Humor ist ein scharfes Schwert

Gentleman lacht
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Ein stiller Krieg tobt in unseren Köpfen und Gesprächen – und mit dem Verstummen von Zweifel, Satire und Poesie steht mehr auf dem Spiel als nur der Humor.

Ein Buchauszug.

Es gibt einen Krieg, der nicht in Schützengräben beginnt und nicht mit dem chirurgisch präzisen Töten durch Drohnen endet. Er findet statt in einer unruhigen Landschaft – in der Landschaft unseres Denkens und Fühlens. Ein Krieg, der keine Häuser in Schutt legt, keine Helme im Schlamm hinterlässt und keine Verwundeten auf zerbombten Feldern. Und doch hinterlässt er Spuren, tiefe Schnitte, die mitten durch die Seele unserer Gesellschaft gehen.

Denn heute kämpfen wir nicht mehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Wir führen Krieg im Gespräch, am gedeckten Tisch, an jenem Ort, wo einst das diplomatische Wort galt und nun das Schweigen herrscht, weil das Wort nun eine Waffe ist. Akademische Stammtische, einst heitere Bühnen des Gedankenaustauschs, verwandeln sich in Schützengräben, in denen jedes Gegenwort, jede skeptische Frage wie eine Granate wirkt. Freunde erzählen, sie seien angeschrien, aus Runden verwiesen worden, weil sie den Narrativen unserer Tage nicht folgen wollten. Wo blieb die Idee, dass Wissenschaft – ja, jedes Wissen überhaupt – vom Zweifel lebt, vom Ringen um Klarheit und nicht von starrer Gewissheit?

Eulenspiegeleien der Macht

Es ist ein Krieg der Köpfe und Herzen. Meinungen dienen als Geschosse, Wahrheiten werden zu Minenfeldern, Fakten nur akzeptiert, wenn sie die eigene Überzeugung stützen. Ist Frieden nicht mehr als das Schweigen der Waffen? Ist nicht jeder Zustand, der keine Verständigung erlaubt, bereits Krieg?

Und unwillkürlich fragt man sich: Wo sind sie geblieben, die Stimmen, die einst mahnten, die mit Witz und Poesie protestierten? Wo sind die Kabarettisten, die filetiert gegen den Mainstream ansingen, die Eulenspiegeleien der Macht entgegenstellen – die Erben eines Hildebrandt, Wecker, Wegener, Wader, Degenhardt, Biermann, Hoffmann, van Veen oder Brecht?

Denn Humor war nie ein harmloses Beiwerk. Er war das Messer, das schnitt, wo andere Worte scheuten. Er war das Lachen, das erträglich machte, was als nackte Wahrheit kaum auszuhalten gewesen wäre. Doch heute scheint er zur harmlosen Kulisse degradiert – Comedy als Konsumartikel, süß und klebrig wie Zuckerwatte, schnell verpufft und ohne Nachhall. Was bleibt, ist das Fastfood des Geistes: kalorienreich im Augenblick, aber ohne Nährwert.

Kunst als Dekoration

Dieter Hildebrandt sprach einst von der Pflicht der Satire, alles zu dürfen. Nicht, um in kalkulierten Skandälchen zu glänzen, sondern um dorthin zu gehen, wo das Schweigen brennt. Wer Humor abrundet, ihn domestiziert zur Pointe für den Feierabend, verrät ihn. Denn nicht die billige Pointe bleibt, sondern jene Sätze, die sich in unser Gedächtnis graben, weil sie Wahrheit tragen im Gewand des Lachens und der Vieldeutigkeit.

Wir stehen vor der Wahl: Wollen wir Humor als Betäubungsmittel oder als Aufrüttler? Wollen wir Kunst, die Denken erweitert, oder nur Sprachmüll, der Nachdenken vertreibt? Eine Gesellschaft ohne Poesie verarmt, eine Demokratie ohne radikal entwaffnenden Humor verkommt.

Vielleicht ist es Zeit, nicht nur die großen Namen zu beschwören, sondern das Vakuum zu benennen, das ihr Schweigen oder ihr Fehlen hinterlässt. Wer erhebt heute noch die Stimme, wagt das Lied, das spottet, die Satire, die beißt, das Gedicht, das gegen das Gewohnte anschreibt? Wenn wir zulassen, dass Kunst zur Dekoration schrumpft, haben wir die letzte Front verloren – die Front, an der Wahrheit noch im Kleid des Lachens überleben kann.

Markus Langemann

Markus Langemann ist Publizist, Autor und Medienunternehmer. Er gründete Sender, entwarf Formate für Leitmedien und prägte die deutsche Medienlandschaft. Heute zählt er zu den unverwechselbaren Stimmen eines unabhängigen Journalismus. Mit dem „Club der klaren Worte“ schuf er einen Ort für Debatte, Aufklärung und Widerspruch.
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79 Kommentare

    1. Die KI-Bilder hier sehen meist aus als wären sie für einen Modekatalog für Herrenausstatter oder Illustration in einem Lifestyle-Magazin. Irgendwie hat es auch was ungewollt komisches. Wie auch immer: Die KI-Bilder wirken hier total deplatziert.

    1. Was soll man denn erwarten?

      Der Konservative muss halt immer für Stillstand, sorry, für das Verbleiben kämpfen, da wird ihm im Angesicht des Vergeblichen alles zur Waffe.

      ——————-

      Übles Bild, übles Zeitzeugnis (auch das von @niemand), da flippert’s in den Synapsen – und endet in Hässlichkeit.

      Auch diese Erinnerungen sind wichtig, so lange sie gebraucht werden. Und das werden sie…

      1. Danke.
        Mir fiel dazu nichts gescheites ein, außer eine wütende Rohheit gegen den Verbreiter dieser Szene, die ich aber rechtzeitig noch löschen konnte.
        Ein freundliches Lächeln, als desperat hilfloser und letzter Akt des Widerstandes, gegen die eignen Mörder.
        Unvorbereitet macht das einen ausschließlich platt (mich zumindest), stellt alles auf den Kopf, was sich an vorhandener Wut und Empörung aufgestaut hat.

    2. Ich will zum guten Abschluss mein Bedauern erklären.

      Für meine Begriffe, muß das Bild jemandem, der über ein gewisses Minimum an „theory of mind“ verfügt, fälschlich auch „Empathie“ genannt, und zusätzlich über einen Verstand, der nicht total zerrüttet ist, an erster Stelle einen Eindruck von der Surrealen Absurdität der Szenerie vermitteln, der sich der zur Exekution vorgesehene „Russische Spion“ gegenüber und in ihr gefangen sieht. Die ist doch absolut lächerlich!
      Wie sollte ein Mensch, von dem wir annehmen dürfen, er habe bei Aufnahme seiner Tätigkeit gewußt, worauf er sich einließ, und mit seinem Leben vorsorglich abgeschlossen, bevor er es tat, das alberne Modell, dem er sich gegenüber sieht, nicht verlachen, vorausgesetzt, seine Nerven spielen ihm keinen Streich??!!

      Was seid ihr bloß für dumme Tiere! Jede Katze hat mehr Verstand, als ihr!
      Diejenigen, die da ein wenig auf der Kippe zur Bestialisierung stehen, fordere ich auf, entkleidet doch mal die beiden Figuren in der Szenerie, seht ihr’s dann?
      Egal. Ich hoffe, die Biosphäre wird in nicht allzu ferner Zukunft von wenigsten 5 Mrd. dieser Un-Wesen namens „Menchen“ entlastet.

      1. Beim Lachen spielen einem die Nerven immer einen Streich.
        Sonst ist es nicht echt.
        Aber hey, wenn Du dann an seiner Stelle stehen wirst, wirst Du dann auch lachen?
        Frohlocken gar, dass es nur noch 4.99 999 999 Unwesen sind um die man „die Biosphäre entlasten“ muss?

        Aber danke für das Bild. Erstaunlich, dass es noch existiert. Eine Funke aus einer Vergangenheit in der alles noch in Graustufen war, und trotzdem näher an unsere Kindheit als, zB, die 1980er von heute.

      2. „Egal. Ich hoffe, die Biosphäre wird in nicht allzu ferner Zukunft von wenigsten 5 Mrd. dieser Un-Wesen namens „Menchen“ entlastet“

        Dann geh doch schon mal mit guten Beispiel voraus.
        Bon voyage.

      3. @Bedauern

        Das Einstellen dieses Bildes in diesem Kontext würde ich als künstlerischen Akt sehen, dem eine Interpretation des Bildes (und des Artikels) vorangegangen ist, welche den Vollzug des Aktes initiierte. Davon ausgehend, dass das Bild ein Zeitdokument ist und selbst keine Inszenierung, engt es die Absicht des Aktes mit dem Imperativ des primären Kommentars ein.

        Doch die im »Bedauern« nachgereichte Interpretation des Bildes kann nicht die einzig richtige sein, also nicht allgültig, ebenso die beschriebe Wirkung dieses Zeitzeugnisses. Auch eine angenommene Analogie zum Artikelbild hilft da nicht weiter.

        Eine abweichende Interpretation als subfeliade zu bezeichnen, ist eine wackelige (weil unbeweisbare) Behauptung und reduziert den künstlerischen Akt auf die profane Darstellung eines hilflosen Vernichtungswunsches, der wiederum vielfältig interpretiert werden könnte, aber nur schwerlich eine andere Erkenntnisebene erreichte.

        Ob das jetzt „mieses Entertainment“ oder „schwache Kunst“ oder etwas anderes ist (das gilt auch für den Artikel), kann und soll dann jeder für sich selbst entscheiden.

        Ich denke, das »2. Bedauern« hat da eher geschadet als geholfen.

    1. Naja, die Möglichkeit, im Sommertheater könnten die Ukrofaschos 10 k Ratten aus der „Koalition der Willigen“ platt machen, weil die ihnen die Pfründe streitig machen, gibt mir glatt Widerstandskraft gegen’s Verrecken.

      Unter anderem, natürlich.

  1. Also wenn man auf den Corona-Diskurs hinaus will: der hatte sich auch irgendwann mal abgenutzt und zudem ging es gleichzeitig zu Beginn von Corona um Leben und Tod. Da kann man nicht unbedingt erwarten, dass alle mitlachen.

    Stand heute hören sich die Beschwerden aber immer noch so an, wie die von vor 5 Jahren. Die gleichen Leute erzählen dann auch noch vermutlich in 20 Jahren, wie sie eine Maske tragen mussten. Traumatisiert von einem Fetzen Papier.

    Zur Diskursbreite an sich, die ist durchaus sehr variabel. Der Scheibenwischer wurde schon mal gecancelt. Dass alles erlaubt sei, das ist doch eine völlige Illusion. Als hätte es Arbeitsverbote, Rasterfahnung, Kommunistenverfolgung, Schwulenhass und all das nie gegeben. Abtreibung anyone? Ist in Deutschland immer noch illegal, wird nur nicht mehr bestraft.

    Drogenfrage?

    Komm hör auf mit den guten alten Zeiten, wo alle sich gern hatten und jeder alles durfte. Als Evangelischer wurde man in den 80ern noch von den Katholiken herabgewürdigt. Offenheit für Islam? Schon vom Krieg gegen den Terror gehört?

    Jetzt machen wir die wievielte Schleife vom Russenhass?

    Rassismus heute immer noch ein Riesenthema. Viel Spaß mit dunkler Hautfarbe in der Nähe einer Polizeistreife.

    Ich bin ja nicht dagegen all diese Themen zu besprechen und Kritik üben. Nicht falsch verstehen. Aber bitte doch nicht die gute alte Zeit herbei reden.

    1. Abgesehen von der wirklich dümmlichen und ignoranten Einlassung zu den Masken, stimme ich gerne zu.
      Die Konservativen möchten eben immer gerne zurück zu einer „guten alten Zeit“, die es so gar nie gab (wobei manchen die Vor-Merkel-Zeit mit weniger Ausländern und ohne Woke schon reicht, wie offenbar unserem @Wirth). Dass die Zeiten, in die diese Rückwärtsgewandten so gerne zurück möchten, soo schlecht aber auch nicht waren, war und ist massgeblich den Linken zu verdanken, die einiges, von dem die Konservativen bis heute profitieren, gegen den erbitterten Widerstand eben jener Konservativen, errungen haben.

      1. „Abgesehen von der wirklich dümmlichen und ignoranten Einlassung zu den Masken..“
        aha, alles, was nicht der eigenen Meinung etnspricht, wird gleich als dumm abgeurteilt.
        Wer ist denn hier ignorant?
        Ich habe dem Artikel auch nicht entnehmen können, dass früher ‚alles besser war‘!
        Hier wird lediglich darauf verwiesen, dass es Kabarettisten wie Hüsch, Schneyder, Hildebrand, Pispers, Schramm etc
        nicht mehr gibt auf der heutigen Bühne – vermutlich würden einige von ihnen von den meisten heute eh nicht mehr verstanden!
        Das gibt der autor zu bedenken!

        1. @Falke
          Es geht mir nicht um „Meinung“, sondern um medizinische Evidenz. Hinsichtlich dieser ist der kritisierte Einwand dümmlich und ignorant.
          Sichten sie entsprechende Publikationen, falls das ihre – vermutlich – vorgefasste (und hier tatsächliche) Meinung zu dem Thema zulässt.

        2. @Falke

          Pispers und Schramm fehlen in seiner Aufzählung

          die Erben eines Hildebrandt, Wecker, Wegener, Wader, Degenhardt, Biermann, Hoffmann, van Veen oder Brecht?

          Aber die personifizierte Schleimspur Biermann durfte nicht fehlen.

          Und Brecht gehört nicht in die Liste.

          1. Biermann nicht? Der war doch ein Comedian aus der Ostzone, oder? Hat immer und immer wieder dieselbe Nummer gebracht, wutschnaubendes Rumpelstilzchen vergewaltigt seine Gitarre, jault und grunzt dabei, und tritt ab.

            1. Aber der war doch im Widerstand gegen das blutrünstige Regime. Diese Diktatur, die jeden Tag Leute hinrichten lies. Ach nee, das war ja Saudi-Arabien und ist unser Freund, auch wenn Journalisten zerhackt und im Koffer verschickt werden. Man kommt da immer sooo leicht durcheinander.

              Peinlicher als Biermann selbst sind dann Parlamente, die den einladen und dann nach einem seiner Lieder so tun, als wäre da ein Inhalt. Also sich mit Biermann schmücken wollen ist schon so, als wenn du beim Bauern fragst, ob dir zur Hochzeit nicht eine Kuh auf den Kopf scheißen könnte. Wow, diese Aromen und das Brennen auf der Haut. Toll.

    2. Aber bitte doch nicht die gute alte Zeit herbei reden.

      Sehr gut, danke!

      Aus leidlicher Sentimentalität in der Rückschau eines gefühlten Verlustes – als wenn nicht jede Vergangenheit dazu bestimmt sei, verloren zu gehen – ist ein omnipräsentes Ressentiment der Gegenwart geworden, als sei das Jetzt unbezwingbar ins Endlose gestreckt.

      Es gilt weiterhin: Vorne ist vorne.

  2. Mit Schramm und Pispers sind die letzten Großen in’s innere Exil gegangen.
    Uthoff und von Wagner haben Potential, wurden aber gezähmt; das war 2020.

    Alle anderen machen kein Kabarett, sondern Comedy.
    Was der Unterschied ist? Beim Kabarett treten die Schwachen nach den Mächtigen, bei Comedy ist es umgekehrt.

    1. +++++

      Ja, Schramm und Pispers waren die letzten aufrechten kritischen Kabarettisten mit Biss.

      Was wir heute haben, Comedy, das sind nur noch Hofnarren auf niedrigstem Niveau.
      Devote Speichellecker der Mächtigen.
      Ihre erbärmlichen Auftritte der intellektuellen Selbsterniedrigung sind ein Beispiel dafür, wo unsere Gesellschaft hingenommen ist.

  3. Menschen ohne Humor können nicht lachen. Und Menschen, die nicht lachen können, sind sehr gefährlich, ja menschen- / lebensfeindlich. Mir fallen hierzu insbesondere etliche Damen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ein.

  4. Der Krieg um die Köpfe der Menschen ist längst vorbei.
    Alles (auch der Humor) wurde in Deutschland normiert, zertifiziert und in zeitgeistgerechte Happen aufgeteilt*.
    (*natürlich gendergerecht und feministisch-werteorientiert rund gelutscht)

    Wer gegen die (abermillionen) Regeln verstößt, ist vogelfrei und dessen Rechte werden von der Empörungsindustrie einkassiert. (canceln)

    Was heute richtig ist oder nicht, zeigt nicht das Licht, sondern der (rechtschaffend) aufgebrachte Mob in den (a)sozialen Medien. Dort ist die Heimstatt des Denkens und der Moral von Morgen. Wo (selbst)Gerechtigkeit ihren Anfang und Ende nehmen.
    7 Millionen Jahre Evolution, um eine perfekte Ideokratie zu schaffen………… (Das Universum hat einen echt perversen Humor)

  5. Es wurde schon gesagt, mit Hildebrand, Schramm und Pispers ist die echte Satire in Deutschland gestorben. Der Rest, jetzt Komiker wurde weich gespült von der Medialen Diktatur der ÖRR. Sonst drohen Auftrittsverbot und somit der finanzielle Ruin.

    1. Polt ist mir lieber. Der ist Poet.
      Politische Satire mit dem Zeigefinger ist mir nix. Spießerkram.
      Egal ob gestern Hildebrand oder das heute Mainstream Backpfeifengesicht mit Schmähgedicht ( jeder weiß wer gemeint ist).
      Einige werden jetzt protestieren dass ich beide im gleichen Satz nenne.
      Hofnarren.

  6. Humor ist ein scharfes Schwert

    Gelegentlich ist das so, da liegt der Autor wohl richtig und beschreibt gegenwärtige Kommunikation als Kriegsschauplatz, mit Bildern, Metaphern und dem Gefühle der 1950er Jahre – gut, die sind vorbei und werden sich nicht beschweren. Das macht der Autor – also das Beschweren, sowohl als Klage als auch der Gewichtszulage –, so dass er von sich selbst und seinem Verlust niedergedrückt ist und glatt vergisst, warum er begonnen hat.

    Aber vielleicht ist dort der Humor – die feine, scharfe, hintergründige Ironie – verborgen und Herr Langemann hat vergessen, dass niemand mit ihm verstecken spielen wollte.

    Vielleicht wollte er einfach alle entwaffnen.
    Das ist ihm gelungen.
    Keiner hat gelacht.

  7. Ich kann den Langemann als Konservativen gut verstehen was er meint.
    Aber diese Zeiten sind für immer vorbei, weil diese Gesellschaft sich in einer irreversiblen Autodestruktion befindet.
    Außerdem gibt es nun für einen Großteil der Gesellschaft überhaupt nichts mehr zu lachen.
    denn, lachen tun nur noch die Reichen, aber über UNS und das Bild sprich Bände.

    1. Klar kann man ihn verstehen.
      „Jammern über fehlenden Humor.“ DAS ist DIE Quintessenz des Konservativen.
      Ich find’s amüsant.
      Allein da bin ich wohl der Einzige, weil es wohl nicht so gemeint war.
      Schade.

      Was die Humorlosigkeit der gierigen Reichen angeht: Sie sind dennoch lächerlich und das sollte man ihnen zeigen…

      1. Reiche schießen mit ihren Flinten in Afrika auf vorbeitreibende Leichen im Fluss und lachen sich scheckig dabei.
        Hab ich selbst gesehen….das meine ich wenn sie über uns lachen.

        1. Glaube ich auf’s Wort.

          Aber Topik hier ist doch »Humor« und nicht „Sarkasmus“.
          Und wer auf Tote ballert und dabei lacht: In ihrer Hässlichkeit eben lächerlich.

  8. Guter Artikel.
    Ist schon bezeichnend, dass es heute Leute gibt, die sich als Kabarettisten verstehen und für die Regierung und die Mächtigen sprechen.
    Für meine Begriffe ein „No go“.

    Auch hier hat man also ein Milieu, das früher einmal unbequem war, zuerst abhängig gemacht, dann finanziell verwöhnt und schließlich unter Kontrolle gebracht.

    Es gibt Tage, da kommt mir ein Mario Bath – so flach der oft ist – trotzdem kreativer und unangepasster vor als die meisten anderen im deutschen Fernsehen … Und ein anderes Format von ihm, die Sendung „Mario Bath deckt auf“, mag zwar letztlich harmlos sein, ist aber auf ihre Art recht kritisch.

  9. Die guten alten Zeiten… Wer kennt ihn denn noch, den Werner finckh? Ihn und seine berühmteste verlautbarung? Mit wie auch ohne Ergänzung um ein einziges Woertchen – aktuell wie nie.
    „Ich habe gesessen weil ich (nicht) gestanden habe!“

    1. Der hat – noch nach der Machtergreifung in den 30ern, bei mitschreibenden Uniformierten im Publikum – folgende Nummer gebracht:
      Er zeigt den Hitlergruß und fragt, was heißt das?
      Aufgehobene Rechte.

  10. Wir haben es mit GEWALT zu tun. Es könnten ja mal die Bussifizierten in der Ukraine versuchen, wie scharf das „Schwert“ Humor wirklich ist. Mal herzlich lachen, noch ein feines Witzlein erzählen, gar den tödlichsten Witz der Welt, dann können sie wieder nach Hause gehen? Was sind die nächsten scharfen Schwerter – mal wieder ausschlafen? Schön spazierengehen? Origami?
    Ich bin diese ständigen Unterschätzungen der Lage ganz schön leid. Lustig sind sie übrigens auch nicht.

  11. Man sollte den Markus Langemann nicht falsch verstehen:

    Und unwillkürlich fragt man sich: Wo sind sie geblieben, die Stimmen, die einst mahnten, die mit Witz und Poesie protestierten? Wo sind die Kabarettisten, die filetiert gegen den Mainstream ansingen, die Eulenspiegeleien der Macht entgegenstellen – die Erben eines Hildebrandt, Wecker, Wegener, Wader, Degenhardt, Biermann, Hoffmann, van Veen oder Brecht?

    Pispers und Schramm beispielsweise fehlen nicht aus Zufall, sondern aus Gründen:

    „Wir stehen vor der Wahl: Wollen wir Humor als Betäubungsmittel oder als Aufrüttler? Wollen wir Kunst, die Denken erweitert, oder nur Sprachmüll, der Nachdenken vertreibt? Eine Gesellschaft ohne Poesie verarmt, eine Demokratie ohne radikal entwaffnenden Humor verkommt.

    Vielleicht ist es Zeit, nicht nur die großen Namen zu beschwören, sondern das Vakuum zu benennen, das ihr Schweigen oder ihr Fehlen hinterlässt. Wer erhebt heute noch die Stimme, wagt das Lied, das spottet, die Satire, die beißt, das Gedicht, das gegen das Gewohnte anschreibt? Wenn wir zulassen, dass Kunst zur Dekoration schrumpft, haben wir die letzte Front verloren – die Front, an der Wahrheit noch im Kleid des Lachens überleben kann.“

    1. Man sollte den Markus Langemann nicht falsch verstehen

      Ich weiß nicht, ob dem humorlosen, weil nicht humorisierten, Publikum auch noch die Aufgabe des betreuenden Denkens aufgeladen werden sollte.

      Nicht, dass es das nicht auch könnte.

  12. An Bord des Luxusliners arbeiten nur noch Roboter. Und die wirklich vermögende Passagiere haben auch nur ihre Roboteravatare einchecken lassen, und schauen sich die Vorführung in ihren sicheren Luxusatombunkern an.
    Und der Langemann hatte gedacht, er hätte eine alte Reservierung für die 1. Klasse nach 5 Jahren Corona und Kriegswahnsinn noch irgendwie durchschummeln können. Feiner Anzug, gut rasiert, der beste Duft aus dem Vorjahr.

    Die Änderungen im Programm und den AGB des Kapitalismus hat er dummerweise übersehen, und schwups haben sie ihn in den Bauch des Schiffes geworfen aber leider keine Lampe mit in den Kohlenkeller gegeben. Wie soll er dort die Plakate an den Wänden lesen?

    Bei Licht stünde da : KLASSENKAMPF FÜR ANFÄNGER.

    freedom is another word for nothing left to loose………….

  13. Ein kluger Kerl, der Markus Langemann (wenn bloß das KI-Bild nicht wäre…).
    Er zählt gut auf, sogar den Brecht, und trotzdem fehlen mir noch einige ältere… (Matthias Beltz unvergessen)

    ZWEI aktuelle, quicklebendige sind unbedingt nachzutragen:
    — Martin Sonneborn – hat sich seine Nische „Die Partei“ geschaffen, in der er laufend weiter gute Stücke bringt!
    — und DIE Intervention zu unserem Thema von Christine Prayon: „Birte spielt nicht mehr mit“ — https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/639/birte-spielt-nicht-mehr-mit-8943.html

    Doch das KI-Bild ist ja sogar auf dem Scheißhaus eine Zumutung!

  14. Da kann man ja rückwirkend feststellen, dass das gute Zeiten waren, als man mit Humor noch etwas bewirken konnte. Natürlich vermisse ich die, aber im Moment ist einfach Sense. Die armen Jecken tun mir leid, die dann trotzdem irgendwelche Witze machen müssen.
    Früher gab es den Freitagnachmittag im Telepolis-Forum. Lagerübergreifend durfte und sollte man gehobenen Blödsinn von sich geben. Aus und vorbei. Die Zeiten sind zu hart.
    Auch wenn das jetzt ziemlich endgültig aussieht: ist es nicht. Irgendwann kommt er wieder der Humor. Die Restdeutschen sollten sich bemühen, dass nicht die Bayern wieder dominieren.

  15. Wie sagte schon der große Theater-Mann, Autor vieler Bühnenstücke (und darauf basierend Filmen) und Schauspieler Curt Goetz?:

    Humor ist nicht erlernbar. Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein großes Maß an Herzensgüte voraus, an Geduld, Nachsicht und Menschenliebe.

  16. Leider hat das Gsatzl „wenn die Zeiten schlechter werden, wird das Kabarett besser“ keinen Bestand mehr.
    Ob wir uns wieder auf Zeiten zubewegen (mit Etappen – Auftrittsverbot- Debanking) zu Humor mit Todesfolge –
    A Hitlerbild hamma noch, stell mas an die Wand oder häng mas gleich auf..

  17. Ich kann dem Artikel nur zustimmen. Unsere Meinungsfreiheit wird zunehmend eingeschränkt, kritisches Denken und Satire werden verharmlost oder zum Schweigen gebracht. Gerade in einer Zeit, in der politische Verantwortung oft ignoriert und Fehlentscheidungen verschleiert werden, ist es gefährlich, wenn humorvolle, kritische Stimmen keinen Raum mehr bekommen. Die derzeitigen Altparteien haben den Blinker völlig falsch gesetzt, und genau deshalb zeigt der Artikel zu Recht, wie wichtig es ist, dass Kabarett, Satire und Poesie ihre Funktion als gesellschaftlicher Weckruf behalten.

  18. Herzstück des politischen Kabaretts ist die Endtarnung. In Zeiten, in denen offensichtlich ist, was alles schief läuft, und die Realität immer grotesker erscheint, hat Satire kaum noch Punkte, wo es ansetzen und Wirkung entfalten kann.

  19. Viele der Gutmenschen haben noch nicht gemerkt, daß sie nolens volens zu den Schlechten geworden sind. Sie glauben immer noch sie täten Gutes, verrichten aber das Werk des Teufels. Wenn man über sie lacht, können sie nicht mitmachen, sondern schwadronieren von Mikroaggression. Da fehlt dann Verstand oder Herzensgüte. Wer sagte doch gleich: Ich sage euch, fürchtet euch nicht. Ich mache auch mal eine Prophezeiung: In 25 Jahren gibt es immer noch alle Jahreszeiten, weder Holland noch Tuvalu werden untergegangen sein und meine Lieblingsbar wird voll sein und wir schauen den hübschen Mädels hinterher.

    1. Merkwürdiger Fatalismus.

      Aber Glückwunsch, dass Ihr »Wir« überlebt hat. Ob dieser Umstand das andere „Wir“, welches »schreckliche Diktaturen« nicht überlebt hat, trösten könnte?

      Wohl nicht. Ist allerdings egal. Denn die sind ja eh theatralisch tot und so schrecklich renitent untröstlich.

      Gruß an die fertil fokussierten Evolutionsgewinner von den Gutmenschen.
      (Es sind ja auch einfach alle »schlecht«, denn alle Überlebenden sind sowieso … Täter, Mitläufer, Profiteure?)

  20. Wenn heutzutage ein Alexander von Humboldt von einer Reise zurückkäme, würden tausende Nörgler meckern, modern und detailverliebt rechthaben wollen. Wie man an den nachfolgenden Texten erkennen kann.

    1. Also ich verstehe Sie nicht: Mosern über mosern?
      Setzen Sie dem textlich etwas entgegen, Eleganz, Heiterkeit, Nonchalance.

      Und als spaßiger Hinweis: Dem großartigen Humboldt eine Detailverliebtheit gegenüberzustellen ist schon lustig. Seine Neugier war wahrlich sehr breit gefächert, dennoch hatte er auch immer Sinn und Verständnis für die Details. Und er wäre sicherlich auch heute noch jedem Korinthenkacker mehr als gewachsen.

      Freundlicher Gruß.

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