
Lourdes, Fatima oder Altötting: Für katholische Christen sind es Orte göttlicher Wunder. Wer die Pilger-Orte besucht, ist gut beraten, auf eines zu verzichten: auf Vernunft und Verstand. Wichtig ist allein ein unerschütterlicher Glaube. Das ist der Schlüssel zum Heiligen Geist und zur ewig währenden himmlischen Glückseligkeit.
Madonnen, die blutige Tränen weinen, Menschen, die Jesu Leidensmale an Händen und Füßen tragen, Priester, die Sterbenskranke heilen und böse Geister austreiben – das alles klingt nach finsterem Mittelalter und ist doch Realität in der katholischen Kirche des 21. Jahrhunderts. Für gläubige Katholiken sind Wunder Zeichen göttlichen Wirkens. Ein Fingerzeig, ein Hoffnungs-Versprechen. Sie zeigen, dass Gott auch das Unmögliche möglich machen kann. Die Sehnsucht nach göttlichem Zauber, der über die rein nüchterne, wissenschaftliche Erklärung der Welt hinausgeht, ist zeit- und grenzenlos.
Seit Jahrhunderten verfügt die katholische Kirche über eine Fachabteilung für Wunder. Es ist die Selig- und Heiligsprechungs-Kongregation des Papstes. Hier prüfen Mediziner, Naturwissenschaftler und Theologen, welche Menschen in die heilige „Hall of frame“ befördert werden. Für den Prozess der Mitgliedschaft ist ein Wunder nötig, das auf die Fürsprache des Verstorbenen zurückzuführen ist. Die Ausnahme sind Märtyrer, die für ihren Glauben gestorben sind. Ist das nicht der Fall, wird es mit dem Wundern mitunter schwierig. In Grenzfällen hat der Papst das letzte Wort.
Das sogenannte „Martyrologium Romanum“, das „Who is who“ katholischen Spitzenpersonals, umfasst in einer 2004 zuletzt aktualisierten Ausgabe 6650 Selige und Heilige und mehr als 7400 Märtyrer. Ständig kommen neue Auserwählte hinzu. Allein Papst Franziskus (2013–2025) kanonisierte während seines Pontifikats über 900 Heilige. Den Rekord erzielte er im Mai 2013, als er an einem einzigen Tag 800 „Märtyrer von Otranto“ heiligsprach. Sie waren am 14. August 1480 während eines osmanischen Feldzugs hingerichtet worden, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören und zum Islam zu konvertieren. Aktuell umfasst das „Martyrologium Romanum“ rund 16 000 Heilige, Selige und Märtyrer. Weitere Aspiranten warten auf Aufnahme.
Zweifler und Ketzer
Mi den Wundern ist es freilich so eine Sache. Nehmen wir die »Marienerscheinung«: die Hälfte aller weltweit „bestätigten“ Erscheinungen haben bisher – warum auch immer? – vor allem in Frankreich und Belgien stattgefunden, vereinzelt auch in Polen und Tschechien. Warum die Mutter Gottes ausgerechnet in diesem Fleckchen des Globus immer wieder eine Stippvisite gemacht hat, wissen selbst die Wunder-Advokaten nicht so recht. Sei‘s drum! Wer sich auf die Suche nach Antworten macht, ist wie bei allen Wunder-Recherchen ohnehin gut beraten, auf eines zu verzichten: auf Vernunft und Verstand. Wichtig ist allein ein unerschütterlicher Glaube. Das ist der Schlüssel zum Heiligen Geist und zur ewig währenden himmlischen Glückseligkeit.
Wer nicht an göttliche Wunder glaubt, muss heute nicht mehr mit Ausschluss und Verdammnis fürchten. Vorbei die Zeiten, als die katholische Kirche den Wissenschaften argwöhnisch fasziniert beim rationalen Denken zusah – und versuchte zu entschlüsseln, was es damit zum Teufel auf sich hat. Dass es ihre eigenen Ansprüche auf Welterklärung in Frage stellt, leuchtete ihr von Anfang an ein. Daher warf die heilige Kirche Wissenschaftler – als Ketzer, Zweifler und abtrünnige Denker gebrandmarkt – in Kerker, schickte sie in die Verbannung oder gleich auf den Scheiterhaufen.
Maria und die Hot-Spots der Wunder
Heute müssen Ungläubige und Gläubige – zumindest in unseren Breitengraden – miteinander auskommen. Die Kirche verliert an Einfluss, Deutungsmacht und Mitgliedern. Doch am Wunder-Monopol halten die Glaubens-Advokaten fest. Der Pilger-Markt ist eine verlässliche Geldmaschine. Hotellerie, Gastronomie und Devotionalien-Handel bilden eine lukrative Dreifaltigkeit.
Und so gibt es nah und fern zahlreiche Wunder-Hotspots, zu denen die hoffnungsfrohe Christenschar unaufhörlich strömt: ins bayerische Altötting, dem bedeutendsten Marienwallfahrtsortes im deutschsprachigen Raum, wohin jährlich rund eine Million Pilger kommen, um der sogenannten „Schwarzen Madonna“ ihre Sorgen und Nöte mitzuteilen, aber auch ihren Dank zu überbringen. Ins südfranzösische Lourdes zieht es Hunderttausende, wo im Jahr 1858 Bernadette Soubirous nahe einer Grotte mehrfach die Gottesmutter Maria erschienen ist oder nach Loreto, dem Wallfahrtsort in Italien, wohin der Legende nach Engel das „Heilige Haus“ trugen, in dem Maria, die Mutter Jesu, geboren wurde und gelebt haben soll. Im Ranking der Wunder-Hotspots behauptet sich auch Tschenstochau auf den vorderen Plätzen, so etwas wie das katholische Nationalheiligtum Polens. Hier wird seit dem Jahr 1384 das Bildnis einer weiteren „Schwarzen Madonna“ verehrt. Ebenfalls Fatima in Portugal, wo Maria am 13. Mai 1917 drei Hirtenkindern erschien und sich ein Sonnenwunder vor zehntausenden anwesenden Menschen ereignet hat. Fatima zählt mittlerweile zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche.
Wir dürfen festhalten: Maria war eine umtriebige Frau, eine rastlose Globetrotterin. Landauf, landab ist sie den frommen Menschen ganz nahegekommen, hat sie selbst Ungläubige zu Gläubigen heilverzaubert, erschüttert und zu Tränen gerührt – vornehmlich in katholischen Gegenden, gerne in südlichen Gefilden. Gänzlich gemieden hat sie Nordeuropa, vielleicht weil es ihr dort zu kalt war. Maria jedenfalls ist ein Dauer-Hit im Wunder-Universum. Eine Hoffnungs-Spenderin, die, wo immer sie war und in Erscheinung tritt, Menschen in ihren Bann zieht. Sie alle dürfen auf göttliche Gnade, auf Heilung und Begegnung hoffen – auf ein Zeichen vom lieben Herrgott oder anderem himmlischen Tröstungspersonal. Der feste Glaube hilft dabei.
Mit neuen Normen gegen die Glaubens-Konkurrenz
Ob es eine Marienerscheinung tatsächlich gab, eine Statue wirklich Blut geweint hat oder eine Reliquie eine schwer kranke Person geheilt hat? Letztlich entscheiden darüber allein die Wunder-Kommission in Rom.
Vor zwei Jahren hat der Vatikan seine Richtlinien zur Bewertung von Wundern überarbeitet. Künftig will man die zahlreichen Wunder-Performances etwas skeptischer beurteilen. Dies geht aus einem Dokument hervor, das der Vatikan im Mai 2024 veröffentlichte. Angesichts einer Zunahme von „falschen Gerüchten und der Verbreitung von Fake News im Internet“ seien die derzeitigen Richtlinien aus dem Jahr 1978 nicht mehr sinnvoll und praktikabel, begründet die Wunder-Experten ihre Entscheidung, die Normen grundlegend zu überarbeiten. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Betrüger mit angeblichen Wundern oder sonstigen Phänomenen versuchen, Geld zu machen und Menschen zu manipulieren. Diese Risiken sollen mit den neuen Normen des Vatikans vermieden werden.
Es geht also darum, unliebsamer Konkurrenz energischer als bisher zu begegnen. In der digitalen Welt ist die Kern-Kompetenz in Sachen Wunder neuer Herausforderungen ausgesetzt – es gilt zu handeln. So soll es künftig sechs differenzierte Kategorien zur Beurteilung übernatürlicher Phänomene geben. Im günstigsten Fall wird ein „angebliches“ Wunder mit der Kategorie „Nihil obstat“ (zu Deutsch etwa: „Es steht nichts entgegen“) bewertet. Das bedeutet den Angaben nach, dass es zwar keine Gewissheit über die übernatürliche Echtheit gibt, aber doch Anzeichen für ein Wirken des Heiligen Geistes. Die Gläubigen dürfen das Phänomen ohne Weiteres verehren und würdigen. Die restlichen fünf Kategorien beschäftigen sich mit allerlei Grauzonen, die letzte Kategorie sieht jedoch vor, ein Phänomen klar als nicht übernatürlich zu betrachten. Phänomene werden zunächst vom lokalen Bischof in die Kategorien eingeteilt, der Vatikan trifft jedoch nach wie vor die endgültige Entscheidung. Und der Papst.
Die katholische Kirche unterscheidet nun also zwischen echten, zweifelhaften und unechten Wundern. Das ist so, als erfänden Hütchenspieler ein Hütchenspieler-Gütesiegel. Partielles Irresein – fein gestaffelt – als „göttliche Erleuchtung“ zu verkaufen, bleibt so auch zukünftig ein lukratives Geschäftsmodell der katholischen Kirche. Weitere Innovationen warten im „Supermarkt der Wunder“ auf Umsetzung. So könnte die Pilger-Community ihren Herrgott via WhatsApp um Gnade und Erleuchtung bitten. Vorteil: die oft beschwerliche Reise nach Lourdes, Fatima oder Altötting entfällt. Göttliche Wunder könnten so ganz ohne Reise-Stress auf den frommen Follower niederkommen. Ein Halleluja auf die Öko-Bilanz – und ein Hosianna auf die heilige Mutter Gottes.




ich lache mir einen Ast! das Internet ist voll von Heilsbringern, sog. coaches, Quacksalbern aller Art; viele Menschen lassen sich von Mobiltelefonen, Fitnessuhren, chatbots und demnächst Robotern und Hologrammen an der Nase herumführen und Helmut Ortner erinnert uns an die Urmutter der Spiegelkabinette. popcorn, pleez!
@DaBada
Stimmt, die „neuen Religionen“ gehören auch mal an den Pranger gestellt, aber schauen Sie sich mal die Vita von Helmut Ortner an – er ist auch nicht mehr das jüngste Semester – ergo kann er neue Entwicklungen nicht auf dem Schirm haben.
Übrigens es gibt jüngere säkulare Religionskritiker, aber leider können die auch enttäuschen – mich z.B. als säkularem friedensbewegten Religionslosen – es gibt einen Philosophen namens Michael Schmidt-Salomon, der leider in punkto Kriegstreiberei den Kirchen in nix nachsteht.
Schade, aber so ist wohl die menschliche Natur, und das schreibt einer der jüngere Humanisten, Freidenker und sonstige „Gottlose“ durchaus einmal zu schätzen wußte – leider in oben erwähntem Punkt sind manche kein Deut besser als die großen Kirchen und Religionen.
Trauriger Gruß
Bernie
Lieber Bernie,
ja, als eher Sprachbeheimateter, denn Nationalbeheimateter habe ich es schwer, die Spiritualakrobaten und die angeblich kritischen, vermeintlich gottlosen, Theoretiker und Innen, die doch dem mRNA – Gott und dem Klima – Gott huldigen, zu verstehen.
die Milei -besoffenen Geld – und Nationalknechte verstehe ich auch nicht. es wird eng in der geleerten Republik des freien sich Begeisterns.
mit verständnisvollem Gruß
DaBada
Jede konfessionell verursachte Geisteskrankheit, wird durch den reglementierten, instititutionalisierten Aber-GLAUBEN, hervorgerufen. Mein Credo: „Religion, ist nicht Opium fürs Volk, sondern Gift für die Welt – statt Religionsfreiheit, Freiheit von Religionen!
So lange es Religionen gibt, wird es auch immer Krieg geben..
Eine, alte Weisheit, der 68er Genossen, als Linke noch links waren.
Stimme zu, aber der Satz gehört ergänzt durch Ideologien – siehe Krieg Iran USA heute – oder Ukraine und Russland…..z.B.
@Helmut Ortner
Guter Text.
Dazu passend etwas von Hugo Stamm – dem Sektenblog bei watson.ch:
„[…]Sektenblog
Die Bibel ist kein brauchbares Zeugnis für die Existenz Gottes
Die «Heilige Schrift» ist die einzige Quelle, die auf den christlichen Gott hinweist. Sie ist aber nicht glaubwürdig.[…]“
Link:
https://www.watson.ch/blogs/sektenblog/875637357-die-bibel-ist-kein-brauchbares-zeugnis-fuer-die-existenz-gottes
Übrigens seit der berühmten Epoche der Aufklärung, im Jahrhundert von Voltaire, Kant, Rosseau, Hume usw., keine neue Erkenntnis – Hugo Stamm erinnert nur mal wieder daran, dass das angebliche „Wort Gottes“ von Menschen geschrieben, verfasst und zusammengesetzt wurde – nicht von einem imaginären Wesen namens „Gott“ „Jahwe“ – oder wie auch immer „Gläubige“ dieses seltsame Wesen bezeichnen.
Eigentlich ist längst eine Aufklärung 2.0 von Nöten, aber nicht nur bei christlichen Wundern sondern bei allem „neuen Glauben“ den es heute – auch jenseits der alten Religionen -gibt.
Was Wunder angeht, da hat Herr Stamm auch was aktuelles dazu geschrieben, aber da soll jeder mal selbst danach recherchieren – kleiner Tipp es gibt – neben Franz von Assisi – nun einen „neuen“ Heiligen in Assisi – einen „gläubigen Influencer“ – kein Witz, aber recherchiert mal selber nach diesem Jungen, der heute in Assisi für die neuen Generationen als „Reliquie“ herhalten muss – auch kein Witz, leider, aber seine (gläubigen) Eltern haben dem ja zugestimmt.
Hat nicht Albert Einstein mal folgende gesagt?
„Zwei Dinge sind unendlich – das All und die menschliche Dummheit….“
Sarkastischer Gruß
Bernie
Nun setze ich mich wahrscheinlich zwischen alle Stühle. Ich messe das elektrische Feld , was außer mir niemand macht. Gibt es das überhaupt? Wikipedia rettet mich.
https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrostatisches_Feld_der_Erde
Nun wird da gesagt, dass die übliche Feldstärke bi 130 Volt pro Meter. Aber in Mariaweiher habe ich 2000 Volt/Meter teilweise bis zu 3000. Dasselbe in 14 -Heiligen aber negatives Feld. Was daszu bedeuten hat, keine Ahnung, was das zu bedeuten hat.
Welche Feldmühle hast du in Gebrauch. Gib es einen Tip? Das Thema ist jedenfalls spannend, nur möchte ich keinen Tausender für Warmbier ausgeben.
Die katholische Kirche versteht unter einem Wunder ein außergewöhnliches Ereignis, das die Wissenschaft nicht erklären kann.
Das heißt, je weniger Wissenschaft erklären konnte, umso mehr Ereignisse konnte die katholische Kirche als Wunder anerkennen.
Mit anderen Worten, je mangelhafter der Stand der Wissenschaft ist, umso weniger Ereignisse kann sie erklären und umso mehr Ereignisse bekommen von der Katholischen Kirche das Prädikat »Wunder«.
Umgekehrt gilt, je vollkommener der Stand der Wissenschaft ist, umso mehr Ereignisse kann sie erklären und umso weniger Ereignisse erhalten das Prädikat »Wunder«, beziehungsweise umso mehr Ereignisse die vorher als »Wunder« akzeptiert wurden, verlieren dieses Prädikat.
Ich denke, irgendwann werden alle »Wunder«, ebenso wie die Begegnungen mit Ausserirdischen, von der Wissenschaft als Schwindel entlarvt .
Lasst diesen Menschen ihren Glauben. Solange sie andere nicht (gewaltsam) bekehren wollen und in Ruhe lassen, ist das ganze als kulturelle Tradition doch auch in Ordnung. Natürlich waren „Wunder“ auch früher schon ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor. Gefährlich wird es erst, wenn eine fanatische Exklusivität dazu kommt.
Auch hier sind die kläglichen Versuche einer Ecclesia romana vom siegreichen Kapitalismus als stümperhaftes Laienwerk entlarvt worden. In den Finanzmärkten sind nämlich Vernunft und Wunderglaube eine finale Synthese eingeangen (da ist dann auch der Autor überzeugt?!).
Dass dieses System das einzig rationale ist, wird vom kleinen Mann auf der Straße (gegen Kritiker: sei doch vernünftig) bis zum Hochschullehrer (Wirtschaftswissenschaften) unermüdlich und unwidersprochen betont und demonstriert. Und tatsächlich hat der ganze Irrsinn im Zwangsrahmen der staatlich betreuten Geldwirtschaft auch tatsächlich seine Notwendigkeiten, ist ‚ergo‘ ‚vernünftig‘.
Zugleich gelingt aber tagtäglich das Wunderbare: in der exponentiellen Geldvermehrung in den Händen der wenigen wirklich Berufenen, die deshalb als Billionäre auch keine Priester sein wollen, sondern in einem gottgleichen Status bewundert werden. Wenn aus Luftbuchungen und Schulden immer neue Ansprüche auf wachsende Renditen generiert werden und kein Bezug zur realen materiellen Produktion mehr akzeptiert wird, ist das nicht wunderbar? Und es ist vernünftig, da könnt ihr fragen, wen ihr wollt. Beweis: Wenn diese Wunder der Geldaufblähung mal nicht mehr klappen sollten, dann müssen wir als abhängige Variablen allesamt kläglich krepieren. Deus vult!
Da hat der Autor schon recht: klägliche Trickbetrüger die Katholen, die zugunsten der einzig wahren Kultpraxis, der Geldvermehrung, abschwören sollten. Die Kollegen vom Lutherischen sind da schon weiter, lassen den alten Brimborium von Wunder und Reliquien bleiben und begleiten ihren konstruktiven Zuspruch zum freien Markt mit ein bisschen dünner Moralsoße und Herrscherlob (das wäre dem Autor lieber?! Ich frag ja nur, bin mir aber gleichwohl ziemlich sicher). Kein Wunder also, um beim Thema zu bleiben, dass die Evangelen eine viel bessere Presse haben. Das auch in diesen Bekenntnissen recht gut etablierte Kinderschänden z.B. konnten sie lässig als Schandfleck der anderen Konfession von sich abperlen lassen mit Hilfe staatstragender Medien, nur die Opferverbände maulten noch ein wenig… Fast ein Wunder!
Guten Morgen.
Sorry für diese Sammelantwort (falls es Diskussionsbedarf gibt, sonst wäre ich hier jetzt ausgefünft):
@ Adel verpflichtet:
Kollektive »Religion« (als Gruppenbildung mittels Selbstidentifikation durch Ein- & Ausgrenzung) ist da allerdings ein Symptom, so wie »Krieg« ein Modus Operandi und nicht Ursache, Korrelation und nicht Kausalität ist.
@ Bernie:
Die Sehnsucht nach einem universellen und allgegenwärtigen »Pranger« ist allerdings auch eine Religion, zumindest wird es religiös praktiziert, da auf Schuld und deren Tilgung fokussiert wird und nicht auf Ursachenforschung und -lösung.
@ Artur_C:
Dass es geografisch unterschiedliche Feldstärken gibt, ist allseits bekannt, in wie weit diese lokal geologischer Natur sind…
Beachtlich ist, dass eine göttliche oder heilige Präsenz mit einer Art Wetterfühligkeit verwechselt wird.
@ henio:
Die Abwesenheit einer naturwissenschaftlichen Erkenntnis ist niemals ein Beweis für ein Wunder, denn ein Wunder ist eine selektiv nützliche Abkürzung der Herrschaft weniger und keine Erklärung. Da macht es auch nichts, dass Mensch aufgrund der Begrenzung von Sensorik, Kognition-Vermögen und Zeit sicher nie alles verstehen oder erklären wird können. Manchmal ist es auch fein, sich einfach nur zu wundern.
@ Zwischenruf:
Alles, was mit Geld oder sonstigem virtuellen Werten zu tun hat, ist reiner Glaube, und Finanzsysteme sind die Materialisierung eines kollektiven (Aber-) Glaubens. Und so, wie es in der europäischen Aufklärung nicht möglich war, das Christentum vollständig zur Disposition zu stellen, ist es aktuell nicht möglich, denn Geldglauben loszuwerden. Es wäre aktuell für die Menschen das gleiche, wie zu versuchen, ein Herz zu amputieren…
@allen:
Einen angenehmen Wochenstart.
Das „Neue Testament“ wurde von den Römern nach deren Eroberung von Judäa geschrieben. Die „Kirchenväter“ haben schon das Meiste der kunstvollen theologischen Konstruktionen von den durch Josephus und Titus angeführten besten Köpfen ihrer Zeit nicht mehr verstanden. Nur noch die Gnade, die Clementia Caesaris original von Julius Caesar als genialste Idee aller Zeiten für einen synthetischen Gott wurde fokussiert. Und praktischerweise erweist sich dieser Gott am Ende des „Neuen Testaments“ beim letzten Frühstück am Strand auch noch als identisch mit dem Kaiser.
„Alle Religionen führen den Frieden auf den Lippen und den Dolch im Rücken!“ S. King ; Glaube wenig, denke selbst!
@El-G
Sie schreiben:
„[…]Die Sehnsucht nach einem universellen und allgegenwärtigen »Pranger« ist allerdings auch eine Religion, zumindest wird es religiös praktiziert, da auf Schuld und deren Tilgung fokussiert wird und nicht auf Ursachenforschung und -lösung.[…]“
Gut vielleicht war der Begriff nicht gut gewählt, aber man sollte die auch mal öfters skeptisch untersuchen zumal – wie einst Einstein bemerkte s.o.
Säkularer Gruß
Bernie
Helmut Ortner hat übrigens „das neueste Wunder“ von Assisi noch nicht auf dem Schirm – heute mal recherchiert und hier von mir reingestellt – zum Darüber nachdenken:
„[…]Sektenblog
Mit der Heiligsprechung eines jungen «Cyber-Apostels» lockt der Vatikan Junge an
Carlo Acutis war ein junger Influencer, der 2006 mit 15 Jahren verstarb und am vergangenen Sonntag im Eiltempo heiliggesprochen wurde.
Hugo Stamm
Der Glaube an Wunder ist noch tief in der katholischen Kirche verankert. Dieser Anachronismus gehört auch in der Neuzeit zu einem zentralen Pfeiler ihrer Lehre und mancher Praktiken.
Die Heiligsprechung des verstorbenen Teenagers Carlo Acutis am 7. September durch Papst Leo XIV. im Vatikan erinnert uns daran, dass der reine katholische Glaube nach wie vor von einem kindlichen Geist beseelt ist.[…]“
Link und kompletter, sehr interessanter, Text hier:
https://www.watson.ch/blogs/sektenblog/623341178-heiligsprechung-eines-jungen-cyber-apostels-im-vatikan
Säkularer Gruß
Bernie
@ Bernie:
Ja, natürlich ist es zwingend notwendig, sich um die Demaskierung @DaBadas »neue Religionen« zu kümmern, doch es darf nicht dabei bleiben, die falschen Propheten der Selbstausbeutung hinzuhängen, sondern vor allem leicht verständlich herauszustellen, warum sie psychologisch funktionieren sowie wozu & für welche Absichten sie agieren.
Man stelle sich da bspw. ein Feature vor, wo einfach mal aus dem Off die ersten 15 min. von Neu-Religionen-Events wie »Hölle der Löwen« präzise und amüsant kommentiert werden. Da werden sog. „erfolgreiche Investoren“ als neue Priester der kapitalistischen Akkumulations-Erlösung gehuldigt, die für ihr Tun teilweise sogar vorbestraft sind (*Schenkel klopf*).
Eine meine Lieblingsmerkwürdigkeiten im Alltag sind Leute, die auf ihr Handgelenk schauen und selbstbezichtigend beichten, dass sie noch soundsoviel tausende Schritte zu tätigen hätten, oder mit einem gerührten Blick verkünden, dass sie ihr „Soll“ von 10,20, 30 K Schritten am Vortag übererfüllt haben. Sie sehen eine Zahl und sind selig, statt in ihren Körper hineinzufühlen und ein wenig die wohlige Erschöpfung zu genießen, die es erspart, ohne allabendlichen „Runterkommer“ (Glas Bier oder Wein oder sonstiger Drogen), gut schlafen zu können.
An einer Stelle denke ich, dass Sie falsch liegen: Diese Schwäche, sich von diversem Unfug verführen zu lassen und diesem hinterher zu laufen, ist nicht »die menschliche Natur«, sondern das Ergebnis mentaler Züchtung und alltäglicher Konditionierung. Wenn es die Natur wäre, wäre unsere Diskussion hier doch auch nur eitle Selbstbeweihräucherung. 😉
In der Natur des Menschen liegt das Bedürfnis nach Orientierung, Zugehörigkeit und Bedeutung sowie sehr wenig Wissen über die Welt, wenn er in sie hineingeworfen wird, aber ein riesiges Potential an Erkenntnis.
In diesem Sinne einen säkularen Gruß zurück.
El-G