Gegen die Wehrpflicht: Staatsbürgerliche Pflichten und ihre legitimen Grenzen

Nein zur Wehrpflicht!
Giftzwerg 88, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Debatte um eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht wird lauter – doch was bedeutet es, wenn ein Staat das Leben seiner Bürger beansprucht?

Moderne Staaten beruhen auf einem Gefüge von Rechten und Pflichten, die das Zusammenleben ordnen: unter anderem Steuerpflicht, Schulpflicht, die Einhaltung der Gesetze. Diese Pflichten sind sinnvoll und begründbar, weil sie das Funktionieren einer politischen Gemeinschaft sichern, die wiederum den Einzelnen schützt. Doch nicht jede staatliche Forderung lässt sich in diese Logik einfügen. Es gibt Grenzen, jenseits derer der Staat nicht mehr Garant individueller Freiheit ist, sondern zu deren potenziellem Gefährder werden kann. Die Wehrpflicht markiert eine solche Grenze besonders klar.

Die Wehrpflicht als unzulässiger Zugriff auf das Leben des Einzelnen

Die Wehrpflicht fordert etwas, das kein Staat moralisch verlangen darf: die Bereitschaft, das eigene Leben für staatliche Zwecke zu riskieren. Eine Befolgung dieser Pflicht wie auch die Akzeptanz ihrer zugrunde liegenden Logik erscheinen kaum gerechtfertigt. Ihre Idee wirkt nicht nur anachronistisch, sondern auch deshalb absurd, weil sie den historischen Erkenntnisgewinn über die zerstörerischen Folgen des Krieges fortlaufend ignoriert und damit versucht, ein überholtes Prinzip künstlich funktionsfähig zu halten. Indem sie die Weiterentwicklung gesellschaftlicher Einsichten ausblendet, trägt sie dazu bei, dass Menschen ihre eigene Geschichte immer wieder ignorieren. Die Ablehnung der Wehrpflicht bedarf daher keiner gesonderten Begründung; sie entspringt dem menschlichen Bedürfnis, Leben zu bewahren und aus erlittenen Erfahrungen Fortschritte abzuleiten. Dennoch wird die Auseinandersetzung mit ihr erneut notwendig.

Die Vorstellung, ein Mensch schulde einem Staat militärische Opferbereitschaft, hat historisch unermessliches Leid zwischen Staaten hervorgebracht. Sie hat Generationen geopfert, politische Fehlentscheidungen legitimiert und Konflikte verlängert, die ohne die Verfügbarkeit von Menschen als Ressource kaum denkbar gewesen wären. Dass diese Idee heute wiederkehrt, wirkt weniger wie politische Notwendigkeit als wie die Wiederbelebung eines Denkens, das längst überwunden schien – und dessen Folgen hinreichend bekannt sind.

Philosophische Perspektive: Die Unverfügbarkeit des Lebens

Philosophisch betrachtet berührt die Wehrpflicht einen Kernpunkt moderner Ethik: die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens. In der Tradition Kants ist der Mensch niemals Mittel, sondern stets Zweck an sich. Eine Pflicht, das eigene Leben zu riskieren, widerspricht diesem Grundsatz fundamental. Sie verwandelt den Bürger in ein Instrument staatlicher Interessen – und genau darin liegt die moralische Grenzüberschreitung. Rhetorische Bemäntelung – ob als „Dienst am Vaterland“ oder „Verantwortung für die Gemeinschaft“ – ändert nichts an dieser Struktur. Sie bleibt übergriffig und anmaßend – und damit unethisch.

Politische Realität: Die Interessen hinter der Fassade

Die offizielle Begründung der Wehrpflicht – die Verteidigung des Staates – hält einer nüchternen Analyse selten stand. In der Realität werden nicht die Bürger geschützt, sondern die Interessen politischer und wirtschaftlicher Eliten. Nationale Appelle, Pathos und Pflichtrhetorik dienen als Fassade, um Entscheidungen zu legitimieren, deren Konsequenzen nicht diejenigen tragen, die sie treffen.

Diejenigen, die am lautesten Opferbereitschaft einfordern, sind erfahrungsgemäß die letzten, die ihr eigenes Leben dafür einsetzen. Diese Asymmetrie ist kein Zufall, sondern strukturell: Macht schützt sich selbst, nicht die Menschen, die sie tragen sollen.

Diese Dynamik ist im Übrigen kein nationales Phänomen, sondern ein wiederkehrendes Muster politischer Macht in unterschiedlichen Staaten und Epochen.

Freiwilligkeit als Problem, nicht als Lösung

Die Ablehnung der Wehrpflicht bedeutet jedoch nicht, dass Menschen „freiwillig“ ihr Leben in bewaffneten Konflikten verlieren sollten. Auch die Freiwilligkeit entlastet das Prinzip Krieg nicht. Sie verschiebt lediglich die Verantwortung vom Staat auf das Individuum, ohne die Logik des Krieges selbst zu hinterfragen.

Wenn Krieg als politisches Mittel eingedämmt werden soll, beginnt dies nicht erst auf der Ebene staatlicher Institutionen, sondern auf der Ebene individueller Entscheidung. Eine bestenfalls globale, menschliche Verweigerung, sich für politische oder ökonomische Interessen zu opfern, wäre der konsequenteste Schritt, um das Prinzip Krieg selbst zu delegitimieren – nicht aus naiver Friedenssehnsucht, sondern aus der Einsicht, dass aktuelle Konflikte selten von jenen verursacht werden, die sie austragen müssen.

In diesem Sinne ist Verweigerung kein privater Akt, sondern ein politischer: Sie entzieht dem Krieg seine elementare Ressource – den Menschen, der bereit ist, für ihn zu sterben.

Appell an die Verantwortung des Einzelnen

Eine ablehnende Haltung gegenüber der Wehrpflicht – und gegenüber dem Prinzip Krieg selbst – bleibt unvollständig, wenn sie sich auf Analyse beschränkt. Erkenntnis allein verändert nichts. Politische und gesellschaftliche Strukturen bestehen fort, solange Menschen sie durch Gewohnheit, Schweigen oder Resignation mittragen. Verantwortung wahrzunehmen, beginnt dort, wo Einsicht in Konsequenz übergeht.

In einer Zeit, in der komplexe Zusammenhänge oft vorschnell als „Verschwörung“ abgetan werden, ist es umso wichtiger, die Fähigkeit zur Unterscheidung nicht zu verlieren. Nicht jede unbequeme Wahrheit ist eine Verzerrung, und nicht jeder strukturelle Zusammenhang ist ein Hirngespinst. Die großen politischen und ökonomischen Mechanismen unserer Gegenwart bestehen aus vielen einzelnen „Puzzleteilen“ – jedes für sich unscheinbar, aber in ihrer Gesamtheit kaum noch als Zusammenhang zu übersehen.

Mut ist dabei kein heroischer Akt, sondern die Bereitschaft, intellektuelle Redlichkeit über Bequemlichkeit zu stellen. Mut bedeutet, sich nicht von der Lautstärke offizieller Narrative einschüchtern zu lassen, sondern die eigene Urteilskraft zu verteidigen. Mut bedeutet, sich nicht in die Rolle des bloßen Zuschauers zu fügen, sondern die eigene Stimme als Teil des politischen Raums zu begreifen. Viele, die sprechen könnten, schweigen. Gerade angesichts politischer Bestrebungen hin zu mehr Kriegstüchtigkeit stellt sich die Frage, warum nicht mehr Menschen widersprechen. Eine lebendige Demokratie braucht Beteiligung.

Eine Gesellschaft, die Krieg als politisches Mittel überwinden will, braucht nicht nur Institutionen, die Frieden verwalten, sondern Menschen, die ihn einfordern. Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – nicht im Sinne staatlich verordneter Pflichten, sondern im Sinne einer selbstbewussten, aufgeklärten Bürgerschaft. Menschen, die verstehen, dass politische Macht nicht im Abstrakten existiert, sondern aus der Summe individueller Entscheidungen entsteht.

Die Verweigerung, sich für Interessen zu opfern, die nicht die eigenen sind, ist kein Ausdruck von Schwäche, sondern von Mündigkeit. Sie ist ein notwendiger Schritt, um jene Strukturen infrage zu stellen, die Krieg immer wieder möglich machen. Und sie ist ein Beitrag zu einer politischen Kultur, die den Menschen nicht als Mittel behandelt, sondern als Zweck.

Die Wehrpflicht als Relikt ohne Zukunft

Die Wehrpflicht ist ein Relikt aus einer politischen Kultur, die den Menschen als Material verstand. In einer freiheitlichen Gesellschaft hat sie keinen legitimen Platz. Ein Staat, der seine Bürger respektiert, fordert nicht ihr Leben ein. Und eine Gesellschaft, die ihre eigenen Werte ernst nimmt, darf nicht erwarten, dass Individuen – ob gezwungen oder „freiwillig“ – ihr Leben für Interessen opfern, die nicht die ihren sind.

Die klare Absage an die Wehrpflicht ist daher mehr als eine politische Position: Sie ist ein notwendiger Schritt, um das Prinzip Krieg selbst zu hinterfragen und perspektivisch zu überwinden.

Guido Trempelmann

Guido Trempelmann ist diplomierter Informatiker aus Magdeburg und hat früh gemerkt, dass ihn nicht nur Systeme interessieren, die aus Nullen und Einsen bestehen. Sein Blick gilt gesellschaftlichen Zusammenhängen, den philosophischen Fragen hinter dem Offensichtlichen und den christlichen Überzeugungen, die Frieden ins Zentrum stellen. Er versteht sich als Pazifist, der weiß, dass Verantwortung Mut braucht – und der versucht, als Autor diesen Mut aufzubringen. Seine Hoffnung ist schlicht, dass viele Menschen auf ihre Weise ebenfalls auf diesem Weg sind.
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20 Kommentare

  1. Dem Artikel kann man nur vollumfänglich zustimmen. Ich wurde seinerzeit bei meiner Musterung als untauglich (T5) befunden, habe aber dennoch klargemacht, dass ich einer Wehrpflicht niemals nachkommen würde. Ich habe sie auch schon damals für klar grundgesetzwidrig (Artikel1) gehalten.

  2. Es sollte absolut unstrittig sein, dass ein Staat das Leben von wem auch immer beanspruchen darf!

    Kein deutscher Staatsbürger sollte sich für diesen Staat oder die sog. ‚Westliche Un-Wertegemeinschaft‘, den die ÖRR propagandistisch unterstützen ( u. a. durch Propaganda-Formate wie https://www.ardmediathek.de/sendung/die-100-was-deutschland-bewegt/Y3JpZDovL25kci5kZS80OTU0 ), auch durch tätiges Nichttun / Verschweigen ( NATO-Osterweiterung als eine Kriegsursache ), Verdrehen von ( vermeintlichen ) Tatsachen, in welchem Pazifistinnen und Pazifisten u. a. Gruppen systematisch straffrei diffamiert werden, zu welchem Dienst auch immer zur Verfügung stellen – womöglich noch sein Leben riskieren, welches deutsche Politik mit Hilfe der Medien / ÖRR leichtfertigst aufs Spiel setzt seit dem Jahre 2001 bzw. dem 24.02.2022.

    Angesichts der Schuld Deutschlands für Krieg und Leid und Genozid im 20. Jahrhundert, sollte es die Neutralität nach Schweizer Modell anstreben. ASAP!

    Typen wie Röttgen / Kiesewetter ( beide CDU / Atlantik-Brücke e. V. ) u. a. ( wie z. B. Friedrich BlackRock Merz ) sollten nicht mehr im Fernsehen auftreten dürfen, um ihr unverantwortliches, völkerverhetzendes Denken zu verbreiten, das den Tod von Millionen Menschen billigend inkauf nimmt. Auch dieses Denken ist Ursache für den gegenwärtigen Stellvertreterkrieg in der Ukraine.

    https://europeanleadershipnetwork.org/person/roderich-kiesewetter/

    https://www.atlantik-bruecke.org/fuer-die-europaeer-sind-die-us-positionen-zu-russland-mit-den-eigenen-sicherheitsinteressen-nicht-vereinbar/

    https://www.atlantik-bruecke.org/die-atlantik-bruecke/vorstand/vorsitzende-der-atlantik-bruecke-seit-1952/

    https://www.lobbycontrol.de/aus-der-lobbywelt/friedrich-merz-kanzlerkandidat-mit-lobbykontakten-118722/

    https://www.blaetter.de/ausgabe/2016/oktober/blackrock-kapitalismus

    „Die schnellstmögliche Herbeiführung eines größtmöglichen Allgemein- / Weltwohles muss das oberste Ziel allen Denkens und Handelns in ziviler Bürgergesellschaft, Politik, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft sein.“ ( RW ) – Davon sind wir jedoch sehr weit entfernt!

  3. Das stimmt alles was der Autor sagt. Dennoch muss man annehmen, dass bei allgemeiner Wehrpflicht das Militär nicht zu einem Bürgerkrieg verwendet werden kann oder zumindest ein großer Teil der Soldaten meutern würde, während ein Söldnerheer zum Bürgerkrieg geschaffen ist, besonders wenn es aus Migranten besteht.

    1. Torwächter

      dass bei allgemeiner Wehrpflicht das Militär nicht zu einem Bürgerkrieg verwendet werden kann oder zumindest ein großer Teil der Soldaten meutern würde,

      Ganz genau so, wie ein großer Teil der Polizisten gemeutert hat, als die Jagd auf rodelnde Kinder, lesenden Rentnern auf Parkbänken und Maskenverweigerern beim Einkaufen zur Coronazeit befohlen wurde? Oder doch ganz anders?

      1. Wenn das Heer ersteinmal steht, dann wird es auch genutzt. Bei unseren jetzigen Regierenden
        halte ich alles für möglich. Bei der Überwachung unserer Kommentare wird es nicht bleiben.
        Demnächst steht dann morgens nicht das SEK oder Mek vor der Tür, sondern ein Sturmtrupp
        der Bundeswehr.

  4. „Moderne Staaten beruhen auf einem Gefüge von Rechten und Pflichten“

    Hier verhält es sich aber wie bei HartzIV, nicht fördern und fordern sondern fordern und fordern!
    Vielleicht gibt es noch ein paar Glasperlen dazu oder einen Blechorden billigster Art um für ein paar Reiche sein Leben zu opfern während die den Profit einstecken und in weichen Federbetten schlafen.
    Wer Menschen dazu drängelt für sie in den Krieg zu ziehen, sollte zunächst selbst in den Krieg ziehen, frei nach dem Prinzip: Drängelmann geh Du voran!
    Die Soldaten auf der USS-G-FORD wollten nach einem Jahr auf See zurück zu ihren Familien und nicht gegen den Iran in den Krieg ziehen.

    Tödliche Krise auf der USS Ford, Iran-Krieg rächt sich an Trump | Larry Johnson & Patrick Henningsen
    https://www.youtube.com/watch?v=XFxU_LH8_AI

  5. „Moderne Staaten beruhen auf einem Gefüge von Rechten und Pflichten, die das Zusammenleben ordnen*: ….Diese Pflichten sind sinnvoll und begründbar, weil sie das Funktionieren einer politischen Gemeinschaft sichern, die wiederum den Einzelnen schützt.“

    Was ist im Kontext mit •POLITISCHER Gemeinschaft• gemeint?
    Die EU ist z.B. als solche konzipiert.
    Aber die Summe der Individuen eines/r Staates/Nation ist entweder eine Gesellschaft und/oder eine (Schicksals)Gemeinschaft (mit stets offenem, aber selten positivem Ausgang für das immer träger werdende Gros).

    *Dies ist im Übrigen kein Novum, welches von „Modernen“ Staaten erfunden wurde.

  6. Die Absurdität einer Wehrpflicht kann man mit folgendem Beispiel sehr schön illustrieren (vorab: Ich bin übrigens selbst eine Frau):

    Männer sind wehrpflichtig, Frauen nicht, weil sie im Prinzip schwanger und damit Mütter werden können. So das Narrativ.

    Wenn nun Männer ihr Leben geben müssen, dann müssen Frauen gebären, das wäre die logische Folge.

    Ergo: Das Pendant zur Wehrpflicht wäre also eine Gebärpflicht.

    So und jetzt wüsste ich gerne mal, wie leicht man der Bevölkerung eine Gebärpflicht für Frauen verklickern könnte. Insbesondere in den angeblich so progressiven Kreisen, die zwar Gleichstellung in jeder Hinsicht verlangen, aber nicht in Sachen Militärdienst. Im Gegenteil, das sind Kreise, die häufig die Abtreibung komplett ins Ermessen der jeweiligen Frau stellen wollen.

    Wie passt das zusammen?

    Antwort: Gar nicht.

    Und dass, obwohl frau bei einer Gebärpflicht ja nichtmal ihren Tod oder schwerste Verletzungen in Kauf nehmen müsste.

    Das heißt übrigens nicht, dass ich eine Gebärpflicht fordern würde (das wäre absurd). Es geht mir nur darum, die Absurdität aufzuzeigen, mit der ein Staat selbstverständlich über das Leben seiner männlichen Staatsbürger verfügen will, als hätten wir uns nicht weiterentwickelt.

    Und nein, es ist keine „Lösung“, stattdessen auch über das Leben von Frauen zu verfügen. Man verfügt nicht über anderer Leute Leben! In keinem anderen Bereich könnte man das heute noch von Bürgern verlangen. Wie kommt man auf die Idee, das wäre im Militärbereich anders? Plötzlich gilt keine Menschenwürde mehr (z.B. auch die Würde, keinen anderen Menschen töten oder schwer verletzen zu müssen), keine körperliche Unversehrtheit, nichts? Den Kriegsdienst kann man übrigens nicht verweigern, nur (wenn überhaupt) den Dienst an der Waffe.

    Frage: Wo wollen die die ganzen Gefängnisse herzaubern, in die sie Menschen wie mich, die sich aus Gewissensgründen TOTALVERWEIGERN werden, einsperren wollt?

    Liebe Kriegstreiber und Kriegsbefürworter: Vielleicht nehmt Ihr mal zur Kenntnis, dass wir im 21. Jahrhundert leben und das nicht nur, wenn es um Frauenrechte geht!

    Liebe Grüße,

    Eine Frau, der es massiv auf den nicht vorhandenen Sack geht, dass Emanzipations-Narrative nie auf Männer angewandt werden. Das ist sowas von 19. Jahrhundert! Und nein, es ist keine Lösung, wenn Ihr uns Frauen auch ins 19. Jahrhundert zurückkatapultiert, von wegen „Gleichberechtigung“. Es ist keine Gleichberechtigung, von einem Staat gezwungen zu werden, sein Leben oder mindestens seine körperliche Unversehrtheit (mindestens psychisch bleibt nämlich ein Knacks fürs ganze Leben) für einen Staat zu opfern. Der Staat ist für uns da, nicht wir für den Staat und wenn das nicht so ist, dann habe ich erst recht keinen Grund, einen solchen Staat zu „verteidigen“.

    1. Du sprichst mir als Mann aus der Seele, der das Thema Emanzipation auch für Männer sieht und Vieles an der sog. Emanzipation wie wir sie kennen ziemlich schräg findet. Ich sehe Vieles davon in Wahrheit sogar als Benachteiligung von Männern.

      1. Bumsen fürs Vaterland! Dann muss man aber noch ein paar Wehrpflichtige, die auf
        beste Potens und einen prallen Sack voll Spermien getestet wurden, zu diesem Zweck
        abstellen. Unter diesen Voraussetzungen melden sich bestimmt einige sogar freiwillig
        zum „Dienst an der Waffe“.

  7. Prinzipiell schon OK, aber in einer verfassungsmäßigen Oligarchie muss es jedem klar sein, dass der „Staat“ nur eine notdürftige Fassade für die Partikularinteressen des Großkapitals ist.

  8. ……..es wird sie immer geben, die paranoiden Betonköppe, die sich vor einer herbeischwadonierten Bedrohung scheißen oder maßlos am Menschen zerhacken verdienen – solche kulturunfähigen Nichtmenschen sterben eben nicht aus. Gerade deshalb ist es unausweichlich, den Kampf gegen diese Figuren auf ewig weiterzuführen. Solche Klappspaten wie Kriegsminister Pissoirius verschwinden eben nicht einfach, solche …………er muss man entblößen in ihrer schändlichen Ungeistigkeit.

  9. Staatsbürgerliche Pflichten gibt es nur, wenn der Staat seinen Pflichten gegenüber den Staatsbürgern nachkommt.

    Da ist die erste und oberste Pflicht, nicht zu schaden und dann die Wohlfahrt des Landes zu befördern sowie die Freiheitsrechte der Staatsbürger zu schützen.

    Nichts davon wird erfüllt.

  10. Im ersten Teil des Artikels ist mir zu oft vom „Staat“ die Rede. Später kommt ja angedeutet die Aufklärung, dass nicht der Staat die Forderung zur Kriegspflicht stellt, sondern eine kleine Macht- und Geldgeile Elite.

    Da muss man unterscheiden, was überhaupt der Staat ist. Das Ideal, welches mit ihm verbunden wird, war nie die Intention, die die Erfinder im Sinn hatten. Der Staat – wie wir ihn heute kennen – ist ein reines Machtinstrument, um die breite Masse unten zu halten, zu kontrollieren, Macht und Vermögen zu konzentrieren, auch um Kriege überhaupt erst führbar zu machen.

    Viel sinnvoller ist das Konzept der Anarchie, wie es in Spanien 1936 einen Bürgerkrieg provoziert hat, weil es die ganz grundsätzliche Frage, ob es Menschen geben sollte, die über das Leben anderer Menschen bestimmen dürfen, ganz klar mit nein beantwortet. Daa war (und ist) die größte Angst der Eliten: dass die künstlich geschaffenen Hierarchien und die sich daraus ergebenden Privilegien aufgelöst werden, die Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen.

    In unserem System wird den Menschen schon von Kindesbeinen an (im Artikel genannte Schulpflicht) erzählt, dass sie eine Schuld hätten, die sie abzuarbeiten hätten. Für reiche Erben etc gilt das nicht bzw denen sind die anderen Menschen – das wird ihnen eingeredet – verpflichtet gegenüber.

    Welche „Schuld“ gibt es? Ein Mensch muss seit immer schon für seine Nahrung sorgen. Also in erster Linie trägt er die „Schuld“ für sich selbst. Dann gab es auch immer schon, dass der Mensch – der es kann – eine „Schuld“ bzw Verantwortung gegenüber zumindest jenen Menschen hat, die das nicht können: Kleinkinder, Alte und Gebrechliche etc. In dem Sinne mal als das Gemeinwohl übersetzt. Dazu gehört in modernen System auch die Finanzierung gewisser Strukturen, die dem Zusammenleben dienen, es vielleicht auch einfacher machen oder es verbessern.

    Der grundsätzliche Fehler im System war aber IMMER die Frage WEM genau „schulde“ ich denn was? Bzw… es gab immer Menschen, die sich dachten „ich will nicht arbeiten, das sollen Andere für mich erledigen und außerdem möchte ich in Reichtum leben“, Könige zB früher mal, heute Unternehmer bzw – schlimmer noch – Aktionäre. Vorsicht: nicht jeder Unternehmer ist böse und verfolgt diese Absichten. Was ich jedenfalls sagen will: aus einer grundsätzlich nachvollziehbaren Erzählung – „du musst arbeiten um zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben etc“ – wird sehr schnell „wieviel Prozent meines Daseins opfere ich eigentlich nur, damit jemand Anderes reich ist und bisweilen auf mir herumtrampeln kann“.

    Kurz: solange ein System sich in Unterdrücker und Unterdrückte aufteilt – diese Hierarchie garantiert der Staat, wie wir ihn heute kennen – ist es kein gerechtes System.

    Der Machtapparat versucht die Menschen zu täuschen und zu manipulieren. Die Menschen tragen eine Verantwortung, ja, aber keine Schuld, die sie bei irgendwem, der sich für was Besseres hält, abzutragen hätten.

    Das Einfordern des Lebens eines Menschen selbst, damit das Aussetzen des grundsätzlichen Prinzips „Menschenrechte“ (Menschen als eigenständige Wesen zu begreifen), ist die Spitze des Eisbergs. Noch mehr kann man die Gelüste der Mächtigen die Menschen zu versklaven und zu unterjochen nicht auf die Spitze treiben.

  11. „… Erkenntnis allein verändert nichts…“
    —-
    Eine interessante Erkenntnis.
    —-
    „… Politische und gesellschaftliche Strukturen bestehen fort, solange Menschen sie durch Gewohnheit, Schweigen oder Resignation mittragen…“
    —-
    Um diese politischen und gesellschaftlichen Strukturen aufzubrechen, bedarf es der Aufklärung, soll heißen, dass ich die „Erkenntnis“ weitervermitteln kann,
    soll sie denn Früchte tragen.
    Wenn ich mir alleine die Dösbaddel
    anschaue, denen ich in meinem Leben schon begegnet bin, komme ich schnell zu dem Schluss, dass gegen Dummheit kein Kraut gewachsen ist. (Ähnlich würde wohl auch ein Lemaitre über mich urteilen, mit aller Berechtigung, bei meinem Verständnis für Physik.)
    Ich scheiterte also an der Dummheit des/der Anderen. Es bliebe noch die Möglichkeit, den Dummen dazu zu bringen, dass er sich dennoch intelligent verhält, ohne weitere Einsicht in sein Tun.
    Also das tut, was er bisher auch getan hat, nur halt mit Richtungsänderung. Die Kuh auf eine andere Wiese stellen.
    Um eine solche Richtungsänderung zu erreichen, bedarf es bei den Dummen also der nötigen Propaganda. Und damit wären wir wieder bei der Politik und den (gleichen) Mitteln, derer sie sich bedient.
    Ach, wären nur alle einsichtig, oder zumindest immer der überwiegende
    Teil. Leider sind die Dummen stets in der Mehrheit.
    Erkenntnis scheint doch alles zu sein.
    Den Artikel finde ich trotzdem sehr gut. Regt er uns doch an, uns mehr ins Zeug zu legen.

  12. In einem Krieg geht es nicht um Freiheit, Menschenrechte, Demokratie und anderen schönen Klimbim, sondern um Herrschaft und Machtausübung. Es geht darum, welche Eliten das Sagen haben und ob sie anderen Eliten Vorschriften machen können. Für den Erhalt und oder die Ausweitung ihrer Machtbereiche lassen die Eliten dann ihre Unterschichten gegen einander antreten. Die Staatspflichten gelten also nicht gegenüber dem Staat, sondern gegenüber seinen Eliten.

    Erstaunlicherweise sind es jedoch die Eliten und ihre Angehörigen, die sich nicht aktiv am Krieg beteiligen. Darum würde ich vorschlagen, dass alle Politiker, Beamten und Medienschaffenden samt ihren Angehörigen zuerst eingezogen werden. Dieses Vorgehen sollte ihre Machtgier ein wenig bremsen.

    PS. Am Donnerstag, den 5. März findet der zweite bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht statt.

  13. Was sollen denn diese im Dutzend naiven Appelle an die eigene Blase (neudeutsch für Echokammer, Meinungsfilterblase, ideologisches Umfeld) bewirken? Die Interessen der Reichen werden den Bürgern solange eingetrichtert, bis diese völlig davon überzeugt sind, ihre – angeblichen – Interessen wären deckungsgleich der elitären.

    „Lieber tot als rot“

    steht exemplarisch für ‚der Russe ist im Anmarsch/Keller‘ und ‚Barbarenstürme abwehren‘.

    Das ist kein „Relikt“ aus der Vergangenheit.

    /

    Übrigens: die Moralphilosophie ist während des WK I im Schützengraben endgültig verreckt.

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