich musste mir da schon einiges anhören.
Diese Dinge kann man nicht einfach je nach Kategorie in irgendeine Schublade stecken und rausholen da wenn man Sie gerade mal brauch argumentativ. Solche Dinge gehören zusammen, und das sind sehr komplexe gesellschaftliche Konstrukte.
Das Väter heute immer weniger noch über Rechte verfügen können bei Trennungen zb, hat eben auch etwas damit zu tun, denn Frauen beschäftigen sich im allgemeinen weniger mir Krieg, Militär usw, bzw ab den Punkt erst wo die Einberufung des eigenen Kindes droht und damit Fronteinsatz mit allen Konsquenzen. Und da ist es meist schon zu spät !
Der Osten ist der einzige Raum aktuell wo unter Eigentümern (Wohnungen zb) noch in größere Anzahl Kriegsggegner zu finden sind. Noch !!
Danke, Herr De Lapuente,
das ist ein wirklich herausragender und sehr guter Artikel!
Eine sehr selektive Hebung eines Erfahrungsschatzes. Nur gibt es keine Meldestelle für Menschen die nicht andauernd den GröFaz verdammen. Nein, sie können weit ausgebreitet im ÖR, äußerst öffentlichkeitswirksam, ihr Bedauern über die Niederlage des Dritten Reiches ausdrücken, das war Madame von der Anscheinalternative. Das sind die, die zuerst die Hälfte vom Haushalt für Rüstung gefordert haben. Und wohin die Reise, über alle Parteien hinweg, gehen soll, hat man schon an den sprachlichen Reminiszenzen während der Initialzündung (Blinddarm, Madagaskar, Kanonen statt Butter) erfahren dürfen. Und leider stecken die, die da beworben werden, alle mit drin:
Viktor Orban
Prime Minister of Hungary, Office of the Prime Minister of Hungary
1987, graduate, Faculty of Law, Co-founder, István Bibó College of Law and Social Sciences, Lóránd Eötvös Univ., Hungary; 1989, studies, History of Philosophy of English Liberal Politics, Pembroke College, Oxford. 1989-91, with Managers School, Ministry of Agriculture and Food Industry; 1988-89, Co-founder and Spokesman, first Hungarian political opposition group, Federation of Young Democrats (FIDESZ); 1989, spoke at the reburial of the heroes of the 1956 uprising, demanding publicly for the first time, the withdrawal of Soviet troops from Hungary; 1989, Leader, FIDESZ parliamentary group at political subcommittee of the Opposition Round Table Discussions; 1990, elected Member of Parliament, first free parliamentary elections, Hungary; 1992, elected Vice-President, Liberal International; 1993, First President, FIDESZ; 1994, elected Member of Parliament; 1994, Chairman, Committee on European Integration Affairs, Hungarian Parliament; 1996 Founder and Chairman, Committee for Political Cooperation of the New Atlantic Initiative; 1995 and 1997, President, FIDESZ, Hungarian Civic Party; 1998-2002, and since 2010, Prime Minister of Hungary.
https://www.weforum.org/people/viktor-orban/
Was nicht Erwähnung findet, ist das Vorläuferprogramm, daß er zu den WEF/Global Leaders for Tomorrow/1993 gehört. Er kann das aber sehr gut:
Hungary to offer optional 3rd COVID-19 vaccine dose, prime minister says
By Staff Reuters
Posted July 16, 2021
Hungary will offer the option of taking a third dose of a COVID-19 vaccine from Aug. 1 and will make coronavirus vaccines mandatory for all healthcare workers, Prime Minister Viktor Orban told state radio on Friday.
Orban said doctors will decide which vaccine people should take as a third dose, and it should come at least 4 months after the second shot, unless doctors advise otherwise.
Hungary, a country of 10 million, has been among the fastest countries in the European Union to inoculate the public, as the only EU state to widely deploy Russian and Chinese vaccines before they received approval from the bloc’s regulator. It has also used Western-made shots from Pfizer, Moderna and AstraZeneca.
https://globalnews.ca/news/8032891/covid-hungary-3rd-vaccine-dose/
Mal wieder einen Kulturkampf inszeniert, wo keiner stattfindet:
Die herrschende Klasse fördert Identitätspolitik und „Anti-Wokeismus“ aus genau denselben Gründen
Caitlin Johnstone
17. Dezember 2022
Es ist eine interessante Zeit für Kulturkampf-Ablenkungsmanöver im Schatten des Imperiums. Derzeit finden keine großen Wahlkämpfe statt. Die staatlichen Covid-Bestimmungen wurden größtenteils zurückgenommen. Das Imperium führt einen extrem gefährlichen und ständig eskalierenden Stellvertreterkrieg mit Russland, der einer genauen Prüfung bedarf. Wüsste man es nicht besser, könnte man erwarten, dass die breite Öffentlichkeit in dieser Zeit weniger miteinander und mehr mit den Verantwortlichen streitet.
(…)
Es ist völlig richtig, dass Identitätspolitik dazu benutzt wird, dem Establishment dienende Agenden durchzudrücken und echten Dissens zu untergraben. Ein sehr offensichtliches Beispiel dafür sahen wir 2016 mit dem extrem aggressiven Vorstoß, Amerikas erste Präsidentin zu wählen. Jeder, der auf ihre erschreckend schlechte Bilanz in Sachen Krieg und Militarismus hinwies, wurde als Frauenfeind niedergeschrien. Die gesamte Demokratische Partei ist im Grunde eine einzige große psychologische Operation, die darauf abzielt, jeden Versuch zu unterbinden, Einkommens- und Vermögensungleichheit, Armut, Kriege, Militarismus, Geld in der Politik, Überwachung, Regierungsgeheimnisse, Polizeimilitarisierung und jeden anderen Kontrollmechanismus zur Aufrechterhaltung des Status quo zu beseitigen. Gleichzeitig wird jeder revolutionäre Zeitgeist mit falschen Versprechungen, das Leben von Frauen und marginalisierten Gruppen zu verbessern, zurück in die Loyalität des Establishments getrieben. Es ist aber auch wahr, dass die Energie, die man in „Anti-Wokeismus“ steckt, dem Establishment genauso dient wie die Energie, die man in Identitätspolitik steckt.
Anti-Wokeismus – gestatten Sie mir eine etwas kontraintuitive Formulierung – ist Identitätspolitik im Kostüm. Die Fixierung auf den Kampf gegen „Wokeness“ zwingt Menschen in die Strukturen des etablierten Mainstreams, genau wie Identitätspolitik Menschen in die Strukturen des etablierten Mainstreams zwingt. Sie sorgt dafür, dass die breite Öffentlichkeit damit beschäftigt ist, sich gegenseitig anzuschreien, anstatt die Verantwortlichen. Kommt es Ihnen nicht seltsam vor, dass die eine Hälfte der herrschenden Klasse die andere Hälfte der Bevölkerung dazu bringt, sich auf Identitätspolitik zu fixieren, während die andere Hälfte die andere Hälfte zunehmend in Panik über „Wokeness“ versetzt? Kommt es Ihnen nicht ein wenig zu bequem vor, wie alle etablierten rechten Politiker den Anti-Wokeismus zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Plattformen machen, wie alle etablierten rechten Experten alles tun, um ihr Publikum noch mehr in Panik zu versetzen, weil alles immer „woke“ wird, und wie Elon Musk auf genau dieselbe Weise vom „Woke-Mind-Virus“ spricht, wie sich liberalere Oligarchen für soziale Gerechtigkeit einsetzen?
(…)
Das liegt daran, dass sowohl Anti-Wokeismus als auch Identitätspolitik – ganz bewusst – denselben Agenden des Establishments dienen. Je mehr sich die Menschen auf den Mainstream-Kulturkampf fixieren, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie sich dazu entschließen, Dinge wie die Streichung der Mittel für das Pentagon oder die Rückforderung all dessen, was die Reichen ihnen gestohlen haben, zu tun. Die Zeit, die man damit verbringt, die andere Seite der kulturellen Kluft anzuschreien, verbringt man nicht damit, seinen Vermieter zu verspeisen, wie Gott und die Natur es vorgesehen haben.
https://caitlinjohnstone.com/2022/12/17/the-ruling-class-promotes-identity-politics-and-anti-wokeism-for-the-exact-same-reasons/
Die Knechte die hier vermeintlich gegeneinander antreten, könnten sehr gut eine Koalition bilden, wäre aber schlecht für die Aufrechterhaltung der Illusion. Und nebenbei bemerkt, der vermeintlich identifizierte Konservativismus, ist auch nur eine Befassung mit dem Erhalt des Status quo des Adels. Aber immerhin gibt’s Beifall vom Carl Schmitt und Höcke Jünger.
Ein schöner Traum, den ich „Westnostalgie“ nennen möchte!
Da war doch die liebe Omi, die von den Schrecken des Krieges berichtete, aber Hitler nicht ganz so böse fand, weil er Arbeitslosigkeit beseitigte und Autobahnen baute. Es war nicht alles schlecht an der alten BRD. Genauso gut war nicht alles schlecht in der guten alten DDR, was allerdings vom Westen bestritten wird.
In der DDR war es verpönt gut über Hitler zu sprechen, weil wir lernen sollten, daß die Nazis Deutschland in den Krieg führten. Gut war auch in der DDR die Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch, die so das vereinte Deutschland nie übernahm und Roberto wohl auch nicht möchte?
Allgemeine Probleme mit den Alten gibt es in allen hochindustrialisierten Gesellschaften. Die Kinder wollen nicht mehr, wie in bäuerlichen Gesellschaften üblich, im Alter für ihre Eltern sorgen, weil sie weit weg gute Jobs haben. Dafür gab und gibt es sowohl in der DDR, wie auch in der BRD, Pflegeheime, die besser als ihr Ruf sind, trotz der schlechten Bezahlung des Personals.
Nostalgie ist schön, bringt die Menschheit aber nicht voran. Kommunisten wie Kapitalisten sind sich wohl einig, das nur die Entwicklung der Produktivkräfte die Probleme der Menschheit lösen kann. Es müssen nicht gleich Pflegeroboter sein, auch wenn diese in China bereits ausprobiert (das Land ist experimentierfreudig) werden.
Make GDR great again!
Also, kurz nach der Wiedervereinigung, in Rostock und Hoyerswerda etwa, war so manches Verhalten auch nicht gerade verpönt. Sagt ein Wessi im Alter von Roberto, der diese Vorkommnisse als Jugendlicher am Fernsehen mitverfolgte.
Wie schrieb ein Journalist, in Anlehnung an den The Who-Klassiker damals so treffend: The kids are not alright. Passt also zum Thema.
Soll ich Ihnen jetzt mit Mölln kontern?
Aber soll ich bei meiner Vermutung bleiben, alles gut im Westen, Wessis gut, Ossis böse?
Ossis rechtsradikal, Wessis exzellente „Demokraten“?
Ich zitiere: „In der DDR war es verpönt gut über Hitler zu sprechen, weil wir lernen sollten, daß die Nazis Deutschland in den Krieg führten.“
Damit positionieren Sie sich in die moralische Pole-Position, vor dem Wessi, der wenigstens die Autobahnen, die eigenen Großeltern und den VW-Käfer gut finden durfte.
Also gut, weil Sie es sind: Make BRD great again!
Das hat etwas mit “ das andere achten zu können“ zu tun.
Wenn Größmütter über viel Geld verfügen, lassen sich Kinder und Enkel oft sehen..
Das konnte ich ganz deutlich beobachten, auch DDR …
Waren Großeltern aber arm, waren Sie meist Ihre letzten Jahre völlig alleine ..
Auf den Weg zu Schule damals, kam ich bei einer Oma immer vorbei, die schaute immer so früh aus dem Fenster schon und Wir haben Uns unterhalten, neben Ihr, Ihre Katze , und Sie ist da immer auch aufgeblüht, sogar gelacht ab und zu.
Und wenn ich nicht aufpasste kam ich zu spät in die Schule. Und wenn ich zu spät kam, rums 5 in Betragen, weil ich so ein Böser Junge war o))
Tja, Alte sind eben unproduktiv in der Gesellschaft des Kapitalismus.
Ich habe immer den Rat und die Geschichten der Alten geliebt, hab viel von ihnen gelernt, bin jetzt selber einer und freu mich immer wenn son junger Schnösel Fragen stellt. Leider sind es zu wenige…..
Danke Roberto, für den Artikel!
++
Genau, Ihre Nutzen für Ökonomische Kreisläufe ist nicht mehr gegeben o(
Ja, stimmt!
Fehlende Produktivität ist im Kapitalismus die grösstmögliche Sünde.
(Es sei denn, der Laden gehört einem. Dann trägt man schwer am
„unternehmerische Risiko“ und ist deswegen sehr produktiv.)
Alte sind immer unproduktiv, das ist doch der Sinn des Ruhestands: nicht mehr arbeiten, zur Ruhe kommen. Rentner sind immer davon abhängig, dass die Jungen sie versorgen.
Das kann man direkt machen, indem die Alten auf dem Hof bleiben und die Jungen für sie ein paar Kartoffeln mehr anbauen, oder halt indirekt über Sozialsysteme.
Selbst in der marktwirtschaftlichsten Variante mit kapitalgedeckter Altersvorsorge brauchen die Alten immer noch die Jungen, die ihnen etwa ihre Aktien abkaufen und Kartoffeln verkaufen.
„Im Krieg gegen das Alte“
Es ist doch umgekehrt.
„Das Alte“ regiert und führt doch seit langen Krieg gegen die allermeisten von „uns“.
Hat aber seit März 2020 den Power Booster in Betrieb.
„Das Alte“ hat weniger Bedeutung wenn es um Macht geht ….
Der gute Alte Kapitalismus bedeutet seinen Nutznießern immer noch alles, weswegen er auch ab und zu mal die Klamotten wechseln und seine Demokratie in Blut baden muss.
Steigerung sind ja noch die weißen alten Männer. Wer ist damit gemeint? Meine Vermutung: es sind die 68-er gemeint, denn die sind jetzt alt. Politik war damals von Männern dominiert und bei dieser Bewegung war es nicht anders. Obwohl eben diese den Frauen ihren gerechteren und besseren Platz zukommen ließ.
Verdacht: die, die über weiße alte Männer herziehen, wollen die Errungenschaften von 1968 wieder zunichte machen. Mal hinschauen. Es stimmt immer.
Aus ihren sonstigen Kommentaren und der durchschaubaren Frage, wer denn mit „alte weisse Männer“ gemeint ist, schliesse ich, dass sie selber genau dem Typus entsprechen, den Sie angeblich nicht zuordnen können.
Niemanden hier würde das übrigens überraschen.
Arthur, wenn Ihre Vermutung zutrifft und es den Typus post-68er und immer noch radikal wenigstens in Einzelexemplaren empirisch noch gibt, sie also noch leben … sind´s dann nicht ALTE ROTE MÄNNER (ARM)? Gruß Kamikatze
„Obwohl eben diese den Frauen ihren gerechteren und besseren Platz zukommen ließ.“
Was soll denn dieser saublöde Satz. Frauen brauchten noch nie Männer, die ihnen ihren Platz „zukommen ließen“. Nie Hausdrachen erlebt, die Familien terrorisieren?
Dass der Zwang, die Notwendigkeit zu abhängiger Beschäftigung ein Freiheitszuwachs ist, halte ich für ein Gerücht. Kenne keinen Mann, der das so sieht. Warum sollten Frauen das tun? Die Heinzefrauen haben nicht darum gekämpft, arbeiten zu dürfen – sondern dafür, dass sie für die erzwungene alltägliche Fron das gleiche Geld bekommen!
Diejenigen, die nicht abhängig beschäftigt sein MUSSTEN oder WOLLTEN, haben immer gewusst wie viel ein Mann verdienen muss, um sich den Luxus einer Hausfrau leisten zu können. Ich kenne kaum Ehen von selbständigen Handwerkern, in denen die Frauen nicht das Büro und die Buchhaltung machen. Praktischer als sich von Fremden schikanieren oder in die Bücher schauen zu lassen.
So viel wie ich mitbekommen habe unterscheiden sich da gleichgeschlechtliche Beziehungen – ob mit oder ohne Trauschein – nicht wesentlich von denen zwischen Männern und Frauen. Es ist einfach praktisch, wenn einer da ist, der putzt, kocht und wäscht. Mensch muss dann am Imbiss an der Haltestelle nicht anstehen. Man kann Partner – gleich welchen Geschlechts – auch versicherungspflichtig beschäftigen. Niemand muss riskieren später mit Hinterbiebenenrente hungrig nachhause gehen, weil der andere Teil ein „Hausnuttchen“ für praktisch und billiger hält. Gleichberechtigung kann nicht bereitgestellt werden. Man muss sie wollen. Paarweise.
Keine Frau braucht einen Mann, um sich befreien zu lassen. Zumindest ich wollte auch keine Alice Schwarzer um für mich das Recht zu erkämpfen, Soldatin zu werden. Recht , Realität und Wollen muss jeder zusammenführen. der in einer Paarbeziehung lebt.
Frauen zu unterdrücken ist ein Wunschtraum mancher Männer. Meistens gelingt es NICHT.
„Sie findet sich in vielen Facetten. Die einen werfen Tomatensuppe auf die Gemälde alter Meister, um damit auf die Klimakatastrophe, deren sie sich ganz sicher sind, aufmerksam zu machen – der Applaus ist ihnen dabei sicher.“
Pardon, von wem außer einigen wenigen Unterstützern haben sie denn dafür Applaus bekommen?
Und obenderein sind sie im Knast gelandet. Punkt.
Also bitte mal die Kirche im Dorf lassen, Herr De Lapuente!
Zustimmung!
Gerade bei konservativen Bürgerlichen kam das in der Regel gar nicht gut an, und von denen haben wir in diesem Land raue Mengen.
Ich kenne eigentlich fast niemanden, der damals mit der LG oder FFF sympathisierte. Die Medien haben auch aus jedem Klecks Kartoffelbrei gleich den nächsten Skandal gemacht.
Wobei ich selbst auch an der Vorgehensweise kritisiere: Zeugs kaputt machen ist keine Lösung.
@DasNarf: „Wobei ich selbst auch an der Vorgehensweise kritisiere: Zeugs kaputt machen ist keine Lösung.“
Das ist auch meine Meinung!
Altersweisheit.
Sind die Alten nicht die typischen CDU-Wähler?
Nur so ne Frage..
Ja, CDU oder SPD, was ja inzwischen gehupft wie gesprungen ist.
Chapeau, Roberto!
Das Problem ist, dass im Kapitalismus alles neu sein muss. Altes verkauft sich nicht.
Deshalb sind die Afrikaner damals auf eigene Faust nach Amerika in die Südstaaten gesegelt um sich als kostenlose Baumwollpflücker feilzubieten.
Sie peitschten sich selbst in Ketten um den Sezessionskrieg von 1861 bis 1865 auszulösen.
Zu diesem Zeitpunkt lebten ca. 4 Mio. Sklaven in den konföderierten Staaten. Den Afrikanern ging es jedoch nur um Geopolitik. Sie wollten Florida besetzen und in ruhe Golf spielen. Dafür nehmen sie die Rassentrennung bis heute gern in Kauf. Chancengleichheit hat ihren Preis.
Das „Progressive“ Falsches verkaufen könnten, sagt nichts über Linke allgemein.
Danke für diesen Artikel!
Ich lese in letzter Zeit viel auf Reddit und dort schockiert mich die allgegenwärtige Hetze gegen Rentner und „Boomer“. Man kann glatt den Eindruck haben das wäre orchestriert. Denn kein Tag vergeht ohne Postings gegen diese Gruppen.
Zum Wert des Alten und der Tradition, sollte jeder der des Englischen mächtig ist, mal folgenden Ausschnitt (3 Minuten Laufzeit) aus einem Interview mit dem Psychologen Jordan B. Peterson ansehen. Thema ist ein ein Zitat Winstons Churchills: „One of the signs of a great society is the diligence with which it passes culture from one generation to the next.“
Siehe:
https://www.youtube.com/watch?v=ephOuAAVaXY&list=WL&index=33&t=0s
Jede Einschätzung unter Verwendung des Begriffs „Generation“ ist eine soziologisch-statistische Konstruktion. Es gibt 80-jährige Väter und gebärende 14-jährige.
Wenn man das nicht berücksichtigt schließe ich mich weitgehend meinem Vorredner Frank Bendedikt an: „Chapeau, Roberto“
Die Großeltern spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. Beiseite, dass es Großeltern gab, die trotz eigener Verluste in der Familie grundsätzlich an den Kriegszielen der Nationalsozialisten festhielten und halten, gab es viel zu viele Großeltern, die – aus welchen Gründen auch immer – schwiegen.
Und es erklärt schon gar nicht, wie nur 20 Jahre nach dem WK I der zweite ‚ausbrechen‘ konnte.
Die Ursache der sich allmählich ausbreitenden Kriegsbegeisterung ist woanders zu suchen.
Was mir hier in der Diskussion auf den Wecker geht ist die Technikfeindlichkeit und die Verklärung der Vergangenheit. Deshalb hab ich auch den Artikel „Westnostalgie“ genannt.
War denn früher alles besser? War es besser, das die Bauern in der alten BRD aufs Altenteil abschoben wurden und wegen der Erbschaft auf ihren Tod warteten? War das Leben ohne Auto, Handy und Tablett besser? Waren Wohnungen ohne moderne Heizung, WC und böses Bad besser? Außenclos bin ich froh losgeworden zu sein. Macht es nicht Spaß DeepSeek schnell befragen zu können?
Und für Eure Werte seit ihr alleine selbst verantwortlich.
Das die westliche Welt zerfällt, Doppelmoral, Krieg, Barbarei, Werteverfall, daran sind doch allein die westlichen Eliten schuld. Lößt Euch aus deren Einfluß dann müßt ihr nicht in Nostalgie machen!
„Außenclos“
Gesünder aber war die teile am Ende , das Imunsystem musste jeden Tag neues lernen o)))
Einkaufswagen im Supermarkt sind ein solider Ersatz. 😉
Gute Fragen!
Ich würde sagen, es gibt einen Schwellenwert, ab dem die Technologie den Menschen eher bedrängt oder einengt, anstatt ihn zu befreien. Dieser Schwellenwert ist mittlerweile für sensiblere Gemüter überschritten worden. Technik ist für den Menschen da und nicht umgekehrt – ähnliches kann man auch über den Staat und sogar den Sabbat (!) sagen. Oder, ganz profan, in Anlehnung an das Godesberger Programm der SPD: So viele analoge Technik wie möglich, soviel Digitalisierung wie nötig.
Heute erschien auf Overton auch ein Artikel über die Hiroshima-Bombe. Man kann, durchaus mit Fug und Recht, behaupten, dass dieser Schwellenwert bereits in den 1950ern, mit der atomaren Überbewaffnung, überschritten wurde.
Finde den Artikel auch sehr gut und manchmal bedauere ich, dass ich keine Oma bin aber nur manchmal!
Grosseltern habe ich, bis auf einen Opa, nicht gekannt. Aber es gab genug Omis und Opis in der Nachbarschaft, die einen wollten vom Krieg nichts mehr erzaehlen, haben alles verdraengt, die anderen haben nur das Positive der Hitlerjahre gesehen.
Meine Eltern haben Fragen von mir nach dem Krieg immer beantwortet und wer alles Nazi war und wer nicht, die habe ich dann nicht gegruesst und meine Hand auf dem Ruecken versteckt, manchmal konnte man nicht ausweichen.
Eine Nachbarsfrau tat mir als Kind sehr, sehr leid, die sass jeden Tag am Fenster und wartete auf Mann und Sohn, beide waren als vermisst gemeldet. Und immer, wenn ich aus dem Haus kam, sass sie am Fenster
manchmal winkte sie, wenn ich zur Schule ging, das ist schon sehr bei mir haengen geblieben!
Der eine Opa hat mir Panzer und Modellflugzeuge geschenkt und mir Bücher von Kriegsschiffen gezeigt, als ich ein Kind war. Als ich älter war, habe ich viel mit ihm gestritten, da er bis zu seinem Tod ein Hitlerfan war. Ich hab‘ das nie verstanden.
Dem anderen Opa haben sie in Russland ein Bein weg geschossen, der war trotzdem ein erzkonservativer Adenauer-Fan und brutaler Law & Order Typ. Ich mochte ihn nicht besonders, und er mich auch nicht, daher gab es wenig Kommunikation zwischen uns.
Beide nix gelernt.
Der Onkel nebenan war 5 Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft und kam erst 1949 zurück nach Deutschland, der hat nie darüber gesprochen. Völlig kaputter Mensch, sehr schweigsam und in sich gekehrt. Mit dem hätte ich mich gern mal unterhalten, ich habe mich aber nie getraut, ihn darauf anzusprechen.
Eine meiner Deutschlehrerinnen ist im Krieg aufgewachsen und war schwer traumatisiert, die hat schon bei lauten Geräuschen eine Krise bekommen und angefangen zu heulen. Das war die einzige von den vieren, die offen darüber sprechen konnte und überzeugte Pazifistin war.
Inzwischen sind die alle tot. Es liegt jetzt nur noch an uns, was künftig passiert. Ich befürchte aber, viel gelernt hat auch meine Generation nicht.
Meine Deutsch- und Geschichtslehrerin an einem öffentlichen Mädchengymnasium ( meint `weiterführende Schule West´ ) hat uns 1963 im Unterricht erzählt, Deutschland habe immer noch einen Anspruch auf den Kaukasus, weil dort deutsche Soldaten ihre Fahnen aufgepflanzt hätten. Fahnen und Deutsche liegen gegenwärtig immer noch dort. Ist eine Angabe zur Zahl der Leichen im Keller ein Argument? Sind nicht die Leichen im Keller Ursprung der Macht?
Das hätte in der DDR keine Lehrerin erzählen dürfen!
Aber die meisten Lehrkräfte der DDR waren Neulehrer, auf deren antifaschistische Grundüberzeugung Wert gelegt wurde. Aber das Erbe der DDR lebt noch, der Osten ist nicht so kriegsgeil und russophob wie der Westen
Erster Teil ist bekannt. Zustimmung zum letzten Satz. Aber ob das so bleibt? Man ist dabei den Osten in der Form zu „integrieren“ dass man Panzer bauen lässt, statt Straßenbahnen. Manche Gewerkschaften finden das besser als nichts zu bauen.
Idee: Könnte man nicht langsam mal vom Modus „unsere Großväter“ auf den Modus „Wir sind die Großväter“ umschalten? Wiederholen wir die Erfahrungen unserer Väter, oder fordern wir Zukunft ein? Darf man das nur mit 20? Lebensdauer ist nicht abschätzbar. Für NIEMANDEN. Sie ist eine Frage persönlichen Glücks und hat mit gesellschaftlichen Perspektiven nur am Rande zu tun..
Die die ab 1945 geboren sind und manche die ab 39 geboren wurden, also im Krieg kleine Kinder waren, haben aus meiner Sicht aus unerfindlichen Gründen nichts gerafft. Ich verstehe das nicht. Vielleicht liegt es daran dass sie von traumatisierten Eltern großgezogen wurden. Viele von denen sind russophob wie eh und je. Zumindest in den „alten“ Bundesländern. Naja nach ein paar Jahrzehnten Fernsehkonsum, kein Wunder.
„Die Russen kommen.“ Das glauben die seit 1950. Dass der pausbäckige Pistorius ihre Enkelkinder meint wenn er zur Kriegsertüchtigung aufruft, kapieren sie auch nicht. Und während der Corona waren sie der Auffassung dass die Enkelkinder da jetzt durch müssen! Schließlich ist aus der Kriegsgeneration auch was geworden. Hab ich damals im O Ton so gehört.
Ab 1945 geborene sind heute ca. 80 Jahre (oder jünger). Ich meine, da muss eine andere Definition in Deinem Beitrag her.
Die aktuellen Akteure sind eher 25 aufwärts, und selbst unser FznFrz ist 69. Ich glaube daher, es ist eher die vergleichsweise sorglos aufgewachsene Generation ohne direkte oder indirekte Kriegserfahrung, die da begeistert mitmacht, zumindest nach Bevölkerungsanteilen.
Mein Vater , Baujahr 24 hat mir kurz vor seinem Tod in 95 gesagt, wenn die letzten von uns, die dabei waren unter der Erde liegen, fängt alles wieder von vorne an.
30 Jahre später habe ich diesen Satz fast täglich im Ohr.
Ob ich mit 65 noch Gefährten finde, die mit mir auf der Granma in See stechen bezweifle ich, aber wenn, dann geht’s morgen los. Die Zeit, den Krieg friedlich zu verhindern haben wir nicht mehr.
Venceremos
Man kann die Deutschen von damals nicht mit den Deutschen von heute vergleichen. Dafür hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten viel zu sehr verändert. Die Veränderungen betreffen auch viele andere Bereiche des Lebens. Ein Dialog mit euch Nachgeborenen ist nicht mehr möglich. Dafür leben wir in zu verschiedenen Welten.
Kasper Hauser (alias Kurt Tucholsky) hatte das um ca. 1926 in seinem „Gruß nach vorn“ sehr schön beschrieben.
@Klaatu
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