
Warum die heutige Bundesrepublik Deutschland (so gut wie) nichts mehr mit der ‚Bonner Republik‘ zu tun hat.
Die wiedervereinte Bundesrepublik Deutschland hat mit dem Land gleichen Namens, das zwischen 1949 und 1990 existierte, nur noch den Namen gemeinsam. Auf den ersten Blick fällt das allerdings nicht auf. Weil die Fassaden noch stehen. Die heutige Bundesrepublik ist nichts Anderes als ein komplett entkernter Altbau.
Ich habe lange gebraucht, bis es mir langsam dämmerte. Und auch jetzt tue ich mich immer noch schwer, mental und – vor allem! – gefühlsmäßig in der neuen Realität, in der ich mich eher tastend voranbewege, anzukommen. Aber im Millimetertempo wird mir immer deutlicher, dass dieses Land, das sich nach wie vor „Bundesrepublik Deutschland“ nennt, mit dem Land gleichen Namens, in dem ich die Hälfte meines Lebens – von 1954 bis 1990 – verbracht habe, kaum noch identisch ist.
Hälfte des Lebens
Aufgewachsen als „Kind des Rheines“ bin ich mit einer dort nicht untypischen Mentalität. Ulrike Guerot hat sie für sich selbst einmal so auf den Punkt gebracht: „Rheinisch, katholisch und europäisch“. Wobei „europäisch“ für mich, ich vermute: wie für Frau Guerot, sich außenpolitisch in erster Linie auf den nahen ehemaligen „Erbfeind“ bezog, innenpolitisch aber auch eine Skepsis – nein: ein starkes mentalitätsmäßiges Fremdeln bis hin zur emotionalen Abneigung – gegenüber jeglichem „Preußentum“ signalisierte. (Paris war – und ist – uns Rheinländern nicht nur geographisch näher als Berlin.)
Natürlich lebten wir in der alten Bundesrepublik nicht auf einer ‚Insel der Seligen‘: Alte Nazis, geläutert oder auch nicht, waren lange noch präsent – als Lehrer, Ärzte, Richter, Professoren, Städteplaner, Journalisten, höhere Verwaltungsbeamte und Politiker. (Manchmal kam es per Zufall raus, oft auch gar nicht – jedenfalls bis zum Tod der betreffenden Personen.) Ab 1972, noch unter Bundeskanzler Willy – „mehr Demokratie wagen!“ – Brandt, legte sich der sogenannte „Radikalenerlass“ für anderthalb Jahrzehnte wie Mehltau über mehrere Generationen von Hochschulabsolventen. Die terroristische RAF auf der einen sowie Bundesregierung, Polizeiapparat und Bundesbehörden auf der anderen Seite verkrallten sich in den Siebzigerjahren, mit Klimax im ‚Deutschen Herbst‘ 1977, dramatisch zu einer blutigen ‚Folie à deux‘. Um Atomkraftwerke wurden zwischen Polizei und Demonstranten wahre Schlachten ausgetragen und die Stationierung von atomar bestückten Mittelstreckenraketen trieb in den Achtzigerjahren zeitweise über eine Million Menschen, darunter auch mich, auf die Straßen.
Trotz alledem hatte ich aber, bei aller Kritik, im tiefsten Winkel meiner Seele doch ein nahezu unausrottbares ‚politisches Urvertrauen‘ in unseren Staat: Ein vernünftiges Grundgesetz, mit dem ich mich identifizieren konnte; ein im Prinzip funktionierender Rechtsstaat, bei dem die Chancen, am Ende doch Recht zu bekommen, nicht gering waren; nicht zuletzt eine in den Siebziger und Achtziger Jahren immer stärker angewachsene Zivilgesellschaft in Gestalt der (damals) Neuen Sozialen Bewegungen, besonders der Friedens- und Umweltbewegung – und das Problem der alten Nazis würde sich ja früher oder später eh von selbst, sprich: biologisch, erledigen.
Als die Mauer fiel, Deutschland völlig unerwartet wieder vereinigt war und parallel dazu die tödlichen atomar bestückten Mittelstreckenraketen abgezogen und restlos verschrottet wurden, als der Kalte Krieg (wie es schien) beendet war, als die neue Bundesrepublik Deutschland sich auf einmal „von Freunden umzingelt“ in einem völlig veränderten Europa wiederfand, da spürte ich in mir eine große Euphorie: Jetzt, nachdem der Kalte Krieg so glücklich beendet ist, jetzt bauen wir das Gorbatschow‘sche ‚Gemeinsame europäische Haus‘ auf! Jetzt versöhnen wir uns – wie damals mit unserem ‚Erbfeind im Westen‘ – auch mit den Völkern im Osten. Jetzt ist ja vielleicht sogar Kants „Ewiger Frieden“ in Reichweite gerückt…
Ein irritierter Blick nach dreieinhalb Jahrzehnten
Machen wir einen kühnen – und reichlich kühlen – Sprung in die Gegenwart! Und schauen wir uns dieses Land nochmals mit altbundesrepublikanischen Augen an.
Da ist zunächst die Parteienlandschaft. Alle sind sie noch da. (Zwei, davon eine täglich größer werdende, sind noch hinzugekommen.) Schaut man allerdings genauer hin, so stellt man irritiert fest:
„Die CDU ist nicht mehr christlich, die SPD ist nicht mehr die Partei der Arbeiter. Die Liberalen sind nicht mehr liberal und die Grünen schon lange nicht mehr Grün im Sinne einer ehrlichen Umweltpolitik [und erst recht nicht mehr antimilitaristisch]. Und die in Gendersprache, Cancel-Culture und ‚offene Grenzen für alle‘ verliebte Linke ist alles Mögliche, nur nicht links in der Tradition der Arbeiterbewegung.“
So hat es Oskar Lafontaine neulich auf den Begriff gebracht. (Am Eklatantesten trifft dies natürlich auf die um exakt 180-Grad gewendete ehemalige Ökopax-Partei zu, die sich heute an Kriegsgeilheit von niemandem übertreffen lässt.)
Als zweites ein Blick auf die Medienlandschaft. Auch hier sind alle Leitmedien der alten Bundesrepublik nach wie vor präsent: vom Bayernkurier, Welt und FAZ über Süddeutsche und Frankfurter Rundschau bis hin zur antiautoritären taz. Tagesschau und Tagesthemen präsentieren sich wie einst im charakteristischen Blau, heute und heute journal senden immer noch zu denselben Tageszeiten. Schaut und hört man aber auch hier schärfer hin, so realisiert man verblüfft: Eine tatsächliche Meinungsvielfalt existiert nicht mehr! Ob FAZ oder taz – was die wirklich relevanten Themen angeht, so steht überall dasselbe. (In der taz lediglich einen Tick salopper und – selbstverständlich! – streng gegendert.)
Es gibt auch noch eine linke Szene. (Zumindest ein Milieu, das sich ‚irgendwie‘ als links versteht und so präsentiert.) Der genauere Blick offenbart allerdings, dass man sich hier fast nur noch mit Identitätsfragen oder der skurrilsten Inszenierung der exotischsten erotischen Neigung beschäftigt. Die Eigentumsfrage und Fragen der sozialen Gerechtigkeit dagegen spielen so gut wie keine Rolle mehr. Dementsprechend erscheint diese – jeglichem Antimilitarismus abholde – Lifestyle-Linke (wie deren alt gewordene Hauspostille) auch nur bei oberflächlicher Betrachtung als aufmüpfig. In Wirklichkeit ist sie genau die „Linke“, die dem globalisierten Kapital nicht gefährlich wird, ihr Habitus geradezu die unabdingbare Voraussetzung, um in diesem Staat Karriere zu machen.
Einen Lift auf dem raschen Weg nach oben – zumindest aber ein komfortables Zwischenlager für sonst arbeitslose Geistes- und Sozialwissenschaftler – bilden (neben den zahlreichen transatlantischen Organisationen) sogenannte Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Ja, die gibt es nicht nur noch – sie sind in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten sogar wie Pilze aus dem Boden geschossen! Wo allerdings in den Achtziger´jahren noch erbittert über „Staatsknete“ gestritten wurde, stellen sie sich heute allesamt als staatlich, nein: oft sogar regierungsamtlich, alimentiert heraus.
Und nicht nur das: Viele von ihnen betreiben nicht allein eine, mit rund 200 Millionen Euro jährlich geförderte, Fortsetzung der Regierungspolitik mit anderen Mitteln. Sie entpuppen sich vielmehr als der – nur notdürftig getarnte – verlängerte Arm der Staatsgewalt fürs Grobe, sprich: sie operieren, vorsichtig gesprochen, schlicht am Rande der Legalität. Sogenannte „Antifeministische Meldestellen“ sammeln, staatlich gefördert, „Fälle, unabhängig davon, ob sie angezeigt wurden und unabhängig davon, ob sie einen Straftatbestand erfüllen oder unter der sogenannten Strafbarkeitsgrenze liegen.“ Ähnliches gilt für sogenannte „Anti-Hate Speach“- und andere Vereinigungen. (In Summa die neubundesrepublikanische Version des ehemaligen Vereins „Horch & Guck“ – kurz: eine, diesmal ‚zivilgesellschaftlich‘ outgesourcte, „Stasi 2.0“.) Und selbsternannte, mit bundesdeutschen oder EU-Gütesiegeln geadelte „NGOs“ verbreiten unter dem Etikett „Bekämpfung von Fake News“ selber Desinformation. – Mit einem Wort: Der Begriff „Nichtregierungsorganisation“ erweist sich als klassischer Etikettenschwindel, der umgehend durch „GONGO“ (Government-Organized Non-Governmental Organization) ersetzt werden sollte!
Ob der Rechtsstaat im Großen und Ganzen noch funktioniert, das wage ich nicht zu beurteilen. Wohl aber, dass ein Grundprinzip jeglicher Demokratie gerade höchst elegant ausgehebelt wird: die Meinungsfreiheit! Und damit kommen wir zur atemberaubenden Degeneration jener supranationalen Institution, die einst Hoffnung aller weitsichtigen und friedliebenden Geister auf diesem Kontinent war. Die Europäische Union, gegründet als Friedensprojekt, als nationenübergreifende Lehre aus zwei blutigen Weltkriegen, ist nicht nur nach außen zu einer rasenden Kriegsfurie verkommen. Sie verwandelt zudem nach innen unliebsame Staatsbürger völlig willkürlich in aller Rechte beraubte Paria und katapultiert sie somit – alle geheiligten Werte und sämtliche Prinzipien der vom europäischen Kontinent ausgegangenen Aufklärung ignorierend – schnurstracks zurück ins Mittelalter! Als Vogelfreie. Der geniale Trick: Bei den Willkürmaßnahmen des „Rats der Europäischen Union“ handelt es sich nicht etwa um Strafen (selbst wenn die Sperrung der Konten, die Beschränkung der Bewegungsfreiheit und das Verbot der Unterstützung durch Dritte im Worst Case auf eine ‚Todesstrafe auf Raten‘ hinauslaufen), sondern um „außenpolitische Abwehrmaßnahmen“ – weshalb ihnen auf dem nationalen Rechtsweg, sollte er noch funktionieren, auch gar nicht beizukommen ist!
Kurze Kinderfrage: Ist ein Staat, in dem (genauer: über den und dessen Bürger hinweg) die Meinungsfreiheit (bekanntlich immer die ‚Freiheit der Andersdenkenden‘) par ordre du mufti einfach suspendiert werden kann, indem supra-nationale Akteure diejenigen, die sie in Anspruch nehmen, schlicht kaltstellen – ist ein solcher Staat eigentlich noch eine Demokratie?
Und was ist mit dem Grundgesetz, einer dezidiert dem Frieden verpflichteten Verfassung, wenn dieses Land, Totalverweigerung in Sachen Diplomatie betreibend, sich nun fröhlich zur größten konventionellen Militärmacht auf dem westeuropäischen Kontinent aufschwingt, deren Politiker und Leitmedien tagtäglich schriller in Richtung Krieg blasen – und dies in einem zusehends kriegstüchtiger werdenden Bündnis, das noch zu altbundesrepublikanischen Zeiten ausschließlich der Verteidigung verpflichtet war?
Entkernt
Warum fällt all das auf den ersten Blick so wenig auf? Warum sieht die neue Bundesrepublik Deutschland, oberflächlich betrachtet, der Bonner Republik immer noch so ähnlich?
Weil die entsprechenden Institutionen eben nicht abgerissen, sondern entkernt wurden! Das Land, in dem ich mittlerweile die zweite Hälfe meines Lebens verbracht habe, kommt mir immer mehr vor wie ein komplett entkernter Altbau: Die Fassaden stehen noch. Aber wer wissen will, was sich hinter ihnen tatsächlich verbirgt, darf sich davon nicht blenden lassen.
Oder in einem anderen Bild: Die meisten Institutionen und Organisationen – allen voran unsere privaten und öffentlich-rechtlichen Leitmedien, Arm in Arm mit einer einstmals pazifistischen Partei, sogenannte Nichtregierungsorganisationen, die sich als ‚links‘ präsentierende Szene, nicht zu vergessen die von Tag zu Tag aggressiver auftretenden realen Institutionen der Macht: Armee, NATO und Europäische Union – alle kommen sie mir vor, als seien sie zwischenzeitlich geräuschlos umfunktioniert und (feindlich) übernommen worden. Mein einstiges ‚politisches Urvertrauen‘ ist mir jedenfalls restlos abhandengekommen.
Wie gesagt: Es sieht manchmal noch fast so aus wie früher. Weil die Fassaden noch stehen. Wohlgemerkt, die Fassaden!
Dieser Artikel erschien bereits bei Globalbridge.
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Ach, die Welt ändert sich. Na das ist ja eine wahrlich neue und bahnbrechende Erkenntnis.
Oder ist das nur eine wortreiche Abwandlung von „früher war alles besser“ die der Autor zum besten geben wollte.
Jeder, der den Western „Zwei glorreiche Halunken“ gesehen hat, kennt die Szene, in der der Blonde (Clint Eastwood) dem Nonsense labernden Tuco (Eli Wallach) den Zigarrenstumpen reicht mit der Bemerkung „Mach ein paar kräftige Züge, dann kannst du gut kacken“.
Der Autor vermisst sicherlich auch eine Bundeswehr mit 500K Soldaten, die Nato-Herbstmanöver, den alten §218 und die ewig langen Panzerkolonnen die früher durch die Republik gefahren sind.
Die NATO-Manöver gibt es noch. Mehr, als, zuvor, größere, nur eben jetzt ein paar tausend Kilometer weiter östlich. Weit, weit weg. Für uns nicht mehr so sichtbar.
Und die derzeitigen Rüstungsausgaben schlagen jeden Rekord.
Und, wer weiß, ohne die Wiedervereinigung hätten wir vielleicht jetzt immer noch den alten 218.
Vergleicht man realbundesdeutsche politische Rhetorik heute mit der in den 1930er und 40er Jahren so sind Ähnlichkeiten nicht zu übersehen. Der Schoß erwies sich als sehr fruchtbar noch, aus dem das kroch. Allerdings behauptet es jetzt, der Antifaschismus zu sein. Diese Meinung bilden uns die Leitmedien täglich.
@Vende:
Es gibt einen Weichkäse namens „Pragmatismus“ und Sie möchten diesen verkaufen. Mal so gefragt, wenn Sie auf Ihr politisches und soziales Dasein zurück blickten und der Großteil wäre irgendwie nicht besser, würden Sie doch sicherlich auch staunen oder doch lieber in die Hände klatschen?
Damals(TM) gab es ca. 10 mal so viele Atombomben und großer Teil davon waren auf Europa gerichtet.
Klassisches Problem der „Damals war alles besser“ Fraktion, die schlechten Dinge werden ausgeblendet.
Nun, das ist richtig, dennoch kein Argument, gerade weil 10 H-Bomben für Mitteleuropa völlig ausreichend wären.
Diverser positiver, bspw. technischer Fortschritt ist ja unübersehbar und unwidersprochen, aber da nehmen wir doch mal die Medizin heraus: Die Diagnose- & Therapiemöglichkeit haben sich seit den 1980ern beeindruckend verbessert, doch was nützt das, wenn nur noch, sagen wir selektierte Leute zeitnahe Termine für Untersuchung und Behandlung bekommen, bzw. sich diese zuzahlend leisten können?
Von solchen Merkwürdigkeiten gibt es irgendwie zu viele, und das Thema ist hier nicht „individuelle Situation“, sondern „gesellschaftliche Schieflage“. Deswegen ist der Hinweis „früher war alles früher“ weder hilfreich noch zielführend.
@Vende
1. „Ach, die Welt ändert sich. …“ –
Was soll das? Oder wollen Sie einfach nur auf billige Art und Weise noch unter RTL- und BILD-Niveau provozieren? Wenn man im Frieden lebt und dann fällt der Krieg wieder einmal „vom Himmel“, dann ist das zweifelsohne auch eine „Veränderung“, aber für die Mehrheit der Bevölkerung sicherlich keine gute Veränderung. Oder wollen Sie das gleichsetzen und so tun, als ob es zwischen Frieden 🕊️ ☮️ 🧑🤝🧑👶 🏠🌳 🏡🏫 🏘️ und Krieg 💣 💥 💀 ⚰️ 🪦 🏚️ keinen großen Unterschied geben würde? Krieg bedeutet: tote, verletzte und verstümmelte Soldaten und Zivilisten, Kriegsversehrte, Leid, trauernde Kriegswaisen, Flucht, Flüchtlingslager, Vertreibung, Chaos, Hunger, Seuchen, Krankheiten, Angst, Traumatisierung, Albträume, seelische Narben, Kriegsverbrechen, Misshandlungen, Vergewaltigung, Massaker, Terror, Obdachlosigkeit, zerstörte Häuser und Infrastruktur usw.
2. „früher war alles besser“ –
Wer bitte sagt das? Früher war NICHT ALLES besser, ABER VIELES schon. Oder wollen Sie das tatsächlich bestreiten?
“
Wer bitte sagt das? Früher war NICHT ALLES besser, ABER VIELES schon. Oder wollen Sie das tatsächlich bestreiten?
“
Wer kennt sie nicht, die damaligen Gewissensprüfungen:
Sie gehen mit ihrer Freundin durch den Park und haben zufällig ein Maschinengewehr dabei.
Plötzlich springen 5 russische Soldaten aus dem Gebüsch und wollen ihre Freundin vergewaltigen.
Was würden Sie tun?
Ich kann mich erinnern und habe mich immer gefragt, was unrealistischer an dieser Szene ist:
– 5 Russische Soldaten? Warum nur 5?
– „zufällig“ MG dabei? Dazu a) würden 5 Russen dann angreifen? b) wieso überhaupt MG? (Ich war immer bewaffnet mit „mieser Laune und schlechtem Atem“)
– wieso sollte ich mit nur EINER Freundin nachts durch den Park gehen?
Frag doch einfach den Autor welcher diese Zeit in dem Artikel zelebriert.
Der wird sicherlich wissen warum das so war wenn er das toll findet.
Es muss ja nicht schlecht sein, wenn man mit der Waffe was anfagen kann. Siehe November Revolution 1918 oder die Oktober Revolution 1917
Eine Linke die diesen Namen verdient und erfolgreich ist gibt es in Deutschland nicht. Die DKP ist zu schwach und das KPD Verbot sitzt ihr im Nacken.
Vende: Wenn da plötzlich 5 russische Soldaten aus dem Gebüsch springen, würde ich
versuchen schnell aus diesem Traum aufzuwachen. Wenn ich bei einem Spaziergang
mit einer Freundin zufällig auch noch ein Maschienengewehr mitschleppen sollte,
wäre ich vermutlich schon auf dem Parkplatz am Park von der Polizei gestellt und
verhaftet worden. Sie haben nie eine Gewissensprüfung machen dürfen, stimmts?
Was die Linke angeht, so gilt heute wieder das, was auch in den Jahren vor 1968 galt:
Den Blick auf Frankreich werfen. Guckt, was La France Insoumise macht, das Unbeugsame Frankreich
(da das Overton Magazin über sie nicht seriös berichten will, guckt nach anderen Informationskanälen).
So war es auch für die 1968er (mein verstorbener Patenonkel sprach fließend französisch):
„In Frankreich habe ich die Linken kennengelernt. So etwas gab es in [Post-Nazi-] Deutschland nicht.“
So ist es heute wieder. Das Placebo, das sich Linkspartei nennt, nicht weiter beachten, sondern die wirkliche Linke in Frankreich kennenlernen.
Ist doch alles mit voller Absicht gefördert worden um Menschen, die charakterlich für Aufmüpfigkeit gebaut sind, in diese ungefährliche Identitäts-, Regenbogen, LGBTQWERTZ-Richtung zu lenken. Auf dem CSD den Pimmel aus dem Damenkkeid hängen zu lassen oder sich für eine anderes von 537 Geschlechtern zu halten, gefährdet die Machtstruktur nicht. Ganz im Gegenteil sind so die Leute auf nutzlose Ziele gelenkt und die entstandene Spannung mit anderen Teilen der Bevölkerung, die den bunten Zirkus nicht leiden können, stabilisiert mit dem guten alten Teile-und-Herrsche das System.
@Autor
Zitat:“ Die wiedervereinte Bundesrepublik Deutschland hat mit dem Land gleichen Namens, das zwischen 1949 und 1990 existierte, nur noch den Namen gemeinsam.“
Das ist mir bereits vor rund 20 Jahren aufgefallen und zwischenzeitlich bin ich zu der Ansicht gelangt, dass man die Rolle rückwärts macht nach Weimar oder Kaisers Zeiten. Auch und gerade aktuell wieder, wenn man z. B. zur führenden Militärmacht Europas aufsteigen will. (Dumm ist, immer wieder das Gleiche zu tun und sich ein anderes Ergebnis zu erwarten)
DIESES Deutschland ist aber ganz sicher nicht mehr das Land, in dem ich geboren wurde.
Vielmehr sehe ich den zentralen Verrat der Politik am Grundsatz „nie wieder Krieg!“
Fakt ist: Zum Schutz von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie muss jeder Bürger sich dieser Politik entgegenstellen und notfalls den Verantwortlichen in den Arm fallen.
Die Richtung muss (jetzt) geändert werden!
Francois Mitterand und vor allem Maggy Thatcher waren damals strikt gegen die deutsche Wiedervereinigung und hatten eindringlich davor gewarnt. Maggy Thatcher lag nicht falsch mit ihrem Urteil über die dunkleren Seiten des deutschen Charakters, „unberechenbar und zerrissen zwischen Angriffslust und Selbstzweifeln“.
Und jetzt haben wir den Salat. Die führenden deutschen Politiker predigen wieder Kriegstüchtigkeit und wollen die wieder stärkste Armee in Europa aufbauen. Und das deutsche Volk ist seinem Grundcharakter entsprechend ergebener Untertan und schweigt zu allem. Da kann man durchaus Angst kriegen, ob man sich demnächst wieder mit „Sieg Heil!“ grüßen müssen…
Alles sehr, sehr bedenklich, wohin unser Land sich entwickelt.
„Slava Ukraini“ rufen unsere fast kriegstüchtigen Politeliten in ihrem Größenwahn ja schon gerne mal öffentlich. Das ist eigentlich fast dasselbe.
Nunja, Frau Thatcher hat viel gesagt, auch »There’s No Such Thing as Society«, was bei ihr sicher mehr Projektion als Definition war – und dabei eigentlich meinte: „I do not need such thing as scociety, because I’m part of the superior class and you’re … not.“
Aber mit der deutschen Politikerkaste und Wiedervereinigung hatte sie wohl nicht unrecht.
Ja, beide Punkte sind gut. Vielleicht kann man Frau Thatcher sogar noch auch auf links drehen und sagen: „O.k., wenn das mit ‚No such thing as…‘ so ist, muss aber auch keiner à la JFK (war obendrein ein Millionärssöhnchen, was den Spruch noch absurder machte) kommen und sagen: „Frag dich, was du für dein Land tun kannst!“ Es lebe der Links-Thatcherismus (auch wenn das Margaret „Holen wir UNS die Falklands zurück“ Thatcher wohl kaum gefallen würde).
Frau Thatcher war nun alles andere als dumm, was ihre Figur mit dem Abstand der Geschichte irgendwie traurig macht. Und für mich eines der ersten greifbaren Beispiele, dass unter der Leitung von Frauen nicht alles zwangsläufig besser wird; eigentlich ein Beitrag zu geschlechtlicher Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung, trotzdem nicht schön.
Die Falkland-Chose kam ja für beide Seiten nicht ungelegen, man könnte fast meinen, sie war untereinander abgesprochen: Beide Seiten befanden sich in innenpolitisch prekären Situationen, den argentinischen Putschisten brach die Wirtschaft weg und sie konterten mit dem Derailing „Patriotismus“! In GB explodierte die Arbeitslosigkeit durch neoliberal moderierte, frühe Deindustrialisierung unter Thatcher, da nahm sie den angebotenen Empire-Reflex dankend an.
Was JFK angeht (Ihre Attribution ist nett), habe ich das alles nicht verstanden, mit Camelot und so, aber wenn sich jemand als ein mit Marmelade befülltes Milchbrötchen bezeichnet (und die Menschen klatschen?!?), dann finde ich das sehr befremdlich: »Ich bin ein Berliner!«
@ Jansen 11 Uhr 55 : Da kann man durch aus Angst kriegen, ob man sich dem – nächst wieder mit “ Sieg Heil!“ grüßen muss.“
Die Herrschenden üben schon: Wie oft war „Slava Ukraini“ im Bundestag schon zu hören ?
Anstatt Euphorie eine riesige Portion Skepsis. Die sich auch bewahrheitete.
Es war klar, dass die Übernahme des bis dahin sozialistischen Ostens durch den westlichen Kapitalismus nichts Gutes bringen würde – jedenfalls nicht für die ungewaschenen Massen. Dass statt dessen ungebremster Neoliberalismus Einzug halten würde.
Bis dahin waren Deutschland und Westeuropa noch Schaufenster der Leistungsfähigkeit des Kapitalismus. Auf Kosten der „Dritten“ Welt, an deren Ausbeutung auch die westlichen Massen etwas mehr profitieren durften. Das fällt heute weg, das Profitieren, nicht die Ausbeutung.
„Offene Grenzen“ (Natürlich waren die Grenzen nie offen) – das hieß früher mal „internationale Solidarität“. Weil, das wusste man damals noch mit der Ausbeutung.
Der Autor drückt genau aus, wie ich die Dinge erlebt habe, wir sind auch ungefähr gleich alt!
Ein „Urvertrauen“ in den Rechtsstaat hatte ich allerdings nicht in der beschriebenen Weise.
Das GG an sich hatte allerdings schon immer seine Schwächen, eine Parteienoligarchie, die „sich den Staat zur Beute macht“( Karl Jaspers), hatten wir schon in der alten Bonner Republik. An die Notstandsgesetzgebung möchte ich auch noch einmal erinnern, Verschärfungen des Demonstrationsrecht hatten wir auch schon damals, bspw. das „Vermummungsverbot“, die Polizei hat Demonstrationen bei unklarer Rechtslage schon damals gefilmt. Besuch vom Verfassungsschutz und der Polizei hatte ich in den 80ern ebenfalls, weil ich „Kontakte zu gewissen Kreisen, die nicht auf dem Boden der FDGO stehen“, hätte. Eingeschüchtert hat mich das nicht, im Gegenteil, bei meiner kurzen Zündschnur damals, hat mich das zu den Autonomen gebracht, ich habe ganz persönlich der Staatsmacht den Kampf angesagt und meine Vorstrafen in Kauf genommen.
Und so salopp über das Problem der ehemaligen Nazis wegzugehen, wie der Autor das tut, kann ich auch nicht.
Ich halte das für einen generellen Webfehler eben auch der „Bonner Republik“.
Da saßen im parlamentarischen Rat die gleichen Figuren drin, die Reichstag Addolffs Ermächtigungsgesetz zugestimmt hatten, das AA, die Staatsanwaltschaften, die Richterschaft, die Beamten und selbst die Polizei waren von Nazis durchseucht. Nahezu die gesamte Exekutive, Judikative und über die Zusammensetzung der Legislative, wo damals schon Leute über „bedauerliche Fehler, war eine andere Zeit“ schwadronierten, ist ein brauner Sumpf gewesen.
Gewisse Addolff-Gesetze wurden beibehalten, keine „Versammlung“ mit mehr als drei Personen war gestattet, der „Nötigungsparagraph“ wurde anstandslos übernommen.
Hinzu kam die Stellung der Frau!
Die „Väter des Grundgesetzes“ waren eben Väter, die paar Mütter im parlamentarischen Rat hatten ihre liebe Mühe, den Vätern abzuringen, die Gleichberechtigung der Frau im GG festzulegen,.
Meine Mutter musste sich die Erlaubnis zum Studium vom Vater erbetteln, der Ehemann konnte für die Frau kündigen, hatte ein Recht auf „Erfüllung der ehelichen Pflichten“, die Frau verlor bei der Eheschließung die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen.
Ab wann stand Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe? In der Bonner Republik jedenfalls nicht.
Dann die Wiederbewaffnung, eine Entscheidung gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung getroffen, die „Ohne Mich“-Proteste wurden ins Lächerliche gezogen, den ersten massiven Angriff auf die Pressefreiheit sah man in der bekannten „Spiegel-Affäre“, ein „Abgrund von Landesverrat“ ( Adenauer ) wurde behauptet und Minister logen das Plenum an. Kommt einem bekannt vor, oder?
Die Zustände jetzt sind unfassbar fürchterlich, schlimmer, als viele, auch ich, das jemals für möglich hielten, da gebe ich dem Autor recht.
Man muss auch sehen, das die Bonner Republik Frontstaat der NATO war, mit nuklearer Vernichtungsgarantie im Kriegsfall, Hochlohnland und Aushängeschild des Westens, die „den Brüdern und Schwestern“ ( JA, es waren die Brüder zuerst genannt, bezeichnend ! ) „drüben“ die Überlegenheit des westlichen Systems zu demonstrieren hatten.
Nach „drüben“ sollte man vielfach auch gehen, wenn man Systemkritik äußerte, für viele Ältere war die DDR zeitlebens „Die Zone“.
Nach dem Anschluß überfuhr der „überlegene Westen“ die „Brüder und Schwestern“ wie ein Bulldozer, die dann die Segnungen des Kapitalismus am eigenen Leib erfahren durften: war nix mit Verfassung gebender Versammlung, „wenn sich das deutsche Volk in Frieden und Freiheit wiedervereinigt“, Pustekuchen!
Dafür haben wir den grünen Pfeil beim Rechtsabbiegen übernehmen dürfen, die kostenlose Gesundheitsversorgung, die Kinderbetreuung und die Stellung der Frau hingegen nicht.
Nebenbei bemerkt würde sich ein riesiger Teil der heutigen US-Bürger sicher freuen, wenn sie so leben könnten, wie der durchschnittliche DDR-Bürger mit diesen Möglichkeiten gelebt hat, ach was, in Grunde gilt das für den prekären Teil der Bevölkerung hier ganz genau so, sollte man mal drüber nachdenken, bevor man „Unrechtsstaat“ schreit!
Im Gegensatz zu Herrn Ensel, der mir recht nostalgisch vorkam, kann ich die Bonner Republik betreffend keinerlei Nostalgie empfinden, auch wenn ich recht gebe, das die Zustände derzeit noch bedeutend schlimmer sind.
Aber angelegt und möglich sind diese Verhältnisse doch nur, weil das GG diese Spielräume eröffnet.
Unsere vielgerühmten „Väter des Grundgesetzes“ haben sich das vermutlich so gedacht, denn die Bevölkerung ist, außer bei den „Akklamationsveranstaltungen der Parteienoligarchie“ ( Karl Jaspers ) Wahlen genannt, von politischer Mitgestaltung ausgeschlossen.
Haben die sauber hin bekommen!
Vielleicht liegt es daran, dass es vor 1990 noch eine politische und gesellschaftliche Opposition im Lande gab, die dem Treiben des Kapitalismus zumindest noch den Spiegel vorhielt und in ihn in nicht wenigen Fällen sogar erfolgreich einhegen konnte? Davon ist heute so gut wie nichts mehr übrig, fehlgeleitet (Pseudo-Linke, Wokeismus) oder selbst system- und marktkonform eingehegt (Laufstall-Medien). Wobei ich sagen muss, dass diese Entwicklung schon in den 1980er Jahren in den Grundzügen erkennbar war, und zwar je mehr die sozialistische Systemkonferenz an Gegenkraft verlor. 1990 war dann für die reaktionären Kräfte das Startsignal für einen kompletten politischen Umbau hinter demokratischen Fassaden. Den – noch geduldeten – „Linken“ überließ man den für den Kapitalismus ungefährlichen, ja sogar politisch und ökonomisch ausbeutbaren Wokeismus. Sollte sich die extreme (turbokapitalistische) Rechte in D und in Europa komplett durchsetzen, würde auch das obsolet. Die Linke wäre politisch „entsorgt“. Das Ziel der reaktionären Kräfte, die hinter 1789 zurück wollen.
@ Wallenstein:
Was Du beschreibst nehm‘ ich ganz ähnlich wahr, obwohl ich, ähnlich wie Leo Ensel, mal eine Art „Minimalvertrauen“ in „die BRD“ hatte, das peu à peu wegbröselte, bis es dann vor einigen Jahren komplett in Trümmer gehauen wurde. Ich bin eben gutgläubig bis schwer von Begriff, hätte ich auch früher drauf kommen können … aber hey, daß das, was mir da von klein auf erzählt wurde über die hiesigen Verhältnisse, nicht so ganz stimmt, das ist das Eine, aber daß die Erzählung, wie schön und sinnreich das alles doch vorgesehen sei, wie gut gemeint und nur zu meinem Besten, daß die überhaupt nicht ernst gemeint, sondern die reine Verarschung war und nie etwas anderes sein sollte, das war für mich als „Schwarzer Krauser“-Gestähltem doch erstmal zu starker Tobak …
1990, wir waren Anfang 20, blickten meine Freundin und ich aus dem Fenster unserer Altbauwohnung auf die vorüberziehende Menge, die den Gewinn des Weltmeistertitels der deutschen Nationalmannschaft feierte. Ihr Kommentar war bloß: „Ich hab‘ Angst!“ …
“ Der genauere Blick offenbart allerdings, dass man sich hier fast nur noch mit Identitätsfragen oder der skurrilsten Inszenierung der exotischsten erotischen Neigung beschäftigt.“
Vollkommener Quatsch. Wie so oft, redet hier ein Blinder von Farben. Er kennt die Linke (damit ist nicht die Partei die PdL gemeint) nur aus der Perspektive des Bildlesers, hat sich nie mit den Inhalten und Arbeit derzeitig aktiver linker Orgas beschäftigt. Und erzählt dann solchen Stuß. Ein bissl Recherche auf SocialMediakanälen würde ihm ziemlich schnell zeigen, daß er komplett falsch liegt. Aber wozu die Mühe, es geht ja nur darum, Stimmung gegen Linke zu machen.
können Sie mir erklären was die Linke bisher REAL zustande gebracht außer Selbstdarstellung und Beschäftigungstherapie… und die Tattoos sehen wie bei den Fussballern aus…
Was die Linke zustandebringt?
Also die PdL sicher wenig bis nichts, nicht mal ein auch nur minimales Abbremsen der fiesesten/feistesten sozialen Grausamkeiten. Stattdessen den Quatsch vom 6.5.25, „Hilfe, wir haben jetzt mglweise drei Tage keine ‚handlungsfähige Regierung‘ (die wir zwar blöd finden, aber für unsere ritualisierte Sozialfolklore brauchen), außerdem sind wir ja in Deutschland, wo man das Betreten des Rasens nur widerstrebend erlaubt hat, alles muss seine Ordnung haben, egal, welche. Und wenn Merz dann einige Tage später zu seinen wichtigen Auslandsreisen aufgebrochen wäre? In dieser komplexen und bedrohlichen Weltlage? Zudem: Was wäre denn die Alternative zu unserer „Die CDU wird mit uns sprechen müssen“-Liebedienerei“ gewesen?“
Wenn nun also eine immerhin recht solide (wieder) gewählte Partei derart unfähig/nicht Willens ist, die Bedeutung des Wortes „Op-po-si-tion“ auch nur ansatzweise zu erfassen, tja, dann könnte man allen anderen Initiativen, die irgendwie daran arbeiten, sich mit Ausbeutung und Unterdrückung nicht abzufinden, schon mal einen Vorschuss geben, denn von einer parlamentarischen Kraft dieses Zuschnitts haben sie jedenfalls keine Unterstützung zu erwarten, die über We-are-family-Gehampel auf Parteitagen hinausgeht. Wenn der Verein dann auch noch der Meinung ist, permanente und ausufernde Kritik an Israel üben zu müssen, an einem Land, das immerhin vor knapp drei Jahren einen barbarischen Angriff auf seine Zivilbevölkerung erlebt hat, wobei viele Menschen ermordet wurden, dann weiß man, dass für so eine Linke halt auch in Abwandlung von Bebel gilt: „Der Antizionismus ist der Klassenkampf der dummen Kerls und Kerlinnen.“
Aber klar, da geht es um Dinge, bei denen sie sich des Beifalls, auch durchaus von falscher Seite, sicher sein können und auch, dass von den üblichen Staatsräson-Gebetsmühlen die dann fällige Kritik/Verdammung zu hören ist. Gemeinsam ist allen, dass sie bei ihren Kommentaren zu den Geschehnissen in aller Welt vor allem sich selbst meinen im sicheren Bewusstsein, zu den „Guten“ zu gehören.
Und wie sieht es mit Initiativen außerhalb des Parlaments aus? Das gibt es wohl schon Einiges, aber selbst Erfolge sind da mühsam, wenn es halt im Großen doch immer nur um Kapitalakkumulation, Wachstum und einen sehr verengten Leistungsbegriff geht. Es ist vielleicht schon einiges gewonnen, wenn man z.B. weiß, dass von Armut betroffene Mitmenschen teilweise Scham und Schweigen zu ihren Lebensumständen ablegen und sich – trotz aller Anfeindungen – darüber austauschen und organisieren. So etwas z.B. zu unterstützen wäre doch schon mal was, heroische Che-Guevara-Feelings sind aber eher nicht zu erwarten (müssen sie ja auch nicht).
Earl Offa …. Israel, das vor knapp 3 Jahren einen barbarischen Angriff auf seine Zivilbevölkerung erlebt hat“. ….
So wie die Gefängnisleitung und das Wachpersonal bei einem Auf-
stand im Gefängnis ?
So geht es, wenn einem Earl Offa die Relationen verrutschen. DiE israelische Bevölkerung, die zivile (!) hat einen barbarischen Angriff erlebt ?
1/10 der Bevölkerung ? ein 1/100 ?
1/1000 ?
Offenbar setzt beim Thema Israel sogar die Mathematik aus, die pol. Logik sowieso
Welche „Linken“? Im Bundestag gibt es 2026 keine Linken.
Die Wähler in Deutschland wollen
❤️ keinen „demokratischen und sozialen Bundestaat“ (Art. 20 Grundgesetz),
❤️ keine soziale Gerechtigkeit,
❤️ keine gerechte Steuerpolitik,
❤️ höhere Steuern für die Armen und
❤️ weniger Steuern für die Reichen/Superreichen
❤️ keine Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Steueroasen,
❤️ keine Maßnahmen gegen die Klimaveränderung,
❤️ keine gesunden Nahrungsmittel,
❤️ keine starken Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen,
❤️ keine soziale Marktwirtschaft,
❤️ keine gute öffentliche Krankenversorgung,
❤️ keine gute Allgemeinbildung für alle Bürger,
❤️ keine Bahn, die pünktlich ankommt/abfährt,
❤️ keine armutsfesten Renten,
❤️ kein Tempolimit von 150 km/h auf der Autobahn,
❤️ keine Diplomatie und Friedensverhandlungen mit Russland
❤️ keine Solidarität mit den Armen,
❤️ keine Bekämpfung von Fluchtursachen,
❤️ keinen bezahlbaren Wohnungen für alle Bürger
usw.
Die Mehrheit der Wählerinnen/Wähler in Deutschland will,
🖤💙🤎💛 Aufrüstung und eine kriegstüchtige Armee,
🖤💙🤎💛 noch mehr Waffen für die Ukraine,
🖤💙🤎💛 seichte Unterhaltung und Entertainment im Fernsehen,
🖤💙🤎💛 fröhliche Lieder im Autoradio,
🖤💙🤎💛 Fastfood, Gummibärchen und süße Getränke,
🖤💙🤎💛 Fertigprodukte mit viel Chemie aus dem Chemielabor,
🖤💙🤎💛 eine autoritäre Regierung und eine/n „starke/n“ Mann/Frau,
🖤💙🤎💛 einen „starken“ Mann oder auch Frau, der/die durchgreift,
🖤💙🤎💛 keine Fotos von Krieg, Tod, Leid und Zerstörung,
🖤💙🤎💛 einen palästinserfreien Gaza,
🖤💙🤎💛 noch mehr Kapitalismus und „freie“ Marktwirtschaft,
🖤💙🤎💛 keine bezahlbaren Wohnungen für alle Bürger,
🖤💙🤎💛 noch mehr Geringverdiener,
🖤💙🤎💛 noch mehr Arme und Obdachlose,
🖤💙🤎💛 keinen höheren Mindestlohn,
🖤💙🤎💛 Steuererleichterungen für Besserverdiener und Multimillionäre,
🖤💙🤎💛 eine höhere Mehrwersteuer für alle Bürger,
🖤💙🤎💛 „Superreiche“, die immer noch reicher werden,
🖤💙🤎💛 eine marode Infrastruktur und marode Brücken,
🖤💙🤎💛 eine Maut auf deutschen Autobahnen/Bundesstraßen,
🖤💙🤎💛 mehr Privat-Schulen für Besserverdiener und Reiche,
🖤💙🤎💛 weniger Arbeitslosengeld für Arbeitslose,
🖤💙🤎💛 weniger Krankengeld für Kranke,
🖤💙🤎💛 weniger Rente für Rentnerinnen/Rentner,
🖤💙🤎💛 weniger Krankenhäuser,
🖤💙🤎💛 noch mehr teures Frackinggas aus den USA
usw.
Sonst würden die Wähler echte Linke und keine Rechten und keinen Radikalen der bürgerlich-konservativ-liberalen Mitte in den Bundestag und in die Landtage wählen oder?
Der deutsche Durchschnitts-Spießer buckelt nach oben und tritt nach unten. Und glaubt allen Ernstes, er gehöre zur (gehobenen) Mittelschicht, die von all den „Segnungen“, vom Abbau demokratischer Rechte und von den autoritären Durchgriffen (das mag er auch heute noch besonders gern, allerdings nur, wenn es Andere trifft) nicht betroffen wäre.
Auch bei der Abkürzung ist die Fassade geblieben: BRD = BlackRock-Deutschland. Mit „BlackRock“ als Chiffre für Staat des Kapitals. Die „Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ – so der Titel des zu diesem Thema einschlägigen Werkes von Werner Rügemer – sind eben die neuen Finanzakteure. Überhaupt zeigt Rügemer in diesem und weiteren Büchern und Artikeln, daß das Lebensgefühl „gute alte BRD“ von Gründung an die Fassade eines Klientelstaates des westlichen Kapitals, mit Hauptsitz in Amerika, war. Das ging für Deutschland schon in den 1920er Jahren los – wenn man nicht schon mit Bismarcks Reichsgründung, als Klassenkompromiss von Junkertum und Großkapital, anfangen will.
Cumex Kanzler wusste schon, warum er sein deutsches reich verteidigte.
Die Reichstag Diskussion bzw. mediale Präsentation lieferte genügend Hinweise.
Die bewusste Diskreditierung der Partei afd, spielt genau in der Sphäre, um diese extrem liberale Partei zu fördern.
Der Liberalismus kennt eben keine Grenzen, da jede mögliche Grenze, abgeschottetet wird..
Das ist genau was missmerkel, als Alternativlos formulierte.
Eigentlich begann es schon in den 1980zigern.
Da zog nach und nach in die bundesrepublikanischen Gemäuer der neoliberale Zeitgeist ein. Der Zwillingsbruder des Faschismus.
Ein brillanter Artikel!
Zum Unterstreichen:
„Die wiedervereinte Bundesrepublik Deutschland hat [2026] mit dem Land gleichen Namens, das zwischen 1949 und 1990 existierte, nur noch den Namen gemeinsam. Auf den ersten Blick fällt das allerdings nicht auf. Weil die Fassaden noch stehen. Die heutige Bundesrepublik ist nichts Anderes als ein komplett entkernter Altbau.“
Stimmt, das Stehenlassen der Fassaden und der Formen – bis hin zu den Nachrichtensendungen – ist so gesehen ein gelungener Trick. Eine Art von schleichender Revolution ohne sichtbare grobe Revolution.
Und ich kenne wahrlich genug Leute, die das alles auch heute noch nicht gemerkt haben. Jeder kann es ja auch nicht merken, denn man braucht dazu ein gewisses Lebensalter.
—
Ja, wer kennt sie denn noch, die alte Bundesrepublik? Sicherlich war sie nicht perfekt, aber irgendwie doch berechenbar und mit funktionierenden Institutionen, die sich gegenseitig ausbalancierten (Gewaltenteilung) sowie einer guten Wirtschaft gesegnet.
Wer sie noch halbwegs kennen gelernt hat, und zwar in einem Alter, wo man schon selbst denken können sollte, der müsste 1990 oder meinetwegen auch noch 1995 mindestens – sagen wir mal – 25 Jahre alt gewesen sein. So einer ist heute 56 bis 61 Jahre alt – oder älter.
Schließlich endete die alte Bundesrepublik Deutschland nicht schlagartig am 3. 10. 1990, sondern über einige Jahre hinweg, etwa zwischen 1990 und 1998/2005. Der Bundeswehreinsatz im Jugoslawienkrieg (1995) wäre vielleicht eine geeignete Jahreszahl, wenn man denn unbedingt so eine Zahl braucht.
Anders gesagt:
Jeder, der heute jünger ist als etwa 56 Jahre, der weiß wirklich gar nicht mehr so richtig, wie diese alte gute Bundesrepublik war, und zwar unabhängig davon, ob er im Osten oder Westen aufgewachsen ist.
Und jeder der heute jünger ist als 46 Jahre, der hat noch nicht mal das Nachklingen, das Ausklingen zwischen 1995 und 2005 bewusst erlebt. Solche Leute können hier also gar nicht mitreden und sich ein Urteil erlauben.
Auch die DDR-Bürger von 1989 haben die alte Bundesrepublik in der Regel (es gibt Ausnahmen) nicht in ihren besseren Zeiten kennen gelernt, sondern hauptsächlich nur in jener eher traurigen Raff- und Treuhandperiode nach der Wiedervereinigung.
@Wolfgang Wirth: „Jeder, der heute jünger ist als etwa 56 Jahre, der weiß wirklich gar nicht mehr so richtig, wie diese alte gute Bundesrepublik war, und zwar unabhängig davon, ob er im Osten oder Westen aufgewachsen ist.“
Wer wollte Ihnen da widersprechen, obwohl „damals“ auch nicht alles super war.
Das erklärt aber nicht die real existierende demokratiefeindliche und unsoziale Politik der Regierung, die wir 2026 haben.
(Politiker und Geburtsjahr)
Friedrich Merz: 1955
Boris Pistorius: 1960
Marie-Agnes Strack-Zimmermann: 1958
Andreas Bovenschulte: 1965
Robert Habeck: 1969
Markus Söder: 1967
Olaf Lies: 1967
Katrin Göring-Eckardt: 1965
Saskia Esken: 1961
Kai Wegner: 1972
Peter Tschentscher: 1966
Cem Özdemir: 1965
Karl Lauterbach: 1963
Roderich Kiesewetter: 1963
Dietmar Woidke: 1961
Wolfgang Kubicki: 1952
Norbert Röttgen: 1965
Das sind 2026 noch aktive Politiker, die die Jahre bis zur „geistig-moralischen Wende“ 1982/83 von Helmut Kohl und den Fall der innerdeutschen Mauer 1989 miterlebt haben.
Aber der Zustand, den wir jetzt haben, ist auch nicht erst in den letzten fünf oder sechs Jahren vom Himmel gefallen.
⬛ Angela Merkel (1954) war 16 Jahre lang von 2005 bis 2021 Kanzlerin,
⬛ Gerhard Schröder (1944) war 7 Jahre lang von 1998 bis 2005 Kanzler und
⬛ Helmut Kohl (1930-2017) aka die „Gnade der späten Geburt“ wurde 16 Jahre lang von 1982 bis 1998 von den deutschen Wählerinnen und Wählern zum Kanzler gewählt.
@DIRTY OPERATING SYSTEM
Sie haben da eine gute und sehenswerte Aufstellung angefertigt.
Gut!
Für meine Begriffe vollzogen sich übrigens die meisten und auch die wichtigsten Wandlungen bzw. Entkernungen in der Regierungszeit jener bewussten Frau, also ab etwa 2005. Allerdings hatte die Aushöhlung schon in der Zeit von Schröder und auch schon während des Jugoslawienkrieges begonnen.
—
Was zeigt uns die Tatsache, dass viele der heute aktiven Politiker jene Verhältnisse noch kennen gelernt haben?
Keine leichte Frage.
Man ist geneigt zu antworten, dass diese älteren Leute – wenn sie den Wandel überhaupt wahrnehmen sollten – sich an der Entkernung nicht stören, da sie ihnen womöglich nutzt. Das lässt natürlich tief blicken …
Es scheint mir aber sogar so zu sein, dass viele dieser Leute den Veränderungsprozess gar nicht so recht bemerkt haben, weil sie sich erstens in ihrer eigenen sozialen Blase für genial halten und zweitens so sehr im politischen Moment leben, dass sie keinen Blick für längerfristige und langsame Veränderungen haben.
Die dritte Möglichkeit wäre, dass die alte Bundesrepublik gar nicht unbedingt sehr viel bessere Politiker hatte (nun, teils vermutlich schon … !), aber dass sich die großen Parteien CDU und SPD noch so sehr unterschieden, dass sie sich gegenseitig ausbalancieren konnten. Es gab eine ungefähres Gleichgewicht zwischen den zwei großen politischen Lagern, was gewisse Fehler und Übergriffigkeiten oft verhinderte. Die Gewaltenteilung bzw. das „system of checks and balances“ funktionierte sehr viel besser als heute. Und diese halbwegs gegebene Machtbalance war auch in allen größeren Organisationen, in der Justiz, in den Hochschulen, in den Medien usw. gegeben.
Diese dritte Erklärung scheint mir die mit Abstand wichtigste.
Es liegt also nicht so sehr an den Leuten.
Der Kern des Problems besteht somit in der programmatischen Angleichung der Parteien, wodurch die Kontrollmechanismen nicht mehr richtig funktionieren. Und das begann um 2005 mit der Großen Koalition (der zweiten nach 1966). Inzwischen gleicht im Grunde fast JEDE Regierung einer großen Koalition!
Die Parteien und die hinter ihnen stehenden Kräfte haben auf diese Weise sozusagen die Opposition als relevanten Faktor verschwinden lassen bzw. zur Scheinopposition umgewandelt. Und jene zwei Parteien, die sich dieser Riesengroßen Koalition von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linkspartei verweigern, die werden eben gezielt diffamiert und politisch tot gemacht. Wenn die CDU (in Form von MP Günther) selbst mit der Linkspartei zu koalieren bereit ist, dann stimmt doch irgendwas nicht mehr!
Man kann diesen neuen Zustand auch mit jenem bewussten Wort benennen, das mit K beginnt …
Man darf vermuten, dass dieser neue Zustand den wirklich Mächtigen, also den Herren des Geldes, angenehmer und lieber ist als das frühere ständige Hin und Her zwischen sehr unterschiedlichen Parteien.
Linke würden es vielleicht so ausdrücken:
Nach dem entscheidenden Sieg der kapitalistischen Ordnung (von 1990) sorgt das Kapital seither für eine weitgehend ungestörte neoliberale Politik in seinem eigenen Sinne.
Damit das nicht zu sehr auffällt, lässt man den (neuen) Linken aber ein bisschen Narrenfreiheit im Kulturbereich.
—
Wenn meine Überlegung stimmen sollte, dann wäre dieses System im Grunde NUR dadurch aufzubrechen,
dass es wieder zwei große und sich deutlich unterscheidende politische Lager gibt. EBEN DAS soll aber mit der Ausgrenzung der AfD verhindert werden. Die AfD ist eben nicht gefährlich, weil sie angeblich angebräunt wäre, sondern deshalb, weil sie dieses neue „angenehme“ System der Riesengroßen Koalition gefährdet. Leider gibt es Leute, die das nicht verstehen.
@dirty und @wirth
Sie beide ergänzen sich wirklich gut. Und ich stimme Ihnen beiden in vielem zu.
Wenn ein Konservativer und ein (Alt-)Linker (und ich 🙂 )sich in der Analyse soweit einig sind, ist das bezeichnend für den Zustand der Republik. Die „Mitte“ führt uns in den Abgrund. Wir „Boomer“ haben den Durchblick, die Altersweisheit, die Erfahrung, was auch immer, sind unzufrieden und wollen was ändern.
Das Problem: Einem großen Teil unserer Mitbürger, gerade vielen Jüngeren geht das am Allerwertesten vorbei. Wir haben tolle Texte, Analysen und unsere Argumente sind stichhaltig. Allein, es fehlt an der gesellschaftlichen Praxis, an der kritischen Masse, um etwas in Bewegung zu bringen. Da wird uns auch die AFD oder das BSW nicht weiterbringen. Parteien können nicht die Lösung sein.
Aber zornige alte Menschen sind ein guter Anfang!
–
Ihnen beiden einen Extra-Dank für immer wieder gehaltvolle und nachdenkenswerte Beiträge im Forum.
@Froschhaut
Vielen Dank für Ihre freundlichen Worte. Ich nehme an, dass ich dass stellvertretend auch für Meister @Dirty … („Dirty Harry“ … ?) schreiben darf.
—
Wenn sich die Mitte radikalisiert, dann sind auf einmal Konservative und (Alt-)Linke trotz aller sonstigen Differenzen gar nicht mal so selten einer Meinung. Es scheint so, als ob der brutale Zug der Zeit über sowohl über Linke als auch über Konservative hinweggerollt ist.
Man sollte auch den zunehmenden Einfluss von außen auf die Politik nicht übersehen. Die Bilderberger gibt es schon länger, das WEF noch nicht so lange. Die prahlen ja sogar damit, daß die jüngere Politikergeneration nach ihrer Pfeife tanzt.
Es existieren etliche Staaten auf dieser Welt, die das deutsche Modell besitzen.
Warum werden Kriege geführt?
Nicht um des Sieges Willen, sondern, daß das Kapital ‚das Land‘ kontrollieren kann.
Man stülpt ein angebliches demokratische System darüber und lässt diese majorette dann tanzen…
Wir Menschen müssen nicht die Demokratie neu erfinden, wir müssen dieses Recht der demokratischen Teilhabe praktizieren.
Ja das ist leicht daher geschrieben, aber, wenn Demokraten eine Demokratie wollen, bleibt nur eines übrig.
Die praktizierte deutsche Politik ausser Kraft zu setzen. Können das die deutschen und ihre willkommenen Gäste?
Nein, das können sie nicht, weil zu viele am Rock der Nahrung hängen…
Was übrig bleiben wird, ist die Gefahr der Anarchie.
Ich habe nur ein Problem damit. Wo kann ich eine Bahnsteigkarte erwerben? Ich habe gehört als Deutscher braucht man so etwas zur Revolution.
Die Bonner Republik wurde durch die sozialistische Alternative im Osten zivilisiert. Unmittelbar mit derem Verschwinden begann der Umbau in die Berliner Republik. Von der Plünderung der Arbeitslosenversicherung für die Erweiterung gen Ost durch das Kurzarbeit Null bis zu Hartz IV war der Weg durch die Deindustrialisierung des Osten vorgezeichnet. Die dubiose Ermordung Rohwedders brach der Kritik an der Treuhand das politische Genick.
Von Anfang an kippte die Bundesrepublik das Öl des Separatismus in die Konflikte der jugoslowischen Republik. Ob das Streichholz 1992 in Pullach selbst angezündet wurde, werden wir wohl nie erfahren. Die sofortige staatliche Anerkennung verhinderte jede nicht kriegerische Lösung und machte den legalen Weg für die Entsorgung der NVA-Bestände an die eigene kroatische Klientel frei, bei der Rückeroberung Vukovars soll deas Equipment eine vollständige NVA-Panzerbrigade gewesen sein. Den im Osten (nicht nur auf dem Gebiet Jugoslawiens) entstandenen vielen kleinen staatlichen Entitäten waren vom Konstrukt her politisch und wirtschaftlich viel zu schwach, um ein Gegengewicht zu den östlichen deutschen Interessen bilden zu können.
Wer der Bonner Republik nachtrauert, der sollte sich im Klaren sein: Diese Bonner Republik war nicht mehr als ein erzwungener Kompromiss mit den 1945 eigentlich besiegten wirtschaftlichen und militärischen deutschen Eliten gegen den Osten. Wenn Scholz, März und Pistorius von der Zeitenwende mit der stärksten Armee Europas schwafeln, dann will die 1945 besiegte deutsche militärische
und wirtschaftliche Elite wieder an alte Zeiten anknüpfen. Allerdings bei aller gebotenen Vorsicht diesmal die Zeche für ihrem Grössenwahn im Falle ihres erneuten Scheiterns wirklich einmal begleichen zu müssen
Mit ‚untertänigstem Verlaub‘- was anderes ist in diesem unseren Lande auch gar nicht mehr zulässig, wenn wir denn mal einfach ehrlich zu uns wären – Herr Ensel, zwischenzeitlich in den Siebzigern angekommen, hat ja nicht so ganz unrecht. Wenn es nicht – vermutlich, heute heißt es wohl mutmaßlich – noch viel schlimmer sein dürfte. Nichtsdestowenigertrotz, sollten wir alle längst auf der Auslauframpe angekommenen nicht einfach nur zufrieden sein, wenn wir mit unserem dahinschwindenden Leben womöglih noch was anzufangen vermögen (außer Singen&Klatschen), Alszheimer wie auch Demenz noch nicht allzusehr das Zepter ergrifffen haben, die Rente pünktlich kommt, der medizinisch-pharmazeutische Komplex einem doch noch etwas Freizeit gönnt.
Die acht Lenze, die meine Wenigkeit mehr auf dem Buckel hat als der Autor, müssen ja auch einen gewissen Mehrwert geliefert haben. Ja, ich habe sie noch erleben, sehen wie brummen hören dürfen, jene teils riesigen Geschwader aus silberchromglänzenden Ungetümen – von der Sorte wie sie kurz vorherl auch über Hiroshima&Nagasaki einschwenken durften oder dann nicht mal zehn Jahre späteer über Pjöngjang, noch mal weitere 10 Jahre später mal gerne wieder über Hanoi etc.pp. Nun gut, ich hatte ja reichlich zu tun in meinen jungen Jahren. Erst einmal auf dem Boden rumgekrabbelt, die unzähligen Spielfiguren aus Plaste&Elaste (nein, ich bin kein Ossi, mein kindlicher Blick an den Horizont endete schon in Frohnkreisch) längst wieder massenhaft habbar auch wenn es sonst nicht gab, allzuviel zu fre… egal. Klar die lütten, süßen Panzerchen, die ich hin und hier schieben durfte, eigentlich hätte ich doch besser ‚Tanks‘ sagen müssen. Eine ‚machtvolle Demonstration unserer Befreier von jenseits des Teiches jedenfalls. Doch Vorsicht unter den Jagdfliegern und -bombern, den Mustangs und den Lightnings – mein ganzer Stolz – waren dann doch schon auch mal ein paar Me’s und Focke-Wulfs, Stukas anzutreffen. Gegen wen auch an hatten erstere ja schließlich ankämpfen sollen? Nein, zugegeben, Heldentaten in grauen oder gar schwarzen Röcken sind mir seinerzeit nicht untergekommen.
All das begab sich zu der Zeit, als ich vom Wohnzimmerfenster aus – mit viel gallischem Tschingderassabumbumm – auf der Straße unten reichlich jene eigentlich auch siegreichen – im ersten WK nannte man sie noch ‚poilu‘ – Helden aus dem Landstreifen von vis-à-vis vorbeiziehen könnte. Dass dieser Erzfeind – ‚Franzos’ mit de rote Hos sind alles … Sau-Köpf‘ war mir rechtzeitig eingebläut worden – dann doch nicht ganz so unsympathisch sein würde sich ja noch alsbald auswirken. Und irgendwann war dann das Bodentruppenbewegen vorbei, reichlich früh wurde ich in deutscher Premiumsliteratur gestählt. Ja doch, so hielt auch der erste Sachse – ein gewisser May, Karl – Einzug in mein junges Leben. Was habe ich sie mir reingezogen, die in Leder gebundenen braunen Schinken, mit den geilen Bildchen vorne drauf, Rothäute im Westen – zuvorderst Winnetou, die gut Gebräunten aus dem Osten – aus dem wilden Kurdistan und so. Lange sollte es dann auch nicht mehr gehen und neben jener ‚Presse‘, deren einschlägige Propaganda mich dann auch zum ersten Vorsitzenden des ‚Micky-Maus-Clubs‘ werden lassen sollte (ein Verein mit einem Mitglied, versteht sich), gab es dann doch die ersten zaghaften Versuche des Aufbaus einer Gegenpropaganda gegen jene des aufstrebenden Wertewestens.
Der post-war kulminierenden Rufschädigung über den deutschen, den teutonischen Rockträger hieß es schließlich entgegenzuwirken, sonst würde ‚frisches deutsches Blut‘ ja nie mehr ‚kriegstüchtig‘ werden. Rolf Torring sein Name – Ex-Offizier mit Tropenhelm und in schniekem weißen Tropendress – irgendwo unterwegs auf seiner Jolle (oder ähnlichem) in den weiten Gefilden irgendwo zwischen Arabien, Indien, Andamanen and so on. Keine verschwiegene Bucht auf einsamem Korallenriff die er nicht heimgesucht und – sagen wir mal – zurückerobert hätte von bösen Gesellen jeglicher Hautfarbe. Das die eine mir für’s Erste lieb zu werdende Fibel-Kette, bis zum Ende in DIN A6, wohl auf Papier der letzten Notration aus unserem abhanden gekommenen Reichsprogagandaministerium. Nicht zu vergessen, neben dem schneidigen Rolf gab es ja auch noch den Jürgen, den Farrow – seines Zeichens U-Boot-Kommndant zu Friedenszwecken ! Klar, die Marine und vorallem nicht unsere Heldenbuben von der U-Boot-Truppe durften keinesfalls in der Versenkung verschwinden. Und so tobte unser Jürgen mit seinem irgendwo ausgeliehenen U-Boot und den ewigen tapferen Seinen – im gleichen Einsatzgebiet wie der Rolf schon – herum. Man fasst es nicht, die beiden durften sich gelegentlich sogar hin- und wieder mal irgendwo treffen und sich beim gegenseitigen Ruhmbekleckern unterstützen. Ja doch, genau, war ja auch der gleiche Verlag, der sich dieser tollen Geschäftsidee bediente. Fix&Foxi waren mir größtenteils immer am Oberschenkel vorbei gegangen.
Wann genau der damalige wahre Machthaber von overseas darob aufmuckte und den Beiden glaubte auflauern und sie umgehend entsorgen zu müssen, keine Ahnung. Aber er hatte wenigstens für Ersatz gesorgt, immerhin! Jerry Cotton mit seinem Kollegen und Freund Phil (Second name abhanden gekommen) vom Federal Bureau of Investigation, Standort NYC sollte dann für eine reichliche Zeittranche meiner Adoleszenz herhalten. Andere Groschen- und Revolverblättchen schlugen sich nicht. In meinem Langzeitgedächtnis nieder, war ich doch binnem kurzen zum absoluten Afficionado für US-Begebenheiten unter besonderer Berücksichtigung von Manhattan&Brooklyn et al geworden. Es würde sich rächen, aber niemand hat mich gewarnt. Law&order – Recht und Gesetz – hatten mich jedenfalls per FBI und Friend Jerry erst einmal voll im Griff. Wie so oft später im Leben bestätigt, sollte sich mal zuviel des Guten nicht zum Besten wenden. Und außerdem – es war jene, die gymnasiale Zeit angesagt. Sie sollte enden just zu der Zeit als irgendwo im Hinterland von Hinterasien – Vietnam oder so ähnlich die Kacke zu dampfen begann. Aber langsam mal mit de junge Feerde.
Klar, die fuffziger Jahre, das erste volle Jahrzehnt in meinem und auch dem der Bonner demokratischen Republik, des Wirtschaftswunderlandes wie auch die dazu erforderliche geteilte (Kinder)landverschickung – die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Jeweils für Beide angesagte 40 Jahre der Quarantäne. Um – for our own safety, wie es hieß – die NATO und das Wohlergehen US-amerikanischer Rüstungsindustrie verkaufen zu können. Nun, diese Jahre gingen bei mir so ziemlich am Oberschenkel vorbei. Wie auch sonst, wo man doch gut behütet von Propaganda jeder, auch der neuen Art und auch von rundum gut erhaltenen vom möglichen ‚Endsieg‘ Träumenden in Schule und Alltag umgeben war. Zu Anfang nervte es einem nicht einmal. Und das Eingemachte wurde einem sowieso verschwiegen, die Lehrer hatten allen Grund ihre Erinnerungen für sich zu behalten, das Elternhaus i.d.R. auch. Wobei ich meinen Eltern, weder meinem Vater noch meiner Mutter diesbezüglich irgendetwas vorzuwerfen hätte. Haben sie mir doch schon früh glaubhaft – übrigens mit guten Argumenten und Belegen, ohne nach ihrer Parteimitgliedsnummer wie es jetzt möglich und sogar Mode sein soll – fragen zu müssen – ihre Nicht-Betroffenheit im vergangenen Regime versichern können. Ob es die Schilderungen meiner Mutter waren – die hatte mit zwei Mädchen und zwei kleinen Buben schließlich genug zu tun, wie sie ihren zeternden Göttergatten angesichtig aufziehender brauner Horden in Nebengassen zu zerren hatte. Oder doch die – sogar belegten – Bitten um einen Persilschein von offensichtlich dann doch ‚Betroffenen‘ – kurz nach seiner vorzeitigen Rückkehr damals von den Rheinwiesen. Dort war man – bekanntlich oder nicht – nicht besonders zimperlich, wenn ein – berechtigt oder nicht – Verdacht offenliegen sollte.
Und dennoch war ich mit meinem Vater von früh an und dann bedenklich zunehmend nicht besonders eins, besonders politisch wie überhaupt. Aber das muß man wohl einfach so hinnehmen? Mitnichten! Seine politische Einstellung – wenn er denn gehabt hätte – war dann doch sehr – für mich zumindest – immer sehr grenzwertig. Ja klar, später einmal würde ich für seinen – zurückhaltend formuliert – stets vermittelten Hass mit allem was mit Sozen zu tun hatte, volles Verständnis aufbringen können. Aber dazu mußte ich ich erst einmal durch’s tiefe Tal, der Willy-Begeisterung, der Parteimitgliedschaft und dem zwangsläufig alsbald folgenden Entsetzen über … Aber auch meine Eltern sollten mit den Ihrigen ihre Enttäuschungen abbekommen, so heilig kurz vor Heiligversprechung war der Alte, besagter ‚Konny‘ dann auch nicht mehr und seine Nachfolger. Na ja, ob der Kanzleramtsminister so gut wie über die ganze Adenauer’sche Amtszeit hinweg so besonders von seinen skills bzgl. Rassengesetze zu zehren vermochte, ob der ehem. Verbindungsmann zwischen Reichsaußen- und Reichspropagandaministerium unbedingt eine solch akzeptable christliche Überzeugung gehabt haben kann um als Unions-Kanzler bestehen zu können oder der eigene Ministerpräsident im Ländle, erst einmal als ‚schrecklicher Jurist‘ wirken durfte (notfalls googeln) und das nach der dunkelsten Stunde bisher auch noch. Wie konnte das alles so angehen? Auch wenn ‚man wie Frau’ das alles lange nicht wahrhaben wollte, aber sagte nicht einmal ein Adalbert von Chamisso was von „Die Sonne bringt es an den Tag“?
So, das war’s dann fürs Erste. Sind kurz vor dem Fallbeil der 10.000 Anschläge! Sollte diese erste Tranche – zu den ersten anderthalb Jahrzehnten im Wirtschaftswunderland – das Wohlgefallen der Zensur finden, wird es wohl (Vorsicht, das ist eine Drohung) die zweite Tranche geben dürfen, der Rest von den Fünfzigern, den Sechzigern in voller Breite bis zu den letzten beiden. Die Bücher meines Lebens sind zu erwähnen, von einem Deutsch-Schweizer, dem der große v-Kanton immer sehr nahe stand. Auch denen von einem Halb-Sachsen, der dem herrschenden Pöbel aus ‚Preussen nebst Anhang‘ nie so kompatibel wahr.
Och nö, Amsterdam (protestantisch, ätsch) lag *uns*, wenn auch räumlich entfernter, stets näher als Paris. Aber das nur am Rande.
In Deutschland war Sozialdemokratie. Keine Ahnung wer von den Sozen gerade am Machen war, Heiner Geißler, Blümlein oder wer auch immer. Die Balance beruhte weiterhin auf dem Gegenangebot des Real-Existierenden-usw.. Deshalb muss auch Kuba jetzt ganz schnell von der Landkarte verschwinden.
Die jetzt im Auftrag der Evolution Maraudierenden können uns nichts mehr anhaben, da unser gemütliches
Dasein unlöschbar im Blockuniversum gespeichert ist.
We’re all living in America, America ist wunderbar…..
Es hat in den letzten Jahrzehnten hervorragend funktioniert, der deutschen Republik das Mäntelchen des Wildwest-Kapitalismus der USA umzuhängen. Viele Bürger dieses Landes finden das ausgezeichnet, aber leider übersehen sie die andere Seite der Medaille: Deutschland ist kein Ami-Land und sollte dessen Kultur auch nicht vollständig annehmen. Mit einem bundesdeutschen Kanzler, der für den US-Wildwest-Kapitalismus hart gearbeitet hat, mit dem ist da aber keinerlei Hoffnung zu erwarten.
Wer ’89 euphorisch reagierte, war reichlich naiv. Mir hat der damalige westliche Triumphalismus eher schlaflose Nächte bereitet. Und leider wurde ich seitdem nur bestätigt. Immer wieder, immer noch.
Also ich schreibs mal so damit der letzte Depp es vielleicht irgendwann checkt.
Und weil mir Leo Ensels wehmütiges Gejammer auf den Sack geht.
Der Sozialstaat führte 3 Kriege.
Nach den ersten war er noch mächtig.
Nach den zweiten war er noch bewohnbar aber unheilbar an Schizophrenie erkrankt
Nach den dritten war er nicht mehr aufzufinden.